Ich sah den Himmel geöffnet
Offenbarung 19-22

Der ewige Zustand

Ich sah den Himmel geöffnet

Neuer Himmel und neue Erde

Mit den ersten acht Versen des 21. Kapitels in der Offenbarung kommen wir zu einem Abschnitt, der uns die Ewigkeit schildert. Es gibt ein altes Kirchenlied, das mit den kraftvollen, beeindruckenden Worten beginnt:

„O Ewigkeit, du Donnerwort!“

So manches Mal habe ich über die Wahrheit dieser kurzen Zeile nachgedacht. Der Gedanke der Ewigkeit ist tatsächlich so gewaltig, daß er unser schwaches Herz zu zersprengen droht. Was «Ewigkeit» wirklich ausdrückt, kann kein menschlicher Sinn erfassen. Was schließt «ewiges Verlorensein», was «ewige Glückseligkeit» in sich? So unermeßlich ist die Tragweite und die Veränderung, die das Wort ausdrückt, daß kein sterblicher Mensch sich auch nur in etwa davon eine Vorstellung machen kann. Darin wird sicher auch der Grund dafür liegen, daß die Heilige Schrift uns nur sehr wenig über die Ewigkeit offenbart hat. Direkte Hinweise auf den ewigen Zustand werden uns in 1. Korinther 15, Verse 24–28, in Epheser 3, Vers 21, und in der schon erwähnten Stelle aus 2. Pet 3, Vers 13, gegeben. Der Ausdruck «Seine Ruhe», die Ruhe Gottes, in Hebräer 3 und 4 bezieht sich in seiner vollen Bedeutung ohne Frage auch auf den ewigen Zustand.

Die weitestgehende, ausführlichste Schilderung dessen, was wir den «ewigen Zustand» nennen, finden wir in den ersten acht Versen des 21. Kapitels der Offenbarung. Diese Verse bilden den Abschluß jenes Abschnittes in diesem Buch, der die endzeitlichen Ereignisse in knapper, streng chronologischer Form schildert. Wir erinnern uns, daß dieser Abschnitt mit Kapitel 19, Vers 11, das heißt mit dem Herabkommen Christi aus dem geöffneten Himmel, beginnt. Zuletzt hatten uns nach dem Tausendjährigen Reich die letzte Schlacht um die „geliebte Stadt“, das Hinabgeworfen-Werden des Teufels in den Feuersee, die Auferstehung der Toten und deren endgültiges Gericht vor dem großen weißen Thron beschäftigt. Gehörte die Auferstehung aller gesetzlosen Menschen noch der Zeit an, so findet ihr Gericht vor dem großen weißen Thron bereits an der Schwelle zur Ewigkeit statt. Was uns in den ersten acht Versen des 21. Kapitels vorgestellt wird, schließt sich also direkt an das Ende des 20. Kapitels an.

Insofern ist die Kapiteleinteilung hier eher unglücklich und irreführend. Würde das neue Kapitel mit Vers 9 begonnen haben, so würde die Gliederung des Textes wesentlich besser erkennbar sein. Ich habe schon ganz zu Anfang dieser Arbeit darauf hingewiesen, daß nach der Schilderung des ewigen Zustandes in den ersten acht Versen des 21. Kapitels eine Art «Rückblende» oder Rückschau auf die Zeit des Reiches vorher gegeben wird. Dieser Abschnitt reicht bis Kapitel 22, Vers 5, und beschreibt die Versammlung in Herrlichkeit in ihren Beziehungen zur Erde während des Tausendjährigen Reiches. Daß dies so ist, werden wir im einzelnen noch sehen, und auch die Gründe für eine derartige Rückschau werden wir mit Gottes Hilfe untersuchen. Doch ist es für den Augenblick wichtig, wenigstens dies festzuhalten: Alles, was ab Kapitel 21, Vers 9, mitgeteilt wird, bezieht sich auf Vorgänge, die zeitlich vor dem in den Versen i bis 8 Geschilderten liegen.

Wenn wir uns nun Gedanken darüber machen möchten, was uns die Heilige Schrift an dieser Stelle über den ewigen Zustand vorstellt, so können wir nur Gott um die Gnade bitten, daß Er uns dafür die nötige Ehrfurcht und Nüchternheit, aber auch ein weites Herz schenken möge. Er möge uns einerseits davor bewahren, über das hinauszugehen, was offenbart ist; aber Er möge uns andererseits auch helfen, fleißig das zu erforschen und zu erfassen, was über diesen erhabenen Gegenstand zu offenbaren Ihm gefallen hat!

Inwiefern sind Himmel und Erde «neu»?

Mit dem achten „Und ich sah“ wird die letzte Szene dieser Serie von Gesichten eingeleitet:

„Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen, und das Meer ist nicht mehr“ (Off 21, 1).

Wir haben im vorigen Kapitel gesehen, wie vor dem Angesicht Dessen, der auf dem Throne saß, die Erde und der Himmel «entflohen». Hier wird darauf Bezug genommen und gesagt, daß der erste Himmel und die erste Erde «vergangen» waren. Daß das nicht ihre «Vernichtung» bedeutet, ist bereits bemerkt worden. Wenn Gott in Hebräer 1, Verse 11.12, von dem Untergehen der Erde und der sichtbaren Himmel spricht – und nur um diese handelt es sich, nicht um die ewige Wohnstätte Gottes –, dann vergleicht Er sie mit einem veraltenden Kleid, das der Sohn, der Herr Jesus, wie ein Gewand zusammenwickeln wird. Nun, «Zusammenwickeln» ist nicht Vernichtung. Und so wird auch hinzugefügt: „Und sie werden verwandelt werden.“ Der Apostel Paulus schreibt in Übereinstimmung damit den Korinthern: „Denn die Gestalt1 dieser Welt vergeht“ (1. Kor 7, 31), das heißt die Gestalt, in der wir sie heute kennen.

Gott wird alles neu machen. Alles wird neu aus der Hand Dessen hervorgehen, der auf dem Thron sitzt (Vers 5). Dazu bedarf es neben sittlicher Veränderungen auch umwälzender physikalischer Umgestaltungen von unvorstellbarem Ausmaß. Sie werden die Erde und den zu ihr gehörenden Himmel neu machen, aber nicht in dem Sinne neu, daß es eine völlig andere Erde, ein völlig anderer Himmel sein wird. «Neu» bezeichnet offenbar einen anderen Zustand von Erde und Himmel. Das wird unterstrichen durch das Wort, das der Heilige Geist hier für «neu» benutzt.

Die griechische Sprache besitzt mehrere Wörter, die den Gedanken an etwas Neues ausdrücken. Aber das hier benutzte, «kainös», bedeutet «neu» im Sinne von Jung, frisch, ungebraucht, unbekannt, ungewohnt^ nicht neu der Zeit nach, sondern neu der Erscheinungsform, der Qualität, dem Charakter nach. Nun, genau das scheint hier der Gedanke zu sein, wenn von einem neuen Himmel und einer neuen Erde gesprochen wird. Bemerkenswert ist noch, daß der Gegensatz zwischen «neuem» und «erstem» Himmel, zwischen «neuer» und «erster» Erde gemacht wird.

Wenn schon der Prophet Jesaja im Auftrag Gottes als erster von einem neuen Himmel und einer neuen Erde sprach, so liegt dieselbe Bedeutung für «neu» vor: „Denn siehe, ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde; und der früheren wird man nicht mehr gedenken, und sie werden nicht mehr in den Sinn kommen“ (Kap. 65,17). Die Septuaginta, die griechische Übersetzung des Alten Testaments, gebraucht denn auch hier (und in Kapitel 66, Vers 22) das Wort «kainös».

Nur müssen wir festhalten, daß diese Stellen noch nicht den ewigen Zustand beschreiben. Obwohl dieselben Ausdrücke «neuer Himmel und «neue Erde» verwendet werden, ist damit jedoch kaum mehr gemeint, als daß im Tausendjährigen Reich der Himmel und die Erde in sittlicher Hinsicht neu sein werden. Nicht nur wird der Himmel von der Gegenwart und Macht Satans befreit sein (Off 12, 10//; Eph 6, 12), sondern auch die Erde, ja, die ganze Schöpfung wird von der Knechtschaft des Verderbnisses freigemacht, von den Folgen des Fluches befreit sein (Röm 8, 21; Ps 67; 72).

Das wird in der Tat ein wunderbarer, gesegneter Zustand für Himmel und Erde sein. Der ewige Zustand jedoch ist es noch nicht. Denn noch immer wird trotz allen Segens in der Zeit der Friedensherrschaft Christi der Tod Bestand haben (Jes 65, 20). Auch «Inseln» und «Schiffe» wird es in jener Zeit des Reiches geben (Jes 60, 9), was fraglos das Meer voraussetzt.

In Offenbarung 21 dagegen wird ausdrücklich festgestellt: „Und das Meer ist nicht mehr“ (Vers 1).

