Die Psalmen
Eine Auslegung für die Praxis

Psalm 18

Der Psalm berichtet über verschiedene Glaubenserfahrungen. Besonders hervorgehoben wird die Liebe Gottes, die den Psalmdichter durch die Offenbarung göttlicher Macht aus seinen immer wiederkehrenden Notlagen rettete. Davon spricht schon die Überschrift (Vers 1), die auch in 2. Sam 22,1 über dem Zitat dieses Psalms steht. Das Unsichtbare Gottes, das nur durch wahren Glauben erkannt und festgehalten werden kann, tritt hier zutage in den zahlreichen wunderbaren Fügungen im Leben Davids, die im Ergebnis zum Lob und zur Ehre Gottes ausschlugen. David war dankbar für alles, was ihm Gottes Weisheit und Güte hatte zukommen lassen, seien es nun erfreuliche oder leidvolle Ereignisse. Denn stets war Gott sein treuer Helfer und Befreier gewesen und hatte ihm die Kraft und die Zuversicht gegeben, die in den oft schlimmen Umständen notwendig waren. Davids Lebenslauf bildet eine Kette von Glaubenserfahrungen; er hält eine beeindruckende Aufeinanderfolge von Ermunterungen bereit für alle, die Gott um Hilfe anrufen.

In Vers 1 wird David „Knecht des HERRN“ genannt, denn er war Gott unterwürfig und befolgte Seinen Willen und Sein Wort. Doch darüber hinaus ist die Bezeichnung „Knecht des HERRN“ für einen Gottesmann wie David eine hohe Anerkennung, die seine von Gott abhängige Stellung beschreibt. Er wird von Gott unter die Zahl derer gerechnet, die in der Schrift ausdrücklich als Knechte Gottes bezeichnet werden. Sie genießen Gottes Nähe und Seine Fürsorge als von Ihm betreute, geliebte Diener. Sie sind es, durch die Gott bevorzugt Sein Vorhaben ausführen lässt. Die Apostelgeschichte schreibt in Kapitel 13,36 über David, dass „er zu seiner Zeit dem Willen Gottes gedient hatte“. David ist dem Werk Gottes in einem Maß dienlich gewesen, das weit über die Grenzen seiner Lebenszeit und seines Landes hinausreichte. Dies ist über seine Zeit hinaus bis heute bekannt und hat immer noch Nachwirkungen. Wie David bei seinen Taten die Ehre Gottes allem voranstellte, so ging es ihm auch als Psalmdichter vorrangig um die Verherrlichung Gottes. In Davids Leben finden wir Grundzüge, die im Leben des Herrn Jesus vollkommen dargestellt werden. Deshalb konnte der Geist Gottes Davids Aussage aus Vers 50 in Röm 15,9 auf die Verherrlichung Gottes anwenden.

Zudem kennzeichnete David die Liebe zu Gott in auffallender Weise (Vers 2). Nicht sich selbst schrieb er die mächtigen Taten in seinem Leben zu, sondern Gott, der seine Stärke war. Sein Rühmen galt dem HERRN (5. Mo 10,21; Ps 71,8). Psalm 18 stellt heraus, mit wie vielen machtvollen Zuwendungen Gott Seine Liebe zu David bewies. Dies wiederum weckte in dessen Herz eine treue Liebe zu Seinem Helfer. Daher ist der vorliegende Psalm unter anderem eine Beschreibung des persönlichen Verhältnisses eines Gläubigen zu seinem Gott, der ihn liebt, sich zu ihm herablässt und ihn stützt (Vers 36). Für David war die Aufzählung der Wohltaten Gottes eine Rückschau auf seine Erlebnisse. Was Gott ihm in allen Lebenslagen bedeutet hatte, wie Er „ihn errettet hatte aus der Hand aller seiner Feinde und aus der Hand Sauls“, kam ihm dabei wieder in Erinnerung (Vers 1). An der Höhe und Stärke Gottes, diesem Felsen und der Burg seiner Zuflucht, waren alle Angreifer gescheitert. Der über allem Erhabene war immer sein Schild und seine Festung gewesen, zugleich auch ein unüberwindlicher Verteidiger (Vers 3). Auf sein bittendes Rufen hin kam jedesmal die rettende Abwehr und der nötige Beistand (Vers 4).

