Die letzten Dinge

Der neue Himmel und die neue Erde

Die letzten Dinge

„Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen, und das Meer ist nicht mehr“ (21,1).

Die Wege Gottes bezüglich des Menschen und damit auch das gesamte Werk seiner Ratschlüsse vor Grundlegung der Welt sind mit Kapitel 20 abgeschlossen; die Sünde ist für immer abgeschafft und deren Urheber, der Teufel, endgültig im Feuersee verwahrt. Damit ist alles erfüllt, wozu Gott aus der Ewigkeit in die Zeit eingetreten ist; letztere geht nun wieder in den ewigen Tag Gottes über (2. Pet 3,12). Nur der Schauplatz der Sünde und des Werkes Satans selbst muss noch gereinigt, bzw. erneuert werden; darum wird dem Seher jetzt ein neuer Himmel und eine neue Erde gezeigt. Denn wie ein einziger Tintenklecks den ganzen reinen Bogen Papier verdirbt, so ist auch das ganze Weltall durch die Sünde des Menschen verunreinigt und dem Todesurteil und damit der Vergänglichkeit unterworfen worden. Und was die Erde speziell anbelangt, sehen wir da nicht allerorts die Spuren und Werke menschlicher Überhebung: Denkmäler, Tempel, Götzen, Eingriffe in die Natur usw. Dinge, die auch alle verschwinden müssen?

Darum muss die ganze bisherige Schöpfung einer neuen, herrlichen Schöpfung Platz machen, die der Heiligkeit Gottes völlig entspricht und die in nichts an das Bisherige erinnert. Unser Vers schließt den ganzen Vorgang in das einzige kurze Wort „vergangen“ ein, ohne Näheres darüber mitzuteilen. Dagegen finden wir in 2. Petrus 3,10 Andeutungen darüber, wie dies geschehen wird: „Es wird aber der Tag des Herrn kommen wie ein Dieb, an dem die Himmel vergehen werden mit gewaltigem Geräusch, die Elemente aber im Brand werden aufgelöst und die Erde und die Werke auf ihr werden verbrannt werden (vgl. V. 7.12; Heb 12,26–27).

Diese Ausdrücke zeigen ohne Zweifel an, dass auf das Wort Gottes hin die im Stoff gebundenen Naturkräfte frei werden; und die ganze Schöpfung wird in ihre Urelemente aufgelöst werden. Es sind dieselben Kräfte, die unsere Generation entdeckt hat, die sie Atomkräfte nennt und durch „Atomzertrümmerung“ nutzbar zu machen sucht, leider vor allem als Kriegswaffen. Gerade diejenigen, die diese Kräfte nutzbar machen wollen, fürchten sich am meisten vor ihren unbegrenzten Wirkungen, weil sie in ihrer Totalität ungeheure Folgen haben können. Aber wir denken, dass Gott, der Herr, in dessen ureigenste Machtsphäre der Mensch damit hineingreifen würde, dies demselben kaum zulassen wird.

Die neue Schöpfung und namentlich die neue Erde werden wesentlich verändert sein, was hier in dem kurzen, aber vielsagenden Wort „und das Meer ist nicht mehr“ zusammengefasst wird. Dies ist unschwer zu erkennen, wenn wir die symbolische Bedeutung des Meeres erfassen. Das materielle Meer ist das die Erdteile trennende Element (1. Mo 1, dritter Tag), es ist ferner das Unergründliche, ewig Unruhige, Unbeständige, die unerforschte Tiefe, die unberechenbare, plötzlich sich erhebende, zerstörende Macht der Finsternis, wie wir dies in der Bildersprache der Prophezeiung öfters finden (vgl. Jes 43,16). Gerade dieses alles, was auf der jetzigen Erde infolge der Sünde so viel Weh und Leid bringt, wird auf der neuen Erde ganz und für immer verschwunden sein; Himmel und Erde werden ein Heim ungestörten Glückes sein. Das erneuerte Israel und die mit ihm Verbundenen aus den Nationen werden als innerlich Erneuerte ebenfalls aufgrund des Werkes am Kreuz ewiges Leben empfangen und bei dem großen Wechsel von Himmel und Erde, dem Körper nach, ebenfalls verwandelt werden. In neuem, herrlichem Ewigkeitsleib werden sie unter neuen Lebensbedingungen auf der neuen Erde in Gemeinschaft mit ihrem Gott und Herrn leben, wenn auch nicht, wie wir, mit himmlischer Herrlichkeit bekleidet, denn die Verheißungen Israels sind und bleiben auf die Erde beschränkt. „Denn wie der neue Himmel und die neue Erde, die ich mache, vor mir bestehen, spricht der Herr, so wird eure Nachkommenschaft und euer Name bestehen (Jes 66,22).

Die Schlussworte Gottes

„Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel herabkommen von Gott, bereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut“ (21,2).

Die zwei letzten Kapitel der Offenbarung enthalten keine weiteren Ereignisse mehr, sondern zeigen das herrliche Endergebnis für Gott und die Menschen gemäß den vor Grundlegung der Welt gefassten Ratschlüssen. Darum sieht Johannes jetzt das herrliche Resultat des Werkes unseres Herrn Jesus Christus und aller Wege Gottes. Er sieht das himmlische Jerusalem in herrlichem Schmuck der Braut des himmlischen Herrn, vom Himmel herabkommend zur Erde. Damit ist nun erfüllte Tatsache geworden, was der Herr schon bei der Schöpfung im Voraus als seine Wonne geschaut hat und was nun in Ewigkeit seine Wonne sein wird (vgl. Spr 8,31).

„Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Thron sagen: Siehe, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott. Und er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen“ (21,3.4).

Eine laute Stimme aus dem Himmel, wohl die des Herrn selbst, ruft, auf diese herrliche Stadt hinweisend: „Siehe, die Hütte Gottes bei den Menschen!“ Durch die ganze Menschheitsgeschichte zieht sich der Wunsch Gottes, inmitten seiner Geschöpfe zu weilen, sich an ihnen zu erfreuen und bei ihnen zu wohnen. Wir sehen den ersten Versuch schon bei Adam im Paradies, dann nahm Gott Wohnung, zwar unsichtbar, in der Stiftshütte, dann im Tempel Salomos, aber die Sünde der Menschen machte sein Wohnen bei ihnen unmöglich. Schließlich wohnte Gott in der Person seines Sohnes Jesus Christus in Menschengestalt unter seinem Volk, um ihm seine Gnade und Rettung nahezubringen, aber sein Volk verwarf und tötete seinen König und Messias. Aufgrund des Werkes am Kreuz wurde es Ihm möglich, sich ein geistliches Haus aus erlösten Menschenkindern zu gründen, um darin zu wohnen (Joh 14,23). Aber auch wir schätzen das wenig und unsere Herzen zögern, auf sein Werk zu antworten. In dem aber, was dem Seher hier gezeigt wird, ist Gottes Wunsch doch endlich, und zwar vollkommen und herrlich erfüllt, sogar auf zweifache Weise. Im himmlischen Jerusalem, der Brautgemeinde, wohnt Er also nun als ihr Mittelpunkt, und mit ihr zusammen nimmt Er auch Wohnung bei den Menschen auf der neuen Erde. Beides wird schon im 1000-jährigen Reich der Fall sein, aber das Weilen auf der Erde ist dann noch kein ständiges, weil der Ewigkeitszustand ja noch nicht besteht.

In der neuen Schöpfung dagegen wird völlige Harmonie sein, keine trennenden Umstände und trotz herrlicher Vielfalt doch eine enge Beziehung zueinander. Auch zwischen Gott und den Menschen wird keine Ursache zu Trennung noch zu Furcht mehr sein, sondern nur Wonne und Freude auf beiden Seiten zu unaufhörlicher Anbetung dessen, der alles dies bereitet hat. Alles, was die alte Erde kennzeichnete, Leid und Schmerz, Unfriede und Streit, Trauer und Tod, wird keinen Raum mehr haben, sondern es wird herrliche Freude sein, und Gott, der Herr, wird keinen Anlass mehr haben, sich vor seinen Geschöpfen zu verbergen, vielmehr dürfen wir Ihn sehen und Ihn verherrlichen.

Auffallenderweise tritt uns hier nicht mehr das Lamm entgegen, sondern einfach Gott, der dreieine Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, der eine Gott, wie Er im Anfang der Zeit war und immer sein wird, sobald wir über die Sphäre der Erde hinaustreten.

„Und der, der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu. Und er spricht zu mir: Schreibe, denn diese Worte sind gewiss und wahrhaftig“ (21,5).

Dieses Wort „neu“ ist sehr beachtenswert; denn in Gottes Wort bedeutet dies nicht nur renoviert, erneuert, sondern stets einen völligen Neuanfang, etwas ganz Verschiedenes, das keinerlei Beziehung zum Vorhergehenden hat. Es gehört zum Wesen Gottes, dass Er niemals auf etwas, das Er gemacht hat, zurückkommt, um es wiederherzustellen, sondern Er antwortet auf die zerstörenden Gegenzüge Satans oder der Menschen immer wieder mit etwas ganz Neuem, Unerwartetem (vgl. Jes 43,18). Ebenso ist das Lied der Ältesten in Offenbarung 5 ein völlig neues Lied, das vorher niemals gesungen wurde, noch gesungen werden konnte, denn die Einsicht in das Tun Gottes wird dann eine völlige sein. Die neue Schöpfung wird eine ganz andere sein als die jetzige, die dann vollständig vergangen, ausgelöscht sein wird.

Dieses so unendlich Große wird von dem, der auf dem Thron sitzt, sozusagen noch unterschriftlich bekräftigt, indem Er sagt, das oben Gesagte sei „gewiss und wahrhaftig“, d. h. unumstößliche Wahrheit. Er fordert Johannes auf, dies schriftlich niederzulegen.

„Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende. Ich will dem Dürstenden aus der Quelle des Wassers des Lebens geben umsonst“ (21,6).

Damit zieht Gott überdies noch einen eigentlichen Schlussstrich unter das gesamte bisher Gesagte. Das bedeutet für Ihn, dass dieses alles nunmehr endgültig geschehen und abgeschlossen ist, eine bedeutungsvolle Tatsache. Solche wichtigen Schlussstriche gibt es dreimal, alle drei bei Wendungen von größter Tragweite.

