Botschafter des Heils in Christo 1869

Das Ausharren bis ans Ende

Teurer Freund!

Ihr Brief berührt einen höchst wichtigen Gegenstand. Die Frage in Bezug auf das Ausharren bis ans Ende hat, wie einfach ich sie auch für mich finde, schon viele in Verlegenheit gebracht; und sowohl die Fragen, die Sie an mich richten, als auch die Schriftstellen, die Sie anführen, beweisen zur Genüge, dass es auch Ihnen in diesem Punkt in etwa an Licht mangelt; es sei denn, dass Sie die Untersuchung dieser Wahrheit nach dem Wort Gottes weniger Ihretwegen begehren, sondern vielmehr anderen dadurch zu nützen wünschen. Wie dem auch sei; in jedem Fall schätze, ich mich glücklich, meinen Lesern Zeugnis von dem Licht geben zu können, welches mir, bezüglich dieser bedeutungsvollen Frage, der Herr in seiner Gnade geschenkt hat.

In der Beantwortung ihres Briefes habe ich mich mit drei Dingen zu beschäftigen, nämlich: 1. den Lehrsatz in Betreff des Ausharrens bis ans Ende, oder, mit anderen Worten, die ewige Sicherheit aller Glieder des Leibes Christi festzustellen; 2. die Fragen, die Sie an mich richten und die seitens der Gegner jener Wahrheit erhoben werden, zu beantworten; und 3. die Schriftstellen, die Sie anführen und die Ihnen so große Schwierigkeiten bieten, zu erklären. Möge der Herr uns unterweisen und uns einen den Aussprüchen seines Wortes unterwürfigen Geist schenken, um fähig zu sein, über den uns vorlügenden Gegenstand ein gesundes Urteil fällen zu können. 1.: Der Lehrsatz in Betreff des Ausharrens bis ans Ende ist sehr deutlich –und einfach, wenn wir denselben nur in unmittelbarer Verbindung mit Christus betrachten – eine Verbindung, in welcher ausschließlich jede Frage dieser Art betrachtet werden muss. Christus ist die Seele, der Mittelpunkt und das Leben der ganzen christlichen Lehre. Ein von Christus getrennter Lehrsatz ist ohne Leben und ohne Kraft; er ist nichts mehr als der Artikel eines Glaubensbekenntnisses. Darum muss jede Wahrheit in Verbindung mit Christus betrachtet werden. Er muss unser Ausgangspunkt sein; und nur insofern wir an Ihm festhalten und von diesem großen Mittelpunkt aus alle anderen Punkte betrachten, vermögen wir uns eine richtige Vorstellung von diesen Letzteren zu bilden. Wenn ich z. B. mich selbst zum Ausgangspunkt wähle und dann die Frage bezüglich des Ausharrens bis ans Ende einer Betrachtung unterwerfe, so kann ich sicher sein, dass ich einen ganz falschen Begriff betreffs dieses Gegenstandes erlange, weil es sich um mein Ausharren handelt; und alles, was von mir abhängt, ist durchaus unsicher. Ist hingegen Christus mein Ausgangspunkt und untersuche ich von dort aus den betreffenden Gegenstand, dann werde ich sicher eine richtige Anschauung von der Sache bekommen; denn dann handelt es sich um das Ausharren Christi. Ich bin völlig gewiss, dass Er ausharren wird, und dass weder die Welt, noch das Fleisch, noch der Teufel Christus zu verhindern im Stande sein werden, bis ans Ende und zwar zum Glück aller auszuharren, die Er Kraft seines Blutes losgekauft hat; denn „Er vermag völlig zu erretten die, welche durch Ihn zu Gott kommen“ (Heb 7,25). Wahrlich, das ist ein Ausharren bis ans Ende. Welches auch die Schwierigkeiten und die feindlichen Mächte sein mögen – „Er vermag völlig zu erretten.“ Die Welt mit ihren unzähligen Fallstricken ist gegen uns; aber „Er besitzt alle Gewalt“ (Mt 28,18). Die Sünde in uns mit ihren tausenderlei Wirkungen ist gegen uns; aber „Er hat alle Gewalt.“ Der Teufel mit seinen listigen Angriffen ist gegen uns; aber „Er hat alle Gewalt.“ Mit einem Wort, die Macht Christi, die Treue Christi, das Ausharren Christi bis ans Ende – dieses und nur dieses ist die einzige Grundlage unseres Ausharrens. Alles hängt in dieser wichtigen Sache von Ihm ab. Er hat seine Schafe losgekauft; und Er wird sie beschirmen; und da „Ihm alle Gewalt im Himmel und auf Erden“ gegeben ist, so müssen seine Schafe für ewig in völliger Sicherheit sein. Wenn das Leben des schwächsten Lammes seiner Herde angetastet werden könnte, dann würde nicht von Christus gesagt werden können, dass Ei „alle Gewalt“ habe.

