Das Buch der Offenbarung

Kapitel 3

Das Buch der Offenbarung

In Sardes haben wir die Schilderung des Zustandes, in welchen die Kirche nach der Reformation abgeglitten ist. Die Reformation befreite die Kirche von dem Verderben und der Macht Roms, aber sie verfiel sehr bald in einen Geist des kalten Formalismus. Man leugnete die empfangenen Wahrheiten nicht, aber sie hörten auf, eine lebendige Kraft auf die Seele auszuüben. Sardes bezeichnet „das, was übrigbleibt“ oder einen Überrest. Diese Schar oder dieser Überrest ist dargestellt in den wenigen, die ihre Kleider nicht besudelt haben mit jenem leblosen Formalismus. In den Tagen der Reformation geschah ein mächtiges Werk durch die Kraft des Geistes Gottes, um die Kirche von so manchem Bösen und mancher Verderbnis in der Römischen Kirche zu befreien, wobei die weltlichen Mächte weitgehend gebraucht wurden, um dies auszuführen. Viele waren zufrieden, durch die weltlichen Mächte regiert zu werden wie in England, wo der regierende Herrscher das anerkannte Haupt der Englischen Kirche wurde. Im Blick auf alles dieses ist es bemerkenswert, die Weise zu beachten, in welcher der Herr dieser Versammlung geoffenbart wird. „Dieses sagt, der die sieben Geister Gottes hat und die sieben Sterne.“ Er wird hier nicht wie in Ephesus gesehen als wandelnd inmitten der sieben goldenen Leuchter, aber Er hat Seine Ansprüche nicht aufgegeben. Der Geist in seiner siebenfachen Vollkommenheit des Wirkens zur Förderung der Anrechte Christi, sowie die Engel der Versammlungen, werden unter Seiner Gewalt und Macht gesehen, und Er verzichtet nicht auf Seine Rechte an irgendwelche irdische Macht. Männer wie Hitler mochten versuchen, sich diese Macht selbst anzumaßen und die Versammlung Gottes zu beherrschen, aber die wahren Heiligen Gottes werden jederzeit die Macht und Gewalt des Herrn Jesus, in Seinem Hause zu herrschen, anerkennen, wie auch der wahre Christ zu aller Zeit suchen wird, durch das Wort Gottes geleitet zu werden. Der Herr Jesus muss von dieser Versammlung sagen: „Ich kenne deine Werke, dass du den Namen hast, dass du lebst, und bist tot“, Sie besaßen nur ein lebloses Bekenntnis, und ihre Werke waren tote Werke, die nicht der Ausfluss von innewohnendem göttlichem Leben waren, Sie hatten den Namen, dass sie lebten, den Namen, wie wir wissen, von Protestanten, aber das war nicht genügend, um der Seele Leben mitzuteilen. Ein Mensch kann ein eifriger Protestant sein ohne ein wahrer Christ zu sein.

Sardes, als Ganzes gesehen, befand sich in dem Zustand eines Umkommenden. Um so größere Notwendigkeit bestand für den Engel der Versammlung, auf der Hut zu sein und zu suchen, das zu stärken, was übriggeblieben war. Es mag ein Überfluss an Werken vorhanden sein, die von den Menschen für gut gehalten werden, aber der Herr sagt von Sardes: „Ich habe deine Werke nicht völlig erfunden vor meinem Gott“. Sie waren auf der Waage gewogen und zu leicht erfunden worden. Was war es denn, was ihnen mangelte? Sicherlich war es das Vorhandensein wahren Lebens in der Seele.