Von Vers 5 bis Vers 20 sind bestimmte Gefahrensituationen beschrieben, denen Gott mit Seiner Machtfülle begegnete. Schwache Menschen hatten dem allmächtigen Helfer des David nichts entgegenzusetzen. Mehrere Male stand der Tod unmittelbar vor den Augen Davids, jeder Ausweg und jede Hilfe schienen verloren (Verse 5 und 6; 1. Sam 20,3). Wie Wildbäche, die alles vernichten, was sich ihnen entgegenstellt, brach feindselige Gottlosigkeit über ihn herein. Der Tod jagte ihn und Furcht überfiel ihn. Doch gerade dann, wenn alles Sichtbare keinen Hoffnungsschimmer übrigließ, neigte der Himmel sich zu seinem Flehen herab (Vers 10). Gott in seinem himmlischen Palast hatte sein Schreien um Hilfe gehört (Vers 7), und „er streckte seine Hand aus von der Höhe, er nahm mich, er zog mich aus großen Wassern. Er errettete mich von meinem starken Feind und von meinen Hassern, denn sie waren mächtiger als ich“ (Verse 17 und 18). Dem ist eine Aussage in Psalm 69 zu vergleichen, die prophetisch den Herrn Jesus betrifft: „Rette mich, o Gott, denn die Wasser sind bis an die Seele gekommen!... in Wassertiefen bin ich gekommen, und die Flut überströmt mich“, und darauf folgt die dringende Bitte: „Lass die Flut der Wasser mich nicht überströmen und die Tiefe mich nicht verschlingen; und lass die Grube ihren Mund nicht über mir verschließen!“ (Ps 69,2f.16). Auch dem Mensch Jesus wurde die Hilfe aus der Höhe zuteil. Überaus beeindruckend zeigte sich bei Seinem Tod und Seiner Auferstehung die über die Begrenztheit des Geschaffenen erhabene Macht Gottes (Mt 27,50–53 und Mt 28,2).

Die Verse 8 bis 16 sprechen von ungewöhnlichen Ereignissen, die nicht nur die Menschen, sondern das Geschaffene als Ganzes erschüttern. Hier tritt himmlische Machtfülle zutage, die sich der Erde nähert und unerwartete Begleitumstände erzeugt. Offenbar tritt dabei eine Kraftentfaltung zutage, die den sonst fest gefügten Rahmen von Naturereignissen und die gewohnten Grenzen des Irdischen sprengt und deren Ordnung ins Wanken bringt. Angesichts der übermächtig wirkenden Kräfte erscheint das Weiterbestehen der geschaffenen Welt in Frage gestellt. Es gibt nichts in dieser Schöpfung, was einer solchen Machtausübung Widerstand leisten kann. Der allmächtige Gott ist es, der den in Vers 8 bis 16 sichtbar werdenden Kräften ordnend gebietet; Er kann ihnen freien Lauf geben und sie auch wieder zurückbeordern. Er hat die absolute Verfügungsgewalt über die Naturgewalten und genauso über alle lebenden Wesen mitsamt ihren Machtmitteln, durch die jetzt die Menschen und ebenso sehr Seine Geliebten und Heiligen oft bedroht werden. Es ist die gleiche, alles überragende Macht Gottes, die zu damaliger Zeit David rettete und die zu späterer Zeit Jesus Christus dem Mächtigsten aller Feinde entriss und Ihn aus dem Tod wiederbrachte. Gottes Allmacht wird einst jedes Übel aus der Welt entfernen und die Schöpfung einer neuen Ordnung zuführen. Die den Allmächtigen stets begleitende Energie ist so gewaltig, dass bei Seinem Nahen die bisher sicher gegründet erscheinenden Werke, auch die Festigkeit des sichtbaren Himmels und der Erde, bis ins Letzte erschüttert werden (Ps 77,17; Ps 99,1; Ps 104,32; Ps 144,5–7; Jes 6,4; Jes 24,18–21; Jes 63,19–64,2). Im Vergleich dazu sind die bei einem Gewitter oder einem Erdbeben entfesselten Kräfte kaum nennenswert. Es handelt sich in den Versen 8 bis 16 nicht etwa um ein Naturschauspiel oder um eine Naturkatastrophe. Durch die bisher noch nie beobachteten Begleitumstände des Erscheinens Gottes wird den betroffenen Menschen jedes Vertrauen auf bestehende Verhältnisse weggenommen, so dass ihre Selbstsicherheit und ihr ganzer Mut zusammenbrechen und nur noch Verzweiflung übrigbleibt.

