Das Buch der Offenbarung

Kapitel 5

Das Buch der Offenbarung

In dem vorigen Kapitel haben wir die Rechte des Thrones Gottes im Himmel betrachtet. Gott herrschte nicht länger in und durch Israel in Jerusalem. Mit dem Fall Jerusalems wurde die Weltherrschaft den Nationen übergeben. Denn Gott gab die Zügel der Regierung niemals gänzlich aus der Hand, sondern als der Gott des Himmels herrschte Er über das Königtum der Menschen. In dem vorhergehenden Kapitel sahen wir den Lobpreis der Rechte Gottes über die Schöpfung, wie sie in dem Herrn Jesus Christus zusammengefasst sind.

In diesem Kapitel werden uns nun die Rechte des Herrn Jesus in dem Werke der Erlösung vorgestellt, und in Verbindung damit Seine Ansprüche an die Erde. Seine Ansprüche werden vertreten und unter Beweis gestellt, bevor irgendwelche Gerichte über die Erde ausgegossen werden, um diese Ansprüche gutzumachen. Das Buch, von dem hier die Rede ist, gibt uns Kunde von Seinem Erbteil. Wir dürfen ein Bild davon in Jeremia 32 sehen. Dort musste Jeremia das Feld kaufen, von welchem er das Erbrecht und die Lösung hatte, und über diesen Kauf wurden zwei Kaufbriefe geschrieben, von denen der eine versiegelt und der andere offen war. Der versiegelte Brief ist die Urkunde über das Erbteil, das dem gegeben wird, der es kauft, und er allein hat das Recht, die Siegel zu brechen, wenn die Zeit gekommen ist, den Anspruch an das Erbe zu erheben. In bezug auf die Schöpfung wissen wir, dass das Erbe Adam gegeben war, aber er verwirkte seine Rechte durch die Sünde, durch die er ein Sklave Satans wurde, der hinfort die Rechte der Weltregierung an sich riss. Der Herr Jesus kam, um diese Rechte aus der Hand Satans zu reißen, und bezahlte den Preis mit Seinem kostbaren Blute. So sehen wir Ihn als den großen Erlöser, Der allein das Recht hat, Anspruch auf das Erbe zu machen. In Psalm 2, 8, wo von der Gründung des Reiches Gottes in Zion gesprochen wird, sagt der Herr; „Fordere von mir, und ich will dir zum Erbteil geben die Nationen, und zum Besitztum die Enden der Erde“. Daniel empfing große Weissagungen in bezug auf die letzten Tage und das Königtum Christi, aber es wurde ihm gesagt: „Verschließe die Worte und versiegele das Buch bis zur Zeit des Endes“ (Dan. 12, 4). Und wiederum, wenn er fragt: „Was wird der Ausgang von diesem sein?“ wird ihm gesagt: „Geh hin, Daniel, denn diese Worte sollen verschlossen und versiegelt sein bis zur Zeit des Endes“ (Dan. 12, 8-9).

Hier in Offb. 5 sehen wir das Buch in der Rechten Dessen, Der auf dem Throne saß. Es war beschrieben inwendig und auswendig, was die Fülle der Einzelheiten des Erbteils anzeigt, und war mit sieben Siegeln versiegelt. Sieben ist die Zahl der Vollkommenheit, und dieses Buch enthält Gottes letzten Vorsatz bezüglich der Erde, der nur durch das Brechen der Siegel erfüllt werden konnte. Es dürfte nicht nötig sein, darauf hinzuweisen, dass es sich hier nicht um den ewigen Vorsatz Gottes bezüglich der Versammlung handelt, den Er vor Grundlegung der Welt gefasst hat. Hier geht es um die Erde und die Ansprüche, die Gott an sie hat. Ein starker Engel wird gehört, der mit lauter Stimme ausruft: „Wer ist würdig, das Buch zu öffnen und seine Siegel zu brechen?“ Engel werden Gewaltige an Kraft genannt, aber es wird nie gesagt, dass sie mit dem Heiligen Geiste versiegelt sind, der allein die Absichten Gottes in Verbindung mit Christus offenbart. „Und niemand in dem Himmel, noch auf der Erde, noch unter der Erde vermochte das Buch zu öffnen, noch es anzublicken“ (Vers 3). Unter der Erde hat hier nicht dieselbe Bedeutung wie in Phil. 2, wo es sich auf höllische Wesen bezieht.

