Das Buch der Offenbarung

Kapitel 14

Das Buch der Offenbarung

Welch einen Gegensatz zu dem, was im vorigen Kapitel gesehen wurde, finden wir in diesem Kapitel dargestellt.

Dort sieht Johannes das Tier, das aus dem Meere heraufsteigt, hier wird das Lamm Gottes, auf dem Berge Zion stehend, gesehen, und zwar mit dem Überrest, der während der großen Drangsalszeit geborgen war und bewahrt worden ist. Sie haben gelitten, jetzt aber haben sie einen Platz mit Christus auf Seinem Throne. Das Lamm stellt den Einen dar, Der gelitten hat, Der aber bestimmt ist, zu herrschen. Der Berg Zion drückt königliche Gnade auf der Erde aus. Sie wurde zuerst in den Tagen Davids in den Vordergrund gebracht. Auf Zion wurde die Stadt Davids gebaut. Sie war der Sitz seines Königtums. Die Herrlichkeit des Thrones Davids ist verschwunden, aber der Thron Davids soll jetzt von seinem größeren Sohn eingenommen werden, dem Herrn Jesus. In den Psalmen wird ständig auf Ihn angespielt im Blick auf das Königtum und die Herrlichkeit. Der Grundsatz, der sich mit dem Berge Zion verbindet, ist Gottes Wirksamkeit für Sein Volk in den Wegen der Gnade, und zwar zu einer Zeit, wo unter dem Gesetz alles verloren war. In Hebräer 12 wird hierauf Bezug genommen. Die Stellung Israels wird dort zu der Stellung der Christen im Gegensatz gebracht, Israel war gekommen zum Berge Sinai, der für sie Finsternis und Fernbleiben bedeutete, aber die Christen sind zum Berge Zion gebracht, dem Berge, der von dem Eingreifen Gottes in Gnade redet. Für den Christen ist die Anwendung eine geistliche, aber an dem kommenden Tage wird Gott Seinen König auf dem heiligen Berge Zion einsetzen (siehe Psalm 2).

In Offb. 14 wird uns das Lamm gezeigt, das auf dem Berge Zion stand, und mit Ihm 144 000, die Seinen Namen und den Namen Seines Vaters an ihren Stirnen geschrieben tragen. Es ist nicht von dem Namen ihres Vaters die Rede, denn die Gemeinschaft des Volkes Gottes mit Gott als ihrem Vater ist nicht der Gegenstand der Offenbarung. Selbst wenn es sich um Christen handelt wie in Offb. 1, 6, lesen wir: „Und hast sie unserem Gott zu Königen und Priestern gemacht“. Im Evangelium Johannes haben wir das Wort: „Mein Vater, euer Vater“; aber das ist, wie gesagt, nicht der Gegenstand der Offenbarung, und wenn nicht in bezug auf die Christen dieses Verhältnis dort angedeutet wird, wieviel weniger bezüglich des jüdischen Überrestes. Die Zahl jener, die mit dem Lamm auf dem Berge Zion gesehen wird, ist mit 144000 angegeben. Diese Zahl stellt eine Vollkommenheit in der Verwaltung dar. Es ist die Zahl derer, die den Namen Seines Vaters an ihren Stirnen geschrieben tragen im Gegensatz zu denen in dem vorigen Kapitel, die das Malzeichen und den Namen des Tieres an ihren Stirnen und an ihrer rechten Hand trugen. Sie werden nicht im Himmel gesehen, aber sie stehen mit dem himmlischen Throne in naher Verbindung. Mit der Vorwegnahme dieser Segnung für den irdischen Überrest ist ein Lob der Freude im Himmel verbunden. Es wird nicht gesagt, wer das Lied singt. Sicherlich ist es nicht die Versammlung, denn dieses Lied wird vor dem Throne und vor den vier lebendigen Wesen und den Altesten gesungen. In Offb. 5, 9 singen die Altesten ein Lied. Dort haben wir das Lied der Erlösten, die die Herrlichkeit des Erlösers rühmen. Sie verkündigen auch, wie sie Gott zu Königen und Priestern gemacht worden sind, und dass sie herrschen werden, nicht auf der Erde, sondern über dieselbe.