Das erste Mal hat es der Herr Jesus am Kreuz ausgerufen, allerdings mit den Worten: „Es ist vollbracht!“, was aber das gleiche bedeutet, nämlich das unermesslich schwere Opferwerk des stellvertretenden Sühnungstodes, durch das in der Tat eine ganz neue Situation für Gott und Menschen geschaffen worden ist. Der große Widersacher, Satan, ist besiegt und die Waffe des Todes ist ihm entrissen worden. Der Glaubende findet nun Befreiung von den Banden der Knechtschaft und der Sünde; der Rückweg zu Gott und zum Leben ist ihm nun geöffnet und gebahnt worden. Gott aber ist endlich verherrlicht und die Erfüllung seiner Ziele möglich geworden.

Das zweite „Es ist geschehen“ finden wir in Offenbarung 16,17, wo nach der Beendigung des letzten Gerichtes der Zorn Gottes befriedigt ist und der Richter das Rächerschwert wieder in die Scheide stecken kann. Kapitel 1 stellt uns eine besondere, wichtige Einzelheit aus diesen Gerichten vor Augen, und Kapitel 19 bis 20 teilen uns die anschließenden persönlichen Säuberungsakte durch den Herrn Jesus Christus mit. Dennoch gehören Zorn, Grimm und Gericht keineswegs zum Wesen Gottes, sondern erfolgen nur, weil Gottes sündige Geschöpfe, Satan und sein Heer inbegriffen, Gott in seiner Heiligkeit herausgefordert und sein Gericht notwendig gemacht haben. Sobald aber das Nötige erfüllt ist, ist Gottes Zorn abgetan. Die Menschen, die den Ewigen einen grausamen Gott schelten, haben also absolut Unrecht; denn Gottes Wesen, das triumphieren wird, ist unveränderliche Liebe, Gnade und Barmherzigkeit. Zorn und Gericht übt Er nur, soweit die Sünde Ihn dazu zwingt, um seiner Heiligkeit willen; aber seine Freude ist Liebe ohne Grenzen.

Hier nun, in Kapitel 21,6, spricht Gott dieses Wort „Es ist geschehen“ sozusagen mit Genugtuung als Abschluss des gesamten Werkes gemäß seines im Anfang gefassten Ratschlusses. Das gewollte Resultat desselben ist nun voll und ganz erfüllt. Damit legt Er gewissermaßen seine Arbeit endgültig nieder, um nun für immer seinen wahren Sabbat der Ruhe zu genießen und sich dessen zu erfreuen, zusammen mit seinen nun verherrlichten Geschöpfen, die Er sich erworben hat. Nunmehr kann Er, der im Anfang, um diese zu gewinnen, aus der Ewigkeit in die Zeit getreten ist, mit ihnen in die endlose Ewigkeit zurücktreten, die für Ihn, wie für uns, endlose, unveränderliche Herrlichkeit bedeutet. Darum nennt sich Gott hier das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende. Er war von Ewigkeit da – wie könnte es anders sein! – aus Ihm hat alles Leben und Sein den Anfang genommen und mit Ihm wird alles eins sein, so dass Er alles in allem sein wird in Ewigkeit.

„Wer überwindet, wird dieses erben, und ich werde ihm Gott sein, und er wird mir Sohn sein. Den Feigen aber und Ungläubigen und mit Gräueln Befleckten und Mördern und Hurern und Zauberern und Götzendienern und allen Lügnern – ihr Teil ist in dem See, der mit Feuer und Schwefel brennt, welches der zweite Tod ist“ (21,7.8).

Zum Schluss wendet sich Gott in seiner unendlichen Gnade nochmals an die Menschen, die dies lesen, sozusagen einladend, dass sie doch zu ihrem eigenen Besten zu Ihm kommen möchten. Zuerst denkt Er an die „Durstigen“, die, die aufrichtig nach Licht, Wahrheit und Frieden suchen, diese lädt Er ein, dass sie doch zu Ihm kommen möchten, wo sie allein das finden können, was sie brauchen, und dies in reichlicher Fülle. Diejenigen,  die Ihm, trotz aller Hindernisse, folgen wollen, die stärkt und ermuntert Er, nicht nachzulassen, sondern alles daranzusetzen, um, über jedes Hindernis hinweg, zu Ihm zu gelangen, denn dies ist der Weg zu größtem Gewinn, zum innigsten Verhältnis zu ihrem Herrn und Gott. Die Übrigen, die Ihm nicht folgen wollen, warnt Er mit dem Hinweis, dass sie von der Glückseligkeit ausgeschlossen werden und ihnen nichts übrig bleibt, als die schreckliche Verdammnis, der Feuersee, der mit Feuer und Schwefel brennt. Dabei ist die Aufzählung der Ungläubigen so gehalten, dass sie restlos alle umfasst, die der Einladung Gottes ausgewichen sind. Wir finden da nicht etwa nur grobe Sünder, wie manche denken möchten, sondern auch die „Feigen“, die sich aus Menschenfurcht oder anderen Gründen nicht mit Ewigkeitsfragen befassen wollen. Da sind Ungläubige, auch die so genannten Orthodoxen, die nur mit dem Kopf, aber nicht mit dem Herzen geglaubt und praktisch nicht gehorcht haben, die Götzendiener, zu denen auch alle die gehören, die ihr Herz an etwas, sei es Geld, Ehre, Macht, Ruhm, Sport, Leidenschaften usw. gehängt, nur nicht auf Gott gehört haben, denn alles, was das Herz außer Gott erfüllt, ist tatsächlich Götzendienst; da sind auch die Lügner, alle, die auf irgendeine Weise nicht mit der Wahrheit umgehen, auch diejenigen, die sich selbst belügen, um nicht der Wahrheit Gehör schenken zu müssen – für alle diese bleibt nichts anderes übrig als der zweite Tod, ewige Qual im Feuersee, völlige und ewige Trennung von Gott.

