Die Psalmen
Eine Auslegung für die Praxis

Psalm 47

Die zukünftige Herrschaft des HERRN (oder: Jahwe, Jehova), des Bundesgottes Israels, über alle Völker der Erde steht in diesem Psalm im Vordergrund. Dann ist Er von allen anerkannt als der große und furchtbare Gott, dem niemand gleich ist, „herrlich in Heiligkeit, furchtbar an Ruhm, Wunder tuend“ (2. Mo 15,11; 5. Mo 7,21; Jes 54,5). Der allein wahre Gott kann nur ein zu fürchtender Gott sein, denn „heilig, heilig, heilig ist der HERR der Heerscharen“ (Jes 6,3–5; Vers 9b). Alle Ersatz-Götter sind in Wirklichkeit unheilige Nicht-Götter, menschlichen Vorstellungen entspringende Wunschbilder. Die Furchtbarkeit der Pracht und Majestät Gottes lässt alle, die ohne den Versöhner zu kennen, unter Seine Augen treten, erzittern und um ihr weiteres Bestehen bangen (Vers 3; vgl. Ps 76,8.12f; 89,8). Die ganze Erde wird Ihm nach der Errichtung Seines zukünftigen Reiches als dem Schöpfer und höchsten Herrn huldigen, „denn Gott ist König der ganzen Erde“ (Vers 8). Unter Seiner Herrschaft wird niemand mehr Ihm gegenüber gleichgültig oder auch nur unbeteiligt bleiben können. Die Bevölkerung der Erde ist Ihm dann ergeben und „klatscht in die Hände“ als Ausdruck der großen Freude darüber, dass Er die Herrschaft angetreten hat und nunmehr vollkommen geordnete, segensreiche Umstände herrschen. Offensichtlich ist dies nicht eine erzwungene sklavische Haltung (Vers 2; Ps 66,1–5). Näheres über Seine Regierung findet sich in den Ps 93 bis 100 und in den Kapiteln 55 bis 66 des Propheten Jesaja. Sein Reich ist ein ewiges Reich. Seine Herrschaft, die vorher auf der Erde von den meisten in Frage gestellt und sogar verachtet wurde, wird dann in Ewigkeit uneingeschränkt zum Wohl des Ganzen wirken. Das bedeutet vollkommene Sicherheit und ewigen Frieden, und die Menschen ordnen sich willig Seiner Autorität unter (Sach 14,9).

Schon bei der Landnahme des Volkes Israel, nachdem es aus Ägypten nach Kanaan gezogen war, hatte der HERR Seine gewaltige Macht bewiesen, als Er Israel verschiedene Völker zu Füßen legte und deren Land Seinem Volk zum Erbteil gab (Verse 4 und 5). Mit ähnlichen Machtbeweisen hatte Er auch während der Regierungszeit Davids und Salomos zu Gunsten Israels eingegriffen (Ps 18,48). Doch das damalige Auftreten Gottes zur Inbesitznahme verschiedener Länder betraf ein begrenztes Gebiet für einen eingeschränkten Zeitraum. Im Prinzip aber ist es der Vorläufer des jetzt noch zukünftigen Antritts der Herrschaft des HERRN über alle Völker der Erde. Denn wie in jener früheren Zeit wird die Errichtung des kommenden Reiches Gottes durch Sein Eingreifen zu Gunsten Seines irdischen Volkes gekennzeichnet sein. Die Regierung des HERRN wird ihren Anfang in Jerusalem nehmen, das fortan für immer die Königsstadt des Messias Israels und Königs aller Könige bleiben wird. Sein Volk Israel wird in dem irdischen Reich Gottes eine von allen geachtete Sonderstellung einnehmen, denn der regierende König und Gott der ganzen Erde ist der wahre Sohn Davids Jesus Christus. Der Errichtung des Reiches geht das Gebet der Gottesfürchtigen voran, die Ihn im Glauben als den ihnen verheißenen Erlöser zu Hilfe rufen werden; und darauf wird Er in Erfüllung der göttlichen Verheißungen durch Sein Herabkommen vom Himmel antworten.

