Die ersten Jahrzehnte des Christentums
Kommentar zur Apostelgeschichte

Kapitel 2

Die ersten Jahrzehnte des Christentums

Verse 1-4

Als der Tag der Pfingsten erfüllt wurde, waren alle Jünger an einem Ort beisammen. Ohne Zweifel handelt es sich hier um die im ersten Kapitel erwähnten 120, doch dürfen wir ihre Zahl nicht beschränken. Seit dem Weggang des Herrn Jesus verharrten sie im Gebet (vgl. Kap. 1,14) und erwarteten die Verheißung des Vaters.

„Und plötzlich kam aus dem Himmel ein Brausen, wie von einem daherfahrenden, gewaltigen Wind, und erfüllte das ganze Haus, wo sie saßen. Und es erschienen ihnen zerteilte  Zungen wie von Feuer, und sie setzten sich  auf jeden Einzelnen von ihnen. Und sie wurden alle mit Heiligem Geist erfüllt und fingen an, in anderen Sprachen zu reden, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.“

Dieses Geschehen war die Erfüllung dessen, was das „Fest der Wochen“ im Vorbild darstellte. Das Fest fand fünfzig Tage nach der Darbringung der Garbe der Erstlinge der Ernte statt, die ein Vorbild vom auferstandenen Christus ist. Alles erfüllte sich nach den Ratschlüssen Gottes und entsprach vollkommen den Vorbildern des Alten Testaments. Jesus wurde am Passahtag, an einem Freitag, zu Tode gebracht. Als die „Erstlingsgarbe“ ist Er „am anderen Tag nach dem Sabbat“ (3. Mo 23,11), in der Frühe des ersten Wochentags auferstanden. Fünfzig Tage darauf kam der Heilige Geist auf die Gläubigen hernieder. Nach den vierzig Tagen, die der Herr von seiner Auferstehung an auf der Erde zubrachte, verstrichen zwischen seiner Erhöhung zur Rechten Gottes und dem Herniederkommen des Heiligen Geistes weitere zehn Tage. Dieser kurze Zeitraum war nötig, um aufzuzeigen, dass aufgrund der Vollkommenheit des Werkes am Kreuz der neue Mensch in Christus in die Herrlichkeit Gottes aufgenommen ist.

Nachdem dieser Beweis erbracht war, hinderte den Heiligen Geist nichts mehr, auf die Gläubigen, die durch Christus in der Herrlichkeit vertreten waren, herniederzusteigen.

An Pfingsten, am Fest der Wochen (3. Mo 23,15-21), mussten zwei gesäuerte Webe-Brote aus Feinmehl dargebracht werden. Sie waren ein Vorbild der Erlösten aus den Juden und den Nationen, vor Gott gestellt gemäß der Vortrefflichkeit des Opfers Christi durch die Kraft des Heiligen Geistes. Solange die Gläubigen auf der Erde sind, wohnt die Sünde immer noch in ihnen. Diese Tatsache wird im Vorbild durch das Vorhandensein von Sauerteig in den beiden Broten angedeutet. Aber nicht das ist es, was ihre Stellung vor Gott kennzeichnet. Er sieht sie in der Vollkommenheit, wie sie in Christus in der Herrlichkeit droben ihren Ausdruck findet, und der Heilige Geist ist auf der Erde der Beweis davon.

Durch das Herniederkommen des Heiligen Geistes werden die Gläubigen die Behausung Gottes. Am gleichen Tag nahm Gott Besitz von diesem seinem Haus, so wie damals seine Herrlichkeit die Stiftshütte und den Tempel erfüllte (2. Mo 40,34-35; 1. Kön 8,11). Seine jetzige Behausung besteht nicht mehr aus totem Material, sondern aus Menschen, neuen Menschen, die für die Gegenwart Gottes passend sind und nicht mehr seine Gegenwart fliehen müssen, wie einst die Priester, als die Wolke die Stiftshütte oder den Tempel erfüllte.

Seit diesem Augenblick wird die Versammlung, das Haus Gottes, gebildet, und alle Glieder des Leibes Christi sind durch den Heiligen Geist mit ihrem himmlischen Haupt und unter sich zu einem Leib vereinigt. Aber diese Wahrheit wurde erst durch den Dienst des Apostels Paulus offenbart.  Hier kam der Heilige Geist auf die Jünger als die Kraft, die sie brauchten, um Zeugen des Herrn zu sein und um ihren Dienst zu vollenden. Er kam wie ein daherfahrender, gewaltiger Wind vom Himmel herab, dem nichts zu widerstehen vermochte, und Er wird die Ratschlüsse Gottes in Gnade in dieser christusfeindlichen Welt erfüllen.

Als Jesus getauft wurde stieg der Heilige Geist in Gestalt einer Taube auf Ihn herab. Jede Tätigkeit des Herrn geschah in der Kraft des Heiligen Geistes, in Güte, Sanftmut und Gnade, wovon die Taube ein Bild ist. Aber den Jüngern erschien der Heilige Geist in der Gestalt zerteilter Zungen wie von Feuer. Das Werk der Erlösung war vollbracht, und die frohe Botschaft des Heils sollte nun in der Sprache jedes Volkes in der ganzen Welt verkündigt werden. Hier haben wir das Gegenstück zu der Verwirrung der Sprachen, die beim Turmbau in Babel als Gericht über die Menschen kam. Hier kommt Gott in Gnade, um die Menschen da zu suchen, wo sie sind und in einer Weise, dass alle Ihn verstehen können. Aber wenn den Menschen in der ganzen Welt Gnade verkündigt wurde, so geschah es in der Kraft eines Geistes, der - gemäß dem Wort Gottes - alles richtete, was nicht von Gott war: Die Zungen waren wie von Feuer.

