Die letzten Dinge

Das Haupt des römischen Reiches und der Antichrist

Die letzten Dinge

Das Haupt des Römischen Reiches

Dieses Kapitel zeigt uns die beiden Hauptwerkzeuge des satanischen Wirkens in der sogenannten großen Drangsalszeit, also in der Zeit nach der Entrückung der Brautgemeinde und vor der Aufrichtung des 1000-jährigen Reiches. Wir sehen einerseits das Haupt des wiedererstehenden Römischen Weltreiches, der Cäsar der politischen Weltmacht, und andererseits den eigentlichen Antichristen, der falsche Prophet, König, Führer und Verführer der von Gott abtrünnigen Masse des Volkes Israel. (vgl. 1. Joh 2,18. 22; 2. Joh 7.) In Wahrheit sind die beiden genannten Übermenschen Antichristen, denn beide sind offenbare Gegenspieler und Widersacher des wahren Königs Jesus Christus. Beide sind von Satan inspiriert und von diesem erwählt, um die Menschheit völlig in den Besitz des Fürsten der Finsternis zu bringen. Als der Herr Jesus auf der Erde lebte, bot Satan Ihm sowohl die Weltherrschaft als auch die religiöse Führerschaft an, aber Christus wies alles entschieden zurück. Satan konnte den Heiligen und Gerechten nicht aus der Abhängigkeit und aus dem völligen Gehorsam, seinem Vater gegenüber, bringen.

Satan, als der Gott dieser Welt, stellt nun, um zu seinem Ziel zu kommen, aus dem abtrünnigen Menschengeschlecht zwei Männer auf – ohne Frage mit dämonischen Kräften ausgerüstet – um sie dem Herrn des Weltalls entgegenzustellen. Welche Anmaßung und welche Vermessenheit!

Ohne Zweifel wird es noch viele solche Antichristen geben, finden wir sie doch schon in der apostolischen Zeit (1. Joh 2,18). Die zwei genannten aber sind Inbegriffe, ja Gipfelpunkt und Reife des im von Gott abgefallenen Menschen wirkenden satanischen Bösen. Satan ist sozusagen in ihnen personifiziert. Dass sie in Bildern von „Tieren“ dargestellt sind, zeigt ihren unnatürlichen, absolut widergöttlichen und teuflischen Charakter in der äußersten Bosheit, Lüge und völligem Betrug. Ihre Anfänge gehen, wie wir bereits festgestellt haben, auf die apostolische Zeit zurück, ja, wir können das antigöttliche Wirken des Fürsten der Finsternis schon von den ersten Blättern der Heiligen Schrift an wahrnehmen. Unser Kapitel schildert in der Hauptsache deren Wirksamkeit in den letzten dreieinhalb Jahren der Drangsalszeit.

„Und ich sah aus dem Meer ein Tier heraufsteigen, das zehn Hörner und sieben Köpfe hatte, und auf seinen Hörnern zehn Diademe, und auf seinen Köpfen Namen der Lästerung. Und das Tier, das ich sah, war gleich einem Leoparden, und seine Füße waren wie die eines Bären, und sein Maul war wie das Maul eines Löwen. Und der Drache gab ihm seine Macht und seinen Thron und große Gewalt. Und ich sah einen von seinen Köpfen wie zum Tod geschlachtet. Und seine Todeswunde wurde geheilt, und die ganze Erde verwunderte sich über das Tier. Und sie beteten den Drachen an, weil er dem Tier die Gewalt gab, und sie beteten das Tier an und sagten: Wer ist dem Tier gleich? Und wer vermag mit ihm zu kämpfen? Und ihm wurde ein Mund gegeben, der große Dinge und Lästerungen redete; und ihm wurde Gewalt gegeben, 42 Monate zu wirken. Und es öffnete seinen Mund zu Lästerungen gegen Gott, seinen Namen zu lästern und seine Hütte und die, die ihre Hütte in dem Himmel haben. Und ihm wurde gegeben, mit den Heiligen Krieg zu führen und sie zu überwinden; und ihm wurde Gewalt gegeben über jeden Stamm und jedes Volk und jede Sprache und jede Nation. Und alle, die auf der Erde wohnen, werden es anbeten, jeder, dessen Name nicht geschrieben ist in dem Buch des Lebens des geschlachteten Lammes von Grundlegung der Welt an“ (13,1–8).

