Prophetische Übersicht über die Psalmen

Psalm 52-60

Psalm 52

Mit diesem Psalm beginnt eine neue Serie. Er nimmt uns wieder mit zurück in die Zeit der großen Trübsal, in der die Juden des gottesfürchtigen Überrestes unter der Verfolgung ihrer abgefallenen Brüder und des Antichristen leiden. Die Überschrift des Psalms weist darauf hin, dass der Überrest fliehen musste. David und seine Gefolgsleute sind zu der Zeit ihrer Flucht vor Saul ein Bild von Christus, der sich im Geiste eins macht mit dem gottesfürchtigen Überrest, welcher vor der Verfolgung des Antichristen fliehen muss, von dem wiederum Saul ein Bild ist. Der Antichrist ließ sich selbst als Mächtiger unter den abgefallenen Juden erhöhen und wurde bereitwillig von diesen angenommen. Die Juden des gottesfürchtigen Überrestes durchschauen hingegen seinen Charakter der Bosheit (Ps 52,3–6). In dem Wissen, dass er so nicht wird fortfahren können, sagen sie sein Verderben voraus (Ps 52,7–9). Sie selbst hingegen vertrauen auf die Gnade Gottes und warten auf die Errettung, die von Ihm kommen wird (Ps 52,10–11).

Psalm 53

Die Juden des Überrestes, die noch im Land und unter den Heiden zerstreut sind (Ps 55,7–8.10.15; Ps 56,9; Ps 57,10 etc.), sehen, wie die Spirale des Abfalls unter den Menschen zunimmt.1 Sie beobachten, wie die Kinder der Menschen jede Anerkennung Gottes fallen gelassen haben. Sie sehen, „alle sind abgewichen, sie sind allesamt verdorben; da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer.“ Psalm 14 ähnelt diesem Psalm sehr stark. Der Unterschied besteht darin, dass Psalm 14 mehr die Beschreibung eines jüdischen Toren ist, während Psalm 53 eher einen heidnischen Toren beschreibt. Das zweite Buch der Psalmen stellt den Überrest außerhalb Jerusalems vor – und oft auch außerhalb des Landes Israel, wo er in heidnischer Umgebung den Abfall um sich herum beobachtet.

Psalm 54

Auch dieser Psalm wurde außerhalb des Landes verfasst. David schrieb ihn in der Wüste Siph, wohin er mit seinen Gefolgsleuten vor Saul geflohen war. Auf diese Weise weist der Psalm auf die Flucht der Juden des Überrestes hin. Vertrieben aus dem Land erleiden sie eine zweifache Verfolgung: Einerseits von den Heiden („Fremde“ Ps 54,5), in deren an Israel angrenzende Länder, sie geflohen sind und andererseits von ihren eigenen abgefallenen Brüdern („Gewalttätige“ Ps 54,5). Doch in der Zuversicht, dass Gott ihre Gebete erhören wird, blicken die Juden des Überrestes auf die Zeit, zu welcher der Herr sie erretten wird. Dann werden sie einmal mehr die Freiheit verspüren, Ihn anzubeten (Ps 54,6–9).

Psalm 55

Dieser Psalm wurde verfasst, als die schmerzliche Kunde vom Verrat Ahitophels2 David und die Gruppe derer erreichte, die aus Jerusalem geflohen waren (2. Sam 15,31). In seiner prophetischen Anwendung beschreibt dieser Psalm die Betrübnis, die die Juden des gottesfürchtigen Überrestes haben werden, wenn sie erfahren müssen, dass der Bund mit dem Römischen Tier (Dan 9,27) gebrochen wurde (Ps 55,21). Sie leiden unter Verfolgung; sowohl von Seiten der Heiden, als auch von Seiten der bösen abgefallenen Juden (Ps 55,4). Daher fühlen sie sich von einem Gefühl der Entmutigung überwältigt (Ps 55,5–6). Ihre einzige Zuflucht liegt in der Wüste (Ps 55, 7–9). Doch dabei müssen sie die Stadt Jerusalem völlig in der Hand des Bösen sehen (Ps 55,10–12). Während der ersten 3,5 Jahre des Drangsal (erstes Buch der Psalmen) hatte der Antichrist in all seiner bösen Heuchelei bekannt, unter den Gottesfürchtigen zu sein und war mit ihnen in das Haus Gottes eingegangen. Doch nun hat er sich gegen sie gewandt. Daher wirft sich der Überrest auf Gott und bittet Ihn um Bewahrung.

Psalm 56

Auch diesen Psalm schreibt David außerhalb des Landes (Ps 56,13). Der umherirrende Überrest (Ps 56,9) fühlt weiterhin die Unterdrückung von Seiten seiner abgefallenen Brüder wie auch von Seiten der Heiden. Er sucht Trost, Ermutigung und Leitung im Wort Gottes (Ps 56,5.11). So findet sein Vertrauen in Gott Belebung und er erhebt sein Herz im Lobpreis, während er seine Errettung erwartet.

