Gedanken über das Johannesevangelium

Die 2 Feuer

„Da spricht die Magd, die Türhüterin, zu Petrus: Bist nicht auch du einer von den Jüngern dieses Menschen? Er sagt: Ich bin es nicht“ (Joh 18,17).

„Simon Petrus aber stand da und wärmte sich. Da sprachen sie zu ihm: Bist nicht auch du einer von seinen Jüngern? Er leugnete und sprach: Ich bin es nicht. Einer von den Knechten des Hohenpriesters, der ein Verwandter dessen war, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte, spricht: Sah ich dich nicht in dem Garten bei ihm? Da leugnete Petrus wiederum; und sogleich krähte der Hahn“ (Joh 18,25–27).

In diesen zwei Abschnitten lesen wir von dem Feuer der Welt und von dem Feuer des Christen. Die beiden Feuer im Johannesevangelium sind Kohlenfeuer und sprechen von Gericht [1]. Wenn dieser Ausdruck im Alten Testament verwendet wird, dann immer in Bezug auf das Gericht Gottes. Jesaja erwähnt ein solches Kohlenfeuer in Kapitel 6. Ein Engel nahm mit einer Zange eine glühende Kohle von dem Altar und berührte damit seine Zunge. Der Altar ist ein Bild von dem Kreuz Christi, als das Feuer des Gerichts auf ihn kam. Hier im Johannesevangelium wurde Petrus geprüft und am Feuer dieser Welt als schuldig erfunden. Bei der zweiten Begebenheit wurde Petrus noch einmal von dem Herrn geprüft und wurde für den Dienst des Herrn wiederhergestellt. Das erste Feuer spricht von dem Gericht, das der Herr auf Golgatha erduldet hat. Das zweite Feuer spricht von dem Richterstuhl des Christus.

Petrus stand an dem Feuer und wärmte sich. Alle drei oben erwähnten Feuer dienten dazu, dass man sich daran wärmen konnte, weil es kalt war. Ja, diese Welt ist tatsächlich ein kalter Ort für den Gläubigen. Es bietet dem Gläubigen keine Liebe und keine Ermunterung. Aber das Feuer, das von den Feinden Christi angezündet worden war, war kein Ort für Petrus, um sich zu wärmen. Als Petrus sich diesem Feuer näherte, hatte er bereits am Eingang der Tür des Hohenpriesters den Herrn verleugnet. Er hatte auf die Frage der Magd, ob er nicht auch einer von Jesus Jüngern sei, mit „Nein“ geantwortet. Als Petrus sich zu den Anderen an dem Feuer gesellte, brachte er sich in eine noch größere Gefahr, die ihm tatsächlich auch zum Fallstrick wurde.

Petrus wärmte sich an dem Feuer. Was war aus seinem Schwur geworden? Nur kurze Zeit vorher hatte er behauptet, dass wenn auch alle den Herrn verleugnen würden, er ihn nicht verleugnen würde. Ihm war kalt und er wärmte sich an dem Feuer, aber er hätte besser mit einem brennenden Herzen bei dem Herrn gestanden, der mit Schmähungen beworfen wurde. Christen haben an dem Feuer dieser Welt nicht nach Wärme und Anerkennung zu suchen, während der Herr abgelehnt und hinausgeworfen wird. Es ist ein gefährlicher Platz und führt zu weiterer Untreue Christus gegenüber. Mit einem Schwur verleugnete Petrus seinen Herrn. Ich glaube, dass Petrus bei diesem Kohlenfeuer noch immer vor Kälte zitterte!

Im Johannesevangelium finden wir drei Verleugnungen. Es ist dabei eine Steigerung in der Kühnheit und Bestimmtheit der Behauptungen zu erkennen, und wir können diese auch in 2 Gruppen einteilen: Als Petrus in den Hof eintrat, war seine erste Behauptung, dass er nicht zu den Jüngern Jesu gehöre. Und zu diesem Zeitpunkt hatte Petrus den Blickkontakt mit dem Herrn verloren. Aber bei dem zweiten und dritten Mal, als Petrus den Herrn verleugnete, konnte Petrus ihn sehen. Bei der ersten Verleugnung war Petrus noch in der Nähe des Johannes. Bei den anderen Verleugnungen hatte Petrus sich schon mit den Feinden des Herrn verbunden. Bei der ersten Verleugnung war Petrus noch in der Kälte, bei den anderen beiden wärmte er sich am Feuer. Die erste Verleugnung wird eingeleitet mit den Worten „er sagt“ (Joh 18,17), und die anderen beiden werden eingeleitet mit den Worten „er leugnete und sprach“ (Joh 18,25–27).