Das erste „Tier“, das Johannes aus dem Meer aufsteigen sieht, ist als solches schon früher in Erscheinung getreten. Es wird vorerst von einer anderen Macht beherrscht, dem Römischen Papsttum, das aber von dem Römischen Cäsaren niedergeworfen und zertreten wird (vgl. Off 17). Das „Tier“ wird als ein solches gezeichnet, „das war, nicht ist und aus dem Abgrund heraufsteigen wird, aber ins Verderben gehen wird“ (Off 17,8). Schon der Prophet Daniel hat auf dieses Tier, es ist das vierte, hingewiesen, denn drei sind ihm bereits vorangegangen, aber es vereinigt in sich die Gräuel aller drei vorausgegangenen Tiere. In der Tat, die Angaben über dasselbe in Offenbarung 13 sind sozusagen die gleichen wie in Daniel 7; es ist also in beiden Visionen das gleiche Tier gemeint. Es vereinigt in sich die furchtbaren Charakterzüge der ersten drei Weltreiche Daniels und diese noch überbietend. Wir können daraus erkennen, welches Schreckensregiment dieses vierte Tier ausüben wird.

Wenn Johannes das Tier in unserem Kapitel aus dem Meer und nicht aus dem Abgrund, wie in Kapitel 17, aufsteigen sieht, so bedeutet dies, dass in letzterem die Gesamtheit des Reiches gemeint ist, in Kapitel 13 dagegen nur das Haupt desselben, das aber das Weltreich verkörpert.

Das Meer bedeutet eine in Unruhe, Revolution und Umsturz begriffene Völkermasse, die alle Ordnung abgestreift hat und aus der dann der letzte Kaiser aufsteigen wird. Dies ist die Regel aller Zeiten gewesen, indem aus revolutionären Massen schließlich ein Diktator hervorging. Denken wir an die französische Revolution, aus der Napoleon hervorging, aus der italienischen, Mussolini, aus der deutschen, Hitler und aus der russischen, Stalin.

Daniel sieht das plötzliche Ende dieses Tieres im Gericht durch den Sohn des Menschen, den Herrn Jesus Christus, ebenso wie Nebukadnezar sein Standbild in Daniel 2 durch einen ohne Menschenhände losgelösten Stein zermalmt sieht. Dieses ist bis heute noch nicht geschehen, denn das alte Römerreich ist bekanntlich durch innere Zersetzung und Schwäche dem Ansturm der Barbaren erlegen und in Einzelstaaten zerfallen, die größtenteils heute noch bestehen. Dieses zerfallene Weltreich wird aber in seiner alten Kraft und Macht wiedererstehen. Dieses Weltreich wird in dem Bild eines „Tieres“, wie in Daniel, mit zehn Hörnern und sieben Köpfen charakterisiert. Die Hörner sprechen von Staaten und Mächten, die das alte Rom in sich aufgenommen hat, ihnen aber in gewissem Maß das Eigenleben gelassen hat. Im neuen Reich aber tragen die Hörner Diademe, d. h. Königskronen, denn das Römische Weltreich wird ein Staatenbund unter gemeinsamem Oberhaupt sein. Die Zahl zehn ist ohne Zweifel symbolisch zu verstehen: Zahl der Nationen ohne Gott (12 minus 2, also unvollkommen), im Vergleich zu dem zwölfstämmigen Volk Israel. Dieses neue Reich wird, hauptsächlich jedenfalls, das Gebiet des alten umfassen. Zu beachten ist, dass bei Daniel drei Hörner ausgerissen werden, während Johannes immer zehn sieht.

Die sieben Köpfe reden von sieben aufeinander folgende Regierungen, wovon zur Zeit Johannes' die sechste, das Kaisertum, bestand, die siebte aber noch zukünftig war. Von einem dieser Köpfe wird gesagt, dass er zum Tod verwundet worden sei, aber die Wunde, zum Erstaunen aller, geheilt wurde (Off 13,3). Damit ist der spätere Wiederaufstieg des Römischen Reiches angedeutet. Dieses damals zum Tod verwundete Haupt des alten Reiches ist das Kaisertum, das mit dem ganzen Reich zusammen unterging und in diesem Charakter (Cäsar und Gott seines Volkes) bisher nicht wieder gesehen wurde. Aber der Endcharakter wird wieder so sein.