Johannes weint sehr, weil niemand im Himmel und auf Erden würdig erfunden wurde, das Buch zu öffnen, noch es anzublicken. Wir sehen Johannes hier nicht als den geliebten Apostel mit der Gesinnung Christi, sondern mehr als einen Propheten mit dem nachforschenden Geist, den wir so oft in anderen Propheten hervorgehoben sehen (siehe 1.Pet. 1, 10. 11). „Und einer von den Ältesten spricht zu mir: Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe, der aus dem Stamme Juda ist, die Wurzel Davids, das Buch zu öffnen und seine sieben Siegel“ (Vers 5). Diese Ältesten, haben den Sinn Christi und werden gekennzeichnet durch ihre Einsicht. Sie offenbaren sogleich den Herrn Jesus in Verbindung zu dem Ratschluss Gottes mit dieser Erde. In Hebräer 7 wird uns gesagt: „Denn es ist offenbar, dass unser Herr aus Juda entsprossen ist“. Dieser Stamm stand in Beziehung zu dem Königreich. Jakob konnte in seiner Prophezeiung sagen: „Juda ist ein junger Löwe; vom Raube, mein Sohn, bist du emporgestiegen. Er duckt sich, er legt sich nieder wie ein Löwe und wie eine Löwin; wer will ihn aufreizen?“ (1. Mose 49, 9). Der folgende Vers spricht von Schilo, dem Friedenschaffenden, unter dem die Sammlung des Volkes erfolgen sollte. So sehen wir Ihn deutlich dargestellt als den großen Sieger. Als die Wurzel Davids ist Er Davids Herr. Wir finden hier keine Bezugnahme auf Seinen Ursprung, dass Er der Sohn Davids ist. „Es hat überwunden“ hat ohne Zweifel Bezug auf Sein Werk auf Golgatha, wo Er Sein kostbares Blut vergossen hat. Dort errang Er den großen Sieg über Sünde und Satan, indem Er den zunichte machte, der die Macht des Todes hatte, und alle die befreite, welche durch Todesfurcht der Knechtschaft unterworfen waren. „Und ich sah inmitten des Thrones und der vier lebendigen Wesen und inmitten der Ältesten ein Lamm stehen wie geschlachtet“ (Vers 6).

Welch tiefen Eindruck macht das Wort „inmitten“ auf unsere Herzen. Worte mit der gleichen Bedeutung lesen wir in Verbindung mit Golgatha. Dort kreuzigten sie, rechts und links von dem Herrn Jesus, zwei Übeltäter, Jesum aber in der Mitte. Dort wurde Er unter die Übeltäter gerechnet. Er litt nicht für Seine eigenen Sünden, denn Er hatte nichts Ungeziemendes getan, aber Er litt für Sünden, der Gerechte für die Ungerechten, auf dass Er uns zu Gott führe. Wiederum sehen wir Ihn an dem ersten Tage der Woche, als die Jünger versammelt waren, wie Er in ihrer Mitte stand und sie an Seine Liebe bis in den Tod erinnerte, die sie in den Nägelmalen in Seinen Händen und in Seinen Füßen wahrnahmen. Und der Herr wird nicht nur in der Mitte gefunden beim Brechen des Brotes, sondern wir haben in Matth. 18, 20 die Verheißung des Herrn; „Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte“. Hier handelt es sich wohl in ganz besonderer Weise um das Zusammenkommen zum Gebet, wie der 19. Vers deutlich zeigt, aber zweifellos auch um jedes Zusammenkommen in Seinem Namen oder zu Seinem Namen hin. In der vorliegenden Schriftstelle sehen wir Ihn in der Herrlichkeit des Himmels, inmitten des Thrones und der vier lebendigen Wesen und inmitten der Ältesten. Es ist derselbe Jesus, Der am Kreuze gehangen hat, und Der droben als der mitleidsvolle Hohepriester für Sein Volk gelebt hat, Johannes hatte nach dem Löwen aus dem Stamme Juda ausgeblickt, aber er sah ein Lamm, wie geschlachtet. Er ist der große Erlöser und trägt noch die Merkmale von Golgatha. Als das Lamm wurde Er einst dargestellt in dem Passahlamm in 2. Mose 12, und das Gebot: „Kein Bein an ihm soll zerbrochen werden“, wird von dem Heiligen Geiste auf Christum angewandt. In den Lämmlein, die als Morgen- und Abendopfer bei er Anbetung im Tempel dargebracht wurden, wurde das Volk Gottes immer an die Notwendigkeit der Blutvergießung erinnert, aber diese Opfer hatten nur einen Wert als die Vorsorge Gottes für die damalige Zeit, und das auch nur im Blick auf Golgatha, indem sie Christus und Sein Werk vorstellten.