Matthäus und Markus fügen in ihren Berichten bei der letzten Verleugnung hinzu, dass Petrus sich verwünscht und schwört „Ich kenne diesen Menschen nicht“. Diese Verleugnung war noch schlimmer, als die anderen, noch schrecklicher und betonter. Dies zeigt, dass je länger wir uns mit der Welt verbinden, desto größer die Gefahr wird, dass wir den Herrn verleugnen, und desto stärker werden die Verleugnungen selbst. Lukas berichtet uns, dass zwischen der ersten Verleugnung und den beiden anderen Verleugnungen ungefähr eine Stunde vergangen war (Lk 22,59). Petrus hatte genug Zeit, seinen ersten Fehler zu bekennen. Aber je länger er bei der Welt stand, desto tiefer schien er zu sinken. Was für eine Warnung ist das doch für uns Christen. Möchten wir uns loslösen von den Ungläubigen, uns eng bei dem Herrn aufhalten und unseren Weg mit ihm gehen.

Der Hahn krähte. Das erinnert uns daran, dass nach der dunkelsten Nacht die Morgenröte kommt. Wenn man die Tiefen der Demütigung und Schmach kennen gelernt hat, dann beginnt das Licht wieder zu scheinen. Petrus hatte kein Vertrauen mehr in sich selbst. Der Hahnenschrei würde in ab jetzt jeden Morgen immer wieder daran erinnern, dass er gesündigt hatte und die Gnade ihn wiederhergestellt hat. Es würde ihn demütig halten, so wie David bezeugt, dass seine Sünde vor ihm war, die ihn sowohl demütig als auch froh machte: demütig, weil sie ihn an seine Schwachheit erinnert, und froh, weil sie ihn auch immer wieder an die Gnade erinnert hat, die ihm vergeben hat und ihn wiederhergestellt hat. Genau so würde es mit Petrus sein.

Unser Herr blickte Petrus an. Und Petrus muss zu dem Herrn geschaut haben, denn sonst würde der Blick des Herrn nicht eine solche Reaktion in seinem Herzen hervorgerufen habe. Das ist der erste Schritt der Wiederherstellung: Das Bewusstsein dessen, was der Herr über mich denkt, und nicht was andere über mich denken, oder was ich selbst über mich denke. Durch diesen Blick schmolz das Herz des Petrus. Ich kann mir gut vorstellen, wie in diesem Blick aller Schmerz, alle Sorge und auch alle Liebe und das ganze Verlangen in seinem Herzen hervorgerufen wurden. Der Blick des Herrn errettete Petrus von ihm selbst und es errettete ihn auch für immer von dem Kohlenfeuer dieser Welt. Petrus ging hinaus und entfernte sich von diesem Feuer – ich bin sicher: um nie wieder dort hin zurück zu kehren. Lass mich diese Frage an dich richten: Suchst du noch immer Bequemlichkeit in der Gesellschaft dieser Welt? Petrus ging hinaus und weinte bitterlich.

In Johannes 21 finden wir Petrus an einem anderen Kohlenfeuer. Er war dort mit dem Herrn zusammen, an jenem Morgen nach der Auferstehung und des Sieges von Golgatha. In der Nähe des Herrn wir ein Gläubiger sich sehr wohl wärmen können. Ich bin sicher, dass dieses Feuer dafür eingerichtet worden war, um Petrus an die Szene in dem Hof des Hohenpriesters zu erinnern. Der Herr wollte jetzt noch einmal bewirken, dass Petrus zu einen Urteil über sich zu kommen. „Simon, liebst du mich? Du hast das damals mal behauptet, aber du hast dich bei Kajaphas nicht danach verhalten.“

Petrus konnte nur antworten: „Herr, du weißt alle Dinge; du weißt, dass ich dich lieb habe.“ Wir finden hier keinen selbstbewussten Petrus mehr sondern ein demütiges Anerkennen seines Versagens. Er liebt den Herrn und bekennt, dass der einzige Grund dafür, dass Jesus dies weiß, nicht sein Treue war, sondern die Tatsache, dass Jesus alle Dinge weiß. So wird Petrus wiederhergestellt und ihm wird die Herde des Herrn anvertraut. Der Herr kann einem Gläubigen Vertrauen entgegen bringen, wenn dieser sein Versagen und seine Fehler kennen gelernt hat.

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