Die Psalmen
Eine Auslegung für die Praxis

Psalm 96

Hier wird die ganze Erde aufgerufen, dem HERRN „ein neues Lied“ zu singen. Das setzt einen erneuerten Zustand der Welt voraus, der zur Ehre des HERRN ist, aber auch eine gebührende Herzenshaltung der Einzelnen, damit Ihm das Lob angenehm ist. Im Unterschied zum vorhergehenden Psalm ergeht hier die Aufforderung nicht nur an Gottes Herde, an die Gesinnungsgenossen des Psalmdichters, sondern an alle Völker der Erde. Die Bewohner der Welt werden nicht zurechtgewiesen, sondern hören den ermunternden Zuruf, sich in wahrer Ergebenheit an der Verehrung des allein wahren Gottes, des Schöpfers und Richters der Welt, zu beteiligen. Denn ihnen allen wird Er nun, in dem zukünftigen Reich Christi auf der Erde, Seine wunderbare Größe offenbaren. Die ganze Menschheit genießt den Nutzen und Segen Seiner Regierung unter gänzlich erneuerten Lebensbedingungen. Von dem Fluch und den Folgen der Sünde, die auf der Erde und ihren Bewohnern lasteten, ist nichts mehr vorhanden, alles Seufzen hat ein Ende gefunden. Dann ist das Zentrum der Verkündigung der guten Botschaft vom Reich Gottes auf der Erde offenkundig Jerusalem, die Stadt Seiner Regierung und der Anbetung. Denn in den Nachkommen Abrahams werden alle Nationen der Erde gesegnet werden (1. Mo 12,3; 22,18). Diese Verheißung wird sich in dem zukünftigen Reich Christi erfüllen, der dann als Herr der Erde regiert. Er ist der Gott Israels, der HERR.

Dem erneuerten, in jeder Hinsicht vollkommenen Zustand der Erde entspricht „ein neues Lied“ (Vers 1), das die Wundertaten des HERRN und Sein Heil verherrlicht; es wird von allen Völkern der Erde dem HERRN gesungen werden (Verse 1 bis 3; Ps 66,4; 67,4f). Die bis dahin nicht gekannten Segnungen sind wunderbare Beweise göttlicher Güte. Sie erfordern neue Lieder, für die bis jetzt kein Anlass gegeben war und die daher niemandem in den Sinn gekommen sind. Der Prophet Jesaja kündigt ebenfalls dieses absolut Neue an und fordert alle Nationen auf, dafür dem HERRN die entsprechende Ehre zu geben (Jes 42,9–12; 65,17–25; Mal 1,11). Die ganze Menschheit stimmt nun in das neue einheitliche Lob ein. Von Gegensätzlichkeiten und Misstönen ist nichts mehr zu vernehmen. Miteinander erfreuen sich die Menschen der Wohltaten Gottes, sie erzählen Seine Herrlichkeit und rühmen übereinstimmend Sein Wohlwollen und die allgemeine Wohlfahrt auf der Erde. Unter den vielen Völkern wird Israel als das irdische Volk Gottes eine bevorzugte Stellung haben als Priester des HERRN und Diener Gottes (Vers 3; Ps 9,12; 105,1; Jes 12,4–6; 61,6; 66,19). Israel ist es dann aufgetragen, den Nationen Seine Herrlichkeit zu verkündigen und sie zu einer Verehrung des HERRN anzuleiten, die nicht enden wird. Diese Bevorzugung ist eine Antwort des HERRN auf den Glauben der Frommen in Israel. Die Wandlung zum Guten ist bewirkt worden durch Jesus Christus, den allein vollkommenen Knecht Gottes (Jes 49,5.6; 50,7.10; 54,5). Die zunächst Ihm und dem Volk Israel gegebenen Verheißungen sind nunmehr zum Segen der ganzen Menschheit. Der überfließende Segen im zukünftigen Reich Gottes ist ein Ergebnis des Werkes Jesu Christi und zur Ehre Seines Namens.