Auch Daniel sieht etwas davon in seinem Gesicht von den vier Weltreichen, nämlich ein kleines Horn zwischen den anderen, das größer wird als jene und drei von ihnen niederwirft, und dieses Horn hat einen Mund und Menschenaugen, was sagen will, dass es sich um einen Menschen handelt.

Den alten Weltreichen hat Gott, der Herr, Herrschaft und Macht verliehen, vor allem zur Züchtigung seines abtrünnigen Volkes Israel. Auch heute noch, solange die Gnadenzeit währt, müssen wir die Regierungen, selbst die kommunistischen, als von Gott eingesetzt oder zugelassen, betrachten. In der Gerichtszeit wird dies nicht mehr so sein, dann wird der Drache Macht, Thron und Gewalt geben, so wie es ihm gefällt. Der letzte Cäsar wird von Satan auf den Thron erhoben, hinter dem er aber als leitender Usurpator wirkt, um die kurze, ihm noch bleibende Frist, auszunutzen. Dies gehört mit zum Gericht über die von Gott abgefallene Menschheit, die so unendlich viel Gutes von ihrem Schöpfer empfangen hat; sie wird nun schutzlos allem Bösen ausgesetzt sein. Letzten Endes wird sie sich nicht scheuen, Satan sogar göttliche Verehrung zu zollen, weil er dem Tier so große Macht gegeben hat. Das ist Satans letztes Ziel, seine Gott-Verherrlichung und Gott-Gleichstellung. Übrigens gibt es schon heute, vor allem in den Großstädten – ein weiteres Zeichen der Zeit – Gruppen, die den Teufel in aller Form, und zwar in Gestalt einer schwarzen Hostie, anbeten!

Die Zeugnisse Daniels und Johannes stimmen in Bezug auf die Schilderung dieses kleinen Hornes völlig überein, ein Beweis, dass es sich um ein und dieselbe Person handelt. Es sind drei wichtige Dinge, die diesen Übermenschen charakterisieren:

  1. Er hat einen Mund, mit dem er große Dinge redet und Gott und die Seinen lästert. Dies befremdet weiter nicht, denn Überhebung und Prahlerei kennzeichnen schon heute die gottfernen Menschen. Immer wieder hat es Machthaber gegeben, die ihren Mund und ihre Hand gegen Gott erhoben und seinen Namen verunehrt haben, sich selbst aber in den Himmel zu versetzen suchten. Dies alles wird der letzte Kaiser nochmals auf die äußerste Spitze treiben.
  2. Es ist ihm 42 Monate Gewalt über die Völker gegeben. Er wird die Völker unterdrücken und aussaugen, sie ferner auf raffinierteste Weise um den Besitz ihrer Vermögen und Güter bringen und sie mit Lügen verwirren und betören. Aber Gott, der Allmächtige, setzt ihm eine bestimmte Frist. Dreieinhalb Jahre kann er nicht überschreiten, und dann wird sein schreckliches endgültiges Gericht durch die Hand des Höchsten kommen, dessen Namen er gelästert hat. Gott, der Herr, steht über allem, und keine Prüfung dauert länger, als Gott sie zulässt. Möchten wir dies doch zu unserem Heil nie vergessen!
  3. Er führt Krieg gegen Gott. Welche Vermessenheit! Er denkt, Ihn und sein Volk vernichten zu können. Törichtes Unterfangen menschlicher Verblendung! Sie ist die naturgemäße Folge menschlicher Einbildung und Überhebung, veranlasst und genährt durch Satan, der selbst den Platz beansprucht, der nur Gott zukommt.

Gott stellt die Menschen vor ein absolutes Entweder – Oder. In den göttlichen Belangen gab und gibt es nie Neutralität. Ein Laodizea-Christentum hat in den Tagen des Gerichts keinen Platz mehr. Alle, die nicht im Buch des Lebens des geschlachteten Lammes von Grundlegung der Welt an eingetragen sind, werden das Tier, also den Römischen Kaiser anbeten müssen; sie werden ihn begeistert und betört, wegen des Gipfels menschlicher Würde und Macht, den dieser in den letzten Tagen erreicht hat, als ihren Gott anbeten. Irgendwelche Freiheit, wie viel gepriesen sie sein mag, wird es in jenen Tagen nicht mehr geben.