In Offb. 14 hat das Lied offensichtlich Bezug auf solche, die auf der Erde herrschen werden. Es ist ein neues Lied, denn es rühmt verheißene Segnungen, die schon auf der Erde ihren Anfang nehmen. Vielleicht wird das Lied durch den Überrest der Juden gesungen, die ihres Zeugnisses wegen geschlachtet worden sind, und welche, in Kap. 6,10, verlangt hatten, dass Gott ihr Blut rächen möge an denen, die auf der Erde wohnen. Manche haben angenommen, dass die Schar von Offb. 14 dieselbe ist, wie die 144 000 in Kapitel 7, aber ein Vergleich der Kapitel zeigt beachtenswerte Unterschiede. Offb. 7 redet von einer Schar, die aus den zwölf Stämmen Israels erkoren ist, aber das ist von der Schar in Kapitel 14 nicht gesagt, obwohl die Zahlen übereinstimmen. Niemand auf der Erde konnte das Lied lernen als nur die 144000, die von der Erde erkauft waren. Sie hatten jungfräuliche Reinheit auf der Erde bewahrt. Sie waren dem Tiere nicht gefolgt und hatten sein Bild nicht angebetet, sondern sie folgen dem Lamm, wohin irgend es geht. Sie werden dargestellt als aus den Menschen erkauft als Erstlinge Gott und dem Lamm, und als solche, in deren Munde kein Falsch gefunden wurde, und die tadellos sind. Wir, die wir Christen sind, sind um einen Preis erkauft, durch das kostbare Blut Christi. Das wird auch die Grundlage sein, auf welcher dieser Überrest erkauft sein wird. Sie werden Erstlinge genannt, denn, wie wir aus den Schriften wissen, werden die Auserwählten aus den zehn Stämmen Israels erst zu den Segnungen herzugebracht werden, wenn Christus tatsächlich auf Seinem Throne der Herrlichkeit sitzt. Es wird dann eine Zeit der Bedrängnis über die ganze Erde kommen, aber die Zeit der Drangsal für Jakob wird in besonderer Weise über die zwei Stämme Juda und Benjamin kommen wegen ihrer Verwerfung Christi. Ein Überrest aus diesen zwei Stämmen wird bewahrt und treu für Gott erhalten werden, und diese werden befreit und als erste in die Segnungen eingeführt werden; darum wird gesagt, dass sie Erstlinge sind Gott und dem Lamm. Nur zwei Stämme kehrten aus der babylonischen Gefangenschaft zurück mit Ausnahme einzelner kleiner Gruppen aus anderen Stämmen. Zu ihnen kam Christus, und von ihnen wurde Er verworfen. Als Folge davon kommt das Blut Christi über sie und über ihre Kinder. Wirksame Irrtümer werden ihnen gesandt, dass sie der Lüge glauben, weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben. Sie haben sich geweigert, Ihn aufzunehmen, als Er in dem Namen Seines Vaters kam, aber wenn ein anderer in seinem eigenen Namen kommen würde, den würden sie aufnehmen. Das wird der Antichrist sein.

Große Drangsale würden über sie kommen, weil sie das Tier aufgenommen und sein Malzeichen angenommen hatten. So groß wird die Drangsal sein, dass gesagt wird: Wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch errettet werden; aber um der Auserwählten willen wird die Drangsal verkürzt. Die Auserwählten, von denen hier gesprochen wird, sind die 144000 von Offb. 14, Sie hatten sich nicht mit dem Tier und dem falschen Propheten verbunden und die Lüge Satans nicht in sich aufgenommen. Darum werden sie in einem praktischen Sinne tadellos genannt. Dies steht in treffendem Gegensatz zu solchen, welche der Lüge glauben, auf dass alle gerichtet werden wegen ihres Abfalls von Gott, Es handelt sich hier nicht um innerliche Heiligkeit, durch welche der Gläubige fähig gemacht sein wird, ohne Sünde und Befleckung vor Gott zu stehen. In gleicher Weise können wir, die wir Christen sind, obwohl noch auf Erden, das Lied der Erlösung singen, und das, bevor wir die Herrlichkeit erreichen. Derselbe Grundsatz gilt in bezug auf die Erstlinge. In Jakobus 1, 18 lesen wir: „Nach seinem eigenen Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit gezeugt, auf dass wir eine gewisse Erstlingsfrucht seiner Geschöpfe seien“. Auch in 1. Kor. 15, 23 lesen wir von Christus als dem Erstling; sodann die, die des Christus sind bei Seiner Ankunft. Hier in der Offenbarung handelt es sich aber bei den Erstlingen um die Erlösten aus den zwei Stämmen, bevor die zehn Stämme gesammelt sind. Wenn aus Zion der Erretter kommen wird, so wird Er die Gottlosigkeiten von Jakob abwenden, und wir lesen dann „und also wird ganz Israel errettet werden“. Einige haben gedacht, sie müssten einen Platz im Himmel haben, weil es heißt, dass sie aus den Menschen erkauft oder herzugebracht sind, aber das muss nicht angenommen werden. Von uns, als Christen, ist gesagt, dass wir herausgenommen sind aus der gegenwärtigen bösen Welt. Zweifellos ist dies der Sinn, der auch hier verstanden werden muss.