Sie hatten den Namen, dass sie lebten, aber es war nur ein äußeres Bekenntnis ohne irgendeinen innewohnenden Besitz. Daher lesen wir in Vers 3: „Gedenke nun, wie du empfangen und gehört hast, und bewahre es und tue Busse“. Was war die große Gabe, die sie in den Tagen der Reformation empfangen hatten? Es war die Kenntnis von der Rechtfertigung aus Glauben, gegründet auf die klaren Belehrungen des Wortes Gottes. Gottes Wort war gehört und aufgenommen worden, und die Wahrheit hatte sie frei gemacht. Nun aber bestand die Gefahr, dass sie diese Dinge fahren lassen würden, daher bedurften, sie der Ermahnung, festzuhalten und Busse zu tun. Wenn sie dies versäumten, so sollten sie beim Kommen des Herrn ebenso behandelt werden wie die Welt. Es ist unnötig, zu sagen, dass der Herr für die wahren Gläubigen nicht in dieser Weise kommen wird, wie in 1. Thes 5,4 deutlich gezeigt wird: „Ihr aber, Brüder, seid nicht in Finsternis, dass euch der Tag wie ein Dieb ergreife“. In Vers 4 wird ein Überrest hervorgehoben, der nicht durch den allgemeinen Zustand der Versammlung im Ganzen gekennzeichnet war.  „Aber du hast einige wenige Namen in Sardes, die ihre Kleider nicht besudelt haben; und sie werden mit mir einhergehen in weißen Kleidern, denn sie sind es wert“.

So sehen wir, wie immer, dass Gott ein Zeugnis für Sich selbst bewahrt. Sein Auge ruht immer auf Seinen Zeugen, und die Verheißung für solche ist, dass sie mit Christus einhergehen werden in weißen Kleidern, denn, fügt der Herr in Gnade hinzu, „sie sind es wert“. Sie selbst würden keinen Anspruch auf diese Würde erheben, aber in Gnaden erkennt der Herr alles bei ihnen an, was in ihrem Leben aus Ihm selbst gewirkt gewesen ist, und Er selbst will sie in weiße Kleider kleiden, denn nur das, was aus Christus gewirkt ist, wird belohnt und an jenem Tage der Herrlichkeit gesehen werden. „Und ich werde seinen Namen nicht auslöschen aus dem Buche des Lebens.“ Dieses Buch ist sehr verschieden von dem Buch eines irdischen Bekenntnisses. Viele Namen derer, die dort eingetragen sind, müssten ausgelöscht werden, weil sie tot sind. Wessen Name einmal im Himmel angeschrieben ist, in dem Buche des Lebens des Lammes, besitzt ein Teil, welches ewig und ganz gewiss ist. „Und ich werde seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln.“ Welch eine reiche Belohnung wird dies sein für den Überwinder!

Sie sollen anerkannt werden vor Seinem Vater als solche, die Ihm gelebt und Ihn geehrt haben auf Erden, und das in Gegenwart der Menge der himmlischen Heerscharen! Freude ist vor den Engeln Gottes selbst schon dann, wenn ein Sünder Busse tut und sich zum Herrn wendet, um bei Ihm Erlösung zu finden. Nun schauen sie die Freude des Herrn darin, dass Er sie vor Seinem Vater in Herrlichkeit bekennt. Wiederum werden die, welche ein offenes Ohr haben, ermahnt, zu hören, was der Geist den Versammlungen sagt.

In der Anrede an Philadelphia haben wir einen Geist der Wiederbelebung nach dem überhandnehmen des Bösen durch den Geist des kalten Formalismus, der nach der Reformation so schnell Platz griff. Der Herr ist hier geoffenbart als der Heilige und Wahrhaftige. In dieser Weise wird durch Johannes in seinem ersten Briefe dargestellt: „Und ihr habt die Salbung von dem Heiligen und wisst alles“. „Wir wissen aber, dass der Sohn Gottes gekommen ist und uns ein Verständnis gegeben hat, auf dass wir den Wahrhaftigen kennen; und wir sind in dem Wahrhaftigen, in Seinem Sohn Jesus Christus. Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben“ (1. Joh 2,20; 5,20), Diese Dinge kennzeichneten den Herrn hienieden als Mensch unter Menschen und kamen zum Ausdruck in Seinem Wandel und Seinen Wegen; aber sie sind auch jetzt wahr von Seiner gesegneten Person, von Ihm, dem Wahrhaftigen.

