Botschafter des Heils in Christo 1860

Die Berufung Gottes - Betrachtung der Charaktere Abrahams und Lots Teil 1/3

In der gegenwärtigen Zeit, wo sich alles zur Religion bekennt, ist es besonders wichtig, dass jeder Christ von seiner persönlichen Berufung von Gott völlig überzeugt ist; denn anders wird sein Wandel keine Festigkeit oder Beharrlichkeit haben können.

Es ist nicht besonders schwer, ein Bekenntnis abzulegen zu einer Zeit, wo dasselbe allgemein herrschend geworden ist; aber es ist zu jeder Zeit schwer, im Glauben zu wandeln und die gegenwärtigen Vorteile für die zukünftigen aufzugeben. Nur der mächtige Grundsatz, welchen der Apostel in Hebräer 11,1 „die Verwirklichung dessen, was man hofft und die Überzeugung dessen, was man nicht sieht,“ nennt, macht uns fähig, inmitten einer Welt voll Ungerechtigkeit und Verwirrung unverrückt auf einem schwierigen und dornigen Pfad voranzugehen. Wir müssen mit aller Zuversicht auf etwas Zukünftiges rechnen können – auf Dinge, die des Wartens wert sind – Dinge, welche dem Pilger die Mühen einer langen Reise lehnen, ehe wir uns über die Umstände der Natur und der Welt erheben und „den uns vorliegenden Wettlauf mit Ausharren laufen“ können. – Dies alles wird in dem Wandel Abrahams auf das Lieblichste vor uns hingestellt, was noch besonders durch den Charakter Lots und anderer, die in dieser Geschichte erwähnt werden, hervortritt.

Die Worte in Apostelgeschichte 7,2 beziehen sich unmittelbar auf den vorliegenden Gegenstand: „der Gott der Herrlichkeit erschien unserem Vater Abraham, als er in Mesopotamien war, ehe er in Haran wohnte, und sprach zu ihm: Gehe aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft, und komm in ein Land, das ich dir zeigen werde.“ Hier haben wir den ersten Schimmer jenes Lichtes, welches Abraham aus der Dunkelheit zu Ur in Chaldäa hervorzog, welches seine schwierige Bahn erhellte und seine Seele beim Suchen der „Stadt, welche Grundlagen hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist,“ von Zeit zu Zeit erfrischte und belebte. Der „Gott der Herrlichkeit“ ließ den Abraham im Licht seines Wesens den wahren Zustand der Dinge in Ur erkennen, und Zugleich richtete er seinen Glauben auf eine zukünftige Herrlichkeit und auf ein zukünftiges Erbe; deshalb zögert Abraham auch nicht, sondern schickt sich augenblicklich zur Reise an.

Wenn wir nun den Anfang des siebenten Kapitels der Apostelgeschichte mit dem zwölften Kapitel des ersten Buchs Mose vergleichen, so bemerken wir einen wichtigen Grundsatz. Von der Zeit an, wo Gott dem Abraham erscheint, bis zu der Zeit, wo er endlich das Land Kanaan erreicht, ereignet sich etwas, welches tiefe Belehrung für uns enthält. Ich meine nämlich den Tod des Vaters von Abraham, wie wir in Apostelgeschichte 7,4 lesen: „Und von da übersiedelte Er ihn, nachdem sein Vater gestorben war, in dieses Land, welches ihr jetzt bewohnt.“ Dies macht uns fähig, die Kraft der Stelle in 1. Mose 12,1 zu verstehen: „Und der Herr sprach zu Abram: Gehe aus deinem Land, und von deiner Heimat und aus deines Vaters Haus usw.“ Ans diesen beiden Stellen lässt sich schließen, dass die Reise Terachs und seiner Familie, wovon wir in Kap 11,31 lesen, nicht nach einer Offenbarung „des Herrn der Herrlichkeit“ an Terach, sondern an Abram war. Jener scheint vielmehr ein Hindernis auf dem Weg Abrams gewesen zu sein, denn solange er lebte, ist Abram nicht in das von Gott bestimmte Land Kanaan gekommen.

Dieser Umstand, so unbedeutend er auch einem flüchtigen Leser erscheinen mag, bestätigt auf die bestimmteste Weise die vorhin erwähnte Behauptung, dass nämlich nur dann, wenn die Berufung Gottes – die Offenbarung des Herrn der Herrlichkeit – persönlich erfahren ist, der Wandel des Christen Beharrlichkeit haben kann. Wäre dies bei Terach der Fall gewesen, so würde er weder auf dem Weg Abrahams ein Hindernis gewesen sein, noch würde er, gleich einem Kind der Welt, sich niedergelassen haben, ehe er das Land der Verheißung erreicht hatte. Derselbe Grundsatz tritt uns sehr deutlich beim Laban entgegen (1. Mo 24). Laban wusste den goldenen Reif und die goldenen Armspangen, welche der Knecht Abrahams mitgebracht hatte, wohl zu schätzen, aber er hatte kein Herz, um die Kunde von den zukünftigen Dingen, welche den Lippen Eliesers entströmte, zu würdigen. Mit anderen Worten, er hatte keine Offenbarung von „dem Gott der Herrlichkeit,“ und darum blieb er ein entschiedener Weltling.