Diese Aussage kann sicherlich in mehrfacher Weise gedeutet werden. Erinnern wir uns zuerst an die symbolische Bedeutung von «Meer». Es bildet in Aufruhr befindliche Völkermassen vor, die sich der Kontrolle durch die Regierung Gottes entziehen (Kap. 13, 1; Dan 7, 2.3; Jes 57, 20). «Meer» trägt den Gedanken von dem in sich, was vage, unbestimmt, instabil, ungezähmt ist, was sich keiner göttlichen oder menschlichen Ordnung unterwirft.

Wenn wir diese verschiedenen Züge im Auge behalten, wie bedeutungsvoll wird uns dann dieses Wort: „Und das Meer ist nicht mehr“! Auf der neuen Erde wird es – ganz im Gegensatz zu heute – nichts mehr geben, was vage oder unsicher, was instabil oder ungezügelt ist, nichts, was nicht der Kontrolle Gottes unterworfen ist. Alles wird in vollkommener Übereinstimmung und Harmonie mit Seinem Willen sein.

Erst dann, so scheint mir, wird die so weitreichende Bitte des sogenannten Vaterunsers „Dein Wille geschehe, wie im Himmel also auch auf Erden“ (Mt 6, 10) völlig erfüllt sein. Von all den vielen Bewohnern des Himmels und der Erde wird es auch nicht einen geben, der nicht in allem dem Willen Gottes entspricht. „Gesegnete Zeit!“, möchte man ausrufen, wenn man es noch «Zeit» nennen könnte; denn es ist die Ewigkeit. Die Zeit ist dann bereits in den ewigen Tag Gottes übergegangen (2. Pet 3, 12).

Aber das Meer war auch das Element, das die Kontinente trennte. Und so lernen wir hier, daß es auf der neuen Erde nichts mehr geben wird, was die Menschen voneinander trennen könnte. Wie beglückend ist auch dieser Gedanke! Nichts wird die Bewohner der Erde mehr daran hindern, ungestört miteinander zu verkehren und Gemeinschaft zu haben. Gott wird dazu jede Barriere beseitigen.

Doch es scheint mir, daß «Meer» hier auch ganz buchstäblich verstanden werden kann. Diese Sichtweise wird auch dadurch gestützt, daß in dem uns beschäftigenden Abschnitt (Kap. 19, 11 – 21, 8) die symbolische Sprache in den Hintergrund tritt und das Wort «Meer» tatsächlich in dem materiellen Sinn benutzt wird: „Und das Meer gab die Toten, die in ihm waren“ (Kap. 20, 13). Wenn aber das Meer und damit auch die uns bekannte Atmosphäre nicht mehr bestehen, kann kein organisches Leben existieren. Es wird nach gewaltigen physikalischen Veränderungen ein neues, ein anderes Leben auf der neuen Erde geben – ein Leben höherer Ordnung. Erlöste, verwandelte Menschen werden auf ihr leben, wie wir sogleich noch sehen werden.

„Das Meer ist nicht mehr“ – glückseliger Gedanke! Dieser unvollkommene Zustand, der durch das Meer gekennzeichnet ist, wird für immer ein Ende haben. Das, was die Menschen trennte, was die Ordnung (die Erde) verwüstete, verschwendete, verschlang, wird nicht mehr bestehen. Alles wird statt dessen miteinander verbunden, sicher und stabil sein, ewig gesichert. Die Menschen werden in Frieden und Glück auf der neuen Erde wohnen. Alles wird vollkommen sein und ewig so bleiben – zur Verherrlichung Gottes. Wunderbarer Ausblick!

Das neue Jerusalem

Doch nun nimmt den Blick des Sehers ein anderer Gegenstand gefangen:

„Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel herniederkommen von Gott, bereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut“ (Vers 2).

Wenn es um den neuen Himmel und die neue Erde geht, wird uns keinerlei Beschreibung von deren Größe, Aussehen oder Beschaffenheit gegeben. Es genügte, uns mitzuteilen, daß sie eben völlig neu und für die ewige Entfaltung der Herrlichkeit Gottes die geeignete, unveränderliche Plattform bilden würden.

Doch mit dem, was Johannes jetzt schaut, verhält es sich anders. Er sieht eine Stadt aus dem Himmel herniederkommen, und von ihr sagt er beschreibend fünf Dinge, die uns ein umfassendes Bild von ihr liefern:

  1. sie ist heilig;
  2. sie ist in ihrem Charakter als „Jerusalem“ neu;
  3. ihre Herkunft und ihr Charakter sind himmlisch;
  4. ihr Ursprung ist göttlich;
  5. sie ist bereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut.

Allein ein flüchtiger Blick auf diese fünf Charakterzüge der Stadt vermittelt uns den Eindruck, daß sich hinter dem Bild der «Stadt» die Versammlung Gottes, die wahre Kirche in Herrlichkeit verbirgt. Dieser Eindruck wird bei eingehenderer Betrachtung zur Gewißheit, die sich noch verfestigt, wenn wir das hinzunehmen, was uns im nächsten Abschnitt über diese Stadt gesagt wird. Wenn wir uns dort auch in der (dann zurückliegenden) Epoche des Tausendjährigen Reiches befinden, so ist doch bedeutsam, daß auch dort die «heilige Stadt, Jerusalems mit der «Braut, dem Weib des Lammes» gleichgesetzt wird.

Von «Babylon», der falschen Kirche der Endzeit, wird als der «großen Stadt» gesprochen (Kap. 18,10.16.18). Aber die wahre Kirche bildet die «heilige Stadt». Alles in ihr ist in Übereinstimmung mit dem Wesen Gottes (Eph 1, 4) und der ganzen Szene, in der sie sich bewegt. Die Bezeichnung «heilige Stadt» kommt dreimal in der Offenbarung vor (Kap. 11, 2; 21, 2; 22, 19). Während sich die erste Stelle auf das buchstäbliche, irdische Jerusalem bezieht, weisen die beiden anderen auf den heiligen Charakter der verherrlichten Kirche hin. Es bleibt noch zu bemerken, daß das Bild einer «Stadt» von einem geordneten, (in diesem Fall) von Gott geschaffenen System redet, innerhalb dessen Gemeinschaft besteht und Beziehungen genossen werden und wo es Platz zum Wohnen, zum Bleiben gibt. Wie erfreut uns auch dieser Gedanke! Nie zuvor jedoch wird im Neuen Testament die Versammlung mit einer Stadt verglichen, erst am Ende des Buches der Offenbarung geschieht das.

Aber diese Stadt, die verherrlichte Versammlung, wird auch das neue Jerusalem genannt. Schon in Seinen Verheißungen an den Überwinder in Philadelphia weist der Herr Jesus auf diese Szene in der Ewigkeit hin und spricht von der „Stadt meines Gottes“, dem „neuen Jerusalem, das aus dem Himmel herniederkommt von meinem Gott“ (Kap. 3, 12). Die Bezeichnung «neues Jerusalems soll sicherlich den Gegensatz zum «alten» Jerusalem, der mit Gottes irdischem Volk verbundenen buchstäblichen Stadt, hervorheben. In Kapitel 20 fanden wir für letztere den lieblichen Titel «geliebte Stadt» (Vers 9). Diese Stadt hat jedoch dann ihren Dienst erfüllt, hat zu bestehen aufgehört. Das »Jerusalem droben» aber, „welches unsere Mutter ist“ (Gal 4, 26) und dann den Namen »neues Jerusalem» tragen wird, bleibt auf ewig. Dabei ist es bemerkenswert, daß die Versammlung zur Zeit der tausendjährigen Herrschaft Christi wohl als «heilige Stadt, Jerusalem» beschrieben wird (Off 21, 10); den Titel «neu» (gr. kainös) hingegen trägt sie erst im ewigen Zustand. So wird dieses Attribut «neu» nur dem neuen Himmel, der neuen Erde und dem neuen Jerusalem im ewigen Zustand beigelegt. „Siehe, ich mache alles neu“ ist das Wort Dessen, der auf dem Thron sitzt (Vers 5).

Daß die Stadt aus dem Himmel herniederkommt, zeigt, daß die Heimat der Versammlung, ihre eigentliche Wohnstätte der Himmel ist. Dort, wo Gott wohnt, ist auch sie zu Hause. So trägt sie ganz und gar einen himmlischen Charakter. Grundsätzlich ist das schon heute von den Erlösten der Gnadenzeit wahr. Gott hat sie gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern (Eph 1, 3) und läßt sie in Christus mitsitzen in den himmlischen Örtern (Eph 2, 6). Wie wenig wir das auch verwirklichen und genießen mögen, das ist unsere Stellung. „Wie der Himmlische, so sind auch die Himmlischen“, wird uns im ersten Korintherbrief gesagt (Kap. 15, 48). Doch welch einen Wechsel wird es für uns bedeuten, wenn wir die uns in Christus geschenkten Segnungen in der Herrlichkeit des Himmels und in der unmittelbaren Gegenwart Gottes in vollkommener Weise werden genießen können!

Der Ausdruck «von Gott» weist darauf hin, daß die Versammlung, die dann in der Herrlichkeit ist, göttlichen Ursprungs ist. In Seinem Herzen ist die Quelle für alles das zu finden, was die Versammlung ist und genießt. Alles geht von Ihm aus. Die Versammlung ist das Werk Seiner Hände, Seine höchste Schöpfung. Und bewegt es uns nicht zutiefst, wenn wir an den unvorstellbar hohen Kaufpreis denken, den Er einst für sie entrichtet hat: daß Er sie Sich erworben hat „durch das Blut seines Eigenen“ (Apg 20, 28)?