„Und ich sah einen anderen Engel inmitten des Himmels fliegen, der das ewige Evangelium hatte, um es denen zu verkündigen, die auf der Erde ansässig sind, und jeder Nation und Stamm und Sprache und Volk, indem er mit lauter Stimme sprach: Fürchtet Gott und gebet ihm Ehre, denn die Stunde seines Gerichts ist gekommen; und betet den an, der den Himmel und die Erde gemacht hat und das Meer und die Wasserquellen“ (Verse 6.7). Hier haben wir einen Ruf an die Menschen, Gott als den Schöpfer anzuerkennen; das ist sehr verschieden von dem Evangelium, welches wir in unseren Tagen zu predigen haben. Jetzt gefällt es Gott, durch die Torheit der Predigt die Glaubenden zu erretten, indem Er Menschenkinder benutzt, die Teilhaber der Gnade geworden sind, anderen die Gnade bekannt zumachen. Engel werden nicht gebraucht, um das Evangelium der Gnade Gottes zu verkündigen, aber sie werden benutzt, um die Ansprüche Gottes an Seine Schöpfung zu verfechten. Jakobus sagt: „Du glaubst, dass Gott einer ist, du tust wohl; auch die Dämonen glauben und zittern“. Jakobus zeigt, dass der Glaube durch die Werke unter Beweis gestellt werden muss. An anderer Stelle wird von der Busse zu Gott und dem Glauben an den Herrn Jesus Christus gesprochen. Kornelius war ein Mann, der Gott fürchtete, aber er musste von Petrus Worte hören, durch welche er errettet werden sollte. Petrus zeigt, dass durch Christus allein Vergebung der Sünden gepredigt wird. Nachdem die Versammlung weggenommen ist, wird eine furchtbare Welle des Abfalls über diesen Schauplatz gehen, und es mag wohl die Frage gestellt werden: „Wird Er den Glauben finden auf der Erde?“ Die entscheidende Frage jenes Tages wird sein, ob man Gott anerkennt und anbetet oder das Tier. Hier ergeht der Ruf an den Menschen, Gott zu fürchten und Ihn anzubeten, denn die Stunde Seines Gerichts ist gekommen. Der Glaube der Heiligen jener Tage wird einer außerordentlichen Prüfung unterworfen werden. Das Ausharren bis ans Ende wird das Zeichen und der Beweis des wahren Glaubens sein. Der Ruf ergeht an die, die auf der Erde ansässig sind, nicht an solche, die auf der Erde wohnen. Für die letzteren kommt dieser Ruf vergeblich; sie werden ohne Entschuldigung sein und niemals sagen können, dass sie nicht gewarnt worden sind. Aus den Nationen und Stämmen usw. werden zweifellos viele auf den Ruf achten und Gott Anbetung bringen, die Ihm allein gebührt.

In Vers 8 wird dann der Fall Babylons angekündigt. Diese große religiöse Macht hat unter den Nationen große Verwüstung angerichtet durch das Verderben, welches sie von ihr einsaugen mussten. Diese große Macht wird durch die größere politische Macht Roms zerstört werden, wie uns an anderer Stelle deutlich gezeigt wird. Viele mögen das Empfinden haben, dass sie ihr Gericht reichlich verdient hat, aber wenn dies auch so ist, müssen wir uns doch erinnern, dass die Macht, welche das Gericht ausführt, dies im Hass gegen Gott und alles, was Seinen Namen trägt, tut. Dann kommt der Zorn Gottes über alle, die in Auflehnung gegen Gott diese Macht anerkennen und ihr folgen. „Wenn Jemand das Tier und sein Bild anbetet und ein Malzeichen annimmt an seine Stirn oder an seine Hand, so wird auch er trinken von dem Weine des Grimms Gottes, der unvermischt in dem Kelche Seines Zorns bereitet ist, und er wird mit Feuer und Schwefel gequält werden vor den heiligen Engeln und vor dem Lamm“ (Verse 9.10). Der Wein, von dem hier die Rede ist, steht in auffälligem Gegensatz zu dem Wein der religiösen Macht Roms. Jener Kelch sprach von den irdischen Freuden, die ihm geopfert wurden, aber dieser Kelch ist mit dem Grimm Gottes gefüllt. Er spricht von Seinem Zorn, welcher die treffen wird, die das Tier anbeten.

