Prophetische Übersicht über die Psalmen

Psalm 94-101

Psalm 94

Mit diesem Psalm beginnt eine neue Psalmserie. Er führt uns zurück in die Drangsalszeit, kurz vor der Erscheinung Christi. Der Überrest leidet unter der Ungerechtigkeit, mit der der Antichrist über das Land herrscht. Aufgrund der Verfolgung durch seine abtrünnigen Brüder, die dem Antichristen folgen, ruft er zu dem Herrn, dass Dieser kommen möge, um als „Richter der Erde“ aufzutreten (Ps 94,1–7). Der Überrest fordert sie zur Buße auf und fleht sie an, zu bedenken, dass der Herr alle ihre Bosheit sieht. Er ermahnt jeden, der unter ihrem Volk weilt, auf dem Weg eines „glückseligen Mannes“ gefunden zu werden, der Gott erwartet und sich von dessen Gesetz leiten lässt (Ps 94,8–15). Der Überrest fordert sie auf, im Glauben gegen die Übeltäter aufzustehen. Er ermutigt sie, dass der Herr sie in seiner Gnade bewahren wird, wie Er es mit ihnen selbst ebenfalls getan hat (Ps 94,16–19). Doch während der Überrest wartet, wird er sich bewusst, dass wenn der Herr zur Aufrichtung seines Reiches in Gerechtigkeit kommen wird, auch der „Thron des Verderbens“ (die Herrschaft des Antichristen) sein Ende finden wird. Folglich hat er die Antwort auf seine Frage „Bis wann werden die Gottlosen frohlocken?“ aus Vers 3 gefunden und kann zuversichtlich sein, dass die gesamte Ordnung der Dinge unter dem Antichristen nicht mehr lange andauern wird (Hiob 20,5). Der Herr wird die Gottlosen im Gericht vertilgen (Ps 94,20–23).

Psalm 95

Die Psalm 95 und 96 beschreiben das ewige Evangelium (Off 14,6–7), das der Überrest am letzten Tag verkünden wird. Es ist der letzte Aufruf an die Welt, sich dem kommenden König zu unterwerfen.1 In Psalm 95 wird es der jüdischen Nation gepredigt; in Psalm 96 wird es hingegen den heidnischen Nationen gepredigt.2 Die Juden des Überrestes rufen ihre Brüder auf, sich im Glauben vor ihrem Schöpfer Jehova zu versammeln, um Ihm zu singen und Ihn zu preisen (Ps 95,1–6). Sie warnen sie, nicht wie ihre Väter in der Wüste zu sein, die wegen ihres Unglaubens nicht in die verheißene Ruhe eintreten konnten (Ps 95,7–11).

Psalm 96

Nun weiten die Juden des Überrestes ihren Ruf auf die heidnische Welt aus. Sie verkünden „seine Rettung“, „seine Herrlichkeit“ und „seine Wundertaten“ unter den heidnischen Nationen (Ps 96,1–3). Vergleiche mit Matthäus 24,14. Sie werden die Nationen aufrufen, den Herrn zu fürchten und sich Ihm zu unterwerfen. Sie werden sie aufrufen, Ihm die Ehre, die Herrlichkeit und die Anbetung zu bringen, die Ihm gebührt (Ps 96,4–9), da Er kommen wird, um die Welt in Gerechtigkeit zu richten (Ps 96,10–13).

Psalm 97

Der Herr erscheint.3 Er kommt auf der einen Seite als Herrscher in vollkommener Kraft (Ps 97,1) und auf der anderen Seite als Richter, der Gericht an allen Widersachern ausüben wird. Auf der ganzen Erde wird nichts Böses ungerichtet bleiben; nichts wird seinem Licht weichen können (Ps 97,2–7). Die Durchführung des Gerichtes über die Feinde Jehovas schenkt Zion Befreiung. Zion freut sich. Es ist glücklich wegen der Gerichte des Herrn. Christus ist erhoben über alle Götter und herrscht absolut (Ps 97,8–12).

Psalm 98

Israel freut sich über die Ergebnisse des Kommens des Herrn. In der Vergangenheit hatte Israel ein Loblied für den Herrn angestimmt, als ihre Feinde besiegt waren (2. Mos 15). Nun stimmt das Volk ein „neues Lied“ für den Herrn an, weil Er wieder eingegriffen hat, um ihre Feinde zu richten und sie selbst zu befreien. Der Sieg des Herrn über seine Feinde und die Errettung Israels werden öffentlich sichtbar für die Welt (Ps 98,1–3). Israel preist den Herrn4 (Ps 98,4–6). Die Nationen („die Ströme“), die einst gegen den Herrn rebellierten, singen nun ebenfalls zu seiner Ehre (Ps 98,7–9).

Psalm 99

Der Herr nimmt seinen Platz auf dem Thron in Zion als heiliger König Israels ein und richtet seine gerechte Herrschaft über die ganze Erde auf (Ps 99,1–4). Die Fürbitte des Überrestes für das Volk (vorgeschattet in Mose, Aaron und Samuel, die sich für ihr Volk vor Gott verwendeten, als es weit von Gott entfernt war) wurde erhört und der Herr hat sein Reich aufgerichtet, wie Er es verheißen hatte (Ps 99,5–9).

Psalm 100

Nach der Aufrichtung des Reiches werden die Heiden („ganze Erde“) aufgerufen, nach Jerusalem zu kommen, um anzubeten. Siehe Jesaja 2,2–3 und Sacharja 14,16.

Psalm 101

Dieser Psalm vervollständigt diese Psalmserie und enthüllt die großen Prinzipien, nach denen das Reich Christi regiert werden wird. Zuallererst wird das Reich zum Lob Jehovas dienen, indem es seine Güte und sein Recht vorstellt. Diese beiden großen Prinzipien, Gnade und Herrschaft, werden die Grundlage dieses Reiches bilden (Ps 101,1). Das Reich Christi wird von der Absonderung von allem Bösen geprägt sein (Ps 101,2–3). Das Böse wird dann nicht einmal geduldet werden. Es wird behandelt werden, wenn es geschieht. Täglich („jeden Morgen“) werden die Gottlosen aus dem Land ausgerottet werden (Ps 101,4–8).

Fußnoten

  • 1 Siehe J. N. Darby: „Notes and Jottings“, S. 131.
  • 2 Psalm 95 richtet sich an solche, die Jehova kennen. Der Überrest verbindet sich mit ihnen, indem er spricht „lasst uns“. Aber Psalm 96 richtet sich an die „ganze Erde“, einschließlich der Heiden.
  • 3 Siehe Hebräer 1,6: „Wenn er aber den Erstgeborenen wieder in den Erdkreis einführt...“. Wenn der Verfasser des Briefes an die Hebräer von der Wiederkunft Christi (seiner Erscheinung) spricht, zitiert aus diesem Psalm. Das zeigt, dass Psalm 97 von der Erscheinung Christi spricht. Siehe auch: J. N. Darby: „Notes and Jottings“, S. 131 und „Notes and Comments“, Bd. 3, S. 185.
  • 4 Der Ausdruck „ganze Erde“ in Vers 4 müsste eigentlich übersetzt werden „ganzes Land“ und bezieht sich auf das Land Israel.
Nächstes Kapitel »« Vorheriges Kapitel