In sich selbst konnten sie niemals Sünden hinwegnehmen, wie die Epistel an die Hebräer deutlich erklärt. Aber das dem Gesetz Unmögliche hat Gott in der Sendung Seines eingeborenen geliebten Sohnes getan und hat Ihn leiden und sterben lassen. „Siehe, das Lamm Gottes, welches die Sünde der Welt wegnimmt“ (Joh. 1, 29). So sehen wir es hier in Offb. 5. Obwohl das Opfer Christi nicht der Gegenstand ist, so ist doch der Eine, Der auf Golgatha gelitten hat, der Mittelpunkt aller Ratschlüsse und des Vorsatzes Gottes in bezug auf diese Erde. Er wurde in Schwachheit gekreuzigt, aber Er lebt jetzt durch Gottes Kraft und wird hier gesehen, als mit vollkommener  Kraft und Macht bekleidet, wie es in den sieben Hörnern zum Ausdruck kommt. Da sind auch die sieben Augen, welche die sieben Geister Gottes sind, die gesandt sind über die ganze Erde. Die sieben Augen sind das Sinnbild von Einsicht in der Fülle des Geistes Gottes, und zwar in bezug auf die Erde und ihre Verwaltung. Hier sehen wir den Herrn im Begriff, die Regierung der Erde zu übernehmen. Er ist bekleidet mit aller Gewalt und Macht, aber die Ausführung dieser Gewalt geschieht durch den Heiligen Geist. In den sieben Geistern Gottes haben wir die Vollkommenheit der Verwaltung des Heiligen Geistes in der Beherrschung der Erde.

„Und es kam und nahm das Buch aus der Rechten dessen, der auf dem Throne saß“ (Vers 7). Es ist Sein Anspruch auf Grund der Erlösung. Er allein hat das Recht, über die Erde zu herrschen. Diese Handlung bewirkt, dass die vier lebendigen Wesen und die vierundzwanzig Ältesten vor dem Lamm niederfallen. In diesem achten Verse sehen wir die lebendigen Wesen und die Altesten miteinander verbunden, aber wenn es sich um die Frage der Erlösung handelt, werden die Engel nicht gesehen. Hier fallen die lebendigen Wesen und die Ältesten nieder vor dem Lamm. Sie sind nicht so sehr mit ihren eigenen Segnungen beschäftigt, als vielmehr mit den Bedürfnissen der Heiligen, die noch auf Erden sind und mit ihrem endgültigen Triumph. „Und sie hatten ein jeder eine Harfe und goldene Schalen voll Räucherwerk, welches die Gebete der Heiligen sind.“ Darby bemerkt in einer Fußnote zu dieser Stelle, dass die Wörter „sie haben“ sich nur auf die Ältesten beziehen. Wenn dies zutrifft, haben also nur die Ältesten Harfen und goldene Schalen voll Räucherwerk. Die Ältesten werden hier in dem Charakter von Priestern gesehen. Es ist deutlich erkennbar, dass sie nicht ihre eigenen Gebete Gott darbringen. Sie selbst haben im Himmel keine Bedürfnisse. Es wird uns nicht gesagt, wer die sind, deren Gebete hier dargebracht werden, aber offenbar hat dies Bezug auf die in Not befindlichen Heiligen in jenen Tagen. Diese Ältesten sind also nicht mit ihren eigenen Gebeten beschäftigt, sondern mit den Gebeten anderer, die sie vor Gott darbringen.