Der Messias Jesus Christus, der HERR, wird das Versprechen einlösen, das Gott dem gläubigen Abraham in 1. Mo 15,7 gegeben hat, dass dessen Nachkommen als eine große Nation das Land, in dem Abraham sich als Fremder aufhielt, besitzen sollen. In 1. Mo 18,17–19; 22,15–18 bekräftigte der HERR Seine Verheißung, indem Er hinzufügte, dass durch einen der Nachkommen Abrahams alle Nationen der Erde gesegnet werden sollen. Der damals verheißene Nachkomme ist Christus. Er wird den zuvor gefassten Ratschluss Gottes in der Zukunft in allen Teilen zur Erfüllung bringen (2. Kor 1,20; Gal 3,16–19). Dies wird auch aus Liebe zu Seinem Knecht Jakob geschehen, dem der HERR die gleiche Zusage gemacht und auch die Erwählung Israels zugesichert hatte (Vers 5; 1. Mo 35,11f; 48,3f; Jes 44,1–5). Noch ehe die Mehrzahl der Völker in die Geschichte eingetreten war, hatte Gott, der Höchste, bereits für Israel ein besonderes Erbteil als irdisches Besitztum ausgewählt, um Seinen Sohn Jesus Christus dorthin zu senden, damit Er von Israel ausgehend die göttliche Herrschaft über alle Völker antreten könnte. Als Mittelpunkt des zukünftigen Reiches Gottes auf Erden genießen sie, die Geliebten des HERRN, eine für immer gesicherte Vorrangstellung (Vers 5). Dieses ‚Erbteil' verdanken sie Ihm, dem HERRN Selbst, dem ‚Schild ihrer Hilfe', dem ‚Schwert ihrer Hoheit'. Er ist der Stolz und der Schmuck des an Ihn glaubenden Überrests aus Israel (5. Mo 10,15; 32,8f; 33,29; Jes 4,2; 60,13–16).

Der Anlass zu besonderer Freude mit Posaunenschall ist die noch zukünftige Erhöhung Christi, des Sohnes Gottes, als König Israels und Regent über die ganze Erde. Er, der Sich einst erniedrigte und auf diese Erde herabkam, um hier zu leiden und zu sterben, wird Sich dann „auf den Thron seiner Heiligkeit gesetzt“ haben (Verse 6 bis 9). Offenbar wird dies vor den Augen aller Völker geschehen. Er ist dann der Herrscher der Welt. Satan und das Böse sind besiegt. Durch diese zukünftigen Vorgänge wird das Werk Gottes auf der Erde vollendet, Sein Wille und Seine Beschlüsse von jeher sind dann durchgeführt. Der „Thron Seiner Heiligkeit“ stellt die absolute Herrschaft des Guten und Gott Wohlgefälligen sicher. Was Gott mit Israel bezweckte, ist dann erfüllt: „Er erblickt keine Ungerechtigkeit in Jakob und sieht kein Unrecht in Israel; der HERR, sein Gott, ist mit ihm, und Jubelrufe wie um einen König sind in seiner Mitte“ (4. Mo 23,21). Der Zeitpunkt der Erfüllung des ermunternden Aufrufs Jesajas an die Glaubenden aus Israel ist dann gekommen: „Steh auf, leuchte; denn dein Licht ist gekommen, und die Herrlichkeit des HERRN ist über dir aufgegangen! Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völkerschaften; aber über dir strahlt der HERR auf, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. Und Nationen wandeln zu deinem Licht hin, und Könige zum Glanz deines Aufgangs“ (Jes 60,1–3; Ps 24,7–10). „Hoch über alle Nationen ist der HERR, über die Himmel seine Herrlichkeit“ (Ps 113,4). Wie die angeführten Schriftstellen zeigen, ist dann die ewig bleibende Verbindung der Erde mit dem Himmel durch den HERRN (oder: Jahwe, Jehova), den Herrn Jesus Christus, zur Wirklichkeit geworden. Auch in dieser Hinsicht ist Er, der Mensch Jesus Christus, der Mittelpunkt aller Dinge und auch der „Mittler zwischen Gott und Menschen“ (1. Tim 2,5). „Niemand ist hinaufgestiegen in den Himmel als nur der, der aus dem Himmel herabgestiegen ist, der Sohn des Menschen, der im Himmel ist“ (Joh 3,13; 1,51).

