Botschafter des Heils in Christo 1860

Die gesegnete Stellung des Christen

In Römer 5,1–2 wird diese Stellung mit wenigen Worten auf das völligste und bestimmteste dargestellt. „Gerechtfertigt also aus Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus, durch welchen wir mittelst des Glaubens auch Zugang haben zu dieser Gnade, in welcher wir stehen, und rühmen uns in Hoffnung der Herrlichkeit Gottes.“ Dies ist die wahre Stellung des Christen – der völlige Standpunkt des Gläubigen, als eines solchen, in der Gegenwart Gottes. Gerechtfertigt – Frieden haben – in der Gnade stehen – uns in Hoffnung der Herrlichkeit Gottes rühmen. Dies ist die gesegnete Stellung aller, welche „an den glauben, der Jesus, unseren Herrn, von den Toten auferweckt hat“ (Röm 4,24). Ihr wahrer Zustand ist die völlige Rechtfertigung, als notwendige Folge des Todes und der Auferstehung Christi.

Jesus starb für uns; „Er ist unserer Übertretungen wegen dahingegeben.“ Er kam in völliger Liebe gegen uns vom Himmel hernieder und nahm unsere Stellung als Sünder ein, obgleich Er selbst ganz und gar ohne Sünde war. „Er wurde unter die Übeltäter gerechnet“, auf dass Er uns in all den gesegneten Folgen seines glorreichen Werkes mit sich vereinigen möchte. Für uns auch lebt Er wieder. „Er ist unserer Rechtfertigung wegen auferweckt.“ Nachdem Er unsere Sünden und das Gericht, welches sie verdienten, auf dem Kreuz getragen hatte, hat Gott Ihn von den Toten auferweckt, und Ihm Herrlichkeit über die Himmel gegeben. Ein auferstandener Christus ist das ewige Zeugnis unserer völligen und immerwährenden Rechtfertigung vor Gott; wir sind dort in Ihm.

Es ist möglich, dass wir für eine Zeit das süße Gefühl dieser gesegneten Wahrheit verlieren können; aber unsere Rechtfertigung kann nimmer verloren gehen. „Welche Er gerechtfertigt hat, diese hat Er auch verherrlicht“ (Röm 8,30). Rechtfertigung und Verherrlichung sind vor Gott selbst unzertrennlich mit einander verbunden. Der Gläubige ist mit der ewigen Herrlichkeit verbunden, weil er durch den Glauben mit einem verherrlichten Christus verbunden ist. – Solange der Christ nicht den Unterschied zwischen Gemeinschaft und Rechtfertigung kennen gelernt hat, kann er keinen dauernden Frieden haben. Es ist unmöglich, heute gerechtfertigt und morgen verdammt zu sein; aber es ist wohl möglich, dass ich heute mit Gott in glücklicher Gemeinschaft bin und morgen praktisch außer derselben. In der Rechtfertigung gibt es keine Stufen oder Gerade, aber wohl finden in der Gemeinschaft solche statt. Wenn ich nicht wachsam bin, oder mich einem Geist des Unglaubens und der Weltlichkeit hingebe, so kann ich unmöglich die glückliche Gemeinschaft mit meinem himmlischen Vater genießen. Gott ist Licht, und Gott ist heilig. Die Sünde kann Er in seiner Gegenwart nicht dulden. Er kann nicht mit dem Bösen in Verbindung sein, Er muss es richten. Wenn ich im Selbstgericht nachlässig bin, wenn ich mein Herz und meine Wege zu richten versäume, so wird die Gemeinschaft unterbrochen werden. Die Frage der Rechtfertigung aber wird durch dies alles nicht berührt, auch nicht im Geringsten. Diese fließt aus einer anderen Quelle, ans der Liebe Gottes; sie ruht ans einem anderen Grund – allein auf dem Werk Christi. „Gott ist es, welcher rechtfertigt; wer ist, der verdamme?“ (Röm 8,33) Danach folgen (V 34) vier Punkte, worauf unsere Rechtfertigung und die Sicherheit derselben gegründet ist: „Christus ist es, der gestorben,“ – „ja noch mehr, der auch auferweckt“ – „der auch zur Rechten Gottes ist“ – „der auch für uns bittet.“

Diese vier Pfeiler sind es, worauf die Stellung des Christen völlig sicher ruht. Sie sind ganz und gar von Gott. Nichts ist vom Menschenwerk dabei. „Gott für uns“ ist die Überschrift von jedem derselben. Sie haben ihre Festigkeit von Ihm selbst. Er hat alles getan; da ist „keine Verdammnis“ und „keine Trennung“ mehr.

