Betrachtung über Offenbarung (Synopsis)

Kapitel 9

Betrachtung über Offenbarung (Synopsis)

Der fünfte Engel posaunt (V. 1); und man sieht nun, wie einer, der seiner Stellung nach auf Erden als Werkzeug zur Verbreitung von Licht und geordneter Regierung hätte dienen sollen, seinen Platz verliert, und wie ihm ferner die Macht gegeben wird, dem vollen, verfinsternden Einfluss Satans freien Lauf zu verschaffen. Er öffnet den Schlund des Abgrundes, den Ort, an welchem das Böse eingeschlossen und gefesselt ist, nicht den, an welchem es bestraft wird, das ist den Feuersee. Die höchste Autorität und alles Licht, das vom Himmel her sich über die Erde verbreitet, sowie der heilsame Einfluss, den jede Ordnung ausübt, werden durch den bösen, satanischen Einfluss, welchem nunmehr freier Lauf gelassen wird, in Finsternis gehüllt und hören auf zu bestehen. Und das ist noch nicht alles. Unmittelbare Werkzeuge satanischer Macht gehen in Scharen aus diesem bösen Einfluss hervor, Schwärme von Heuschrecken (natürlich in bildlichem Sinne zu verstehen) erscheinen, welche den Stachel falscher Lehre in ihren Schwänzen tragen. Ihre Aufgabe ist jedoch nicht, den zeitlichen Wohlstand auf Erden zu vernichten, sondern die gottlosen Juden zu quälen, nicht sie zu töten, sondern sie zu peinigen und zu ängstigen. Dies soll fünf Monate lang dauern, denn um das Endgericht handelt es sich noch nicht. Die Qual, welche durch sie verursacht wird, ist schlimmer als der Tod; sie ruft Schmerz und Herzensangst hervor. Sie erscheinen mit den Abzeichen kriegerischer und kaiserlicher Macht, tragen Kronen und zeigen denen, die ihnen begegnen, männliche Energie; werden sie jedoch von hinten gesehen und wird ihr Geheimnis enthüllt, so zeigt es sich, dass sie unselbständig und schwach sind: ihre Angesichter sind wie Menschenangesichter, und sie haben Haare wie Weiberhaare. Doch mit einem verhärteten Gewissen gewappnet, sind sie die unmittelbaren Werkzeuge der Macht Satans und stehen unter seinem Befehl. Der Engel des Abgrundes, der über die Macht der Finsternis und deshalb auch über die Tiefen der Listen Satans verfügt, führt sie an. Wir glauben gar nicht, wie weit Satan die Gemüter und das Denken der Menschen verfinstern kann, wenn ihm gestattet wird, sie unmittelbar zu beeinflussen, indem sie seinem verfinsternden Einfluss preisgegeben werden. Grausame, peinigende Qualen, die schlimmer sind als der Tod, verbunden mit Verfinsterung ihres Denkens, werden das Teil des einst geliebten Volkes sein. - Ein Wehe ist vorüber.

Der sechste Engel posaunt. Das jetzt folgende Wehe trägt einen weit menschlicheren Charakter als das vorhergehende; auch steht es mehr in Verbindung mit der Vorsehung Gottes. Es richtet sich gegen die Bewohner des Römischen Reiches. Die Werkzeuge desselben, zahllose Schwärme von Reitern, kommen von jenseits des Euphrat. Sie sind indes nicht nur einfach Reiter. Sowohl ihre Gewissen wie ihre Worte befinden sich in der Gewalt Satans, wenngleich Gott Sich ihrer zur Vollstreckung Seines Gerichts bedient. Diesmal werden Menschen getötet. Die Mäuler der Rosse lassen die Macht Satans hervorsprühen, und ihre Schwänze sind gleich Schlangen und haben Köpfe, d. h. ihr Einfluss im Blick auf die Lehre ist satanisch; mit beiden, Mäulern und Schwänzen, beschädigen sie. Ich glaube nicht, dass der Tod, von dem hier die Rede ist, einfach der zeitliche Tod ist (wiewohl auch dieser eintreten mag), vermute vielmehr, dass es sich darum handelt, die Menschen zu Abtrünnigen zu machen. Die übrigen, welche nicht in dieser Weise fallen, tun nicht Buße von ihrem Götzendienst und ihren bösen Werken.

Nächstes Kapitel »« Vorheriges Kapitel

Ihre Nachricht