Was sagen uns die Psalmen?

Psalm 140-143

Psalm 140

In diesem Psalm sehen wir die vielen feindlichen Mächte der Bosheit vereinigt, um dem Volke Gottes zu schaden.

Wenn es sich hier auch in erster Linie um ein Zu­kunftsbild in Bezug auf den jüdischen Cberrest han­delt, so erkennen wir darin doch Dinge, welche die Gläubigen in der Gegenwart angehen, da wir uns ja in einer feindlichen Welt befinden. In gewissen Gegenden erleben die Kinder Gottes buchstäblich das, wovon David hier spricht. Aber wie kostbar ist der Gedanke, dass der Herr über der Gewalttat und Bosheit der Menschen und anderer feindlicher Mächte steht und die Seinigen zu befreien vermag! Zwar zeigt sich Seine Hilfe nicht immer so, wie wir es uns vorgestellt haben; aber eines ist sicher: Er steht auf der Seite der Geprüften und unschuldig Bedrückten.

Der 7. Vers ist besonders beachtenswert: „Jehova, der Herr, ist die Stärke meiner Rettung; du hast mein Haupt beschirmt am Tage der Waffen“, vergleiche Eph. 6, 16. Die absolute Sicherheit des Heils gibt dem Gläubigen Festigkeit und Mut angesichts seiner Feinde.

 

Psalm 141

Vers 1‑3

Hier haben wir einige Unterweisungen, die wir uns zunutze machen wollen für unsern praktischen Wan­del. Ein gottesfürchtiger Mann steht hier vor uns. Das Gebet ist ihm ein ernstes Anliegen: „Lass als Räucherwerk vor dir bestehen mein Gebet...“. Haben wir nicht manchmal unser Gebet verrichtet ohne das tiefe Bewusstsein, dass wir vor den Herrn hin­traten? Von David haben wir den Eindruck, dass er in tiefer Ehrfurcht vor seinem Gott stand. Lasst uns in diesem Stück seine Nachahmer sein!

Auch der 3. Vers enthält einen wichtigen Gedanken. Ein Diener des Herrn schreibt darüber: „Wohl mö­gen wir dem Grundsatz nach wahr und aufrichtig auf der Seite des Herrn stehen; doch wie schwächt ein ungeduldiges oder anmassendes und beleidi­gendes Wort unser Zeugnis! Das gibt dem Feinde einen Anhaltspunkt und bringt die Seele insofern in eine unrichtige Stellung Gott gegenüber.“ Und im Jakobusbrief lesen wir: „Wenn jemand nicht im Worte strauchelt, der ist ein vollkommener Mann, fähig, auch den ganzen Leib zu zügeln“ (Kap. 3, 2).

Vers 4‑10

In 2. Kor. 6, 14‑15  finden wir eine deutliche Ergän­zung zu unserm 4. Vers. Das Geschäftsleben kann den Gläubigen manchmal vor Probleme stellen, die vor Gott nicht standhalten können. Vielleicht lebt der Betreffende selber in Gottesfurcht; wie ist es aber, wenn seine Geschäftspartner nicht in Gerad­heit und Lauterkeit handeln?

Wie oft sind wir in Gefahr, etwas Verkehrtes zu tun! Sind wir aber auch dankbar, wenn Geschwister uns darauf aufmerksam machen? David sagt: (,Der Gerechte schlage mich: es ist Güte, und er strafe mich: es ist Oel des Hauptes.“ Er erbitterte sich nicht, wenn einer ihm seine Fehler aufdeckte. Und als Simei ihm sogar fluchte, sprach er wenn je­hova ihm gesagt hat: Fluche David! Wer darf dann sagen: Warum tust du also?“ (2. Sam. 16, 10). Wir können von David lernen in diesem Stück, denn wie leicht sind wir verletzt, wenn wir einen Verweis entgegennehmen müssen. „Strafe den Weisen, und er wird dich lieben“, lesen wir in Spr. 9, 8. Wenn wir weise sind, so werden wir eine Zurechtweisung dankbar annehmen.