Die Offenbarung des Herrn Jesus in diesem Charakter wendet sich an die Zuneigungen des Herzens des treuen Gläubigen. Ein solcher sucht in gewissem Maße der Wahrheit so zu entsprechen, wie sie in der Person des Herrn selbst ihren Ausdruck gefunden, hat. Sie mochten sich ihrer eigenen Schwachheit schmerzlich bewusst sein, aber Er hat den Schlüssel des David. „Der da öffnet, und niemand wird schließen, und schließt, und niemand wird öffnen.“ Der Schlüssel des David redet von Macht in der Verwaltung und drückt den Zugang aus zu allem, was Er besitzt. So finden wir es m Jes 22, 22: „Und ich werde den Schlüssel des Hauses David auf seine Schulter legen; und er wird öffnen, und niemand wird schließen, und er wird schließen, und niemand wird öffnen“.

Die Heiligen Gottes mögen sich schwach und gänzlich unfähig fühlen, irgend eine Tür in bezug auf das Werk des Herrn zu öffnen, aber hier wird ihr Blick auf Ihn gerichtet, Der allein die Macht besitzt, die Tür zu öffnen, und hier haben wir die Zusicherung, dass niemand schließen kann, wenn Er öffnet, und niemand öffnen, wenn Er schließt. Es wird eine Zeit kommen, wo Er aufstehen wird, um die Tür zu verschließen. Viele werden an die Tür klopfen, aber sie werden nicht imstande sein, sie zu öffnen. Es ist ein großer Trost für die Heiligen, zu wissen, dass der Herr eine geöffnete Tür erhalten kann und will bis zur Zeit Seines Wiederkommens. Wir haben keine Bezugnahme auf das Werk der Heiligen in dieser Zeit, außer der Tatsache, dass Er sie kennt, aber es wird  uns gesagt dass der Herr eine geöffnete Tür vor ihnen gegeben hat, die niemand zu schließen vermag.

„Denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und hast meinen Namen nicht verleugnet“ (Vers 8). Die geöffnete Tür mag Bezug haben auf jene Zeit großer Missionstätigkeit während der vergangenen Jahre, besonders während der letzten 100 Jahre. Trotz vieler Schwachheit bestand doch der Wunsch, das Wort des Herrn zu bewahren. Ein Kennzeichen davon, das Wort des Herrn zu bewahren, ist in der Liebe der Heiligen zueinander ausgedrückt. Es wird gesagt, dass das Wort Philadelphia Bruderliebe bedeutet, und dies schließt die Liebe des einen zu dem anderen in sich. Ein anderes Kennzeichen des Werkes Gottes unter den Heiligen besteht in der aufrichtigen Liebe zu dem Worte Gottes in den vergangenen Jahren.

In dem Worte Gottes wird Christus in Kraft der Seele vorgestellt und seine wahrhaftige, bildende Kraft zur Heiligkeit im Wandel, indem Gehorsam gegen Gottes Wort sich in Weg und Wandel offenbart. Ich spreche nicht von der bekennenden Kirche im Ganzen, sondern von dem Überrest, in dessen Herzen Gott gewirkt hat, so dass sie suchen, mit festem Entschluss des Herzens und der Seele bei dem Herrn zu verharren. In den vorhergehenden Sendschreiben haben wir den Zustand dargestellt gesehen, der die Versammlungen im Ganzen kennzeichnete, aber in Philadelphia und nachher auch in Laodicäa haben wir das sittliche Bild der Vielen oder Wenigen, die innerhalb der Kirche gefunden werden. Wie schon gesagt wurde, hatten wir in den früheren Versammlungen bestimmte aufeinander folgende Zeiträume, aber in den letzten vier, die in der Schilderung eine auf die andere folgen, sehen wir Zustände, die nebeneinander bis zum Ende fortbestehen.

Ich fühle, dass wir uns auf den Herrn stützen müssen, um Sein Zeugnis, wie es in Philadelphia dargestellt ist, auf der Erde bis zur Zeit Seines Kommens für Sein Volk zu bewahren. Hier haben wir eine Schar von solchen, denen es an großer Kraft mangelt, die aber suchen, Sein Wort zu bewahren. Dieses Wort wird von ihnen höher geschätzt als alles andere.