Durch die Wirksamkeit des Heiligen Geistes, mittels der Apostel, wurde also auf der Erde die Versammlung gebildet. Von da an fügte Gott täglich solche hinzu, die vor den Gerichten, die im Begriff standen, über die ungläubige Nation der Juden hereinzubrechen (V. 47), gerettet werden sollten. Aber erst Paulus und nur er allein hat die Offenbarung des Geheimnisses der Versammlung empfangen.

Beachten wir, dass alle Jünger, und nicht nur die Apostel, mit dem Heiligen Geist erfüllt wurden, und dass sie durch seine Wirksamkeit in Sprachen redeten. Gott ändert den durch die Sünde eingetretenen Zustand der Dinge nicht: Die Sprachen bleiben. Aber die Gnade erhebt sich über alle Hindernisse und reicht die Mittel zur Ausführung des Werkes Gottes dar, um die unter den Folgen der Sünde stehenden Menschen zu erretten. Wenn dann später die irdischen Segnungen verwirklicht werden sollen, wird der Herr sie nur durch Ausübung seiner Gerichte einführen können.

Verse 5-13

„Es wohnten aber in Jerusalem Juden, gottesfürchtige Männer, aus jeder Nation unter dem Himmel. Als sich aber die Kunde hiervon verbreitete, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt, weil jeder Einzelne sie in seiner eigenen Mundart reden hörte.“ Gott leitete die Umstände so, dass die Gnade schon am Anfang allen Menschen, die aus allen Nationen unter dem Himmel hergekommen waren, bekannt wurde. „Ihr Schall ist ausgegangen zu der ganzen Erde und ihre Sprache zu den Grenzen des Erdkreises“ (Röm 10,18, Zitat aus Psalm 19,5).

Diese gottesfürchtigen Männer waren ohne Zweifel zum Pfingstfest gekommen, einem der drei Feste, zu denen alle Männlichen Israels in Jerusalem erscheinen sollten (5. Mo 16,16). Sie gehörten zum gottesfürchtigen Überrest, der von den Gerichten, die über die Nation kommen sollten, verschont wurde.

Diese Menge kam zusammen. Das war die erste Wirkung der gehörten Dinge. Die Gnade sammelt Menschen, die durch die Sünde von Gott weg zerstreut worden sind. Da sie nun Gegenstände derselben Gnade waren, bestand kein Grund mehr für ihre Zerstreuung. Sie waren bestürzt, weil jeder Einzelne sie in seiner eigenen Mundart von den großen Taten Gottes reden hörte, das heißt, von der Gnade, die allen Menschen das Heil bringt durch die Erkenntnis eines gestorbenen, auferweckten und erhöhten Heilandes.

Die ganze Geschichte des Menschen wird durch das Kreuz abgeschlossen. Gott kann jetzt in die Szene treten, um die wunderbaren Resultate des Opfers seines eigenen Sohnes kundzumachen. Er erhebt sich über die Folgen der Sünde, indem Er sich der Sprachen bedient, die Er verwirrt hatte. Er will seiner Liebe freien Lauf verschaffen, um allen Menschen Jesus als Heiland zu verkündigen.

Aber wenn es auch viele Menschen gab, die durch diese wunderbaren Dinge tief beeindruckt waren, so gab es andere, die spotteten und sagten: „Sie sind voll von süßem Wein!“ Das sind traurige Zeugen des Widerstands des natürlichen Herzens, das selbst gegenüber der Entfaltung einer solchen Gnade und Kraft unempfindlich bleibt. 

Verse 14-21

Wir haben hier den Anfang des Dienstes des Apostels Petrus. Er war von seinem Fall wiederhergestellt und zubereitet worden, um den Dienst auszuführen, den der Herr ihm anvertraut hatte. Er stand auf mit den Elfen, entsprechend den Worten des Herrn. Jesus hatte vom Heiligen Geist als dem Zeugen gesprochen und sagte dann zu den Jüngern: „Aber auch ihr zeugt, weil ihr von Anfang an bei mir seid“ (Joh 15,27).

Nebenbei sei erwähnt, dass der Dienst des Petrus verschiedene Aufgaben umfasste. Nach Matthäus 16,19 gab ihm der Herr die Schlüssel des Reiches der Himmel. Daher führte er Juden und Menschen aus den Nationen in das Reich ein, wie dies aus der Apostelgeschichte hervorgeht. Unter Bezugnahme auf seinen Fall, sagte ihm der Herr weiterhin: „Bist du einst umgekehrt, so stärke deine Brüder“ (Lk 22,32). Daher konnte Petrus den Juden zurufen: „Ihr aber habt den Heiligen und Gerechten verleugnet“, aber auch: „Ich weiß, dass ihr in Unwissenheit gehandelt habt“ und: „So tut nun Buße!“ Hinweisend auf ihre Schuld konnte er ihnen die Gnade verkündigen, die ihm selber zuteil geworden ist. Nach der Wiederherstellung des Petrus vertraute ihm der Herr die Pflege seiner jüdischen Schafe an. Gleich dem göttlichen Hirten, der seine eigenen Schafe aus dem jüdischen Schafhof herausgeführt und sie dann geleitet und gepflegt hat, verkündigte auch Petrus Buße und Vergebung der Sünden und nahm sich der Schafe des Herrn an, entsprechend dem erhaltenen Auftrag: „Weide meine Schafe“.

