Betrachtung über Offenbarung (Synopsis)

Kapitel 15

Betrachtung über Offenbarung (Synopsis)

Mit Kapitel 15 beginnt ein neues Gesicht. Es entrollt vor den Augen des Propheten wieder ein anderes Bild: die letzten Plagen oder Gerichte kurz vor dem Kommen Christi, darunter namentlich das Gericht über Babylon. Den Hauptgegenstand dieses Gesichtes bilden die sieben Engel, welche die sieben letzten Plagen haben; aber wie immer, so werden auch hier die Heiligen, die zu den neuen Ereignissen in Beziehung stehen, in Sicherheit erblickt, ehe die Gerichte ihren Anfang nehmen. Sie sind gereinigt, haben aber auch durch das Feuer der Drangsal gehen müssen. Darum stehen sie an einem gläsernen Meere, das mit Feuer vermischt ist. Sie haben der Zeit angehört, in welcher das Tier und sein Bild ihre Macht ausübten, haben aber über dasselbe den Sieg davongetragen. Scheinbar mochten sie unterliegen, in Wirklichkeit aber hatten sie obgesiegt.

Das von ihnen gesungene Lied ist sehr eigenartig. Das Lied Moses preist den Sieg der Gerichte Gottes über die Macht des Bösen. Das Lied des Lammes erhebt den verworfenen, hienieden leidenden Messias, gleich welchem auch die Sänger dieses Liedes gelitten haben, denn wir entdecken in ihnen den Überrest, der inmitten des untreuen und abtrünnigen Israel geschlachtet worden ist. Das Lied preist Gott und das Lamm, aber die Sänger sind siegreiche Dulder, die dem Himmel angehören. Was sie rühmen, sind die Werke Jehova-Elohim-Schaddais (V. 3), d. h. des Gottes des Alten Testaments, der Sich jedoch jetzt im Gericht geoffenbart hat und durch Seine Werke, die dem Volke kundgeworden sind, gekannt wird. „Er tat seine Wege kund dem Mose, den Kindern Israel seine Taten“ (Ps 103,7). Hier werden zuerst Seine Werke gepriesen; es sind, wie gesagt, die Werke Jehova-Elohim-Schaddais, des Richters der ganzen Erde. Aber auch Seine Wege werden gepriesen. Die Sänger des Liedes besitzen Einsicht in dieselben, wenigstens soweit es sich um ein gerechtes Gericht handelt. Diese Wege, die Gott im Gericht gegangen war, waren gerecht und wahrhaftig gewesen. Israel wird zu seiner Zeit die ihm widerfahrene Erlösung verstehen, wird auch wissen, wie sie zustande gekommen ist, aber Mose kannte die Wege Gottes. Die Sänger hier preisen nicht nur die Eigenschaften und Herrlichkeiten Gottes, wie die Engel es tun, haben aber auch nicht die volle Erkenntnis von dem, was Gott getan hat, indem Er in dem Blute des Lammes Heil brachte. Es ist nicht ein Ausgehen des Herzens nach oben in dem Bewusstsein des Verhältnisses, in dem es zu Gott steht, sondern die Erhebung der Herrlichkeit des Herrn, den jetzt die Nationen anbeten werden, weil Seine Gerichte offenbar geworden sind. Die Einsicht, die wir hier finden, entspricht also einer Zeit, wann die Gerichte offenbar geworden sind, nicht aber einer Zeit, in welcher alles noch innerhalb des Vorhangs gelernt werden muss.

Nachdem so das gepriesen worden ist, was eben jetzt zum Ausbruch kommt, wird der Tempel der Hütte des Zeugnisses im Himmel geöffnet; nicht nur wird der Tempel mit der Bundeslade sichtbar wie vorher. Dadurch wird für den Glauben der endliche Ausgang, das Endergebnis gesichert, wenn die Macht des Bösen auf Erden wütet, während die Lade des Bundes Gottes Israel in Sicherheit stellte. Was wir hier sehen, ist ein geöffnetes Zeugnis, nicht ein Bund, der in einer Stunde, da das Böse die Oberhand hat, Sicherheit gewährleistet; es ist ein Zeugnis, welches das verwirklicht, was die Bundeslade verbürgte; denn der Tempel wird nun geöffnet, und aus demselben kommen die Boten des Gerichts hervor, welches Gott an den Nationen und an allen denen, die die Erde verderben, vollziehen will, um dadurch die Wiederherstellung und Segnung Israels herbeizuführen. Die besonderen Kennzeichen dieses Gerichts und die treibende Kraft bei der Ausführung desselben sind Reinheit in den Augen Gottes und göttliche Gerechtigkeit - Eigenschaften, die in der fleckenlosen, reinen, glänzenden Leinwand und den goldenen Gürteln ihren Ausdruck finden. Die Reinheit bildet, wie mir scheint, die Antwort auf das Verderben, das gerade da sich befindet, wo Reinheit hätte sein sollen - in Babylon (vgl. Off 18,8). Das heißt, es ist ein Gericht, welches zu seiner Ausführung eine solche Reinheit erfordert, und das auch ihren Ansprüchen sowie denjenigen göttlicher Gerechtigkeit entsprechend vollzogen wird. Wir begegnen hier nicht im Feuer glühendem Kupfer, d. h. einem Gericht, das Gott den Menschen gegenüber einfach zur Ausführung kommen lässt, wiewohl auch das geschieht; vielmehr handelt es sich hier darum, dass Gott Seine eigene Natur und Seinen Charakter dem Verderben gegenüber zur Geltung bringt, den wesentlichen Charakter des ewigen Gottes, welchen die Versammlung hätte darstellen sollen, aber Babylon war gerade das Gegenteil davon, und gleicherweise das Tier. Die sieben Engel richten alles in Übereinstimmung mit diesen Charakteren Gottes, da die Nichtachtung dessen, was Gott ist (so wie Er der Versammlung geoffenbart worden war), jetzt gerächt werden soll. Dieses Gericht trifft zwar die Menschen, welche das Malzeichen des Tieres tragen, doch zweifle ich nicht daran, dass die weiße Leinwand ihre besondere Bedeutung Babylon gegenüber hat. Die Schalen werden von einem der vier lebendigen Wesen gereicht, weil sich hier immer noch die richterliche Macht Gottes als Schöpfer, nicht aber die des Lammes zeigt. Die sich im Gericht offenbarende Herrlichkeit Gottes erfüllt den Tempel, und es kann während der Wirkungsdauer der jetzt eintretenden Plagen kein Mensch Ihm nahen oder Anbetung darbringen. Es ist die volle Offenbarung Gottes im Gericht.

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