Prophetische Übersicht über die Psalmen

Psalm 88-89

Psalm 88

Mit diesem Psalm beginnt die letzte Serie dieses Buches. Anfangend mit Nacht und endend mit Finsternis führt er uns zu dem dunkelsten Punkt des dritten Buches. In ihm ist kein Licht und keine Rettung für den Überrest. Psalm 88 beschreibt die Stunde der größten Not für die Juden; wenn die Armeen des Königs des Nordens und sein arabischer Staatenbund das Land einnehmen und verwüsten.1 Auch wenn die Armeen des Nordens nicht selbst erwähnt werden, werden doch die Folgen ihrer Zerstörungen beschrieben. In 5. Mose 28,45–572 wird der Fluch beschrieben, der Israel treffen wird, wenn sie das Gesetz Jehovas brechen. Und dieser Fluch umfasst die einnehmenden Armeen, die nun über sie kommen und die den Tod über die Jungen und die Alten bringen. Über diesen ganzen Psalm hinweg wird über den Tod in der ernstesten Weise geschrieben. Der Psalm beschreibt, wie der Überrest, der die ganze Nation repräsentiert, unter dem tiefen und furchtbaren Eindruck steht, das Gesetz Jehovas gebrochen zu haben und nun unter dem damit verbundenen Fluch zu stehen. Während die Juden des Überrests mitansehen, wie die abtrünnige Nation von den Tausenden abgeschlachtet wird, lernen sie in ihrem Gewissen, die Wirklichkeit und den Schrecken des Zornes Gottes über Sünde. Vergleiche Joel 2,1–17 (insbesondere die Verse 12–17).

Psalm 89

In diesem Psalm hat sich das Blatt völlig gewendet. Der Herr ist in seiner Güte und in seiner Treue (wird zehnmal erwähnt3) zurückgekehrt und wird nun inmitten seines Volkes4 gesehen (Ps 89,6.8). Statt unter dem furchtbaren Eindruck zu stehen, das Gesetz Jehovas gebrochen zu haben (Ps 88), singen und freuen sich die Gläubigen des Überrestes, weil der Herr sie in seiner Güte und Treue errettet hat. Psalm 88 stellt das Versagen Israels unter dem Gesetz vor (genauer gesagt: die Folgen ihres Versagens); Psalm 89 stellt des Herrn Treue vor, die darin besteht, dass Er sein Volk wiederherstellt, wie Er es David versprochen hatte. Gemäß seinem Bund mit David kommt der Herr zur Wiederherstellung und zum Segen für Israel (Ps 89,2–5). Angenommen von seinem Volk, wird der Herr in dessen Mitte gesehen (Ps 89,6–9). Dann richtet Er dessen Feinde in Gerechtigkeit und Gericht (Ps 89,10–15). Das erlöste Volk Israel freut sich in dem Herrn, ihrem Gott, und wandelt in dem Licht seines Angesichts (Ps 89,16.19). Christus nimmt seinen Platz als König Israels ein (in dem Bild Davids) und wird erhöht zum Höchsten der Könige der Erde (Ps 89,20–38). Bei dem letzten Teil des Psalms scheint es sich um eine Art Anhang zu handeln, der das grundsätzliche Thema des dritten Buches zusammenfasst: Das Volk wird von einmarschierenden Truppen niedergetreten und der Überrest sucht Befreiung (Ps 89,39–53).

Fußnoten

  • 1 C. E. Lunden: „Until the Day Break and the Shadows Flee Away“, S. 21.
  • 2 Bei den Eroberungen durch Nebukadnezar handelt es sich um eine Teilerfüllung dieser Schriftstelle, doch seine volle Erfüllung findet erst statt, wenn der König des Nordens das Land verwüstet.
  • 3 Gemeint ist viermal „Güte“ (mercy) und sechsmal „Treue“ (faithfulness). In der deutschen Übersetzung des Psalms tauchen beide Begriffe noch jeweils ein weiteres Mal auf. (Anm. des Übers.)
  • 4 „Es scheint mir, dass dieser Psalm seine Anwendung nach der Vernichtung des Antichristen findet.“ J. N. Darby: „Notes and Comments“, Bd. 3, S. 182. Die Vernichtung des Antichristen geschieht beim Kommen des Herrn (Off 19,11–21). Somit bezieht sich dieser Psalm auf einen Zeitpunkt nach der Wiederkunft Christi.
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