Das Buch der Offenbarung

Kapitel 6

Das Buch der Offenbarung

In diesem Kapitel beginnen die Dinge, von welchem in Kap. 1, 19 und 4, 1 gesagt wird: „Was nach diesem geschehen muss“. Was in den Kapiteln 4 und 5 gezeigt wird, wird im Himmel gesehen. Kapitel 6 zeigt uns die erste Reihe von Gerichten, welche die Erde treffen, nachdem die Versammlung oder Kirche zur Herrlichkeit aufgenommen ist. Wir sehen „Gottes Handeln in geheimnisvoller Weise, um Seine Wunder zu verrichten. Seine Fußstapfen in das Meer zu setzen, und indem Er einher reitet auf den Stürmen“, Gott herrscht über die Taten der Menschen, damit Sein Wille ausgeführt wird, und das übrige wird vernichtet werden und verschwinden. Gott ist offenbart als der Höchste, wie Er auf Seinem Throne sitzt und die Welt regiert, und Sich alles unterwirft, was Ihm widersteht. Das Lamm, Gottes Lamm, hat den Anspruch auf das Erbteil, wie in Psalm 2 deutlich gesagt wird. In Vers 8 dieses Psalms heißt es: „Fordere von mir, und ich will dir zum Erbteil geben die Nationen, und zum Besitztum die Enden der Erde“. Während des gegenwärtigen Tages von Gottes Gnade betet der Herr Jesus nicht für die Welt, sondern für die, die der Vater Ihm gegeben hat (Joh. 17, 9). Aber bald wird der Tag kommen, wo das Lamm Seine Rechte geltend machen und Anspruch auf Sein Erbe erheben wird. Dies wird in dem Öffnen der Siegel gesehen. Drei Arten von Sinnbildern werden im Buche der Offenbarung gebraucht, die Siegel, die Posaunen und die Zornschalen. In Verbindung mit den Siegeln sehen wir das Lamm, in Verbindung mit den Posaunen die Engel und in Verbindung mit den Zornschalen Gott selbst. Die Siegel und vor allem die Posaunen, sehen wir nicht gleichzeitig in Wirksamkeit, sondern in aufeinanderfolgender Ordnung. Viele Gerichte müssen ausgeführt werden vor Seiner tatsächlichen Inbesitznahme der Erde. Viele dieser Gerichte haben einen Charakter, der durch die Vorsehung Gottes gewirkt ist, und der Herr wird nicht direkt als Der gesehen, Der sie ausführt, obwohl Er es ist, Der die Siegel öffnet.

Als das Lamm eines von den sieben Siegeln öffnete, hörte Johannes eines von den vier lebendigen Wesen mit einer Donnerstimme sagen: „Komm!“ Es ist ein Ruf an Johannes. Die Übersetzer der Bibel haben zum Teil die Worte hinzugesetzt: und sieh! Wie verschieden ist diese Einladung von der Einladung in Offb. 22, 17. Dort ist es in erster Linie eine Einladung an Christus, für Seine Heiligen zu kommen, dann aber auch eine Einladung an die arme, dürstende Seele, zu Christus zu kommen. Hier in Kapitel 6 ergeht der Ruf an Johannes, Zeuge zu sein der Gerichte, die nunmehr an der Erde ausgeführt werden sollen. In dem Folgenden haben wir das, was Hesekiel die vier bösen Gerichte nennt, das Schwert, den Hunger, die Pest und die wilden Tiere der Erde. Sie stellen Gottes Handeln in der Vorsehung dar; Gottes Stimme wird darin gehört. In Sacharja 1 und 6 werden die Bilder von Pferden oder Rossen gebraucht. Sie stellen dort die vier Weltreiche von Daniel 2 und 7 dar, nämlich Babylon, Persien, Griechenland und Rom, Hier in Offb. 6 reden sie in prophetischer Weise von der Endphase der Weltherrschaft des Menschen bis zur Herrschaft Christi im Tausendjährigen Reiche. Pferde werden prophetisch als Bilder der menschlichen Instrumente gebraucht, die in der Vorsehung Gottes benutzt werden, die Gerichte über die Erde in den letzten Tagen der Herrschaft des Menschen auszuführen. Ein Pferd stellt also das Wirken der Vorsehung dar, wie sie sich in der Verwaltung der Erde unter verschiedenen Formen kundtut. Dieses Sinnbild kann, wie wir es in Kapitel 19 sehen, in bezug auf Christus gebraucht werden, oder auch von einem Kaiser oder sonstigem Herrscher.