Hinzukommt, dass diese Welt auf das Nahen Gottes hin immer mit dem Hervortreten Seiner Heiligkeit und Seines Zorns zu rechnen hat, was hier durch Feuer, brennende Kohlen und Hagel versinnbildlicht wird (Verse 9 und 13–14; 2. Mo 19,18; 5. Mo 4,11f; Mich 1,3f). Sein Erscheinen kündigt sich über der Erde auf erschreckende Art wahrnehmbar an, jedoch noch begleitet von Dunkelheit und Wolken (Verse 10 bis 13; Ps 97,2 und 104,3). Die Verse 14 bis 16 erwähnen Donner, auch Seine Stimme und Sein Schelten, die so stark werden, dass es für Menschen unerträglich ist (Ps 29,3–9 und 77,19; 1. Sam 7,10; Jes 29,6 und 30,30; Joh 12,29; Off 14,2). Dabei verbirgt sich die Fülle der Herrlichkeit Gottes bei Seinem Näherkommen hinter dichtem Gewölk und Finsternis (Vers 12). Andererseits lässt Gott einen strahlenden Glanz entstehen, den Er Seinem Herannahen vorausschickt (Vers 13; Ps 50,2; 5. Mo 33,2; Hab 3,3–6). Da Er alle Kräfte und Ereignisse in der Schöpfung lenkt, ist es Ihm ein Leichtes durch unerträglich blendendes Licht, das schnell und unvermittelt wie der Pfeil oder ein Geschoss auftritt, die Menschen zu verwirren und niederzustrecken (Vers 15; Ps 64,8; 77,18f; 144,5–7; Hab 3,11). Bei Seinem Eingreifen werden selbst die Tiefen der Erde aufgedeckt. Was dann sichtbar wird, erregt Angst und Schrecken (Vers 16; 2. Mo 15,8; Nah 1,3–6). Es sind einmalige Dinge, die kein Beispiel haben, die aber hier durch Bilder erfassbar dargestellt sind. Sie sind dem menschlichen Erforschen entzogen.

Die Verse 17 bis 20 berichten Näheres darüber, auf welche Weise der machtvolle Arm Gottes Seinen Knecht aus der Todesgefahr herausriss und ihn vor dem Zugriff der Feinde und vor dem Untergang bewahrte (Ps 89,14 und 144,7). Auf noch machtvollere Weise ist Christus, der Messias Israels, aus dem Tod gerettet worden, um später der Retter Seines Volkes zu werden (Apg 2,24 und 3,15). Wie David konnte Er sagen: „Sie ereilten mich am Tag meines Unglücks, aber der HERR wurde mir zur Stütze. Und er führte mich heraus ins Weite, er befreite mich, weil er Gefallen an mir hatte“ (Verse 19 und 20; Ps 118,5). Dadurch, dass Jesus durch Seine Auferstehung ‚befreit' worden ist, macht Er eine sehr große Schar zu solchen, die durch Ihn aus dem Tod und von der Knechtschaft der Sünde frei gemacht und in eine wunderbare Weite versetzt sind. Auf die höhnische, an den Gekreuzigten gerichtete Aufforderung: „Er vertraute auf Gott, der rette ihn jetzt, wenn er ihn begehrt“ (Mt 27,43; Ps 22,9) antwortete Gott mit der vom Tod befreienden Auferweckung Jesu Christi, Seines Sohnes (Jes 53,10; Ps 16,10 und 40,3; 1. Pet 1,21).