Aber dann wechselt plötzlich das Bild von einer Stadt zu dem einer Braut: „bereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut.“ Das Symbol einer Stadt genügt nicht mehr, wenn es darum geht, die Zuneigungen des Herrn zu Seiner Versammlung darzustellen. Über tausend Jahre sind seit der Hochzeit des Lammes verflossen, und dort hieß es: „Und sein Weib hat sich bereitet“ (Kap. 19, 7.8). Inzwischen sind Himmel und Erde aufgelöst worden, haben Zeit und Vergänglichkeit der Ewigkeit und absoluter Beständigkeit Platz gemacht. Aber die Zuneigungen zwischen Bräutigam und Braut und umgekehrt sind so frisch und ungetrübt wie je zuvor. Nach tausend Jahren unvorstellbarer Herrlichkeit und Segnung wird die Versammlung immer noch als eine für ihren Mann geschmückte Braut gesehen. Sie hat für den Herrn Jesus nichts von ihrer Frische und Schönheit eingebüßt.

Von Anfang an hatte Er die Versammlung in ihrer Schönheit gesehen und ihretwegen alles aufgegeben, was Er hatte, um diese «Perle» zu besitzen (Mt 13, 45.46). Ja, Er hatte die Versammlung geliebt und Sich selbst für sie hingegeben. Das war der höchste Ausdruck Seiner Liebe für sie gewesen. Nachdem Er sie für Sich gewonnen hatte, hatte Er sie während der Zeit ihres Bestehens auf der Erde in Seiner nie ermüdenden Liebe gepflegt und gereinigt. Sie sollte Ihm sittlich schon auf der Erde möglichst weitgehend entsprechen. Aber ein dritter wunderbarer Beweis Seiner Liebe war es dann gewesen, daß Er sie zu Sich genommen und sie Sich verherrlicht dargestellt hatte, daß sie „nicht Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern daß sie heilig und tadellos sei“ (Eph 5, 25–27). Seitdem weilte sie bei Ihm in der Herrlichkeit, und Er sättigte Sich an dem Anblick Seiner verherrlichten Braut, um die Er einst am Kreuz, von Nacht umhüllt, gerungen hatte.

Ja, Seine Liebe ist so unveränderlich wie Er selbst. Sie war es gestern, sie ist es heute, und sie wird in alle Ewigkeit dieselbe bleiben. Die innigen Beziehungen zwischen Christus und der Versammlung, dargestellt durch das Verhältnis von Bräutigam und Braut, werden ewig unverändert, ewig frisch bleiben. Obwohl die Versammlung das Weib des Lammes» ist, ist und bleibt sie immer auch die «Braut». Das wurde schon im Tausendjährigen Reich sichtbar (Off 21, 9), und so wird es auch im ewigen Zustand sein und bleiben. Die Beschreibung „bereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut“ ist dafür ein zusätzlicher Beleg.

Wer kann die Liebe Christi, wer die Gnade Gottes ermessen, die ewig uns geschenkt sein werden? Gewiß, Gott wird in den kommenden Zeitaltern (d.h. in der Ewigkeit) den überschwenglichen Reichtum Seiner Gnade in Güte gegen uns erweisen in Christus Jesus (Eph 2, 7).

Die Hütte Gottes bei den Menschen

Eine laute Stimme aus dem Himmel erheischt nun die Aufmerksamkeit des Sehers:

„Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Himmel sagen: Siehe, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott“ (Vers 3).

Wir wollen die Fülle der in diesem Vers enthaltenen Gedanken in fünf Bereiche gliedern, die wir in etwa durch folgende Fragen umreißen können:

(1) Was ist unter dem Bild der «Hütte Gottes» zu verstehen?

(2) Wer sind die «Menschen» auf der neuen Erde?

(3) Warum wird nicht mehr das «Lamm» erwähnt?

(4) Warum wird von der «Hütte» gesprochen, nicht von einem «Tempel»?

(5) Welche Beziehungen der Erlösten zu Gott werden in der neuen Schöpfung bestehen?

Natürlich überlappen sich die einzelnen Fragenkomplexe etwas. Dennoch wollen wir versuchen, sie möglichst getrennt und folgerichtig zu betrachten. Der erste Bereich hat die Hütte Gottes zum Inhalt.

Wer bildet die Hütte Gottes?

Viel ist über die Frage nachgedacht und geschrieben worden, was unter dem Bild der «Hütte Gottes» zu verstehen sei. Denn weitreichende Folgen ergeben sich aus ihrer Beantwortung. Doch so schwierig gestaltet sich die Beantwortung der Frage gar nicht, wenn wir die Verbindung des dritten Verses mit dem vorhergehenden beachten.

Der Seher sieht die heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel herniederkommen von Gott. Und während er den Vorgang verfolgt, hört er eine laute Stimme aus dem Himmel über die Hütte Gottes sprechen. Was liegt näher als die Annahme, daß die Stimme von derselben Sache redet, die der Seher gerade schaut? Ohne Zweifel, bei der Hütte Gottes handelt es sich um denselben Gegenstand wie bei der heiligen Stadt, dem neuen Jerusalem – um die Versammlung Gottes in Herrlichkeit.

Nun ist die «Hütte Gottes» ein Symbol von dem Wohnort Gottes. Mannigfach sind die Stellen in den Briefen des Neuen Testaments, die von der Versammlung während der Haushaltung der Gnade als dem «Haus» und dem «Tempel Gottes» sprechen. Wir greifen eine der wichtigsten und umfassendsten heraus. Da sie die Segnungen derer beschreibt, die in der Zeit der Gnade aus den Nationen gläubig geworden und der Versammlung zugefügt worden sind, ist sie für uns von besonderer Bedeutung: „Also seid ihr denn nicht mehr Fremdlinge und ohne Bürgerrecht, sondern ihr seid Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes, aufgebaut auf die Grundlage der Apostel und Propheten, indem Jesus Christus selbst Eckstein ist, in welchem der ganze Bau, wohl zusammengefügt, wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn, in welchem auch ihr mitaufgebaut werdet zu einer Behausung Gottes im Geiste“ (Eph 2, 19–22).

Das also war die Versammlung gewesen, als sie noch auf der Erde war: eine Behausung Gottes im Geiste. Und diese Behausung wuchs immerfort, wuchs zu einem heiligen Tempel im Herrn. Mit der Entrückung der Gläubigen hatte das Wachstum des Baues jedoch seinen Abschluß gefunden, und in dem ewigen Zustand präsentiert er sich nun als Hütte Gottes, die aus dem Himmel auf die neue Erde herabkommt. Wie schön ist das! Gott wohnte durch Seinen Geist in dieser Behausung, als sie ihren Platz noch auf der Erde hatte. Und im ewigen Zustand hat sich grundsätzlich nichts daran geändert: Sie ist ewig der unmittelbare Wohnort Gottes.

Daß die Hütte Gottes dabei auf die Erde kommt, wird uns noch beschäftigen. Im Augenblick genügt es festzustellen, daß das in gewissem Gegensatz zur Zeit des Tausendjährigen Reiches steht. Denn dann wird zwar die heilige Stadt, Jerusalem, ebenfalls aus dem Himmel von Gott herniederkommen, aber sie scheint nicht direkt auf die Erde zu kommen, sondern über der Erde zu stehen (Off 21, 9ff).

Die Menschen auf der neuen Erde

Wer die Menschen auf der neuen Erde sind und wie sie dorthin gekommen sind, ist in der Heiligen Schrift nicht ausdrücklich offenbart. Doch können wir aus dem, was sie hier und an anderer Stelle sagt, durchaus Schlußfolgerungen ziehen, die der Wahrheit entsprechen.

Daß es sich ausnahmslos um erlöste Menschen handelt, habe ich bereits erwähnt, und es versteht sich eigentlich von selbst. Und daß sie nicht mit ihren natürlichen Körpern auf dem ewigen Schauplatz der Gnade und Herrlichkeit Gottes weilen können, ist ebenfalls einleuchtend. Denn Fleisch und Blut können das Reich Gottes – und das meint das Reich Gottes auf der anderen Seite des Todes – nicht ererben (1. Kor 15, 50). Diese Erlösten werden also mit verwandelten, verherrlichten Leibern auf der neuen Erde sein.

Aber warum werden sie einfach nur «Menschen» genannt? Dadurch wird zum einen deutlich gemacht, daß es im ewigen Zustand nicht mehr voneinander unterschiedene Nationen gibt. Nationale Grenzen und Unterschiede haben zu bestehen aufgehört. Die Zeit dagegen ist durch Trennung der Menschen in Völker und Nationen gekennzeichnet, und auch im Tausendjährigen Reich wird das noch der Fall sein (Off 2,1, 24.26; 22, 2).

