Prophetische Übersicht über die Psalmen

Psalm 107-113

Psalm 107

Mit diesem Psalm beginnt eine neue Serie. Er betrachtet, wie die Stämme Israels (insbesondere die zehn Stämme), die unter den Nationen verstreut waren, wieder in dem ihnen verheißenes Land gesammelt werden (Ps 107,1–3). Dieser Psalm bietet eine vierfache Beschreibung der zukünftigen Befreiung der Israeliten und ihrer Rückkehr ins Land. Jede dieser Beschreibungen endet mit der Doxologie: „Mögen sie den HERRN preisen wegen seiner Güte und wegen seiner Wundertaten an den Menschenkindern!“ (Ps 107,8.15.21.31). Zuerst sehen wir die Israeliten als Wanderer, die in der Wüste dieser Welt umherirren, und unter Hunger und Durst leiden. Doch durch das Eingreifen Gottes werden sie dahin zurückgeführt, Gott zu preisen (Ps 107,4–9). Als zweites sehen wir sie als Gefangene, elendig in den Ketten eines Gefängnisses liegend. Doch nachdem sie zu Gott riefen, hat Er sie befreit (Ps 107,10–16). Drittens sehen wir sie als Tore, die für den Wunsch nach Erkenntnis sterben. Doch wieder finden wir: Nachdem sie zu Gott riefen, hat Er sie emporgehoben und geheilt (Ps 107,14–22). Letztlich sehen wir sie als Matrosen, die im Meer der Nationen hin und her geworfen werden. Und wieder, nachdem sie zu dem Herrn riefen, werden sie aus ihrer Not befreit und in ihren ersehnten Hafen gebracht, das Verheißene Land (Ps 107,23–32). Der Herr, der ihr Land wegen ihres Ungehorsams (5. Mos 11,13–17) in seinen Regierungswegen zur Dürre werden ließ, segnet es nun (Ps 107,33–38). Nachdem die wiederhergestellten zwölf Stämme in ihrem Land zur Ruhe geführt wurden, werden sie durch eine andere Bedrängnis erneut erniedrigt. Dies bezieht sich vielleicht auf die anrückenden Armeen unter Gog (Russland), die angreifen werden, wenn Israel in sein Land zurückgekehrt sein wird (Hes 38,11–12). Doch der Herr errettet sie und bewirkt ihre Freude (Ps 107,39–43).

Psalm 108

Psalm 108 gibt den Lobpreis der Israeliten nach ihrer Wiederherstellung und Rückkehr ins Verheißene Land wieder (Ps 108,2–7). Wenn die wiederhergestellten Stämme Israels sich im Land angesiedelt haben werden, werden ihre gewaltigen Massen es so füllen, dass nicht ausreichend Raum für alle vorhanden sein wird. Daher werden sie den Herrn um mehr Siedlungsraum bitten (Jes 49,18–23; Sach 10,7–10). Dieser Psalm zeigt, wie der Herr seinem Volk als Antwort auf diese Bitte das vollständige Erbe auf beiden Seiten des Jordans vom Mittelmeer bis zum Euphrat, wie es Abraham versprochen wurde, gibt (Ps 108,7–10; 1. Mos 15,18–21; Jes 26,15). Der Herr wird die Truppen des frisch vereinigten Israel in einem siegreichen Feldzug in ihr vollständiges Erbe anführen1 (Ps 108,12–14; Jes 11,14; Jer 51,19–23; Mich 4,13; Zeph 2,9). Dieser Feldzug wird bis an das Land Assyrien reichen, dessen Grenze vom Euphrat gebildet wird (Mich 5,5–9). Feinde, die in diesen Teilen des Erbes Israels noch existieren, wie der Rest der arabischen Nationen, die die früheren Gerichte überlebt haben, werden Israel unterworfen. Die Edomiter und die Philister werden von Israel gänzlich ausgerottet (Obad 10,17–21; Zeph 2,5). Die Moabiter und Ammoniter werden fronpflichtig gemacht (Jer 48,47; 49,6; Jes 16,19). Israel wird triumphieren.

Psalm 109

Die Psalm 109 und 110 gehören zusammen. Sie stellen die „die Leiden, die auf Christus kommen sollten (Ps 109) und die Herrlichkeiten danach (Ps 110)“ (1. Pet 1,11) dar.

Die wiederhergestellten Stämme Israels werden über die Einzelheiten der Erniedrigung und Verwerfung Christi belehrt. Die zehn Stämme befanden sich beim ersten Kommen Christi, als Er von seinen Brüdern, den Juden, verworfen wurde, nicht im Land. Daher erfahren sie nun erst im Nachhinein von seinen Leiden. Sie lernen erstmalig die Leiden kennen, die der Herr Jesus Christus erduldet hat, als Er von seinem Volk abgelehnt wurde, das Er inständig liebte (Ps 109,1–5). Judas wird als Vertreter der ungläubigen Nation der Juden hervorgehoben, die Christus bei seinem ersten Kommen verworfen hat. Dieser Hass ruft das furchtbarste Bittgebet um Gericht in allen Verwünschungspsalmen hervor (siehe die Liste in der Fußnote zu Psalm 5). Diejenigen, die Ihm in seiner Ablehnung Christi folgen, wie es die abtrünnigen Juden, die dem Antichristen folgen, tun werden, gehören moralisch zu dessen Familie („seine Söhne“ und „seine Frau“) und teilen folglich sein Gericht (Ps 109,6–20). Dann kann die Stimme des Herrn vernommen werden, der um Befreiung von den Übeltätern betet. Darin sehen wir sein vollständiges Vertrauen in den Willen Gottes und seine Unterordnung darunter (Ps 109,21–31).

