Die ersten Jahrzehnte des Christentums
Kommentar zur Apostelgeschichte

Kapitel 5

Die ersten Jahrzehnte des Christentums

Verse 1-11

Im Fall von Ananias und Sapphira haben wir einen Beweis für die Tatsache, dass selbst die uneingeschränkt wirksame Kraft des Heiligen Geistes das Fleisch nicht ändert. Wenn es nicht im Tod gehalten wird, so zeigt es sich immer wieder in seiner Abscheulichkeit: „Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch“ (Joh 3,6).

Gott war durch den Heiligen Geist in der Versammlung anwesend. Seine ganze Macht offenbarte sich, um die Widersacher, die draußen waren, zu überzeugen. Alle Anstrengungen des Feindes, der als brüllender Löwe aufgetreten war, waren nutzlos gewesen.

Nun änderte der Feind seine Taktik und kam als listige Schlange, um das Böse in die Versammlung hereinzutragen. Aber auch da begegnete er dieser Kraft. Sie hielt die Heiligkeit Gottes aufrecht, der durch den Geist anwesend war.

Es ist auffallend, dass das Böse bei seinem ersten Auftreten in der Versammlung in Form von Heuchelei erschien. Man will sich den Anschein geben, auf der Höhe derer zu sein, die sich dem Herrn hingeben. Das Fleisch will die Natur Gottes nachahmen. Doch es wirkt nie so abstoßend, wie wenn es sich einen religiösen Mantel umhängt.

Petrus erklärte, dass Satan das Herz Ananias erfüllt habe. Satan erfüllte ihn mit der Liebe zum Geld, und diese führte ihn zur Heuchelei. Ananias hatte kein einfältiges Auge und war daher voll Finsternis. Wenn wir ungerichtetes Böses in uns dulden, verlieren wir die geistliche Klarheit, die wir brauchen, um Gott entsprechend zu handeln. Ananias verlor das Bewusstsein der Gegenwart Gottes in der Person des Heiligen Geistes. Er sah in der Versammlung nur Menschen, die er belügen konnte. Tatsächlich belog er aber den Heiligen Geist. „Was ist es, dass du dir diese Tat in deinem Herzen vorgenommen hast?“ fragt Petrus. „Nicht Menschen hast du belogen, sondern Gott“ (V. 4).

Aus den weiteren Ausführungen des Petrus sehen wir, dass der Gläubige nicht nur Geboten gehorcht. Ananias war frei, sein Besitztum zu behalten. Und wenn er es verkaufte, durfte er über den Erlös frei verfügen. Die Liebe im Licht Gottes leitet den Gläubigen. Er ist unter einem Gesetz, aber unter dem Gesetz der Freiheit und der Liebe.

Wie Nadab und Abihu fiel Ananias bei der Darbringung seines Opfers tot um. Als Sapphira erschien, stellte Petrus auch sie zur Rede, worauf auch sie die vereinbarte Lüge aussprach. Sie fiel daher unter dasselbe Gericht.

Dieser erste Zuchtfall zeigt, mit welchem Ernst Gott dem Bösen in der Versammlung begegnet. Je freier die Macht Gottes wirken kann, desto strenger wird das Böse gerichtet. Wenn seine Zucht heute nicht ebenso offensichtlich zutage tritt, so liegt es an dem schwachen Zustand, der die Versammlung kennzeichnet. Man darf daraus nicht schließen, Gott habe sich dem vorhandenen Bösen angepasst. Gott hat sich in seiner Heiligkeit nicht geändert, und auch die Verantwortung derer, die in Beziehung zu Ihm gebracht sind, hat nicht abgenommen: „Seid heilig, denn ich bin heilig!“ (1. Pet 1,16). Wir haben es mit seinen Regierungswegen und mit seiner Züchtigung zu tun, sowohl als Einzelne als auch als Versammlung (vgl. Heb 12 und 1. Kor 11,20-34). Man mag wie die Korinther aus Mangel an geistlicher Gesinnung nicht wissen, weshalb dieser oder jener krank wird oder entschläft, und nicht merken, dass es sich dabei um eine Züchtigung in der Versammlung handelt. Die Gegenwart des Herrn ist da, und „die Sünder in der Gemeinde der Gerechten“ werden auch heute „nicht bestehen“ (Ps 1,5). Aber Gott übt oft große Langmut, bevor Er dazwischentritt. Man darf über die Prüfungen, die Er uns schickt, nicht gleichgültig hinweggehen. Wir sollen auf alles achten, was sich in unserer Mitte ereignet. Mit der Versammlung ist es wie mit dem Einzelnen: Je besser ihr Wandel ist, desto schneller wird der Herr Zucht üben. In seiner Gnade lässt Er nichts durchgehen, das dem guten Zustand der Versammlung oder des treuen Gläubigen schaden könnte.