Damit ist die Folge der zeitlichen Dinge am Ende angelangt und abgeschlossen; was jetzt noch folgt, ist die Beschreibung des ewigen Ergebnisses aus allem Geschehen und Wirken für Gott.

Die heilige Stadt, das himmlische Jerusalem

„Und es kam einer von den sieben Engeln, die die sieben Schalen hatten, voll der sieben letzten Plagen, und redete mit mir und sprach: Komm her, ich will dir die Braut, die Frau des Lammes, zeigen. Und er führte mich im Geist weg auf einen großen und hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt, Jerusalem, herabkommend aus dem Himmel von Gott“ (21,9.10).

Jetzt führt ein Engel den Seher auf einen hohen Berg, von wo dieser einen umfassenden und zugleich eingehenden Blick auf die herrliche himmlische Stadt tun darf. Dass es einer der Engel ist, die die Zornesschalen ausgegossen hatten, beweist, dass dabei an das 1000-jährige Reich angeknüpft wird, zu dem die Frau, die Braut des Herrn und Königs, ebenfalls in Verbindung stehen wird. Darum wird nun im Folgenden wieder das Lamm genannt, weil es sich bis zu Offenbarung 22,5 wiederum um die Beziehung zur alten Erde handelt. Allerdings, insofern die Schilderung die herrliche Stadt selbst angeht, betrifft die Darlegung der Tatsachen auch die neue Schöpfung. Sie wird unverändert ewig bestehen. Denn für sie hat ja der ewige, herrliche Tag Gottes schon mit ihrer Entrückung von der Erde angefangen, und was sie damit geworden ist, wird sie von da an endgültig sein. Aber in diesem endgültigen Charakter erscheint sie für die Erde schon zur Zeit des 1000-jährigen Reiches. Sie kommt aus dem Himmel herab mit dem Herrn, um die erneuerte Erde zu besuchen.

Dieses himmlische Jerusalem wird hier die heilige Stadt genannt, denn sie entspricht voll und ganz der Heiligkeit des Herrn, im Gegensatz zu Rom, das die „große Stadt“ genannt wird, d. h. sie hat sich in Überhebung selbst groß und zum Gräuel Gottes gemacht. Der Heilige Geist drückt dort damit seine Abscheu aus. Der Engel zeigt nun Jerusalem als die „Braut, die Frau des Lammes“. Warum dieses Doppelbild, sowohl Braut als auch Stadt? Im Bild der „Braut“ oder der  „Frau“ kommt auf herrliche Weise zum Ausdruck, was die Versammlung für Christus und sein Herz ist. Welche Liebe! Welche zarte innige Verbindung! Die „Stadt“ stellt mehr die Beziehung als die Wohnung Gottes unter den Menschen auf der Erde dar; und dann sind ja wohl auch die „Freunde des Bräutigams“, die wir bei der Hochzeit gesehen haben, in dieser Stadt inbegriffen; denn diese, also die alttestamentlichen Heiligen, und besonders die aus der Drangsalszeit, sind auch im Himmel verherrlicht und werden ihren Platz in dieser Stadt haben. In Hebräer 11,10 heißt es von den Patriarchen, dass sie die Stadt, die Grundlagen hat, erwarteten; ferner lesen wir in Lukas 13,29–30, dass die Erzväter im Himmel mit uns zu Tisch liegen werden.

In den nächsten Versen (11–14) sieht Johannes zunächst die Stadt von außen, wie sie sich den Menschen auf der Erde präsentieren wird, und wie sie in spezieller Beziehung zum erneuerten Volk Israelsteht, das ja den Kern jener bildet.

„Und sie hatte die Herrlichkeit Gottes. Ihr Lichtglanz war gleich einem sehr wertvollen Stein, wie ein kristallheller Jaspisstein“ (21,11).

Vor allem sieht Johannes die unermessliche Herrlichkeit der Stadt, denn ihr Charakter ist himmlisch und ihr Ursprung göttlich, von Gott, dem Herrn, geschaffen, der ihr auch seine eigene Herrlichkeit verliehen hat. Diese wird hier, wie der Herr selbst in Kapitel 4, mit dem Jaspis, dem kostbarsten aller Edelsteine, verglichen. Der Jaspis, unser Diamant, ist bekanntlich an sich nur Kohlenstoff, aber kristallisiert, wasserhell und spiegelt im Sonnenlicht in herrlicher Weise alle Farben wider, ein bezeichnendes Vorbild der himmlischen Stadt. Denn alle, die diese himmlische Stadt bilden, sind ja von Natur wie gewöhnlicher Kohlenstaub, aber durch die Wiedergeburt zu Lichtern und Bürgern des Himmelreiches gemacht; auf der Erde zwar schwach, ungleich dem Herrn selbst, aber gemäß seinem Ratschluss dennoch zu vollkommenen Leuchtern für Ihn erhoben, die sein Bild widerstrahlen. Dies kann nicht anders sein; denn da wir Ihn ja nach seiner Verheißung (Joh 17,24) in seiner Herrlichkeit schauen sollen, können wir dort unmöglich irgendwie anders sein als Er selbst.