Psalm 57

Die Gläubigen des verfolgten Überrestes, die ihr Vertrauen in das Wort Gottes gesetzt haben (Ps 56), wenden sich an den Himmel um Hilfe. Sie realisieren, dass sie Errettung einzig und allein von oben zu erwarten haben. Sie warten darauf, dass Gott den Messias zu ihrer Befreiung sendet (Ps 57,2–4). Obwohl sie nach wie vor die Unterdrückung durch diejenigen spüren, die nach ihren Leben trachten (Ps 57,5–7), bleiben ihre Herzen fest und unerschütterlich in Gott (Ps 57,8–12). Und obwohl sich die Juden des Überrestes außerhalb des Landes befinden („unter den Völkern“ der Heiden) und fernab des Tempels, preisen und erheben sie Gott.

Psalm 58

Dieser Psalm beschreibt den Zustand der Dinge im Land Israel unmittelbar vor dem Kommen des Herrn zur Errettung des Überrestes (die Erscheinung Christi). Die Regierung über das Land obliegt dem Antichristen, dem eigenwilligen König (Dan 11,36–39). Sie wird hier als vollständig verdorben vorgestellt. Die Richter (Regierungsbeamte, usw.) üben Gewalttat und Böses. Alle Gerechtigkeit ist verloren (Ps 58,2–6). Doch der Überrest erkennt, dass Ungerechtigkeit nicht ungerichtet bleiben wird. Er schreit zu Gott, damit der Gottlose bestraft werde (Ps 58,7–12).

Psalm 59

Während der Antichrist den Überrest weiter verfolgt (Ps 59,1), ist Jerusalem plötzlich von heidnischen Nationen umzingelt („Hunde“ Ps 59,6–7.15). Die Assyrier sind in das Land eingedrungen und verwüsten es. Dies ist der erste Angriff des Assyrers, des Königs des Nordens, mit seinen arabischen Verbündeten (vgl.: Dan 11,40–43). Angesichts der Stärke dieser heidnischen Armeen, werfen sich die Gläubigen des Überrestes ganz auf Gott, damit sie bewahrt würden (Ps 59,10). Sie schreien zu Gott, dass Dieser den Feind richten möge (Ps 59,11–14) und sie sehnen den Morgen ihrer Errettung herbei, wenn die Sonne der Gerechtigkeit (Mal 3,20) erscheinen wird mit Heilung in ihren Flügeln (Ps 59,17–18).

Psalm 60

Im Gegensatz zu den anderen Psalmen dieser Serie, die alle geschrieben wurden als Saul (ein Bild des Antichristen) regierte und David (ein Bild von Christus) noch nicht von seinem Volk angenommen war, wurde dieser Psalm zu einem Zeitpunkt verfasst, als die Herrschaft über Israel bereits von Saul genommen und David zum König gemacht war. In vielen weiteren Bibelstellen finden wir, dass David die Feinde Israels triumphal besiegt hat (Ps 60,2; 2. Sam 8,3.12–13; 1. Kön 11,15; 1. Chr 18,12). Dieser Psalm bietet in seiner inhaltlichen Konstellation einen prophetischen Blick auf die Zeit, zu der Christus in Macht zurückgekehrt sein wird und zu der er die heidnischen Nationen gerichtet haben wird. Diese waren, wie im vorherigen Psalm beschrieben, in das Land Israel eingefallen. Die Gläubigen des Überrestes beten um Wiederherstellung Israels als Nation, das in die vier Winde zerstreut wurde (Mt 24,31: die zehn Stämme; Ps 60,3–7). In seiner Antwort erhebt der Herr Anspruch auf das vollständige Erbe Israels zu beiden Seiten des Jordans (Ps 60,8–104). Die letzten Verse zeigen auf, wie die Armeen der wiederhergestellten Nation Israels von dem Herrn hinausgeführt werden, um ihr rechtmäßiges Erbe zu erobern, das Er für sie bestimmt hat (Ps 60,11–14).

Fußnoten

  • 1 Es ist zu bedenken, dass dies zu einer Zeit geschehen wird, zu welcher der Geist Gottes, der heute Ungerechtigkeit zurückhält, aus dem Weg genommen sein wird (2. Thess 2,6–7).
  • 2 Absalom (der königliche Prinz) und Ahitophel (der Berater) sind zusammen ein Bild des Antichristen in seinem zweifachen Charakter als eigenwilliger König (Dan 11,36–39) und als falscher Prophet (2. Thes 2,3–8: Off 13,11–18 vgl.: die „zwei Hörner“ 16,13; 19,20). W. Kelly, W. Scott.
  • 3 Gat liegt im Land der Philister. „Die Taube der fernen Terebinthen“ kann auch übersetzt werden „Eine stille Taube in fernen Ländern“.
  • 4 „Auf Edom will ich meine Sandale werfen“ (Ps 60,10): Das Werfen eines Schuhs war ein in Israel gebräuchliches Zeichen, um Anspruch auf ein Erbe zu erheben. Man nahm seinen Schuh, um ihn hinaus auf das geprüfte Stück Land zu werfen. Auf diese Weise wurde markiert, dass dieses Land nun offiziell in den eigenen Besitz übergegangen ist (Jos 1,3; Ruth 4,6–8).
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