Was sagen uns die Psalmen?

Psalm 149-150

Psalm 149

Vers 1

Hier ergeht die Aufforderung an Israel, ein neues Lied zu singen. Wie wir schon gesehen haben, sind nun die Mühen des Weges und das Gericht der gros­sen Drangsal überstanden, und ein neues Zeitalter des Friedens, der Ruhe und des Glückes liegt vor diesem Volk. Schon in früheren Zeiten hatte Israel zur Ehre Jehovas Lieder gesungen, siehe 2. Mose 15, 1; 4. Mose 21, 17; aber hier handelt es sich um ein neues Lied. Wir kennen dessen Inhalt nicht; wir werden jedoch durch das Wort unterwiesen, dass ein solches nur gesungen werden kann, wenn die Sänger das Ziel erreicht haben, das Gott sich für sie vorgesteckt hatte. Als Beispiel können wir das neue Lied in Offbg. 5, 9 anführen, doch müssen wir von vornherein auf einen grundlegenden Unterschied aufmerksam machen, der zwischen jenem Lied und dem neuen Lied, wozu in unserm Psalm aufgefor­dert wird, besteht. Das Lied in Offbg. 5 wird im Himmel gesungen, das andere aber auf der Erde. Wir haben also hier zwei verschiedene Klassen von Menschen vor uns, nämlich ein himmlisches und ein irdisches Volk.

Vers 2‑9

Einige Leser mögen sich wundem über den Inhalt der Verse 6‑9. Wenn Israel aufgefordert wird, ein neues Lied zu singen, wie kommt es, dass es noch Rache an den Nationen ausüben soll? Die fünf letz­ten Psalmen reden wohl von der Herrlichkeit des Tausendjährigen Reiches, aber die Rache an den Na­tionen ist noch nicht endgültig vollzogen worden. Aus einigen Stellen des Alten Testaments ersehen wir, dass Israel als Werkzeug in den Händen Gottes zur Bestrafung der Nationen dienen wird, siehe Jes. 41, 14‑16. Die Ausdrücke: „du Wurm Jakob, du Häuflein Israel“ zeigen uns, was dieses Volk in Wirklichkeit war unter den zahlreichen Nationen; nichtsdestoweniger ist es das Volk Gottes, und als solches wird es in der Zukunft noch grosse Dinge vollbringen, siehe Micha 5, 7‑8. ‑ Wir müssen in­dessen auch hier einen Unterschied zwischen dem irdischen und dem himmlischen Volk Gottes hervor­heben. Während Israel berufen ist, Rache zu üben an seinen Feinden, werden wir eingeladen, in den Fußstapfen Dessen zu wandeln, „der, gescholten, nicht wiederschalt ... sondern sich dem übergab, der recht richtet“ (1. Petr. 2, 23).

 

Psalm 150

Das Buch der Psalmen spricht vornehmlich von Lei­den, von tiefen Übungen der Seele, von Gefahren, durch welche die Gerechten des Alten Testaments gegangen sind ‑ aber auch von herrlichen Rettungen. Unter den Leiden müssen wir besonders die Leiden des Christus verstehen, welcher den gläubigen Über­rest inmitten Seines Volkes darstellte. Die Psalmen sind schon deshalb ein bevorzugter Teil der Heiligen Schrift für die Gläubigen, welche durch Trübsal gehen. Ist es indessen nicht herrlich und kostbar, dass dieses Buch mit einem solchen Lob schliesst? Das zeigt uns, dass Leiden nicht Endzweck der Wege Gottes mit den Seinigen sind. Wenn Er sie durch Prüfungen führt, so will Er sie eines besonderen Segens teilhaftig machen. Leidenszeiten sind meist die fruchtbarsten unseres Lebens; wenn wir sie aus der Hand des Herrn annehmen, ist Freude und Lob das Endergebnis derselben. Hier nun wird alles, was Odem hat, aufgefordert, Jehova zu preisen ‑ eine herrliche Erhörung des sehnsüchtigen Harrens der gesamten Schöpfung, siehe Röm. 8, 19‑22.

 

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