Prophetische Übersicht über die Psalmen

Psalm 102-106

Psalm 102

Nachdem die letzte Psalmenserie das Kommen des Herrn zur Aufrichtung seines Reiches umrissen hat, stellt diese Psalmserie die Folgen des aufgerichteten Reiches in den Herzen der erretteten Israeliten vor; und diese bestehen in Lobpreisungen. Doch bevor ihre Herzen zu Gesang und Preis emporsteigen, müssen sie die Bedeutung der Leiden Christi am Kreuz verstehen lernen. Daher stellt dieser Psalm die an Gott gerichtete Klage des leidenden Christus als „Mann der Schmerzen“ vor uns. Diejenigen, die Ihm nachfolgen, lassen Ihn alleine (Ps 102,2–8) und seine Feinde verhöhnen Ihn (Ps 102,9), als Er den gerechten Zorn Gottes über Sünde trägt (Ps 102,10–12). Gleichzeitig sieht der Sterbende die Zukunft und den Segen voraus, den Gott Israel als ein Ergebnis seiner Leiden am Kreuz schenken wird. Er denkt an die Verheißungen, die sich einmal erfüllen würden, dass Zion wiederaufgebaut werden und dann das Zentrum aller irdischen Herrlichkeit bilden würde. Er sieht die gottgemäße Aufrichtung des Reiches voraus sowie den Segen, der sich auch auf die Heiden erstrecken wird (Ps 102,13–23). Doch Er (Christus), der Sündlose, von dem all diese Verheißungen abhängen, muss sterben. Er wurde hinweggenommen in der Hälfte seiner Tage (Ps 102,24–25a). Gott antwortet Christus in Auferweckung; obwohl Er in dieser Welt in den Tod gelegt wurde, wird Er in einer anderen Welt für immer fortbestehen. Diese Welt, die das Werk seiner Hände ist, wird vergehen, doch Er wird für immer fortbestehen (Ps 102,25b-29).

Psalm 103

Psalm 103 ist der Lobpreis Israels an Jehova als Erlöser. Die erlösten Israeliten werden sich der Bedeutung des Werkes des Herrn vom Kreuz und des Segens, der davon für sie ausgeht (Ps 102), bewusst und preisen Ihn dafür. In einem Loblied besingen sie die Segnungen (Wohltaten), die ihnen nun als Folge der Erlösung gehören. Siebenmal „preisen“ sie den Herrn (Ps 103,1–2; 20–22).

Psalm 104

In Psalm 104 preist Israel Jehova als den Schöpfer. Der Psalm beginnt mit einem Lob der Größe des Herrn (Ps 104,1). Anschließend führt er die sechs Schöpfungstage an (1. Mos 1), die die Größe seiner Macht aufzeigen. Es beginnt mit dem Licht und endet mit dem Menschen, der in Gemeinschaft mit seinem Erschaffer steht. Das Licht wird erwähnt (erster Tag), die Schaffung der Ausdehnung (zweiter Tag; Ps 104,2–4), gefolgt von dem trockenen Land, das aus dem Wasser hervorsteigt einschließlich der Vegetation zur Erhaltung der Geschöpfe Gottes (dritter Tag; Ps 104,5–18). Dann werden die himmlischen Lichter erwähnt (vierter Tag; Ps 104,19–24), und das Meer, aus welchem die lebendigen Wesen kamen (fünfter Tag; Ps 104,25–30). Zuletzt wird der Mensch (Israel) erwähnt, der in Gemeinschaft mit seinem Schöpfer steht (sechster Tag; Ps 104,33–34). Der Sabbat (siebter Tag) bleibt unerwähnt, da das, was er abbildet (die Ruhe des Reiches) noch nicht angefangen hat. Der Psalm endet mit dem, was noch getan werden muss. Die Erde muss noch von den nach wie vor existierenden Sündern und Bösen gereinigt werden (Ps 104,35). Das Böse ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht völlig besiegt, noch ist die Schöpfung selbst befreit von der Knechtschaft des Verderbens (Röm 8,20–23).1 Der Löwe jagt immer noch nach Fleisch (Ps 104,21) und der Fluch des Todes liegt noch auf der Welt (Ps 104,29). Daran zeigt sich, dass diese Psalmen der Ausdruck des Herzens Israels sind, als das Reich gerade aufgerichtet wird, und nicht nachdem es bereits begonnen hätte.2

Psalm 105

In Psalm 105 preist Israel Jehova für seine Gnade. Die Verse verfolgen die Wege Gottes mit seinem Volk in Gnade vor der Einführung des Gesetzes. Daher wird auch kein Versagen seitens des Volkes erwähnt.

Psalm 106

In Psalm 106 preist Israel Jehova für seine Regierungswege. Die Verse verfolgen die Geschichte des Volkes unter dem Gesetz, die ausschließlich aus Rebellion und Versagen besteht. Doch hinter alldem sehen sie Gottes Hand, die in vollkommener Weisheit führt. Trotz ihres Versagens werden sie in den Segen des Verheißenen Landes geführt.

Fußnoten

  • 1 Die Befreiung der Schöpfung von ihrer Knechtschaft des Verderbens geschieht erst später, wenn das Tausendjährige Reich völlig eingeführt wird (Ps 146,7–8, usw.).
  • 2 Dies ist der erste Psalm mit einem „Halleluja“. Erst jetzt am Ende der Psalmen, finden wir diesen Ausdruck in den inspirierten Lobpreisungen der Israeliten. Er deutet an, wie nahe die Aufrichtung der Herrschaft Jehovas in Gerechtigkeit und Frieden gekommen ist. Es gibt insgesamt 15 Psalmen, die entweder mit „Halleluja“ anfangen oder aufhören. Sie werden manchmal Halleluja-Psalmen genannt.
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