Sobald Petrus hörte, dass man die Jünger bezichtigte, sie seien voll von süßem Wein, erhob er sich mit den Elfen. Er richtete an die Juden aus der Ferne, sowie an alle, die in Jerusalem wohnten, und in ihrer Herzenshärtigkeit die Wirkungen der Kraft des Heiligen Geistes mit den Auswirkungen der Trunkenheit auf eine Stufe stellten, einen ernsten Aufruf. Hatten sie den Sohn des Menschen in ihrer Mitte nicht auch Fresser und Weinsäufer genannt (Lk 7,34)?

Petrus wies im Hinblick auf die frühe Morgenstunde ihre ungereimte Behauptung zurück. Es war die dritte Stunde des Tages (9 Uhr nach unserer Tageseinteilung), ein Zeitpunkt, der an die Stunde der Kreuzigung erinnert (Mk 15,25). In seiner Rede antwortete Petrus gleichzeitig auf den Spott der Juden von Jerusalem und auf die Fragen der Juden, die aus fernen Gegenden gekommen waren. Seine Rede umfasst:

  1. die Anführung der Prophezeiung Joels (V. 17-21) und
  2. den Hinweis auf die Person des Herrn, der in ihrer Mitte war, gekreuzigt wurde und zur Rechten Gottes erhoben worden ist, von woher Er den verheißenen Heiligen Geist herniedergesandt hat.

Mit einem Verständnis der Schriften, das der Herr den Jüngern gegeben hatte, und unter der Wirksamkeit des Heiligen Geistes wusste Petrus in den Schriften die Wahrheiten zu finden, die das bestätigten, was er dem Volk vorzulegen hatte. Er erklärte, dass das Wunder der Sprachen die Erfüllung einer Prophezeiung Joels sei (Kap. 2,28-32). Diese Prophezeiung hat die Ereignisse zum Gegenstand, die sich in den letzten Tagen - vor dem großen Tag des HERRN, an dem der Assyrer, der letzte Feind des Volkes, zerstört werden wird - abspielen werden. In jenen letzten Tagen wird in den Herzen des jüdischen Überrests ein Werk der Buße geschehen. Und der HERR wird seinen Geist ausgießen über alles Fleisch, sowohl über Israel als auch über die Nationen zum Genuss der Segnungen des Tausendjährigen Reichs.

Diese Prophezeiung konnte an Pfingsten nur eine teilweise Erfüllung finden. Denn statt Buße zu tun, hat das Volk das Zeugnis des Heiligen Geistes verworfen. Und der gläubige Überrest, auf den der Heilige Geist gekommen war, bildete die „Versammlung“. Der große Tag des HERRN wurde auf einen späteren Zeitpunkt hinausgeschoben.

Damit ist die Haushaltung der Gnade eingeführt worden, in der sowohl Israel als auch den Nationen das Evangelium verkündigt wird und alle Glaubenden der Versammlung hinzugefügt werden. So wurde erfüllt, was im 21. Vers geschrieben steht: „Und es wird geschehen: Jeder, der irgend den Namen des Herrn anruft, wird errettet werden“. Aber auch zur Zeit des Endes, wenn diese Prophezeiung sich vollständig erfüllt,  wird dieser Name angerufen werden.

Die Prophezeiung Joels hat also durch die Ausgießung des Heiligen Geistes auf die versammelten Gläubigen ihre vorläufige Erfüllung gefunden. Das war der Frühregen. Der Spätregen wird am Ende kommen und die Prophezeiung Joels wird dann ganz erfüllt sein, zum Segen des Tausendjährigen Reichs. Die Verse 18 und 21 beziehen sich auf den Zeitabschnitt der „Versammlung“, aber die Verse 19 und 20 werden sich erst am Ende erfüllen.

Die Anführung der Stelle aus Joel erfolgte fast wörtlich nach der Septuaginta 1. Zwischen dem Text des Alten Testaments und dem des Neuen Testaments zeigen sich jedoch Unterschiede, die der Geist Gottes zur Anwendung der Prophezeiung auf die Gegenwart benutzt. Der ursprüngliche Text des Propheten Joel und die griechische Übersetzung des Alten Testaments, die Septuaginta, lauten: „Und danach wird es geschehen“ ... Der Ausdruck „in den letzten Tagen“ (Apg 2,17) ist die Fassung des Neuen Testaments. Sie ist allgemeiner und lässt sich sowohl auf die Tage der Apostel als auch auf die zukünftigen Tage anwenden. Es sind die letzten Tage der Langmut Gottes gegenüber Israel gemeint, in denen die Prüfung des Menschen ihren Abschluss gefunden hat. Sie entsprechen dem, was Paulus in 1. Korinther 10,11 „das Ende der Zeitalter“ nennt: das Ende der verschiedenen Haushaltungen, die dem Kommen Christi vorausgegangen sind. Das „danach“ in Joel weist genauer darauf hin, dass nach der Buße Israels der Heilige Geist auf alles Fleisch ausgegossen werden wird.

In Apostelgeschichte 2,18 wird gesagt: „auf meine Knechte und auf meine Mägde“. Damit sind die Knechte und Mägde des Herrn des gegenwärtigen Tages der Gnade gemeint, die damals den Heiligen Geist empfingen. „Die Knechte und die Mägde“ in Joel sind dagegen insbesondere jene des jüdischen Volkes.