„Wenn jemand ein Ohr hat, so höre er! Wenn jemand in Gefangenschaft führt, so geht er in Gefangenschaft; wenn jemand mit dem Schwert töten wird, so muss er mit dem Schwert getötet werden. Hier ist das Ausharren und der Glaube der Heiligen“ (13,9.10).

Andererseits ergeht hier nochmals die Ermahnung von Seiten Gottes, aufzumerken und zu hören. Die im Buch des Lebens Eingetragenen werden den widergöttlichen Forderungen des Römischen Imperators nicht Folge leisten. Gott selbst wird ihnen Kraft zum Widerstand geben. Auch haben wir eine Warnung davor, nicht mit gleichen Waffen wie die Feinde Gottes zu kämpfen. Gott ist es, der für die Seinen kämpft. Die Kirchengeschichte ist reich an Beispielen, dass eigener Kampf nur zur inneren und äußeren Schwächung des Zeugnisses gereicht. Nur Gottes Gnade kann das Zeugnis aufrechterhalten. In den letzten Tagen aber wird keine Gelegenheit zu langmütiger Gnade mehr sein. Widerstand mit Waffen in der Hand ist niemals der Platz des Ausharrens und des Glaubens der Heiligen gewesen, und dies wird dann erst recht nicht der Fall sein. Übrigens werden ja die Heiligen der letzten Tage niemand anders sein, als der gläubige Überrest aus Israel. Dieser wird durch die Trübsal neu lernen, dass er sein ihm verheißenes Erbteil allein durch die Hand seines Messias und Erlösers, Jesus Christus, empfangen kann und wird.

Der Antichrist

„Und ich sah ein anderes Tier aus der Erde heraufsteigen: Und es hatte zwei Hörner gleich einem Lamm, und es redete wie ein Drache“ (13,11).

Das zweite Tier unseres Kapitels ist ein ebenso genialer Übermensch satanischen Charakters wie das erste Tier, nur in mehr religiöser Färbung. Seinem Rang nach ist es dem ersten Tier unterstellt (V. 12), überragt aber dasselbe durch seine geistige Größe. Dieses zweite Tier ist nun der eigentliche Antichrist; dieser Name kommt nur in den Briefen des Johannes vor, und zwar als der große religiöse Verführer und Leugner Gottes und des Christus. Eben dieser Charakter wird uns hier in ausführlichen Zügen dargestellt, als der, der den Herrn Jesus in markanten äußeren Zügen nachzuahmen sucht, um die Menschen unter seine Herrschaft zu bringen. Sein Auftreten wird für die Menschen bestechend sein, denn er wird sich ihnen als König, Prophet, Hirte und Hoherpriester vorstellen und Wunder tun. Als ein Inbegriff von Mensch in Charakter und Leistungen, in jeder Beziehung ein Übergenie, wird er die Bewunderung und schließlich die Anbetung seiner Person hervorrufen. Er wird das sein, was dem Menschen gefällt, so wie der Herr es im Voraus gesagt hat: „Wenn ein anderer in seinem eigenen Namen kommt, den werdet ihr aufnehmen“ (Joh 5,43). Die Verführung wird so vollkommen sein, dass es besonderer geistiger Einsicht seitens des treuen Überrestes bedarf und ein entschiedenes Festhalten am Wort Gottes, um den Betrug zu erkennen und den wahren Charakter und die Herkunft des Tieres festzustellen.

