Betrachtung über Offenbarung (Synopsis)

Kapitel 2

Betrachtung über Offenbarung (Synopsis)

Die erste große Tatsache, der wir hier begegnen, ist, dass die Versammlung, wie sie in dieser Welt ist, dem Gericht unterliegt, und dass ihrem ganzen Dasein und ihrer Stellung, die sie als Lichtträger in der Welt vor Gott hat, ein Ende gemacht werden soll; die zweite ist die, dass Gott das tun wird, falls sie von ihrer ersten geistlichen Energie ablässt. Das ist ein Grundsatz von höchster Wichtigkeit. Gott hat die Versammlung dazu bestimmt, während der Zeit, da Jesus droben weilt, eine treue Zeugin von dem zu sein, was Er in Jesu geoffenbart hat, von dem, was Er ist. Wenn sie das nicht ist, so ist sie eine falsche Zeugin und wird beiseite getan werden. Gott kann Geduld haben, und zu unserem Segen hat Er es auch. Er kann die Versammlung auffordern, zu ihrer ersten Liebe zurückzukehren, und Er tut das; wenn sie aber dieser Aufforderung nicht Folge leistet, so wird der Leuchter weggetan, die Versammlung hört auf, der Lichtträger Gottes in der Welt zu sein. Der erste Zustand muss bewahrt werden oder die Herrlichkeit und die Wahrheit Gottes werden verfälscht, und das Geschöpf muss beiseite getan werden. Von keinem Geschöpf aber wird der erste Zustand bewahrt, wenn ihm nicht Unterstützung zuteil wird, von keinem Geschöpf als solchem. Alles strauchelt und unterliegt dem Gericht, außer dem, was in dem Sohne Gottes, dem zweiten Menschen, ist, oder was von Ihm aufrecht gehalten wird. Ephesus war gut vorangegangen, indem es sich dem Bösen gegenüber fest bewiesen hatte; aber jenes Sich-selbst-Vergessen und Nur-auf-Christum-schauen, welches die Erstlingsfrüchte der Gnade sind, waren verschwunden. Wie schon früher bemerkt, waren Werke vorhanden, die von Mühe und Ausharren zeugten; aber Glaube, Hoffnung und Liebe waren nicht mehr wie früher in ihrer wahren Kraft vorhanden. Man hatte die Anmaßung falscher Lehrer zurückgewiesen, hatte gearbeitet und war nicht müde geworden. Alles, was nur irgend gesagt werden kann, wird gesagt, um zu zeigen, dass Christus diese Gläubigen liebt, und dass Er ihrer oder des Guten, das sich bei ihnen gezeigt hat, nicht vergisst. Und doch hatten sie ihre erste Liebe verlassen, und das musste, wenn nicht Buße getan wurde und die ersten Werke wieder geschahen, das Hinwegtun des Leuchters zur Folge haben.

Noch ein anderer wichtiger Grundsatz findet sich hier nämlich dieser: Wenn die Versammlung untreu geworden ist, wenn sie, als Ganzes, aufgehört hat, der Ausdruck der Liebe zu sein, in welcher Gott der Welt begegnet ist, so verweist Er die einzelnen auf Sein Wort als das einzige, woran sie sich zu halten haben: „Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Versammlungen sagt.“ Die Versammlung wird gerichtet, sie kann daher dem Glauben keine Sicherheit bieten; darum wird der einzelne aufgefordert zu hören, was der Geist sagt. Die Warnung, dass der Leuchter weggenommen werden würde, ist hier deshalb besonders beachtenswert, weil in der Versammlung zu Ephesus sehr viel zu finden war, was dem Herrn in hohem Grade gefiel; und Er gibt ihr zu ihrer Ermunterung dies auch zu verstehen. Trotz alledem aber sollte, wenn die erste Liebe verlassen wäre, der Leuchter weggetan werden.