„Und hast meinen Namen nicht verleugnet.“ Der Name ist der Ausdruck von Christus selbst während Seiner Abwesenheit. Er schließt Seine Macht und Kraft in sich. An erster Stelle haben wir die Verheißung des Herrn, dass Er da in der Mitte sein will, wo zwei oder drei zu Seinem Namen hin versammelt sind. Christus ist der wahre Mittelpunkt des Zusammenkommens, und doch wird dies von so vielen bekennenden Christen in Zweifel gezogen, besonders von solchen, welche Nachfolgerechte oder eine Vorherrschaft in der Kirche Gottes beanspruchen, Heilige, die Philadelphia entsprechen, werden von ihnen als Verführer angesehen, die von der Kirche abgefallen sind und nicht wert sind, einen Namen zu tragen, Das ist in besonderer Weise wahr in bezug auf solche, die unter dem Namen „Brüder“ bekannt sind. Es ist wohl bekannt, wie mächtig der Geist Gottes vor etwa einem Jahrhundert gewirkt hat, indem er treue Knechte erweckte, die das Wort Gottes aufrichtig liebten und im Gehorsam gegen dasselbe zu wandeln suchten. Ein hauptsächlicher Grundzug in diesem großen Werke kam in dem Wunsche zum Ausdruck, in oder zu dem Namen Jesu versammelt zu sein, und zwar auf dem Boden des einen Leibes Christi. Mit diesem Zusammenkommen zu dem Namen Jesu verbanden sie den Anspruch auf Seine kostbare Verheißung: „wo zwei oder drei versammelt sind zu meinem Namen hin, da bin ich in ihrer Mitte“. Sie erkannten auch an, dass Er in ihrer Mitte war als der Heilige und Wahrhaftige, und dass Sein Tisch frei von Bösem bewahrt werden sollte, und dass dem Hause Gottes Heiligkeit geziemt auf immerdar.

Als die Zeit fortschritt, kamen Meinungsverschiedenheiten unter Brüdern auf, und die Heiligen wurden durch schmerzliche Trennungen zerrissen. Dadurch wurden die Heiligen der Kraft beraubt, die sie gewonnen hatten. Sie waren zerbrochen und schwach. Ich erinnere mich aus meiner Jugend, wie dankbar ich war, dass ich in der Mitte der Brüder zur Bekehrung gekommen war und mich nicht zu trennen brauchte von den Systemen der Menschen, wie so viele andere gezwungen waren, es zu tun. Als aber die Zeit fortschritt und ich von den vielen Trennungen  hörte, die unter den Brüdern vorgekommen waren, wurde ich sehr traurig und fragte mich, ob ich wohl zu der rechten Gruppe von Brüdern gehörte. Ich erinnere mich auch, dass 1. Kor 7, 23. 24 viel Kraft in meine Seele zurückkehren ließ, besonders Vers 24: „Ein jeder, worin er berufen worden ist, Brüder, darin bleibe er bei Gott“. Ich erkannte an, dass diese Schriftstelle in ihrer eigentlichen Bedeutung Bezug darauf hatte, ob jemand als Sklave oder als Freier von Gott berufen worden war, aber was mich betraf, blieb der Grundsatz derselbe. Wenn der Geist Gottes mich zu Christo gesammelt und mit einem besonderen Kreise von Heiligen vereinigt hatte, die da suchten, im Gehorsam gegen Gottes Wort zu wandeln, so war es mein Platz, dort zu bleiben und zu suchen, das zu stärken, was übriggeblieben war. Doch wahrlich, ich fühlte, dass es galt, wachsam zu sein in bezug auf die Duldung irgendwelches Bösen. „Jeder, der den Namen des Herrn nennt, stehe ab von der Ungerechtigkeit.“

