Einführung in das Studium der Prophetie

B. Die Nationen

KAPITEL 1 – Babylon, die grosse

Wenn der Herr Jesus wiederkommen wird, werden alle Erlösten zu Ihm hin entrückt werden, welchem christlichen System sie auch angehören. Dagegen werden eine grosse Zahl von Personen, die sich nur äusserlich zum Christentum bekannten, ohne das göttliche Leben zu besitzen, auf dieser Erde gelassen, wo sie von dem religiösen System aufgesogen werden, das in der Offenbarung Babylon, die grosse, genannt wird. Alle nicht erretteten Bekenner werden dazu gehören, ob sie protestantisch, katholisch, orthodox seien, oder sich zu irgendeiner anderen so genannten christlichen Religion bekennen.

«Und es kam einer von den sieben Engeln ... und redete mit mir und sprach: Komm her, ich will dir das Urteil über die grosse Hure zeigen, die auf den vielen Wassern sitzt, mit welcher die Könige der Erde Hurerei getrieben haben ... Und er führte mich im Geiste hinweg in eine Wüste; und ich sah ein Weib auf einem scharlachroten Tiere sitzen, voll Namen der Lästerung, das sieben Köpfe und sieben Hörner hatte. Und das Weib war bekleidet mit Purpur und Scharlach und übergoldet mit Gold und Edelgestein und Perlen, und sie hatte einen goldenen Becher in ihrer Hand, voll Greuel und Unreinigkeit ihrer Hurerei; und an ihrer Stirn einen Namen geschrieben–. Geheimnis, Babylon, die grosse, die Mutter der Huren und der Greuel der Erde» (Off 17,1–5).  Sobald die Versammlung Gottes entrückt worden ist, nimmt die falsche Kirche Satans für eine gewisse Zeit ihren Platz auf dieser Erde ein. Wiewohl diese Ereignisse noch zukünftig sind, bestehen die Grundelemente dieses abtrünnigen Systems schon heute, wie wir dies sehen, wenn wir die Kennzeichen Babylons, der grossen Hure, näher prüfen. Diese Kennzeichen sind in der Hauptsache folgende:

1. Die Hure ist gänzlich irdisch. Sie ist die Mutter der Huren und der Greuel der Erde, unterhält strafbare Beziehungen mit den Königen der Erde, sie hat Gedeihen auf der Erde und herrscht über die Könige der Erde, indem sie die Ehren, die Genüsse, den Reichtum und die Herrschaft dieser Erde sucht (Off 17,2–5.15.18). Ihr Ursprung, ihre Verbindungen und ihre Kennzeichen sind also ausschliesslich irdischer Natur.

Dies alles steht im Gegensatz zur wahren Kirche, deren Ursprung, Verbindungen, Segnungen und Bestimmung himmlisch sind. Der Ursprung– «Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel hernieder kommen von Gott» (Off 21,2). Die Verbindungen: «Unser Bürgertum ist in den Himmeln, von woher wir auch den Herrn Jesus Christus als Heiland erwarten» (Phil 3,20). Die Segnungen: «Gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern» (Eph 1,3). Die Bestimmung: «Gott …, der euch zu seinem eigenen Reiche und seiner eigenen Herrlichkeit beruft» (1. Thes 2,12). Zusammengefasst: Die Erde kennzeichnet Babylon, die grosse, der Himmel aber die wahre Kirche.

2. Ein zweiter Wesenszug der Hure ist der, dass es ihr gelingt, die Oberhoheit über die Welt an sich zu reissen, während die wahre Kirche Christo unterworfen ist, wie ein Weib ihrem Manne (1. Kor 11,3; Eph 5,23–24). Babylon, die grosse, wird unter dem Symbol eines Weibes dargestellt, das an vielen Wassern sitzt, die nach Vers 15 «Völker und Völkerscharen und Nationen und Sprachen» sind. Das hebt die Universalität ihrer Herrschaft hervor. Anderseits sieht sie Johannes «auf einem scharlachroten Tiere sitzen» (V. 3), das sie in all seinen Bewegungen leitet; dieses Tier ist das wiedererstandene Römische Reich. Wenigstens am Anfang seiner Wiederherstellung wird es diese götzendienerische Religion dulden. Schliesslich lesen wir im 18. Vers, dass das Weib das Königtum hat über die Könige der Erde.

Obwohl diese Beschreibung prophetisch ist, so weist alles darauf hin, dass diese Wesenszüge in erstaunlicher Weise denen der Römischen Kirche entsprechen, die im Verlaufe der Jahrhunderte eine wirkliche Oberhoheit über verschiedene Könige und Nationen ausgeübt hat.

3. Die wahre Kirche wird «die Braut des Lammes» genannt (Off 21,9). Im Gegensatz zu diesem Wesenszug ist die Hure das Weib des Tieres (Off 17,3) und die Könige der Erde haben Hurerei mit ihr getrieben (V. 2). Damit ist die Verbindung mit der Welt und mit der Weltlichkeit in allen ihren Formen gemeint: Die Hure ist mit prächtigen Stoffen bekleidet und schmückt sich mit Gold, Edelsteinen und Perlen (V. 4), während die wahre Kirche hienieden nichts besitzt: Sie hat weder Silber noch Gold, und in ihrer Mitte gibt es «nicht viele Mächtige, nicht viele Edle» (1. Kor 1,26). Erst in der Herrlichkeit wird sie mit feiner Leinwand, glänzend und rein, bekleidet sein, welches die Gerechtigkeiten (die gerechten Taten) der Heiligen sind (Off 19,8). Christus wird sie Sich Selbst verherrlicht darstellen, ohne Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen, sondern heilig und tadellos (Eph 5,27).

4. Die Hure wird sich ferner durch ihre Schamlosigkeit, ihre Greuel, ihre Unreinigkeit und ihre Hurerei unterscheiden (V. 4–5). Sie hält in ihrer Hand einen goldenen Becher voll Greuel und wird die Mutter der Huren und der Greuel der Erde genannt.

Diese Ausdrücke bezeichnen vor allem den Götzendienst, der dieses religiöse System in Verbindung mit seiner abgrundtiefen Unmoral kennzeichnen wird. Die abtrünnige Kirche wird anstelle des Gottesdienstes, der Gott und Jesu Christo zukommt, den Götzendienst einführen, indem sie sich dabei mit der durch Satan und seinen Helfershelfern (das Römische Reich und der Antichrist) angeführten Welt vereinigt. Es wird also zu einer Vereinigung des falschen Christentums mit dem Antichristentum kommen. Diese Verbindung verdient wohl die Bezeichnung Hurerei, und die, welche sie ausführt, den Titel «Mutter der Huren und der Greuel der Erde».

5. Die Hure ist trunken von dem Blute der Heiligen und von dem Blute der Zeugen Jesu (V. 6). Unduldsamkeit und Verfolgung sind von jeher die Kennzeichen der falschen Religion gewesen, während sich die Braut des Lammes jeder Gewalttat enthält. «Ich aber sage euch: Widerstehet nicht dem Bösen, sondern wer irgend dich auf deinen rechten Backen schlagen wird, dem biete auch den anderen dar» (Mt 5,39). «Lasst eure Milde kund werden allen Menschen» (Phil 4,5). Auch in dieser Beziehung kann man nicht anders als feststellen, dass die Römische Kirche in den vergangenen Jahrhunderten diesen Wesenszug der Unduldsamkeit und der Verfolgung hinsichtlich der Zeugen Jesu offenbart hat. Sie bildet somit, mehr als irgendein anderes bestehendes religiöses System, das vor, was das Wesen von Babylon sein wird. Und man versteht die Verwunderung des Johannes (V. 6–7); denn wenn er die Verfolgungen seitens des damaligen römischen Heidentums kannte, so hatte er Mühe sich vorzustellen, dass eine Kirche, die vorgibt, christlich zu sein, sich mit dem Blute der Zeugen Jesu betrinken kann. «Und in ihr wurde das Blut der Propheten und Heiligen gefunden und von allen denen, die auf der Erde geschlachtet worden sind» (Off 18,24). Aber wenngleich die Hure verfolgt und nach der Entrückung der Kirche Erlöste tötet, so ist es klar, dass die, von denen hier die Rede ist, hauptsächlich zur Haushaltung der Gnade gehören. Es ergibt sich daraus, dass Babylon, die grosse, schon jetzt besteht und berufen sein wird, während des Abfalls, der nach dem Kommen des Herrn einsetzen wird, eine besondere Rolle zu spielen. Als «Mutter der Huren» ist sie die Quelle, die Erzeugerin aller von den Menschen erfundenen Systeme und von allem durch Satan in Szene gesetzten Götzendienst, der die Seelen vom Herrn abzieht. ohne behaupten zu wollen, dass die Römische Kirche Babylon, die grosse, sei, muss man zugeben, dass diese Kirche doch in auffallender Weise der im Worte Gottes enthaltenen Beschreibung von Babylon entspricht. Babylon wird aber erst nach der Entrückung der Kirche zu ihrer vollen Entwicklung kommen.

6. Im fünften Vers unseres Kapitels lesen wir: «Und an ihrer Stirn einen Namen geschrieben: Geheimnis, Babylon, die grosse ... », und im siebten Vers sagt der Engel zu Johannes: «Warum verwundertest du dich? ich will dir das Geheimnis des Weibes sagen und des Tieres, das sie trägt.» Im Worte Gottes ist ein «Geheimnis» etwas Verborgenes, das Gott den Seinen offenbart. Gewiss, das Geheimnis der Gesetzlosigkeit ist schon jetzt wirksam (2. Thes 2,7), aber das Böse wird seinen Höhepunkt erst erreichen, wenn die wahre Kirche, das Salz der Erde,,nicht mehr da sein wird, um die volle Entwicklung des Verderbens aufzuhalten. in diesem Zeitpunkt wird das Geheimnis des Weibes und des Tieres offenbart sein und die falsche Religion entlarvt werden. Dieses Geheimnis wird dem grossen Geheimnis der Gottseligkeit gegenübergestellt. «Dort wird sich das Gute und das Böse in einer gottlosen Verbindung vereinigen, um das Schlechteste und nicht das Gute zu vollbringen. Durch dieses Bündnis ... sucht man Gott mit dem natürlichen Menschen zu verbinden; man ersetzt die Gnade und das Wort Gottes, das Blut des Christus und die Kraft des Heiligen Geistes durch Rituale,und gebraucht den Namen des Herrn, um die gröbsten Leidenschaften und Begierden zu verdecken ... » (W. Kelly, Betrachtung über die Offenbarung). Das ist das Geheimnis von Babylon.

7. Der Sitz dieses religiösen Systems wird in Rom sein. Offenbarung 17,9 gibt uns Aufschluss darüber: «Die sieben Köpfe sind sieben Berge, auf welchen das Weib sitzt.» Man weiss, dass Rom auf sieben Hügel gebaut ist. Hier haben wir also einen weiteren Hinweis der Gleichbedeutung von Babylon, der grossen, mit der Römischen Kirche. Ferner wird im 18.Vers hinzugefügt: «Und das Weib, das du sahst, ist die grosse Stadt, welche das Königtum hat über die Könige der Erde», was zu Lebzeiten des Johannes von Rom gesagt werden konnte. Die kirchliche Weltorganisation, über welche die Kirche von Rom verfügt, wird der abtrünnigen Kirche, die nach dem Kommen des Herrn noch einige Zeit bestehen wird, zur Verfügung gestellt. Wenn die Erlösten hinweg genommen worden sind, werden alle unechten Christen und ihre Kirchen diesem gewaltigen satanischen und götzendienerischen System anheim fallen, dessen Haupt in Rom sein wird. Alle müssen sich dann vor dieser Macht beugen, von welcher man zur jetzigen Stunde bereits die ersten Kundgebungen wahrnimmt, besonders in den Bemühungen des Katholizismus, seinen Einfluss auf die ganze Welt zu erstrecken. Dieser Zusammenschluss wird aber erst unter der grossen Hure, des unreinen Weibes, vollständig sein, die, verbündet mit weltlicher Macht, mit unerhörtem Luxus einen skandalösen Götzendienst und ungezügelte Sittenlosigkeit einführen wird, verbunden mit schrecklichen Verfolgungen der Zeugen Jesu. Aber ein erbarmungsloses Gericht wird dann bald über sie hereinbrechen.

8. Das Wort Gottes beschreibt dieses Gericht folgendermassen: «Und die zehn Hörner, die du sahst, und das Tier, diese werden die Hure hassen und sie werden sie öde und nackt machen, und werden ihr Fleisch fressen und sie mit Feuer verbrennen. Denn Gott hat in ihre Herzen gegeben, seinen Sinn zu tun und in einem Sinne zu handeln und ihr Königreich dem Tiere zu geben, bis die Worte Gottes vollbracht sein werden» (Off 17,16–17).

Die Empfindungen des Hauptes des Römischen Reiches und seiner zehn Satelliten gegenüber der Hure werden sich in einen unversöhnlichen Hass verwandeln, der sie antreibt, diese von ihren ungeheuren Reichtümern zu entblössen und sie nackt zu machen, das heisst, ihre Intrigen, ihre Heuchelei, ihre Greueltaten öffentlich zu enthüllen. Sodann fressen sie ihr Fleisch, was vermuten lässt, dass sie die Führer und die Helfershelfer dieser falschen Kirche foltern und niedermetzeln und ihr den Garaus machen werden, indem sie sie mit Feuer verbrennen. Diese gänzliche und endgültige Vernichtung kommt von Gott, wenn Er sie auch nicht persönlich ausführt. Er ist es, der «in ihre Herzen gegeben hat, seinen Sinn zu tun».

Das Bündnis zwischen Babylon, der grossen, und den Königen der Erde endet also in Feuer und Blut, was deutlich den satanischen Charakter dieses politisch–religiösen Systems hervorhebt: Ein Bündnis der Gottlosen kann nicht von Dauer sein; sein Bruch hat Gewalttat, Hass und Zerstörung zur Folge. Die Schmeicheleien, die die Könige und das Tier der falschen Kirche entgegengebracht, die Unterwerfung, die sie ihr bezeugt haben, scheinen ihre Herzen nachher mit einer umso grösseren Wut zu erfüllen: Sie rotten sich zusammen und bringen eine ausgedehnte Verschwörung in Szene, die darauf hinzielt, die Tyrannei der Hure endgültig niederzuschlagen, ihre Reichtümer in Besitz zu nehmen und sie für immer zu vernichten.

9. Dieses Gericht wird übrigens den Zusammenbruch der so genannten Zivilisation und den materiellen Ruin derer herbeiführen, die vom Luxus Babylons gelebt haben. Die ganze soziale und wirtschaftliche Welt wird in ihren Fall hineingezogen. Das 18. Kapitel der Offenbarung gibt uns eine Beschreibung davon.

Die «Könige der Erde» und die «Kaufleute der Erde» weinen und trauern, indem sie ausrufen: «Wehe, wehe! Die grosse Stadt, Babylon, die starke Stadt! Denn in einer Stunde ist dein Gericht gekommen … denn in einer Stunde 1 ist der so grosse Reichtum verwüstet worden!» (V. 10 und 16).

Der Himmel dagegen freut sich über dieses Gericht: «Sei fröhlich über sie, du Himmel, und ihr Heiligen und ihr Apostel und ihr Propheten! Denn Gott hat eure Rechtssache an ihr vollzogen» (V. 20). Und der Himmel antwortet auf diese Aufforderung: «Nach diesem hörte ich wie eine laute Stimme einer grossen Volksmenge in dem Himmel, welche sprach: Halleluja! Das Heil und die Herrlichkeit und die Macht unseres Gottes! Denn wahrhaftig und gerecht sind seine Gerichte; denn er hat die grosse Hure gerichtet, welche die Erde mit ihrer Hurerei verderbte, und hat das Blut seiner Knechte gerächt an ihrer Hand. Und zum anderen Male sprachen sie: Halleluja! Und ihr Rauch steigt auf von Ewigkeit zu Ewigkeit» (Off 19,1–3).

Aber das Verschwinden Babylons wird den Abfall und seine Folgen nur noch verschlimmern. Die Kraft des Irrwahns (2. Thes 2) wird den Götzendienst herbeiführen. Wenn sich die falsche Kirche damals noch auf den Namen Gottes und Christi berief, so wird der Mensch der Sünde, der Antichrist, alles abschaffen, was ein Gegenstand der Verehrung ist; er wird sich gegen die göttliche Autorität erheben, um sich selbst als Gott anbeten zu lassen. Dies wird also schlimmer sein als das Geheimnis der Gesetzlosigkeit; es wird «der Betrug der Ungerechtigkeit» sein, den der Gesetzlose mit Hilfe von Zeichen und Wundern der Lüge ausüben wird, um die Menschen irrezuleiten. Schliesslich werden sich die Nationen unter der Führung des Antichrists und des Hauptes des Römischen Reiches erheben, um gegen Christum Krieg zu führen.