Wir sehen in dem Fall von Ananias und Sapphira das Beispiel einer Sünde, die zum Tod führt (1. Joh 5,16). Es handelt sich dabei um irgendeine Sünde, begangen unter besonders schwerwiegenden Umständen, die deren Ernst noch bedeutend erhöhen. Als erstes Ergebnis dieser Züchtigung „kam große Furcht über die ganze Versammlung und über alle, die es hörten“. Die Züchtigung hatte eine vorbeugende Wirkung. Die Furcht Gottes bewahrt uns vor dem Bösen.

Gott hat, so scheint es uns, an den Anfang jedes seiner Wege eine Warntafel hingestellt, um uns darauf aufmerksam zu machen, wie ernst die Folgen des Ungehorsams sind: Nach der Schöpfung der Sündenfall, durch den der Tod in die Welt kam. Nach der Sintflut in einer gereinigten Welt der Fehltritt Noahs und seines Sohnes Ham, und als Folge der Fluch. Am Anfang des Priestertums die Sünde Nadabs und Abihus. Am Anfang des Königtums der Ungehorsam Sauls. Und schließlich, wie wir gesehen haben, zeigte Gott am Anfang des Bestehens seiner Versammlung, dass Er geheiligt werden will in denen, die sich Ihm nahen.

Verse 12-16

Diese Züchtigung hatte zur Folge, dass der Heilige Geist durch die Apostel seine Kraft auf eine außerordentliche Weise entfalten konnte. Viele Zeichen und Wunder geschahen unter dem Volk. Man legte die Kranken in den Betten auf die Straßen, damit der Schatten von Petrus auf sie fiele. Aus den umliegenden Städten brachten sie die Kranken und Besessenen, und alle wurden geheilt. Was der Herr gesagt hatte, erfüllte sich nun: „Wer an mich glaubt, der wird auch die Werke tun, die ich tue, und wird größere als diese tun, weil ich zum Vater gehe“ (Joh 14,12).

Die Apostel waren alle einmütig in der Säulenhalle Salomos. Auch Jesus war dort umhergegangen (Joh 10,23), und dorthin war auch nach dem ersten großen Wunder das Volk zusammengeströmt (Kap. 3,11). Dieser Platz, wo der Herr gewirkt hatte, war offenbar dazu ausersehen, dass sich dort die Kraft des Heiligen Geistes zum Zeugnis für alle entfaltete.

Von den Übrigen wagte keiner, sich ihnen anzuschließen, in dem nicht wirklich ein Werk Gottes geschehen war. Die Furcht hielt sie zurück. Doch das Volk rühmte die Apostel, und umso mehr Glaubende wurden dem Herrn, dem Haupt der Versammlung, hinzugetan, „Scharen von Männern und auch Frauen“. Die Wahrheit von dem Leib des Christus, der mit dem Haupt vereinigt ist, war damals noch nicht offenbart, aber sie bestand und wurde verwirklicht: Man wurde dem Herrn hinzugetan. Im 11. Kapitel lesen wir, dass die, die geglaubt hatten, sich zum Herrn bekehrten. Barnabas ermahnte sie, bei dem Herrn zu verharren, und auch dort wurde eine zahlreiche Menge dem Herrn hinzugetan. Das war die praktische Seite der Lehre der Versammlung, die damals schon bestand. Der Herr selbst nahm Bezug auf diese Tatsache, als Er Saulus zurief: „Warum verfolgst du mich?“

Verse 17-20

Eine solche Kundgebung der Kraft des Geistes erfüllte den Hohenpriester und die Sekte der Sadduzäer mit Eifersucht. Sehen zu müssen, wie die Apostel bei dem Volk Gunst fanden und wie Gott mit ihnen war, kränkte diese Menschen in ihrem Standesdünkel. Sie gebrauchten ihre Macht und warfen die Apostel in das öffentliche Gefängnis. Aber ihre Macht und ihr Hass prallten gegen die Macht des  Herrn. Sie gaben Ihm dadurch nur eine neue Gelegenheit, sich zu offenbaren, doch diesmal nicht durch die Apostel. Ein Engel kam während der Nacht, öffnete die Türen des Gefängnisses und sagte: „Geht und stellt euch hin und redet in dem Tempel zu dem Volk alle Worte dieses Lebens.“ Die Botschaft, die die Apostel verkündigten, waren „Worte dieses Lebens“. Das Leben war da als Resultat des Todes und der Auferstehung des Herrn. Furchtlos gehorchten die Apostel. Sie gingen frühmorgens in den Tempel und lehrten.