Vers 11 sagt uns, dass das Tier „aus der Erde“ aufsteigen wird, womit ein ganz bestimmtes, in Frieden und Ordnung befindliches Land bezeichnet wird, das Daniel das „Land der Zierde“ nennt. Dieses Land, Israel, das ja heute schon ein selbständiges Staatswesen ist, entwickelt sich weiter zum Gottesstaat, nach dem Muster des alten salomonischen Reiches. Wer ihm zu Ansehen und Macht verhilft, ist vor allem der falsche Messias, der direkte Gegenspieler des Christus, also der Antichrist. Mehrere Stellen im Alten Testament (Dan 11,36–39; Hes 21,29–31; 2. Thes 2,4) deuten an, dass er ein Jude sein muss, und zwar einer in hoher Stellung. Die Juden werden ihn mit Freuden aufnehmen, denn er wird alles erfüllen, was sie ersehnen, wird wohl auch den heute noch in fremden Händen sich befindlichen Tempelplatz zurückerobern und ihren Tempel errichten helfen. Im Übrigen wird er sich als friedliebend ausgeben, in philosophischer Weisheit reden und großen Anklang finden. Aber er wird nicht Weisheit von Gott reden, weder Gott noch Christus verkündigen, sondern beide leugnen und den Menschen erheben, wie das gottfeindliche Ideologien stets getan haben. An diesen Kennzeichen werden die Gläubigen jener Zeit das Ungöttliche erkennen und feststellen, dass er „wie ein Drache redet“: die prophezeite Stimme des Verführers.

Der Antichrist wird mit zwei Hörnern gezeigt, während das erhöhte Lamm deren sieben aufweist. Die Macht des Antichristen ist also unvollkommen, trotz seines überheblichen Verhaltens.

„Und die ganze Gewalt des ersten Tieres übt es vor ihm aus, und es bewirkt, dass die Erde und die, die auf ihr wohnen, das erste Tier anbeten, dessen Todeswunde geheilt wurde. Und es tut große Zeichen, so dass es sogar Feuer vom Himmel auf die Erde herabkommen lässt vor den Menschen; und es verführt die, die auf der Erde wohnen, wegen der Zeichen, die vor dem Tier zu tun ihm gegeben wurde, indem es die, die auf der Erde wohnen, auffordert, ein Bild dem Tier zu machen, das die Wunde des Schwertes hat und wieder lebendig wurde. Und es wurde ihm gegeben, dem Bild des Tieres Odem zu geben, damit das Bild des Tieres sogar redete und bewirkte, dass alle getötet wurden, die das Bild des Tieres nicht anbeteten. Und es bringt alle dahin, die Kleinen und die Großen, und die Reichen und die Armen, und die Freien und die Knechte, dass sie ein Malzeichen annehmen an ihre rechte Hand oder an ihre Stirn; und dass niemand kaufen oder verkaufen kann als nur der, der das Malzeichen hat, den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens“ (13,12–17).

Aus diesem Vers ersehen wir, dass der Antichrist seine furchtbare Gewalt in Verbindung mit dem ersten Tier, dem Haupt des Römischen Weltreiches ausübt. Der Stellung nach ist er zwar einer der Unterkönige des kommenden Cäsaren, in Wirklichkeit aber ist er der geistige Leiter, der „spiritus rector“ des Weltreiches. Mit anderen Worten, der Antichrist wird seine Herrschaft durch die Macht des Kaisers erreichen und aufrecht erhalten, er wird Israel dem römischen Staatenbund anschließen, und seine überragende Begabung in den Dienst des ersten Tieres stellen. Dafür sprechen Stellen wie Daniel 9,27, in denen der Kaiser einen Bund für sieben Jahre mit den Juden schließen wird, der die Garantie für ihren wiederhergestellten Gottesdienst gibt, sowie Offenbarung 11, wo der Kaiser mit seiner Kriegsmacht die beiden Zeugen Gottes bekriegt und tötet. Schon heute ist Israel „westlich“ eingestellt, weil es finanziell von den Juden in Amerika abhängig ist.

Für die erste Hälfte der sieben Jahre währenden Gerichtsperiode, also dreieinhalb Jahre, scheint alles nach Wunsch zu gehen und in Frieden zu verlaufen, bis kurz vor der zweiten Hälfte der Drache, Satan, auf die Erde geworfen werden wird. Damit ändert sich alles mit einem Schlag: der Drache hat große Wut, weil er weiß, dass er nur kurze Zeit zur Verfügung hat. Die beiden Tiere werfen, von Satan geführt, ihre Masken ab, um nun ihr ganzes teuflisches Programm mit Vehemenz durchzuführen. Hier nun setzt die prophetische Darstellung von Kapitel 13 ein. Daniel 9,27 deutet dies auch an, wo der kommende Fürst plötzlich den jüdischen Gottesdienst unterdrückt, um den Kult des „Gottes der Festungen“ (Dan 11,36–39), den „Kriegsgott Mars“, die militärische Staatsgewalt aufzurichten.