10. Wir möchten den Leser zum Schluss auf eine feierliche Ermahnung aufmerksam machen, die in Beziehung auf Babylon an die Gläubigen gerichtet ist: «Und ich hörte eine andere Stimme aus dem Himmel sagen–. Gehet aus ihr hinaus, mein Volk, auf dass ihr nicht ihrer Sünden mitteilhaftig werdet, auf dass ihr nicht empfanget von ihren Plagen; denn ihre Sünden sind aufgehäuft bis zum Himmel, und Gott hat ihrer Ungerechtigkeiten gedacht» (Off 18,4–5). Gewiss, diese prophetische Warnung richtet sich in erster Linie an die Gläubigen, die zu jenem Zeitpunkt auf der Erde sein werden, sei es unter Israel oder unter den Nationen. Diese könnten versucht sein, unter den Fittichen dieser Organisation Zuflucht zu suchen, um den Verfolgungen zu entgehen; aber der Herr wird sie vor dieser Gefahr bewahren, indem Er sie ernstlich auffordert, aus ihr hinauszugehen, damit sie sich nicht verunreinigen und so dem Gericht entfliehen, das Babylon erreichen wird.

Unbestreitbar ist darin aber auch eine Warnung an das Volk Gottes, das heute noch auf der Erde ist. Denn das Verderben, das Babylon kennzeichnet, besteht schon jetzt, sowohl auf kirchlichem Gebiet als auch in der Welt im Allgemeinen. «Gehet aus ihr hinaus, mein Volk!» – Das sind die ernsten Worte, die der Herr an die Seinen richtet, wo sie sich auch befinden mögen. Er fordert sie auf, der Sünde und dem Verderben dieser Welt, versinnbildlicht durch Babylon, zu entfliehen. Dieser Ermahnung können wir die des Apostels an die Korinther hinzufügen: «Denn welche Genossenschaft hat Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit? oder welche Gemeinschaft Licht mit Finsternis? und welche Übereinstimmung Christus mit Belial? oder welches Teil ein Gläubiger mit einem Ungläubigen? ... Darum gehet aus ihrer Mitte aus und sondert euch ab, spricht der Herr, und rühret Unreines nicht an, und ich werde euch aufnehmen; und ich werde euch zum Vater sein, und ihr werdet mir zu Söhnen und Töchtern sein, spricht der Herr, der Allmächtige. Da wir nun diese Verheissung haben, Geliebte, so lasst uns uns selbst reinigen von jeder Befleckung des Fleisches und des Geistes, indem wir die Heiligkeit vollenden in der Furcht Gottes» (2. Kor 6,14–18; 7,1).

Aus Babylon hinausgehen bedeutet, sich von allen denen absondern, die in der Sünde wandeln, und heisst vor allem, das Böse in allen seinen Formen, sowohl in uns als auch um uns, zu fliehen. Möge der Herr durch Seinen Geist in unseren Herzen bewirken, dass wir diese Absonderung, diese Heiligung täglich immer mehr verwirklichen, ohne die unser Zeugnis null und nichtig und unser geistliches Leben fruchtleer und kraftlos ist!


KAPITEL 2 – Das Römische Reich

1. Einige Zeit 2 nach der Entrückung der Versammlung wird das Römische Reich unter der Autorität eines Führers, der seine Macht von Satan empfängt, wiedererstehen. Wir wollen nun im Lichte der Prophezeiungen, besonders in Daniel und in der Offenbarung, den Ursprung, die Eigenschaften und die Tätigkeit dieses Menschen betrachten und des politischen Systems, über welches er seine Herrschaft ausüben wird.

Stellen wir zuerst, soweit uns dies möglich ist, die Reihenfolge der Tatsachen fest, die sich in der siebzigsten Jahrwoche abwickeln, wovon in Daniel 9,20–27 die Rede ist. Die erwähnte Periode beginnt mit dem Augenblick, wo das Haupt des Römischen Reiches einen Bund mit der abtrünnigen Masse des Volkes der Juden schliessen wird (Dan 9,27). Die Wiederherstellung des Reiches dürfte kurz vorher stattfinden. Die Ausdehnung der Macht seines Hauptes wird etappenmässig, aber mit Schnelligkeit vor sich gehen. Am Anfang duldet er noch die religiöse Machtentfaltung der falschen Kirche, von Babylon, der grossen, aber später wird er sie vernichten. Dieses Ereignis wird schon vor der Mitte der Jahrwoche 3 stattfinden, also in der Epoche, in welcher der Diktator die jüdischen Opfer aufhören lässt und sich mit dem Antichrist verbünden wird, um sich anbeten zu lassen. Die Mitte dieser Jahrwoche ist auch der Beginn der grossen Drangsal, die – wie wir gesehen haben – dreieinhalb Jahre dauert. Während dieser letzten Hälfte der Jahrwoche erscheint eine dritte Persönlichkeit, der Assyrer, auf der Bildfläche, mit dem wir uns in einem der nächsten Kapitel beschäftigen werden. Gegen das Ende dieser Zeitperiode versucht das Haupt des Römischen Reiches, gegen Gott und Christum Krieg zu führen, aber dann wird er, gleichzeitig mit dem Antichrist, lebendig in den Feuersee geworfen. Seine Kriegsheere werden in Armagedon durch den Herrn persönlich vernichtet. Dieser Akt wird am Ende der siebzigsten Jahrwoche stattfinden, worauf dann das Tausendjährige Reich aufgerichtet wird.

2. Der Ursprung des römischen Tieres. Der Apostel Johannes beschreibt das Gesicht, das er am Ufer des Meeres hatte, folgendermassen: «Und ich sah aus dem Meer ein Tier aufsteigen, welches zehn Hörner und sieben Köpfe hatte, und auf seinen Hörnern zehn Diademe, und auf seinen Köpfen Namen der Lästerung ... Und der Drache gab ihm seine Macht und seinen Thron und grosse Gewalt. .. Das Tier, welches du sahest, war und ist nicht und wird aus dem Abgrund heraufsteigen und ins Verderben gehen» (Off 13,1–2; 17,8)

Diese Stellen heben den teuflischen Ursprung dieses künftigen Reiches und seines Hauptes hervor. Vor allem sind die Kennzeichen dieses Tieres dieselben wie die des feuerroten Drachen (Kap. 12); der Satan ist: «… ein grosser, feuerroter Drache, welcher sieben Köpfe und zehn Hörner hatte, und auf seinen Köpfen sieben Diademe» (V. 3). Dieses Tier steigt aus dem Abgrund empor; es empfängt seine Gewalt vom Drachen selbst, der ihm «seine Macht und seinen Thron» gibt; schliesslich trägt es Namen der Lästerung auf jedem der sieben Köpfe, was deutlich seinen satanischen Ursprung kundgibt.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Charakterzüge und die Tätigkeit dieses Tieres mit seinem Ursprung übereinstimmen, das heisst, sie sind Gott von Grund auf entgegengesetzt.

Das Tier wird gesehen als aus dem Meere aufsteigend, Symbol eines Zustandes der Verwirrung und Anarchie, der im Westen vorherrschen wird, wenn diese kaiserliche Gewalt sich geltend macht. Es ist anzunehmen, dass die Menschen umso geneigter sein werden, sich der Autorität des Tieres zu unterwerfen, wenn sie sehen, wie es nach einer Zeit der Unruhe und des politischen Umsturzes, die sich im Laufe der letzten Hälfte der Jahrwoche ausprägen, die soziale Ordnung wiederherstellt.

Keine Stelle im Worte Gottes gibt uns klare Auskunft darüber, welche Länder diesem Reiche angehören werden. Wir lesen nur in Offenbarung 13,7 ff.: «Und es wurde ihm Gewalt gegeben über jeden Stamm und Volk und Sprache und Nation. Und alle, die auf der Erde wohnen, werden es anbeten, ein jeder, dessen Name nicht geschrieben ist in dem Buche des Lebens des geschlachteten Lammes von Grundlegung der Welt an.» Da es sich um die Wiederherstellung eines Reiches handelt, das früher schon bestanden hat, ist anzunehmen, dass die meisten der Völker, die einst unter der römischen Herrschaft standen, in dieses ausgedehnte politische System der Endzeit eingeordnet sein werden. indessen sind es nicht nur die Völker, die einst innerhalb der Grenzen des alten Römischen Reiches gelebt haben, die das künftige Reich bilden werden, sondern bestimmt auch alle jene, welche daraus hervorgegangen sind und die gleiche Zivilisation vertreten, wie z. B. die Völker der englischen und der neolateinischen Sprache auf der ganzen Welt (Nord– und Südamerika, Australien etc.). In dieser Hinsicht darf man wohl sagen, dass das Haupt dieses künftigen Reiches seine Gewalt «über jeden Stamm und Volk und Sprache und Nation» ausüben wird. Aber das schliesst nicht aus, dass ein anderer politischer Block, ebenso furchtbar, neben dem Römischen Reiche bestehen und mit ihm in Konflikt geraten wird, wie wir dies in dem Kapitel sehen werden, das wir jener Persönlichkeit widmen, die im Worte Assyrer genannt wird. In der Tat wird es einen Westblock geben, der die um das Mittelmeer gruppierten Völker und anglosächsischen Länder einschliesst, und einen Ostblock, der ungefähr die gegenwärtige kommunistische Welt, Asien, vielleicht auch die arabischen Völker und Afrika umfasst. Wir sind heute bereits Zuschauer des Zusammenschlusses dieser Völker, und das zeigt uns, wie die Wiederkunft des Herrn so nahe bevorsteht.

Die Tatsache, dass es sich um ein Reich handelt, das früher bestanden hat, wird uns im dritten Vers der soeben angeführten Stelle bestätigt, wo das Wort uns mitteilt, dass einer der Köpfe des Tieres (das heisst, eine der römischen Regierungsformen) wie zum Tode geschlachtet war und dass die Todeswunde dann geheilt wurde. Anderseits sagt uns das 17. Kapitel noch, vom gleichen Tiere redend, dass die auf der Erde wohnen, sich über das Tier verwundern – weil «es war und nicht ist und da sein wird» (V. 8). Tatsächlich ist das weströmische Reich im fünften Jahrhundert 4 in Brüche gegangen, als die Barbaren in das Reich eindrangen. Die Wiedererstehung dieses Reiches wird die ganze Welt in Staunen versetzen. Das ist gut verständlich, denn die Geschichte bietet kein anderes Beispiel eines Reiches, das, nachdem es verschwunden war, wieder erstand, und zwar mit einer viel grösseren Macht, als es je besessen hat, obwohl diese damals schon beträchtlich war. Hier besteht wirklich ein Anlass zu Verwunderung, umso mehr als diese Wiedererstehung von Kundgebungen der Macht Satans begleitet sein wird. Das alles wird dazu beitragen, dass sich die Menschen diesem neuen politischen Führer blindlings unterwerfen, so wie sie sich auch vom Antichrist auf religiösem Gebiet verführen lassen werden.

Was versinnbildlichen die zehn Hörner dieses Tieres, wovon jedes ein Diadem trägt? Das 17. Kapitel gibt uns eine Erklärung hiefür: «Und die zehn Hörner, die du sahst, sind zehn Könige, welche noch kein Königreich empfangen haben, aber Gewalt wie Könige empfangen eine Stunde mit dem Tiere. Diese haben einen Sinn und geben ihre Macht und Gewalt dem Tiere» (V. 12–13). Diese zehn Könige, die noch kein Königreich empfangen haben, stellen, so wie die Zehen des Standbildes im Buche Daniel, die Staaten dar, die das Römische Reich bilden. Bis dahin haben sie nicht gleichzeitig mit dem Tier bestanden, aber wenn der von Gott bestimmte Augenblick gekommen ist, werden sie «Gewalt wie Könige empfangen eine Stunde mit dem Tiere», das heisst, sie werden alle gleichzeitig mit ihm herrschen, aber nur während einer kurzen Zeitspanne, wobei das Tier die kaiserliche Gewalt ausübt. Man kann daraus ableiten, dass die zehn in Frage stehenden Staaten ein Bündnis schliessen werden unter dem Patronat des Kaisers, der eine ungeheure Macht besitzen wird da die zehn Könige einen Sinn haben und auch ihre Macht und Gewalt dem Tiere geben werden. Sie verzichten somit auf ihre nationale Oberhoheit in politischer, wirtschaftlicher und militärischer Hinsicht.

Eine andere Besonderheit des Tieres ist, dass es sieben Köpfe hat, die Namen der Lästerung tragen. Das 17. Kapitel gibt uns wiederum eine Erklärung dieses Symbols: «Die sieben Köpfe sind sieben Berge, auf welchen das Weib sitzt. Und es sind sieben Könige; fünf von ihnen sind gefallen, der eine ist, der andere ist noch nicht gekommen; und wenn er kommt, muss er eine kleine Weile bleiben. Und das Tier, welches war und nicht ist, er ist auch ein achter und ist von den sieben und geht ins Verderben» (V. 9–11). Das Symbol der sieben Köpfe hat also eine doppelte Bedeutung, nämlich:

- Sieben Berge, die zweifellos auf die Stadt Rom, die auf sieben Hügel gebaut ist, hindeuten. Der Sitz des Kaiserreiches wird also in Rom sein, so wie es früher der Fall war.

- Sieben Könige, von denen fünf bereits gefallen waren, als Johannes das Gesicht hatte, der sechste war damals der Machthaber und der siebente war noch nicht gekommen. Es handelt sich tatsächlich um sieben Regierungsformen, die sich nacheinander in Rom ablösten. Die fünf ersten Regierungsformen waren bereits verschwunden; die sechste bestand zu Lebzeiten des Apostels und war die kaiserliche Regierungsform– die siebente war noch zukünftig, aber sollte nur von kurzer Dauer sein. 5 Was die achte Regierungsform anbetrifft, so handelt es sich um das wiedererstandene Kaiserreich, das als ein zusätzlicher Kopf erscheint und einem der sieben Regierungsformen gleicht («sie ist von den sieben»), nämlich die Regierungsform des Kaiserreiches, die wieder in Erscheinung tritt, wie ein zu Tode verwundeter Kopf, der wieder geheilt wird. Der achte «König» bildet trotzdem einen besonderen Zustand, der sich von den anderen unterscheidet; es ist eine satanische Regierungsform, die aus dem Abgrund heraufsteigt, teuflisch in ihrem Ursprung und in ihrem Wesen. Es ist unter dieser Form, dass das Tier ein für allemal vernichtet wird.

3. Seine Charakterzüge. Das Wort Gottes gebraucht das Bild eines Tieres – und es handelt sich um ein wildes Tier – um ein politisches System oder einen Menschen zu bezeichnen, der sich weigert, Gott anzuerkennen. Ein Tier hat nicht das Bewusstsein, dass ein höheres, allmächtiges, wenn auch unsichtbares Wesen besteht. Dies ist der Grundzug des zukünftigen Römischen Reiches und seines Führers: Er verwirft Gott gänzlich, anerkennt Seine Autorität in keiner Weise und zieht schliesslich in Krieg wider Ihn.

Dieses Tier wird uns in der Offenbarung und im Buch Daniel wie folgt beschrieben: «Und das Tier, das ich sah, war gleich einem Pardel, und seine Füsse wie die eines Bären, und sein Maul wie eines Löwen Maul» (Off 13,2). «Nach diesem schaute ich ... und siehe, ein viertes Tier, schrecklich und furchtbar und sehr stark, und es hatte grosse eiserne Zähne; es frass und zermalmte, und was übrig blieb, zertrat es mit seinen Füssen» (Dan 7,7+19). Es ist eine erstaunliche Tatsache, dass das ungeheuerliche Tier, welches der Apostel Johannes sah, eine Kombination der drei wilden Tiere ist, die im Gesicht von Daniel 7 beschrieben sind. Satan wird in diesem letzten Erzeugnis seiner Bosheit die Charakterzüge der drei ersten Tiere vereinigen: List, Gewalt und Grausamkeit. Das Gesicht Daniels beschreibt das römische Tier, was es in der Vergangenheit war und was es in der Zukunft sein wird. Doch werden die Grausamkeit und Wildheit des von Daniel beschriebenen Tieres in erster Linie das zukünftige Römische Reich kennzeichnen, denn die Macht Satans zeigt sich dann in ihrer ganzen Wut. «Wehe der Erde und dem Meere! Denn der Teufel ist zu euch herabgekommen und hat grosse Wut, da er weiss, dass er wenig Zeit hat» (Off 12,12).