Im Gegensatz zu der Auslegung des Verfassers schreibt Dr. Dönges in seinem bekannten Buch; „Was bald geschehen muss“, dass sich der Ruf: Komm! nicht an Johannes richtet, sondern dass es sich um den Ruf an den jeweiligen Reiter handelt, der auf den Ruf hin erscheint. Dies hat u. a. deshalb größere Wahrscheinlichkeit für sich, weil Johannes das erste lebendige Wesen „mit einer Donnerstimme“ reden hört. Wenn Johannes in Kapitel 4, 1 die Aufforderung hört: „Komm hier herauf“, so ist es die Stimme wie die einer Posaune. Der Donner redet von kommenden Stürmen, und es werden sicher starke Stürme über diese arme Welt hereinbrechen, wenn Gott anfängt, im Gericht zu reden.

Pferde und Throne sind beide als Sinnbilder gebraucht, um Macht auszudrücken, jedoch mit treffenden Unterscheidungen. Das Ross wird entsprechend seiner Verwendung im Kriege als Bild gebraucht. Mit ihm unterwirft man sich alles, was sich entgegenstellen will. Throne werden gebraucht, um Herrschaft und Regierung über solche auszudrücken, die bereits unterworfen sind. Das weiße Pferd in Kapitel 19 hat, wie klar zu sehen ist, Bezug auf das Kommen Christi als der mächtige Sieger.

In Kapitel 6 hat das weiße Pferd keinen Bezug auf Christus, sondern vielmehr auf einen großen Eroberer, der durch Triumph und unblutigen Sieg gekennzeichnet ist. Wer dieser Herrscher sein wird, ist eine offene Frage. Manche haben geglaubt, dass es sich nicht auf das Römische Reich beziehen kann, aber nach meinem persönlichem Empfinden kann es kein anderer sein als das erste Tier von Offb. 13. Er hat einen Bogen, was seinen kriegerischen Charakter darstellt und auch anzeigt, dass seine Eroberung eine weitreichende ist. Wenn er zuerst erscheint, ist er kein Monarch, aber eine Krone wird ihm gegeben, „und er zog aus, siegend und auf dass er siegte“. Er wird ohne Zweifel das blinde Werkzeug der Rache Gottes sein, um dieselbe an den Nationen auszuüben. Er erlangt seine Krone durch seine eigene Kraft und mit Hilfe seiner eigenen Feldherrnkunst, und das scheint in Übereinstimmung mit Kapitel 13 zu sein. Das dort gezeigte Haupt des westlichen Reiches wird ein Gegenstand der Bewunderung sein, und man wird fragen bei seinem Anblick: „Wer ist dem Tiere gleich? Und wer vermag mit ihm zu kämpfen?“ Doch es steht geschrieben: „Wenn sie sagen: Friede und Sicherheit, dann kommt ein plötzliches Verderben über sie“. So sehen wir es auch hier.

Dem Öffnen des zweiten Siegels im Himmel folgt ein weiteres Ereignis auf der Erde, durch welches die lebenden Geschöpfe eines jeden Abschnitts aufgerufen werden, achtzuhaben auf das, was das Öffnen der Siegel bewirkt. Die Auswirkungen, die sich durch das Öffnen des zweiten Siegels für diese Erde ergeben, vollenden die in der Vorsehung beschlossenen Plagen, von denen in den Schriften die Rede ist. Ihnen folgen die direkten Gerichte. Das rote Pferd bedeutet Blutvergießen. Der Reiter hat ein großes Schwert, durch welches er befähigt ist, den Frieden von der Erde zu nehmen. Das ist dann das Ende aller Bemühungen des Menschen, den Frieden zu sichern. Das zweite Pferd wird vielleicht in enger Verbindung mit dem ersten Pferde sein, und so sehen wir es auch mit dem dritten und vierten. Zuerst sehen, wir einen unblutigen Sieg, aber diesem folgt bald ein großes Schlachten, dessen Schrecken des Blutvergießens durch das große Schwert versinnbildlicht werden. Die Menschen werden versuchen durch ihre Verschmelzungen eine Macht zu bilden, die groß genug ist, den Frieden zu sichern. Aber gleichzeitig mit der Bildung dieser Macht wird sich eine andere große Macht im Norden und Osten bilden, um jene erste Macht zu bekämpfen, und sie führt zu den mächtigen Konflikten, die sich in und rund um Palästina abspielen, wie es in Daniel deutlich vorhergesagt ist.

