Die Psalmen
Eine Auslegung für die Praxis

Psalm 117

Der Psalm richtet die Aufforderung an alle Menschen: „Lobt den HERRN, alle Nationen! Rühmt ihn, alle Völker“ (Vers 1; Ps 45,18; 72,11; Jes 60,3–6). Dem Aufruf zum Lob in jener noch kommenden Zeit der Weltherrschaft Gottes fügt Ps 72,19 hinzu: „Und gepriesen sei sein herrlicher Name in Ewigkeit! Und die ganze Erde werde erfüllt mit seiner Herrlichkeit! Amen, ja Amen“. Ps 96 beginnt mit den Worten: „Singt dem HERRN ein neues Lied, singt dem HERRN, ganze Erde!“ und fügt in Vers 11 die ermunternden Worte hinzu: „Es freue sich der Himmel, und es frohlocke die Erde! Es brause das Meer und seine Fülle!“ Dass das einstimmige Lob Gottes aus aller Menschen Mund im zukünftigen Reich Gottes auf der Erde Wirklichkeit werden wird, weissagt bereits 5. Mo 32,43: „Jubelt, ihr Nationen, mit seinem Volk!“. Der Brief an die Römer greift die Prophezeiung des vorliegenden Psalms auf und bestätigt sie (Röm 15,10.11), um sowohl die Gläubigen aus Israel als auch die gläubigen Christen in der Hoffnung zu bestärken, dass sich die einst an Abraham gerichtete Verheißung erfüllen wird: „In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde!“ (1. Mo 12,3). Dieser verheißene Segen wird auf eine himmlische und auf eine irdische Weise zur Wirklichkeit werden. Um in den Genuss des Segens zu kommen, bedarf es in jedem Fall eines wahren persönlichen Glaubens. Dies geht aus Röm 4,16.17 hervor: „Darum ist es aus Glauben, damit es nach Gnade sei, damit die Verheißung der ganzen Nachkommenschaft fest sei, nicht allein der vom Gesetz, sondern auch der vom Glauben Abrahams, der unser aller Vater ist, (wie geschrieben steht: ‚Ich habe dich zum Vater vieler Nationen gesetzt‘)“. So hat Gott in längst vergangenen Zeiten der Weltgeschichte bereits festgeschrieben, dass in dem zukünftigen Reich auf der Erde alle Lebenden an dem Rühmen und Loben Seines Namens beteiligt sind. Obwohl die Geschichte Israels im Rahmen der Völkergeschichte einen vergleichsweise geringen Raum einnimmt, hat Gott dennoch gerade dieses Volk geschaffen und erhalten, um aus ihm das Heil der Welt und den Retter aller Glaubenden hervorgehen zu lassen. Dieses Vorhaben wird durch die Bezugnahme auf Israel in Vers 2 betont, indem es nicht nur heißt: ‚mächtig ist seine Güte‘, sondern „mächtig über uns ist seine Güte“, nämlich vor allem über Israel.

Neben den oben zitierten Büchern Moses und einigen Psalmen sagt auch der Prophet Jesaja voraus, dass Gottes Ratschlüsse betreffs eines zukünftigen Heils sich nicht auf die Gläubigen des Volkes Israel beschränken, sondern den Menschen aus allen Nationen gelten, die zu Gott umkehren und sich dem HERRN anschließen (Jes 45,20.22; 49,6; 56,2–8). Wenn der Herr Jesus in der Zukunft von dem gläubigen Überrest Israels anerkannt ist und Sein Reich auf der Erde errichtet hat, werden viele Menschen Ihn als ihren Schöpfer und Gott erkennen und werden Seine Regierung und Seine Eigenschaften hochachten. Sie werden nicht nur Seine Weisheit als Herrscher über die ganze Erde rühmen, auch nicht nur Sein Wirken zum Wohl der Menschen und zu ihrer Rettung. Vielmehr rühmen sie Ihn um Seiner göttlichen Majestät und um Seiner Güte willen (Vers 2), weil sie Seine herrliche Vollkommenheit anschauen und Ihn als den Ursprung des Guten erkennen. Ihr Überleben während der Gerichtsschläge, die in der Zukunft die Welt treffen werden (Mt 24; Offb 6ff), verdanken sie Ihm und Seinem Eingreifen in Güte. Sie erkennen an, dass die Heilige Schrift Sein Wort und dass Er Selbst die Wahrheit ist und in Treue zu Seinem Wort steht (2. Mo 34,6f; Ps 57,10–12; 146,6). Dann ist das Ziel der Ratschlüsse Gottes mit dieser Erde erreicht und der Heilige Israels wird „der Gott der ganzen Erde genannt werden“ (Jes 54,5). In jener Zeit ist offenkundig, dass Jerusalem das Zentrum der Regierung Christi auf der Erde darstellt und dass Jesus von Nazareth der ewige Sohn Gottes ist, der von dort aus als der Messias Israels in Güte und Wahrheit über die ganze Erde herrscht. Vor aller Augen hat sich das Wort erfüllt, was Jesus einst am Brunnen zu Sichar sprach: „Das Heil ist aus den Juden“ (Joh 4,22). In Jesus ist vor 2000 Jahren die Güte, die Menschenliebe und die Wahrheit des HERRN vom Himmel zu den Menschen herabgekommen, somit sind seither alle Voraussetzungen für ihre Rettung gegeben. Durch Ihn und Sein Werk kommt die Gnade zu solchen, die für die göttliche Wahrheit empfänglich sind (Vers 2). „Die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden“ (Joh 1,17; vgl. Ps 40,11; 85,11; Spr 16,6).

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