Ein weiterer Charakterzug des Tieres, ebenfalls in Verbindung mit seinem satanischen Ursprung, kommt in den von ihm ausgesprochenen Lästerungen zum Ausdruck. «Und es wurde ihm ein Mund gegeben, der grosse Dinge und Lästerungen redete; und es wurde ihm Gewalt gegeben, zweiundvierzig Monate zu wirken. Und es öffnete seinen Mund zu Lästerungen wider Gott, seinen Namen zu lästern und seine Hütte und die, welche ihre Hütte in dem Himmel haben» (Off 13,5–6). Auch Daniel erwähnt die «grossen Dinge» (das heisst die Lästerungen), die das «kleine Horn», Bild des Hauptes des Römischen Reiches, redete (Kap. 7, 8 und 20). Diese Lästerungen werden übrigens das Gericht Gottes auf ihn und seine Völker (V. 11) herabziehen. Sie werden ausgesprochen wider Gott und wider die Heiligen, die im Himmel sein werden, als Ausdruck des Hasses und der ohnmächtigen Wut, die das Herz dieses Werkzeuges Satans erfüllen wird. Sie ist ohnmächtig, weil die himmlischen Heiligen vor seiner Bosheit in Sicherheit sind. Aber, wie wir noch sehen werden, kann dies nicht gesagt werden von den Heiligen, die dann noch auf der Erde sind; denn gegen sie wird das Tier furchtbare Verfolgungen in Szene setzen.

Ein anderer Wesenszug dieses Diktators ist sein scharfer Verstand und seine aussergewöhnliche Gewandtheit. So berichtet Daniel: «Während ich auf die Hörner acht gab, siehe, da stieg ein anderes, kleines Horn zwischen ihnen empor, und drei von den ersten Hörnern wurden vor ihm ausgerissen; und siehe, an diesem Horne waren Augen wie Menschenaugen, und ein Mund, der grosse Dinge redete» (7, 8). Man kann daraus schliessen, dass dieser Führer von geringer Herkunft ist, sich die Gewalt durch Intrige aneignet und drei der zehn Staaten niederwerfen wird. Die «Menschenaugen» bringen den Gedanken von ausserordentlicher Intelligenz zum Ausdruck, die ihn befähigt, die Ereignisse mit grosser Gewandtheit 6 zu unterscheiden und abzuwägen und so nach und nach die ganze Gewalt in seine Hände zu bekommen.

Die Intelligenz und Gewandtheit dieses Menschen und die Worte, die er ausspricht, sind derart, dass sie die ungläubige Menschheit in Bewunderung versetzen werden, die rasch in einen wahren Kult ausarten wird. übrigens ist es den Menschen nicht unbekannt, dass das Tier seine Gewalt von Satan empfängt. «Und die ganze Erde verwunderte sich über das Tier. Und sie beteten den Drachen an, weil er dem Tiere die Gewalt gab, und sie beteten das Tier an und sagten: Wer ist dem Tiere gleich? Und wer vermag mit ihm zu kämpfen? Und es wurde ihm ein Mund gegeben, der grosse Dinge und Lästerungen redete ... Und alle, die auf der Erde wohnen, werden es anbeten, ein jeder, dessen Name nicht geschrieben ist in dem Buche des geschlachteten Lammes von Grundlegung der Welt an» (Off 13,3 ff.).

Dieser Mensch wird seinem gotteslästerlichen und unsinnigen Hochmut Trug, Grausamkeit und den Kult einer brutalen Macht hinzufügen. Sein trügerisches Wesen wird sich vor allem zeigen, wenn er am Ende der dreieinhalb Jahre sein Bündnis mit den Juden auflöst und ferner, wenn er die falsche Kirche, nachdem er ihr eine Zeitlang geschmeichelt hat, ausrauben und zerstören wird. Seine Grausamkeit wird sich hauptsächlich gegen die Heiligen des Judentums und der Nationen entfesseln, die er zu Tausenden verfolgen und umbringen wird. In seinem Rausch der Macht und der Gewalttat wird er alle die bekämpfen, die versuchen, seine Pläne zu durchkreuzen. «Und es wird die ganze Erde verzehren und sie zertreten und sie zermalmen» (Dan 7,23). Er wird drei Könige (drei Staaten) niederwerfen und die anderen unterjochen.

Das sind die vorherrschenden Wesenszüge dieser teuflischen Persönlichkeit und des politischen Systems, das sie errichten wird.

4. Seine Tätigkeit wird sich sowohl auf dem politischen als auch auf dem religiösen Gebiet entfalten.

Er wird sich bemühen, wie wir das bereits dargelegt haben, allmählich seine Herrschaft zu befestigen und auf die Staaten auszudehnen, die aus dem alten Römischen Reiche hervorgehen. Daher stellt ihn Daniel in dem Bilde eines kleinen Hornes vor, das wächst und emporsteigt und sich schliesslich über die anderen Hörner erhebt (7,20).

Eine weitere wichtige Begebenheit, von welcher die Prophetie spricht, ist das Bündnis, das er mit den Juden für die Dauer einer Woche abschliesst (Dan 9,27). Ohne Zweifel wird er sich ihnen als Beschützer vorstellen und ihnen helfen, nach Palästina zurückzukehren. Aber Gott verurteilt dieses Bündnis mit folgenden Worten: «Darum höret das Wort Jehovas, ihr Spötter, Beherrscher dieses Volkes, das in Jerusalem ist. Denn ihr sprechet: Wir haben einen Bund mit dem Tode geschlossen und einen Vertrag mit dem Scheol gemacht: Wenn die überflutende Geissel (= der Assyrer) hindurch fährt, wird sie an uns nicht kommen; denn wir haben die Lüge zu unserer Zuflucht gemacht und in der Falschheit uns geborgen. Darum, so spricht der Herr, Jehova: Siehe, ich gründe einen Stein in Zion, einen bewährten Stein, einen kostbaren Eckstein, aufs festeste gegründet; wer glaubt, wird nicht ängstlich eilen. Und ich werde das Recht zur Richtschnur machen und die Gerechtigkeit zum Senkblei. Und der Hagel wird hinwegraffen die Zuflucht der Lüge, und die Wasser werden den Bergungsort hinwegschwemmen. Und euer Bund mit dem Tode wird zunichte werden, und euer Vertrag mit dem Scheol nicht bestehen: wenn die überflutende Geissel hindurch fährt, so werdet ihr von derselben zertreten werden» (Jes 28,14–18).

Das Haupt des Römischen Reiches wird dieses Bündnis am Ende der ersten Hälfte der Jahrwoche tatsächlich brechen: «Und zur Hälfte der Woche wird er Schlachtopfer und Speisopfer aufhören lassen» (Dan 9,27). Die nach Palästina zurückgekehrten Juden werden den Tempel wieder aufgebaut und die Schlachtopfer und die jüdischen Satzungen wieder eingeführt haben, was aber keineswegs heisst, dass sie bekehrt sind. Ganz im Gegenteil, mit Ausnahme einiger weniger gottesfürchtiger Seelen, werden sie in einem Zustand des Abfalls und der Auflehnung gegen Gott sein. Aber siehe, mitten in der Jahrwoche ändert der römische Diktator unvermittelt seine Haltung ihnen gegenüber, hebt alle Verordnungen des jüdischen Gottesdienstes auf und lässt die Schlachtopfer aufhören. Daniel fügt hinzu: «Und er wird darauf sinnen, Zeiten (das heisst die Feiertage) und das Gesetz (die Gebote des mosaischen Gesetzes) zu ändern, und sie werden eine Zeit und Zeiten und eine halbe Zeit (= dreieinhalb Jahre) in seine Hand gegeben werden» (7,25).

Zu diesem aussergewöhnlichen dramatischen Zeitpunkt wird der Antichrist erscheinen 7, der Mensch der Sünde, der sich mit dem römischen Tiere verbünden wird, um, wenn möglich, die Heiligen zu verfolgen und zu vernichten. Dies ist der Anfang der grossen Drangsal, dieser tausendzweihundertsechzig Tage unsäglicher Prüfungen, die über das Volk Gottes hereinbrechen werden. Während dieser Zeit wird der Diktator die bereits genannten Wesenszüge in vollem Ausmass offenbaren: Hochmut, Hass gegen Christum und die Seinen, Grausamkeit, Lästerungen. Daher legen sowohl der Prophet Daniel wie auch die Offenbarung den Nachdruck auf diese letzte Hälfte der Jahrwoche. «Und es wurde ihm Gewalt gegeben, zweiundvierzig Monate zu wirken» (das heisst, grosse Taten zu vollbringen Off 13,5). Man kann daraus schliessen, dass die Tätigkeit des Diktators sich hauptsächlich während dieser Periode von zweiundvierzig Monaten oder tausendzweihundertsechzig Tagen abwickeln wird. 8

Übrigens ist dies der Zeitpunkt, an welchem Satan aus dem Himmel vertrieben und mit seinen Engeln auf die Erde geworfen wird, als Folge des Kampfes, den er im Himmel gegen Michael und seine Engel austrägt. Das Wort fügt hinzu: «Wehe der Erde und dem Meere! Denn der Teufel ist zu euch hinab gekommen und hat grosse Wut, da er weiss, dass er wenig Zeit hat» (Off 12,12). Diese «kleine Zeit», über die Satan verfügen wird, ist ein Zeitabschnitt von tausendzweihundertsechzig Tagen, während welchen der Gräuel der Verwüstung (= der Götze, der verwüstet, das heisst, das Bild des römischen Tieres) im Tempel von Jerusalem aufgestellt wird. Das wird auch eine Periode schrecklicher Verfolgungen sein, wie wir schon im Kapitel über die grosse Drangsal gesehen haben, durch die der Überrest Israels gehen muss. Aber diese Verfolgungen werden auch die Erlösten der übrigen Nationen erreichen. «Ich sah, wie dieses Horn Krieg wider die Heiligen führte und sie besiegte ... Und er wird … die Heiligen der höchsten Örter vernichten» (Dan 7,21+25). «Und es wurde ihm gegeben, mit den Heiligen Krieg zu führen und sie zu überwinden» (Off 13,7). In seiner Wut der Verfolgung wird der römische Diktator in der Person des Antichrists einen ebenso grausamen Verbündeten haben: Dieser wird im Tempel in Jerusalem ein Bild des Kaisers aufstellen, dem er Odem und Sprache verleihen wird; alle, die sich weigern werden, vor diesem Bilde niederzufallen, werden getötet werden (V. 14 ff.). Es wird somit eine enge Verbindung bestehen zwischen dem politischen Diktator und dem religiösen Agenten Satans, dem Antichrist. Dieser wird die ganze Gewalt des ersten vor ihm ausüben und die Menschen zwingen, das römische Tier anzubeten und sein Zeichen an ihrer Hand und an ihrer Stirn zu tragen. Diese Zusammenarbeit im Bösen wird bis zum Endgericht bestehen, das der Herr selber ausführen wird, und zwar zu dem Zeitpunkt, wo die beiden Verbündeten sich anschicken, in Armagedon wider Ihn Krieg zu führen. Kurz nach diesem Gericht wird das Tausendjährige Reich aufgerichtet werden, wo dann die Herrschaft von der Hand des Menschen in die Hand des Christus übergehen wird. Diese Wahrheit wird im Propheten Daniel und in der Offenbarung durch mehrere Stellen erhärtet. Wir zitieren hier die hauptsächlichsten:

«Ich schaute, bis Throne aufgestellt wurden, und ein Alter an Tagen sich setzte: Sein Gewand war weiss wie Schnee und das Haar seines Hauptes wie reine Wolle, sein Thron Feuerflammen, dessen Räder ein loderndes Feuer. Ein Strom von Feuer floss und ging von ihm aus; tausendmal Tausende dienten ihm, und Zehntausend mal Zehntausende standen vor ihm. Das Gericht setzte sich, und Bücher wurden aufgetan. Dann schaute ich wegen der Stimme der grossen Worte, welche das Horn redete: Ich schaute, bis das Tier getötet und sein Leib zerstört und dem Brande des Feuers übergeben wurde ... Und siehe, mit den Wolken des Himmels kam einer wie eines Menschen Sohn; und er kam zu dem Alten an Tagen und wurde vor denselben gebracht. Und ihm wurde Herrschaft und Herrlichkeit und Königtum gegeben, und alle Völker, Völkerschaften und Sprachen dienten ihm; seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergehen, und sein Königtum ein solches, das nie zerstört werden wird» (Dan 7,9 ff.)

In Daniel 2 werden die gleichen feierlich ernsten Ereignisse unter dem Bilde des Steines angekündigt, der sich ohne Hände loslöst, das Bild und seine Füsse schlägt, es gänzlich zerstört und zu einem grossen Berge wird, der die ganze Erde erfüllt. Die Deutung, die Daniel dieser Tatsache gibt, ist folgende: «Und in den Tagen dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, welches ewiglich nicht zerstört, und dessen Herrschaft keinem anderen Volke überlassen werden wird; es wird alle jene Königreiche zermalmen und vernichten, selbst aber ewiglich bestehen» (Dan 2,44).

Die Offenbarung enthält ebenfalls eine ergreifende Beschreibung des Gerichtes des römischen Tieres. Der Himmel ist geöffnet: Der König der Könige, der Herr der Herren tritt hervor, sitzend auf einem weissen Pferde, mit Seinen Kriegsheeren. Er schickt sich an «die Kelter des Weines des Grimmes des Zornes Gottes, des Allmächtigen» zu treten. Das Haupt des Römischen Reiches ist dort, unterstützt von den Königen der Erde und seinem Helfershelfer, dem Antichrist, mit ihren riesigen Kriegsheeren, um Christum und die Seinen zu bekämpfen. «Und es wurde ergriffen das Tier und der falsche Prophet, der mit ihm war, der die Zeichen vor ihm tat, durch welche er die verführte, welche das Malzeichen des Tieres annahmen, und die sein Bild anbeteten lebendig wurden die zwei in den Feuersee geworfen, der mit Schwefel brennt. Und die übrigen wurden getötet mit dem Schwerte dessen, der auf dem Pferde sass, welches Schwert aus seinem Munde hervorging; und alle Vögel wurden von ihrem Fleische gesättigt» (Off 19,19 ff.).

Auf diese Weise enden das Haupt des Römischen Reiches und sein Verbündeter, der Antichrist. Die darauf folgenden Verse des zwanzigsten Kapitels teilen uns mit, dass der Teufel hierauf gebunden und tausend Jahre im Abgrund verwahrt wird, während welchen die Segnungen des Tausendjährigen Reiches sich unter der Herrschaft des Christus über die ganze Erde erstrecken werden. Mit diesem Gegenstand werden wir uns im vierten Teil unserer Betrachtung beschäftigen. Vorher werden wir noch genauer untersuchen, was das Wort Gottes über den Zusammenschluss der Nationen sagt, die in Auflehnung wider Gott und wider Christum sind und uns dann auch näher mit den über sie kommenden Gerichten befassen, die zur Befreiung Israels und zum Ende der «Zeit der Nationen» führen werden.

Es ist ausser aller Frage, dass gewisse Ereignisse der Gegenwart den Ablauf der grossen prophetischen Tatsachen ankündigen, mit denen wir uns soeben beschäftigt haben. Die westlichen Nationen machen Anstrengungen, sich zusammenzuschliessen, sodass es ihnen nicht schwer fallen wird, sich der Autorität eines einzigen Führers zu unterstellen, wenn dieser hervortreten und sich ihnen durch seine diabolische Überlegenheit auf allen Gebieten aufdrängen wird. Auf religiösem Gebiet können wir eine ebenso deutliche Entwicklung feststellen, die zum Abfall und zum Götzendienst der Endzeit führen wird. Wenn Gott uns davor warnt, so ist es, damit wir wachsam seien und uns davor hüten, uns mit dem Zeitlauf dieser Welt eins zu machen. Er möge uns dazu die nötige Gnade schenken! Es geziemt uns also, dem prophetischen Wort unsere volle Aufmerksamkeit zu schenken und diese ernste Warnung zu Herzen zu nehmen: «Siehe, ich komme wie ein Dieb. Glückselig, der da wacht und seine Kleider bewahrt, auf dass er nicht nackt wandle und man seine Schande sehe» (Off 16,15).


KAPITEL 3 – Die Stunde der Versuchung und der Tag des Zornes

1. Die Zeitperiode, die auf die Entrückung der Versammlung folgt, ist durch furchtbare Gerichte, sowohl für Israel wie auch für die Nationen gekennzeichnet. Man muss jedoch einen Unterschied machen zwischen der Stunde der Versuchung, die unmittelbar nach dem Kommen des Herrn beginnt, und dem Tag des Zornes, der in dem Augenblick anfängt, in welchem Satan auf die Erde hinab geworfen und den ganzen Erdkreis verführen wird (Off 12,7–12). Die Gerichte dieser zweiten Epoche werden noch schärfer und erbarmungsloser sein als die, welche die Menschen während des ersten Zeitabschnittes treffen werden. indessen werden selbst die Leiden während der Stunde der Versuchung so schrecklich sein, dass sie meinen, der Tag des Zornes des Lammes sei angebrochen (Off 6,17).

Die Stunde der Versuchung wird in mehreren Stellen beschrieben, besonders in Matthäus 24: «Ihr werdet aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören …, denn es wird sich Nation wider Nation erheben und Königreich wider Königreich; und es werden Hungersnöte und Seuchen sein und Erdbeben an verschiedenen Orten. Alles dieses aber ist der Anfang der Wehen» (V. 6–8). Falsche Christi werden aufstehen und viele verführen; die Gläubigen des jüdischen Überrestes werden von den Nationen gehasst, verfolgt und getötet werden. Das gleiche Los wird auch, wie wir noch sehen werden, die treffen, die aus den Nationen das Evangelium des Reiches angenommen haben, das dann überall verkündigt werden wird, «allen Nationen zu einem Zeugnis» (V. 14).