Es ist daher von der höchsten Wichtigkeit, die Frage bezüglich des Ausharrens bis ans Ende in einer unzertrennlichen Verbindung mit Christus zu betrachten. In diesem Fall lösen sich alle Schwierigkeiten auf; Zweifel und Furcht schwinden, das Herz wird befestigt, das Gewissen entbürdet und der Verstand erleuchtet. Es ist unmöglich, dass die, die einen Teil des Leibes Christi ausmachen, verloren gehen können; und der Gläubige ist ein Glied dieses Leibes. „Denn mir sind seines Leibes Glieder, von seinem Fleisch und von seinem Bein“ (Eph 5,30). Jedes Glied des Leibes Christi ist vor Grundlegung der Welt in dem Buch des geschlachteten Lammes eingetragen worden; und kein Geschöpf besitzt die Macht, das auszulöschen, was dort eingeschrieben steht. Man höre nur, was der Herr von denen sagt, die Ihm angehören: „Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir, und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie gehen nicht verloren ewiglich, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben. Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alles; und niemand kann sie aus der Hand meines Vaters rauben“ (Joh 10,27–29).

In diesen Worten findet das Ausharren bis ans Ende einen starken, beredten Ausdruck; und zwar nicht allein das Ausharren der Heiligen, sondern dasjenige des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. In diesem Licht, mein teurer Freund, müssen Sie diesen Gegenstand betrachten. Es ist das Ausharren der heiligen Dreieinigkeit bis ans Ende. Es ist das Ausharren des Heiligen Geistes, um die Ohren der Schafe zu öffnen, – das Ausharren des Sohnes, um alle auszunehmen, deren Ohren geöffnet sind; und endlich das Ausharren des Vaters, um in seinem Namen alle zu bewahren, die durch das Blut seines Sohnes freigekauft sind. Das ist, dünkt mich, sehr deutlich. Wir müssen entweder die trostvolle und kraftgebende Wahrheit bezüglich des Ausharrens bis ans Ende annehmen, oder jener gotteslästerlichen Einflüsterung Gehör geben, dass der Feind Gottes und der Menschen die Macht besitze, bis zum Ende hin und zwar mit gutem Erfolg den Streit gegen die heilige Dreieinigkeit aufrecht zu erhalten. „Das Heil ist des Herrn“ von Anfang bis zu Ende. Es ist ein unverwelkliches und ewiges Heil. Er sucht den Sünder auf, wo sich dieser befindet, in seinem Zustand der Sünde, des Verderbens und des Verfalls, um ihn dahin zu versetzen, wo der heilige, wahrhaftige und gerechte Gott seinen Wohnplatz hat. Von diesem Heil ist der Vater die Quelle, der Sohn der Kanal, und der Heilige Geist die Macht, wodurch die Seele es empfängt und genießt. Alles ist von Gott von Anfang bis zu Ende, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Wäre dieses nicht der Fall, so würde es törichte Vermessenheit sein, von einem Ausharren bis ans Ende zu sprechen; aber da es sich also verhält, so ist es nichts als verwerflicher Unglaube, wenn man anderen Gedanken in Betreff dieses Punktes Gehör gibt.

Ohne Zweifel zeigen sich sowohl vor als auch nach unserer Bekehrung eine unzählige Menge von Schwierigkeiten auf unserem Weg. Wir haben mächtige Feinde; aber gerade um ihretwillen müssen wir den Lehrsatz bezüglich des Ausharrens bis ans Ende ganz frei hatten von unserem eigenen Ich und von allem, was damit in Verbindung ist, und allein in Gott unseren Ruhepunkt suchen. Welches auch unsere Schwierigkeiten und unsere Feinde sein mögen, so kann doch der Glaube stets triumphierend sagen: „Wenn Gott für uns ist, wer wider uns?“ Und wiederum: „Wer wird uns scheiden von der Liebe des Christus? Trübsal, oder Angst, oder Verfolgung, oder Hungersnot, oder Blöße, oder Gefahr, oder Schwert? Wie geschrieben steht: Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wie Schlachtschafe sind wir gerechnet worden. Aber in diesem allen sind wir mehr als Überwinder durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin überzeugt, dass weder Tod, noch Leben, noch Engel, noch Fürstentümer, noch Gegenwärtiges, noch zukünftiges, noch Gewalten, noch Hohes, noch Tiefes, noch irgendeine andere Kreatur uns zu scheiden vermögen wird von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn“ (Röm 8,35–39).