In der Bekehrung des Paulus von Tarsus lernen wir dieselbe Wahrheit. Als er selbst durch den Glanz der Herrlichkeit des Herrn überwältigt, niedersank, sahen seine Begleiter wohl das Licht und waren auch Zeugen vieler anderen Umstände, welche den Wut schnaubenden Eiferer auf dem Weg aufgehalten hatten, aber sie hörten nicht, wie Paulus selbst sagt, „die Stimme dessen, der mit mir sprach“ (Apg 22,9). Dies ist die wichtige Sache: die Stimme muss zu mir sprechen, der „Gott der Herrlichkeit“ muss mir erscheinen, ehe ich als ein Pilger und Fremdling in der Welt den „vorliegenden Wettlauf mit Ausharren laufen“ kann. Weder ein National– noch ein Familienglaube, sondern nur ein persönlicher Glaube macht uns zu wahren Zeugen in der Welt. Als Abraham von dem Hindernis, welches er in seinem Vater erfahren musste, befreit war, konnte er mit Kraft und Entschiedenheit auf die Bahn des Glaubens treten – eine Bahn, welche Fleisch und Blut niemals betreten können. Es ist eine Dornenbahn voller Schwierigkeiten von Anfang bis zu Ende – eine Bahn, auf welcher Gott allein die Seele erhalten kann. „Und Abram durchzog das Land bis an die Stätte Sichem, und an die Eiche More. Und es waren zu der Zeit die Kanaaniter im Land. Da erschien der Herr dem Abram und sprach: Deinem Samen will ich dies Land geben. Und er baute daselbst einen Altar dem Herrn, der ihm erschienen war“ (V 6–7). Hier, im Angesicht des Kanaaniters nimmt Abram sofort den Platz als Anbeter ein. Der Altar bezeichnet ihn als einen, der von den Götzen zu Ur in Chaldäa befreit ist – als einen, der gelernt hat, seine Knie vor dem Altar des einigen und wahren Gottes, „der Himmel und Erde gemacht hat,“ zu beugen.

In dem folgenden Vers erhalten wir den zweiten wichtigen Grundsatz des Glaubensmannes: „das Zelt,“ welches seine Fremdlingschaft in der Welt ausdrückte. „Durch den Glauben hielt er sich in dem Land der Verheißung, wie in einem fremden auf, und wohnte in Hütten mit Isaak und Jakob, den Mit erben derselben Verheißung“ (Heb 11,9). Wir werden später Gelegenheit haben, diese beiden wichtigen Punkte im Leben Abrams noch mehr hervorzuheben. Es genüge für jetzt, die Tatsache festzustellen, dass das Zelt und der Altar ihn aufs deutlichste als Fremdling und Anbeter bezeichneten – als einen Mann, der ganz und gar von dem Treiben der im Argen versunkenen Welt getrennt war.

Kaum hatte Abram seine Laufbahn betreten, als er einer jener Schwierigkeiten zu begegnen hatte, welche besonders geeignet sind, die Echtheit des Glaubens, sowohl dessen Eigenschaft als auch dessen Gegenstand, zu prüfen. „Es war eine Hungersnot im Land.“ Er begegnet dieser Schwierigkeit gerade an dem Ort, wohin ihn der Herr berufen hatte. Nun ist es aber, wenn Mangel, wenn Widerwärtigkeiten und Schwierigkeiten aller Art uns entgegentreten, nicht leicht, auf dem geraden und schmalen Pfad auszuharren, und besonders dann nicht, wenn man irgendwelchen Ausweg sieht, wodurch man diesen Versuchungen entgehen kann. Die Menschen dieser Welt werden „nicht versucht wie andere Menschen, noch werden sie geplagt wie andere Menschen.“ Und dies Gefühl wird noch durch die Abwesenheit alles dessen, was zur Ermunterung unserer Hoffnung dienen könnte, vergrößert. Abram hatte nicht so viel um seinen Fuß darauf zu setzen. Rund um ihn her herrschte die Hungersnot, ausgenommen in Ägypten. War er dort, dann konnte er in Ruhe und Überfluss leben. Hier galt es für den Mann des Glaubens, in dem Pfad des unbedingten Gehorsams zu wandeln. Gott hatte gesagt: „Gehe aus deinem Land ... in ein Land, das ich dir zeigen will.“ Der Gehorsam gegen dieses Gebot schloss Zugleich das Bleiben in einem Land, wo augenscheinlich Elend und Mangel war, in sich ein. Das Wort: „In ein Land, das ich dir zeigen will,“ war ganz einfach und bestimmt. Es war für Abram ebenso bindend, wenn die Hungersnot um ihn her wütete, als auch wenn Überfluss geherrscht hätte. Weder hätte ihn die Hungersnot verleiten sollen, das Land zu verlassen, noch der Überfluss, dort zu bleiben. Nur dies eine Wort: „Ich will dir zeigen,“ durfte allein für ihn Geltung haben. Allein Abram verlässt das Land; er unterliegt einen Augenblick der Schwere seiner Prüfung. Er lenkt seine Schritte nach Ägypten und lässt seinen Altar und sein Zelt hinter sich zurück. Und dort gelangte er zur Ruhe und zum Überfluss. Er entfloh ohne Zweifel der fürchterlichen Not, welche im Land der Verheißung ihn umgab; aber Zugleich verlor er die Weihe eines Anbeters und eines Fremdlings, was doch dem Herzen eines Pilgers immer das teuerste sein sollte.