Diese Zeitperiode, die der Herr «der Anfang der Wehen» nennt, umfasst die in der Offenbarung unter dem Symbol der sieben Siegel und der sechs ersten Posaunen angekündigten Gerichte (Kap. 6–9), die wir später näher betrachten werden. Ihre genaue Dauer wird uns nicht mitgeteilt, während die des Tages des Zornes in verschiedenen Stellen genau angegeben wird (dreieinhalb Jahre, zweiundvierzig Monate oder tausendzweihundertund-sechzig Tage).

Die Zeitperiode, die auf die Stunde der Versuchung folgt, ist für die Nationen der Tag des Zornes Gottes; für den Überrest wird sie die Zeit der grossen Drangsal sein, die jedoch mit seiner Befreiung abschliesst, wenn der Herr in Seiner Herrlichkeit erscheint. Gottes Zorn ist schon «offenbart vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen» (Röm 1,18). Er wird ausgeführt werden «am Tage des Zornes und der Offenbarung des gerechten Gerichts Gottes» (Röm 2,5). Er umfasst die in Offenbarung 10 – 19 beschriebenen Gerichte und beginnt – wie wir schon sagten – im Augenblick, wo Satan auf die Erde geworfen wird (Off 12,7–12). Da er weiss, dass er wenig Zeit hat, und von Wut erfüllt ist, weil er aus dem Himmel geworfen worden ist, wird er alles daran setzen, seine Gewalt in dieser Welt aufrecht zu erhalten, indem er durch die Vernichtung der Heiligen Gott widersteht. Er wird sich dabei dreier Werkzeuge bedienen, nämlich des römischen Tieres, des Antichrists und Babylons, der grossen.

2. Wir wollen jetzt die Stellen näher prüfen, die sich auf diese dramatischen Ereignisse beziehen.

Der Prophet Jesaja erwähnt sie wiederholt. «Denn Jehova der Heerscharen hat einen Tag über alles Hoffärtige und Hohe, und über alles Erhabene, und es wird erniedrigt werden; ... und der Hochmut des Menschen wird gebeugt und die Hoffart des Mannes erniedrigt werden; und Jehova wird hoch erhaben sein, er allein an jenem Tage. Und die Götzen werden gänzlich verschwinden und sie werden sich in Felsenhöhlen und in Löcher der Erde verkriechen vor dem Schrecken Jehovas und vor der Pracht seiner Majestät, wenn er sich aufmacht, die Erde zu schrecken» (Kap. 2, 12 ff.). «Heulet, denn nahe ist der Tag Jehovas; er kommt wie eine Verwüstung vom Allmächtigen. Darum werden alle Hände erschlaffen, und jedes Menschenherz wird zerschmelzen. Und sie werden bestürzt sein, Wehen und Schmerzen werden sie ergreifen ... Siehe, der Tag Jehovas kommt grausam, und Grimm und Zornglut, um die Erde zur Wüste zu machen; und ihre Sünder wird er von derselben vertilgen ... Und ich werde an dem Erdkreis heimsuchen die Bosheit, und an den Gesetzlosen ihre Missetat; und ich werde ein Ende machen dem Hochmut der Stolzen.. . Darum werde ich die Himmel erzittern machen, und die Erde wird aufbeben von ihrer Stelle: Beim Grimme Jehovas der Heerscharen und am Tage seiner Zornglut» (13,6 ff.). «Grauen und Grube und Garn über dich, Bewohner der Erde! Und es geschieht, wer vor der Stimme des Grauens flieht, fällt in die Grube; und wer aus der Grube heraufsteigt, wird im Garne gefangen. Denn die Fenster in der Höhe tun sich auf, und es erbeben die Grundfesten der Erde. Die Erde klafft auseinander, die Erde zerberstet, die Erde schwankt hin und her; die Erde taumelt wie ein Trunkener und schaukelt wie eine Hängematte; und schwer lastet auf ihr ihre Übertretung: und sie fällt und steht nicht wieder auf. Und es wird geschehen an jenem Tage, da wird Jehova heimsuchen die Heerschar der Höhe in der Höhe, und die Könige der Erde auf der Erde» (Kap. 24,17–21). «Und die Völker werden zu Kalkbränden, wie abgehauene Dornen, die im Feuer verbrannt werden» (33,12). «Jehova wird ausziehen wie ein Held, wie ein Kriegsmann den Eifer anfachen; er wird einen Schlachtruf, ja, ein gellendes Kriegsgeschrei erheben, sich als Held beweisen gegen seine Feinde. Von lange her habe ich geschwiegen, war still, habe an mich gehalten. Gleich einer Gebärenden will ich tief aufatmen, schnauben und schnaufen zumal. Ich will Berge und Hügel öde machen und all ihr Kraut vertrocknen lassen» (42,13–15). «Ich werde Rache nehmen und Menschen nicht verschonen» (47,3). «Jehova ... gegen seine Feinde wird er ergrimmen. Denn siehe, Jehova wird kommen im Feuer, und seine Wagen sind wie der Sturmwind, um seinen Zorn zu vergelten in Glut und sein Schelten in Feuerflammen. Denn durch Feuer und durch sein Schwert wird Jehova Gericht üben an allem Fleische, und der Erschlagenen Jehovas werden viele sein» (66,14–16).

Es ist uns nicht möglich, alle Stellen der Propheten des Alten Testamentes, die sich auf «den Tag Jehovas» beziehen' anzuführen. Wir wollen uns darauf beschränken, einige besonders eindrückliche Aussprüche wiederzugeben: «Siehe, ein Sturmwind Jehovas, ein Grimm ist ausgegangen, ein sausender Sturmwind; er wird sich hernieder wälzen auf den Kopf der Gesetzlosen. Nicht wenden wird sich die Glut des Zornes Jehovas, bis er getan und bis er ausgeführt hat die Gedanken seines Herzens. Am Ende des Tages werdet ihr dessen inne werden» (Jer 30,23–24). «Wehe der Tag! Denn nahe ist der Tag; ja, der Tag Jehovas ist nahe, ein Tag des Gewölks: Die Zeit der Nationen wird er sein» (Hes 30,2–3). «Ach, über den Tag! Denn nahe ist der Tag Jehovas, und er kommt wie eine Verwüstung vom Allmächtigen ... Beben sollen alle Bewohner des Landes; denn es kommt der Tag Jehovas, denn er ist nahe: ein Tag der Finsternis und der Dunkelheit, ein Tag des Gewölks und der Wolkennacht ... Vor ihm her verzehrt das Feuer, und nach ihm lodert die Flamme; ... und auch keine Entronnenen lässt er übrig ... vor ihm zittern die Völker, alle Angesichter erblassen ... Und Jehova lässt vor seinem Heere her seine Stimme erschallen, denn sein Heerlager ist sehr groß, denn der Vollstrecker seines Wortes ist mächtig; denn groß ist der Tag Jehovas und sehr furchtbar, und wer kann ihn ertragen?» (Joel 1,15; 2,1 ff.). «Wehe denen, welche den Tag Jehovas herbeiwünschen! Wozu soll euch der Tag Jehovas sein? Er wird Finsternis sein und nicht Licht: Wie wenn jemand vor dem Löwen flieht, und es begegnet ihm ein Bär. .. Wird denn nicht der Tag Jehovas Finsternis sein und nicht Licht, und Dunkelheit und nicht Glanz?» (Amos 5,18–20). «Nahe ist der grosse Tag Jehovas; er ist nahe und eilt sehr. Horch, der Tag Jehovas! Bitterlich schreit dort der Held. Ein Tag des Grimmes ist dieser Tag, ein Tag der Drangsal und der Bedrängnis, ein Tag des Verwüstens und der Verwüstung, ein Tag der Finsternis und der Dunkelheit, ein Tag des Gewölks und des Wolkendunkels, ein Tag der Posaune und des Kriegsgeschreis wider die festen Städte und wider die hohen Zinnen. Und ich werde die Menschen ängstigen, und sie werden einhergehen wie die Blinden, weil sie gegen Jehova gesündigt haben; und ihr Blut wird verschüttet werden wie Staub, und ihr Fleisch wie Kot; auch ihr Silber, auch ihr Gold wird sie nicht erretten können am Tage des Grimmes Jehovas; und durch das Feuer seines Eifers wird das ganze Land verzehrt werden. Denn ein Ende, ja, ein plötzliches Ende wird er machen mit allen Bewohnern des Landes» (Zeph 1,14–18). «Denn siehe, der Tag kommt, brennend wie ein Ofen; und es werden alle übermütigen und jeder Täter der Gesetzlosigkeit zu Stoppeln werden; ... spricht Jehova der Heerscharen, sodass er ihnen weder Wurzel noch Zweig lassen wird» (Mal 4,1).

Alle diese Stellen lassen mit absoluter Gewissheit erkennen, dass die Welt furchtbaren Gerichten entgegengehen wird, Die Stunde der Gnade ist dann endgültig vorbei, «das Jahr der Annehmung Jehovas», das auszurufen der Herr Jesus gekommen war, wird dann dem «Tag der Rache unseres Gottes» Platz machen (Jes 61,2; Lk 4,17–19). Als Er in der Synagoge zu Nazareth jene Stelle las, hielt Er mitten im Satz inne; weil Er damals in der Tat gekommen war, das «Jahr der Gnade» einzuführen, dieses Jahr, das bald zwei Jahrtausende dauert. Die, welche die Gnade von sich gewiesen haben und bei der Wiederkunft des Herrn noch auf der Erde sein werden, müssen den furchtbaren Tag der Rache Gottes erleben.

3. Diese Gerichte werden vom Herrn Jesus persönlich ausgeführt werden. in der Offenbarung beschreibt der Apostel Johannes eine feierliche Szene, wo er ein mit sieben Siegeln versiegeltes Buch sieht, die nacheinander aufgebrochen werden sollen und von denen jedes ein Gericht oder ein göttliches Urteil darstellt. «Und ich sah in der Rechten dessen, der auf dem Throne sass (d. h. Gott selbst) ein Buch, beschrieben inwendig und auswendig, mit sieben Siegeln versiegelt. Und ich sah einen starken Engel, der mit lauter Stimme ausrief: Wer ist würdig, das Buch zu öffnen und seine Siegel zu brechen? Und niemand in dem Himmel, noch auf der Erde, noch unter der Erde vermochte das Buch zu öffnen noch es anzublicken. Und ich weinte sehr, weil niemand würdig erfunden wurde, das Buch zu öffnen noch es anzublicken» (5,1–4). Das Buch zu öffnen und seine Siegel zu brechen, bedeutet, die vor Gott über die Erde ausgesprochenen Gerichte auszuführen. Ein Einziger wird dessen würdig erfunden: «Und einer von den Ältesten spricht zu mir: Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe, der aus dem Stamme Juda ist, die Wurzel Davids, das Buch zu öffnen und seine sieben Siegel. Und ich sah inmitten des Thrones und der vier lebendigen Wesen und inmitten der Ältesten ein Lamm stehen, wie geschlachtet, das sieben Hörner hatte und sieben Augen, welche die sieben Geister Gottes sind, die gesandt sind über die ganze Erde. Und es kam und nahm das Buch aus der Rechten dessen, der auf dem Throne sass. Und als es das Buch nahm, fielen die vier lebendigen Wesen und die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem Lamme, und sie hatten ein jeder eine Harfe und goldene Schalen voll Räucherwerk, welches die Gebete der Heiligen sind. Und sie singen ein neues Lied: Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen; denn du bist geschlachtet worden und hast für Gott erkauft, durch dein Blut, aus jedem Stamm und Sprache und Volk und Nation, und hast sie unserem Gott zu Königen und Priestern gemacht, und sie werden über die Erde herrschen!» (V. 5–10). Zwei Titel geben Christo das Recht, diese Gerichte auszuführen: «Gott» und «Sohn des Menschen». Seine Göttlichkeit tritt in dieser Stelle klar hervor durch die Tatsache, dass sich das Lamm in der Mitte des Thrones befindet (wie Gott selbst), dass es sieben Hörner hat'(Machtvollkommenheit) und sieben Augen, welche die sieben Geister Gottes sind (Allwissenheit durch die Fülle des Geistes). Daher bringen Ihm alle Verehrung dar. Anderseits ist Es würdig, das Buch zu öffnen und seine sieben Siegel zu brechen, weil Es geschlachtet worden ist und durch Sein Blut Menschen aus jedem Stamm für Gott erkauft hat: Da Christus Sein Leben für Sünder hingegeben hat, hat Er das Recht erworben, die zu richten, die Seine Liebe missachtet und Sein Opfer verworfen haben. «Denn der Vater richtet auch niemand, sondern das ganze Gericht hat er dem Sohne gegeben, auf dass alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren ... Und er hat ihm Gewalt gegeben, auch Gericht zu halten, weil er des Menschen Sohn ist» (Joh 5,22 ff.). In Offenbarung 5 wohnen wir einer Vergegenwärtigung des Lobes bei, das aus den Herzen aller Erlösten zum Herrn emporsteigen wird, im Augenblick, wo Er sich erheben wird, um Seine Feinde zu schlagen.

Gleichwie Gott die Sünder nur durch den Sohn errettet, so wird Er sie auch nur durch Ihn richten. «Und er hat uns befohlen, dem Volke zu predigen und ernstlich zu bezeugen, dass er der von Gott verordnete Richter der Lebendigen und der Toten ist. Diesem geben alle Propheten Zeugnis, dass jeder, der an ihn glaubt, Vergebung der Sünden empfängt ... Gott ... hat ... einen Tag gesetzt, an welchem er den Erdkreis richten wird in Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und hat allen den Beweis davon gegeben, indem er ihn auferweckt hat aus den Toten» (Apg 10,42–43; 17,31; vgl. auch die schon angeführte Stelle in Johannes 5).

Bevor wir weitergehen, möge der Leser einen Augenblick stille stehen und sich die ernste Frage stellen: «Habe ich den Herrn Jesus als meinen Heiland gefunden oder werde ich Ihm eines Tages als meinem Richter begegnen müssen?» Wer nicht mit voller Gewissheit bejahen kann, dass er ein Erlöster des Herrn ist, der warte keinen Augenblick länger, sich in Seine Arme zu werfen, solange es noch Zeit ist. «Heute, wenn ihr seine Stimme höret, verhärtet eure Herzen nicht» (Heb 3,7). Du hörst Seine Stimme, mein Leser, gerade in diesem Augenblick, wo du diese Zeilen liest. Wirst du dich weigern, diesem Ruf Folge zu leisten? Willst du wirklich dein Herz verhärten? Willst du dem Richter begegnen, der unerbittlich sein wird, wenn du das Heil missachtet hast, das Er umsonst anbietet? Höre, was das Wort Gottes sagt: «Denn wenn wir mit Willen sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, so bleibt kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig, sondern ein gewisses, furchtvolles Erwarten des Gerichts und der Eifer eines Feuers, das die Widersacher verschlingen wird ... Denn wir kennen den, der gesagt hat: Mein ist die Rache, ich will vergelten, spricht der Herr. Und wiederum: der Herr wird sein Volk richten. Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen!» (Heb 10,26 ff.).

4. Wir wollen jetzt die Art und die Auswirkungen der Gerichte, die der Herr an den Nationen ausüben wird, näher untersuchen. Dazu betrachten wir in der Offenbarung die Stellen über die sieben Siegel, die sieben Trompeten und die sieben Zornschalen. Es ist wichtig, auseinander zu halten, dass diese verschiedenen Gerichte nicht dieselben Ereignisse darstellen. Die Siegel, die Posaunen und die Zornschalen künden nacheinander neue Gerichte an, löschen aber die Folgen der vorhergehenden nicht aus. So zieht jede neue Plage eine Verschärfung der Lage nach sich. Das erklärt auch die Tatsache, dass man in den durch die Posaunen und die Zornschalen angekündigten Gerichten Beschreibungen wieder findet, die an die durch die Öffnung der Siegel eingeführten Gerichte erinnern.

Wenn das Lamm das erste Siegel des Buches öffnet, sieht Johannes, wie ein «weisses Pferd» erscheint und wie der «der darauf sass ... einen Bogen hatte» und wie Ihm eine Krone gegeben wurde, und wie Er auszog «siegend und auf dass er siegte» (6,2). Hier handelt es sich offenbar um einen gewaltigen Eindringling 9, der mehrere Nationen unterjochen wird, indem er anscheinend auf leichte Weise nacheinander Siege erringt.

Indessen wird der Friede von der Erde weggenommen. «Und als es das zweite Siegel öffnete … zog aus ein anderes, feuerrotes Pferd; und dem, der darauf sass, ihm wurde gegeben, den Frieden von der Erde zu nehmen, und dass sie einander schlachteten; und ein grosses Schwert wurde ihm gegeben» (V. 3–4). Die Farbe des Pferdes versinnbildlicht Blut und Gemetzel. Die Menschen, die Satan ausgeliefert sind, werden einander vernichten, was darauf schliessen lässt, dass es überaus mörderische Kriege und auch Zivilkriege geben wird.