Die erste Wirkung dieser neuen und gesegneten Stellung ist der „Friede mit Gott,“ zu welchem wir durch den auferstandenen Christus gebracht worden sind, „durch welchen wir mittelst des Glaubens auch Zugang haben.“ Alle unsere Sünden sind durch die Vergießung seines kostbaren Blutes völlig ausgetilgt. Wir haben vollkommenen Frieden in seiner heiligen Gegenwart, und das vollendete Wert Christi ist der alleinige Grund dieses Friedens und nichts anders.

Wir sind auch durch dasselbe gesegnete Werk in eine neue Gemeinschaft mit Gott gebracht; wir stehen in der Gnade – in dem völligen Besitz seiner Gunst. Es ist nichts mehr zwischen Ihm und uns. Wir sind ganz nahegebracht, ja, so nahe, wie Christus selbst: „Jetzt aber, in Christus Jesus, seid ihr, die ihr einst ferne wärt, durch das Blut des Christus nahe geworden“ (Eph 2,13). Und wir konnten uns jetzt sogar „in Hoffnung der Herrlichkeit Gottes rühmen.“ Alles, was gegen uns war, ist Christus zugerechnet, und Er machte es „ein Ende mit den Sünden.“ Gnade und Herrlichkeit charakterisieren unsere wunderbare und gesegnete Stellung vor Gott. das Kreuz, das Grab, die Sünde, Satan und „dieser gegenwärtige böse Zeitlauf“ – alles ist vergangen – alles liegt hinter dem Christen. Er ist am Kreuz auf der Seite des Himmels, auf dem Auferstehungsgrund und jetzt schon in dem Besitz des Auferstehungslebens. Nichts als die glänzenden Strahlen der Herrlichkeit Gottes vergolden die Zukunft. Nicht eine einzige Wolke verdunkelt die Aussicht. Alles ist Ruhe, Friede, Gnade und Herrlichkeit.

In den Gedanken Gottes ist jeder Gläubige auf dem Kreuz Christi von seiner ursprünglichen Stellung als Sünder befreit. Dort fand er, als ein Glied der gefallenen und verdorbenen Familie Adams, sein Ende. „Dieses wissend, dass unser alter Mensch mitgekreuzigt ist, auf dass der Leib der Sünde abgetan sei“ (Siehe Röm 6,1–11). Als Christus starb, da ist der Gläubige – alle Gläubigen – in Ihm mitgestorben; Er war auf dem Kreuz ihr Stellvertreter und Bürge vor Gott. Sie sind in Ihm mitgestorben und mitauferweckt. Unter dem Ausdruck „Leib der Sünde“ ist unsere verdorbene Natur und alles, was damit verbunden ist – der ganze Zustand des „alten Menschen“ – gemeint. Dieser „Leib der Sünde“ ist durch den Tod Christi vor dem Angesicht Gottes hinweggetan und für immer beseitigt.

Wie köstlich und gesegnet ist diese Wahrheit! Doch müssen wir wohl beachten, dass dieser Zustand des Sünders selbst erst dann verändert ist, wenn er an Jesus glaubt. Das große Werk der Versöhnung und Errettung ist wirklich auf dem Kreuz vollbracht, aber es ist keine Veränderung, kein neues Leben in der Seele bis er durch die belebende Wirksamkeit des Geistes die Wahrheit Gottes über die Person und das Werk Christi glaubt. Wenn er also glaubt, so ist seine Stellung verändert; er steht vor Gott, und ist wesentlich mit Ihm, welcher für uns gestorben und wieder auferstanden ist, verbunden. Er erlangt die nämliche Stellung, welche Christus selbst hat. „Wie Er ist; so sind auch wir in dieser Welt“ (1. Joh 4,17). seine Stellung ist vollkommen und für immer verändert. „Ihr aber seid nicht in dem Fleisch“ sagt der Apostel, „sondern in dem Geist“ (Röm 8,9). das will sagen: Ihr habt eure Stellung nicht mehr in dem Fleisch oder in der Natur, sondern in dem Geist. Wir können aber diese wundervolle Wahrheit nur durch die Macht des Geistes Gottes verstehen, verwirklichen und in dieselbe eintreten. „So ist denn nun keine Verdammnis für die, welche in Christus Jesus sind“ (Röm 8,1). In „Christus Jesus“ sein, ist da zu sein, wo Er ist und wie Er ist. Für Christus gibt es keine Verdammnis und darum gibt es auch keine Verdammnis für den Christen. Er ist das Maß unserer Nähe bei Gott, das Maß unserer Segnung in seiner Gegenwart und unserer Verwandtschaft mit Ihm.