Die Verse 10 und 11 zeigen, dass Gottes Gericht ein ewiges ist. Gewisslich handelt es sich nicht um Vernichtung, denn wir lesen, dass sie keine Ruhe haben Tag und Nacht. Dies ist das Teil sowohl des Tieres als auch des falschen Propheten, wie uns in Kapitel 19 deutlich gezeigt wird; aber es ist auch das Teil aller, die dem Tiere folgen. Der Teufel selbst wird nicht in den Feuersee geworfen bis die tausend Jahre vollendet sind, und dann wird dieser furchtbare Ort beschrieben als der Ort, wo das Tier ist und der falsche Prophet (nicht wo sie waren). Sie sind noch dort, wenn die tausend Jahre ihren Lauf vollendet haben. „Hier ist das Ausharren der Heiligen, welche die Gebote Gottes halten und den Glauben Jesu“. Wie schon gesagt wurde: es wird eine ernste Prüfung Gottes für die Heiligen sein, die auf der Erde leben, und nur wo wahres Leben ist, wird Ausharren bis ans Ende und ein Halten der Gebote Gottes sein. Der letzte Absatz zeigt, dass ihr Glaube dem Glauben des Herrn Jesu gleicht. Die Psalmen stellen den Weg und die Leiden des Überrestes in den letzten Tagen dar, und wir sehen, dass der Geist Christi sich mit ihnen einsmacht als solchen, die an Seinem Tage teilhaben sollen, nachdem sie in den Leiden in den letzten Tagen ausgeharrt haben.

In Vers 13 wird dann eine andere Gruppe hervorgehoben: „Glückselig die Toten, die im Herrn sterben von nun an! Ja, spricht der Geist, auf dass sie ruhen von ihren Arbeiten, denn ihre Werke folgen ihnen nach“. Dieser Vers wird oft auf die Heiligen unserer Tage angewandt, aber seine genaue Anwendung kann sich nur auf die beziehen, die nach der Aufnahme der Kirche als Märtyrer leiden. Nach den jüdischen Hoffnungen und Erwartungen war der Tod das Ende aller ihrer Hoffnungen, aber hier wird uns gezeigt, dass eine besondere Segnung auf solche wartete. Später wird uns in unserem Buche gezeigt, dass sie leben und herrschen mit dem Christus tausend Jahre. Sie hatten, wie einst Moses, ein irdisches Teil verloren, aber ein himmlisches wurde ihnen gegeben. Sie dürfen ruhen von ihren Arbeiten, aber ihre Werke folgen ihnen, nach. Sie werden reichlich belohnt für alles, was sie gelitten und gearbeitet haben, während sie auf Erden waren. Indem sie einen Platz auf der Erde verleugnet haben, haben sie vom Herrn einen Platz im Himmel erlangt. Sie mögen sterben, aber sie sterben in dem Herrn. Sie regieren mit Christus, nicht auf der Erde, sondern über dieselbe. Natürlich können wir dies grundsätzlich auch auf solche anwenden, die in unseren Tagen sterben. Wenn sie errettet sind, so sterben sie im Herrn, um ausheimisch von dem Leibe und einheimisch bei dem Herrn zu sein. Zu ruhen von den Arbeiten, wird der Lohn des Arbeiters sein, und auch wird der Herr alles belohnen, was für Ihn getan und erlitten worden ist. Das wird am Tage Seiner Herrlichkeit geschaut werden, wenn Er mit den Seinen in Herrlichkeit erscheint. Dann wird Er bewundert werden in Seinen Heiligen.

In den wenigen letzten Versen unseres Kapitels haben wir dann zwei Schlussszenen. Zuerst haben wir die Ernte, dann die Weinlese. Diese Szenen vollenden die sieben deutlich erkennbaren Teile, die wir hier haben, die uns berichten von dem Handeln Gottes mit Seinem irdischen Volke und auch mit solchen, die Ihm in verschiedener Weise widerstanden haben. Zuerst haben wir den göttlichen jüdischen Überrest vereinigt mit dem Lamm auf dem Berge Zion. Zweitens haben wir Gottes Zeugnis an die heidnischen Völker, ausgestreut sowohl in alle Welt als auch für solche, die sich in dem prophetischen Lande Palästina befinden. Drittens haben wir den Fall Babylons. Viertens das furchtbare Endgericht über die, welche das Tier und sein Bild anbeten und sein Malzeichen annehmen. Fünftens die Segnung jener Zeit für die, welche in dem Herrn sterben. Sechstens die Ernte, bei welcher das Unkraut von dem Weizen ausgelesen wird, Siebentens die ungeheure Betrübnis der Vergeltung für den religiösen Abfall.