Auch hier wird uns das Ausharren bis ans Ende in der deutlichsten und kräftigsten Weise vor Augen gestellt. „Keine Kreatur wird uns zu scheiden vermögen.“ Weder das eigene Ich, in welcher Form es sich auch zeigen mag, noch der Teufel mit all seiner List und seinen boshaften Anschlägen, noch endlich die Welt mit all ihren Reizen oder mit ihrer Geringschätzung vermögen „uns“ nach Römer 8,39 zu scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn. Unleugbar gibt es Menschen, die sich selbst und andere betrügen. Es können sogar Fälle von Bekehrung in die Erscheinung treten, die nur im Schein bestehen. Man kann eine Zeitlang den Schein eines guten Wandels an sich tragen, und danach das Gegenteil zeigen. Es kann sein, dass trotz der schönen, prangenden Blüten des Frühlings, die reife, herrliche Frucht des Herbstes vergeblich auf sich warten lässt. Und nicht allein dieses, sondern die wahren Gläubigen selbst können in mancher Hinsicht traurige Wege einschlagen. Sie können straucheln und in ihrer Laufbahn gehemmt werden. Sicher, mehr als eine Ursache kann für sie vorhanden sein, und sich, was die Einzelheiten ihres praktischen Lebens betrifft, verurteilen und demütigen zu müssen. Aber ob wir auch alle diese Dinge in ihrer vollsten Bedeutung anerkennen, so bleibt doch die wichtige Frage bezüglich des Ausharrens bis ans Ende unerschütterlich fest auf ihrem ewigen und göttlichen Fundament stehen. „Ich gebe ihnen das ewige nicht (ein zeitliches oder verwelkliches) Leben; und sie gehen nicht verloren ewiglich.“ – „Auf diesen Felsen werde ich bauen meine Versammlung; und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.“ Andere mögen sich nach ihren eigenen Gedanken ihr Urteil bilden und ihre Beweise in Beispielen suchen, die von Zeit zu Zeit in der Geschichte der Bekenner des Christentums in die Erscheinung treten; wir aber, indem wir diese Frage von einem göttlichen Gesichtspunkt aus betrachten, halten fest an der Wahrheit, dass alle, die zu dem „Uns“, (Röm 8) zu den „Schafen“ (Joh 10) und zu der „Versammlung“ (Mt 16) gehören, so sicher sind, wie Christus sie sicher zu machen im Stande ist, und wir betrachten dieses als die Hauptsumme und als das Wesen der Lehre bezüglich des Ausharrens bis ans Ende. 2.: Ich gehe jetzt, teurer Freund, zu dem zweiten Teile ihres Briefes über und werde die Fragen, die Sie an mich richten, kurz aber auch deutlich zu beantworten suchen.

Zunächst fragen Sie: „Wird der Gläubige errettet werden, selbst wenn er lebt und stirbt in der Sünde?“ Meine Antwort lautet: Ein wahrer Gläubiger wird sicher und gewiss errettet werden; aber ich glaube, dass die Seligkeit nicht nur eine vollkommene Erlösung von den zukünftigen Folgen der Sünde, sondern selbst auch in der Gegenwart die Erlösung von der Macht und dem Tun der Sünde in sich schließt. Wenn ich daher mit jemandem zusammentreffe, der in der Sünde lebt, und sich nichtsdestoweniger der Gewissheit seiner Seligkeit rühmt, dann betrachte ich denselben als einen, der die Gnade auf Mutwillen zieht, und keineswegs als einen, der selig gemacht ist. „Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit Ihm haben und in der Finsternis wandeln, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit“ (Joh 1,6). Der Gläubige kann straucheln; aber er wird wiederaufgerichtet werden; – er kann sich durch die Sünde überwältigen lassen; aber er wird wiederhergestellt werden: – er kann irren, aber er wird wieder zurückgeführt werden, weil Christus so völlig zu erretten vermag, dass selbst nicht der Kleinste unter den seinigen verloren gehen kann (Siehe Mt 18,24).

Ihre zweite Frage lautet: „Kann der Heilige Geist in einem Herzen wohnen, in welchem Bosheit und unreine Gedanken genährt und gepflegt werden?“ – Meine Antwort ist: Der Leib jedes Gläubigen ist der „Tempel des Heiligen Geistes“ (1. Kor 6,19). Diese wichtige Wahrheit ist das unerschütterliche Fundament, auf welchem jede Ermahnung zur Reinheit und Heiligkeit des Herzens und des Lebens ruht. Wir werden ermahnt, den Heiligen Geist nicht zu betrüben. Das Pflegen der Bosheit und der unreinen Gedanken ist wirklich nicht der Beweis eines christlichen Wandels. Der Christ kann von bösen Gedanken überfallen, bestürmt und betrübt werden; aber in diesem Fall hat er nur auf Christus zu sehen, um den Sieg davon zu tragen. Der Wandel, der eines Christen würdig ist, wird uns in der ersten Brief Johannes deutlich beschrieben. In Kapitel 5,18 lesen wir: „Wir wissen, dass jeder, der aus Gott geboren ist nicht sündigt, sondern der aus Gott Geborene bewahrt sich, und der Böse tastet ihn nicht an.“ Das ist die göttliche Seite unserer Frage. Wir wissen leider wohl, dass es hier auch eine menschliche Seite gibt, aber wir beurteilen die menschliche durch die göttliche. Wir dürfen die Gedanken Gottes nicht mit den Gedanken der Menschen auf gleiche Höhe stellen; im Gegenteil müssen unsere Blicke unverrückt auf die göttliche und nicht auf die menschliche Seite unserer Frage gerichtet sein. Wir dürfen uns mit nichts Geringerem begnügen, als mit dem, was wir in 1. Johannes 5,18 lesen. Nur dann kann die Erreichung einer erhabeneren moralischen Höhe von unserer Seite möglich sein, wenn wir uns allezeit das wahre Muster und Vorbild vor unsere Augen stellen. Die Behauptung, dass man den Heiligen Geist habe, während man der Bosheit und den unreinen Gedanken freien Raum gestattet, ist nach unserer Meinung nichts anders, als eine Lehre der alten Nikolaiten, oder derer, welche die Gnade auf Mutwillen ziehen (Off 2,6–15).