Auf den Krieg folgt die Hungersnot: «Und als es das dritte Siegel öffnete ... siehe, ein schwarzes Pferd, und der darauf sass, hatte eine Waage in seiner Hand. Und ich hörte, wie eine Stimme inmitten der vier lebendigen Wesen, welche sagte: Ein Chönix 10 Weizen für einen Denar, und drei Chönix Gerste für einen Denar 11; und das Öl und den Wein beschädige nicht» (V. 5–6). Die Farbe des Pferdes – schwarz – ist das Zeichen der Trauer, und die Waage spricht von Einschränkungen, von Rationierung. Die letzten Worte: «Und das öl und den Wein beschädige nicht» zeigen, dass die übrigen Bodenerzeugnisse geschlagen wurden und dass es einen allgemeinen Mangel an den wichtigsten Lebensmitteln (Weizen und Gerste) geben wird, was eine Teuerung zur Folge hat.

«Und als es das vierte Siegel öffnete …, siehe, ein fahles Pferd; und der darauf sass, sein Name war Tod; und der Hades folgte ihm. Und ihm wurde Gewalt gegeben über den vierten Teil der Erde, zu töten mit dem Schwerte und mit Hunger und mit Tod (vielleicht Pest) und durch die wilden Tiere der Erde» (V. 7–8). Diese vier tödlichen Plagen werden auch in Hesekiel 14,21 aufgeführt (Schwert, Hunger, böse Tiere und Pest). Die Farbe des Pferdes ist die der Leichname. Das zeigt die schrecklichen Folgen dieses vierten Gerichtes an: Es wird inmitten der Menschheit ein ungeheures Blutbad hervorrufen, wodurch der vierte Teil vernichtet wird.

«Und ich sah, als es das sechste 12 Siegel öffnete: und es geschah ein grosses Erdbeben; und die Sonne wurde schwarz wie ein härener Sack, und der ganze Mond wurde wie Blut, und die Sterne des Himmels fielen auf die Erde, wie ein Feigenbaum, geschüttelt von einem starken Winde, seine unreifen Feigen abwirft. Und der Himmel entwich wie ein Buch, das aufgerollt wird, und jeder Berg und jede Insel wurden aus ihrer Stelle gerückt» (Off 6,12–14). Man findet in Jesaja 34,4 eine Stelle, die ein ähnliches Gericht ankündigt: «Und alles Heer der Himmel zerschmilzt; und die Himmel werden zusammengerollt wie ein Buch; und all ihr Heer fällt herab, wie das Blatt vom Weinstock abfällt, und wie das Verwelkte vom Feigenbaum» (vgl. auch Mt 24,29 und Lk 21,25–26). Wie bei den durch die vorhergehenden Siegel angekündigten Gerichten handelt es sich auch hier um Symbole. Diese Voraussagungen sind daher nicht buchstäblich zu deuten und es sind nicht Naturkatastrophen darin zu sehen. Das Wort Gottes kündigt tatsächlich eine totale Umwälzung der politischen Ordnung an: Die Grundlagen der Macht und der Autorität in dieser Welt werden umgestürzt, und es wird ein solches Chaos daraus entstehen, dass die Menschen fälschlicherweise meinen, der Tag des Zornes sei angebrochen. «Und die Könige der Erde und die Grossen und die Obersten und die Reichen und die Starken und jeder Knecht und Freie verbargen sich in die Höhlen und in die Felsen der Berge; und sie sagen zu den Bergen und zu den Felsen: Fallet auf uns und verberget uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Throne sitzt, und vor dem Zorne des Lammes; denn gekommen ist der grosse Tag seines Zornes, und wer vermag zu bestehen?» (Off 6,15–17). Weil die Führer der Nationen die Heiligen verfolgt haben, werden sie mit einer furchtbaren Revolution gestraft werden, die, wie wir bereits gesagt haben, einen allgemeinen Umsturz sämtlicher politischer Einrichtungen hervorrufen und die Welt in eine unbeschreibliche Anarchie versetzen wird.

Das siebente Siegel führt die sieben Posaunen ein, die eine weitere Reihe von Gerichten ankündigen, die noch schlimmer sind als die vorhergehenden, obwohl sie noch dem Zeitabschnitt der Stunde der Versuchung angehören. Das achte Kapitel der Offenbarung beschreibt die Gerichte, die durch die vier ersten Posaunen angekündigt werden. Sie treffen alle Teile der Schöpfung: die Bäume, das grüne Gras, die Erde, das Meer, die Quellen, die Flüsse und die Gestirne. Alle diese Hinweise müssen symbolisch und nicht buchstäblich verstanden werden. Die Erde ist der Ort, wo sich der natürliche Mensch ausbreitet, politische und soziale Institutionen einrichtet und gedeiht, im Gegensatz zum Meere, das ein Bild von Völkermassen in einem mehr oder weniger anarchistischen Zustande ist. Das grüne Gras bezeichnet materielle Wohlfahrt, und die Bäume stellen die dar, welche auf dieser Erde gross geworden sind (die Reichen); die Wasserquellen versinnbildlichen die Quellen des menschlichen Gedankengutes (die intellektuelle Welt) und die Flüsse weisen auf die Kanäle hin, durch die dieses Gedankengut sich ausbreitet. Schliesslich bezeichnen die Gestirne (Sterne) die Regierungen, deren Hierarchie in den Unterschieden zum Ausdruck gebracht wird, die bei den Gestirnen vorhanden sind (Sonne = Oberhoheit; Mond = davon abhängige Gewalt; Sterne = untergeordnete Gewalten).

«Und als es das siebente Siegel öffnete, entstand ein Schweigen in dem Himmel bei einer halben Stunde. Und ich sah die sieben Engel, welche vor Gott stehen– und es wurden ihnen sieben Posaunen gegeben ... und die sieben Engel, welche die sieben Posaunen hatten, bereiteten sich, auf dass sie posaunten. Und der erste posaunte: Und es kam Hagel und Feuer, mit Blut vermischt, und wurde auf die Erde geworfen. Und der dritte Teil der Erde verbrannte, und der dritte Teil der Bäume verbrannte, und alles grüne Gras verbrannte» (Off 8,1–7). Der Hagel ist ein heftiges, plötzliches Gericht; das Feuer versinnbildlicht das Gericht Gottes über das Böse. Der Hagel und das Feuer sind vermischt mit Blut, was andeutet, dass diese Gerichte Tod und Zerstörung nach sich ziehen. «Die äussere Auswirkung des Gerichtes bedeutet die Zerstörung der Grossen im Westen, die Zerstörung alles dessen, was hoch an Würde ist, und die allgemeine Zerstörung des Wohlstandes» (J. N. D.). Das ist es, was die «Bäume» und das «grüne Gras», die verbrannt wurden, versinnbildlichen.

«Und der zweite Engel posaunte: Und wie ein grosser, mit Feuer brennender Berg wurde ins Meer geworfen; und der dritte Teil des Meeres wurde zu Blut. Und es starb der dritte Teil der Geschöpfe, welche im Meere waren, die Leben hatten, und der dritte Teil der Schiffe wurde zerstört» (V. 8–9). Der grosse, mit Feuer brennende Berg, der ins Meer geworfen wurde, stellt eine grosse irdische Macht dar, die, wie ein göttliches Gericht (das Feuer) über die aufrührerischen Völker (das Meer) kommt und ihre Zerstörung bewirkt (das Meer wird zu Blut und der dritte Teil der Geschöpfe, welche im Meere waren, starb). Gleichzeitig wird dem Handel der Todesstoss versetzt (der dritte Teil der Schiffe wurde zerstört).

«Und der dritte Engel posaunte: Und es fiel vom Himmel ein grosser Stern, brennend wie eine Fackel, und er fiel auf den dritten Teil der Ströme und auf die Wasserquellen. Und der Name des Sternes heisst Wermut; und der dritte Teil der Wasser wurde zu Wermut, und viele der Menschen starben von den Wassern, weil sie bitter gemacht waren» (V. 10–11). Dieser grosse Stern, der vom Himmel fällt, bezeichnet eine Persönlichkeit, die über eine grosse, wenn auch untergeordnete Macht verfügt (es ist ein Stern, nicht die Sonne). Ihr Aufsehen erregender Fall, als Auswirkung des Gerichtes, vergiftet die Wasserquellen, aus welchen die moralische Ordnung der Menschheit hervorgeht. Als Folge ergibt sich ihr moralischer Tod: Die Menschen stehen so sehr unter dem Einfluss dieser Persönlichkeit, dass sie alle ihre Wesenszüge übernehmen (die Wasser werden, wie der Stern selbst, zu Wermut). Alles wird umgestürzt; es herrscht nur noch Hass, Anarchie und Unterdrückung.

«Und der vierte Engel posaunte: Und es wurde geschlagen der dritte Teil der Sonne und der dritte Teil des Mondes und der dritte Teil der Sterne, auf dass der dritte Teil derselben verfinstert würde, und der Tag nicht schiene seinen dritten Teil und die Nacht gleicherweise» (V. 12). Die souveräne Gewalt (die Sonne) und die untergeordneten Mächte (Mond und Sterne) werden vom Gericht Gottes erfasst, und zwar in den Grenzen des Römischen Reiches. Daraus entsteht eine grosse Verwirrung (der Tag wird verfinstert, weil das Licht der Sonne getroffen wurde). Es ist gut, dabei auch die Stelle in Offenbarung 12,4 herbeizuziehen, wo man den Drachen (Satan) den dritten Teil der Sterne mit sich fortziehen und sie auf die Erde werfen sieht: Diese Mächte machen öffentlich Schluss mit jeder Beziehung zu Gott und sie werden von der Macht Satans mit fortgezogen. Der Mensch verliert das Licht, das ihn geleitet hatte und fällt in eine totale sittliche Finsternis.

«Und ich sah: Und ich hörte einen Adler fliegen inmitten des Himmels und mit lauter Stimme sagen: Wehe, wehe, wehe denen, die auf der Erde wohnen, wegen der übrigen Stimmen der Posaune der drei Engel, die posaunen werden!» (V. 13). Der Adler versinnbildlicht die Schnelligkeit der kommenden Gerichte.

«Und der fünfte Engel posaunte: Und ich sah einen Stern, der vom Himmel auf die Erde gefallen war; und es wurde ihm der Schlüssel zum Schlunde des Abgrundes gegeben. Und er öffnete den Schlund des Abgrundes; und ein Rauch stieg auf aus dem Schlunde wie der Rauch eines grossen Ofens, und die Sonne und die Luft wurden von dem Rauche des Schlundes verfinstert. Und aus dem Rauche kamen Heuschrecken hervor auf die Erde, und es wurde ihnen Gewalt gegeben, wie die Skorpionen der Erde Gewalt haben. Und es wurde ihnen gesagt, dass sie nicht beschädigen sollten das Gras der Erde, noch irgendetwas Grünes, noch irgendeinen Baum, sondern die Menschen, welche nicht das Siegel Gottes an ihren Stirnen haben. Und es wurde ihnen gegeben, dass sie sie nicht töteten, sondern dass sie fünf Monate gequält würden, und ihre Qual war wie die Qual eines Skorpions, wenn er einen Menschen schlägt. Und in jenen Tagen werden die Menschen den Tod suchen und werden ihn nicht finden, und werden zu sterben begehren, und der Tod flieht vor ihnen. Und die Gestalten der Heuschrecken waren gleich zum Kampfe gerüsteten Pferden, und auf ihren Köpfen wie Kronen gleich Gold, und ihre Angesichter wie Menschen–Angesichter; und sie hatten Haare wie Weiberhaare, und ihre Zähne waren wie die der Löwen. Und sie hatten Panzer wie eiserne Panzer, und das Geräusch ihrer Flügel war wie das Geräusch von Wagen mit vielen Pferden, die in den Kampf laufen; und sie haben Schwänze gleich Skorpionen, und Stacheln, und ihre Gewalt ist in ihren Schwänzen, die Menschen fünf Monate zu beschädigen. Sie haben über sich einen König, den Engel des Abgrundes; sein Name ist auf Hebräisch Abaddon (AbgrundVerderben), und im Griechischen hat er den Namen Apollyon (Verderber)» (Off 9,1–11).

Diese lange Beschreibung hebt die Ausdehnung und den Ernst des durch die fünfte Posaune angekündigten Gerichtes hervor. Der Führer, der den Schlüssel zum Schlunde des Abgrundes hat, ist offenbar ein gefährliches Werkzeug Satans. Er öffnet den Schlund des Abgrundes, und der Rauch, der daraus heraufsteigt, ist das Symbol der Entfesselung der satanischen Bosheit, welcher Gott freien Lauf lässt. Die zerstörende Tätigkeit des Bösen nimmt einen allgemeinen Charakter an (die Heuschrecken verbreiten sich auf der Erde) und quält die Menschen, ohne jedoch der allgemeinen Wohlfahrt (das Gras und das Grüne) zu schaden, noch der Grösse derer, die in der Welt erhöht sind (die Bäume). Aber sie schaden denen, die nicht das Siegel Gottes an ihren Stirnen haben (die Masse der ungläubigen Juden und der abtrünnigen Christenheit). Wie jedoch der Stich des Skorpions selten tödlich ist, so wird auch dieses Gericht nicht zum Tode führen, es wird aber eine solche Qual hervorrufen, dass die Menschen den Tod suchen werden. Es muss sich hier um eine Verheerung auf moralischem Gebiet handeln (politische Verfolgungen?), indem die Stacheln in den Schwänzen der Heuschrecken wohl eher Grundsätze und Lehren sind, die den Menschen gewaltsam aufgezwungen werden, um sie zu quälen. Das erklärt auch, weshalb dieses Gericht nicht jene trifft, die unter den zwölf Stämmen versiegelt sind.

«Und der sechste Engel posaunte: Und ich hörte eine Stimme aus den vier Hörnern des goldenen Altars, der vor Gott ist, zu dem sechsten Engel, der die Posaune hatte, sagen: Löse die vier Engel, welche an dem grossen Strome Euphrat gebunden sind. Und die vier Engel wurden gelöst, welche bereitet waren auf Stunde und Tag und Monat und Jahr, auf dass sie den dritten Teil der Menschen töteten. Und die Zahl der Kriegsheere zu Ross war zweimal Zehntausend mal Zehntausend; ich hörte ihre Zahl. Und also sah ich die Rosse in dem Gesicht und die auf ihnen sassen, und sie hatten feurige und hyazinthene und schweflichte Panzer; und die Köpfe der Rosse waren wie Löwenköpfe, und aus ihren Mäulern geht Feuer und Rauch und Schwefel hervor. Von diesen drei Plagen wurde der dritte Teil der Menschen getötet, von dem Feuer und dem Rauch und dem Schwefel, die aus ihren Mäulern hervorgehen. Denn die Gewalt der Rosse ist in ihrem Maule und in ihren Schwänzen; denn ihre Schwänze sind gleich Schlangen und haben Köpfe, und mit ihnen beschädigen sie» (V. 13–19).

Die Stimme, die dieses zweite «Wehe» ausruft, kommt aus dem goldenen Altar hervor, an dessen Hörner am grossen Versöhnungstage das Blut der Opfer gesprengt wurde. Dieses Gericht ist somit die Folge der Fürbitte des Herrn zugunsten Seiner Heiligen; es ist in gewissem Sinne dazu bestimmt, für sie Rache auszuüben wegen der Verfolgungen, die sie erleiden mussten, wenn auch nicht ausdrücklich gesagt wird, wie beim vorhergehenden «Wehe», dass es die Diener Gottes nicht treffen werde. Dieses ungeheure Heer von zweihundert Millionen Reitern kommt aus dem Osten 13 (der Euphrat setzte die östliche Grenze des Römischen Reiches fest) und rückt bis in das Herz des westlichen Reiches vor (der dritte Teil der Menschen wurde getötet). Ihre Macht und ihre Mittel, die sie für ihre Kampfhandlungen gebrauchen, sind teuflischer Natur (das Feuer und der Schwefel ihrer Panzer geht auch aus den Mäulern der Rosse hervor) und noch heftiger als beim vorangegangenen Gericht: Sie töten durch das, was sie ankündigen; die Macht Satans zeigt sich in all seinen Formen; die Menschen müssen sozusagen zum voraus erfahren, was die Hölle ist (sie werden vom Feuer und vom Schwefel verbrannt). Aber sie tun keinerlei Busse (V. 20–21).

Die siebente Posaune (11,15–18) kündigt nicht ein besonderes Gericht an, sondern das Endgericht, die Aufrichtung des Reiches Christi, das Gericht der Toten, die Belohnung der Gerechten, Gegenstände, mit denen wir uns später beschäftigen werden.