Diese Aufhebung nationaler Unterschiede ist im geistlichen Sinn schon heute beglückende Wirklichkeit. Wenn sich ein Jude bekehrt, hört er auf, ein Jude zu sein. Wenn einer aus den Nationen zum Glauben an Christus kommt, hört er auf, einer aus den Nationen zu sein. Man gehört entweder zu den »Juden» oder zu den «Griechen» oder zur »Versammlung Gottes», wie uns 1. Korinther 10, Vers 32, belehrt. „Da ist nicht Jude noch Grieche, da ist nicht Sklave noch Freier, da ist nicht Mann und Weib; denn ihr alle seid einer in Christo Jesu“ (Gal 3, 28).

Zum anderen aber wird durch die Verwendung des Ausdrucks «Menschen» eine Abgrenzung dieser Heiligen von den Erlösten der Gnadenzeit, der «Hütte Gottes», geschaffen. Im ewigen Zustand wird es somit nur noch zwei Gruppen von Erlösten geben. Sie werden, was den Stand ihrer Segnungen angeht, klar voneinander unterschieden.

Auf der einen Seite werden die «Menschen» gesehen – alle Heiligen also, die nicht zur Versammlung, dem Weib des Lammes, gehören. Ob es sich um die Heiligen von Adam bis zum ersten Kommen des Herrn oder um die Erretteten aus der Zeit nach der Entrückung bis zum Ende des Tausendjährigen Reiches handelt, ob sie aus dem Volk Israel oder aus den Nationen kommen – sie alle genießen in ewiger Glückseligkeit die Segnungen der neuen Schöpfung.

Auf der anderen Seite wird von den «Menschen» die «Hütte Gottes» unterschieden. Wir-lernen daraus, daß die Versammlung nie die ihr eigene Stellung verlieren wird, die sie durch die Gnade Gottes erlangt hat. Sie wird im ewigen Zustand als eine von den Menschen auf der neuen Erde unterschiedene Sache gesehen. Daß zwischen beiden gesegnete Beziehungen bestehen, wird uns noch beschäftigen. Die Unterscheidung selbst jedoch wird ewig Bestand haben. Gott in Seiner Souveränität hat diese Unterschiede gewollt, und Er wird sie ewig bestehen lassen. Sie offenbaren nur Seine eigene Vollkommenheit und

Gnade. Denn bedenken wir, vollkommen glückselig werden sie alle sein, die einen wie die anderen. Doch sind wir wohl glücklich und dankbar genug dafür, Geliebte, daß wir zur Versammlung des lebendigen Gottes gehören dürfen? Die ihr geschenkten Segnungen werden bei weitem alles übertreffen, dessen sich die Menschen auf der neuen Erde werden erfreuen können. Im «Haus des Vaters» zu weilen wird nur das Vorrecht derer sein, die in der Zeit der Gnade errettet wurden (Joh 14, 2.3).

Warum wird das «Lamm» nicht erwähnt?

Es ist auffallend, daß wir hier bei der Schilderung des ewigen Zustandes nichts mehr direkt von dem Herrn Jesus, dem «Lamm Gottes», hören, sondern daß nur noch von «Gott» gesprochen wird. Vielleicht verspürt der eine oder andere eine gewisse Enttäuschung darüber. Doch dazu besteht absolut keine Veranlassung, wenn wir die Hintergründe dafür kennenlernen.

Die Antwort gibt uns der eingangs dieses Kapitels bereits erwähnte Abschnitt aus 1. Korinther 15 (Verse 24–28). In diesem Abschnitt erfahren wir nämlich Einzelheiten über den ewigen Zustand, die uns im Buch der Offenbarung nicht mitgeteilt werden. Nachdem der Verfasser von der Ankunft Christi, der Entrückung, einen großen Sprung direkt bis ans Ende gemacht hat, beschreibt er, was das «Ende» kennzeichnen wird: „Wenn er das Reich dem Gott und Vater übergibt, wenn er weggetan haben wird alle Herrschaft und alle Gewalt und Macht. Denn er muß herrschen, bis er alle Feinde unter seine Füße gelegt hat“ (Verse 24–25).

Der Herr Jesus muß und Er wird herrschen, im Tausendjährigen Reich und danach. Wir haben das betrachtet. Als Sohn des Menschen wird Er diese Herrschaft ausüben, nicht als Gott, der Sohn. Dementsprechend ist Ihm diese Herrschaft von dem «Alten an Tagen» verliehen worden (Dan 7, 13.14). Das Ende dieser Herrschaft wird darin gipfeln, daß alle Gerechten in die Segnungen der neuen Schöpfung eingeführt und alle Gesetzlosen in den Feuersee geworfen worden sind. Damit schließt das Reich. Ist dieses Ende erreicht, übergibt Christus Gott, dem Vater, wieder das Reich, weil Er alles in vollkommene Übereinstimmung mit Ihm gebracht hat und es somit nichts mehr zu regieren gibt.

Aber der Herr Jesus wird ewig Mensch bleiben, ohne allerdings je Seine Gottheit aufzugeben. Daß Er Mensch bleiben wird, wird daran erkennbar, daß Er auch in der Herrlichkeit den Platz der Unterordnung unter Seinen Vater einnehmen wird, wie Er es getan hat, als Er in Niedrigkeit auf der Erde war. Das ist das Wunderbare, das uns tatsächlich nur an dieser Stelle mitgeteilt wird. „Wenn ihm aber alles unterworfen sein wird, dann wird auch der Sohn selbst dem unterworfen sein, der ihm alles unterworfen hat, auf daß Gott alles in allem sei“ (1. Kor 15, 28).2 Das Endziel von allem also ist, daß Gott „alles in allem“ sei. Das bedeutet: In der Ewigkeit wird Gott als solcher die absolute Oberherrschaft über alles haben. Wenn ich „Gott als solcher“ sage, dann bedeutet das die Gottheit als Ganzes – Vater, Sohn und Heiliger Geist. In dieser außerordentlich weitreichenden Mitteilung finden wir denn auch den Grund dafür, daß in der Beschreibung des ewigen Zustandes im Buch der Offenbarung die Person des Sohnes nicht mehr besonders erwähnt wird. Gott ist dann alles in allem.

Es ist vielleicht gut, in diesem Zusammenhang noch dies zu erwähnen: Selbst nach Abschluß der vermittelnden Herrschaft durch Christus als Mensch wird es immer eine ewige, göttliche Herrschaft geben. Die Erlösten werden daran Anteil haben, wie uns Offenbarung 22, Vers 5, zeigt: „Und sie werden herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ Dem „Herrschen im Leben durch den Einen, Jesus Christus“, sind keine zeitlichen Grenzen gesetzt (Röm 5, 17).

Über den Ausdruck «Hütte Gottes»

Viele Kinder Gottes hat die Frage bewegt, warum im ewigen Zustand von der «Hütte» oder dem «Zelt» Gottes gesprochen wird, nicht aber, wie man es eher erwartet hätte, von einem «Tempel». Wenn alles in der neuen Schöpfung den Stempel der Beständigkeit tragen wird, warum wird dann vom Wohnort Gottes ein Bild wie «Zelt» benutzt, das vom Umherziehen in der Wüste redet?

Nun, unter den Menschen zu wohnen, sie zu Seiner Wohnstätte zu machen, war von Anbeginn die Absicht Gottes. Diesen Vorsatz Gottes können wir nur anbetend bewundern. Bei dem ersten Menschen jedoch im Garten Eden konnte Gott nicht wohnen, Er besuchte ihn. Zuerst mußte die Frage der Verantwortlichkeit des Menschen geklärt, mußte geprüft werden, ob er Gott gehorchen würde. Wir wissen, wie diese Erprobung ausging: Er gehorchte nicht und wurde hinausgetrieben.

Nachdem die Sünde in die Welt gekommen war, konnte Gott erst recht nicht bei dem Menschen wohnen. So hören wir auch nichts von einem Wohnen Gottes in der Zeit der Patriarchen. Gott besuchte Abraham und gab ihm kostbare Verheißungen (1. Mo 17; 18). Er erschien ihm, aber Er wohnte nicht bei ihm. Erst als das Volk Israel aus Ägypten erlöst und durch das rote Meer gezogen war (ein Vorbild der durch den Tod und die Auferstehung Christi erwirkten Erlösung), sagte Gott zu Mose: „Sie sollen mir ein Heiligtum machen, daß ich in ihrer Mitte wohne“ (2. Mo 25, 8). Dieses Heiligtum wurde auch in der Wüste errichtet, und Gott ließ Sich herab, symbolisch in dieser «Hütte» (Ps 76, 2; 2. Sam 11, n), diesem «Zelt» (2. Mo 27, 21; 5. Mo 31,15) zu wohnen (2. Mo 40, 34–38). Und weil die «Stiftshütte» der erste Wohnplatz Gottes unter Menschen war, wird auf sie, so denke ich, in der Offenbarung Bezug genommen.