Fortan war ich nicht beunruhigt darüber, wer recht oder unrecht hatte, noch hatte ich das Gefühl, dass unser Kreis, dem ich angehörte, Philadelphia darstellte mit Ausschluss aller anderen. Dass ich das Gefühl hatte, an dem rechten Platze zu sein, bewies die Tatsache, dass ich in ihrer Mitte blieb, aber ich fühle, dass es vieles gibt, worüber wir uns demütigen müssen, und dass kein Raum für Überhebung bleibt. Trotz aller Mängel, die so sehr zu beweinen sind, bleibt doch die Tatsache, dass viele unter uns sind, die ein aufrichtiges Verlangen nach dem Worte Gottes haben und die noch suchen, den Namen des Herrn nicht zu verleugnen. Sie mögen von den kirchlichen Leitern verachtet und selbst verfolgt werden, soweit das Gesetz dies zulässt, aber das beweist nicht, dass sie unrecht haben. Hier wird uns dann gezeigt, dass diejenigen, die so sehr an den jüdischen Einrichtungen hängen, an ihren priesterlichen Ordnungen, ihren Bräuchen und Zeremonien mit ihren Talaren und sogenannten heiligen Gebäuden, an einem kommenden Tage gezwungen werden sollen, zu den Füßen von Philadelphia zu huldigen und zu erkennen, dass der Herr sie geliebt hat. Das ist die Ordnung, die für jenen Tag vorbehalten ist. Solche, die sich selbst erhöht haben, werden erniedrigt werden, während solche, die demütig vor Gott einhergegangen sind, erhöht werden sollen. So wollte Gott die wahren Heiligen Gottes ermutigen, ihren Weg fortzusetzen, selbst auf dem Pfade der Verwerfung, wie ihr Meister es vor ihnen getan hat, und zwar in dem Bewusstsein, dass Er sie völlig versteht und dass sie Seine Anerkennung haben sowie das bewusste Gefühl, dass sie von Ihm geliebt sind.

Vers 10 scheint mit dem vorhergehenden Verse verbunden zu sein: Sie hatten das Wort Seines Ausharrens bewahrt. Paulus Gebet für die Heiligen in Thessalonich war, dass der Herr ihre Herzen hinrichten möge zu der Liebe Gottes und zu dem Ausharren des Christus. Der Herr Jesus wartet in Geduld zur Rechten Gottes. So sollen auch die Heiligen Gottes in Geduld ausharren, und zwar im Gehorsam gegen Sein Wort. In Offb. 1 lesen wir, dass das Teil der Heiligen das Königtum und das Ausharren in Jesu ist. Weil sie das Wort Seines Ausharrens bewahrt hatten, so sollten auch sie bewahrt werden vor der Stunde der Versuchung, die über den ganzen Erdkreis kommen würde, um die zu versuchen, welche auf der Erde wohnen. Hier handelt es sich nicht einfach um die Bewohner der Erde, sondern um die, die ihr Teil in diesem Leben haben. Das ist der Charakter solcher, von denen wir in Vers 9 lesen, dass sie eine Synagoge des Satans waren, und dieser Charakter wird an einem kommenden Tage viele kennzeichnen, welche Gott aus ihren Gedanken auszuschließen suchen und die Erde für sich selbst beanspruchen. Den Treuen wird hier die Verheißung gegeben, dass sie vor der Stunde der Versuchung bewahrt werden sollen. Das steht im Gegensatz zu dem gottesfürchtigen Juden, der in dieser Stunde oder durch sie hindurch bewahrt werden soll. Gleich wie Henoch vor der Flut hinweggenommen und Noah durch dieselbe hindurch gerettet wurde, so werden auch die Heiligen Gottes aufgenommen werden, bevor die ungezügelten Mächte des Bösen über die Erde losgelassen werden. Diese Stunde der Versuchung geht viel weiter als die jüdische Trübsal in Mt 24, welche auf Jerusalem und Judäa beschränkt ist.

Viele versichern, dass die Christen durch die große Trübsal gehen müssen, aber unser Vers erklärt mit Entschiedenheit, dass sie davor bewahrt werden sollen. Die Heiligen mögen vieles zu erdulden haben, manche Leiden um Seines Namens willen ertragen müssen, sie mögen in ihrer Schwachheit sich unfähig fühlen, die Verherrlichung des Herrn aufrecht zu erhalten, die sie Ihm im Gehorsam gegen Sein Wort schulden, aber der Herr sucht hier, sie durch ein Wort der Ermunterung aufzurichten.