„Und sie hatte eine große und hohe Mauer und hatte zwölf Tore, und an den Toren zwölf Engel, und Namen darauf geschrieben, welche die der zwölf Stämme der Söhne Israels sind“ (21,12).

Diese Mauer bedeutet, dass sie ein bestimmtes Gebiet von der Außenwelt abschließt, das sich in besonderer Stellung für den Herrn befindet. Die Mauer verhindert jegliche Vermengung und bedeutet ferner absolute Sicherheit und Befestigung vor Gott, dem die Stadt allein gehört und ein Dokument der absoluten Beständigkeit des Werkes Gottes bildet.

In dieser Mauer gibt es zwölf Tore, auf die die Namen der zwölf Stämme Israels geschrieben sind. Die Stadttore waren in alter Zeit im biblischen Orient die Stätten der Rechtsprechung, der Sitz der Richter, z. B. 1. Mose 19,1; 5. Mose 22,15; Ruth 4,1; Hiob 29,7. Deshalb stehen wohl Engel an diesen Toren, sowohl als Wächter der Tore, als auch als Hüter des Volkes Israels auf der Erde. Engel waren schon im Alten Bund Gegenstände höchster Wertschätzung; denn durch diese hatte der Herr damals zum Volk geredet (vgl. Heb 2,1–4). Hier nun darf Israel sie in ihrem höchsten Amt sehen. Dies alles zeugt davon, dass Israel in Ewigkeit Gottes Volk auf der Erde sein wird.

„Nach Osten drei Tore und nach Norden drei Tore und nach Süden drei Tore und nach Westen drei Tore“ (21,13).

Dieser Vers sagt, dass nach jeder der vier Himmelsrichtungen je drei Tore stehen, entsprechend der Anordnung der zwölf Stämme Israels um die Stiftshütte, also um das Heiligtum, als Israel durch die Wüste wanderte. Im Land der Verheißung dagegen war die Anordnung eine andere, entsprechend dem Landesraum, und im 1000-jährigen Reich ebenfalls. Wenn nun hier in der neuen Schöpfung wieder auf die Anordnung in der Wüste zurückgegriffen wird, geschieht es, um zu zeigen, wie unser Herr der wahre Mittelpunkt seines Volkes auf der Erde sein wird und alle um sich versammeln will. Das erinnert uns an seine Klage, als Er auf der Erde lebte, dass Er dies schon damals gewünscht, sein Volk dies aber nicht begehrt hatte. Dann aber wird dies in vollkommenem Maß der Fall sein.

„Und die Mauer der Stadt hatte zwölf Grundlagen, und auf ihnen die zwölf Namen der zwölf Apostel des Lammes“ (21,14).

Nun sieht Johannes die zwölffache Grundlage der Stadt mit den Namen je eines der zwölf Apostel versehen. Diese zwölf Apostelnamen, neben denen der zwölf Stämme Israels, stehen wohl in einer gewissen Beziehung zu jener besonderen Verheißung des Herrn in Matthäus 19,28, wonach die Zwölf die zwölf Stämme Israels richten werden. Dies bezieht sich allerdings direkt auf das 1000-jährige Reich, doch wird diese Verbindung zwischen beiden auch auf der neuen Erde nicht ganz aufgehoben sein. Auf jeden Fall muss das gläubige Israel noch verstehen lernen, dass die Grundlage des wahren Hauses Gottes und des Heils nicht Israel noch sein Gesetz sein kann, sondern das, was Jesus Christus gebracht und durch „seine Apostel und Propheten“ (des Neuen Testaments) ergänzt und befestigt hat (Eph 2,20). Nach Hebräer 11,10 hatten schon Israels Patriarchen auf diese „Stadt, die Grundlagen hat“, gewartet, eben auf das neue Jerusalem, zu dessen Bewohnern auch sie gehören werden.

In Vers 15–23 wird dem Seher nun die innere Schönheit der himmlischen Stadt gezeigt, diejenige, die ihr durch ihre innigste Beziehung zu ihrem Gott und Herrn verliehen wird.

„Und der, der mit mir redete, hatte ein Maß, ein goldenes Rohr, damit er die Stadt messe und ihre Tore und ihre Mauer. Und die Stadt liegt viereckig, und ihre Länge ist so groß wie auch die Breite. Und er maß die Stadt mit dem Rohr – 12.000 Stadien; ihre Länge und ihre Breite und ihre Höhe sind gleich. Und er maß ihre Mauer, 144 Ellen, eines Menschen Maß, das ist des Engels“ (21,15–17).

Der Engel, der dem Seher nun die herrliche Stadt zeigt, misst sie mit einem goldenen Rohr, nicht mit einer gewöhnlichen Messrute; denn dies, was Johannes jetzt sehen soll, muss vom Standpunkt Gottes aus, also wie Gott es selbst sieht, betrachtet und beurteilt werden; nur dann wird man diese Worte richtig erkennen und verstehen können.