Als dann die zwölf Stämme Israels, mit dem Heiligtum Gottes in der Mitte (4. Mo 10), durch die Wüste zogen, gab Gott den Israeliten für die Zeit, wann sie das Land Kanaan erreicht haben würden, neue Verheißungen, die allerdings von ihrem Verhalten abhängig sein würden: „Und ich werde meine Wohnung in eure Mitte setzen, und meine Seele wird euch nicht verabscheuen; und ich werde in eurer Mitte wandeln und werde euer Gott sein“ (3. Mo 26, 11.12). Wohl wurde unter Salomo der Tempel gebaut, aber durch die Untreue des Volkes wurden die Verheißungen Gottes nie in ihrer ganzen Tragweite erfüllt. Und weil Gott Seine Gnadenabsichten von nichts und niemand durchkreuzen läßt, wiederholte Er Seine Zusagen durch den Propheten Hesekiel für die Zeit des Tausendjährigen Reiches: „Und ich werde sie einsetzen und sie vermehren, und werde mein Heiligtum in ihre Mitte setzen ewiglich.

Und meine Wohnung wird über ihnen sein; und ich werde ihr Gott, und sie werden mein Volk sein. Und die Nationen werden wissen, daß ich Jehova bin, der Israel heiligt, wenn mein Heiligtum in ihrer Mitte sein wird ewiglich“ (Hes 37, 2,6–28).

Es wird uns aufgefallen sein, daß in Hesekiel fast dieselben Worte benutzt werden wie in unserer Stelle in Offenbarung 21. Nur tragen sie in der Schilderung des ewigen Zustandes nicht mehr den Charakter einer Verheißung. Sie stellen hier vielmehr als Tatsache fest, was in Ewigkeit den erlösten Menschen auf der neuen Erde geschenkt sein wird.

Wenn wir die drei Zitate aus 2. Mose, 3. Mose und Hesekiel miteinander verbinden, so erkennen wir, daß es seit jeher die Absicht Gottes war, Sich mit Seinem erlösten Volk zu umgeben und in seiner Mitte zu wohnen – ein Ziel, das im ewigen Zustand in absoluter Weise erreicht sein wird. Daß das irdische Heiligtum in der Wüste und im Land nicht allein ein Vorbild auf die Versammlung, die Behausung Gottes im Geiste, sondern auch auf den ewigen Zustand überhaupt ist, wird durch die Verwendung des Ausdrucks «Hütte Gottes» in unserem Vers klar erkennbar.

Wie überaus groß wird die Segnung der Menschen auf der neuen Erde sein, wie unermeßlich die Gnade Gottes! Gott wird bei Seinen erlösten Geschöpfen wohnen – zwar nicht unmittelbar, sondern mittels Seiner «Hütte» –, aber Er wird bei ihnen wohnen. „Und sie werden sein Volk sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott.“ Wer könnte das Glück beschreiben, das in diesem vertrauten, nie endenden Umgang Gottes mit den Menschen liegen wird?

Zwei Formen der Segnung

Wir haben gesehen, daß die heilige Stadt aus dem Himmel herniederkommt, um die Hütte Gottes bei den Menschen zu sein. Gott wird Sich der verherrlichten Versammlung bedienen, um durch sie bei den Menschen auf der Erde zu wohnen. Er wird nicht über ihnen wohnen (vgl. Off 7, 15), sondern bei ihnen, und sie werden Sein Volk sein.

Hier werden zwei Formen der Segnung sichtbar. Beide waren im Herzen Gottes für Seine erlösten Geschöpfe. Einerseits war es Seine Absicht, Menschen direkt als Seine «Behausung», als Sein «Heiligtum» zu besitzen. Andererseits aber wollte Er ein «Volk» haben, in dessen Mitte Er wohnen konnte. Und diese beiden Stellungen, von denen die eine in der Versammlung, die andere in Israel ihre Verwirklichung fand, werden für immer bestehen bleiben.3 Natürlich besteht insofern ein Unterschied zwischen Israel und der Versammlung, als Israel einen vorübergehenden, mehr vorbildlichen Charakter trug und von natürlichen Beziehungen, von «Fleisch» gekennzeichnet war. Die Versammlung dagegen war von Anfang an etwas Bleibendes, Wirkliches, Göttliches. Aber daß diese beiden Systeme der Segnung -Israel oder das «Volk Gottes» und die Versammlung oder die «Hütte Gottes» – ihrer Natur nach ewig sind, wird im ewigen Zustand offenbar. Dort werden beide Linien der Segnung, die von den Menschen heute so oft durcheinandergebracht werden, ihre volle Erfüllung finden. Beide werden in absoluter Harmonie miteinander bestehen und nebeneinander herlaufen in alle Ewigkeit.

Das alles ist von höchstem Interesse für uns. Und je mehr wir über die unergründlichen Gedanken Gottes nachsinnen, desto wunderbarer wird uns Seine Gnade und Liebe in Christus werden. Wir wollen und werden nie vergessen, daß es Christus war, der durch Seinen Opfertod auf Golgatha die Grundlage für alle Gnadenratschlüsse Gottes gelegt hat. Ihm bringen wir schon heute die Anbetung unserer Herzen dar, und durch Ihn Gott, dem Vater. Und während alles auf der Erde früher oder später sein Ende finden wird, diese Anbetung wird, was ihren Charakter angeht, bleiben. Gewiß, sie wird dann vollkommen sein, aber sie nimmt schon hier ihren Anfang und wird fortgesetzt werden – die ganze Ewigkeit hindurch. Und beachten wir: Sie wird Gott in der Versammlung dargebracht werden: „Ihm sei die Herrlichkeit in der Versammlung in Christo Jesu, auf alle Geschlechter des Zeitalters der Zeitalter hin! Amen“ (Eph 3, 21). Die Versammlung wird ewig das besondere Instrument zur Verherrlichung Gottes sein. Sie ist es tatsächlich heute schon.

Das Erste ist vergangen

Der vierte Vers beschreibt nun einige der Segnungen, deren sich die Menschen auf der neuen Erde erfreuen werden. Sie beziehen sich, streng genommen, nicht auf die Hütte Gottes, sondern nur auf die Menschen auf der neuen Erde. Natürlich werden sie auch das Teil derer sein, die die Hütte Gottes bilden. Aber der Zusammenhang macht klar, daß der Heilige Geist nur diese Gruppe der Erlösten im Auge hat, die nicht zu der Hütte gehören.

Auffallend ist auch, daß die Beschreibung des ewigen Zustandes in diesem Vers in negativer Form erfolgt. Das will sagen, es werden Dinge aufgezählt, die es dann nicht mehr geben wird. Offensichtlich kann uns Gott in unserem jetzigen Zustand das, was sein wird, im einzelnen nicht schildern.

„Und er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen“ (Vers 4).

Alle hier genannten Dinge gehören dem früheren Zustand, gehören der Zeit an. Sie sind durch die Sünde in die Welt gekommen. Aber in der neuen Schöpfung existiert die Sünde nicht mehr, wie wir sogleich sehen werden.

Er wird jede Träne von ihren Augen abwischen. Das ist das Erste. Natürlich wird in der Ewigkeit keine Träne mehr geweint werden. Ich sage das deswegen, weil manche Gläubige mit der Ausdrucksweise in diesem ersten Satz einige Mühe haben. „Wie kann von einem Abwischen der Tränen gesprochen werden, wenn es keine Tränen mehr gibt?“

Nun, der Sinn ist sicherlich, daß Gott dann jede Erinnerung an auf der Erde erlebtes Leid fortnehmen wird. Und welch ein liebliches Zeugnis von der Güte und Zartheit Gottes liegt in diesen Worten! Er hat die Tränen der Seinen, die sie in Gemeinschaft mit Ihm hier geweint haben, gesehen und hat sie registriert (Ps 56, 8). Jedes Erdenleid, jeder Kummer, jede Not, jede Sorge ist Ihm bekannt. Besonders weiß Er es wertzuschätzen und zu belohnen, wenn die Seinen in einer Welt der Sünde und des Todes für Seine Belange und die Seines Sohnes gelitten und geweint haben.

In der Ewigkeit jedoch wird Er jede Erinnerung an Leid von ihnen entfernen. Ja, mit ewigem Trost wird Er sie trösten. Es ist, wie wenn ein Kind eben noch geweint hat, nun aber durch den gütigen Zuspruch des Vaters wieder ein Lächeln über das Gesicht huscht. Das Weinen ist zwar vorüber, doch der Vater sieht noch die Spuren der Tränen auf den Wangen des Kindes. Zärtlich wischt er sie weg. Ja, Geliebte, so wird es sein. Gott selbst wird die Tränen abwischen, niemand anders. Dann wird das Wort wahr werden, das uns die Nacht der Tränen so manches Mal erhellt hat: „Am Abend kehrt Weinen ein, und am Morgen ist Jubel da“ (Ps 30, 5).

Auch der Tod, der König der Schrecken, wird nicht mehr sein. Er ist – im Bild von Kapitel 2,0 gesprochen – in den Feuersee geworfen worden. Die neue Schöpfung wird ihn nicht mehr kennen. Wie groß ist das! Mit ihm wird auch jede Pein, werden alle Versuchungen und Schmerzen, die mit dem Leben der Pilgerschaft und dem Leib der Niedrigkeit verbunden waren, für immer vorüber sein. Sie gehören zu dem „Ersten“, zu den „ersten Dingen, wie es wörtlich heißt, die dann vergangen sind.