In den Versen 21 bis 27 wird Davids geistliche Grundhaltung beschrieben. Seine Rettung konnte nicht anders geschehen als durch eine gerechte Reaktion Gottes auf Davids gerechte Haltung. Und Gott griff damals bei David auf ebenso gerechte Weise ein wie später bei der Auferweckung des gekreuzigten und gestorbenen Heilands. Aber bei David wird die Tadellosigkeit nicht zur absoluten Voraussetzung für die Hilfe von Seiten Gottes gemacht. Vielmehr war, wie Vers 51 zeigt, Seine Güte und Liebe zu David die eigentliche Ursache für die Rettung. Denn grundsätzlich kann sich niemand die göttliche Hilfe verdienen oder erkaufen. Auch kann niemand einen Anspruch auf Rettung geltend machen, denn Gottes Handeln geschieht immer souverän nach göttlichem Willen, aber niemals nach menschlichen Vorstelllungen. Indessen gibt es eine belohnende Gerechtigkeit, die berücksichtigt, wenn der Gläubige den Weg nach Seinem Wort treu eingehalten hat und sich vor der Ungerechtigkeit hütet. Zu einer solchen Einstellung bekennt sich Gott gerne. David war gottesfürchtig. Als wahrhaft Frommer zeigte er sich wiederholt gütig und barmherzig (Vers 26; 2. Sam 9,1ff; vgl. Mt 5,7; Lk 6,36). Das stimmte mit Gottes Güte überein, die sich dann in Gottes gnädigem Handeln David gegenüber zeigte. Als ein gottesfürchtiger Mann verhielt sich David redlich und gerecht (Verse 22 bis 25). Doch „wer darf sagen: Ich habe mein Herz gereinigt, ich bin rein geworden von meiner Sünde?“ (Spr 20,9). David war bewusst, dass ihm Ungerechtigkeit nahelag und rasch in sein Verhalten einfließen konnte (Vers 24b). Er war bereit, eine Verfehlung einzugestehen und sein falsches Verhalten zu bereuen (Ps 51,3–7). Bei allem bleibt wahr, dass sich jeder vor Leichtfertigkeit und Gedankenlosigkeit in Acht zu nehmen hat.

Die in den Versen 21 bis 27 enthaltenen Grundsätze haben bleibende Bedeutung. Weil David mit der Gefahr rechnete, in eine Sünde zu fallen, hielt er sich alles, was Gottes Wort vorschreibt, ständig vor Augen, nichts ließ er aus, auch das nicht, was den eigenen Wünschen zuwiderläuft. Das zeigt, dass sein Herz Gott zugewandt war und nicht dem Geist der Zeit und dem üblichen menschlichen Dafürhalten, die keine beständige Grundlage haben. Was David als Sünde erschien, das erlaubte er sich nicht. Nicht Heuchelei, sondern ungeteilte Aufrichtigkeit bestimmte sein Verhalten. Für ihn waren auch vererbte üble Neigungen Sünde wie jede andere Ungerechtigkeit. Der Maßstab für das, was als Sünde zu gelten hat, ist das ganze Wort Gottes, und da gibt es keine Einschränkung. David hatte erlebt, dass ein nach göttlichen Grundsätzen geführtes Leben das Verhalten Gottes gegenüber dem Betreffenden beeinflusst (Verse 25 bis 27; 3. Mo 26). Jeder Gläubige kann dies in seinem eigenen Leben feststellen, jedoch auch, dass Gott ihn für begangene Sünden züchtigt. Einen fortgesetzten Missbrauch der Gnade wird Gott mit zunehmender Verblendung ahnden. „Denn was irgend ein Mensch sät, das wird er auch ernten“ (Gal 6,7; Spr 3,32–35; Jes 63,10; 64,5). Gott gibt Sich den Menschen darin zu erkennen, dass Er Sünden bestraft und das Seinem Wort gemäße Verhalten mit Seinem Segen belohnt. Mit dem, der verkehrt handelt und das Böse dem Guten vorzieht, geht Er ins Gericht (Spr 11,20 und 28,18; Jes 5,20 und 29,15f; Röm 1,18–32). Einer Verheißung gleichkommend, stellt Vers 28 heraus, dass Gott dem Demütigen Gnade zuwendet (Spr 3,34; 1,Pet 5,5),während Er den Hochmütigen erniedrigt (Jes 2,17 und 14,12–15).