Das Neue Testament fügt im Weiteren einen charakteristischen Zusatz hinzu. In der Anführung des Petrus im gleichen Vers heißt es: „Und sie werden weissagen“. Diese Worte finden sich nicht im Alten Testament, aber sie vervollständigen die auf die Versammlung angewandte Prophezeiung und bezeichnen alles, was in der gegenwärtigen Haushaltung geweissagt wird. Damit sind nicht nur die Prophezeiungen der Apostel und Propheten des Neuen Testaments gemeint, sondern auch die Weissagung nach 1. Korinther 14,3, das heißt die Verkündigung des Wortes in einer Weise, dass Herz und Gewissen der Zuhörer dadurch erreicht und im Licht Gottes offenbar werden.

Vers 22

Ab Vers 22 richtete sich Petrus an das Gewissen der Juden, indem er ihnen erklärte, wie das, wovon sie jetzt Zeugen waren, hatte geschehen können. Er sagte: „Männer von Israel, hört diese Worte.“ Dann sprach er von der anbetungswürdigen Person des Herrn, von den Tagen, in denen Er in ihrer Mitte seinen Dienst erfüllte. Er nannte Ihn „Jesus der Nazaräer“, der von ihnen verachtet wurde, aber als „von Gott“ vor ihnen „bestätigt“ war durch mächtige Taten und Wunder und Zeichen, die Gott durch Ihn in ihrer Mitte tat. Aber sie haben Ihn umbringen lassen. Das ist das Werk des Menschen und kennzeichnet seinen Zustand vor Gott im Gegensatz zur Wertschätzung Christi durch Gott. Von Seiten Gottes wurde Jesus nach seinem Ratschluss und nach seiner Vorkenntnis in die Hände der Sünder überliefert. Trotzdem tragen die Menschen ihre volle Verantwortung für seinen Tod. Wenn sich Gott im Hinblick auf den Tod seines Sohnes der Bosheit des Menschen bediente, so hat Er Ihn anderseits auferweckt, zu seiner Rechten erhöht und Ihn zum Herrn und Christus gemacht, indem Er so seiner vollkommenen Befriedigung über das am Kreuz vollbrachte Werk Ausdruck gibt. Da, wo der Hass des Menschen gegenüber Gott seinen Höhepunkt erreicht hat, ist die Liebe Gottes gegenüber Sündern vollkommen enthüllt worden: Sie hat durch dieses Werk dem Menschen die Möglichkeit geschenkt, in die heilige Gegenwart Gottes einzutreten.

Verse 23-24

Der „bestimmte Ratschluss“ ist gleichbedeutend mit dem „ewigen Ratschluss“ Gottes. Die „Vorkenntnis“ hingegen ist die Kenntnis Gottes von den Umständen, die die Erfüllung seiner Ratschlüsse begleiten sollten. Alles, was Christus betraf, wurde vorausgesehen und ist durch die Propheten verkündigt worden, und alles hatte sich erfüllt. Die Juden haben Jesus zu Tode gebracht, Gott aber hat Ihn auferweckt. Er hat die Wehen des Todes aufgelöst, wie es denn nicht möglich war, dass Er von ihm festgehalten wurde. Der Tod wird hier sozusagen als Person betrachtet. Er hat dem Herrn unendliche Wehen verursacht. Wegen des Eingreifens Gottes aber musste der Tod Christus, der zu unserer Befreiung in Gnade in seinen Bereich gekommen war, wieder entlassen. Er konnte Ihn nicht festhalten. Er hatte keinerlei Recht auf Ihn. Diese Befreiung war die Antwort auf das Flehen des Herrn in Gethsemane zu dem, der Ihn aus dem Tod zu erretten vermochte. Er wurde erst daraus errettet, nachdem Er hineingegangen war. Der so als Person betrachtete Tod umfasst alle Leiden, die der Herr als Folgen der Sünde der Menschen erduldet hat, sowohl das Verlassensein von Gott in den Stunden der Finsternis, als auch den körperlichen Tod, den Gott Adam angedroht hatte, für den Fall seines Ungehorsams. Der Herr musste sagen: „Ich rufe am Tag, und du antwortest nicht; und bei Nacht, und mir wird keine Ruhe“ (Ps 22,3).

Nachdem der Herr das Gericht, das wir verdienten, getragen und so der Gerechtigkeit und Heiligkeit Gottes Genüge getan hatte, ist Er in das Grab gelegt worden, um als Sieger daraus hervorzukommen. Er hat den Tod zunichte gemacht und den Sieg über Satan und über alle Folgen der Sünde errungen. Er, der in die unteren Teile der Erde hinabgestiegen war, ist hinaufgestiegen über alle Himmel, um alles mit seiner Macht und seiner Herrlichkeit zu erfüllen. Ihn hat Gott sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht. Von dort her hat Er den Heiligen Geist gesandt, damit Er in dieser Welt, im Zusammenhang mit der Verkündigung des Evangeliums durch die Erlösten, in den Menschen das Werk der Befreiung von der Macht Satans und des Todes ausführe. Das geschieht aufgrund des Sieges, den der Herr über alle Feinde errungen hat. Er hat Ihn aber auch gesandt, wie es in Psalm 68,19 heißt, „damit Jah, Gott, eine Wohnung habe“. Das sehen wir in diesem Kapitel erfüllt: Gott nimmt durch den Heiligen Geist von seiner Wohnung Besitz.