5. Wir wollen jetzt die im 16. Kapitel der Offenbarung unter dem Symbol der sieben Zornschalen beschriebenen Gerichte näher betrachten, welche die sieben letzten Plagen enthalten, die durch die sieben Engel auf die Erde ausgegossen werden. «In ihnen ist der Grimm Gottes vollendet» (15,1). Wir treten nun in die Zeitperiode ein, welche «der Tag des Zornes» genannt wird. Der Inhalt dieser Schalen beschreibt in der Tat die Endentwicklung der durch die Siegel und die Posaunen angekündigten Gerichte. Der Grimm Gottes erreicht dann den Höhepunkt und auferlegt den Gesetzlosen den Lohn ihrer Sünden; damit kommt das «Geheimnis Gottes» zum Abschluss, d. h., dieses Schweigen, das Er heute gegenüber dem Bösen und der Auflehnung des Menschen gegen Ihn beobachtet.

Diese Reihe der Gerichte, wiewohl sie manche Ähnlichkeit mit denen der Posaunen aufweisen – die Erde, das Meer, die Ströme, die Wasserquellen und die Sonne werden von neuem heimgesucht – haben eine weitere Ausdehnung: Ihre Auswirkungen sind nicht mehr auf den «dritten Teil» der Welt beschränkt, d. h. auf das Römische Reich des Westens, sondern erreichen die ganze Erde mit vermehrter Wucht.

«Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Tempel zu den sieben Engeln sagen: Gehet hin und giesset die sieben Schalen des Grimmes Gottes aus auf die Erde. Und der erste ging hin und goss seine Schale aus auf die Erde; und es kam ein böses und schlimmes Geschwür an die Menschen, welche das Malzeichen des Tieres hatten, und die sein Bild anbeteten» (16,12). Es handelt sich um ein Gericht, das in besonderer Weise die ungläubigen Juden trifft und das aus einem Zustand der Angst und des moralischen Elendes besteht, als Folge der Verunreinigung, die sie kennzeichnet, und ihrer Entfremdung von Gott. Das Böse wird Verheerungen anrichten, die Finsternis ist an die Stelle des Lichtes getreten, die Lüge an den Platz der Wahrheit; die trüben Wasser der Sünde breiten sich überallhin aus, was ein allgemeines Verderben hervorruft, dessen Züchtigung wie «ein böses und schlimmes Geschwür» sein wird.

«Und der zweite goss seine Schale aus auf das Meer; und es wurde zu Blut, wie von einem Toten, und jede lebendige Seele starb, alles, was in dem Meere war» (V. 3). Das Gericht erreicht die Gesamtheit der Völker in einem Zustand der Unordnung (das Meer) und verursacht ihren moralischen Tod und ihr Aufgeben jedes religiösen Bekenntnisses.

«Und der dritte goss seine Schale aus auf die Ströme und auf die Wasserquellen, und sie wurden zu Blut. Und ich hörte den Engel der Wasser sagen: Du bist gerecht, der da ist und der da war, der Heilige, dass du also gerichtet hast. Denn Blut von Heiligen und Propheten haben sie vergossen, und Blut hast du ihnen zu trinken gegeben; sie sind es wert. Und ich hörte den Altar sagen: Ja, Herr, Gott, Allmächtiger, wahrhaftig und gerecht sind deine Gerichte» (V. 4–7). Alle sittlichen Grundsätze, die der Lebensquell der Völker sind (Ströme und Wasserquellen), sind verderbt und bringen moralischen Tod hervor (sie wurden zu Blut). Dieses Gericht ist auch dazu bestimmt, besonders den Verfolgern der Heiligen und Propheten Vergeltung zu geben, und es wird ausgeübt als Antwort auf das Flehen der Seelen der Märtyrer (der Altar ruft die Gerechtigkeit Gottes aus).

«Und der vierte goss seine Schale aus auf die Sonne; und es wurde ihr gegeben, die Menschen mit Feuer zu versengen. Und die Menschen wurden von grosser Hitze versengt und lästerten den Namen Gottes, der über diese Plagen Gewalt hat, und taten nicht Busse, ihm Ehre zu geben» (V. 8–9). Die höchste Macht (Sonne) versengt, anstatt zu leuchten, und wird ein Werkzeug schrecklicher Unterdrückung. Aber statt dass sie die Menschen dahin führt, Busse zu tun, bewirkt sie, dass diese den Namen Gottes lästern und sich noch weiter von Ihm entfernen.

«Und der fünfte goss seine Schale aus auf den Thron des Tieres; und sein Reich wurde verfinstert; und sie zerbissen ihre Zungen vor Pein und lästerten den Gott des Himmels wegen ihrer Pein und wegen ihrer Geschwüre, und taten nicht Busse von ihren Werken» (V. 10–11). Das fünfte Gericht erreicht sogar den Sitz der Regierung des Römischen Reiches und bewirkt, dass das ganze Reich verfinstert wird. Daraus ergeben sich furchtbare sittliche Leiden (die Menschen zerbeissen ihre Zungen vor Pein) und eine wachsende Auflehnung gegen Gott, als Vorspiel zum Zusammenschluss der Mächte zum grossen Endkampf.

«Und der sechste goss seine Schale aus auf den grossen Strom Euphrat; und sein Wasser vertrocknete, auf dass der Weg der Könige bereitet würde, die von Sonnenaufgang herkommen» (V. 12). Wie wir schon bei der Plage, angekündigt durch die sechste Posaune, gesehen haben (9,13–16), bildet der Euphrat die östliche Grenze des Römischen Reiches und trennt es von den Horden der Barbaren des Ostens. Die Aufhebung dieser Schranke öffnet diesen Völkern den Weg für die Invasion von Palästina, ein Gegenstand, mit dem wir uns im Kapitel über den «Assyrer» beschäftigen werden. «Und ich sah aus dem Munde des Drachen und aus dem Munde des Tieres und aus dem Munde des falschen Propheten drei unreine Geister kommen, wie Frösche; denn es sind Geister von Dämonen, die Zeichen tun, welche zu den Königen des ganzen Erdkreises ausgehen, sie zu versammeln zu dem Kriege jenes grossen Tages Gottes, des Allmächtigen ... Und er versammelte sie an den Ort, der auf Hebräisch Armagedon heisst» (V. 13–16). Die teuflische Dreieinheit macht sich auf, um alle ihr zu Gebote stehenden Mächte für den Endkampf zwischen Gut und Böse, zwischen Himmel und Erde, zu sammeln. Die gotteslästerliche Gewalt Satans (die unreinen Geister, die aus dem Munde des Drachen hervorgehen), die Gewalt des wiedererstandenen Römischen Reiches (das Tier) und die des Antichrists (der falsche Prophet) verbinden sich, um die Nationen zu bewegen, ihre Kriegsheere zu versammeln, um gegen Gott und gegen das Lamm Krieg zu führen (vgl. Ps 2,2). Diese verführerische Tätigkeit wird von Wundern begleitet sein, wodurch die satanische Dreieinheit zu ihrem Ziele kommen wird. Aber der Herr richtet an die Seinen eine feierliche Warnung, um sie vor dieser Macht der Lüge zu bewahren und ihren Glauben inmitten der Prüfungen zu stärken: «Siehe, ich komme wie ein Dieb. Glückselig der, der da wacht und seine Kleider bewahrt, auf dass er nicht nackt wandle und man seine Schande sehe! » (V. 15). Für die Gottlosen wird Er wie ein Dieb erscheinen; für die Seinen aber wird Er der mächtige Erretter sein, der sie befreien und ihre Feinde vernichten wird.

«Und der siebente (Engel) goss seine Schale aus in die Luft; und es ging eine laute Stimme aus von dem Tempel des Himmels, von dem Throne, welche sprach: Es ist geschehen. Und es geschahen Blitze und Stimmen und Donner; und ein grosses Erdbeben geschah, desgleichen nicht geschehen ist, seitdem die Menschen auf der Erde waren, solch ein Erdbeben, so gross. Und die grosse Stadt wurde in drei Teile geteilt, und die Städte der Nationen fielen, und die grosse Babylon kam ins Gedächtnis vor Gott, ihr den Kelch des Weines des Grimmes seines Zornes zu geben. Und jede Insel entfloh, und Berge wurden nicht gefunden. Und grosse Hagelsteine, wie ein Talent schwer, fallen aus dem Himmel auf die Menschen hernieder; und die Menschen lästerten Gott wegen der Plage des Hagels, denn seine Plage ist sehr gross» (V. 17–21). Dieses letzte Gericht kennzeichnet den Höhepunkt des Zornes Gottes, den diese laute Stimme, die aus dem Tempel kommt, mit den Worten unterstreicht: «Es ist geschehen.» jenes furchtbare Erdbeben, wie es noch nie da gewesen ist, versinnbildlicht die universelle, gewaltige Unruhe, die dann entsteht und den Zusammenbruch der politischen Organisation des Römischen Reiches (die grosse Stadt in drei Teile geteilt) und der Nationen, die sich ausserhalb des Reiches befinden (die Städte der Nationen), nach sich zieht. Die westliche Zivilisation ist vernichtet (die grosse Babylon), die wirtschaftliche Tätigkeit ist verunmöglicht (die Inseln, Bilder der Seeküsten in Verbindung mit dem Handel), die politischen Einrichtungen sind umgestossen und vernichtet (die Berge). Diese letzte Schale erinnert an das durch den Propheten Haggai angekündigte Gericht: «Ich werde den Himmel und die Erde erschüttern. Und ich werde den Thron der Königreiche umstürzen und die Macht der Königreiche der Nationen vernichten» (2,21–22). Diese Plagen haben den Charakter eines plötzlichen Gerichtes, das alle anderen an Wucht übertrifft und alle Menschen erreicht (grosse Hagelsteine, wie ein Talent schwer, das grösste Geldgewicht); aber sie fahren fort zu lästern, bis zu dem Tage, wo das Lamm persönlich mit Seinen himmlischen Kriegsheeren erscheint und sie vernichtet.

Bevor wir uns mit dieser tragischen Auflösung befassen, wollen wir die Wege Gottes in Gnade betrachten, gegenüber denen, die unter den Nationen das Evangelium des Reiches annehmen und sich weigern, sich dem Satan und seinen Helfershelfern zu unterwerfen.

6. Wie wir bei der Betrachtung der zukünftigen Wege Gottes mit Israel während der Zeit der grossen Drangsal gesehen haben, wird sich ein Überrest bekehren und unter den Nationen das Evangelium des Reiches verkündigen. Der Inhalt dieser Predigt wird in Offenbarung 14,7 zusammengefasst: «Fürchtet Gott und gebet ihm Ehre, denn die Stunde seines Gerichts ist gekommen; und betet den an, der den Himmel und die Erde gemacht hat und das Meer und die Wasserquellen.» Dieses Evangelium, das, wie wir gesehen haben, sich von dem gegenwärtigen Evangelium der Gnade unterscheidet – welches die Frohe Botschaft der Vergebung der Sünden durch den Glauben an den Herrn Jesus und an Sein Sühnungswerk am Kreuze verkündigt 14 – wird eine grosse Zahl von Menschen dahin führen, die Autorität Gottes anzuerkennen und sich zu weigern, sich der Autorität Satans und seiner Werkzeuge zu unterwerfen. Diese Menschen werden in Offenbarung 7,9–10 beschrieben: «Nach diesem sah ich: und siehe, eine grosse Volksmenge, welche niemand zählen konnte, aus jeder Nation und aus Stämmen und Völkern und Sprachen, und sie standen vor dem Throne und vor dem Lamme, bekleidet mit weissen Gewändern, und Palmen waren in ihren Händen. Und sie rufen mit lauter Stimme und sagen: Das Heil unserem Gott, der auf dem Throne sitzt, und dem Lamme!» Der Prophet erklärt auch, wer diese sind: «Dies sind die, welche aus der grossen Drangsal kommen, und sie haben ihre Gewänder gewaschen, und haben sie weiss gemacht in dem Blute des Lammes. Darum sind sie vor dem Throne Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel; und der auf dem Throne sitzt, wird sein Zelt, über ihnen errichten. Sie werden nicht mehr hungern, auch werden sie nicht mehr dürsten, noch wird je die Sonne auf sie fallen noch irgendeine Glut; denn das Lamm, das in der Mitte des Thrones ist, wird sie weiden und sie leiten zu Quellen der, Wasser des Lebens, und Gott wird jede Träne von ihren Augen wischen» (V. 14–17).

Der Herr selbst sagte zu Seinen Jüngern: «Und dieses Evangelium des Reiches wird gepredigt werden auf dem ganzen Erdkreis, allen Nationen zu einem Zeugnis» (Mt 24,14). Diese unzählbaren Scharen von Heiden, die das Evangelium des Heils vorher nie gehört hatten, werden also die Frucht der göttlichen Gnade sein, die noch inmitten des Schauplatzes der Gerichte ausgeübt werden wird. Sie sind bekleidet mit weissen Kleidern, was bedeutet, dass sie gerecht gesprochen sind: «Sie haben für Christum gelitten und haben überwunden.» Sie werden öffentlich als Erlöste anerkannt, deren Sünden in dem Blute des Lammes gewaschen sind. Fortan wird der Herr Sein Zelt über ihnen errichten, das heisst, er wird sie in Sicherheit bringen, sie beschützen und vor Hunger und Durst bewahren. Er wird den Verfolgern ein Ende machen (die Glut der Sonne, die auf sie gefallen ist). Er wird sie zu Quellen der Wasser des Lebens leiten, und Gott wird jede Träne von ihren Augen abwischen. Alles das wird sich erfüllen, wenn sie in das Tausendjährige Reich eingeführt werden, das auf die Gerichte folgen wird. Gott wird dann jede Spur der Leiden auswischen, die sie für Seinen Namen ertragen haben und wird ihnen einen besonderen Platz geben sie werden vor dem Throne Gottes sein und Ihm Tag und Nacht in Seinem Tempel dienen – Vorrechte, die den anderen Heiligen der Tausendjährigen Herrschaft nicht beschieden sein werden. Die Palmen, die sie tragen, versinnbildlichen die im Frieden genossene Glückseligkeit, die der Herr Seinen Erlösten bringen wird, wenn Er auf dieser Erde Sein Reich aufrichten wird.

Gewiss, wie wir schon gesagt haben, eine grosse Zahl dieser Heiligen unter den Nationen werden den Märtyrertod erleiden und dann mit der Versammlung im himmlischen Teil des Reiches herrschen. Sie werden uns in Offenbarung 15 näher beschrieben: «Und ich sah ein gläsernes Meer, mit Feuer gemischt, und die überwinder über das Tier und über sein Bild und über die Zahl seines Namens an dem gläsernen Meere stehen, und sie hatten Harfen Gottes. Und sie singen das Lied Moses', des Knechtes Gottes, und das Lied des Lammes, und sagen: Gross und wunderbar sind deine Werke, Herr, Gott, Allmächtiger! gerecht und wahrhaftig deine Wege, o König der Nationen! Wer sollte nicht dich, Herr, fürchten und deinen Namen verherrlichen? Denn du allein bist heilig; denn alle Nationen werden kommen und vor dir anbeten, denn deine gerechten Taten sind offenbar geworden» (V. 2–4).

Dieses «gläserne Meer» erinnert an das eherne Waschbecken von 2. Mose 30,17–21, dessen Wasser für die Waschung (d. h. für die Reinigung) der Hände und Füsse Aarons und seiner Söhne diente, bevor sie in das Zelt der Zusammenkunft eintraten, um die Opfer darzubringen. Für die verherrlichten Märtyrer, von denen in dieser Stelle die Rede ist, wird eine Reinigung nicht mehr nötig sein; denn ihre Reinheit ist dann vollkommen und unveränderlich, was in dem gläsernen Meere, gleich einem Kristall versinnbildlicht wird. Die Tatsache, dass es «mit Feuer gemischt» ist, bringt die Zeiten der furchtbaren Verfolgungen in Erinnerung, durch welche diese Märtyrer gehen mussten. In den Himmel eingeführt, singen sie das Lied Moses, das an das Lied erinnert, das Israel nach dem Durchzug durch das Rote Meer gesungen hatte, und an die Befreiung von den Ägyptern (2. Mose 15). Auch sie haben Grund, dem Herrn für Seine wunderbare Befreiung und für die Vernichtung ihrer Feinde zu lobsingen. Sie singen auch das Lied des Lammes, durch das sie ihre geistliche Befreiung ausdrücken, als Resultat des Sühnungswerkes Christi, des geschlachteten Lammes. Der Herr wird hier mehr als der König der Nationen betrachtet, denn Er wird bald als König der Könige und Herr der Herren erscheinen und am glorreichen Tage Seiner Ankunft Seine Herrschaft über alle Nationen aufrichten.


KAPITEL 4 – Armagedon

Die Herrschaft des römischen Tieres und des Antichrists wird bei der Schlacht zu Armagedon ein Ende nehmen. Viele Stellen in der Heiligen Schrift enthalten Angaben über dieses schreckliche Ereignis, das der Höhepunkt der Gerichtsperiode sein wird, die wir betrachtet haben.