Von der Zeit an, dass der Sünder an Christus glaubt, hat er diesen gesegneten Platz bei Ihm. „Gott aber, weil Er reich an Barmherzigkeit ist, hat wegen seiner vielen Liebe, womit Er uns geliebt hat, als auch wir in den Vergehungen tot waren, uns mit dem Christus lebendig gemacht, – durch die Gnade seid ihr errettet; – und hat uns mitauferweckt, und mitsitzen lassen, in den himmlischen Örtern, in Christus Jesus“ (Eph 2,4–6). das ist die Gemeinschaft, welche uns Gott selbst in seiner „reichen Barmherzigkeit“ und „großen Liebe,“ mit seinem geliebten Sohn gegeben hat. Gepriesen sei für immer sein gesegneter Name! Wir sind in seiner Wertschätzung in Ihm mitversetzt in die himmlischen Örter. Wir haben Gemeinschaft mit Christus, als dem Auferstandenen in Herrlichkeit. Wir haben Gemeinschaft mit Ihm in seinem Auferstehungsleben, in seiner Gerechtigkeit vor Gott, in seiner völligen Annahme in seiner Gegenwart, in seinem vollkommenen und vollendeten Sieg über jeden Feind und in seiner gesegneten Hoffnung der kommenden Herrlichkeit.

Die Wirkung der Erkenntnis dieser Wahrheit ist für die Seele reich gesegnet. Sie gibt heilige und glückliche Freiheit vor Gott. Wenn ich weiß, dass mein Platz in der unmittelbaren Gegenwart Gottes ist, dass ich dort meine Heimat habe und nichts anders, so muss ich wissen, dass alle meine Sünden hinweggetan sind. Nichts ist gewisser, als dass ich dort nicht mit meinen Sünden sein kann. Wenn ich dort bin, so sind alle meine Sünden beseitigt. Und wir haben schon gesehen, dass die Gegenwart des Gläubigen dort, die Frucht des Werkes Christi ist.

Der Gott der Liebe und der Macht ist in das finstere Gebiet des Todes eingetreten, wo Jesus für unsere Sünden lag, und hat seinen geliebten Sohn lebendig gemacht und mit Ihm sein geliebtes Volk; und „Er hat uns mitauferweckt und mitsitzen lassen in den himmlischen Örtern.“ Dies alles hat Gott getan in der Größe seiner Liebe und auf Grund des vollkommenen Werkes Christi für uns. Er sagt selbst, dass Er es getan habe, und das ist genug.

Weiter wollen wir nur noch hinzufügen, dass nichts so sehr im Stand ist, „uns von dem gegenwärtigen bösen Zeitlauf zu befreien,“ als die Erkenntnis unserer Verbindung oder Einheit mit einem himmlischen Christus. Die Beschäftigung der Seele mit Ihm leitet uns zu einer himmlischen Gesinnung und trennt uns im Herzen von der Welt. Paulus hatte Christus in der Herrlichkeit gesehen, und war ohne Zweifel im Herzen völlig mit ihm beschäftigt, als er sagte: „Eins aber tue ich: das, was hinter mir liegt, vergessend, und nach dem, was vor mir liegt, mich ausstreckend, strebe ich, das vorgesteckte Ziel immer anschauend, hin zu dem Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben in Christus Jesus“ (Phil 3,14).

Möge denn dieser Gedanke, dass wir der Welt gestorben sind, und dass es unser Vorrecht ist, ganz und gar unserem himmlischen Herrn zu leben, völlig unsere Herzen erfüllt. „Sucht, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf der Erde ist. Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist mit dem Christus in Gott verborgen. Wann der Christus, unser Leben, offenbart sein wird, dann werdet auch ihr in Herrlichkeit mit Ihm offenbart werden“ (Kol 3,1–4).

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