Endlich lautet ihre dritte Frage: „Wenn sich dieses also verhält nämlich (dass die Errettung des Menschen allein ein Werk der freien und unumschränkten Gnade Gottes ist), kann man dann nicht behaupten, dass ein jeder leben könne, wie es ihm beliebt?“ – Wohlan, wie wünschen denn die Christen zu leben? – So viel als möglich, wie Christus, nicht wahr? Wie möchte wohl Paulus geantwortet haben, wenn diese Frage an ihn gerichtet worden wäre? – Im 2. Korinther 5,14–15 und in Philipper 3,7–14 finden wir seine Antwort. Es ist mit Recht zu fürchten, dass alle diejenigen, welche solche Fragen stellen, nicht viel von Christus kennen. Ich begreife es sehr wohl, dass sich jemand in die Netze eines theologischen Systems, welches die Dinge nur von einer Seite betrachtet, verstricken und durch die widersprechendsten Lehrsätze der systematischen Gottesgelehrtheit in Verwirrung geraten kann; aber ich bin auch völlig überzeugt, dass jeder, der die freie, unumschränkte und ewigdauernde Gnade Gottes zu einem Deckmantel gebraucht, um in der Sünde zu leben, nichts von dem Christentum versteht und weder Teil noch Laos daran hat, sondern sich vielmehr in einem gefährlichen und schrecklichen Zustand befindet.

Was den Fall von jenem Jüngling betrifft, der aus dem Mund eines Predigers die Worte hörte: „Wenn man einmal ein Kind Gottes ist, so ist man es zu allen Zeiten“, und der daraus die Veranlassung nahm, sich öffentlich in das Sündenleben zu stürzen, so ist dieses nur ein Beispiel aus taufenden. Ich glaube, dass der Prediger die Wahrheit gesprochen, und dass der Jüngling eine falsche Anwendung von seinen Worten gemacht hat. Die Worte des Erstem nach den Werken des Letzteren beurteilen zu wollen, würde ein grober Irrtum sein. Was würde ich wohl von meinem Sohn denken, wenn dieser sagte: „Da ich einmal Sohn bin, so bin ich es auch zu allen Zeiten; und darum darf ich alle Dinge, die meinem Vater gehören, in Stücke zerschlagen und mich allem Bösen überliefern.“ Ich beurteile das, was der Prediger gesagt hat, nach dem Wort Gottes; und dann muss ich bezeugen, dass er die Wahrheit gesprochen hat. Ebenso beurteile ich das Betragen des Jünglings nach demselben Maßstab und erkläre dasselbe als höchst verwerflich. Nichts gibt uns eine Veranlassung zu glauben, dass der Jüngling je wirklich die Gnade Gottes geschmeckt hat; denn wenn dieses der Fall gewesen wäre, dann würde er Gott liebgehabt und der Heiligung nachgejagt haben. Der Christ hat sich der Sünde für tot zu halten; aber sich der Sünde für tot zu halten und in der Sünde zu leben, geht unmöglich zusammen. Im ersten Fall kann man auf die Kraft und auf die Gnade des Herrn rechnen, während man im anderen Fall den Namen Christi lästert, da ein solches Betragen Christus zu einem Sündendiener erniedrigt.

Die Wahrheit Gottes nach den Handlungen der Menschen beurteilen zu wollen, ist, wie bereits gesagt, ein grober Irrtum. Alle, die dieses tun, müssen notwendiger Weise zu einer falschen Schlussfolgerung kommen. Um in der Wahrheit zu bleiben, muss man im Gegenteil die Handlungen der Menschen nach der Wahrheit Gottes prüfen. Setze dich zunächst in den Besitz dieser Wahrheit und beurteile dann nach derselben alle Dinge. Nimm die Richtschnur Gottes zur Hand; und danach miss alle Dinge ab. Nimm die Waagschale des Heiligtums und bestimme danach die Schwere von allem und von einem jeglichen. Du darfst die Waagschale nicht regeln nach dem Gewicht eines jeden, sondern du musst das Gewicht nach der Waagschale beurteilen. Wenn selbst zehntausend Bekenner ihr Bekenntnis verleugnen sollten, um öffentlich in der Sünde zu leben und zu sterben, so würde dieses keineswegs unser Vertrauen zu der Lehre bezüglich des Ausharrens bis ans Ende zum Wanken bringen. Dasselbe Wort, welches die Wahrheit dieses Lehrsatzes beweist, beweist ebenso sehr die Unwahrheit ihrer Bekenner. „Sie sind von uns ausgegangen; aber sie waren nicht von uns“ (1. Joh 2,19). „Doch der feste Grund Gottes steht und hat dieses Siegel: der Herr kennt, die sein sind; und jeder, der den Namen des Herrn nennt, trete ab von der Ungerechtigkeit“ (2. Tim 2,19).

