Betrachtung über Offenbarung (Synopsis)

Kapitel 16

Betrachtung über Offenbarung (Synopsis)

Die ersten vier Plagen kommen über dieselben Gegenstände, welche von den Gerichten der ersten vier Posaunen getroffen worden waren, nämlich über alles, was in den Bereich der symbolischen Natur gehört (wobei jedoch hier die Menschen selbst unmittelbar getroffen werden): die Erde, das Meer, die Ströme und die Sonne; d. h. erstens das geordnete Gebiet der in der Weissagung geschilderten Handlungen Gottes - die prophetische Erde; sodann die Massen der Völker als solche, nicht als in fester Ordnung befindlich betrachtet; ferner die sittlichen Grundsätze, durch welche sich diese Volksmassen leiten und treiben lassen, und endlich die Macht, in deren Händen die oberste Gewalt liegt. Doch beschränkt sich die Wirkung der Plagen hier nicht auf ein Drittel der Erde, d. h. auf den Teil derselben, den das Römische Reich einnahm, sondern ist allgemein.

Die erste Schale des Grimmes Gottes bringt äußerste Not samt Elend und Schande über alle die, welche das Malzeichen des Tieres angenommen haben.

Die zweite lässt die Masse der Völker von der Wirkung eines sittlichen Todes getroffen werden, so dass alle diejenigen von ihnen, welche sich innerhalb der Grenzen der prophetischen Erde befinden, sterben; das heißt, sie geben, wie ich annehme, das noch vorhandene bloß äußere Bekenntnis auf. Wir finden hier ein beachtenswertes Beispiel von der Art und Weise, wie Symbole gebraucht werden. Alle Schalen werden auf die Erde ausgegossen, d. h. sie treffen das Gebiet, zu welchem Gott bereits in ein Verhältnis getreten ist. Innerhalb desselben kann es jedoch noch ein besonderes Verhältnis geben, in welchem Menschen mit Gott in dieser Welt zu tun haben; wir finden Bewohner der Erde oder die Masse der Menschen, die sich innerhalb dieses Gebiets befinden.

Die dritte Schale wird auf alle Quellen ausgegossen, von denen die Einflüsse ausgehen, welche die Menschen in ihren Handlungen leiten; und diese Quellen werden unbedingt tödlich. Es scheint mir, dass hier die Kraft des tödlichen Einflusses, der in der völligen Entfremdung von Gott liegt, innerhalb des Gebietes der Weissagung besonders deutlich hervortritt. Mit dem Worte „Tod“ wird im Allgemeinen die Macht Satans bezeichnet.

Die Wirkung der nächsten Schale besteht darin, dass die Macht, in deren Händen die oberste Gewalt liegt, eine unerträgliche Bedrückung ausübt. Damit schließen die vier ersten unmittelbaren Gerichte, entsprechend der Einteilung, wie wir sie gewöhnlich finden.

Die fünfte Schale trifft den Thron des Tieres, das heißt, den Sitz und festen Bestand der ihm von Satan gegebenen Herrschaft, und sein Reich wird mit Finsternis erfüllt. Alles gerät in einen Zustand der Verwirrung und des Elends, und nirgendwo zeigt sich ein Heilmittel; die Menschen zerreißen ihre Zungen vor Pein und lästern Gott.

Der sechste Engel gießt seine Schale auf den Euphrat aus, d. h. er vernichtet, wie mir scheint, die schützende Umgrenzung der westlichen prophetischen Mächte; er trifft nicht den Sitz ihrer Macht, öffnet vielmehr ihre Grenze, auf dass der Weg den Königen bereitet werde, die von Sonnenaufgang her kommen, Ich sehe darin nichts anderes als die Einführung der Mächte Asiens in den allgemeinen Kampf, der entbrennen soll, und in welchem alle Mächte aufeinander platzen werden. Die sechste Schale hat die Wirkung, dass drei unreine Geister, die Summe aller bösen Einflüsse, ausgehen: derjenige der unmittelbaren, sich Christo entgegenstellenden Macht Satans, dann der Einfluss der Macht, die das letzte Reich, das Tier, ausübt, und endlich der Einfluss des zweiten in Off 13 erwähnten Tieres, das von nun an als der falsche Prophet bezeichnet wird, oder mit anderen Worten, der Einfluss Satans durch die Person des Antichristen - eine götzendienerische, Wunder wirkende Macht. Darauf werden die Könige des ganzen Erdkreises zu dem Kriege des großen Tages Gottes, des Allmächtigen, versammelt. Die hier gemachte Anspielung bezieht sich auf Richter 5,19+20.

Die siebente Schale führt eine allgemeine Auflösung und Umwälzung herbei, und Babylon kommt ins Gericht. Auch trifft der Hagel Gottes, d. h. ein Gericht, das unmittelbar von Gott ausgeht, die Menschen vom Himmel her (vgl. Jes 32; 33 ). Alle unabhängigen Sonderinteressen und festgesetzten Gewalten verschwinden. Hiervon wird die Erde getroffen - es ist das Gericht, das Gott mittels Seiner Vorsehung und durch besonders hierzu bereitete Werkzeuge zur Ausführung bringt; aber noch ist das Lamm nicht gekommen. Über die Einzelheiten der Gerichte, von denen Babylon getroffen wird, berichten die nächsten Kapitel.

Nächstes Kapitel »« Vorheriges Kapitel

Ihre Nachricht