Ägypten konnte Abram nichts bieten, wodurch ein geistlicher Mensch sich zu ernähren vermag. All sein Überfluss konnte nur einem natürlichen Menschen genügen. Ägypten würde Abram auch nichts geboten haben, wenn er nicht seinen Charakter, als Anbeter und Fremdling, verleugnet hätte. Es ist wohl kaum nötig zu bemerken, dass es jetzt noch ebenso ist. Die Welt bietet eine Menge jener Dinge dar, wovon unsere alte Natur sich in Behaglichkeit ernähren kann – reiche Genüsse des Fleisches und des Geistes, um die Wünsche des Herzens zu befriedigen. Doch was für einen Wert hat dies alles, wenn deren Genuss, wie es ja nicht anders sein kann, vom Weg des Glaubens – vom Weg des einfachen Gehorsams – abführt. Für den Christen gilt nur diese eine Frage: Will ich das Gold und Silber, die Schaf– und Viehherden – die zeitlichen Bequemlichkeiten und den Überfluss Ägyptens, oder das Zelt und den Altar des Landes der Verheißung.

Es könnte aber bei jemand die Frage entstehen: Warum musste Abram im Land der Verheißung Teuerung und Trübsal erfahren? Warum fand er keine Heimat dort, die ihm alles in Überfluss darbot? Einfach deshalb, weil die Kanaaniter und Peresiter noch im Land wohnten (Kap 13,7). das Land war noch nicht zur Wohnstätte der Erlösten eingerichtet. Abrams Glaube hätte ihn befähigen sollen, diesen langen traurigen Zwischenraum, der vor der Erfüllung der Verheißung kommen sollte, zu überschauen. Es war derselbe Grundsatz des Glaubens, welcher ihn auch zum Pilger und Fremdling machte. Er konnte auf den von Gott bestimmten Zeitpunkt warten und bis dahin sich begnügen, nicht so viel zu besitzen, dass er seinen Fuß daraufsetzen konnte (Apg 7,5). Ebenso sollte es jetzt sein. Der wahre Gläubige kann seine Heimat nicht in der Welt finden, weil noch „die Kanaaniter“ darin sind. Bald aber wird es anders sein; denn „Alles, was entgegen ist,“ wird aus dem Reich hinausgestoßen werden; und die Reiche dieser Welt „werden dann die Reiche unseres Herrn und seines Gesalbten sein.“ Dann wird die Gerechtigkeit herrschen „von einem Meer zum anderen,“ und von dem Strom bis zu den „Enden der Erde.“ Kapitel 13

Dies Kapitel zeigt uns in seiner schönen Einfachheit den Glaubensmann, der durch die Liebe und Treue Gottes, welcher sein Volk niemals lange umherirren oder warten lässt, wieder auf den rechten Weg geleitet wird. Das Gold und Silber, die Schaf– und Viehherden Ägyptens konnten Abram, weil er sein Zelt und seinen Altar entbehren musste, nicht lange befriedigen. Er erhebt sich noch einmal mit erneuerter Energie des Glaubens, reißt sich los von dem Staub Ägyptens und wendet seinen Fuß zurück nach dem Land der Verheißung – ein augenscheinlicher Beweis eines festen und aufrichtigen Vorsatzes, dem Herrn zu dienen. Das Schiff mag von dem Wind und den Wellen hin und her getrieben werden – der Magnet zeigt beständig nach Norden.

Wir lesen in Vers 3–4: „Und er zog immer weiter von Mittag bis gen Bethel, bis an die Stätte, da am ersten seine Hütte war, zwischen Bethel und Ai; eben an den Ort des Altars, den er vorhin daselbst gemacht hatte. Und Abram predigte allda den Namen des Herrn.“ Die Ausdrücke: „am ersten“ und: „vorhin“ zeigen uns sehr deutlich, das Abram in Ägypten keine Fortschritte gemacht hatte, sondern dass jene Zeit für ihn verloren war. Ohne Zweifel aber lernte er eine gesegnete Aufgabe; und es ist immer gut, wenn wir durch unsere Fehler lernen, unserem eignen Herzen zu misstrauen und den schädlichen Einfluss der Welt zu fürchten. Abram machte die Erfahrung, dass in Ägypten weder ein Zelt, noch ein Altar sein konnte. Nur der Glaube befähigt uns, einen Altar und ein Zelt zu errichten. In Ägypten aber ist alles für das Auge und nicht für den Glauben; und daher hörte Abram, sobald er seinen Fuß auf jenen Boden gesetzt hatte, auf, wahre Früchte des Glaubens hervorzubringen – ja, derselbe Beweggrund, der ihn leitete, das Land der Verheißung zu verlassen, leitete ihn auch, seinen Charakter als Fremdling und Anbeter in demselben aufzugeben. Wie mächtig werden wir hierbei an einen Vorschlag erinnert, den lange nachher ein König Ägyptens dem Samen Abrams machte: „Und Pharao forderte Mose und Aaron auf und sprach: Geht hin und opfert eurem Gott hier im Land“ (2. Mo 8,25). So ist es stets die Absicht des Feindes gewesen, das Volk Gottes, den heiligen Samen, zu verleiten, dem Gott dieser Welt zu opfern und seinen Charakter als Anbeter Gottes mit dem der Weltmenschen zu vereinigen – mit denen, welche eine Stellung in der Gesellschaft haben, aus welcher Christus verbannt ist, um auf diese Weise zu erklären, dass zwischen der Religion der Welt und der Religion Gottes kein Unterschied ist. In der Tat ein schrecklicher Wahn, der ganz dazu berechnet ist, um manche Seele von dem einfachen Wege der Wahrheit und Gottseligkeit abzuführen.