 

Psalm 142

Dieser Psalm hat eine grosse Ähnlichkeit mit Psalm 57; beide Psalmen wurden unter dem Druck dersel­ben Umstände geschrieben. Im ersten Vers verneh­men wir nicht nur ein Gebet, sondern ein Schreien, ein Flehen. David bedurfte einer schnellen Hilfe, war er doch von Saul und seinem Heer umzingelt. Menschlich gesprochen war seine Lage verzweifelt; seine Angst spricht aus den Worten: „... sie haben mir heimlich eine Schlinge gelegt ... verloren ist mir jede Zuflucht“. Aber der Ausblick nach oben blieb ihm offen. Wenn jede menschliche Stütze versagte, so vertraute er auf seinen Gott, dessen Güte und Macht er kennen gelernt hatte. Sein Glaube an Got­tes Hilfe war so lebendig, dass er zum voraus rüh­men konnte: „Die Gerechten werden mich umrin­gen, wenn du mir wohlgetan hast.“

Dieser Psalm gehört zu den mannigfaltigen Beispie­len im Worte Gottes, durch welche unser Vertrauen auf den Herrn gestärkt werden soll, selbst wenn die Umstände noch so schwierig sind. In Psalm 116, 2 sagt David: „Er hat zu mir geneigt sein Ohr; und ich will ihn anrufen in allen meinen Tagen.“

 

Psalm 143

Vers 1‑7

Wie viele anddre, hat auch dieser Psalm prophetisch den jüdischen Überrest zum Gegenstand. Wir wollen jedoch nicht bei dieser Eigenart stehen bleiben, son­dern vielmehr die Wege Gottes mit den Seinigen ins Auge fassen. David befindet sich in grosser Be­drängnis. Die Ursache derselben ist uns nicht be­kannt, aber sie ist von Gott herbeigeführt worden. Die schmerzlichen Umstände, durch welche wir manchmal gehen müssen, sind oft ein Mittel in Got­tes Hand zu unserer Zurechtbringung. Wir haben vielleicht einen eigenwilligen Weg eingeschlagen und müssen nun die Folgen auskosten, welche der Herr in Seiner weisen Vorsehung uns nicht ersparen ],arm. Ähnlich wie David werden wir dann beten: „Erhöre mich in deiner Treue ... Und gehe nicht ins Gericht mit deinem Knechte!“ Wir werden durch die gemachten Erfahrungen etwas gelernt haben und umso mehr darauf bedacht sein, in der Nähe des Herrn zu bleiben. Es wird immer so sein, wenn die Seele lauter und aufrichtig vor Gott steht. Die Züch­tigung bleibt somit nicht ohne gesegnete Frucht. ‑In welcher Not mag David gewesen sein, als er ein so eindringliches Gebet zu seinem Gott empor­sandte! Wir sehen ihn gleichsam händeringend, und seine Worte zeugen von tiefer Not: „Denn der Feind verfolgt meine Seele, zertritt zur Erde mein Leben.“ Wie manche Gläubige mögen in Verfolgungszeiten Ähnliches erlebt und in ihrer Bestürzung geklagt haben: „Mein Geist ermattet in mir, mein Herz ist betäubt in meinem Innern“! Der Herr lässt es manch­mal so weit kommen, dass jede Aussicht auf Hilfe verschwunden zu sein scheint. Und doch ist Er da; Er verfolgt mit Aufmerksamkeit und mit vollkomme­ner Liebe den Grad der  Prüfung und lässt sie nicht weiter gehen als es unbedingt notwendig ist und zu Seiner Verherrlichung dient; vergleiche Mal. 3, 2‑3; 1. Petr. 1, 6‑7 . Wie gut, wissen zu dürfen, dass der, welcher dieses Werk der Läuterung tut, voll Mit­gefühl ist und jeden Schmerz mitempfindet; wir lesen in Jes. 63, 9: „In all ihrer Bedrängnis war er bedrängt, und der Engel seines Angesichts hat sie gerettet.“

Vers 8‑12

„Lass mich frühe (d. h. am Morgen, siehe Fussnote) hören deine Güte, denn auf dich vertraue ich.“ Wir lesen wiederholt, dass David die Morgenfrühe be­nutzte, um zu sinnen über die Gütigkeiten Gottes und Seine Wege mit ihm. In einer Zeit grosser Drangsal schrieb er: „Ich aber will singen von dei­ner Stärke, und des Morgens jubelnd preisen deine Güte; denn du bist mir eine hohe Feste gewesen und eine Zuflucht am Tage meiner Bedrängnis“ (Ps. 59, 16).

Wenn der Tag mit dem Gedanken an die Güte Got­tes begonnen wird, so werden unsere Augen geöff­net, so dass wir nicht oberflächlich an Seinen zahl­reichen Wohltaten im Laufe des Tages vorbeigehen. Das erhält uns in Seiner Nähe und in dem Wun­sche, Sein Wohlgefallen zu tun. Womit können wir das Herz unseres himmlischen Vaters erfreuen, wenn nicht dadurch, dass wir in Seinen Wegen wan­deln! Der Genuss Seiner Güte ist verbunden mit Gehorsam und dem Begehren einer wahren Ge­meinschaft mit dem Herrn. Möchten wir mehr Ver­ständnis dafür haben!

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