Diese Befreiung des Herrn aus dem Tod war schon durch den königlichen Propheten im 16. Psalm angekündigt worden. Petrus führt vier Verse daraus an. In diesem Psalm, aus dem die Abhängigkeit und Gottseligkeit Jesu hervorleuchtet, sehen wir Ihn mit dem Vertrauen, das Ihn auf seiner ganzen Laufbahn auf der Erde gekennzeichnet hat, vor der Schwelle des Todes ankommen. Dieser feierliche Augenblick war vor den Augen des Psalmisten. Er, der den Herrn stets vor sich gestellt hatte und nur für seinen Willen lebte, hat Ihn auch in der Gegenwart des Todes nicht aus den Blicken verloren. Er wusste Ihn zu seiner Rechten und wurde daher nicht wankend. Sein Herz freute sich, und Er war voller Vertrauen in diesen Gott, dem Er treu gedient hatte. Er hatte das Grab, die Auferstehung und das Angesicht seines Gottes vor sich. Er wusste, dass seine Seele nicht an dem Ort, wo sie vom Leib getrennt ist, gelassen werden und sein Leib nicht verwesen würde.

Der Unterschied zwischen der Übersetzung (V. 28): „Du hast mir kundgetan Wege des Lebens“ und dem hebräischen Text: „Du wirst mir kundtun den Weg des Lebens“ (Ps 16,11) erklärt sich dadurch, dass für Petrus die historische Tatsache in der Vergangenheit lag, für David aber in der Zukunft. In Hebräer 12,2 wird gesagt, dass Jesus, die Schande nicht achtend, für die vor Ihm liegende Freude das Kreuz erduldete. Und aus unserem Psalm sehen wir, dass diese Freude darin bestand, sich nach dem Wandel auf dem Weg des Lebens, der Ihn durch den Tod führte, wieder vor dem Angesicht seines Gottes einzufinden. Das Wort „Frommer“ (oder „Heiliger“) in Apostelgeschichte 2,27 drückt nicht die Heiligkeit Gottes in der Absonderung vom Bösen aus. Es ist hier vielmehr Heiligkeit in der Übereinstimmung mit dem gemeint, was Gott gefällt, was Gott fordert. In Psalm 4,4 haben wir dasselbe Wort: „Erkennt doch, dass der Herr den Frommen für sich abgesondert hat“, und auch in Psalm 89,20: „Einst redetest du im Gesicht zu deinen Frommen“ (siehe 2. Chr 6,41).

Verse 29-32

Petrus bewies den Juden, dass diese Stelle im 16. Psalm sich nicht auf David beziehen konnte, da dessen Grab sich immer noch unter ihnen befand. Weil aber David ein Prophet war und wusste, dass Gott ihm mit einem Eid geschworen hatte, einen seiner Nachkommen auf seinen Thron zu setzen (1. Chr 17,11; Ps 89,36-37; 132,11), und dass Er „die zuverlässigen Gnaden Davids“ (Apg 13,34) geben würde, sagte er in Voraussicht auf die Auferstehung Christi, dass der Herr nicht im Hades zurückgelassen, noch sein Fleisch die Verwesung sehen würde. Konnte es einen schlagenderen Beweis geben hinsichtlich der Auferstehung Jesu? Das Grab Davids enthielt immer noch die Reste seiner sterblichen Hülle, das Grab Christi aber war leer, und die Jünger waren als Zeugen seiner Auferstehung anwesend.

Vers 33

In Vers 33 kommt Petrus zum Schluss seiner Folgerung: Jesus, der durch die Rechte Gottes erhöht worden ist, hat die Verheißung des Heiligen Geistes vom Vater empfangen und diesen ausgegossen, wovon sie alle Zeugen waren. Der vom Himmel herabgesandte Heilige Geist ist Zeuge der Verherrlichung Christi, den die Menschen umgebracht hatten. Die Verheißung des Heiligen Geistes stand im Alten Testament in Verbindung mit dem Tausendjährigen Reich. Im Neuen Testament aber steht sie in Verbindung mit den himmlischen Segnungen, über die der Heilige Geist die Gläubigen belehrt, die sich auf dem Weg zur Herrlichkeit befinden.

Verse 34-36

Im Vers 34 gibt Petrus die Antwort auf eine Frage des Herrn an die Juden, die sie unbeantwortet lassen: „Wie nennt David ihn denn im Geist Herr... Wie ist er sein Sohn?“ (Mt 22,43.45). „Denn nicht David“, sagt der Apostel, „ist in die Himmel aufgefahren; er sagt aber selbst: ,Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde hinlege als Schemel deiner Füße.'“ Weil Jesus durch die Menschen verworfen worden war, wurde Er zur Rechten der Majestät erhoben. Gott hat dem, der Ihn verherrlicht hat, die Herrlichkeit gegeben, die die Menschen Ihm verweigerten, und zwar eine noch größere Herrlichkeit. Anstatt über die Feinde Christi seine Gerichte kommen zu lassen, übt Gott jetzt gegenüber allen Menschen Langmut und Gnade, und der Herr wartet in der Herrlichkeit auf den vom Vater bestimmten Augenblick, um seine glorreiche Herrschaft aufzurichten. Das geschieht dann, wenn seine Feinde als Schemel seiner Füße hingelegt sind.

Obwohl die Menschen Jesus verachtet und zu Tode gebracht hatten, und obwohl Er jetzt abwesend war von dieser Welt, sagte Petrus: „Das ganze Haus Israel wisse nun zuverlässig, dass Gott ihn sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht hat, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.“ Aufgrund eines klaren Zeugnisses der Schriften und in der überzeugenden Kraft des Heiligen Geistes legte Petrus die ganze Größe der Sünde der Verwerfung Christi auf das Gewissen des Volkes und gleichzeitig auch die Tatsache, dass Ihn Gott mit Herrlichkeit gekrönt und Ihn zum Herrn über das ganze Weltall und zum Christus über Israel gemacht hat. Diese Tatsachen waren geeignet, in dem Herz des Volkes Reue zu bewirken. Es durfte nun die Gnade in Anspruch nehmen, die ihm auf Grund der Fürsprache Christi und seines Werks am Kreuz angeboten wurde.