Von Vers 26 an bis Vers 35 benutzt David die Gegenwartsform bzw. spricht von der Zukunft. Es geht dabei um allgemeine Grundsätze im Handeln Gottes mit den Menschen: Den Gütigen erzeigt ER sich gütig, dem Untadeligen erweist Er sich vollkommen, dem Reinen erzeigt ER sich rein und dem Verkehrten setzt ER sich entgegen. Aus den Erfahrungen mit seinem Gott in der Vergangenheit, wie Gott ihm auf vielerlei Weise Kraft, Mut und ein gutes Gelingen gab auf dem schwierigen und oft gefährlichen Weg, den er zu gehen hatte, durfte er schließen, dass Gott auch in der Zukunft mit ihm und dem Volk sein würde. Ohne Gott und Sein Wort würden ihm das Licht und die Orientierung für den rechten Weg fehlen. Drohte es dunkel zu werden um ihn her im Volk, in der Familie oder in seiner Seele, dann würde Gott ihm zu Hilfe kommen und ihm neue Kraft geben (Vers 29; Ps 97,11 und 112,4; Spr 13,9; Mich 7,8). Der Glaube des Gottesfürchtigen wird mit Kraft von oben belohnt. Scheinen die Schwierigkeiten unüberwindlich, dann gilt es, sich der Gemeinschaft mit Gott wieder ganz bewusst zu werden, damit wir gemeinsam mit Ihm „gegen eine Schar anrennen“ und „eine Mauer überspringen“ können, die sonst nicht zu bezwingen wären (Vers 30; Ps 60,11–14). Lebt der Gläubige in Übereinstimmung mit Gottes Gedanken, dann kann er auf Seinen Beistand rechnen. Wir müssen uns auf Seinem Weg befinden, um die auf diesem Pfad liegenden Segnungen im Glauben zu gewinnen. Es gilt, Sein Wort durch Lesen und Hören kennenzulernen; wir sollen darin Seine Stimme vernehmen und ihr gehorchen. Dann wird das Gelesene uns und anderen zum Nutzen sein und die Seele reinigen (Eph 5,26). Es gibt keine andere geistliche Nahrung, die so rein, so geläutert und auf gleiche Weise kräftigend ist (Vers 31; Ps 12,7 und 119,140). Sein Wort, Sein Weg und der Glaube sind für den Wandel des Gottesfürchtigen entscheidend. Dann wird er Gott als schützenden Schild kennenlernen (Vers 31b).

Gibt es einen mächtigeren Gott als den HERRN? (Vers 32). Er allein kann von sich sagen: „Ich bin der Erste, und ich bin der Letzte, und außer mir ist kein Gott“. „Vor mir wurde kein Gott gebildet, und nach mir wird keiner sein. Ich, ich bin der HERR, und außer mir ist kein Erretter“. „Denn ich bin Gott und keiner sonst“ (Jes 44,6; 43,10f; 45,22). „Dem König der Zeitalter aber, dem unvergänglichen, unsichtbaren, alleinigen Gott, sei Ehre und Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen“ (1. Tim 1,17). David kannte Ihn als den unerschütterlichen Fels, der ihm Zuflucht gewährte (5. Mo 32,31), der ihm ein ständiger Beistand war und ihm die Kraft verlieh, den rechten Weg zu gehen. Dies sicherte den Erfolg der Unternehmungen Davids, denn Gott geleitete ihn, so dass er Hindernisse überwinden konnte (Hab 3,19) und dem Feind gewachsen war (Verse 33 und 34). Die nötige Kraft erhielt er von seinem Gott, und zur rechten Zeit auch die Unterstützung in bedrohlicher Lage. Die schwachen eigenen Kräfte, Davids Tüchtigkeit und die Fähigkeiten seiner Gefolgschaft waren unzureichend. Aber der barmherzige und treue Gott ließ sich zu ihm herab und ersetzte alles, was David fehlte (Verse 35 und 36; Ps 63,9 und 113,5–9; Lk 1,51–55; 1. Kor 15,10). Wenn in der Not in Demut Hilfe erbeten wird, dann erweist sich der Gott aller Gnade als der gnädige Geber. Er nimmt zur Kenntnis, wenn der Gläubige nicht weiterweiß, keine Möglichkeiten mehr sieht und zu wanken beginnt, und gibt ihm Erleichterung und neue Kraft (Vers 37; Ps 21,8; Spr 4,12). Wäre bei Davids großen Taten nicht Gott am Werk gewesen, dann wäre er gescheitert (Verse 38 bis 43). In Vers 42 steht er Feinden gegenüber, die den wahren Gott zwar dem Namen nach kannten und Ihn sogar gegen David zu Hilfe rufen wollten. Aber Gott antwortete ihnen nicht, weil ihnen die Gottesfurcht fehlte. Zudem dienten sie den Götzen, anstatt Gott zu gehorchen (Spr 1,28–31; vergl. Hes 8,17.18; Mich 3,4).