Untersuchen wir nun in unserem dritten Abschnitt die verschiedenen Schriftstellen, die, sowie Sie in ihrem Brief sagen, gewöhnlich angeführt werden von denen, welche die Lehre betreffs des Ausharrens bis ans Ende bestreiten. Vor allem ist es jedoch von großer Bedeutung, einen Grundsatz zu beleuchten, der nach meinem Urteil für die Erklärung der heiligen Schrift im Allgemeinen von der höchsten Wichtigkeit ist. Dieser Grundsatz heißt: „Keine einzige Stelle der Schrift kann mit einer anderen im Widerspruch sein.“ Wenn daher scheinbar ein Widerspruch besteht, so hat derselbe nur seinen Grund in dem Mangel unseres geistlichen Verständnisses. Wenn z. B. Jemand Jakobus 2,24 anführen wollte, um die Rechtfertigung aus den Werken zu beweisen, so würde es vielleicht möglich sein, dass ich mich außer Stand fühlte, ihm die richtige Antwort geben zu können. Es ist wohl sehr möglich, dass Taufende, gleich wie Luther, durch diese Stelle in die Enge getrieben worden sind. Ich kann die vollkommenste Sicherheit in. Betreff meiner Rechtfertigung besitzen; ich kann völlig überzeugt sein, dass nicht irgendein Werk, welches ich getan habe, sondern einfach der Glaube an Jesus Christus die Ursache meiner Errettung ist, und doch vielleicht nicht im Stande sein, die Worte von Jakobus: „So seht ihr, dass ein Mensch aus Werken gerechtfertigt wird und nicht allein durch den Glauben“, (Jak 2,24) zu erklären. Vielleicht begreife ich den Apostel Jakobus nicht und finde mich daher sehr wegen der scheinbaren Widersprüche, die zwischen Jakobus und Paulus bestehen, in Verlegenheit gebracht. Was ist zu tun? Nichts anders, als jenen Grundsatz anzuwenden, den ich oben angeführt habe: „Keine Schriftstelle kann mit einer anderen im Widerspruch sein.“ Man würde ebenso gut den Zusammenstoß zweier Himmelskörper, die sich in der ihnen vom Schöpfer vorgeschriebenen Laufbahn bewegen, befürchten können, als dass zwei durch göttliche Eingebung redende Schriftsteller sich einander widersprechen sollten. Jetzt lese ich in Römer 4,5 die folgenden, sehr deutlichen Worte: „Dem aber, der nicht wirkt, aber an den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet.“ Hier ist das selbstwirken, als rechtfertigender Grundsatz, ganz und gar ausgeschlossen und nur der Glaube wird als solcher anerkannt. Ebenso lese ich in Kapitel 3: „Denn wir urteilen, dass ein Mensch gerechtfertigt wird durch den Glauben ohne Gesetzes Werke.“ Und wiederum in Kapitel 5: „Da wir nun sind gerechtfertigt worden aus Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus.“ In dem Brief an die Galater finden wir dasselbe; denn dort lesen wir: „Die wir aber wissen, dass der Mensch nicht aus Gesetzes Werken gerechtfertigt wird, sondern allem durch den Glauben an Jesus Christus, haben auch wir an Christus Jesus geglaubt, damit wir aus Glauben an Christus gerechtfertigt wären, und nicht aus Gesetzes Werken; weil aus Gesetzes Werken kein Fleisch gerechtfertigt werden wird“ (Gal 2,16).

In allen diesen und vielen anderen Stellen werden, wie bereits erwähnt, die Werke, als rechtfertigender Grundsatz, gänzlich ausgeschlossen; und die Sprache dieser Stellen ist so einfach, dass jeder Mensch, wie wenig entwickelt er auch sein mag, sie verstehen kann. Wenn wir daher Jakobus 2,24 nicht zu erklären vermögen, so müssen wir entweder diese Stelle leugnen, oder unsere Zuflucht nehmen zu dem oben erwähnten Grundsatz, dass nämlich keine Schriftstelle mit einer anderen im Widerspruch sein kann. In letzterem Fall werden wir mit einem unwandelbaren Vertrauen und in einer vollkommenen Ruhe unseren Pfad verfolgen und mit Freuden festhalten an der Hauptlehre des Evangeliums, betreffend die „Rechtfertigung durch den Glauben ohne Gesetzes Werke“.