„Siehe, ich komme bald; halte fest, was du hast, auf dass niemand deine Krone nehme,“ Sie haben die Wahrheit Gottes um jeden Preis zu bewahren, besonders die Wahrheit von dem Kommen des Herrn, und der Herr gibt ihnen die Versicherung Seiner Anerkennung und Belohnung, um so ihre Herzen zu ermuntern. Die Krone ist Sein Lohn für die Treue, die hier auf diesem Schauplatz gegen Ihn bewiesen worden ist. Lässt Er sie fühlen, dass sie eine kleine Kraft haben? Der Herr sagt: „Ich will ihn zu einer Säule machen in dem Tempel meines Gottes“. Eine Säule ist ein Sinnbild von Stärke, während der Tempel von Anbetung redet, „Und er wird nie mehr hinausgehen.“ Das spricht von einem dauernden Teil, welches keiner Veränderung unterworfen ist. Das steht in einem treffenden Gegensatz zu allem, was in dieser Szene gezeigt wird. „Und ich will auf ihn schreiben den Namen meines Gottes.“ Das drückt alles aus, was Gott ist, als geoffenbart in Christo und kundgemacht durch Sein Wort. „Und den Namen der Stadt meines Gottes, des neuen Jerusalem, das aus dem Himmel herniederkommt von Gott.“ Hier haben wir die Entfaltung der Herrlichkeit Gottes, wie sie in der Versammlung in ihrem verherrlichten Zustande geoffenbart worden ist. „Und meinen neuen Namen.“ Das ist der Name, welcher dem Volke der Juden nicht geoffenbart war, noch ist er dem Fleische kundgemacht, sondern er ist nur in der Auferstehung geoffenbart. In allem ist der Heilige mit dem Herrn Jesus verbunden, daher die besondere Kraft des Wortes „Mein“, das in diesem Verse viermal gebraucht wird.

Zum Schluss finden wir wieder einen Ruf an solche, die ein Ohr haben, zu hören, was der Geist den Versammlungen sagt. Johannes war nur der Kanal, durch welchen diese Botschaft floss, sonst war es die Botschaft des Geistes an die Versammlungen.

Welch ein trauriges Bild wird uns dann vorgestellt, wenn wir zu der letzten Versammlung kommen, der Versammlung von Laodicäa. In der ersten Versammlung sahen wir ein. Abnehmen der Zuneigungen des Herzens, ein Verlassen ihrer ersten Liebe. In dieser letzten Versammlung sehen wir überhaupt keine Gefühle des Herzens. Die bekennende Kirche ist vom Schlechten zum Schlimmeren fortgeschritten, abgesehen von Unterbrechungen durch geistliche Erweckungen, bis sie endlich dem Herrn ekelhaft ist, so dass Er sie aus Seinem Munde ausspeien muss.

Bemerkenswert ist, wie der Herr hier vorgestellt wird. „Dieses sagt der Amen, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes.“ Das drückt aus, was die Kirche für Ihn gewesen sein sollte. 2. Kor 1,18-20 gibt uns den Schlüssel für die Bedeutung des Wortes Amen. Dort wird uns gezeigt, dass die Worte Pauli in seinen Episteln in Wahrheit Gottes Wort waren, so wie der Sohn Gottes, Jesus Christus, der unter ihnen gepredigt worden war, nicht Ja und Nein wurde, sondern es ist Ja in Ihm. Denn so viele der Verheißungen Gottes sind, in Ihm ist das Ja und in Ihm das Amen, Gott zur Herrlichkeit durch uns. Wenn diese Versammlung in Laodicäa versäumt hatte, Ihn in dieser Weise darzustellen, so blieb doch der Herr Derselbe, und Er würde Seinen eigenen Namen rechtfertigen. In Ihm würde die Erfüllung aller Verheißungen Gottes sein, Daher war Er der treue und wahrhaftige Zeuge. Das stand in schlagendem Gegensatz zu der Versammlung in Laodicäa, welche bewiesen hatte, dass sie ein falscher Zeuge für Ihn gewesen war. Es war deutlich die Absicht Gottes, dass die Versammlung zu allen Zeiten ein treuer Zeuge für Ihn sein sollte, wie wir es in den Leuchtern in Kapitel 1 ausgedrückt sehen.