Wenn ein Ungläubiger erkennen würde, dass durch das Brechen des Brotes der „Tod des Herrn verkündigt wird“, so könnte sein Gewissen in der gleichen Weise ergriffen werden, wie es bei den 3.000 geschah, die hier Buße taten. Denn durch das Brechen des Brotes und das Trinken des Kelches verkündigen wir vor der Welt, dass der, der von Gott und von den Gläubigen als der einzig wirkliche „Herr“ anerkannt wird, von Seiten der Menschen und der Welt nur den Tod gefunden hat. Das Brechen des Brotes bringt der Welt ihre gesetzlose Tat gegenüber Christus in Erinnerung. Welches wird das Teil derer sein, die, wenn Er kommt, zu seinen Feinden gehören?

Verse 37-38

Beim Hören der Predigt des Petrus füllte sich das Herz einer großen Zahl unter den Zuhörern mit einem Gefühl der Reue. Sie sahen die Schwere ihrer Schuld ein, die sie sich durch die Verwerfung dessen, den Gott nun zum Herrn und Christus gemacht hat, aufgeladen hatten. Ihre Gewissen wurden im Hinblick auf diese Tatsache, die ihnen zur Last gelegt wurde und die nicht wieder gutzumachen war, aufgeweckt. Was sie getan hatten, musste das Gericht Gottes auf sie herabziehen, und nun sagten sie zu Petrus und den andern Aposteln: „Was sollen wir tun, Brüder?“ Das Gegenteil von dem, was sie vorher getan hatten! Den Herrn aufnehmen, seine Autorität anerkennen, in seinem Tod das sehen, was sie selber verdient haben. „Tut Buße“, rief ihnen Petrus zu, „und ein jeder von euch werde getauft auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden, und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.“

Die Buße ist eine Änderung der Gesinnung, in der man sich selbst und seine Taten unter das Urteil Gottes stellt, in der tiefen Betrübnis, Ihn beleidigt zu haben. Durch die Taufe machten sie sich eins mit dem Tod Christi als dem alleinigen Mittel, dem verdienten Gericht zu entfliehen. Dadurch trennten sie sich auch von dem verkehrten Geschlecht, das den Herrn verworfen hat und auf das die Gerichte herabfallen mussten. Durch diesen Tod konnten ihnen die Sünden vergeben und der Heilige Geist gegeben werden. Die christliche Taufe verbindet den Gläubigen mit einem gestorbenen Christus. Die Taufe des Johannes hingegen stellte die Beziehungen mit einem auf der Erde lebenden Christus her. Die Taufe ist ein Bild vom Tod Christi, der den Menschen von der Welt befreit. Sie wird vorgebildet in dem Durchgang durch das Rote Meer, der Israel von Ägypten und der Macht seines Königs befreite und das Volk zu Gott in die Wüste führte, wo Er unter ihm wohnen konnte.

In der Predigt des Petrus und den Ergebnissen, die sie hervorgebracht hat, sieht man den Unterschied, der zwischen dem ersten Wirken des Heiligen Geistes in einem Menschen und seiner Innewohnung in einem Gläubigen besteht, der das Leben hat. Durch die Wirksamkeit des Heiligen Geistes mittels des Wortes wurden die Zuhörer mit Reue erfüllt und zum Heil geführt. Dann empfingen sie den Heiligen Geist, das Siegel Gottes auf dem Gläubigen. Durch den Heiligen Geist empfängt der Gläubige das Bewusstsein seiner Beziehung zu Gott als seinem Vater (Gal 4,6). Der Heilige Geist ist die Kraft der neuen Natur, Er gibt Verständnis über die Gedanken Gottes, Er bringt den Frieden, die Gemeinschaft der Heiligen untereinander und alles, was der christliche Glaube kennzeichnet, indem Er das mitteilt, was von Christus ist.

Vers 39

„Denn euch gilt die Verheißung und euren Kindern und allen, die in der Ferne sind, so viele irgend der Herr, unser Gott, herzurufen wird.“

Unter dieser „Verheißung“ ist die Gabe des Heiligen Geistes zu verstehen. Er wird „der Geist der Verheißung“ genannt (Eph 1,13). Er gehörte zu den „kostbaren und größten Verheißungen“, wovon in 2. Petrus 1,4 die Rede ist. Diese Verheißung war den Israeliten und ihren Kindern gegeben. Sie wird sich eines Tages für sie erfüllen, wenn sie auf Ihn blicken werden, den sie durchstochen haben. Aber man sieht eine offene Tür für die Nationen in der Anspielung von Jesaja 57,19: „Der Herr spricht: Friede, Friede den Fernen und den Nahen, und ich will es heilen.“

Das Werk, das sich in denen vollzog, die hier das Wort aufgenommen haben, ist ein Muster dessen, was sich im Überrest des Endes vollziehen wird, wenn er seine Sünde der Verwerfung des Herrn erkannt haben und von tiefer Reue erfüllt sein wird. Jene Gläubigen werden zuerst wehklagen, wie wir es in Sacharia 13 sehen, bevor sie sich der Vergebung ihrer Sünden bei der Erscheinung des Herrn erfreuen können. In der Apostelgeschichte tritt dieser Überrest in die Versammlung ein. Am Ende der Zeiten wird er im Hinblick auf die Tausendjährigen Segnungen das wiederhergestellte Volk bilden.