Da wir indes nun einmal unsere Aufmerksamkeit auf Jakobus 2,24 gerichtet haben, so wird es jedenfalls am Platz sein, so im Vorbeigehen einige Bemerkungen, die zur Beförderung eines richtigen Verständnisses beitragen könnten, über diese Stelle beizufügen. In Vers 14 finden wir ein kleines, unscheinbares Wort, welches, so zu sagen, der Schlüsse! ist zu der Stelle, die wir vor uns haben. Dort fragt der Apostel: „Was nützt es Brüder, wenn jemand sagt, er habe Glauben; aber er hat nicht Werke?“ – Wenn er gefragt hätte: „Was nützt es, wenn jemand Glauben hat?“ dann würde die Schwierigkeit unüberwindbar sein. Aber das Wörtchen „sagt“ nimmt alle Schwierigkeit hinweg und zeigt uns in der deutlichsten Weise, worüber uns der Apostel belehren will. Wir könnten mit demselben Recht fragen: „Was nützt es, wenn jemand sagt, dass er hunderttausend Taler besitze, wenn er sie nicht besitzt?“ Es hat sicher keinen Nutzen für jemanden, wenn er bloß sagt, dass er Glauben habe, sondern nur dann, wenn er ihn wirklich besitzt, hat er sowohl für die gegenwärtige Zeit als auch für die Ewigkeit „Nutzen“ davon, indem der Glaube ihn mit Christus eins macht und ihn in den vollen und ungeschmälerten Besitz von allem stellt, was Christus für uns getan hat und was Er für uns vor Gott ist.

dieses gibt mir Veranlassung, den vorliegenden Gegenstand noch von einem anderen Gesichtspunkt aus zu beschauen, wodurch die scheinbaren Widersprüche zwischen den Briefen des Paulus und des Jakobus ganz und gar aufgelöst werden. Es besteht ein großer Unterschied zwischen den Werken des Gesetzes und den Werken des Glaubens. Paulus schließt die Ersteren aus, während er die Letzteren gebietet. Doch wir wiederholen es mit allem Nachdruck, dass es nur die Werke des Gesetzes sind, welche Paulus ausschließt, und dass Jakobus nur die Werke des Glaubens gebietet. Die Werke Abrahams und Rahabs waren keine Gesetzes Werke, sondern Werke des Glaubens. Sie waren die natürlichen Früchte des Glaubens, ohne welche sie jeder rechtfertigenden Kraft ermangelt haben würden. – Und fragt jemand nach dem Unterschied zwischen den Werken des Gesetzes und den Werken des Glaubens, so lautet die Antwort, dass die Werke des Gesetzes solche sind, welche man verrichtet, um das Leben zu erlangen, während man in den Werken des Glaubens die natürlichen Früchte des Lebens erblickt, welches man bereits besitzt. Und was muss man tun, um das Leben zu erlangen? – Man muss glauben an den Sohn Gottes. „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben“ (Joh 5,24). Bevor wir das Geringste tun können, müssen wir das Leben haben; und nicht dadurch, dass wir sagen: „Ich habe Glauben“, sondern dadurch, dass wir wirklich glauben, erlangen wir das Leben; und besitzen wir das Leben, so werden wir auch Früchte des Lebens hervorbringen.

Nachdem ich nun versucht habe, Ihnen, teurer Freund, meinen Grundsatz durch Beispiele klar zu machen, überlasse ich es fernerhin ihrer Sorge, um davon eine Anwendung in Bezug auf die verschiedenen Schwierigkeiten und scheinbaren Widersprüche zu machen, welche Ihnen bei der Betrachtung des Wortes Gottes auffallen mögen, während ich mich jetzt mit der Hilfe des Herrn bemühen werde, die wichtigen Schriftstellen, die sie mir vorgeführt haben, zu erklären.

1. Die erste dieser Schriftstellen finden wir in dem zweiten Brief des Petrus und lautet: „Es waren aber auf falsche Propheten unter dem Volk, wie auch unter euch falsche Lehrer sein werden, welche Sekten des Verderbens neben einführen werden und den Gebieter verleugnen der sie erkauft hat und sich selbst zuziehen schnelles Verderben“ (Kap 2,1). Die Schwierigkeit besteht für Sie in den Worten: „Und den Gebieter verleugnen, der sie erkauft hat.“ Dennoch aber bieten diese Worte keine besondere Schwierigkeit dar. Der Herr hat an allen, die unter dem Himmel leben – an Männern, Weibern und Kindern – ein zweifaches Recht, – ein Recht als Schöpfer und ein Recht als Erlöser. Die Worte des Petrus deuten auf das zweite Recht. Die falschen Lehrer verleugneten – nicht nur den Herrn, der sie geschaffen, sondern auch den Gebieter, der sie erkauft hatte. Hierauf das Augenmerk zu richten, ist von großer Wichtigkeit, weil hierdurch mehr als eine Schwierigkeit aus dem Weg geräumt wird. Der Herr Jesus hat sich ein Recht auf die Glieder des menschlichen Geschlechts erworben. Der Vater hat Ihm Gemalt gegeben über alles Fleisch. Daher kommt die Sünde derer, die Ihn verleugnen. Es ist Sünde, wenn man Ihn als Schöpfer verleugnet; und es ist eine noch größere Sünde, wenn man Ihn als Erlöser verleugnet. Es handelt sich hier keineswegs um die Frage der Wiedergeburt. Der Apostel sagt nicht: „Den Gebieter verleugnen, der sie lebendig gemacht hat.“ Wäre dieses der Fall, dann würde wirklich eine Schwierigkeit bestehen; aber der Wortlaut der Stelle lässt die Frage bezüglich des Ausharrens bis ans Ende unangetastet.