In den Versen 5 und 6 wird Hunger vorhergesagt, der unweigerlich die Folge von langen Kriegen und Konflikten ist. Die Waage in der Hand eines Mannes wird nur die für einen Tag nötige Nahrung zuteilen. Es wird gesagt, dass ein Chönix Weizen die tägliche Zuteilung für einen römischen Soldaten war, woraus man die Schwierigkeit der Versorgung eines Haushaltes ersieht. Die drei Chönix Gerste waren die tägliche Ration für einen gewöhnlichen Arbeiter. So wird der Lebensbedarf zu Hungerpreisen verkauft werden, wodurch die Leiden der ärmeren Klassen vermehrt werden. Öl und Wein sollen nicht beschädigt werden; sie sind der Luxus der Reichen, welche in Tagen von Hunger und Mühsal die letzten sind, die davon betroffen werden. Dann haben wir das fahle Pferd, welches Pest und Tod darstellt. Dem fahlen Pferde folgt unmittelbar der Hades, der Platz oder Zustand der Geister der Gestorbenen, als wollte er mit offenem Maule die verschlingen, die Tod und Pest hinwegraffen.

Die vier bösen Gerichte von Vers 8 und Hes 14,21: Schwert, Hunger, Tod und wilde Tiere werden in ähnlicher Folge genannt wie in Mt 24,7 und sind nur der Anfang der Wehen. Keine Freude wird es mehr geben bis die 1290 Tage vollendet sind. die mit der Zeit beginnen, wo das beständige Opfer abgeschafft sein wird, um den verwüstenden Greuel aufzustellen (siehe Dan. 12, 11). Nichts, was vordem geschehen ist, hat dem entsprochen oder ähnliches hervorgerufen. Diese Gerichte treffen den vierten Teil der Erde und nicht den dritten Teil. Der dritte Teil bezeichnet das Römische Kaiserreich. Hieraus können wir schließen, dass diese Gerichte auf ihr Gebiet beschränkt sein werden, dass sie nicht die ganze Erde betreffen, ferner auch, dass nur ein Teil des Römischen Reiches betroffen wird. Aus diesen Folgerungen mögen wir sehen, wie Gott sich Seiner Heiligen erinnert, bevor andere Gebiete von den Gerichten erreicht werden. Wir haben hier keinerlei Hinweis auf wahre Christen, Sie werden zu jener Zeit in ihren verherrlichten Leibern bei Christo sein. Jene Heiligen, die den Märtyrertod gestorben waren, fragen, wie lange es währen wird, bis sie gerächt werden, denn wir haben es hier mit den Gerichten Gottes zu tun. Dass wir sie unter dem Altar sehen, bedeutet, dass sie ihre Leiber als ein Opfer für die Wahrheit Gottes hingegeben haben. Die weißen Kleider sind das Zeugnis ihrer Gerechtigkeit; sie zeigen ihre von Gott erklärte Anerkennung. Sie reden nicht von Auferstehung. Diese finden wir erst im 20. Kapitel. „Sie sollen mit mir einhergehen in weißen Kleidern, denn sie sind es wert“, war eine göttliche Verheißung, die in Verbindung mit jenen wenigen Treuen gegeben wurde, die in Sardes gefunden wurden (Off 3,4).

Hier in Kapitel 6 haben wir den Ruf nach Rache, und das ist gewißlich nicht die Stellung der Christen, die stets nach Vergebung rufen sollten. Zweifellos handelt es sich hier um Heilige aus der Mitte der gottesfürchtigen Juden, die ihr Zeugnis mit ihrem Blute besiegelt haben. Nachdem die Kirche zur Herrlichkeit aufgenommen sein wird, wird Gott wieder unter den Juden wirken und aus ihnen einen Überrest für Sich selbst berufen. Die Welt wird durch die Wegnahme der Kirche keine Verbesserung erfahren, im Gegenteil, da die Christen das Salz der Erde sind, wird sich die Tür für größeres Verderben öffnen, wenn sie hinweggenommen sind.  Man wird Gott aufgeben und allen und allem widerstehen, was Gott fürchtet und von Seinen Ansprüchen Zeugnis gibt. Manche werden geschlachtet werden, während andere bewahrt bleiben. Es wurde diesen Knechten Gottes auch geoffenbart, dass sie eine kleine Zeit ruhen sollten, bis auch ihre Mitknechte und ihre Brüder vollendet sein würden, die ebenso wie sie getötet werden würden. Von diesen weiteren Märtyrern lesen wir in Offb. 20, 4. Von dieser Schar wird uns ferner gesagt, dass sie das Tier nicht angebetet hatten, noch sein Bild, und das Malzeichen nicht angenommen hatten an ihre Stirn und an ihre rechte Hand. Das ist nicht gesagt von den Seelen, von denen wir in Kapitel 6 lesen, so dass diese Schar wahrscheinlich die umfasst, die während der ersten Hälfte der Jahrwoche geschlachtet werden, die Schar in Offb. 20 aber solche, die in der zweiten Hälfte der Woche erschlagen werden. Diese haben die große Probe ihrer Treue darin erbracht, dass sie sich geweigert haben, das Bild des Tieres anzubeten, welches erst in der zweiten Hälfte der Jahrwoche aufgestellt werden wird. Beide Scharen werden zusammen auferweckt werden, um mit Christus über diese Erde zu herrschen.

