Prophetische Übersicht über die Psalmen

Psalm 61-68

zur Überschrift: 1

Psalm 61

Mit diesem Psalm beginnt eine neue Serie. Er führt uns zurück in die große Drangsal und stellt uns erneut vor, wie der gottesfürchtige Überrest unter der Verfolgung des Antichristen leidet. Die Gläubigen dieses Überrestes fühlen ihre Isolation und sind erfüllt von Entmutigung. Von außerhalb des Landes schreien sie um Hilfe zu Gott (Ps 61,2–3). Doch trotz dieser Traurigkeit, erhebt sich ihr Glaube zu einem Dank für die bisherige Bewahrung Gottes. Sie sehnen sich nach dem Zeitpunkt, wenn sie zurück zu dem Tempel geführt würden, um seine Vorrechte wieder zu genießen (Ps 61,4–9).

Psalm 62

In diesem Psalm erhebt sich der Glaube und die Zuversicht der Gläubigen des gottesfürchtigen Überrestes noch höher. Obwohl das Böse um sie herum siegt, sind sie in der Lage friedlich in Gott zu ruhen und auf ihre Befreiung zu warten. Dabei ermutigen sie einander, allein auf Gott zu vertrauen (Ps 62,8).

Psalm 63

Die Juden des Überrestes befinden sich nach wie vor außerhalb Jerusalems („in der Wüste“ Ps 63,1) und erwarten ihre Erlösung. Ihre Seele dürstet nach Gott – gerade auch, da ihnen die Vorzüge des Tempels genommen sind. Sie erkennen an, dass nichts außer Ihm allein ihre Sehnsucht stillen kann. Sich möchten seine Macht und Herrlichkeit wieder spüren, wie sie es zu der Zeit konnten, als sie während der ersten 3,5 Jahre im Haus Gottes ein- und ausgingen (Ps 63,2–3). Doch nun an den abgelegenen Orten des Landes, weit entfernt vom Tempel, entdecken sie, dass sie immer noch die Güte Gottes genießen können. Dies führt ihre Herzen zum Lobpreis seiner Person (Ps 63,4–8).

Psalm 64

Die Gläubigen des gottesfürchtigen Überrestes leben weiterhin unter einer doppelten Verfolgung: Zum einen von Seiten der Heiden („Feind“) und zum anderen von Seiten der abgefallenen Juden, die dem Antichristen folgen, („Übeltäter“ oder „die Frevel tun“; Ps 64,2–3). Sie wenden sich an Gott wegen dieser Verfolger, die sie Tag und Nacht bedrängen (Ps 64,4–7). Als Antwort auf ihre vielen Gebete greift Gott schließlich ein (die Erscheinung Christi), ihre Widersacher zu richten und sie zu befreien (Ps 64,7–9). Vergleiche Lukas 18,1–8. Die ganze Erde wird Gott dann fürchten und sich Ihm unterwerfen müssen (Ps 64,10; Ps 66,3; Ps 81,16). Diejenigen mit einem gerechten Herzen werden frohlocken, dass der Herr in Gericht zurückgekehrt ist, um die Übeltäter niederzuschlagen und sein Reich aufzurichten. Da Christus nun als zurückgekommen betrachtet wird, wird treffenderweise der Name „HERR“ (Jehova) verwendet statt „Gott“ (Elohim), welcher eigentlich der typische Ausdruck im zweiten Buch ist (Ps 64,11).2

Psalm 65

Zusammen mit folgenden Psalmen dieser Serie entfaltet Psalm 65 die herrlichen Ergebnisse der Wiederkunft Christi. Der Lobpreis wird in Zion zunächst verstummt sein, da Israel erst wiederhergestellt werden muss (Ps 65,2–3). Doch nachdem ihre Sünden bekannt und weggetan sind, nahen sie dem Herrn voll Freude über ihre Erlösung (Ps 65,4–6). Im Anschluss an diese Schilderung, die beschreibt, wie Israel wiederhergestellt wird und sich der Gegenwart des Herrn erfreut, wird das Aufbrausen der Wellen des unruhigen Meeres erwähnt. Das Meer ist ein wohl bekanntes Bild für die widerspenstigen Völkerschaften der Erde (Off 17,15; Ps 46,3–4; Ps 93,3–4, Jes 17,12 usw.). Es handelt sich um die Nationen unter der Führung Russlands, die aufstehen werden nachdem der Herr zurückgekehrt sein wird und Israel zur Wiederherstellung geführt haben wird. Doch der Herr stillt die Wellen des tobenden Meeres mit seiner mächtigen Kraft. Die Nationen, die sich in Rebellion zusammengeschlossen hatten, sind besiegt (Ps 65,7–8). Danach wird die Herrlichkeit des Herrn auf der ganzen Erde offenbar und das Tausendjährige Reich beginnt (Ps 65,9–14).