Darum müssen die Maßzahlen, sowohl der Stadt, als der Mauer, symbolisch aufgefasst werden; es sind vor allem in jeder Beziehung und Richtung vollkommene, mehrfache von 12, einer der Vollkommenheitszahlen. Die Angaben sind zwar in Menschenmaß angegeben, aber wir wissen aus Jesaja 55,8–9, dass Gottes Gedanken unendlich höher sind als die der Menschen, darum wird Vers 17 beigefügt: „das ist des Engels“. Die Menschen wollen Gott immer mit ihrem beschränkten und dazu von der Sünde verderbten Verstand erfassen; darum denkt der Mensch immer von Gott zu klein und von sich selbst wieder zu groß; und auch wir Gläubige verfallen oft und allzu leicht diesem Irrtum. Auch hier soll die Zahl 12000 einfach ein für den Menschen kaum erfassbares Maß anzeigen, denn die Zahl der Bewohner ist ja eine unnennbar große. Die Stadt und ebenso die Mauer sind vor allem in ihren Ausmaßen nach allen Richtungen durchaus vollkommen.

„Und der Bau ihrer Mauer war Jaspis, und die Stadt war reines Gold, gleich reinem Glas. Die Grundlagen der Mauer der Stadt waren geschmückt mit jedem wertvollen Stein: die erste Grundlage Jaspis; die zweite Saphir; die dritte Chalzedon; die vierte Smaragd; die fünfte Sardonyx; die sechste Sardis; die siebte Chrysolith; die achte Beryll; die neunte Topas; die zehnte Chrysopras; die elfte Hyazinth; die zwölfte Amethyst. Und die zwölf Tore waren zwölf Perlen, jedes einzelne der Tore war aus einer Perle, und die Straße der Stadt war reines Gold, wie durchsichtiges Glas“ (21,18–21).

Wie herrlich wird diese Mauer sein, da sie aus Jaspis, also Diamant, erbaut ist, der in allen herrlichen Farben erstrahlt und, wie wir gesehen haben, das Symbol der persönlichen göttlichen Herrlichkeit des Herrn ist! Und die Stadt innerhalb dieser Mauer wird aus reinem Gold bestehend beschrieben, und zwar aus reinem Gold wie reines, durchsichtiges Glas. Gold ist bekanntlich das Symbol für die vollkommene göttliche Gerechtigkeit, die uns durch die Wiedergeburt geschenkt ist, wenn sie auf dieser Erde auch wegen dem alten, noch vorhandenen Ich, oft genug verdunkelt wird. Droben aber, im neuen Jerusalem, wird Gottes Gerechtigkeit vollkommen herrschen und keinen, noch so kleinen Schatten mehr haben; alles wird hell und durchsichtig sein; es wird keine verborgenen, ungesäuberten Winkel geben. Auch alles Handeln und Wandeln der Bewohner wird reines Glück und Verherrlichung des Herrn sein; darum sind auch die Straßen ebenfalls Gold, wie durchsichtiges Glas. Wie herrlich muss das dann auch in den gegenseitigen Beziehungen sein, wenn keinerlei Trübungen, Missverständnisse, Unzulänglichkeiten usw. mehr möglich sein werden. Alles wird reine, herzliche, richtig verstandene Liebe sein!

Die zwölf Grundlagen der Mauer – welche Festigkeit bedeuten doch so viele Grundlagen! – sind gleich zwölf verschiedenen Edelsteinen. Sie strahlen somit die verschiedenen Herrlichkeiten unseres Herrn Jesus Christus aus, die Er in seinen Beziehungen zu uns Kindern Gottes offenbart. Jeder Edelstein hat seine Farbe und seinen eigenen Glanz. Darum geben auch die einzelnen Bücher des Wortes Gottes ein so vielfältiges Bild der Herrlichkeit Gottes. Was vielleicht als Wiederholung und Widerspruch erscheint, vermehrt nur dessen Hoheit und Erhabenheit und beleuchtet die verschiedenen Wahrheiten von verschiedenen Seiten. Darum sind auch die Dienste und Gaben der Apostel, aber auch aller Knechte Gottes so sehr verschieden gestaltet, damit eben alle Herrlichkeiten des Herrn hervortreten können. Dennoch ist auch in dieser Vielfalt eine göttliche, harmonische Einheit, ebenso wie in der Schöpfung, denn alles ist ja das Werk Gottes, der nicht Einförmigkeit, Gleichschaltung ist, sondern herrliche Einheit in wunderbarer Mannigfaltigkeit. 1

Bestimmtes über die einzelnen Farbtöne der Edelsteine ist schwer festzustellen, da sowohl die Namen, als auch die Wertung der meisten Steine heute ganz andere sind.

Auch auf dem Brustschild des Hohenpriesters finden wir zwölf Edelsteine, worauf die Namen der Stämme Israels eingraviert waren; jedoch ist die Reihenfolge anders, auch sind einige andere Steine dort genannt. Der Hohepriester musste alle auf seiner Brust tragen, wie unser Herr Jesus alle unsere Namen auf seinem Herzen trägt und allezeit an uns denkt. Darum dürfte das Brustschild vorbildlich andeuten, wie wertvoll die Seinen für den Herrn sind. So spricht auch der Herr durch den Mund seines Propheten zu seinem Volk: „Weil du teuer, wertvoll bist in meinen Augen, und ich dich lieb habe, so werde ich Menschen hingeben an deiner statt und Völkerschaften anstatt deines Lebens (Jes 43,4). Die himmlische Stadt zeugt von derselben kostbaren Liebe und Zuneigung, genauso wie die zwölf Grundlagen.

