Betrachtung über Offenbarung (Synopsis)

Kapitel 5

Betrachtung über Offenbarung (Synopsis)

In diesem Kapitel begegnen wir dem Lamme. In der rechten Hand Dessen, der auf dem Throne sitzt, befindet sich ein Buch, mit anderen Worten: Ratschlüsse, deren Verwirklichung in Seiner Macht ruht. Wer könnte dieselben öffnen und zur Ausführung bringen? Wer hätte Anspruch darauf, das zu tun? Keiner im Himmel und auf Erden, außer Einem. Als der Prophet darüber trauert, dass das, was Gott zu tun gedenkt, verschlossen bleiben soll, geben ihm die Ältesten die Erklärung, dass der Mächtige aus Juda, die wahre Quelle aller dem David gewordenen Verheißungen, überwunden habe, um das Buch zu öffnen und seine Siegel zu brechen. Es ist das Lamm, der verworfene Messias. Er ist, wie wir im weiteren Verlauf des Kapitels finden werden, mehr als das, doch Er ist dies. Der verworfene Messias erscheint inmitten des Thrones Gottes; inmitten aller Entfaltungen der Vorsehung und Gnade Gottes - der lebendigen Wesen und der Ältesten - steht ein Lamm, wie geschlachtet. Es besitzt die Fülle der Macht über die Erde - sieben Hörner -, und zwar von Gott, sowie die sieben Geister Gottes, um die ganze Erde so, wie es der Vollkommenheit Gottes entspricht, zu regieren. Wenn es das Buch nimmt, fallen die lebendigen Wesen und die Ältesten vor Ihm nieder, mit goldenen Räucherschalen, gefüllt mit den Gebeten der Heiligen. Sie nehmen hier den Platz von Priestern ein.

Dann wird ein neues Lied gesungen zum Preise des Lammes. Das, was auf Erden als ein Beweis Seiner Schande und Verwerfung galt, bildet die Grundlage Seiner Würdigkeit, das Buch zu nehmen. Er, der alles erduldet hat, es Sich alles hat kosten lassen, um alles das, was Gott war, zu verherrlichen, ist allein fähig und würdig, das zu enthüllen, wodurch dieses auf dem Wege der Regierung zum Ausdruck gebracht werden soll. Es handelt sich nicht um die Regierung über Israel, sondern über die ganze Erde; nicht nur um irdische Züchtigungen, die in Übereinstimmung standen mit der Offenbarung, die Gott von Sich Selbst in Israel gegeben hatte, sondern um die machtvolle Entfaltung alles dessen, was Gott ist, auf der ganzen Erde. Er, der alles das, was Gott war, verherrlicht und durch die Verkündigung dessen, was Er durch Seinen Tod war, eine große Schar von der ganzen Erde erkauft hatte, war die geeignete Person, um dies in Macht zu offenbaren. Er Selbst tritt zwar noch nicht hervor, aber Sein Werk bildet das würdige Mittel, den göttlichen Beweggrund, um das alles zur Entfaltung zu bringen. Er kann die Siegel der Geheimnisse Gottes und der Wege, die Gott gehen will, lösen. Die Worte: „Du bist geschlachtet worden und hast für Gott erkauft, durch dein Blut, aus jedem Geschlecht usw., und hast sie unserem Gott zu Königen und Priestern gemacht, und sie werden über die Erde herrschen“, haben nicht eine bestimmte Klasse von Personen im Auge, sondern zeigen den Wert dessen, was Er getan hat; und dieses Werk bildet den Beweggrund des Lobes und der Übergabe von allem an Ihn.

Hier erscheinen auch die Engel, um ihr Lob darzubringen, was im vierten Kapitel nicht der Fall war. Ich kann kaum daran zweifeln, dass hier ein Wechsel hinsichtlich der Verwaltungswege Gottes eintritt. Bis zu dem Augenblick, da das Lamm das Buch nimmt, bilden die Engel die verwaltende Macht; das will sagen: sie sind die Werkzeuge, durch welche das, was die vier lebendigen Wesen sinnbildlich darstellen, auf Erden zur Ausführung kommt. Aber „nicht Engeln hat er unterworfen den zukünftigen Erdkreis, von welchem wir reden“. Darum, sobald das Lamm erscheint und das Buch nimmt, sobald der Erlösung gedacht wird, werden die lebendigen Wesen und die Ältesten miteinander verbunden, während die Engel einen Platz für sich einnehmen. Sie geben, gleich den lebendigen Wesen vorher, keinen Grund für ihr Lob an. Als Häupter der Schöpfung, was sie ihrer Natur nach sind, preisen sie mit allen Geschöpfen den Anspruch auf Herrlichkeit und die Würdigkeit, die das Lamm besitzt, indem sie Dem, der auf dem Throne sitzt, und dem Lamme von Ewigkeit zu Ewigkeit Lob zuerkennen. Die vier lebendigen Wesen, das heißt alles das, wodurch die Macht Gottes in Schöpfung und Vorsehung ausgeübt wird, fügen ihr „Amen“ hinzu, und die Ältesten beten Gott an in der Vortrefflichkeit Seines Wesens. In Vers 8 jedoch, wo es sich um das Niederfallen vor dem Lamme handelt, sind die lebendigen Wesen und die Ältesten miteinander verbunden. Ich glaube nicht, dass man sie in der zweiten Hälfte des Verses 1 voneinander trennen darf, sondern dass die lebendigen Wesen gleichsam mit den Ältesten verschmolzen erscheinen, so dass die beiden Beziehungen nun nicht mehr der symbolische Ausdruck für zwei verschiedene Klassen, sondern nur für verschiedene Arten des Dienstes sind. In Vers 9 wird die allgemeine Tatsache berichtet, dass „sie singen“; es heißt nicht: „sie sangen“. Dies findet im Himmel statt; aber diejenigen, von denen in dem Liede die Rede ist, werden nur ganz allgemein angedeutet.

So ist denn der Thron als die Quelle, der alles Weitere entströmen soll, vor unsere Augen gestellt, samt den Personen, die sich im Himmel vor Gott befinden und an allen Vorgängen beteiligt sind. Es ist uns gezeigt worden, von wo das Gericht seinen Ausgang nimmt, ferner, welche Wesen den Thron Gottes droben umgeben, und endlich, wer Sich inmitten des Thrones befindet; mit anderen Worten: der himmlische Schauplatz, der himmlische Chor und die Mitanwesenden.

Fußnoten

  • 1 Das heißt: die Worte „und sie hatten“ beziehen sich nicht allein auf die Ältesten.
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