Es ist gewiss überaus traurig, wenn selbst solche – die es sicher besser wissen sollten – um, wie sie sagen, ihren duldsamen Sinn an den Tag zu legen, von der Religion der Welt und ihren verschiedenartigen Formen sprechen, als ob das alles ganz richtig sei und als ob es eine gleichgültige Sache wäre, ob wir uns in Gemeinschaft mit dem Irrtum befänden oder nicht. Ach, täuschen wir uns doch nicht selbst! Der Grundsatz Gottes in Betreff der Trennung ist heute noch ebenso stark und hat dieselbe bindende Kraft, wie auch in den Tagen Abrams und Mose. „Darum geht aus ihrer Mitte und sondert euch ab und rührt nichts Unreines an,“ ist gültig, so längs noch etwas Unreines besteht. Ebenso wenig kann eine äußere Form dessen Charakter ändern; der wahre und wesentliche Charakter des Unreinen kann nicht in etwas Reines verwandelt werden. Moses war damals sicher nicht duldsam nach dem oben bezeichneten Sinne, denn er weigerte sich entschieden, der Religion der Welt zu huldigen. Er sagte zu Pharao: „Es ist nicht recht, dass wir also tun.“ Abram konnte in Ägypten nicht anbeten, noch konnte es sein Same.

Abram hatte aber auf seiner Laufbahn mehr als eine Schwierigkeit zu bekämpfen. Der Pfad, den jeder Gläubige zu durchwandeln hat, liegt zwischen zwei gefährlichen Klippen. Die eine ist die Versuchung, in die Welt zurückzukehren, die andere mit den Brüdern auf dem Weg zu streiten. Abram hatte sich eben von der Wirkung der einen erholt, und jetzt haben wir Gelegenheit zu sehen, wie er in der zweiten besteht. Sobald Abram Ägypten verlassen hat, finden wir ihn unter einer neuen Verantwortlichkeit, unter derjenigen, mit seinem Bruder in Eintracht zu wandeln. Solange er in Ägypten war, stand diese Verantwortlichkeit im Hintergründe. Die Einrichtungen, die Gesetze und die Sitten, sowie auch der Luxus und die fleischliche Ruhe Ägyptens sind in einem hohen Gerade geeignet, alle derartigen Gefühle völlig zu untergraben. Alle jene Dinge bilden Schranken, welche einen Jeden verhindern zu erkennen, dass er seines „Bruders Hüter“ sei. Solange wir es mit der Welt halten – mit der religiösen Welt – solange werden wir auch der schweren Aufgabe, unseres Bruders Hüter zu sein, gänzlich überhoben sein. Diejenigen zwar, welche der Welt das Wort reden, mögen diese Tatsache widersprechen; aber es ist so; die Schrift und die Erfahrungen beweisen es. Abram und Lot hatten keinen Streit in Ägypten, und dies ist das Anziehende, welches eine religiöse Einrichtung wenigstens darbietet. Es ist auch kein? geringe, weil auf diese Weise einer Reibung unter Brüdern vorgebeugt wird; und wo keine Reibung ist, da kann natürlich auch kein Streit sein. Findet aber irgendwelche Reibung statt, so müssen wir entweder Gnade genug haben, um in Einigkeit des Geistes zu wandeln oder es wird zu Hader und Streit kommen. Ägypten untergräbt jede Quelle der Gnade, indem es uns aus dem Verhältnis einer kindlichen Abhängigkeit vom Herrn herausführt, und Abhängigkeit allein gebiert Gnade und Nachsicht; weil Ägypten oder die Welt uns aber ans derselben herausführt, so sucht sie uns Zugleich zu überzeugen, dass wir der Gnade nicht bedürfen und bringt uns in eine Sphäre, wo die Verantwortlichkeit gegen die Brüder nie verwirklicht wird. Auf diese Weise wird das Bedürfnis nicht gefühlt; Schwachheit gilt für Kraft und Torheit für Weisheit.