2. Kor 3, 3 drückt einen ähnlichen Gedanken aus, wenn der Apostel sagt: „Die ihr offenbar geworden seid, dass ihr ein Brief Christi seid.“ Sie konnten sich aufblähen, dass sie reich waren und an Besitz zugenommen hatten und dass ihnen nichts mangelte, während ihr Meister um ihretwillen arm geworden war und keinen Platz hatte, wo Er Sein Haupt hinlegte. Dann wird der Herr auch „der Anfang der Schöpfung Gottes“ genannt. Adam war das Haupt der ersten Schöpfung, doch durch die Sünde wurde er beiseite gesetzt und ersetzt und überragt durch den zweiten Menschen, den Menschen vom Himmel.  Er ist der Anfang einer neuen Schöpfung, an welcher jeder wahre Gläubige Anteil hat, denn wenn jemand in Christo ist, da ist eine neue Schöpfung, welche von Gott geschaffen ist in wahrhaftiger Gerechtigkeit und Heiligkeit. Wie wenig entsprach die Versammlung in Laodicäa diesen Dingen! Doch in Christo ist alles gesichert. In den Versen 15 und 16 haben wir die vernichtende Ankündigung des Herrn von dem, was Er dieser Versammlung tun wollte.

„Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist. Ach, dass du kalt oder warm wärest Also, weil du lau bist und weder kalt noch warm, so werde ich dich ausspeien aus meinem Munde.“ Obwohl den Namen Christi tragend, war diese Versammlung doch durch einen solchen Geist der Gleichgültigkeit gekennzeichnet, dass sie für den Herrn Jesus nicht länger zu ertragen war. Ein anderer hat treffend gesagt: „Sie wollten auf Christum nicht verzichten, wollten ein Bekenntnis aufrecht erhalten, aber sie wollten nichts für Ihn opfern. Sie wollten den Platz und das Ansehen der Kirche behalten, ja sie beanspruchten ihn laut und aus mancherlei Gründen als eine Körperschaft, aber geistliche Kraft, persönliche Verbindung des Herzens mit Christus oder Leiden für Ihn, waren verschwunden.“ Bezüglich der Zeit, wann diese Versammlung aus dem Munde Christi ausgespieen wird, wird uns hier nichts gesagt, aber wir wissen, dass es nicht geschehen wird, bis die wahre Kirche, die aus allen wahren Gläubigen besteht, zur Herrlichkeit aufgenommen sein wird. Die Weise, in der dies geschehen wird, wird uns hier nicht berichtet, aber wir wissen aus anderen Schriftstellen, dass ihr Schicksal sie treffen wird von der weltlichen Macht Roms. Aber nicht ein wahrer Gläubiger wird in der bekennenden Kirche mehr sein, wenn dies geschieht, aber der Herr kündigt das Gericht über diese sonderbare Versammlung in den Tagen Johannes an, weil sie weder kalt noch warm waren, Sie besaßen einst die Wärme der göttlichen Wahrheit und waren auch nicht in den offenen Abfall abgeglitten, aber ein Geist von Lauheit kennzeichnete sie, und das machte sie für den Herrn so widerwärtig. Sie konnten in ihrer Selbstgefälligkeit sagen: „Ich bin reich und bin reich geworden und bedarf nichts“, aber der Herr setzt hinzu „und weißt nicht, dass du der Elende und Jämmerliche und arm und blind und bloß bist“ (Vers 17).

Wie wir schon gesagt haben, welch ein auffallender Gegensatz zu dem Herrn, dem sie zu dienen und zu folgen bekannten. Als Er hienieden war, war Er arm und bedürftig und wanderte als ein heimatloser Fremdling über diese Erde, die Er gemacht hatte. Reich in dieser Welt, ermangelten sie des wahren Reichtums. Im Überfluss lebend und alle Dinge der Welt genießend, fehlte ihnen Christus und der Geist Christi, daher sah sie Gott als elend, jämmerlich, arm und blind und bloß. Aber der Herr gibt sie nicht auf, solange noch irgend welche Hoffnung auf Heilung besteht. „Ich rate dir, Gold von mir zu kaufen, geläutert im Feuer, auf dass du reich werdest; und weiße Kleider, auf dass du bekleidet werdest, und die Schande deiner Blöße nicht offenbar werde; und Augensalbe, deine Augen zu salben, auf dass du sehen mögest“ (Vers 18).