In den bis hierher behandelten Versen des Psalms findet sich manches, was auch Christus, der Sohn Davids, während Seines Daseins auf dieser Erde erlebt hat, so dass hier mit Recht von einer prophetischen Vorhersage gesprochen werden kann. Die Verse 44 bis 51 betreffen besonders die zukünftige Herrlichkeit des Messias auf der Erde. Von David kann jedenfalls nicht uneingeschränkt gesagt werden, dass er „zum Haupt der Nationen“ gesetzt worden sei (Vers 44). Der Herr Jesus aber wird, wenn Er auf diese Erde zurückgekehrt sein wird, das Haupt aller Nationen sein und trägt den Namen „König der Könige und Herr der Herren“ (Off 19,16; Ps 2,8f). Dann sind „alle Feinde unter seine Füße gelegt“ mit Ausnahme des Todes, der erst am Ende des Tausendjährigen Reiches weggetan wird (1. Kor 15,25). Eine solche, alle Länder der Erde umfassende Machtfülle, hat David nicht besessen. Indessen ist der Weg Christi dem des David in manchen Fällen ähnlich gewesen. So haben die Auseinandersetzungen mit dem eigenen Volk und seinen Führern sowohl David als auch Christus, Israels Messias und rechtmäßigem König, außerordentliche Not bereitet (Vers 44). Doch Gott führte sie als Überwinder und Sieger aus diesen schlimmen Lagen heraus. Jedoch ist Christus noch heute in Israel verworfen. Als David den Gipfel seiner Macht erreicht hatte und er innerhalb seines Landes uneingeschränkt anerkannt war, konnte er die Grenzen des Reiches rasch ausdehnen und Nachbarvölker unterwerfen, darunter sogar solche, die ihm bisher kaum bekannt gewesen waren (Verse 44b bis 46). Wenn Christus zum zweiten Mal auf dieser Erde sein wird, muss sich Ihm jedes Knie beugen, und alle Nationen müssen Ihn anerkennen (Jes 66,18–24; Mich 7,16f; Sach 14,16–19). Dann werden die Prophezeiungen der gerade genannten Schriftstellen nach Gottes Plan zur Erfüllung kommen.

Wenn das Ziel Gottes erreicht ist und die ganze Erde dem Sohn Gottes unterworfen sein wird, dann ist der Sieg Christi, des wahren Sohnes Davids, zu einem vollständigen Triumph geworden. Die Errichtung Seiner Herrschaft bedeutet dann zugleich den Sieg der Wahrheit und des Guten. Alle Umstände auf der Erde gereichen fortan zu Seiner Ehre, und dafür wird Ihm ein einstimmiges Lob gebracht. Dann ist das Heil Gottes zum Wohl aller Menschen gekommen. Niemand mehr wird die Frage aufwerfen, ob es den allein wahren Gott, den Schöpfer, gibt. Auch wird niemand mehr daran zweifeln, dass Jesus Christus wirklich auferstanden ist, denn vor aller Augen ist offenbar: „Der HERR lebt“ (Vers 47). Allen Lebenden ist dann unmissverständlich klar, dass sie Ihm ihr Dasein verdanken und von Ihm abhängig sind. Am Schluss dieses Psalms rühmt David das Eingreifen der befreienden Macht Gottes in Gerechtigkeit. Er dankt Ihm für die so oft erwiesene Gunst und für die Zusicherung zukünftiger Güte zugunsten seiner Nachkommen (Verse 48 bis 51; Ps 89,30–38 und Ps 144,10; Röm 15,9). Gott hat Sich durch die wunderbaren Ereignisse in dem ganzen Leben und in der Erhöhung Davids als anerkannter Herrscher verherrlicht. In vollkommenem Maß trifft dies nach Abschluss des jetzigen Zeitalters auf Christus zu, den Gesalbten Gottes, wenn Er als Sohn des Menschen Herrscher über die ganze Erde sein wird. Beispiellos und einzigartig ist die Rettung dieses „Königs“, „der starb und wieder lebendig wurde“ (Off 2,8) und der von Sich Selbst sagt: „Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und des Hades“ (Off 1,18). Jesus Christus, der als Mensch der Nachkomme Davids ist, sitzt bereits, über alles hoch erhoben, zur Rechten Gottes (Eph 1,20f). Er ist „durch die Rechte Gottes erhöht worden“ (Apg 2,33 und 5,31), wie es der Prophet Jesaja (Kap 52,13) vorausgesagt hat. Jesus Christus ist der in Ewigkeit herrschende Nachkomme Davids, der in Vers 51 angekündigt ist. Jeder, der an Ihn glaubt, ist für immer mit Ihm verbunden und wird ewig bei Ihm wohnen.

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