Diese Staatsgewalt wird sich in der Person des Kaisers verkörpern, dem, wie im alten Rom, göttliche Verehrung gebracht werden wird. Durch eine groß angelegte Verführung aufgrund von Zeichen und Wundern (diabolische Wunder aus dem Abgrund) und auch durch Zwang, bringt der Antichrist diese Anbetung zustande; er fordert die Menschen auf, dem Kaiser ein Kolossalbild zu machen, wie einst Nebukadnezar ein solches, zwecks Anbetung durch seine Völker, machte. Und wie Daniel und seine Freunde, werden sich nur diejenigen, die treu an Gott und seinem Gesalbten festhalten, in der Kraft seines Wortes und seines Geistes, weigern, ihre Knie vor diesem Bild zu beugen.

Und wie steht es mit den heutigen Juden, wie mit der Christenheit? Sind nicht beide im Bann der Götzen wie Geld, Macht, Vergnügen, Sport, Selbstgerechtigkeit, Ehre, Ansehen, Geltungsbedürfnis? Selbst Technik und Intellekt sind zu Göttern geworden. Wer will von Jesus, dem Sohn Gottes, etwas wissen? – Hinter all diesen Götzen steht Satan, der der wirkliche Empfänger aller Huldigungen ist.

Gott lässt es dem Antichrist zu, für kurze Zeit große und sogar außergewöhnliche Wunder zu vollbringen, ja, er vermag, wie einst Elia, Feuer vom Himmel fallenzulassen. Alle diese Wunder dienen aber nicht der Verherrlichung des Herrn oder zur Ausbreitung des Evangeliums, sondern lediglich zur Irreführung der Menschen, um sie zu Satans Füßen zu bringen. Ja, er vermag dem materiellen Standbild Odem und Stimme zu geben, um damit den ungläubigen Menschen göttliche Macht vorzutäuschen. Dies alles ist lediglich Teufelswerk und Beelzebuls Blendwerk, Zeichen und Wunder der Lüge, Zauberkünste okkulter und spiritistischer Abgrundkräfte, die aber nur durch den Heiligen Geist unterschieden und entlarvt werden können. Wirkliches Leben verleihen kann nur der, der in sich selbst das Leben ist, die einzige Quelle des Lebens. Satan kann wohl töten, aber nicht ins Leben rufen. So erreicht denn die Verführung ihren Höhepunkt; alle, die sich widersetzen, werden getötet werden, als logische Folge aller Abtrünnigkeit.

Der Antichrist lässt diesen Götzen in den Tempel in Jerusalem stellen, was Matthäus den „Gräuel der Verwüstung“ nennt (Mt 24,15). Man bedenke: das redende Götzenbild anstelle der Bundeslade im heiligen Tempel! Fürwahr, Satan feiert höllische Orgien. Damit ist aber die Stunde seines völligen Sturzes gekommen.

Sein teuflisches Ziel erreicht der Antichrist durch ein äußerst raffiniertes Mittel. Er zwingt alle Menschen, sich ein Malzeichen des Tieres anbringen zu lassen, sei es an der Stirn, sei es an der rechten Hand, sei es dessen Namenszug oder die geheimnisvolle Zahl seines Namens. Damit bekennen sie sich in aller Form als dem Tier und damit dem Teufel zugehörig, verkauft, um ewig seine Sklaven zu sein. Der raffinierte Zwang besteht darin, dass alles Leben, alles Verdienen, Kaufen und Verkaufen ausschließlich an den Besitz dieses Malzeichens geknüpft ist. Ohne dieses ist man von jeder Lebensmöglichkeit ausgeschlossen. Dieses System macht heute schon in gewissen Ländern Schule, in noch weit ausgeklügelter Form werden wir es am Ende der Tage wiederfinden.