Wenn der Christ seine Laufbahn beginnt, so glaubt er in seinen Mitchristen nur Vollkommenheit zu finden; aber wie bald sieht er sich getäuscht! Wir alle haben unsere Schwachheiten, und wie der Apostel Jakobus sagt, „straucheln wir alle mannigfaltig.“ Aber woher kam es, möchten wir fragen, dass sich dieses Übel zeigte, sobald sie Ägypten verlassen hatten? Weil sie jetzt berufen warm, ohne die Stützen und Schutzmauern Ägyptens, in Kraft eines nackten Grundsatzes zu wandeln. Sie waren berufen, durch Glauben zu wandeln, und zwar „durch einen Glauben, der in der Liebe tätig ist.“ Es waren nun aber die Kanaaniter usw. im Land; und dieser Umstand hätte sie leiten sollen, jede Zwistigkeit zu vermeiden; denn der Kanaaniter versteht nichts von den Schwachheiten der Gläubigen und schreibt deshalb alle ihre Mängel und Fehltritte dem Prinzip oder der Wahrheit zu, wozu sich diese bekennen.

Bei einer Zwistigkeit unter Brüdern muss irgendwo der Fehler sein. In der Sache zwischen Paulus und Barnabas z. B. lässt sich leicht einsehen, wo er lag. Barnabas wollte seinen Verwandten mit sich nehmen. Dieser aber hatte früher seine Untüchtigkeit an den Tag gelegt, wenigstens hatte er nicht viel Neigung gezeigt, die Härte dieser Laufbahn zu ertragen, und darum konnte das Auge des Barnabas nicht einfältig auf den Herrn gerichtet sein, als er dessen Begleitung wünschte. Der Herr aber zeigte sich in dieser Sache auch auf der Seite des Paulus, indem er ihm gleich einen teuren Sohn und Mitarbeiter, den Timotheus, zugesellte, mit welchem er so völlig „gleichgesinnt“ war. Ebenso ist es in dem vor uns liegenden Fall. Es wird uns nicht zweifelhaft sein, dass Lot der Fehlende war. Sein nachheriges Betragen und die Wege des Herrn mit Abram, nachdem er sich von ihm getrennt hatte, beweisen dies aufs deutlichste. Wie es scheint, war Lot nicht völlig vom Weltsinn befreit, und wo die Selbstsucht herrscht, da wird der Pfad des Glaubens immer zu schmal gefunden. So war es auch hier und darum konnten sie nicht zusammenwohnen.

Was tat denn nun Lot? „Er hob seine Augen ans.“ Dies ist stets unsere Weist, wenn wir nicht im Glauben wandeln. Sobald wir ohne göttlichen Befehl unsere Augen erheben, so befinden wir uns sicher auf einem Irrweg. Ich sage, ohne göttlichen Befehl, denn später forderte der Herr den Abram auf, seine Augen zu erheben; aber wie so ganz verschieden war dies von dem, was Lot tat, welcher auf Eingebung einer menschlichen Klugheit oder Vorsicht seine Augen erhob. Klugheit und Vorsicht aber können unseren Fortgang im Glauben keineswegs erleichtern, sondern führen uns im Gegenteil, sobald wir uns dadurch leiten lassen, von dem Weg des Glaubens ab. Darum als Lot selbst seine Augen erhob, konnte er nicht über das hinwegsehen, was sichtbar und zeitlich war. Sein Blick ging über diese Dinge nicht hinaus; er ruhte auf den Dingen, mit welchen er in Ägypten vertraut gewesen war, wie wir weiterlesen: „und besah die ganze Gegend am Jordan, wie sie gar wasserreich war“ ... „gleich wie Ägyptenland“ (V 10). Lot war nie in seinem Herzen und in seinen Neigungen von Ägypten getrennt; er hatte nie die Nichtigkeit und Unzulänglichkeit aller seiner Hilfsquellen im Licht der ewigen Dinge kennen gelernt – er hatte sie niemals mit jener Stadt verglichen, „welche Grundlagen hat und deren Baumeister und Schöpfer Gott ist.“ Mit einem Wort, er,– „der seine Hand an den Pflug gelegt“ hatte fing jetzt an, zurückzublicken und sich für das „Reich der Himmel nicht geschickt“ zu beweisen. Der erste Vers des vorliegenden Kapitels zeigt dieses in auffallender Weise: „Also zog Abram herauf aus Ägypten und Lot auch mit ihm.“ Hier haben wir das Geheimnis von der späteren Unbeständigkeit des Lot. Er scheint mehr mit Abram als mit Gott hinaufgezogen zu sein, und die Folge davon war, dass er, sobald er von Abram getrennt war, nichts mehr hatte, worauf er sich lehnen konnte. Bisher war er unter Abrams Schutz und Leitung gezogen, anstatt unmittelbar vom Herrn geleitet zu werden, und deshalb ging er irre, sobald er Abram nicht mehr bei sich hatte.