Christus ist dann „König der ganzen Erde“ (Vers 8), denn Ihm ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf der Erde (Sach 14,9; Mt 28,18). „Das Reich der Welt unseres Herrn und seines Christus ist gekommen, und er wird herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit“ (Off 11,15; 12,10; 15,3; Ps 45,7; 97,1). Nachdem dies offenbar geworden ist, kann Ihm mit vermehrter Einsicht gedankt werden für die Vollendung Seines Werkes, auch dafür, dass die gottlosen Rebellen bestraft und Seine treuen Knechte belohnt werden (Off 11,17.18). Die Einsicht über die weisen Fügungen Gottes wird vermehrt vorhanden sein, auch über bisher kaum zu erfassende Maßnahmen (Vers 8b). Denn dann liegt öffentlich zutage, dass alle Dinge Seinen Zielen zu dienen haben und dass Er an Seinem Volk Herrliches getan hat (Röm 11,25–36; Jes 12). Mit der Ausweitung des Lobes der Verse 6 bis 8 ist das Maß und die Vielfalt der Lobeserhebungen vergleichbar, die als Folge der Vollendung des Werkes Christi am Kreuz ihren Anfang genommen haben (Ps 22,23–32; Off 5,8–14). So gewinnt Gott durch das Werk Seines geliebten Sohnes einsichtige, verständnisvolle Anbeter. Ihr Lob kommt aus dankbaren Herzen und würdigt die wunderbare Person Christi; es gereicht zur ewigen Verherrlichung des Namens Gottes.

Der Thron der Herrschaft Gottes ist der Thron der Heiligkeit, der absolute Gerechtigkeit verlangt (Vers 9). Darum ist Er zu fürchten. ‚Es handelt sich da um die Entfaltung seiner Macht auf Erden‘ (Darby).

Vers 10 kündigt an, dass „die Edlen der Völker“, die Fürsten und Vornehmen als die Stellvertreter der Nationen, sich in der Anerkennung Christi einsmachen mit dem Volk Abrahams, das dann durch die innige Verbindung mit seinem Messias geistlich geeint ist. Sie alle erkennen Ihn an als ihren gemeinsamen Gott und Gebieter und verehren Ihn gemeinsam. „Und alle Könige werden vor ihm niederfallen, alle Nationen ihm dienen“ (Ps 72,11; 2,11; 108,4–6). Sie beweisen ihre gute Gesinnung, indem sie sich in die große Schar der Ihm Dienenden einreihen. Eine Vernachlässigung des Gottesdienstes wird nicht mehr geduldet werden (Sach 14,16ff). Von Götzendienst wird man nichts mehr hören und sehen. Bei dem über alles erhabenen Gott wird man Schutz und Führung suchen, nicht mehr wie früher bei allerlei Idolen und Leitbildern (Vers 10). Wer im Reich Christi Autorität auszuüben hat, erfüllt seine Aufgabe im völligen Gehorsam Gott gegenüber. Niemand handelt in eigener Machtvollkommenheit. Es wird keine Macht mehr geben, die einen Schutz oder Schild bietet, außer dem alleinigen Gott. Er ist es bereits jetzt und seit jeher, der in Wirklichkeit die Welt beschirmt und erhält, vor allem aber die Seinigen (1. Tim 4,10). Immer wieder hat Er schon bisher die vielfältigen Gefahren abgewehrt, die dem Menschengeschlecht im Lauf seiner Geschichte gedroht haben. Die furchtbarste aller Gefahren bannte Er durch die Sendung Seines Sohnes Jesus Christus für alle, die bei Ihm Schutz suchen vor dem ewigen Tod und dem Verderben. Wer außer Ihm hätte dazu die erforderliche Kraft und Weisheit gehabt und die nötige Barmherzigkeit aufgebracht? Gott versicherte dem Abraham: „Ich bin dir ein Schild, dein sehr großer Lohn“ (1. Mo 15,1), und Abraham vertraute darauf.

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