Die Verse 14-16 geben uns das Bild der Ernte der Erde. Sie hat es mit den Guten und Bösen zu tun. Man mag einen Vergleich machen mit Lukas 17, wo der eine genommen und der andere gelassen wird. Hier haben wir die weiße Wolke, und auf der Wolke sitzend Einen gleich dem Sohn des Menschen. Der Schnitter steht mit der Wolke in Verbindung, welche in sich selbst ein Sinnbild der göttlichen Gegenwart ist. Die Ähnlichkeit dem Sohn des Menschen erinnert uns an Joh. 5, wo uns gezeigt wird, dass der Herr Jesus der Sohn des Menschen ist, dem Gott alle Gewalt und alles Gericht gegeben hat. Hier sehen wir Ihn nicht als Den, Der eine Dornenkrone trägt und ein Fluch geworden ist, sondern Er trägt eine goldene Krone auf Seinem Haupte, gekrönt mit göttlicher Herrlichkeit und Ehre, „und in seiner Hand eine scharfe Sichel“. Dann hören wir den Ruf: „Schicke deine Sichel und ernte“, und in Vers 16 sehen wir, dass diesem Ruf unmittelbar Folge geleistet wird. Er, Der einst hienieden war und in dem Gehorsam vollkommener Menschheit wandelte, wird auch hier noch in dem Charakter von Abhängigkeit gesehen. In Matth. 13 lesen wir mit Bezug auf die Ernte, dass der Weizen in die Scheune gesammelt wird, die Spreu aber verbrannt mit unauslöschlichem Feuer.

In Vers 18 sehen wir dann einen anderen Engel aus dem Altar hervorkommen, der Gewalt über das Feuer hatte, und er rief mit lautem Schrei und sprach: „Schicke deine scharfe Sichel und lies die Trauben des Weinstocks der Erde, denn seine Beeren sind reif geworden“. Wo das Opfer verweigert worden ist, kann keine Gnade mehr sein. Der Altar, der von der Sühnung für den Glaubenden redet, redet für den Ungläubigen nur von Gericht. Hier haben, wir ferner einen Weinstock auf der Erde, aber nicht den Weinstock Gottes. Der Herr Jesus war der wahre Weinstock Gottes, und Seine Reben können nur Frucht tragen, wenn sie in Ihm bleiben. Das redet von Frucht, die Gott annehmen konnte, aber in dem Weinstock des Menschen gab es nur Trauben von wilden Weinbeeren, die Früchte der Natur, und diese waren völlig reif für das Gericht. Anderswo lesen wir von einem Weinstock, den Gott aus Ägypten zog und in das Land Palästina pflanzte, auch dass Juda die Pflanzung Seines Ergötzens war, aber wenn Gott nach Frucht suchte, die Er annehmen konnte, sah Er nur Herlinge, die Früchte einer bösen Natur, die Ihm so verhasst waren. Hier in Offb. 14 haben wir etwas ähnliches, nur geht es hier weiter. Auch sehen wir hier ein unvermischtes Gericht. Die Trauben werden gesammelt und in die große Kelter des Zorns Gottes geworfen. Dann folgt ein schreckliches Bild eines Blutbades, wie es die Welt bis dahin noch nicht gesehen hat.

Die Bezugnahme auf die Stadt will zweifellos zeigen, dass dieses schreckliche Gericht nahe der Stadt Jerusalem stattfindet, denn wir lesen von dem Blut, das aus der Kelter hervorging bis an die Gebisse der Pferde, tausendsechshundert Stadien weit. Dieser Strom von Blut, ungefähr 350 km lang, hat die Länge Palästinas und zeigt zweifellos an, dass das ganze Land in Blut getaucht sein wird. In dem Lande dort werden große Heere versammelt sein, und alle werden dem Lamm widerstehen. Offb. 19 sagt deutlich, dass es der Herr Jesus ist, Der die Nationen schlägt, und dass Er es auch ist, Der die große Kelter des Weines des Grimms des Zorns Gottes, des Allmächtigen, tritt. In 1. Thess. 5, 3 lesen wir: „Wenn sie sagen, Friede und Sicherheit! dann kommt ein plötzliches Verderben über sie, gleichwie die Geburtswehen über die Schwangere, und sie werden nicht entfliehen“. Die Menschen mögen den Herrn Jesus verachtet haben und Ihn noch verachten, aber an jenem Tage werden sie ernten, was sie gesät haben.

Nächstes Kapitel »« Vorheriges Kapitel (kaufen)

Ihre Nachricht