Auch die zwölf Tore sind Herrlichkeitszeugnisse für unseren Herrn und Heiland, Jesus Christus. Die echten, kostbaren orientalischen Perlen sind bekanntlich Ablagerungen der Perlmuscheln, die die tropischen Meere bewohnen, und von den Perlenfischern unter Lebensgefahr aus dem Meeresgrund heraufgeholt werden müssen. Beim Öffnen gehen die Tiere meist zugrunde. Im sechsten Gleichnis in Matthäus 13 lesen wir von einem Kaufmann, der Perlen suchte, und der, als er eine ganz kostbare gefunden hatte, sein ganzes Besitztum hingab, um diese zu kaufen.

Es gibt bei den Perlen eine große Varietät von Farben, die verschiedenen Wert haben; die kostbarsten sind die weißen, leicht cremefarbigen, irisierenden. Darum reden die kostbaren Perlen symbolisch von den erlösten Seelen, die der Herr Jesus sich in Hingabe seiner himmlischen Herrlichkeit und durch seinen Opfertod am Kreuz erworben und diese freigemacht hat von der Knechtschaft der Sünde und des Teufels. Diese Perlentore reden demnach von der Herrlichkeit und dem Wert, den die Stadt, also die Brautgemeinde und alle, die darin wohnen, für den Herrn haben. Im Alten Bund war das Silber Symbol des Kaufpreises der Erlösung der Menschen; aber in der neuen Schöpfung kommt dies nicht mehr in Betracht, sondern nur der Wert, den die bluterkauften Menschen für den Herrn selbst haben. Deshalb sind hier die Perlen das passende Sinnbild.

„Und ich sah keinen Tempel in ihr, denn der Herr, Gott, der Allmächtige, ist ihr Tempel, und das Lamm. Und die Stadt bedarf nicht der Sonne noch des Mondes, damit sie ihr scheinen; denn die Herrlichkeit Gottes hat sie erleuchtet, und ihre Lampe ist das Lamm“ (21,22.23).

Jetzt kommt der Seher auf die Hauptsache, den Mittelpunkt, zu sprechen, nämlich die Stätte der Anbetung Gottes. Er findet merkwürdigerweise keinen besonderen Tempel. Warum nicht? Auf der sündenverseuchten Erde war ein solcher Ort nötig, wo einerseits Gott den Menschen, wenn auch hinter dem Vorhang verborgen, nahe sein konnte, und andererseits, abgeschlossen von der Welt, die Menschen getrennt vom Schauplatz der Sünde vor Ihn treten konnten. Aber in der neuen Schöpfung, in der himmlischen Stadt, wo nur Wiedergeborene, Erlöste wohnen und nichts mehr an Fluch und Sünde erinnern wird und kann, da braucht sich Gott nicht mehr vor seinen Kindern zu verbergen, und sie dürfen nun Ihn und alle seine Herrlichkeiten mit neuen, geheiligten Augen sehen und Ihn jubelnd genießen und verherrlichen.

Es ist die göttliche Dreieinheit, die in der Person des Christus geschaut wird, wie Er gesagt hat: „Wer mich sieht, sieht den Vater“. Christus, der Gott war und ist, wurde um unsertwillen Mensch und ist auch als Mensch hinaufgestiegen, um sich nun droben immerdar für uns zu verwenden. Darum wird hier das Lamm besonders erwähnt, weil es seine Erlöserherrlichkeit ist, die alles trägt und auf der alles in Ewigkeit gegründet ist. Vor seiner Würde und Majestät müssen wir unsere eigenen Gedanken beiseitelassen und können nur noch anbetend niederfallen, Gottes Größe, Liebe und Macht preisend. In dieser Stadt ist auch keine materielle Leuchte mehr nötig, nicht einmal mehr die Sonne oder sonst ein leuchtender Himmelskörper, denn die Herrlichkeit Gottes stellt alles Übrige in den Schatten. Gott ist Licht und gar keine Finsternis ist in Ihm (1. Joh 1,5). In seiner Gegenwart kann es demnach keine Nacht mehr geben, alles ist strahlende Herrlichkeit. Diese Stadt, die Brautgemeinde, ist selbst der Tempel Gottes, eine „Behausung Gottes im Geist“ (Eph 2,22). Das ist sie zwar schon auf der Erde, jetzt noch nach außen verhüllt, aber im Himmel unverhüllt ewig in der Herrlichkeit Gottes in ewigem Glanz.

„Und die Nationen werden durch ihr Licht wandeln, und die Könige der Erde bringen ihre Herrlichkeit zu ihr. Und ihre Tore sollen bei Tag nicht geschlossen werden, denn Nacht wird dort nicht sein. Und man wird die Herrlichkeit und die Ehre der Nationen zu ihr bringen. Und nicht wird in sie eingehen irgendetwas Gemeines und was Gräuel und Lüge tut, sondern nur die, die geschrieben sind in dem Buch des Lebens des Lammes“ (21,24–27).