Der Charakter, in welchem Christus Sich offenbart, sowie die Verheißungen, die den Überwindern gegeben werden, sind in diesem Sendschreiben allgemeiner Natur, weil Ephesus charakteristisch ist für den ganzen Grundsatz, auf welchem die Versammlung steht. Christus hält die Sterne in Seiner Rechten und wandelt inmitten der goldenen Leuchter. Es ist das nicht ein besonderer Charakter, der auf einen besonderen Zustand der Versammlung Anwendung findet, sondern drückt die ganze Tragweite der Stellung aus, die Er inmitten der Versammlungen einnimmt. Der Versammlung, die unter dem Urteil steht, dass Sie ihre erste Liebe verlassen hat, wird niemals irgendwelche Verheißung gegeben. Wenn sie selbst getadelt und gerichtet wird, kann sie für einen Gläubigen nicht maßgebend und leitend sein. Die Verheißung gehört daher dem einzelnen Überwinder, was wiederum ein sehr wichtiger Grundsatz ist. Die hier dem Überwinder gegebene Verheißung hat allgemeine Gültigkeit; sie steht im Gegensatz zu dem Verlust, der Adam betroffen hat, doch wird verheißen, dass das verlorene Gut in noch höherer und besserer Weise genossen werden soll, als Adam es je hätte genießen können. Der Überwinder wird von dem Baume des Lebens essen; aber es ist nicht der Baum des Lebens in dem Paradiese des Menschen in dieser Welt, sondern das Paradies Gottes Selbst. Auch müssen wir beachten, dass es hier nicht wie bei dem ersten Adam darauf ankommt, dass der einzelne seinen ersten Zustand bewahrt, sondern, dass er überwindet. Und das, was wir zu überwinden haben, ist nicht nur die Welt und ihre Feindseligkeiten, wiewohl auch diese da sein mögen, sondern es liegt inmitten der Versammlung selbst. Gerade die Aufforderung, auf das zu hören, was der Geist den Versammlungen sagt, gibt Veranlassung, von einem Überwinden zu reden. Das ist eine überaus wichtige Wahrheit im Blick auf den Anspruch der Kirche, ihrerseits gehört zu werden. Das, was der Geist sagt, ist an die Versammlung gerichtet, nicht aber durch deren Vermittlung an die einzelnen; ihr wird vielmehr ihr Verfehlen vorgehalten, und der einzelne Heilige wird aufgefordert zu überwinden.

An Smyrna wird nur ein kurzes Wort gerichtet. Wie groß auch der Hass und die Macht Satans sein mögen, wenn ihm gestattet wird, bis zum Äußersten zu gehen, er hat doch nur die Macht des Todes. Christus ist der Erste und der Letzte, jenseits wie diesseits des Todes. Er ist Gott Selbst; aber noch mehr. Er ist der Macht des Todes begegnet, hat sie an Sich erfahren und überwunden. Die Heiligen sollten sich nicht fürchten. Satan würde sein Werk treiben; es würde ihm gestattet werden, sie zu sichten und ins Gefängnis zu werfen. Wenn nur die Heiligen bis zu dem äußersten Endpunkt seiner Macht treu waren; alles was darüber hinaus lag, war für ihn nicht erreichbar, gehörte Christo an, und von Ihm sollte der Treue die Krone des Lebens empfangen. Drangsal, Armut, Verachtung seitens solcher, die aufgrund ererbter Rechte Anspruch darauf erhoben, das Volk Gottes zu, sein - sie sind ja stets die Verfolgenden, mögen sie nun Juden oder Christen sein -, alle diese Dinge waren das Teil dieser Versammlung und Gott ließ es zu. In Wirklichkeit zeigte sich darin nur Seine Gnade gegenüber der dem Verfall zugehenden Versammlung. Ihre Hoffnung wurde dadurch auf das gerichtet, was jenseits von allem lag, auf den Augenblick, da Christus die Krone des Lebens geben wird. Der Versammlung, die ihre erste Liebe verlassen hatte und nun unbemerkt in die Welt hineingeriet oder doch im Begriff stand, es zu tun, wurde auf diese Weise zum Bewusstsein gebracht, dass die Welt sich in den Händen Satans befand, dass sie nicht der Ruheort der Heiligen war. Wenn der Herr aber die Drangsal zuließ, so setzte Er ihr auch Grenzen. Alles war in Seinen Händen. Nicht nur wurde denen, die durch Leiden gingen, die Krone verheißen, sondern das Teil eines jeden Überwinders war völlig gesichert; der gerichtliche Tod, der zweite Tod, würde ihn nicht beschädigen.

Weiterhin zeigt sich, dass wir noch eines ernsteren Gerichts bedürfen. Christus erscheint als Derjenige, aus dessen Munde das zweischneidige Schwert des Wortes Gottes hervorgeht. Es wird uns nicht entgehen, dass Christus Smyrna und Pergamus gegenüber in besonderen Charakteren erscheint, die zu den besonderen Zuständen dieser Versammlungen in Beziehung stehen. Ihnen wird nicht angekündigt, was mit der ganzen Versammlung als solcher geschehen würde. In dem Sendschreiben an Ephesus sehen wir Christum in Seiner Stellung als Richter inmitten der Leuchter, und der Versammlung wird mit dem Verlust des Platzes gedroht, den sie als Zeugin Gottes auf Erden hatte. Thyatira gegenüber nimmt der Herr den Platz ein, der Ihm als Sohn Gottes, als Sohn über Sein eigenes Haus, zukommt, und da die Dinge dort (was die Versammlung betrifft) zu ihrer schlimmsten Entwicklung gekommen waren, wird Er als Der geoffenbart, welcher ein alles durchdringendes, durch nichts abzuwendendes Gericht ausführen wird, und dem Überwinder wird der ganze Segen des neuen Zustandes verheißen. Bei Pergamus findet sich Treue, die auf demselben Pfade wie früher an den Tag gelegt wird, der Name und der Glaube Christi werden trotz Verfolgung festgehalten. Es unterscheidet sich von Philadelphia darin, dass von ihm nicht gesagt wird, es habe Sein Wort als das Wort Seines Ausharrens bewahrt (das hat die Versammlung in dem Zustande, wie er in Pergamus dargestellt wird, nicht getan); wohl aber hielt Pergamus das Bekenntnis von Christo inmitten von Verfolgungen fest. Indes zeigte sich eine andere Art des Bösen: die Verführung nämlich, sich mit den Wegen der Welt eins zu machen, worauf durch böse Lehre inmitten der Versammlung hingewirkt wurde. Die Lehre Balaams fand sich in Pergamus. Götzendienst drang ein. Auch waren Sekten vorhanden, die eine vergebliche Heiligkeit, verbunden mit bösem praktischem Handeln, lehrten. Diese wollte der Herr richten.