Verse 21-24

Unterdessen versammelten sich das Synedrium und die ganze Ältestenschaft der Söhne Israels. Sie sandten in das Gefängnis, um die vermeintlich Gefangenen herbeizuführen. Die Diener fanden das Gefängnis mit aller Sorgfalt verschlossen und die Wachen an den Türen stehen, aber es war niemand mehr darin. Als der Hauptmann des Tempels und der Hohepriester dies hörten, gerieten sie in Verlegenheit, was dies doch werden möchte. Ja, was konnte daraus entstehen, wenn diese Männer nun wirklich die Freiheit wiedererlangt hatten? Welch ungleicher Kampf zwischen der Bosheit dieser Männer und Gott!

Verse 25-32

Da kam einer mit der Nachricht: Die Männer sind im  Tempel und lehren das Volk! Sofort gingen der Hauptmann des Tempels und die Diener hin, um die Apostel mit aller Vorsicht herbeizuführen, denn sie fürchteten, vom Volk gesteinigt zu werden, wenn sie Gewalt anwendeten. Beim Menschen ohne Gott dreht sich alles um das eigene Ich. Als die religiösen Führer ihr Prestige beim Volk schwinden sahen, setzten sie die Jünger in Gewahrsam. Als Gott seine Diener befreite, suchten die Führer ihr eigenes Leben zu schützen.

Für die Diener Gottes aber ist alles einfach. Gehorsam gegenüber Gott ist das Einzige, was für sie in Frage kommt. Die Folgen, die daraus entstehen, können sie getrost Ihm überlassen.

Vor dem Synedrium warf ihnen der Hohepriester nun vor, sie hätten trotz des strengen Gebots, im Namen Jesu nicht zu lehren, fortgefahren, Jerusalem mit ihrer Lehre zu erfüllen. Sein Vorwurf bezog sich nicht auf die Wunder, die die Apostel getan hatten, sondern auf die Verbreitung der Lehre, die auf den Tod und die Auferstehung Jesu gegründet war. Diese Lehre beunruhigte ihr Gewissen. Doch schienen sie vergessen zu haben, dass sie einmal ausgerufen hatten: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!“ Denn nun klagten sie die Apostel an und sagten: „Ihr wollt das Blut dieses Menschen auf uns bringen.“ Jesus war für sie immer nur ein Mensch. Für Gott und die Apostel aber war Er der erhöhte Führer und Heiland. Wenn diese Juden Jesus nur als Menschen behandelten, so waren sie für die Apostel auch nichts anderes als Menschen ohne jegliche Autorität. In Kapitel 4,19 hatten ihnen Petrus und Johannes geantwortet: „Ob es vor Gott recht ist, auf euch mehr zu hören als auf Gott, urteilt ihr.“ Nachdem jene nun aber einen Gott entgegengesetzten Willen offenbart hatten und sich anschickten, seine Stimme zum Schweigen zu bringen, antworteten sie ganz einfach mit der Autorität des göttlichen Grundsatzes: „Man muss Gott mehr gehorchen als Menschen.“ Dabei redeten sie aber immer noch als solche, die sich zu der Nation zählten, die aufgrund der Fürsprache Christi am Kreuz Gottes Langmut erfuhr. Sie sagten: „Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr ermordet habt, indem ihr ihn an ein Holz hängtet. Diesen hat Gott durch seine Rechte  zum Führer und Heiland erhöht, um Israel Buße und Vergebung der Sünden zu geben. Und wir sind Zeugen von diesen Dingen, und der Heilige Geist, den Gott denen gegeben hat, die ihm gehorchen.“ Diese Erklärung voller Energie bestätigte den Obersten ihre schreckliche Schuld, die auf ihrem Gewissen lastete. Ach, sie suchten es dadurch zu beschwichtigen, dass sie die Apostel zum Schweigen brachten. Aber Israel wurde immer noch zur Buße eingeladen. Immer noch wurde ihm Vergebung der Sünden angeboten.