Aus diesem Vers 39 sehen wir auch, dass die Berufung von Gott ist. Die Er herzuruft, kommen zu Ihm. Man muss allen das Evangelium verkündigen, damit alle, die der Herr herzuruft, es hören. Er ruft zu sich her, welche Gnade! Ohne diesen Ruf würde niemand kommen. Und durch den Tod Christi wird der Mensch zu Gott geführt (1. Pet 3,18).

Verse 40-41

Petrus beschwor und ermahnte seine Zuhörer mit vielen anderen Worten, sich retten zu lassen von diesem verkehrten Geschlecht, über das bald die Gerichte hereinbrechen sollten. Im Vers 47 heißt es, dass „der Herr täglich (zu der Versammlung) hinzufügte, die gerettet werden sollten“; gerettet von den Gerichten, die das widerspenstige Volk treffen würden. So werden auch heute die Menschen, die das Evangelium annehmen, von dem Zorn, der über die abgefallene Christenheit kommen wird, gerettet werden.

Die das Wort aufnahmen, wurden getauft und ungefähr 3.000 Seelen zu den Aposteln und den übrigen Gläubigen, die seit dem Kommen des Heiligen Geistes die Versammlung bildeten, hinzugetan. Das war das Resultat dieser ersten Verkündigung. Sie ist ein Muster für die Art und Weise, wie das Evangelium verkündigt werden soll, damit das Werk Gottes in einem Menschen geschehen kann. Das Evangelium hat den Sohn Gottes zum Gegenstand. Es ist das „Evangelium Gottes über seinen Sohn“ (Röm 1,3). Dem Sünder muss die Schuldhaftigkeit des Menschen, die Buße und Christus als Heiland vorgestellt werden. Das Gewissen kann nur durch die Wahrheit erreicht werden. Mit dem bloßen Einwirken auf die Gefühle wird das Gewissen nicht tiefgreifend berührt.

Vers 42

Nachdem sie nun in diesen neuen Zustand der Dinge, in das Christentum eingeführt worden waren, „verharrten“ diese Gläubigen „in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und in den Gebeten“

Die „Lehre der Apostel“ ist die Gesamtheit der Wahrheiten, die sie verkündigten. Auf diese Lehre, auf diese Grundlage ist die Versammlung gegründet. Das war es, worin sie verharrten und in dem auch wir heute zu verharren haben, inmitten des Verfalls der bekennenden Christenheit. Diese Lehre des Anfangs ist auch die Lehre des Endes. Es wird immer in der Einzahl von ihr gesprochen. Sie umfasst jede Unterweisung im Christentum. Sie ist „die Lehre des Christus“ (2. Joh 9). Wenn aber von Lehren geschrieben wird, die dieser Lehre fremd sind, so werden sie immer in der Mehrzahl erwähnt: „mancherlei und fremde Lehren“ (Heb 13,9). In den Briefen an Timotheus und Titus, die im Hinblick auf das Ende geschrieben worden sind, ist viel von der „Lehre der Apostel“ die Rede. Durch das Verharren in der Lehre werden wir in der Wahrheit bewahrt. Der Apostel Johannes sagt: „Wer Gott erkennt, hört uns; wer nicht aus Gott ist, hört uns nicht. Hieraus erkennen wir den Geist der Wahrheit und den Geist des Irrtums“ (1. Joh 4,6).

Durch das Hören auf die Apostel und das Verharren in ihrer Lehre wird es möglich, die Gemeinschaft zu genießen. Wir haben ein gemeinsames Teil mit allen Gläubigen in den Dingen, die die Apostel offenbart haben. „Was wir gesehen und gehört haben, verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt“ (1. Joh 1,3).

In dem Genuss so herrlicher Dinge, empfindet das Herz das Bedürfnis, sich beim Brechen des Brotes des Todes des Herrn zu erinnern, durch den Er uns so reiche Segnungen erworben hat. Wir sehen, dass die ersten Christen es immer in ihren Häusern getan haben. Die Person des Herrn und sein Tod hatten für sie in der Frische dieses neuen Lebens den ganzen Wert, den auch wir ihnen beimessen sollten.

Und im Bewusstsein ihrer Schwachheit, aber auch der ganzen Gnade und aller Hilfsquellen, die ihnen von oben her zuflossen, verharrten sie auch in den Gebeten.

Es ist ermunternd, feststellen zu können, dass alle Hilfsquellen und alles, was jenen Gläubigen im wunderbaren Anfang des Christentums die Freude und das Glück ausmachte, noch heute vollständig zu unserer Verfügung steht. Was von Gott ist, ändert sich nicht.

Vers 43

In Gegenwart der wunderbaren Offenbarung dieser neuen Dinge, in denen sich die Macht des Heiligen Geistes ungehindert entfalten konnte, und wo alles, was das natürliche Herz kennzeichnet, ausgeschlossen war, „kam über jede Seele Furcht“. Die Gegenwart Gottes war da durch seinen Geist und in den Gläubigen. In Hebräer 2,4 wird dieses Wirken Gottes beschrieben: „Wobei Gott außerdem mitzeugte, sowohl durch Zeichen als durch Wunder und mancherlei Wunderwerke und Austeilungen des Heiligen Geistes nach seinem Willen“. „Es geschahen viele Wunder und Zeichen durch die Apostel“ wird hier gesagt. Sie dienten nicht zur Erbauung der Gläubigen, sondern zur Bestätigung des Wortes, als eine Offenbarung der Macht gegenüber denen, die draußen waren. Sie dienten zur Förderung dieser neuen Sache, die Gott in einer Welt aufrichtete, die seinen Sohn verworfen hatte. Die Christenheit ist heute im Verfall, und der Heilige Geist, der durch die Missachtung der Lehre der Apostel betrübt ist, kann gewisse Auswirkungen der Kraft nicht mehr kundmachen.