2. Die zweite Schriftstelle findet sich am Schluss desselben Kapitels (V 20–22): „Denn wenn sie entflohen den Befleckungen der Welt durch die Erkenntnis des Herrn und Heilands Jesu Christi, aber wiederum in diese verwickelt und überwältigt werden, so ist mit ihnen das Letzte ärger geworden, als das Erste. Denn es wäre ihnen besser, den Weg der Gerechtigkeit nicht erkannt zu haben, als, nachdem sie ihn erkannt haben, umzukehren von dem ihnen überlieferten heiligen Gebot. Es ist ihnen aber nach dem wahren Sprichwort geschehen: Der Hund wendet sich zu seinem eigenen Gespei, und die gewaschene Sau zum Wälzen im Kot.“ – Die Ausbreitung der Schrifterkenntnis und des Lichtes des Evangeliums kann einen bewundernswürdigen Einfluss auf das Betragen und den Charakter eines Menschen ausüben, der nimmer die lebendig machende, erlösende und freimachende Kraft des Evangeliums von Christus kennen gelernt hat. Es gehört fast zur Unmöglichkeit, dass sich da, wo die Bibel gelesen und das Evangelium der Gnade gepredigt wird, keine in die Erscheinung tretenden Folgen offenbaren sollten, ohne dass darum eine Wiedergeburt hervorgebracht worden sei. Man kann durch den Einfluss einer reinen und verständlichen Erkenntnis „des Herrn und Heilands Jesu Christi“ viele schlechte Gewohnheiten ablegen und unsittliche Handlungen fahren lassen, während das Herz nimmer die Seligkeit des Glaubens erfahren hat. Allein man wird stets finden, dass diejenigen, welche unter dem Einfluss des Evangeliums gewesen sind – d. h., wenn dieser Einfluss sich nur über das äußere Verhalten ausgebreitet hat – sobald sie sich davon freimachen können, viel tiefer in den Schlamm der Sünde sinken und sich zu weit größeren Ausgelassenheiten fortreißen lassen, als ehe sie unter diesen Einfluss kamen: „Das Letzte ist mit ihnen ärger geworden, als das Erste.“ Der Teufel findet sein Ergötzen darin, den ehemaligen Bekenner durch einen weit schmutzigeren Schlund zu schleppen, als der– war, worin er sich früher in den Tagen seiner Unwissenheit und sorglosen Torheit gewälzt hat. Wie notwendig ist es daher, dass wir bei allen, mit denen wir irgendwo in Berührung kommen, auf eine völlige Übergabe des Herzens an den Herrn Jesus dringen, damit bei ihnen nicht nur eine äußere Veränderung hervorgebracht werde, sondern damit sie das Leben empfangen – ein Leben, welches derjenige, der es besitzt, nimmer verlieren kann. Die oben angeführte Schriftstelle enthält durchaus nichts, wodurch die Schafe Christi beunruhigt werden könnten; aber dagegen enthält sie sehr ernste Ermahnungen für diejenigen, welche, ob sie sich auch für eine Zeit in Schafskleider gehüllt haben, dennoch niemals in Wirklichkeit von einem „Hunde“ oder einer „Sau“ unterschieden gewesen sind.

3. Dieselbe, ernste Wahrheit wird uns in Hebräer 6 vor die Seele gestellt, denn dort lesen wir: „Denn es ist unmöglich, diejenigen, die einmal erleuchtet waren, und geschmeckt haben die himmlische Gabe, und teilhaftig geworden sind des Heiligen Geistes, und geschmeckt haben das gute Wort Gottes und die Wunderwerke des zukünftigen Zeitalters, und abfallen, wiederum zur Buße zu erneuern, indem sie den Sohn Gottes sich selbst kreuzigen und zur Schau stellen.“ – Diese Worte haben bereits manche in Verlegenheit gebracht. Und dennoch ist die Erklärung derselben höchst einfach, sobald man nur an zwei Personen in der heiligen Schrift denkt, die in einem solchen Zustand gefunden worden sind. Wir meinen den Saul und den Judas. Beide sind erleuchtet gewesen. Beide haben geschmeckt die himmlische Gabe, Beide sind des Heiligen Geistes (als Gabe) teilhaftig geworden. Saul weissagte durch den Heiligen Geist; Judas verkündigte das Evangelium, verrichtete Wunder und trieb Teufel aus. Doch keiner von beiden war wiedergeboren; und darum, abtrünnig geworden, gingen sie verloren. Ebenso können auch Personen in der christlichen Gemeinde sein, die ihnen gleichen und die, wie sie, abtrünnig werden oder abfallen und verloren gehen. Es tritt dann zum Schluss an den Tag, dass, wie viel Licht und wie viele Gaben sie auch gehabt haben mögen, sie dennoch nicht wiedergeboren waren. Ein Wiedergeborener kann in diesem Sinn nicht abtrünnig werden oder abfallen, sondern wird bis zum Ende hin bewahrt durch die Macht Gottes (1. Pet 1,5).