Die Wahrheit, dass der Leuchter aus seiner Stelle weggerückt werden würde, war hier nicht am Platze, weder im Sinne einer allgemeinen Wahrheit, solang die Versammlung noch zum Bewahren ihrer ersten Liebe aufgefordert werden konnte, noch im Sinne eines schweren Gerichts, weil sie schon völlig abgeirrt war. Doch Verführer waren da, und Christi Knechte wurden zum Götzendienst und zu schlechten Dingen verleitet. Persönliche Anerkennung von Seiten Christi; Gemeinschaft mit Ihm in zukünftiger Segnung (damals im Geist), als Dem, der einst erniedrigt und verworfen war (eine Stellung, welche die Versammlung eben jetzt aufgab); ein von Christo verliehener Name, und somit ein Band, das von Seiner Zärtlichkeit geknüpft und nur dem bekannt war, welchem es galt, mit einem Wort, persönliche Verbindung mit Ihm und persönliche Segnung, die dem Herzen eine verborgene Freud gewährte: das waren die Verheißungen, die dem Überwinder in den Tagen gemacht wurden, als das Verderben in der Versammlung seinen Fortgang nahm, aber noch nicht herrschen und ungehindert wirken konnte.

In Thyatira reicht die Versammlung bis ans Ende. Bei denen, die Christus inmitten dieses Zustandes der Dinge als die Seinigen anerkennt, fand sich vermehrte Hingebung. Doch wurde Jesabel geduldet, und infolgedessen gab es sowohl eine Verbindung mit der Welt, Götzendienst, als auch Kinder, die ihr in der Versammlung selbst geboren waren. Alle sollten gerichtet werden; über Jesabel würde eine große Drangsal kommen, und ihre Kinder würden getötet werden. Christus erforschte Herz und Nieren und brachte das Gericht mit unbeugsamer Gerechtigkeit zur Ausführung. Die Treuen in diesem Zeitabschnitt, die mit „ihr“ angeredet werden, und an welche Christus Sich besonders wendet, sind nur „übrige“, ein Überrest, der aber eine besondere und wachsende Hingebung beweist. Beachten wir hier, dass besonders das Verhalten der Versammlung Christo gegenüber ins Auge gefasst wird. Wie Jesabel den Treuen gegenüber gehandelt hat, wird nicht berichtet. Der Blick wird auf die Zeit des Kommens des Herrn gelenkt, und dem Überwinder wird die ganze Segnung des Tausendjährigen Reiches verheißen, sowohl die Regierung mit Christo als auch Christus, der Morgenstern, Selbst. Die Aufforderung: „Wer ein Ohr hat, höre“, findet von nun an nach den Verheißungen für die Überwinder ihren Platz; sie wird nicht mehr in Verbindung mit der Versammlung, sondern mit den Überwindern in ihr ausgesprochen. Der Zustand, um den es sich hier handelt, trägt folgenden Charakter: Thyatira mag bis ans Ende fortdauern, stellt aber nicht bis ans Ende das Zeugnis Gottes dar; andere Zustände müssen eingeführt werden, um diesem Zweck zu dienen. Es wird uns hier, wie ich nicht bezweifle, das Papsttum des Mittelalters, wie es etwa bis zur Zeit der Reformation bestand, vor Augen gestellt; doch geht das in Rom seinen Mittelpunkt findende System selbst bis ans Ende fort. Das Gericht über Jesabel ist endgültig. Der Herr hatte ihr Zeit gegeben, Buße zu tun, aber sie hatte nicht Buße getan. So sollte sie denn in einer gezwungenen Verbindung mit denen gefunden werden, die sie einst zu ihrer aller Verderben verführt hatte. Ein alles durchdringendes Gericht, wie es der Natur Gottes und Seinen Forderungen entspricht, kennzeichnet hier das Ganze; aber der besonderen Drangsal und dem besonderen Gericht entspricht nicht ein besonderer Segen; derselbe stellt vielmehr das Teil dar, welches allen Heiligen ohne Ausnahme gehört, das, was sie mit Christo besitzen werden; denn das Verderben sowohl als auch das Gericht sind nunmehr vollständig - es handelt sich um Ehebruch, nicht nur um Mangel an der ersten Liebe.

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