Beginnend mit der Errichtung des irdischen Reiches Gottes durch Christus, wird die Größe des Namens des HERRN vor allen sichtbar in Erscheinung treten. Sein Anspruch auf Verehrung als ewiger Gott wird überall anerkannt werden. Denn in dem gleichen gewaltigen Ausmaß, in welchem sich Seine Güte offenbart, tritt dann auch die Größe Seiner Heiligkeit und Macht ans Licht (Vers 4). Der Anblick dessen, was vor Ihm hergeht und Ihn begleitet, auch der überwältigende Eindruck von Seiner Majestät und Pracht, von Seiner Stärke und Herrlichkeit, trägt dazu bei, dass niemand mehr Seine Hoheit und überragende Macht leugnet (Verse 4 bis 6; Ps 95,3–5; 135,5; 2. Mo 15,11; Hab 3,3–6). Man wird es nicht mehr wagen, etwas von Menschen Erdachtes als Götzen zu verehren. Menschenwerke und Täuschungen, die in der gegenwärtigen Welt großen Eindruck machen, gibt es dann nicht mehr; sie können die Wahrheit nicht mehr verdunkeln und werden sich nicht mehr neben und über den allein wahren Gott stellen können. Angesichts Seiner Herrlichkeit würde ein solches Vorhaben nicht nur als unsinnig, sondern auch als völlig unangebracht und gräuelhaft angesehen werden (Ps 97,7; 135,15–18; Jes 41,23f; 44,9–20). Dann steht fest, dass nichts von Menschen Hervorgebrachtes zu Ihm in Vergleich gezogen werden kann (Ps 89,7). Das überaus stark Beeindruckende der herrlichen Person des HERRN stellt alles andere in den Schatten und macht es zunichte. An Seiner herrlichen Person entscheidet sich, was wahr ist und was wirklich Wert und Bestand hat. In Seiner Person ist die Wahrheit und das Leben zu sehen und zu erkennen. Endgültig gescheitert ist der Versuch, den wahren Gott und Sein Wirken nachzuahmen oder etwas Seinem Wesen Ähnliches zu erdenken, um es dann zur Grundlage der Moral, des Rechts und des Denkens und Erkennens zu machen. Hinfort wird nichts mehr an die Stelle des Schöpfers und Retters der Welt zu treten wagen, denn Ihn kann nichts ersetzen (Vers 5). Schon der Versuch wird sofort geahndet werden (Ps 101,8; 104,35). Es gibt seit jeher nichts, das dem Zugriff Seiner Macht nicht unterworfen wäre. Dies wird der HERR in dem kommenden Reich offenbar machen (1. Kor 15,23–27; Heb 2,8).

In den Versen 7 bis 9 werden alle aufgefordert, dem HERRN die mit Seinem Namen verbundene Herrlichkeit und Stärke mit Ehrfurcht zuzuerkennen und Ihm zu huldigen, sobald Er in heiliger Pracht erscheint. Durch Demütigung vor Ihm und durch Opfergaben sollen alle Völker ihre Unterwerfung bekunden. Bei entsprechender Haltung dürfen sie in Seine Vorhöfe kommen und vor Ihm erscheinen, um Ihm zu dienen (Vers 8; Ps 29,1f; 99,1–5; 100,1–4). Alle Nationen sollen zur Kenntnis nehmen und fortan damit rechnen, dass diese Welt einen Richter, einen Herrn und Gebieter hat, der Sich mit Hoheit bekleidet hat und mit Stärke umgürtet ist, der Seine Feinde mit starkem Arm niedergeschlagen und dem Frohlocken der Gottlosen ein Ende gemacht hat. „Er wird die Völker richten in Geradheit“ (Vers 10; Ps 67,5; 93,1; 94,1f; Jes 40,10). „Nun ist das Heil und die Macht und das Reich unseres Gottes und die Gewalt seines Christus gekommen“ (Offb 12,10; Mt 28,18). „Denn wahrhaftig und gerecht sind seine Gerichte“ (Offb 19,2). Die ganze Schöpfung, der Himmel und die Erde, das Meer, das Feld und die Bäume des Waldes werden sich gleich den Menschen darüber freuen, dass der Schöpfer selbst, der sie mit Weisheit und Liebe geschaffen hat, die sichtbare Herrschaft über sie angetreten hat (Verse 11 und 12; Ps 24,1.2.9; Jes 55,12). Denn nun steht der Erdkreis fest (Vers 10). Missbrauch und sinnloses Zerschlagen des Erschaffenen sind nicht mehr zu befürchten. Die Macht des Verkehrten und Bösen ist beseitigt, die Erschütterungen, die Satan in der ganzen Welt immer wieder hervorrief, haben ein Ende. „Jubelt, ihr Himmel, denn der HERR hat es getan!... Brecht in Jubel aus, ihr Berge, du Wald und jeder Baum darin! Denn der HERR hat Jakob erlöst, und an Israel verherrlicht er sich“ (Jes 44,23; Jes 35,1ff; Röm 8,19f). Sein Kommen als „der gerechte Richter“ wird von vielen sehnlich erwartet werden (Vers 13; Ps 9,9; Jes 2,4; Lk 21,28; Apg 17,31; Offb 19,11). Die Erfüllung dieser Hoffnung wird größten Jubel hervorrufen bei allen, die Seine Erscheinung lieben. „Unser Gott kommt, er wird nicht schweigen“ (Ps 50,3; 82,8; Jes 24,21–23). „Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird ebenso kommen, wie ihr ihn habt auffahren sehen in den Himmel“ (Apg 1,11). „Der Kommende wird kommen und nicht ausbleiben“ (Heb 10,37).

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