In Vers 10 haben wir den Schrei nach Rache. „Bis wann, o Herrscher, der du heilig und wahrhaftig bist, richtest und rächst du nicht unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen?“ Diese Klasse von solchen, die auf der Erde wohnen, wird im Buch der Offenbarung besonders hervorgehoben. Sie sind solche, die da suchen, die Erde für sich selbst zu beanspruchen, unter Ausschluss von allem, was den Namen Gottes trägt.

In Vers 12 haben wir zweifellos eine Antwort auf den Schrei jenes geschlachteten Überrestes, obwohl wahrscheinlich die volle Antwort erst gegeben werden wird, wenn der Herr tatsächlich erscheint, um das Gericht auszuführen. Bei der Eröffnung des sechsten Siegels geschieht ein Erdbeben, die Sonne wird schwarz wie ein härener Sack und der Mond wie Blut. „Und die Sterne des Himmels fielen auf die Erde“, usw. Ohne Zweifel sind hier die mächtigen Zuckungen dargestellt, welche über die Erde oder die Welt kommen werden, wenn der Umsturz jeder Ordnung erfolgt. Aus Joel 2, 30. 31 sehen wir, dass diese Dinge vor dem Tage des Herrn geschehen werden, wenn Er kommt, um das Gericht auszuführen. Alle regierenden Kräfte werden heimgesucht, ob sie einer höheren Ordnung angehören, wie es durch die Sonne ausgedrückt ist, oder einer mehr untergeordneten, wie der Mond sie darstellt. Auch. die niedrigeren Ordnungen werden erschüttert werden, wie es die Sterne darstellen, denn wir müssen diese Dinge bildlich verstehen, nicht dem Buchstaben nach. Wenn wirkliche Sterne in Berührung mit unserer Erde kommen würden, so würde dies nach dem übereinstimmenden Urteil aller Männer der Wissenschaft die Zerstörung der Erde bedeuten.

Manche haben den 14. Vers mit Hebr. 1,10-14 in Verbindung gebracht, aber ein Vergleich wird deutlich zeigen, dass es nicht so ist. Im Briefe an die Hebräer handelt es sich um die Himmel und die Erde, die in ihrem jetzigen Zustand vergehen werden; sie werden einem alten Gewande verglichen. Ihr gegenwärtiger Zustand wird zu einem Ende gekommen sein und soll verwandelt werden, umgestaltet in einen neuen Himmel und eine neue Erde. Das führt uns zu dem ewigen Zustand hin. Das ist ganz verschieden von dem, was wir in Offb. 6 haben, denn in Vers 15 lesen wir als das Ergebnis der gewaltigen Zuckungen „und die Könige der Erde und die Großen und die Obersten und die Reichen und die Starken und jeder Knecht und Freie verbargen sich m die Höhlen und in die Felsen der Berge“. Hier sehen wir Panik und Angst, ebenso wie es bei Adam und Eva war, als sie die Stimme Gottes in dem Garten hörten. Ein schlechtes Gewissen macht wahrlich aus allen Menschen Feiglinge. Sie suchen Zuflucht vor dem Angesicht Dessen, Der auf dem Throne sitzt und vor dem Zorn des Lammes. Da ist große Furcht, dass der Tag des Herrn gekommen sei und dass Er Seinen Thron eingenommen habe, aber wenn dieser Tag tatsächlich kommt, so wird Widerstand gegen den Herrn gefunden werden, und man wird gegen Ihn kämpfen. Hier sehen wir diesen Tag noch nicht tatsächlich gekommen, obwohl die Gerichte, welche ausgeführt werden, die Errichtung des Reiches vorbereiten.

Nächstes Kapitel »« Vorheriges Kapitel

Ihre Nachricht