1. Den Namen dieser Schlacht finden wir in Offenbarung 16: «Und ich sah aus dem Munde des Drachen und aus dem Munde des Tieres und aus dem Munde des falschen Propheten drei unreine Geister kommen, wie Frösche; denn es sind Geister von Dämonen, die Zeichen tun, welche zu den Königen des ganzen Erdkreises ausgehen, sie zu versammeln zu dem Kriege jenes grossen Tages Gottes, des Allmächtigen ... Und er versammelte sie an den Ort, der auf hebräisch Armagedon heisst» (Verse 13–16).

Dieser Name bezeichnet das Gebiet von Megiddo, einer Stadt in Israel, unweit vom Berge Karmel, am Rande der Ebene von Jisreel. Diese Ebene, umsäumt von Bergen, ist 35 Kilometer lang und 25 Kilometer breit. Dort kreuzen sich die Landstrassen, die einst Ägypten mit Babylon und Ninive verbanden, Jerusalem mit Tiberias, Damaskus und Antiochien. Dadurch erhielt dieses Gebiet eine grosse strategische Bedeutung. 15 Es ist übrigens nicht ausgeschlossen, dass die Kriegsheere des Tieres und des falschen Propheten und der Könige, die mit ihnen einen Bund geschlossen haben, nicht auch andere Gebiete von Palästina besetzen werden.

2. Die Nationen werden gegen die Juden von Hass erfüllt sein und den Plan fassen, sie auszurotten. Trotz seiner Untreue bleibt aber Israel das Volk Gottes und wird es auch in jenem Zeitabschnitt sein. Der Teufel wird in den Herzen der Führer der Nationen wirken, mit Hilfe unreiner Geister, von denen in der eingangs erwähnten Stelle die Rede ist, um sie zu veranlassen, dieses Volk, und vor allem den gläubigen Überrest, zu vertilgen. «Wider dein Volk machen sie listige Anschläge, und beraten sich wider deine Geborgenen. Sie sprechen: Kommet und lasset uns sie vertilgen, dass sie keine Nation mehr seien, dass nicht mehr gedacht werde des Namens Israel!» (Ps 83,3–4). «Und nun haben sich viele Nationen wider dich versammelt, die da sprechen: Sie werde entweiht, und unsere Augen mögen an Zion ihre Lust sehen! Aber sie kennen nicht die Gedanken Jehovas und verstehen nicht seinen Ratschluss; denn er hat sie gesammelt, wie man Garben auf die Tenne sammelt» (Micha 4,11–12). «Und es wird geschehen an jenem Tage, da werde ich Jerusalem zu einem Laststein machen für alle Völker: alle, die ihn aufladen wollen, werden sich gewisslich daran verwunden. Und alle Nationen der Erde werden sich wider dasselbe versammeln» (Sach 12,3).

Die dämonischen Mächte, die wir symbolisch aus dem Munde Satans und seiner beiden Verbündeten kommen sahen, werden sich der Könige der Erde völlig bemächtigen und sie zum Kampfe gegen den Herrn antreiben. Satan weiss dann, dass die Stunde kommt, in welcher Jesus Christus mit den Kriegsheeren Seiner Heiligen in Palästina erscheinen wird. Daher wird er alles daran setzen, um dem Triumphe Christi zu widerstehen, indem er alle irdischen und unterirdischen Heere um Jerusalem herum versammelt. Wenn der Mensch, wie es dann geschehen wird, sich den dämonischen Mächten ausliefert, gibt es für seine Verirrungen keine Grenzen mehr. Aber «der im Himmel thront, lacht, der Herr spottet ihrer. Dann wird er zu ihnen reden in seinem Zorn, und in seiner Zornglut wird er sie schrecken» (Psalm 2,4–5). «An jenem Tage, spricht Jehova, werde ich alle Rosse mit Scheuwerden und ihre Reiter mit Wahnsinn schlagen» (Sach 12,4). «Diese werden mit dem Lamme Krieg führen, und das Lamm wird sie überwinden; denn er ist Herr der Herren und König der Könige» (Off 17,14). Dann wird sich das Ende des prophetischen Traumes Nebukadnezars erfüllen, in welchem der Stein das Bild an seine Füsse von Eisen und Ton schlug und sie zermalmte: «Da wurden zugleich das Eisen, der Ton, das Erz, das Silber und das Gold zermalmt, und sie wurden wie Spreu der Sommertennen; und der Wind führte sie hinweg, und es wurde keine Stätte für sie gefunden. Und der Stein, der das Bild zerschlagen hatte, wurde zu einem grossen Berge und füllte die ganze Erde ... Und in den Tagen dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, welches ewiglich nicht zerstört wird» Daniel 2,35 und 44).

So wird der Herr in Palästina, da, wo Er verworfen und gekreuzigt wurde, Seine Feinde vernichten und die «Rache Jehovas» ausüben (Jer 50,28).

3. Das Alte Testament enthält mehrere Stellen bezüglich dieser grossen Ansammlung in Armagedon und des blitzartigen Gerichtes, das Christus über die unzählbaren Kriegsheere ausführen wird. Wir wollen einige dieser Stellen anführen: «Darum harret auf mich, spricht Jehova, auf den. Tag, da ich mich aufmache zur Beute! Denn mein Rechtsspruch ist, die Nationen zu versammeln, die Königreiche zusammenzubringen, um meinen Grimm über sie auszugiessen, die ganze Glut meines Zornes; denn durch das Feuer meines Eifers wird die ganze Erde verzehrt werden» (Zeph 3,8). «Siehe, der Name Jehovas kommt von fernher. Sein Zorn brennt, und der aufsteigende Rauch ist gewaltig; seine Lippen sind voll Grimmes, und seine Zunge ist wie ein verzehrendes Feuer, und sein Odem wie ein überflutender Bach, der bis an den Hals reicht: um die Nationen zu schwingen mit einer Schwinge der Nichtigkeit, und einen irreführenden Zaum an die Kinnbacken der Völker zu legen» (Jes 30,27–28). «Tretet herzu, ihr Nationen, um zu hören; und ihr Völkerschaften, merket auf! Es höre die Erde und ihre Fülle, der Erdkreis und alles, was ihm entsprosst! Denn der Zorn Jehovas ergeht wider alle Nationen, und sein Grimm wider all ihr Heer. Er hat sie der Vertilgung geweiht, zur Schlachtung hingegeben. Und ihre Erschlagenen werden hingeworfen, und der Gestank ihrer Leichname steigt auf, und die Berge zerfliessen von ihrem Blute ... Das Schwert Jehovas ist voll Blut... Und ihr Land wird trunken von Blut, und ihr Staub von Fett getränkt. Denn Jehova hat einen Tag der Rache, ein Jahr der Vergeltungen für die Rechtssache Zions» (Jes 34,1 ff). «Wenn ich mein blitzendes Schwert geschärft habe, und meine Hand zum Gericht greift, so werde ich Rache erstatten meinen Feinden und Vergeltung geben meinen Hassern. Meine Pfeile werde ich berauschen mit Blut, und mein Schwert wird Fleisch fressen – mit dem Blute der Erschlagenen und Gefangenen – von dem Haupte der Fürsten des Feindes» 5. Mose 32,41–42). «Kommet, stampfet, denn die Kelter ist voll, die Kufen fliessen über! Denn gross ist ihre Bosheit» (Joel 3,13). «Wer ist dieser, der von Edom kommt, von Bozra in hochroten Kleidern, dieser, prächtig in seinem Gewande, der einherzieht in der Grösse seiner Kraft? ... Und ich zertrat sie in meinem Zorn und zerstampfte sie in meinem Grimm; und ihr Saft spritzte auf meine Kleider, und ich besudelte mein ganzes Gewand. Denn der Tag der Rache war in meinem Herzen, und das Jahr meiner Erlösung war gekommen ... Und ich trat die Völker nieder in meinem Zorn und machte sie trunken in meinem Grimm, und ich liess ihren Saft zur Erde rinnen» (Jes 63,1 ff). «Und die Erschlagenen Jehovas werden an jenem Tage liegen von einem Ende der Erde bis zum anderen Ende der Erde; sie werden nicht beklagt und nicht gesammelt noch begraben werden; zu Dünger auf der Fläche des Erdbodens sollen sie werden» (Jer 25,33). Eine erstaunliche Tatsache ist, dass der Herr Seine Feinde dabei so verwirren wird, dass sie sich gegenseitig umbringen. «Und es wird geschehen an jenem Tage, da wird eine grosse Verwirrung von Jehova unter ihnen entstehen: und sie werden einer des anderen Hand ergreifen, und eines jeden Hand wird sich gegen die Hand seines Nächsten erheben» (Sach 14,13). «Und ich werde den Thron der Königreiche umstürzen und die Macht der Königreiche der Nationen vernichten; und ich werde die Streitwagen umstürzen und die darauf fahren; und die Rosse und ihre Reiter sollen hinfallen, ein jeder durch das Schwert des anderen» (Haggai 2,22).

4. Aber der endgültige Sieg wird durch Christus selbst errungen werden, wenn Er vom Himmel hernieder steigt mit all Seinen Heiligen. «Und ich sah den Himmel geöffnet, und siehe, ein weisses Pferd, und der darauf sass, genannt Treu und Wahrhaftig, und er richtet und führt Krieg in Gerechtigkeit; … und er ist bekleidet mit einem in Blut getauchten Gewande, und sein Name heisst: Das Wort Gottes. Und die Kriegsheere, die in dem Himmel sind, folgten ihm auf weissen Pferden, angetan mit weisser, reiner Leinwand. Und aus seinem Munde geht hervor ein scharfes, zweischneidiges Schwert, auf dass er damit die Nationen schlage; und er wird sie weiden mit eiserner Rute, und er tritt die Kelter des Weines des Grimmes des Zornes Gottes, des Allmächtigen. Und er trägt auf seinem Gewande und auf seiner Hüfte einen Namen geschrieben: König der Könige und Herr der Herren. Und ich sah einen Engel in der Sonne stehen, und er rief mit lauter Stimme und sprach zu allen Vögeln, die inmitten des Himmels fliegen: Kommet her, versammelt euch zu dem grossen Mahle Gottes! auf dass ihr Fleisch von Königen fresset und Fleisch von Obersten und Fleisch von Starken und Fleisch von Pferden und von denen, die darauf sitzen, und Fleisch von allen, sowohl von Freien als Sklaven, sowohl von Kleinen als Grossen. Und ich sah das Tier und die Könige der Erde und ihre Heere versammelt, Krieg zu führen mit dem, der auf dem Pferde sass, und mit seinem Heere. Und es wurde ergriffen das Tier und der falsche Prophet, der mit ihm war ... lebendig wurden die zwei in den Feuersee geworfen, der mit Schwefel brennt. Und die übrigen wurden getötet mit dem Schwerte dessen, der auf dem Pferde sass, welches Schwert aus seinem Munde hervorging; und alle Vögel wurden von ihrem Fleische gesättigt» (Off 19,11 ff).

Es werden uns keine Angaben gemacht über die Zahl der Menschen, die so vernichtet werden, aber man kann aus verschiedenen Stellen schliessen, dass sie sehr gross sein wird. So sagt Jesaja, dass nach dieser Vertilgung die Menschen kostbarer sein werden als Gold von Ophir (13,9 und 12). Der Prophet Zephania bezeugt: «Ich werde alles von der Fläche des Erdbodens gänzlich wegraffen, spricht Jehova; ich werde Menschen und Vieh wegraffen» (1,2–3). Auch David weissagt in diesem Zusammenhang: «Der Herr zu deiner Rechten zerschmettert Könige am Tage seines Zornes. Er wird richten unter den Nationen, er füllt alles mit Leichen; das Haupt über ein grosses Land zerschmettert er» (Ps 110,5–6). Beachte auch die schon früher erwähnten Stellen in Jesaja 34,2–3 und in Jeremia 25,33, die von dem Gestank der Leichname reden, die wie Dünger auf der Erde liegen werden.

Der diabolischen Dreieinheit wird durch das Blutbad von Armagedon ein Ende gesetzt: Das Haupt des Römischen Reiches und der Antichrist werden lebendig ergriffen und in den Feuersee geworfen. Gleichzeitig wird das westliche Bündnis, welches das Römische Reich darstellt, zusammenbrechen. Das gleiche Los wird bald darauf dem Bündnis des Nordens beschieden sein, das unter der Führung des Assyrers (oder Gogs) gebildet wird, und über das wir uns im nächsten Kapitel noch verbreiten werden. Schliesslich wird Armagedon der grossen Drangsal ein Ende setzen und für die Aufrichtung des Tausendjährigen Reiches den Weg bahnen. Aber vorher muss der Herr noch den Assyrer und seine Kriegsheere vernichten, den Teufel für tausend Jahre in den Abgrund werfen und die lebenden Nationen richten. Erst nach diesen Ereignissen wird Er den Frieden und die Gerechtigkeit auf der Erde aufrichten.


KAPITEL 5 – Die Assyrer

Dieser Ausdruck bezeichnet eine Macht, oder besser gesagt, einen Staatenbund nördlich von Palästina. Daniel stellt diesen Bund, unter dem Namen König des Nordens, als Person dar, während der Prophet Hesekiel ihn Gog nennt. Es handelt sich um Völker, die dann unter die Macht Russlands gestellt sein werden. In den vergangenen Zeiten war Assyrien ein Land, das sich nördlich von Israel befand und auch Kleinasien mit einschloss. Gott hatte es als Zuchtrute benutzt, um Sein untreues Volk zu züchtigen. «He Assyrer, Rute meines Zornes! und der Stock in seiner Hand ist mein Grimm» (Jes 10,5). Ähnlich wird es in zukünftigen Tagen sein, wenn Israel nach Palästina zurückgekehrt ist: Der Assyrer wird dann das Land überfluten, sich der Stadt Jerusalem bemächtigen und die Einwohner in die Gefangenschaft führen, wie er es einst mit den zehn Stämmen tat (2. Könige 17). Der historische Assyrer ist also ein Vorbild auf den Assyrer der Endzeit.

1. Lasst uns zuerst betrachten, was uns der Prophet Daniel hinsichtlich des Königs des Nordens mitteilt. Im 8. Kapitel beschreibt er das Gesicht, das ihm gegeben wurde, von einem Ziegenbock, der vom Westen (Griechenland) her kam und ein ansehnliches Horn zwischen seinen Augen hatte (Alexander der Grosse). Aus den Überresten des von ihm gegründeten Reiches kommt ein kleines Horn hervor, das ausnehmend gross wurde. 16 Dieses kleine Horn ist der König des Nordens. Es wird sich gegen Süden und gegen Osten ausbreiten und in das Land der Zierde, d. h. in Palästina eindringen. «Und es wurde gross bis zum Heere des Himmels, und es warf von dem Heere und von den Sternen zur Erde nieder und zertrat sie» (V. 10). Es handelt sich hier um die Führer des jüdischen Volkes. «Und er warf die Wahrheit zu Boden und handelte (d. h. tat grosse Dinge) und hatte Gelingen» (V. 12). Der Engel Gabriel teilt dem Propheten über dieses Gesicht noch weitere Einzelheiten mit: «Und am Ende des Königtums, wenn die Frevler das Mass voll gemacht haben werden, wird ein König aufstehen, frechen Angesichts und der Ränke kundig. Und seine Macht wird stark sein, aber nicht durch seine eigene Macht; und er wird erstaunliches Verderben anrichten, und Gelingen haben und handeln; und er wird Starke und das Volk der Heiligen verderben. Und durch seine Klugheit wird der Trug in seiner Hand gelingen; und er wird in seinem Herzen grosstun und unversehens viele verderben. Und gegen den Fürsten der Fürsten wird er sich auflehnen, aber ohne Menschenhand zerschmettert werden» (V. 23–25). Das alles wird sich in der letzten Zeit des Zornes zutragen (V. 19), d. h. am Ende der Zeitperiode der Gerichte, die über Israel kommen werden, wenn die Übertreter mit ihren Bosheiten das Mass vollgemacht haben, also kurz vor der Offenbarung des Herrn in Herrlichkeit und der Aufrichtung Seines Reiches.

Der König des Nordens wird also ein ausserordentlich kluger und geschickter Mann sein, der sowohl durch Ränke und Politik wie auch durch Waffengewalt Gelingen haben wird, wiewohl seine Macht von einer äusseren Quelle abhängig ist. immerhin wird er Grosses zustande bringen, und seine kühnen Unternehmungen werden von Erfolg gekrönt sein, sowohl in der Richtung nach dem Süden wie auch nach dem Osten. Seine Kriegshandlungen werden sich vor allem auf Palästina konzentrieren, wo er «Starke und das Volk der Heiligen verderben» wird. Er wird die ausserordentlich günstige Wirtschaftslage benützen, um sich viele Menschen willfährig zu machen und seine Pläne zur Ausführung bringen. Schliesslich wird er sich gegen den Herrn auflehnen, aber «ohne Hand zerschmettert werden», das heisst, durch den Herrn selbst.