Nun lesen wir noch von den Beziehungen der heiligen Stadt Jerusalem zu den Menschen auf der Erde, zunächst während des 1000-jährigen Reiches, denn es werden da noch „Nationen“ und deren „Könige“ erwähnt. Es ist aber anzunehmen, dass diese Beziehungen mit den Menschen auf der Erde ungefähr gleichartig sein werden, da die Stadt selbst, schon von der Entrückung an, ihr Ewigkeitswesen haben wird. Auch sind es erneuerte Menschen, die das Messiasreich der neuen Erde wieder bevölkern werden. Wie diese Beziehungen sein werden, ist uns heute noch verborgen, aber keine Frage, sie werden vollkommen und herrlich sein.

So wie Gott, der Herr, selbst Licht und Herrlichkeit der Stadt sein wird, so wird auch die heilige Stadt Licht und Herrlichkeit auf die Menschen auf der Erde, vor allem auf das erneuerte Israel, ausstrahlen, und angemessener Segen wird sich von ihr auf die Erde ergießen, zunächst auf Israel und durch dieses weiter zu den Nationen. Diese werden nach dem von Jerusalem auf der Erde ausgehenden Recht (Jes 2) und im Licht des himmlischen Jerusalems in Frieden und Eintracht wandeln. Dadurch werden in jenen tausend Jahren alle Dinge, die die Menschen entzweien, wie Kriege, Kampf ums Dasein, Konkurrenzneid, Großmachtpolitik, Notstände, Spekulationen und Finanzskandale usw. keinen Raum mehr haben (vgl. Mich 4; Jes 2. 35). Auch wird es auf der Erde keine unbewohnbaren Gebiete mehr geben. Jeglicher Fluch wird aufgehoben sein und der große Verführer und Verhetzer, Satan, wird im Abgrund gebunden sein. Alle Menschen werden dann ihren unbestrittenen und reich gesegneten „Platz an der Sonne“ haben, so dass es auch keine entrechteten Sklaven und Knechte mehr geben wird. Dann werden alle Nationen samt ihren Königen alljährlich nach Jerusalem hinaufziehen, um dort anzubeten und dem Messias und seiner Brautgemeinde ihre Herrlichkeiten und Ehrungen darzubringen. Unterlassung wird sogar Strafe nach sich ziehen (Sach 14).

Die Tore der heiligen Stadt werden niemals geschlossen werden, da hierzu kein Bedürfnis vorliegt, es wird ja dort niemals Nacht sein, noch irgendetwas Gemeines oder Ungeheiligtes sich der Stadt nahen können. Auf der noch unerlösten Erde mögen noch Fälle von Sünde vorkommen, die aber sofort durch Tod bestraft werden; aber im Bereich der heiligen Stadt wird jeder Gedanke an Sünde und Unreinigkeit längst entschwunden sein. Es werden überhaupt nur die als Bürger der Stadt ins Buch des Lebens des Lammes Eingeschriebenen Zutritt haben.

Jetzt verkennt die Welt die Heiligen völlig; dann aber werden sich die Menschen auf der Erde darüber nicht mehr täuschen können, dass wir die Geliebten des Herrn sind; sie werden uns und dem Herrn Jesus Anerkennung und Ehre zollen müssen.

Fußnoten

  • 1 Ein bewährter Bruder gibt den Edelsteinen folgende Bedeutung: Jaspis, Diamant, im Licht in allen Farben leuchtend, die Herrlichkeit des Lichtes, also die Herrlichkeit der Herrlichkeiten (1. Joh 1,5). Saphir, hellblauer Korund, himmlische Herrlichkeit von Jesus Christus, sowohl als Mensch, als auch als Sohn Gottes (2. Mo 24,9.11; Hld 5,14). Chalzedon, oder Karneol, Karfunkel, Rubin; dunkelrot, feurig funkelnd wie glühende Kohle, die Erlöserliebe, durch Golgatha bewährt. Smaragd, lebhaft grün wie Gras (Off 4,3), die völlig erfüllte Hoffnung, Triumph der Gnade, Vorhang zerrissen, kein Gericht mehr. Sardonyx, weiß und rot, Würde und Ehre des Herrn als dem Sieger durch das Kreuz (Hld 5,10). Sardis, feurig blutrot, nicht funkelnd, Gottes ewige Liebe (1. Kor 13), ohne Schatten von Wechsel und ohne Ende. Die Schönheit wird unsere Herzen entflammen, indem wir Ihn selbst betrachten (Hld 8,6.7). Chrysolith, hell, moosgrün oder goldgelb; Herablassung, Hörer vom Thron herab für die Geringen der Erde, also Huld Gottes (Dan 10,3.12). Beryll, hell, meergrün; ausgedehnte Güte Gottes ohne Grenzen (Ps 104,25; 36,8.12; 106,1; 103,17). Topas, dunkel, rötlich gelb, segnende, fürbittende Hände (Hld 5,14). Chrysopras, gelbgrün, wie das Apfelblatt (Hld 2,3). Leben und Nahrung, der Herr als Baum des Lebens; Offenbarung 2,4: davon essen, Psalm 91,1: unter seinem Schatten wohnen. Hyazinth, braunrot, gelbrot gestreift (siehe 4. Mo 19,10: die junge rote Kuh; Heb 9,13); ewige Reinigung durch Christus, den Hohenpriester. Amethyst, dunkelviolett, Unwandelbarkeit, Beständigkeit, gegründet auf die ewige Reinigung.
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