Psalm 66

Das wiederhergestellte Israel ruft die ganze Erde auf, sich dem Herrn zu unterwerfen und Ihn anzubeten (Ps 66,1–4). Die Juden des Überrestes werden die Kenntnis Gottes und seine Wege unter den Nationen verbreiten, indem sie ihnen seine Güte bei ihrer Befreiung verkünden (Ps 66,5–20).

Psalm 67

Israel wird zum Segenskanal für die Menschen im Tausendjährigen Reich. Es lehrt die Nationen, Gott anzubeten.

Psalm 68

Psalm 68 bildet den Abschluss dieser kompletten Serie. Bei ihm handelt es sich um eine Art Überblick oder Zusammenfassung der voranstehenden Psalmen. In einem gewissen Sinn könnte er auch alleine stehen, da er in sich selbst abgeschlossen ist. Der Psalm beginnt mit dem Rufen der Juden des Überrestes zu Gott: Er möge erscheinen und sie befreien, indem Er ihre Feinde im Gericht zerstreute (Ps 68,2–3). Darauf folgt ihre Freude, als sie den Herrn, „der einherfährt durch die Steppen3“, zu ihrer Befreiung kommen sehen (Ps 68,4–7). Im Anschluss wird vorgestellt, wie der Herr dann die Armeen der Könige, die sich im Land versammelt haben, richtet. Der Überrest wird dann inmitten der an seinen Feinden ausgeübten Gerichte als eine Taube (ein liebevoller Ausdruck, den der Herr für seinen geliebten Überrest verwendet: siehe Hld 2,14 etc.) gesehen. Die Taube hat Flügel aus Silber und Federn aus Gold. Dies spricht von ihrem Glück der Erlösung4 (Ps 68,8–15). Als siegreicher König sichert der Herr dann Zion (den „Berg Gottes“) für Gott ab und identifiziert sich dort mit dem Überrest (Ps 68,16–21). Diese Begebenheit findet eine Parallele in der Geschichte Israels am Sinai, wo das Volk in einen Bund mit dem Herrn eingetreten ist (2. Mos 19; Heb 9,18–20). Doch nun ist es ein neuer Bund, den der Herr mit seinem Volk schließt (Jer 31,31–34). Auch die zehn Stämme kehren aus den Nationen ins Land zurück und schließen sich den anderen an (Ps 68,23). Während sich ganz Israel so im Herrn freut (Ps 68,25–30), versammelt sich eine neue Masse an Lanzenträgern5 (Soldaten) zum Krieg (Ps 68,31). Dies mögen die Armeen Gogs sein, die versuchen das wiederhergestellte Israel zu stürzen (Hes 38,11–12). Nachdem diese Armeen gerichtet sind, unterwerfen sich alle übrigen Nationen freiwillig dem allmächtigen Herrn (Ps 68,32–36).

Fußnoten

  • 1 Im Gegensatz zu den anderen Psalmenserien ist diese in der Bibelübersetzung Darbys nicht durch ein Sternchen als solche gekennzeichnet. Doch an anderer Stelle („Notes and Comments“, Bd. 3, S. 137) bezeichnet er auch diese Psalmenfolge als eine eigenständige Serie.
  • 2 Der Name „HERR“ (Jehova) drückt eine geringere Distanz zu Gott aus als „Gott“ (Elohim). (Anm. des Übers.)
  • 3 Der Autor zitiert hier die King-James-Übersetzung, die den hier mit „Steppen“ übersetzten hebräischen Ausdruck mit „heavens“ (Himmeln) wiedergibt. (Anm. des Übers.)
  • 4 Silber spricht in der Schrift von Erlösung und Gold von göttlicher Gerechtigkeit.
  • 5 Der Autor zitiert hier die King-James-Übersetzung, die den in Vers 31 mit „Schilf“ übersetzten hebräischen Ausdruck mit „spearmen“ (Lanzenträger) wiedergibt. (Anm. des Übers.)
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