Verse 44-45

In der göttlichen Natur macht sich unter dem Einfluss des Heiligen Geistes ein Bedürfnis nach Einheit geltend. Alle Gläubigen waren an einem Ort versammelt. Und da sie sich in einem so großen Maß über ihre himmlischen Güter freuten, verwirklichten sie auch die Gemeinschaft in ihren irdischen Gütern. Diese wurden für die gegenseitigen Bedürfnisse in den Dienst der Liebe gestellt. Ist die Liebe tätig, so kann dies auch heute noch in demselben Geist, wenn vielleicht auch in einer anderen Form, geschehen.

Verse 46-47

Die Apostel übten ihre Tätigkeit in zwei verschiedenen Bereichen aus: in der alten und in der neuen Ordnung der Dinge. Sie verharrten täglich einmütig im Tempel. Sie legten Zeugnis ab in der alten Haushaltung, die noch solange bestand, wie Gott gegenüber seinem Volk in Geduld Gnade übte. Sie nahmen teil am Dienst des Herrn in seinem Tempel. Bevor Paulus die Lehre von der Stellung der Versammlung verkündigte, wurde sie noch nicht scharf vom Judentum unterschieden. Die Jünger versammelten sich auch in den Häusern, um mit Freude in der brüderlichen Gemeinschaft das Brot zu brechen. „Sie nahmen Speise mit Frohlocken und Schlichtheit des Herzens“, als aus der Hand Gottes, als Beweis seiner Fürsorge. Das Lob Gottes floss in ihren Herzen über. Sie hatten Gunst bei dem ganzen Volk, das Zeuge war von den reinen Offenbarungen des Lebens Gottes in seiner ganzen Frische. Der Herr fügte täglich die zu der Versammlung hinzu, die von den kommenden Gerichten gerettet werden sollten. Zu diesem Dienst benutzte Er die Apostel; aber es war sein Werk. Die Diener können sich aus den Ergebnissen ihrer Arbeit keinerlei Verdienst zuschreiben. Alles ist das Werk des Herrn. Das sehen wir überall in diesem Buch. Aus der Herrlichkeit setzt der Herr das Werk fort, das Er auf der Erde begonnen hatte (Kap. 1,1). Er ist es, der die Versammlung baut (Mt 16,18). Auch heute tut Er noch dieses Werk. Wenn ein Mensch sich bekehrt, fügt der Herr ihn der Versammlung hinzu. Er ist ein Glied am Leib Christi und kann seinen Platz am Tisch des Herrn einnehmen. Aber in Anbetracht des Verfalls in der Christenheit verlangt es die Ordnung, dass er den Wunsch, seinen Platz einzunehmen, bekannt gibt. Wenn der Herr selbst die Glaubenden zu der Versammlung hinzufügt, so ist es wichtig, einen Neubekehrten darüber zu belehren, dass er nun ein Glied am Leib Christi ist, ein lebendiger Stein im Haus Gottes, und nicht nur ein Wesen, das vom Gericht befreit ist und sich nun versammeln kann, wo und wie es ihm gefällt.

Fußnoten

  • 1 Der Name entstammt der Überlieferung, dass diese Übersetzung durch 70 Juden (oder auch 72, sechs aus jedem der zwölf Stämme) angefertigt wurde, obwohl dies als unwahrscheinlich angesehen wird. Auf sie wird häufig in Form der Zahl LXX (70) Bezug genommen. Man nimmt an, dass sie in Alexandria angefertigt und um das Jahr 280 v. Chr. begonnen wurde. Die Übersetzung geschah durch alexandrinische Juden und andere Personen. Einige Teile sind besser übersetzt als andere: Die Übersetzung des Pentateuch wird allgemein als die beste angesehen und die historischen Bücher als besser als die poetischen, außer den Psalmen und Sprüchen. Man geht davon aus, dass die Hebräischen Handschriften, die für die Übersetzung benutzt wurden, weder Vokal-Punkte noch Trennungen zwischen den Wörtern hatten. Dies mag der Grund für einige Unterschiede zwischen dem Hebräischen und dem Griechischen sein, aber es gibt auch Abweichungen, deren Ursprung nicht geklärt werden kann. Die vielen Zitate aus der Septuaginta, die der Herr Jesus und andere Schreiber im Neuen Testament anwenden, zeigen, dass sie damals allgemein verwendet wurde, und ihre Sprache beeinflusste jene, welche im Neuen Testament verwendet wurde, in großem Maße. … Die Septuaginta kann niemals den Platz der hebräischen Schriften einnehmen, aber es ist häufig nützlich, zu sehen, wie die Juden, die sowohl griechisch als auch hebräisch verstanden, in dieser frühen Zeit viele der Wörter oder Sätze übersetzten. Ebenso kann man feststellen, inwiefern der Herr Jesus und seine Apostel diese Übersetzung wörtlich zitierten, bzw. wie ihre Zitate von dieser abweichen. (aus www.bibelkommentare.de – Bibel-Lexikon)
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