Jetzt kam der Augenblick, wo Abram auf den Befehl des Herrn seine Augen erhob, und siehe! welch einen schönen Anblick hatte er von dem Land! Während das Auge des Lot nicht über die engen Schranken der Gegenwart hinaus vordringen kann, ist Abram fähig, die ganze Länge und Breite des von Gott verheißenen Erbteils zu überschauen. Er schwingt sich auf den mächtigen und leichten Fittichen des Glaubens empor und verliert sich, so zu sagen, in der unbegrenzten Gnadenfülle Gottes, während der nach sichtbaren Dingen trachtende Lot beinahe in dem tiefen Morast der sodomitischen Sittenverderbnis versunken wäre.

Lasst uns noch einmal, ehe wir zum nächsten Kapitel übergehen, die verschiedenen Standpunkte dieser beiden Männer, welche sich zusammen auf den Weg begeben hatten, ins Auge fassen. „Lot hob seine Augen auf,“ und diese waren, wie sich erwarten lässt, auf einen Gegenstand gerichtet, welcher seinen natürlichen Neigungen entsprach. Die „wasserreiche Gegend“ war für das menschliche Auge etwas Liebliches; aber vor dem Angesicht des Herrn war sie in Gottlosigkeit versunken (vgl. V 10 mit 13). Abram hingegen durfte seinen Blick über die ganze Länge und Breite des verheißenen Erbteils umherschweifen lassen – durch alles andere unbeweglich, überschaute er das Teil, welches Gott für ihn und seinen Samen aufbewahrt hatte, und richtete dem gemäß seine Stellung in der Welt ein.

So finden wir also Lot in den entweihten Gegenden Sodoms, und Abram, den Fremdling und Pilger mit seinem Zelt und seinem Altar in der „Ebne von Mamre, welche zu Hebron ist.“

Kapitel 14

Hier erhalten wir die Einzelheiten einer Schlacht, welche zwischen „vier Königen gegen fünf“ gefochten wurde, und wir möchten wohl fragen: Wie hing dieser Streit unter den „Scherben“ der Erde mit der Geschichte des Volkes Gottes zusammen? Mit Abram eigentlich in keiner Weise; denn er war außerhalb desselben. Sein Zelt bezeichnete ihn als einen, dem solche Sachen fremd waren – als einen, für welchen ein Kampf von „vier Königen gegen fünf“ nur geringe Bedeutung hatte. Und sein Altar bezeichnet ihn als einen, dessen Trachten einen ganz anderen Charakter hatte, nämlich einen himmlischen. Sein Zelt zeigte ihm stets, dass er auf der Erde ein Fremdling war – dass er seine Heimat im Himmel hatte. Glücklicher Pilger! welcher also von seiner Höhe, von dem erhabenen Wachtturm des Glaubens mit einer ruhigen Gleichgültigkeit auf das Schlachtfeld einer verdorbenen Welt herniederschauen konnte. Es war für Abram von ganz geringer Bedeutung, ob der Siegeskranz das Haupt des Königs von Sodom oder das des Königs Kedorlaomers schmückte. Sein Teil war durch ihren Streit nicht gefährdet, weil es dort war, „wo die Diebe nicht durchgraben und stehlen.“

Aber, obgleich es das glückliche Los Abrams war, dass er selbst und sein Teil sich an einem Ort befanden, wo Kriege keinen Einfluss ausübten, so war dies doch mit seinem weltlich gesinnten Bruder nicht der Fall. Er befand sich sogar in der Mitte des Kampfes, und deshalb musste der Ausgang für ihn von der größten Wichtigkeit sein. Wenn ein Kind Gottes so tief sinkt, dass es sich mit der Welt eins macht, so muss es sich auch gefallen lassen, an den Erschütterungen derselben teil zu haben; und wehe dem Menschen, der an jenem Tag, welcher mit raschen Schritten herannaht und an welchem die allmächtige Hand Gottes alles im Gericht erschüttern wird, sein Teil in der Welt hat!

Ich möchte hier bemerken, dass alles, was durch den Heiligen Geist jemals von der Geschichte der Völker und von dem Treiben der mächtigsten Könige der Erde erwähnt worden ist, in irgendwelcher Beziehung zu der Geschichte des Volkes Gottes stand. Anders wäre es für ihn von gar keiner Wichtigkeit gewesen. Er kann kein Wohlgefallen darin finden, einfach bei der Geschichte der Menschen zu verweilen. Die fortwährenden Streitigkeiten und das Toben der Nationen, die rohen Anmaßungen gottloser Tyrannen, die nach Gewalt trachten, die Bewegungen der Armeen können die Aufmerksamkeit des Geistes des Friedens nicht auf sich ziehen. Dessen ungeachtet, wenn solche Dinge nur irgendwie mit der Geschichte einer gerechten Seele zusammenfallen, erwähnt der Heilige Geist selbst alle die Einzelheiten auf das Ausführlichste, wie es bei dem Kampf in der vorliegenden Betrachtung der Fall ist.