Der Herr Jesus, das Lamm Gottes, war einst gestorben, um „die Sünde der Welt wegzunehmen“ (Joh 1, 29), um „die Sünde durch Sein Opfer abzuschaffen“ (Heb 9, 26). Im ewigen Zustand ist dieses Ziel vollständig erreicht. Sünde gibt es in der neuen Schöpfung nicht mehr. Infolgedessen werden auch all die bitteren Früchte der Sünde nicht mehr vorhanden sein. Trauer, Wehgeschrei (vgl. Jes 65, 19), jede Form von Schmerz, ob körperlicher oder seelischer Schmerz – alles das ist dann vergangen. Es gehörte dem früheren Zustand an. Wenn hier auch nur solche Dinge genannt werden, die es dann nicht mehr geben wird, welches gläubige Herz ist nicht über diese herrliche Aussicht beglückt? Betrachten wir nur einmal den letzten Begriff etwas genauer – Schmerz. Das griechische Wort, das hier mit «Schmerz» wiedergegeben ist, bedeutet «Pein, Mühsal, Beschwerde, Strapaze, Not, Gefahr, Schmerz, Unglück, Kummer». Allein die Aufzählung dieser Bedeutungen, die dem einen Wort «Schmerz» innewohnen, läßt uns ahnen, was das für eine wunderbare Welt sein muß, wo diese Dinge fehlen.

Eine neue Ordnung der Dinge

Die gewaltige Veränderung, die die neue Schöpfung gegenüber der alten kennzeichnen wird, findet nun ihre Begründung in den Worten Dessen, der auf dem Thron sitzt:

„Und der auf dem Throne saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu. Und er spricht [zu mir]: Schreibe, denn diese Worte sind gewiß und wahrhaftig“ (Vers 5).

Der auf dem Thron Sitzende ist zweifellos Gott. Der Herr Jesus wird zwar auch auf einem Thron sitzen, auf Seinem Thron der Herrlichkeit (Mt 25,31). Aber das gehörte dem Reich und damit der Zeit an. In der Schilderung des ewigen Zustandes wird jedoch das «Lamm», wie bereits bemerkt, nicht besonders unterschieden, weil dann Gott alles in allem ist.

Gott erklärt, daß Er alles neu macht. Er wird eine gänzlich neue Ordnung der Dinge einführen. Durch Seine göttliche Macht und Weisheit wird Er allem eine neue Gestalt und einen neuen Inhalt geben, zur Verherrlichung Seines großen und heiligen Namens. Welch ein Trost ist das für das Herz des geprüften Christen inmitten des mannigfachen Bösen dieser Zeit! Wie sehnt es sich nach diesem Zustand, wo alle Dinge neu und göttlich vollkommen sein werden!

Er selbst ist bereits eine neue Schöpfung, wie uns 2. Korinther 5, Vers 17, sagt: „Wenn jemand in Christo ist, da ist eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, alles ist neu geworden.“ Der gläubige Christ ist Bestandteil dieses neuen göttlichen Systems, in dem der auferstandene Christus Haupt-und Mittelpunkt ist. Doch nicht nur das. Es ist auch sein Vorrecht, im Glauben bereits in dieser neuen Welt, dieser neuen Schöpfung, zu leben und die Segnungen der Ewigkeit vorwegzunehmen.

Aber das ist gerade der Unterschied, der zwischen dem Heute und der Ewigkeit besteht. Heute wird das, was sittlich neu aus der Hand Gottes hervorgegangen ist, durch den Glauben erfaßt und genossen. Die neue Ordnung der Dinge ist allein für den Glauben erkennbar, allein dem Glauben zugänglich. Aber im ewigen Zustand ist es nicht mehr eine Sache des Glaubens; denn dann hat sich der Wechsel sichtbar und in jeder Hinsicht vollkommen vollzogen. Die «ersten Dinge» sind nicht mehr, die alte Schöpfung hat zu bestehen aufgehört, und nur die neue Schöpfung, die neue Ordnung der Dinge, bleibt.

„Siehe, ich mache alles neu“ – so gewaltig sind die Worte Dessen, der auf dem Throne sitzt, so weitreichend und allumfassend, daß der Redende sogleich dem Seher den Auftrag gibt: „Schreibe, denn diese Worte sind gewiß und wahrhaftig.“

Anders als bei den unzuverlässigen und oft trügerischen Worten der Menschen ist auf diese Worte aus dem Mund Gottes absoluter Verlaß. Sie sind gewiß oder zuverlässig und somit geeignet, dem Glauben als unerschütterliche Grundlage zu dienen. Sie sind wahrhaftig, wie sehr sie auch von vielen an-gezweifelt oder verdreht werden mögen. Gott wollte, daß diese Seine Worte durch Seinen Knecht in geschriebener und damit fixierter Form weitergegeben würden. Die Seinen sollten in ihnen während ihres Lebens auf der Erde ein sicheres Unterpfand finden für das, was vor ihnen liegt.

„Es ist geschehen“

Noch einmal hört Johannes Worte Dessen, der auf dem Throne sitzt:

„Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende“ (Vers 6).

Die Worte „Es ist geschehen“ können wörtlich mit „Sie sind geschehen“ wiedergegeben werden. Im Griechischen besteht dieser kurze Satz aus nur einem Wort. Dasselbe ist der Fall bei einem anderen Satz, an den wir unwillkürlich erinnert werden. Er kam einst über die Lippen des sterbenden Heilandes: „Es ist vollbracht!“ (Joh 19, 30). Liegt nicht das vollbrachte Sühnungswerk Christi allem zugrunde, was Gott in Seiner Gnade tun wird und dann – ist die Ewigkeit erst einmal angebrochen – zur Vollendung gebracht hat?

„Sie sind geschehen“ – jene Dinge wohl, die Gott in den verschiedenen Zeitaltern zu tun verheißen hat. Sie alle sind dann ewige Wirklichkeit geworden. Diese Worte markieren offensichtlich den Abschluß der Offenbarung Seiner Wege mit den Menschen. Was danach mitgeteilt wird, kann, nachdem der ewige Zustand erreicht worden ist, nur ein Zurückgreifen auf bereits Bekanntes sein. Wir haben schon bemerkt, daß ab Vers 9 genau dieses Zurückgreifen geschieht.

Doch wer hat diese erhabenen, abschließenden Worte „Es ist geschehen“ ausgesprochen? Es ist der ewige Gott.4 Er, der von allen Dingen den Anfang und das Ende in der Hand hält, das Ende vor dem Anfang kennt; Er, der vor allem da war und nach allem da sein wird; Er, durch den alles besteht und für den alles ewige Gegenwart ist – Er allein konnte derart weitreichende Verheißungen und Offenbarungen geben, und Er allein konnte sie zur Wirklichkeit werden lassen. Jetzt, da Sein Ratschluß voll und ganz erfüllt ist, kann Er mit Genugtuung Sein Wirken beenden, um nun zusammen mit Seinen Erlösten den ewigen Tag Seiner Sabbatruhe zu genießen. Er war im Anfang aus der Ewigkeit in die Zeit eingetreten mit dem Ziel, Menschen für Seine Herrlichkeit zu gewinnen. Und nun am Ende tritt Er wieder in die endlose Ewigkeit zurück – nicht allein, sondern zusammen mit ihnen.

Kann ein menschliches Herz solch eine Gnade erfassen? Schon von Hiob konnte gesagt werden: „Das Ende des Herrn habt ihr gesehen“ (Jak 5,11). Was aber sollen wir sagen, wenn wir dieses „Ende“ bedenken, das Gott mit den Seinen im Auge hat und erreichen wird?

Zwei kostbare Verheißungen

Der Abschnitt endet mit zwei Verheißungen Gottes und mit einer ernsten Warnung. Zuerst hören wir die beiden Verheißungen, die zu den kostbarsten Zusagen Gottes in der Heiligen Schrift überhaupt gehören:

„Ich will dem Dürstenden aus der Quelle des Wassers des Lebens geben umsonst. Wer überwindet, wird dieses ererben, und ich werde ihm Gott sein, und er wird mir Sohn sein“ (Verse 6.7).

Die erste der beiden Verheißungen gilt dem Dürstenden, die zweite dem Überwinder. Wir können wohl sagen, daß sie zwei Prinzipien widerspiegeln, nach denen Gott in Seinen Wegen mit den Menschen Seine Gnade entfaltet und Segen gibt. Nun müssen wir aus diesen Worten nicht schließen, daß es im ewigen Zustand noch Durst geben wird oder noch Widerstände überwunden werden müssen. Nein, dann wird alles Vollkommenheit und Herrlichkeit sein. Aber wenn Gott an dieser Stelle Verheißungen gibt, dann tut Er das im Blick auf die Ewigkeit, von der gesprochen worden ist. Sie gehören unbedingt der Ewigkeit an, wenden sich jedoch an Menschen in der Zeit.