In diese Zeit fällt auch die Weissagung des Propheten Sacharja vom „nichtigen Hirten“, eben dem Antichristen: „Siehe, ich erwecke einen Hirten im Land: Der Umkommenden wird er sich nicht annehmen, das Versprengte wird er nicht suchen und das Verwundete nicht heilen; das Gesunde wird er nicht versorgen, und das Fleisch des Fetten wird er essen und ihre Klauen zerreißen“ (Sach 11,16). Die Weissagung gilt in erster Linie Israel als letztes und schwerstes Gericht, doch wird es sich nicht auf Israel beschränken, sondern alle antichristlichen Länder treffen.

Mit diesem Malzeichen ahmt der Teufel wohl die Versiegelung des treuen Überrestes Israels in Kapitel 7 nach, ein wirklich teuflisches Gegenstück! Dennoch, Gott ist stärker als er, Er vermag die Getreuen zu bewahren, dass Satan sie nicht antasten noch zum Bösen zwingen kann. Sie sind durch das göttliche Siegel gedeckt, obwohl der Weg durch die schwere Gerichtszeit hindurch nicht leicht sein wird. Sie sind bestimmt, das herrliche Reich des Friedens und der Gerechtigkeit zu erben, und niemand und nichts ist imstande, dies seinen Zeugen in schwerer Zeit zu rauben.

„Hier ist die Weisheit. Wer Verständnis hat, berechne die Zahl des Tieres, denn es ist eines Menschen Zahl; und seine Zahl ist 666“ (13,18).

Dieses Malzeichen, entweder der Name oder dessen Zahl 666, müssen die Menschen, „die auf der Erde wohnen“, sichtbar als Ausweis und Ergebenheitszeugnis tragen, Hörige des Tieres, des Kaisers. In den alten Sprachen, vor allem in Hebräisch und Griechisch, wie auch Lateinisch, sind die Buchstaben auch gleichzeitig Zahlenwerte. Auch ersehen wir vielfach im Wort Gottes, dass die Eigennamen der Menschen ihre Bedeutung hatten, womit Wesen und Charakter ihres Trägers zum Ausdruck gebracht wurden. Darum liegt oft in den Namen gewissermaßen der Schlüssel zur symbolischen Bedeutung des Berichteten. Wie also die Namen die Quintessenz des Wesens der Träger waren, so sind es gleichfalls auch die Zahlenwerte. So hat jeder Mensch vor Gott sein Wesen, das er, je nachdem, in einer bestimmten Zahl ausdrücken kann. Dies wird bei dem kommenden Cäsaren der Fall sein.

Wenn nun der 18. Vers zur Berechnung der Zahl dieses Tieres auffordert, so ist damit sicherlich nicht etwa Anregung gegeben, die Neugierde zu befriedigen. Zudem ist heute das Tier ja noch nicht da, und so kann auch sein Name nicht errechnet werden. Aber der gläubige Überrest der Endzeit wird dessen Namen errechnen und somit erkennen können. Sie werden imstande sein, das Tier richtig zu beurteilen, das sich vorerst in einem ganz harmlosen Charakter zeigen wird. Manche glaubten „des Menschen Zahl“ in Nero, Cäsar, Lateinos, dem Papst (Vicarius filii Dei = Statthalter Gottes), Bonaparte usw. zu finden, aber dies gehört in das Gebiet wertloser Spielereien.

Wichtiger ist die symbolische Bedeutung der Zahl 666. Es ist eines Menschen Zahl. Dies bedeutet, dass dieses Tier ein einzelner Mensch ist, eben der Kaiser und kein Konsortium. 666 ist die Quintessenz des Menschen in seiner Unabhängigkeit von Gott. Die dreifache 6 steht der dreifachen 8 gegenüber. 888 ist die Zahl des Namens Jesu. 8 ist die Zahl der Ewigkeit. Christus ist der Ewige.

Die einfache 6 finden wir bei Goliath und seinen Volksgenossen (6 Ellen, 6 Finger und 6 Zehen). Das Standbild Nebukadnezars war 60 Ellen hoch und sechs Ellen breit, also eine zweifache 6. In Offenbarung 13 haben wir nun die dreifache 6. Die Unabhängigkeit und Auflehnung gegen Gott hat ihren Höhepunkt erreicht. Hier kann nur noch Gericht das entsetzliche Ende sein.

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