„Und sie singen ein neues Lied: Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen; denn du bist geschlachtet worden und hast für Gott erkauft, durch dein Blut, aus jedem Stamm und Sprache und Volk und Nation, und hast sie unserem Gott zu Königen und Priestern gemacht, und sie werden über die Erde herrschen!“ (Vers 9.10). Jemand hat gesagt: „Sie sind so völlig gesegnet, dass sie sich von Herzen in den Segnungen anderer freuen können“. Dass sie selbst erlöst und zu Königen und Priestern gemacht sind, wird niemand leugnen wollen; auch werden sie über die Erde herrschen; aber hier ist der Blick mehr auf die irdischen Heiligen gerichtet. Wir haben sie gesehen in der Fürbitte, die sie zu Gott richten wegen der bedrängten Heiligen, jetzt nehmen sie Anteil an der Antwort auf ihre Gebete, die in der großen Erlösung besteht, die das Lamm jenen leidenden Heiligen bringen wird. Wenn sie leiden, so werden sie auch herrschen, nicht nur auf der Erde, sondern über dieselbe. Wenn sie ihr irdisches Teil durch den Verlust ihres Lebens verwirkt haben, so empfangen sie ein himmlisches Teil mit uns und herrschen mit dem Christus über die Erde.

In Vers 11 sehen wir dann die Einführung der Engelscharen um den Thron her und um die lebendigen Wesen und die Ältesten. Sie bilden einen äußeren Kreis; die haben nicht denselben Platz der Gemeinschaft, wie die Ältesten ihn haben, aber sie stimmen ein in ihren Lobpreis des geschlachteten Lammes. Sie singen nicht das Lied der Erlösung, denn da sie nie gefallen sind, bedurften sie keiner Erlösung. Sie erheben die Würde des Lammes zu empfangen die Macht und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Herrlichkeit und Segnung. Es ist eine würdige Huldigung, und dies findet seinen besonderen Ausdruck in den siebenfachen Bezeichnungen ihres Lobgesangs.

Vers 13 geht noch weiter und umfasst die ganze Schöpfung. „Und Jedes Geschöpf, das in dem Himmel und auf der Erde und unter der Erde und auf dem Meere ist, und alles, was in ihnen ist, hörte ich sagen: Dem, der auf dem Throne sitzt, und dem Lamm die Segnung und die Ehre und die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit!“ (Vers 13).  Die ganze Schöpfung vereinigt sich in der Anbetung des heiligen Namens Dessen, Der auf dem Throne sitzt, und in der Erhebung des Lammes. Wie schon gesagt wurde, ist die Bedeutung des Ausdrucks „unter der Erde“ hier sehr verschieden von dem in Phil. 2. Dort sind die Mächte der Hölle gemeint, aber hier in der Offenbarung handelt es sich nur um Geschöpfe unter der Oberfläche der Erde. Die Worte auf der Erde und unter der Erde sind hier gebraucht, um alles, was Leben hat, einzubeziehen. Im letzten Verse haben wir dann wieder einen auffallenden Unterschied; die vier lebendigen Wesen sprechen ihr Amen zu allem, was gesagt worden ist. Aber die Ältesten fallen nieder und beten an. Ihre Herzen sind erhoben in der Anbetung des Lammes, welches der Hauptgegenstand des Lobpreises ist.

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