Vom Durst der Seele

Die Heilige Schrift spricht wiederholt von dem Durst der Seele. „Wenn jemand dürstet, so komme er zu mir und trinke“ (Joh 7, 37). „Wen da dürstet, der komme; wer da will, nehme das Wasser des Lebens umsonst“ (Off 22, 17). Als «Dürsten-der» wird jemand beschrieben, in dem der Heilige Geist bereits ein Verlangen nach geistlichen Dingen geweckt hat, sei es zuerst nach Sündenvergebung oder dann auch nach Gemeinschaft mit Gott und Freude an Gott. Das ist die Art und Weise, in der der Geist Gottes wirkt, und diesem Wirken Seines Geistes entspricht Gott stets. Er wird die hervorgerufenen Wünsche des Herzens vollkommen befriedigen; in Sich selbst wird Er sie stillen. Deswegen verheißt Gott hier nicht nur das Wasser des Lebens, sondern sagt: „Ich will dem Dürstenden aus der Quelle des Wassers des Lebens geben umsonst.“ Wie köstlich ist das! Das Herz wird seine volle Befriedigung in der Quelle der Segnung finden, nach der es verlangt – in Gott selbst. Gott bringt gleichsam die Quelle selbst an die Lippen des Durstigen. Der große Geber ist Gott, und Er gibt umsonst, ohne Geld und ohne Kaufpreis (Jes 55,1). Das ist Dessen würdig, der der „Gott aller Gnade“ ist (1. Pet 5, 10).

Man könnte fragen: Haben auch wir heute als Gläubige geistlicherweise noch «Durst»? In einem gewissen Sinn, ja. Denn wenn auch der Durst unserer Seele durch den Empfang des ewigen Lebens und des Heiligen Geistes grundsätzlich gestillt ist (Joh 4, 14), so bleibt doch auch in uns eine tiefe Sehnsucht nach ungestörter Freude an Gott, nach der ewigen Ruhe mit Ihm, nach dem ungetrübten Genuß dessen, was uns der Herr Jesus am Kreuz erworben hat. Schon in der Bergpredigt nannte der Herr Jesus die glückselig, die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten. Sie würden gesättigt werden (Mt 5, 6). Auch sehnen wir uns danach, mit unserer Behausung, die aus dem Himmel ist, überkleidet zu werden (2. Kor 5, 2). Und nach all dem Fragmentarischen (Bruchstückartigen), das diese Erde und die Art unseres Erkennens heute kennzeichnet, begehren wir, daß das „Vollkommene“ komme (1. Kor 13,10). Wir können sagen: Je inniger unser Umgang mit Gott ist, desto tiefer wird der Durst unserer Seele nach Ihm sein. Nun, dieses Sehnen, vom Heiligen Geist selbst in uns hervorgerufen, wird Gott vollkommen stillen. Er selbst wird die Quelle zu unserer ewigen Segnung sein.

Wenn auch die Gläubigen des Alten Testaments bei weitem nicht so reich gesegnet waren, wie wir es sind, so haben doch auch sie diese Empfindungen des «Durstes» gekannt. Wer hat sie trefflicher ausgedrückt als die Söhne Korahs? „Wie ein Hirsch lechzt nach Wasserbächen, also lechzt meine Seele nach dir, o Gott! Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott: Wann werde ich kommen und erscheinen vor Gottes Angesicht?“ (Ps 42, 1.2).

Vom Überwinden

Der zweite Grundsatz, nach dem Gott handelt, wird in der zweiten Verheißung sichtbar: „Wer überwindet, wird dieses ererben, und ich werde ihm Gott sein, und er wird mir Sohn sein.“ Hier geht es nicht um die Befriedigung geistlichen Verlangens, sondern um das Überwinden von Schwierigkeiten. In dieser feindseligen Welt müssen die Gläubigen Überwinder sein. Sie sind von geistlichen Mächten der Finsternis und der Bosheit umgeben und sind aufgerufen, gegen sie zu kämpfen (Eph 6, 1 off). Bevor nun Gott mit Seinen Worten zum Schluß kommt, ermuntert Er Seine Heiligen mit dieser weiteren Verheißung. „Wer überwindet, wird dieses ererben.“ Wieder heißt es wörtlich: „... wird diese Dinge ererben“ – diese Dinge, die Gegenstand dieser Verheißungen sind. Es hat den Anschein, als lege Gott den Nachdruck gerade auf diese Zusagen, weil Er sie zusätzlich zu anderen gewähren will.

Ein Überwinder ist jemand, der Siege davonträgt, und tatsächlich kann der griechische Ausdruck für «Überwinder» mit «Siegender» wiedergegeben werden. Er bezeichnet einen andauernden, fortwährenden Vorgang. Die Notwendigkeit und Wichtigkeit des Überwindens wird im Neuen Testament nicht nur einmal angesprochen. In Römer 8 heißt es, daß wir mehr als Überwinder sind durch Den, der uns geliebt hat (Vers 37). Das ist eine Tatsache, die von jedem Gläubigen wahr ist, wie unterschiedlich das Maß des Verwirklichens auch sein mag.

Johannes schreibt in seinem ersten Brief von dem „Sieg, der die Welt überwindet“; und dann nennt er das Mittel, durch das der Sieg errungen wird: unser Glaube (1. Joh 5, 4). Nur durch den lebendigen Glauben an die Person des Sohnes Gottes können wir dieses System der Welt überwinden (Vers 5). Nur wenn Er in Seinem Charakter als Sohn Gottes vor unserem Herzen steht, ist uns der Sieg über die vom Teufel inspirierte Welt sicher. Und daß bei dem Wort «Überwinder» nicht an eine einmalige Sache gedacht ist, habe ich schon bemerkt. Nicht selten meinen wir, wenn wir einen Sieg errungen haben, daß nun alles getan sei. Doch dieser Gedanke trügt. Überwinden müssen wir beständig. Wenn wir uns nur einfach den auf uns einwirkenden Kräften überlassen, passiv und ohne Widerstand zu leisten, wer könnte Vorhersagen, wo wir uns schließlich wiederfinden werden?

Auch in der Offenbarung wird viel von dem «Überwinder» gesprochen. In keinem der sieben Sendschreiben bleibt er unerwähnt (Kap. 2–3). Und es ist auffallend, daß das Überwinden stets als eine persönliche Sache angesehen wird: „Dem, der überwindet „Wer überwindet Werden dagegen in der Heiligen Schrift unsere Stellung und unsere Beziehungen als Söhne oder Kinder Gottes vorgestellt, wird im allgemeinen in kollektiver Weise von uns gesprochen. In Kapitel 12 wird uns dann noch ein treuer Überrest aus dem Volk der Juden zu Beginn der Drangsalszeit gezeigt. Von diesen treuen Zeugen wird gesagt, daß sie den Satan, den Verkläger der Brüder, überwunden hätten „um des Blutes des Lammes und um des Wortes ihres Zeugnisses willen, und sie haben ihr Leben nicht geliebt bis zum Tode“ (Vers 11). In ihrem Fall bedeutete Überwinden, den Märtyrertod zu erdulden.

„Wer überwindet, (wörtlich: der Siegende) wird dieses ererben.“ Das ist das Erste. Wer in dieser Zeit des Kampfes und des Leidens ein Überwinder durch Glauben ist, wird sich einmal all der Formen ewiger Segnung erfreuen können, die uns hier vor Augen gestellt werden.

Aber dann sagt Gott noch etwas: „Und ich werde ihm Gott sein, und er wird mir Sohn sein.“ Das bedeutet, daß der Überwinder in eine unmittelbare Beziehung zu Gott kommen wird, in eine rein persönliche Beziehung. Dieses Verhältnis wird so unmittelbar, so innig sein, daß zu dessen Genuß nicht länger der Dienst eines Mittlers notwendig sein wird. Welch eine unaussprechliche Glückseligkeit wird darin liegen, Ihn persönlich zum Gott zu haben und in Ewigkeit Ihm zum Sohn zu sein! Es sind nur wenige, knappe Worte. Doch wer kann die Fülle der Segnung erfassen, die in ihnen liegt? Sie wird auf ewig das Teil dessen sein, der heute überwindet.

Eine ernste Warnung

Die Beschreibung des ewigen Zustandes schließt mit zwei Gedanken, die in denkbar größtem Gegensatz zueinander stehen, jedoch nebeneinander herlaufen: der ewigen Glückseligkeit der Erlösten und der ewigen Pein der Verlorenen. Und so schließen sich an die Worte der Verheißung Worte ernster Warnung an. Auch sie werden im Blick auf die Ewigkeit gesprochen:

„Den Feigen aber und Ungläubigen und mit Greueln Befleckten und Mördern und Hurern und Zauberern und Götzendienern und allen Lügnern – ihr Teil ist in dem See, der mit Feuer und Schwefel brennt, welches der zweite Tod ist“ (Vers 8).

Was die Tragweite dieser Worte angeht, so gilt dasselbe, was bereits bei den Verheißungen gesagt wurde: Sie erstrecken sich auf das Teil in der Ewigkeit. Nachdem Himmel und Erde vergangen sind und das Gericht vor dem großen weißen Thron stattgefunden hat, wird uns in diesen Versen ein Blick in die Ewigkeit gestattet. Und dabei erfahren wir nicht nur etwas über das ewige, herrliche Erbteil derer, die dem Ruf der Gnade gefolgt sind und das Wasser des Lebens angenommen haben. Wir sehen auch das ewige, furchtbare Los derer, die das Angebot der Gnade Gottes in Christus abgelehnt haben. Und wie erschreckend groß ist ihre Zahl! Viele wollen einfach nicht zu dem Heiland der Sünder kommen. Sie ziehen es vor, in ihren Sünden zu bleiben. Vielleicht meinen sie, der „liebe Gott“ werde ihnen schon gnädig sein. Doch abgesehen davon, daß die Bibel keinen „lieben Gott“ kennt, vergessen sie, daß Gott nicht nur Liebe, sondern auch Licht ist. Und so haben wir hier neben der strahlenden Seite der Ewigkeit ihre dunkle, den Feuersee, der mit Feuer und Schwefel brennt.