In Vers 32 erwähnen die Apostel das doppelte Zeugnis über den verherrlichten Christus, von dem der Herr in Johannes 15, 26-27 bereits gesprochen hatte: das Zeugnis der Apostel und das Zeugnis des Heiligen Geistes.

Verse 33-40

Das 5. Kapitel zeigt uns ein dreifaches Einschreiten Gottes:

  1. In den Versen 1-11 ist von dem Heiligen Geist die Rede, der in der Versammlung das Böse offenbar macht, damit sie davon gereinigt wird.
  2. Die göttliche Vorsehung bedient sich eines Engels, um die Jünger in Freiheit zu setzen. Gott gebietet ihnen durch diesen, in den Tempel zu gehen und dort mit der Verkündigung des Wortes fortzufahren (Verse 17-32).
  3. Gott bedient sich der Weisheit eines Menschen, um die Apostel von dem Synedrium zu befreien (Verse 33-42).

Gott stehen alle Mittel zur Verfügung, um seine Gnadenabsichten zu Gunsten der Seinen zu verwirklichen und um seinem Zeugnis zum Sieg zu verhelfen.

Das Zeugnis der Apostel entfachte in den Herzen der Männer des Synedriums maßlose Wut. Sie ratschlagten, sie umzubringen. Aber Gamaliel erhob sich und befahl, die Leute eine kurze Zeit hinauszutun. Dann führte er Beispiele von zwei Männern an, deren Tätigkeit durch ihre Vernichtung zu Ende ging. Theudas, der etwas zu sein meinte und dem etwa vierhundert Männer anhingen, wurde getötet. Darauf sind alle, die ihm Gehör gaben, zerstreut und zunichte geworden. Er war das Bild eines Menschen ohne Gott, der sich erhebt und andere Menschen hinter sich her zieht, dann aber unter dem Gericht Gottes endet. Die heutige Generation erwartet den Übermenschen. Er wird ihr in der Person des Antichristen als Zuchtrute Gottes gegeben werden. Bei der Ankunft des Herrn wird aber sowohl der Antichrist, als auch die, die ihm Gehör geben, vernichtet werden.

Judas der Galiläer hatte auch nicht mehr Erfolg. Das Ende des einen wie des andern zeugt von ihrer eigenen Nichtigkeit und der Wertlosigkeit ihres Werkes; es war nur das Werk eines Menschen. Gamaliel schloss aus diesen Erfahrungen: Wenn das Werk der Apostel aus Gott ist, wird es bestehen bleiben. Die, die sich ihm widersetzten, wären dann solche, die gegen Gott kämpften und schließlich vernichtet würden. Die von diesem Gesetzeslehrer angeführten zwei Beispiele waren für alle beweiskräftig. Wir begreifen, dass er in menschlicher Weisheit einen solchen Schluss daraus zog. Aber Gott benutzte dies, um das Herz Gamaliels und der übrigen Männer des Synedriums zu lenken. Er neigt das Herz der Könige, wohin immer Er will (Spr 21,1). Das Synedrium stimmte dem Rat Gamaliels zu, jedoch nicht ohne noch einmal ihren Hass gegen den Namen Jesu zum Ausdruck zu bringen. Sie schlugen die Apostel und geboten ihnen, in dem Namen Jesu nicht zu reden.

Verse 41-42

„Sie nun gingen vom Synedrium weg, voll Freude, dass sie gewürdigt worden waren, für den Namen Schmach zu leiden; und jeden Tag in dem Tempel und in den Häusern, hörten sie nicht auf, zu lehren und Jesus als den Christus zu verkündigen.“ Die Apostel machten sich nichts aus dem Verbot seitens derer, die für sie nur Menschen waren (V. 29), auch nichts aus den Schlägen, die sie erhielten. Sie hatten es ja mit Gott zu tun. Welche Energie und Kühnheit erfüllte sie! Das waren Wirkungen des Heiligen Geistes. Sie waren „mehr als Überwinder durch den, der uns geliebt hat“. Herrschaft und Macht waren nun in den Händen Jesu, den Gott zum Herrn und Christus gemacht hat und offenbaren sich in denen, die Ihm gehorchen, zu seiner Verherrlichung. Die Apostel freuten sich, dass sie gewürdigt worden waren, für den Namen Schmach zu leiden. Dieser Name ist einzigartig. Der gleiche Ausdruck findet sich in 3. Johannes 7: „Für den Namen sind sie ausgegangen.

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