Was waren nun für Lot die Resultate dieses Kampfs? Verderben für ihn und seine Familie. Er selbst wurde ein Gefangener und alle seine Güter wurden weggenommen (V 12). Er hatte sich auf der Erde Schätze gesammelt, zu welchen jetzt die Diebe gelangt waren. Welch ein Unterschied zwischen ihm und Abram! Während Abram in der Kraft – in der absondernden Kraft der Gemeinschaft mit Gott über diesem allen war, wurde Lot zum Gefangenen und Bettler Er hatte für sein Fleisch gesät, und von dem Fleisch erntete er jetzt Verderben. – Nun war dies aber gerade für Abram der Augenblick, die Tätigkeit seiner Liebe an den Tag zu legen. Er hatte bisher, wie oben bemerkt, das Treiben jener Könige und ihrer Kriegshaufen mit ruhiger Gleichgültigkeit betrachtet. Derselbe Glaube aber, der ihn gegen die Händel der Menschen gleichgültig machte, ließ ihn jetzt augenblicklich seinen unglücklichen Bruder erkennen und ihm zu Hilfe eilen. Der Glaube reinigt nicht allein von weltlichen und fleischlichen Lüsten, sondern er ist auch durch die Liebe tätig. Dies tritt uns hier bei Abram so lieblich entgegen; denn sobald er hörte, dass sein Bruder gefangen genommen war, bewaffnete er seine geübten Knechte (V 14).

Es könnte hier bemerkt werden, dass in der Stunde der Trübsal und der Schwierigkeiten das Gefühl der brüderlichen Gemeinschaft am meisten hervortritt. In den Tagen eines ungetrübten Friedens mochte Abram den Lot als den „Sohn seines Bruders“ kennen; aber jetzt war dieser in Leiden, und deshalb handelt er, und zwar auf eine mächtige und nachdrückliche Weise nach den Anforderungen „dieser Brüderschaft.“ Es ist wahr, Lot hatte wegen eines Stück Landes mit ihm gestritten und sich von seinem würdigen Gefährten getrennt und seinen Wohnsitz zu Sodom aufgeschlagen, aber dies alles kam jetzt nicht in Betracht. Er war in Trübsal, und darum war alles vergessen, nur nicht, dass sie Brüder waren.

Wir sind nun weiter berufen, Zeugen einer tief ergreifenden Szene zu sein. Abram musste einer Versuchung begegnen – einer Versuchung, über welche er sogleich durch die Kraft Gottes siegte, welche aber nichts desto weniger eine Versuchung war. Der König von Sodom war im Begriff, alle seine Schätze vor den Augen Abrams auszubreiten, und Abram hatte von Natur ein Herz, um jene Schätze zu würdigen. Würde jemand behaupten, dass diese Welt nicht viele – sehr viele Reize für das natürliche Herz habe, so müsste er sein eigenes Herz nicht kennen. Nur durch die Kenntnis himmlischer Dinge sind wir wirklich von der Welt getrennt und stehen über derselben; und Abram war durch die Gnade Gottes in diese himmlischen Dinge geleitet worden. Der Sieg, welchen Abram über diese Versuchung davontrug, kam nicht aus seiner eigenen Kraft. Sein natürliches Herz, wie schon bemerkt, schätzte die Dinge, welche der Feind ihm darbot und darin konnte er allein durch eine andere Kraft – durch die Kraft Gottes siegen. Gott war es, der in der finsteren Periode in Ägypten über seinen teuren Diener wachte und ihm dort Zugleich in Betreff des wahren Charakters der Welt eine heilsame Lehre gab, und Er war es auch, der in allen Umständen seine Wege beobachtete und stets Vorbereitungen traf, um allen Versuchungen zu entfliehen. Er kannte von Anfang bis zu Ende die listigen Wege und Absichten des Feindes und um dessen giftigen Pfeile zu vernichten, reichte er ihm ein Gegengift von oben – ein himmlisches dar.

Es ist hier auch besonders bemerkenswert, dass von der Zeit an, wo der König von Sodom ausgegangen war, dem Abram zu begegnen, bis zu der Zeit, wo er ihm den Vorschlag in Betreff der Leute und der Güter machte, ein anderer merkwürdiger Charakter eingeführt wird, nämlich „Melchisedek.“ Dieser Fremde war von Gott beauftragt, ihn zu trösten, und er trat grabe in dem Augenblick herzu, als der Feind ihn anzufallen gedachte (vgl. V 17,18 und 21). Warum kam aber dieser Priester des allerhöchsten nicht eher zu Abram? Weil er gerade in diesem Augenblick mehr als je der Kraft bedurfte, welche er ihm zu bringen hatte. Der Feind stand eben im Begriff, um seine gleißnerischen Lockungen vor den Augen des Mannes Gottes auszubreiten, und darum ist Melchisedek in der Nähe, um ihm die Wirklichkeit des Reiches Gottes zu zeigen. Er war da, um seine Seele mit dem „Brote“ zu nähren und zu stärken, und ihn mit dem „Wein“ des Reiches zu erfreuen, damit er in Kraft dieser Speise sich über alle Anreizungen und Verführungen der Welt erheben konnte. Und dies zeigt uns, dass es allein in Gemeinschaft mit der Freude und der Herrlichkeit des Reiches ist, wodurch wir befähigt werden, den Befleckungen der Welt zu entfliehen.