Psalm 110

Während uns Psalm 109 an Christus in seiner Erniedrigung erinnerte, wird Er in Psalm 110 in seiner Erhöhung vorgestellt. Dieser Psalm ist die göttliche Antwort auf das Rufen des vorherigen Psalms. Ab der Auferstehung wird der Herr als derjenige betrachtet, der gemäß dem Willen Gottes in die Himmel hinaufgestiegen ist (Ps 110,1).2 Vergleiche auch Apostelgeschichte 2,32–35 und Hebräer 10,12–13. Dort ist Er während der gegenwärtigen Gnadenzeit (circa 2000 Jahre). Doch dann regiert Er, der einst verworfen wurde, und zwar öffentlich. Sein Volk, das Ihn einst ablehnte, ist wiederhergestellt und „voller Willigkeit“ an diesem Tag seiner Macht. Christus wird uns hier vorgestellt als König, der „aus Zion“ regiert3 (Ps 110,2–3); als Priester, der sein Priestertum nach der Ordnung Melchisedeks ausübt (Ps 110,4); und als Richter, der Gericht übt an den Feinden Gottes (Ps 110,5–7).

Psalm 111

Es folgen drei Halleluja-Psalmen (Ps 111–113). Diese drei Psalmen drücken Israels Wertschätzung aus für alles, was der Herr für sie getan hat. Das Tausendjährige Reich hat nun begonnen. In Psalm 111 erschallt ein Halleluja für die „Taten“ (mehrfach erwähnt) Jehovas, in denen Er in seiner Vorsehung sämtliche Verheißungen seines Bundes betreffs der Wiederherstellung Israels erfüllt hat.

Psalm 112

Psalm 112 ist ein Halleluja für das Ausmaß des Segens, der denen gehört, die den Herrn fürchten. Israel freut sich seiner Sicherheit im Herrn, denn von dieser Zeit an wird es keiner Nation erlaubt sein, Israel erneut zu bedrängen (Nah 1,15; Ps 147,14; Jes 60,18; Jes 2,4; 1. Kön 5,4).

Psalm 113

Psalm 111 war ein Halleluja für die Werke des Herrn, die Er für Israel getan hat. Psalm 112 war ein Halleluja für den Segen und die Sicherheit, die der Herr auf Israel geschenkt hat. Doch Psalm 113 ist ein Halleluja für die Größe und Majestät des Herrn selbst. Der Lobpreis dieses Psalms ist ausgedehnter und allgemeiner: „Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang“ (vom Osten bis zum Westen). Der Lobpreis hat sich über die gesamte Erde ausgebreitet, da die Nationen in das Halleluja für den Herrn miteinstimmen (Ps 113,1–4). Sie preisen Ihn, der so groß ist und sich doch in Gnade herabneigt, um den Menschen mit sich selbst in Gemeinschaft zu bringen. Was für ein Thema! Diese Psalmenserie schließt mit einem weiteren Halleluja (Ps 113,5–9).

Fußnoten

  • 1 Es ist interessant, dass David diesen Psalm verfasste, nachdem die lange Phase seiner Verwerfung durch sein Volk vorüber war und dieses ihn als rechtmäßigen König annahm. Als König besiegte er Israels Feinde zu beiden Seiten des Landes. Um seinen Sieg zu vervollständigen, führte er seine Truppen an in einem triumphalen Feldzug bis hin zum Euphrat. All dies weist auf Christus hin. Vgl.: Ps 60,1–2; 2. Sam 8,3; 2. Sam 12–13; 1. Kön 11,15; 1. Chr 18,12.
  • 2 In Psalm 109,21 lesen wir „wirke“, was sich auf die Leiden Christi bezieht; in Psalm 110,1 lesen wir „setze“, was sich auf das Sitzen Christ zur Rechten Gottes während der jetzigen Zeit bezieht (circa 2000 Jahre); und in Psalm 110,2 lesen wir „herrsche“, was sich auf die kommende Herrschaft des Tausendjährigen Reiches bezieht. Außerdem ist es interessant, dass dieser Psalm im Neuen Testament 14-mal zitiert wird.
  • 3 Dieser Psalm zeigt uns nicht Christi Rückkehr, um zu herrschen, sondern den bereits zurückgekehrten Christus, der in Zion (Jerusalem) regiert. Der Ausdruck „aus Zion“ bezieht sich auf Ihn, der bereits zurückgekehrt ist. Vergleiche Joel 4,16 (2,27); Amos 1,2; Psalm 50,2; Psalm 134,3.
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