4. In Johannes 15,2 sagt der Herr: „Jede Rebe in mir, die nicht Frucht bringt, die nimmt Er weg.“ Und in Vers 6 lesen wir: „Wenn jemand nicht in mir bleibt, der wird hinausgeworfen, wie die Rebe, und verdorrt; und man sammelt dieselben, und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen.“ Zur Erklärung dieser Worte ist es nötig, auf den Unterschied hinzuweisen, welcher zwischen den Reben des Weinstocks und den Gliedern des Leibes Christi besteht. Niemand kann ein Glied des Leibes Christi sein, wenn er nicht wiedergeboren ist. Man muss mit Christus gestorben und auferstanden sein, um ein Glied seines Leibes sein zu können. Eine Rebe am Weinstock ist hingegen ein jeder, der zu Christus in irgendwelcher Beziehung steht, und wenn dieses auch nur durch ein äußerliches Bekenntnis der Fall ist. Behält man diesen Umstand im Auge, dann ist die Erklärung der Worte Jesu nicht schwierig; denn dann geht klar daraus hervor, dass alle, die nur durch ein äußeres Bekenntnis zu Christus in Beziehung getreten sind und darum natürlich keine Früchte hervorbringen, von dem Weinstock abgeschnitten werden sollen. Man vergleiche hiermit das, was Paulus in Römer 11 über den Ölbaum sagt.

5. In Matthäus 12,45 lesen wir: „Dann geht er hin und nimmt mit sich sieben andere Geister, böser als er selbst; und sie gehen hinein und wohnen daselbst: und das Letzte jenes Menschen wird ärger, als das Erste. Also wird es auch diesem bösen Geschlecht ergehen.“ – Der letzte Satz dieser Stelle erklärt das Ganze. Der Herr schildert den sittlichen Zustand des jüdischen Volkes. Der Geist der Abgötterei hatte die Israeliten eine Zeitlang verlassen, aber nur, um später mit einer siebenfach größeren Heftigkeit und Gewalt zurück zu kehren, so dass ihr letzter Zustand bedeutend ärger sein wird, als was bis dahin in ihrer Geschichte bekannt geworden ist. Es ist also klar und deutlich, dass hier nicht im Mindesten die Rede von Gläubigen ist, welche abfallen.

6. Endlich finden wir in Offenbarung 3,11 die Worte: „Ich komme bald, halte fest, was du Haft, damit niemand deine Krone nehme.“ In dieser Stelle müssen wir auf zwei Dinge unser Auge richten: zunächst, dass sich hier eine Ermahnung findet, die an eine Versammlung gerichtet ist; und dann, dass wir in dieser Stelle nicht lesen: „Damit niemand dein Leben nehme.“ Ein Dienstknecht kann seine Belohnung verlieren; aber ein Kind Gottes kann nimmer das ewige Leben verlieren. Man würde viele Schwierigkeiten aus dem Weg räumen, wenn man auf diesen Punkt sein Augenmerk, richtete. Die Beziehung eines Kindes ist ganz verschieden von derjenigen eines Jüngers. Die Sicherheit in Christus ist etwas ganz anders, als das Zeugnis für Christus. Wenn unsere Sicherheit von unserem Zeugnis, oder unsere Kundschaft von unserer Treue als Jünger abhängig wäre, wo sollte es dann mit uns hinaus? Es ist sicher wahr, dass, je besser ich meine Sicherheit verstehe, ich auch umso mehr mein Verhältnis als Kind genieße, und mein Zeugnis als das eines Jüngers umso kräftiger und treuer sein wird. Dennoch aber dürfen wir beide Dinge nicht mit einander vermengen.

Teurer Freund! Am Schluss ihres Briefes sagen Sie: „Alle die Stellen, welche von einem Ausharren bis ans Ende und von einem Überwinden sprechen, scheinen anzudeuten, dass, da die Möglichkeit von einem Nicht – Ausharren und von einem Nicht–Überwinden vorhanden ist, ebenfalls auch die Möglichkeit besteht, dass man am Schluss nicht selig wird.“ – Hierauf kann ich Ihnen nur die Antwort geben, dass ich es mir stets als ein Glück anrechnen werde, alle die Stellen, auf welche sie hindeuten, mit Ihnen zu untersuchen, um Ihnen durch die Gnade Gottes zu beweisen, dass keine von all diesen Schriftstellen mit der bedeutungsvollen Frage bezüglich des Ausharrens bis ans Ende im Widerspruch steht, sondern dass im Gegenteil jede Stelle an und für sich oder in der Verbindung, worin sie sich zeigt, den Beweis liefert, dass sie sich in vollkommener Übereinstimmung befindet mit der Wahrheit der ewigen Sicherheit des schwächsten Lammes, welches der Herde Christi angehört.

Möge der Herr unsere Seelen mehr und mehr in seiner Wahrheit befestigen und uns bewahren zur Verherrlichung seines Namens!

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