Geliebter Leser, wovon ernährst du dich jetzt? Worin besteht deine gewöhnliche Speise? Ist es das „Brot“ und der „Wein“, welches der Herr spendet, oder sind es die Güter Sodoms? Sind deine Ohren den verderblichen Eingebungen des Königs von Sodom, oder der himmlischen Kunde des Königs von Salem geöffnet? Der Herr gebe, dass unsere Herzen stets das wählen mochten, was vor Ihm wohlgefällig ist.

Melchisedek leitet die Seele Abrams in die gegenwärtige Gemeinschaft „des allerhöchsten Gottes, Schöpfer des Himmels und der Erde;“ und also vollendet er den wunderbaren Gegensatz zwischen dem König von Sodom und „dem allerhöchsten Schöpfer des Himmels und der Erde“ – zwischen den Gütern Sodoms und den unermesslichen Besitzungen „des Himmels und der Erde.“ Gesegneter Gegensatz! den der Glaube stets in Betracht zieht. Es ist unnötig zu sagen, dass Abram das Anerbieten des Königs von Sodom augenblicklich zurückwies. Das Brot und der Wein, sowie der Segen des Priesters des allerhöchsten Gottes hatten ihn auf solch eine Höhe gestellt, dass er mit einem weitumfassenden Blick die unermesslichen Besitztümer des Himmels und der Erde überschauen und Zugleich von dort aus auf den nichtigen Vorschlag des Königs von Sodom herniederblicken und ihn zurückweisen konnte. Melchisedek hatte soeben gesagt: „der allerhöchste Gott, Schöpfer des Himmels und der Erde“, und Abrams Glaube erfasste diese Worte und benutzte sie in seiner Antwort an seinen Gegner. „Ich hebe meine Hände auf,“ sagte er, „zu dem Herrn, dem allerhöchsten Gott, Schöpfer des Himmels und der Erde, dass ich von allem, was dein ist, nicht einen Faden noch einen Schuhriemen nehmen will; dass du nicht sagst: Ich habe Abram reich gemacht“ (V 22–23). Abram scheint die Atmosphäre von der Gegenwart Desjenigen einzuatmen, „der die Wasser misst in seiner hohlen Hand, und die Himmel mit einer Spanne umfasst, und den Staub der Erde mit einem Dreiling begreift, und die Berge mit einem Gewicht wägt und die Hügel mit einer Wage; und in dessen Augen die Nationen wie einen Tropfen im Eimer, und wie ein Stäublein im Weg geachtet sind. Siehe, die Inseln treibt er wie Dunst empor. Und der Libanon wäre nicht genug zum Feuer und seine Tiere nicht genug zum Brandopfer. Alle Nationen sind vor Ihm wie nichts, und minder denn nichts und zur Leere geachtet“ (Jes 40,12.15–17).

Und sicher hätte Abram auf keinem anderen Weg den Sieg davontragen können. Sind wir nicht in dieser Atmosphäre, so ist es ganz vergeblich, dass wir die Welt zu verachten uns bestreben. Es muss die erfahrungsmäßige Bekanntschaft der „besseren Dinge“ – die innigste genährte Hoffnung der zukünftigen guten Dinge vorhanden sein, ehe wir fähig sind, über die gegenwärtigen Dinge und über unsere eigenen irdischen Wünsche einen vollen Sieg davon zu tragen. „Den Raub eurer Habe habt ihr mit Freuden aufgenommen, wissend, dass für euch selbst eine bessere und bleibende Habe in den Himmeln liegt“ (Heb 10,34). Wenn wir wirklich auf die Offenbarung der Herrlichkeit warten, so werden wir von allem, was an jenem Tag gerichtet werden wird, uns getrennt halten, und es steht geschrieben: „Noch einmal bewege ich nicht allein die Erde, sondern auch den Himmel. Aber dieses „noch einmal“ offenbart die Verwandlung der Dinge, welche erschüttert werden, weil sie gemacht sind, auf dass die, welche nicht erschüttert werden, bleiben“ (Heb 12,26–27).

In dem letzten Vers dieses wahrhaft interessanten Kapitels treffen wir noch einen schönen Zug in dem Charakter dieses wahren Glaubensmannes. Abram wollte die Übrigen nicht zwingen nach seiner erhobenen Standarte zu wandeln. Obgleich er selbst fähig war, das Anerbieten des Königs von Sodom ohne den geringsten Vorbehalt zurückzuweisen, so mochten doch andere es nicht sein, und deshalb sagt er in Bezug auf Aner, Efkol und Mamre: „Lass sie ihren Anteil nehmen.“ Unser Wandel sollte immer demgemäß sein, „wie Gott einem jeglichen das Maß des Glaubens zugeteilt hat“ (Röm 12,3). Es gibt in unseren Tagen Leute genug, die damit anfangen, eine Menge weltlicher Dinge abzulegen, in welche sie später umso tiefer zurückfallen, und warum? Weil sie in bloßer Aufregung oder durch menschlichen Einfluss handelten und nicht fähig waren, mit Abram zu sagen: „Ich hebe meine Hände auf zu dem Herrn“ (Fortsetzung folgt).

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