Gold ist hier als ein Sinnbild göttlicher Gerechtigkeit gebraucht, während die weißen Kleider von den Gerechtigkeiten der Heiligen reden, wie wir in Kapitel 19 sehen. Sie bedurften auch der Salbung durch den Heiligen Geist, um fähig zu sein, die Dinge im Lichte Gottes zu sehen. „Ich überführe und züchtige, so viele ich liebe. Sei nun eifrig und tue Busse!“ (Vers 19). Bis zum Ende des vorhergehenden Verses hat der Herr sich an den Engel der Versammlung gewandt, aber jetzt sieht er die Möglichkeit, dass einzelne Gläubige in dieser verderbten Versammlung gefunden werden könnten. Es ist nirgendwo gesagt, dass der Herr Jesus die Welt liebt, viel weniger das, was unecht ist, in dem, was Seinen Namen trägt, aber Er liebte die Versammlung und gab Sich selbst für sie dahin. Wenn es sich um die Welt handelt, so ist es Gott, Der sie liebt, wie uns in Joh 3, 16 gezeigt wird. Der Heilige Gottes mag mit manchem verbunden sein, was der Herr missbilligt, aber er hört nicht auf, ein Gegenstand der Liebe des Herrn zu sein. Diese Liebe wird nichts Böses, welches eingedrungen ist, entschuldigen oder übersehen, sondern sie will überführen, um  die Seele zu dem Herrn, Den sie so sehr betrübt hat, zurückzuführen; sie züchtigt solche auch, damit sie der Heiligkeit Gottes teilhaftig werden. Der Herr ermahnt sie, eifrig zu sein, Eifer für die Dinge Gottes zu beweisen und Busse zu tun. Das ist nicht die Betrübnis der Welt, welche Tod bewirkt, sondern eine Betrübnis Gott gemäss. Sie bewirkt eine nie zu bereuende Busse zum Heil. Das war es, was Paulus bei den Heiligen in Korinth hervorzurufen suchte (siehe 2. Kor 7,8-16).

Vers 20 ist ein feierlicher Vers, denn er zeigt uns Christum ausserhalb dessen stehend, was Seine Versammlung zu sein bekannte. „Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an.“ Das ist nicht ein Ruf an die Welt, dass sie ihr Herz auftun möchte, um Christum anzunehmen, obgleich es oft zu diesem Zweck gebraucht wird, sondern es ist eine dringende Bitte an jeden Gläubigen, der innerhalb jener Versammlung gefunden werden mag und der ein Ohr hat, auf den Ruf Christi zu hören. Vielleicht ist es nicht nötig, zu sagen, dass dieser Ruf nicht ergehen wird, nachdem die wahre Kirche in Herrlichkeit aufgenommen sein wird, denn nicht ein einziger Gläubiger wird zurückgelassen werden, wenn der Herr kommt, um die Versammlung zu Sich zu versammeln. Aber bis zu Seinem Kommen möchte Er jeden wahren Gläubigen rufen, der sich in Verbindung mit jenem Zustand befindet, der diese Versammlung kennzeichnet. Wenn Ihm die Tür des Herzens aufgetan ist, will Er in das Herz kommen und das Abendbrot mit ihm essen, und er mit Ihm. Das ist ausdrücklich persönlich und bezieht sich nicht darauf, dass Er in die bekennende Versammlung von Laodicäa kommen will. Für den, der überwindet, gibt der Herr die folgende Verheißung: „Wer überwindet, dem werde ich geben, mit mir auf meinem Throne zu sitzen, wie auch ich überwunden und mich mit meinem Vater gesetzt habe auf seinen Thron.“

Der Herr Jesus hat bisher Seinen eigenen Thron noch nicht eingenommen, sondern Er sitzt auf Seines Vaters Thron; hier handelt es sich um die verheißene Vereinigung mit Ihm an dem zukünftigen Tage der Herrlichkeit, wenn Er in Seinem Reiche herrschen wird. Abermals finden wir hier einen letzten Ruf an den, der ein offenes Ohr hat, zu hören, was der Geist den Versammlungen sagt, nicht nur dieser einen Versammlung, sondern allen. Also ist es deutlich zu erkennen, dass diese Botschaften an die Versammlungen aufgezeichnet und bewahrt worden sind zum Wohle der Kirche zu allen Zeiten, und wir selbst tun wohl daran, auf diese Botschaften zu achten, um sowohl das Böse, das darin gekennzeichnet ist, zu vermeiden, als auch die Worte der Ermunterung aufzunehmen, die wir darin finden.

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