Aber beachten wir noch, was Daniel im 11. Kapitel seines Buches über den König des Nordens bezeugt: «Und zur Zeit des Endes wird der König des Südens (Ägypten) mit ihm (dem Antichrist) zusammenstossen, und der König des Nordens wird gegen ihn anstürmen mit Wagen und mit Reitern und mit vielen Schiffen; und er wird in die Länder eindringen, und wird sie überschwemmen und überfluten. Und er wird in das Land der Zierde eindringen, und viele Länder werden zu Fall kommen; diese aber werden seiner Hand entrinnen: Edom und Moab und die Vornehmsten der Kinder Ammon. Und er wird seine Hand an die Länder legen, und das Land Ägypten wird nicht entrinnen; und er wird die Schätze an Gold und Silber und alle Kostbarkeiten Ägyptens in seine Gewalt bringen, und Libyer und Äthiopier werden in seinem Gefolge sein. Aber Gerüchte von Osten und von Norden her werden ihn erschrecken; und er wird ausziehen in grossem Grimme, um viele zu vernichten und zu vertilgen. Und er wird sein Palastgezelt aufschlagen zwischen dem Meere und dem Berge der heiligen Zierde. Und er wird zu seinem Ende kommen, und niemand wird ihm helfen» (V. 40–45)

Aus dieser Stelle geht hervor, dass zuerst der König von Ägypten, dann der König des Nordens, obwohl sie einander feindlich sind, mit unzählbaren Kriegsheeren in Palästina eindringen werden. Der König des Nordens wird das Land der Zierde und die Nachbarländer gleich einer Überschwemmung überfluten, mit Ausnahme von Edom, Moab und Ammon. Diese drei an Palästina angrenzenden Länder, die von jeher Feinde Israels waren, werden dann verschont bleiben, damit die Prophezeiung in Jesaja 11 erfüllt werde: «Und sie (Juda und Ephraim) ... werden miteinander plündern die Söhne des Ostens; an Edom und Moab werden sie ihre Hand legen, und die Kinder Ammon werden ihnen gehorsam sein» (V. 14). Es wird also Israel vorbehalten sein, selber seine Erzfeinde zu vernichten (vgl. auch Hesekiel 25,14; Micha 5,5–6; Sacharja 12,6). Der König des Nordens wird sich dann nach Ägypten wenden und sich all der Reichtümer, die dort aufgehäuft wurden, bemächtigen, aber beunruhigende Gerüchte vom Osten und vom Norden dringen an seine Ohren und erfüllen ihn mit Wut gegen Israel. Er wird also plötzlich nach Palästina zurückkommen und zwischen dem Mittelländischen Meere und Jerusalem Stellung beziehen und Vorbereitungen treffen, um die Stadt ein zweites Mal zu verwüsten. Aber er wird seinen Plan nicht zur Ausführung bringen können, denn er wird durch den Herrn vernichtet werden, wie «am Tage der Schlacht», das heisst, wie am Tage, wo der Herr den Antichrist und das römische Tier vernichtete.

2. Hesekiel beschreibt im 38. Kapitel seines Buches den Einfall des Assyrers in Palästina, den er mit dem Namen «Gog» 17 bezeichnet. Jehova befiehlt Seinem Knechte, gegen Gog zu weissagen und ihm zu sagen: «So spricht der Herr, Jehova: Siehe, ich will an dich Gog, Fürst von Rosch, Mesech und Tubal» (V. 13). 18 Er ist an der Spitze unzählbarer Horden, die auch Truppen von Alliierten (wir würden sie heute Satellitenstaaten nennen) mit einschliessen werden. Israel wird dann sein Land in Besitz genommen haben, von Gott als Sein Volk anerkannt sein und auf der Erde in Sicherheit wohnen (V. 8–14). Gott verkündet, was sich dann zutragen wird, indem Er zu Gog sagt: «Und du wirst von deinem Orte kommen, vom äussersten Norden her, du und viele Völker mit dir, auf Rossen reitend allesamt, eine grosse Schar und ein zahlreiches Heer. Und du wirst wider mein Volk Israel heraufziehen wie eine Wolke, um das Land zu bedecken. Am Ende der Tage wird es geschehen, dass ich dich heranbringen werde wider mein Land, auf dass die Nationen mich kennen, wenn ich mich an dir, Gog, vor ihren Augen heilige» (V. 15–16). Er wird in Palästina eindringen, um sich vor allem der Reichtümer zu bemächtigen, die dort aufgehäuft sind. «Du wirst einen bösen Anschlag ersinnen und sprechen: Ich will hinaufziehen in das Land der offenen Städte, will über die kommen, welche in Ruhe sind, in Sicherheit wohnen, die allesamt ohne Mauern wohnen. .., um Raub zu rauben und Beute zu erbeuten, um deine Hand zu kehren ... gegen ein Volk, das aus den Nationen gesammelt ist, welches Hab und Gut erworben hat.. ., um Silber und Gold wegzuführen, Hab und Gut wegzunehmen, um einen grossen Raub zu rauben» (Verse 10 und folgende).

Aber Hesekiel kündet auch das Gericht an, das über diesen Feind Israels kommen wird (Kap. 39). «Und ich werde dir den Bogen aus deiner linken Hand schlagen und deine Pfeile aus deiner rechten Hand werfen. Auf den Bergen Israels wirst du fallen, du und alle deine Haufen und die Völker, die mit dir sind; den Raubvögeln allerlei Gefieders und den Tieren des Feldes habe ich dich zur Speise gegeben; auf dem freien Felde sollst du fallen. Denn ich habe geredet, spricht der Herr, Jehova ... Und die Bewohner der Städte Israels werden hinausgehen und werden Feuer machen und heizen mit Waffen und Tartschen und Schilden, mit Bogen und Pfeilen und mit Handstäben und Lanzen; und sie werden Feuer damit machen sieben Jahre lang 19 ... Und das Haus Israel wird sie (die Leichname) begraben, um das Land zu reinigen, sieben Monate lang; und das ganze Volk des Landes wird sie begraben» (Verse 3 und folgende).

Dieses Gericht über Gog wird zum Triumphe der Herrlichkeit Christi unter den Nationen gereichen und die Befreiung Israels zum Abschluss bringen: «Und ich werde meine Herrlichkeit unter den Nationen erweisen; und alle Nationen sollen mein Gericht sehen, welches ich gehalten, und meine Hand, die ich an sie gelegt habe. Und von jenem Tage an und hinfort wird das Haus Israel wissen, dass ich, Jehova, ihr Gott bin ... Nun werde ich die Gefangenschaft Jakobs wenden und mich des ganzen Hauses Israel erbarmen ... Und ich werde mein Angesicht nicht mehr vor ihnen verbergen, wenn ich meinen Geist über das Haus Israel ausgegossen habe, spricht der Herr, Jehova» (Verse 21 ff).

3. Auch der Prophet Sacharja kündet einige Ereignisse an, die sich auf die Invasion Palästinas durch den Assyrer beziehen. Aus den Kapiteln 12 und 14 geht klar hervor, dass nach dem Gericht des Herrn über den Antichrist und über das römische Tier, Jerusalem von einem Bund vieler Nationen angegriffen werden wird, der unter der Führung des Assyrers steht. Die Stadt wird eingenommen und zerstört werden; die Hälfte der Einwohner wird in die Gefangenschaft weggeführt, aber der Rest des Volkes wird verschont werden, vor allem der Überrest, der sich in Jerusalem befinden wird (14,1–2). Wenn aber der Assyrer von Ägypten mit Grimm in seinem Herzen und in der Absicht zurückkehrt, die Zurückgebliebenen der ersten Belagerung zu vernichten, wird «Jehova ausziehen und wider jene Nationen streiten, wie an jenem Tage, da er streitet, an dem Tage der Schlacht» (V. 3). Diese letzte Stelle macht eine Andeutung auf die Vernichtung des Antichrists und des Hauptes des Römischen Reiches durch den Herrn, wenn Er vom Himmel kommt, mit allen Seinen Heiligen (Off 19). Aber bei dieser zweiten Erscheinung des Christus wird sich ein bemerkenswertes Ereignis abspielen, nämlich eine geologische Veränderung, welche die Bewohner des Landes mit Schrecken erfüllt: «Und seine Füsse werden an jenem Tage auf dem Ölberg stehen, der vor Jerusalem gegen Osten 20 liegt; und der Ölberg wird sich in der Mitte spalten nach Osten und nach Westen hin, zu einem sehr grossen Tale, und die Hälfte des Berges wird nach Norden und seine andere Hälfte nach Süden weichen ... Und kommen wird Jehova, mein Gott, und alle Heiligen mit dir» (Vers 4 ff).

4. Auch Jesaja prophezeit über den Assyrer. Im 28. Kapitel spricht er von ihm als von einem Werkzeuge des Herrn: «Siehe, der Herr hat einen Starken und Mächtigen, gleich einem Hagelwetter, einem verderbenden Sturmwinde; wie ein Wetter gewaltiger, überflutender Wasser reisst er zu Boden mit Macht. Mit Füssen wird zertreten die stolze Krone der Trunkenen Ephraims» (V. 2–3). Sodann richtet sich Gott an den Antichrist und seine Verbündeten: «Darum höret das Wort Jehovas, ihr Spötter, Beherrscher dieses Volkes, das in Jerusalem ist! Denn ihr sprechet: Wir haben einen Bund mit dem Tode geschlossen (das heisst, mit dem Haupt des Römischen Reiches) und einen Vertrag mit dem Scheol gemacht: Wenn die überflutende Geissel (der Assyrer) hindurch fährt, wird sie an uns nicht kommen» (V. 14–15). Die Führer des Volkes der abtrünningen Juden hoffen, dadurch dem König des Nordens entrinnen zu können. Aber dieses Bündnis – das der römische Kaiser übrigens am Ende von dreieinhalb Jahren brechen wird, wie wir dies in einem früheren Kapitel gesehen haben – wird sie vor dem Eindringling nicht in Sicherheit bringen. «Wenn die überflutende Geissel hindurch fährt, so werdet ihr von derselben zertreten werden; so oft sie hindurch fährt, wird sie euch hinraffen; denn jeden Morgen wird sie hindurch fahren, bei Tage und bei Nacht. Und es wird eitel Schrecken sein, die Botschaft zu vernehmen» (Verse 18 und 19).

In Kapitel 29 beschreibt Jesaja die Verwüstung Jerusalems (hier Ariel genannt), im Augenblick, wo es vom Assyrer belagert und zerstört wird. «Wehe Ariel, Ariel, Stadt, wo David lagerte! ... Und es wird Stöhnen und Seufzen geben ... Und ich werde dich im Kreise umlagern, und dich mit Heeresaufstellung einschliessen, und Belagerungswerke wider dich aufrichten. Und erniedrigt wirst du aus der Erde reden, und deine Sprache wird dumpf aus dem Staube ertönen …» (V. 1–4). Aber der Prophet kündigt auch eine wunderbare Befreiung an: «Aber wie feiner Staub wird die Menge deiner Feinde sein, und wie dahinfahrende Spreu die Menge der Gewaltigen; und in einem Augenblick, plötzlich, wird es geschehen. Von Seiten Jehovas der Heerscharen wird sie heimgesucht werden mit Donner und mit Erdbeben und grossem Getöse – Sturmwind und Gewitter und eine Flamme verzehrenden Feuers. Und wie ein nächtliches Traumgesicht wird die Menge all der Nationen sein, welche Krieg führen wider Ariel» (V. 5–7). Der Herr wird kommen, diese Nationen vernichten und Sein Volk endgültig befreien, und es wird sich bekehren: «Sie werden meinen Namen heiligen; und sie werden den Heiligen Jakobs heiligen und vor dem Gott Israels beben. Und die verirrten Geistes sind werden Verständnis erlangen, und Murrende werden Lehre annehmen» (V. 23–24).

Noch weitere Propheten reden vom Assyrer, von seinen Handlungen und seiner Vernichtung durch den Herrn (Joel, Micha, Nahum – dessen einziger Gegenstand der Assyrer ist – die Psalmen, Jeremia), aber was wir bis jetzt betrachtet haben, gibt ein genügend vollständiges Bild von diesem letzten und furchtbaren Widersacher Israels.

Fußnoten

  • 1 Es handelt sich nicht um eine Stunde im buchstäblichen Sinne, sondern mit dieser Stunde wird angedeutet, dass das Gericht, obwohl in verschiedenen Etappen ausgeführt, rasch vor sich geht.
  • 2 Keine Stelle im Worte Gottes lässt uns die Zeitspanne genauer feststellen.
  • 3 In Offenbarung 17 sieht man, dass sich zehn Könige mit dem Haupt des Römischen Reiches vereinigen, um Babylon zu vernichten. Dies muss sich im Verlaufe der ersten Hälfte der Jahrwoche ereignen, weil der Diktator nachher drei Könige niederwerfen und dadurch seine Macht befestigen wird, die am Anfang der letzten Hälfte der Jahrwoche den Höhepunkt erreicht.
  • 4 Das Römische Reich des Ostens bestand bis zum Jahre 1453.
  • 5 Wir wissen nicht, ob es sich um eine Regierungsform handelt, die im alten Rom bestand, oder ob diese noch zukünftig ist.
  • 6 Diese menschliche Intelligenz («Menschenaugen») wird in nichts verglichen werden können mit der Vollkommenheit, die die Einsicht des Lammes kennzeichnet, das uns in der Offenbarung mit «sieben Augen» vorgestellt wird.
  • 7 Gewiss, er wird seine Gewalt schon vor der zweiten Hälfte der Jahrwoche ausüben, aber noch nicht im vollen Ausmass seiner Bosheit.
  • 8 In Daniel 12,11 ist diese Periode auf zwölfhundertneunzig Tage verlängert, also um zusätzliche dreissig Tage, die im Anschluss an das Ende der Gräuel (= Götzendienst), die Verwüstung verursacht haben, für die Reinigung erforderlich sind. Der völlige Friede wird erst nach dreizehnhundertfünfunddreissig Tagen wiederhergestellt sein. Darum wird gesagt: «Glückselig der, welcher harrt und tausenddreihundertfünfunddreissig Tage erreicht!» (Kap. 12, 12).
  • 9 vielleicht das Haupt des Römischen Reiches.
  • 10 ungefähr ein Liter.
  • 11 Ein Denar entsprach dem Tageslohn eines Arbeiters.
  • 12 Die Öffnung des fünften Siegels ruft nicht die Erscheinung eines weiteren Gerichtes hervor, sondern nur die Anerkennung der Rechte der Seelen der nach der Entrückung getöteten Märtyrer.
  • 13 Wahrscheinlich handelt es sich um asiatische Kriegsheere.
  • 14 Ohne Zweifel wird das Evangelium des Reiches die Verkündigung des Werkes am Kreuze nicht ausschliessen. Es wäre kein Evangelium eine gute Botschaft ‑, wenn sich die Predigt nur darauf beschränkte, das unmittelbare Herannahen des Gerichtes anzukündigen, ohne das Mittel zu nennen, durch das man ihm entrinnen kann.
  • 15 Das erklärt, warum diese Ebene im Laufe der Jahrhunderte vielen Kriegsheeren als Schlachtfeld gedient hat, beginnend mit Pharao Thutmosis I. (mehr als 15 Jahrhunderte vor Christus) bis zu Bonaparte im Jahre 1799. Juden, Ägypter, Perser, Sarazener, Kreuzfahrer, Drusen, Türken haben dort erbitterte Kämpfe ausgetragen. Zur Zeit von Debora erfochten die Israeliten dort einen entscheidenden Sieg über die Kanaaniter (Richter 4,14-16; 5,19-22). Dort kam Josia ums Leben, als er den Pharao Neko verhindern wollte, in Mesopotamien einzudringen (2.Chr. 35,20-25).
  • 16 Historisch hat sich diese Prophezeiung unter der Regierung von Antiochus Epiphanes, dem König von Syrien und Mazedonien, in den Jahren 174 bis 164 vor Christo teilweise erfüllt. Er war ein grausamer Mann, der versuchte, den Juden den heidnischen Gottesdienst aufzuzwingen, und der sie verfolgte, wobei er Jerusalem verwüstete und die sieben Makkabäer umbringen liess.
  • 17 Der Gog in Hesekiel darf nicht mit «Gog und Magog» in Offenbarung 20 verwechselt werden, der den Feind bezeichnet, welcher das Lager der Heiligen nach dem Tausendjährigen Reiche umzingeln wird.
  • 18 Einige glauben, in diesen drei Namen die Wurzel der Worte «Russland», «Moskau» und «Tobolsk» zu sehen.
  • 19 Diese Zahl weist auf die ungeheuren Zerstörungsmittel hin, über die der Assyrer verfügen wird.
  • 20 Dann wird sich das Wort erfüllen, das die Engel anlässlich der Himmelfahrt des Herrn auf dem Ölberg den Jüngern verkündet hatten: «Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird also kommen, wie ihr ihn habt hingehen sehen in den Himmel» (Apg. 1,11‑12).
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