Eine erschreckende Liste

Die Aufzählung derer, die an diesem schrecklichen Ort der Qual sein werden, wird von denen angeführt, die zu feig waren, sich zu Christus zu bekennen: „Den Feigen aber ...“ Sie waren bis zu einem gewissen Maß überführt, doch aus Menschenfurcht, aus Furcht vor den Folgen haben sie sich nie für Christus entschieden.

Die zweite große Gruppe bilden die Ungläubigen oder Treulosen. Unter ihnen werden auch solche sein, die sich für orthodox (rechtgläubig) hielten. Aber sie haben nur mit dem Kopf, nie mit dem Herzen geglaubt, haben sich nicht dem Evangelium Gottes unterworfen, das zum Glaubensgehorsam unter allen Nationen gepredigt worden war (Röm 1, 5).

Die mit Greueln Befleckten sind Menschen, die sich mit Dingen verunreinigt haben, die in Gottes Augen Greuel sind. Befleckungen können sittlicher Art sein (Röm 1, 26–28; Tit 1, 15), können sich aber auch auf religiöse Anmaßungen und Praktiken erstrecken (Off 17, 4.5). Auch im Alten Testament wird wiederholt von sittlichen Verfehlungen gesprochen, die Gott ein Greuel sind (3. Mo 18, 22.23; 5. Mo 27, 15; Spr 11, 1.20; 15, 26; 16, 5; 24, 9), und was damals ein Greuel für Ihn war, das ist es auch heute noch. Unter diesen Greueln ist Wahrsagerei eine besonders ernste Sünde (5. Mo 18, 11.12; 1. Sam 15, 23). Wie weit ist gerade sie in der Christenheit verbreitet!

Mörder vergreifen sich an etwas, was grundsätzlich nur Gott, dem Schöpfer gehört – dem menschlichen Leben. Sie bringen Mitmenschen um, die ursprünglich im Bild und im Gleichnis Gottes geschaffen worden sind. Der Urteilsspruch Gottes auf diese schreckliche Sünde ist klar und eindeutig: „Wer Menschenblut vergießt, durch den Menschen soll sein Blut vergossen werden; denn im Bilde Gottes hat er den Menschen gemacht“ (1. Mo 9, 6). Seit Gott Noah die Regierung über die Erde übertrug, gilt dieses Urteil, und es hat bis heute unverändert Gültigkeit. Gott hat der Regierung das Schwert nicht umsonst gegeben (Röm 13, 4). Doch unter dem Einfluß der Liberalität unserer Tage wird die Rechtsprechung für Mörder immer milder und nachsichtiger. Man forscht nach ihren Motiven und findet Erklärungen und Entschuldigungen für das Fehlverhalten. Aber sie werden ihre gerechte Strafe finden – in dem See, der mit Feuer und Schwefel brennt.

Als nächstes folgen in der Aufzählung derer, die einmal die Ewigkeit an diesem Ort der Qual zubringen werden, die Hurer. Die Sünde der Hurerei ist sehr alt, wie uns das erste Buch Mose zeigt. Doch während diese Sünde in früheren Zeiten eher von einer Minderheit und im Verborgenen verübt wurde, stellt sie heutzutage fast den Normalfall im Umgang der Geschlechter miteinander dar. Weitgehend offen und ohne Scham tun die Menschen das, was nicht nur der Schöpfungsordnung Gottes widerspricht, sondern ihnen auch den von Gott in der Ehe zugedachten Segen raubt. Es ist erschreckend zu sehen, wie in unseren Tagen in den christlichen Ländern die moralischen Werte zusehends verfallen und die von dem Schöpfer gewollte Ehe (Heb 13,4) unterhöhlt und umgangen wird. Worüber man sich früher noch entrüstete, gehört heute zur Tagesordnung. Man redet von Partnerschaft, von Freundschaft, von Lebensgemeinschaft. Aber Gott bezeichnet alle jene, die in außerehelichen Beziehungen miteinander leben oder verkehren, als das, was sie sind: als Hurer. Über ihr tragisches Ende besteht keine Ungewißheit. „Hurer aber und Ehebrecher wird Gott richten.“

Zauberer liegen auf einer Linie mit Wahrsagern. Sie haben mit bösen Geistern Umgang, obwohl sie dabei in der Regel selbst von Satan getäuscht werden. Die Sünde der Zauberei und Wahrsagerei wurde schon zur Zeit des Gesetzes in Israel gefunden (Jer 27, 9; Mal 3, 5). Sie mußte durch die Todesstrafe geahndet werden (5. Mo 18, 10–12). Heute unterwandert der Spiritismus weite Teile der Christenheit und macht selbst vor den Schulen unserer Kinder nicht halt.

Götzendiener anerkennen nicht den einen wahren Gott (1. Kor 8, 4) und beten statt dessen falsche Götter an, seien sie materieller oder geistiger Art (1. Kor 6,9; 10, 7). Daß sich viele Menschen, die sich zum Christentum bekennen, gerade der Sünde schuldig machen, die für das Heidentum kennzeichnend war und ist, zeigt uns, wie weit wir am Ende der Gnadenzeit stehen. Hinter den ideellen Götzen oder denen aus Holz und Stein stehen die Dämonen (1. Kor 10, 20). Satan benutzt sein Heer, um seine alte Absicht auch heute zu erreichen: die allein Gott gebührende Anbetung und Verehrung von Ihm weg- und auf das Geschöpf hinzulenken. Wenn wir von Spiritismus und Götzendienst reden, durch die er dieses Ziel am deutlichsten erreicht, fällt mir ein Wort des Gottesmannes Christian Fürchtegott Gellert ein. Es hat bis heute nichts von seiner Wahrheit und Aktualität eingebüßt:

Wer dem Glaub' die Tür versagt,
dem steigt der Aberglaub' durchs Fenster.

Ja, und dann kommt noch die große Gruppe der Lügner. Bei ihnen wird gesagt: „und allen Lügnern.“ Gewiß geben sich nicht alle unerretteten Menschen den vorher genannten groben Sünden hin, doch Lügner sind sie alle. Sie alle haben nämlich den zum Vater, der selbst „ein Lügner und der Vater derselben“ ist – den Teufel (Joh 8, 44). Sie waren nicht bereit, die Liebe zur Wahrheit anzunehmen, damit sie errettet würden (2. Thes 2,10). Statt dessen haben sie auf die Stimme des «Lügners von Anfang» gehört, sind seinen Spuren gefolgt und sind dabei – betrogen worden. Sie werden, zusammen mit allen anderen unversöhnten Menschen, das ewige Los des Teufels (Off 20, 10) teilen – den „See, der mit Feuer und Schwefel brennt, welches der zweite Tod ist“.

Der zweite Tod

Die Tatsache, daß es einen zweiten Tod gibt, zeigt deutlich, daß der erste Tod (der leibliche Tod, die Trennung von Seele und Leib) nicht eine Beendigung der Existenz des einzelnen bedeutet, wie viele glauben oder hoffen. Auch der Gedanke, daß es nach dem Tod kein bewußtes Erleben mehr geben wird, ist falsch. Lukas 16, Verse 19 bis 31, und Offenbarung 6, Verse 9 bis 11, sind Beispiele der Schrift dafür, daß die Seele, das heißt die eigentliche Persönlichkeit des Menschen, nach dem leiblichen Tod fortbesteht und durch bewußtes Denkvermögen und geistige Aktivität gekennzeichnet ist.

Nun, auch der zweite Tod wird diese Merkmale nicht auslöschen. Das will sagen, daß die Verlorenen die ewige Strafe Gottes bewußt werden ertragen müssen. „Da wird sein das Weinen und das Zähneknirschen“ (Mt 22,13). Das Feuer wird ewig sein (Mt 25, 41), es wird nie erlöschen (Mk 9, 43.44). Lassen wir uns nicht von denen verführen, die behaupten, es werde doch erlöschen! Die Schrift sagt: „Wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt.“ Es wäre im höchsten Maß unredlich, Gott zu unterstellen, daß Er etwas anderes meine, als Er sage. Die «ewige Pein» wird genauso ewig, eben unaufhörlich sein, wie es das «ewige Leben» ist (Mt 25, 46).

Wir haben schon früher gesehen, daß mit dem Ausdruck «zweiter Tod» die ewige Trennung des Menschen von Gott bezeichnet wird. Und so wenig die Menschen dem Urteil Gottes in bezug auf den ersten Tod entfliehen konnten (Heb 9, 27), ebensowenig werden sie dem zweiten Tod entrinnen können, es sei denn, sie tun noch heute Buße. Gott läßt Sich nicht spotten; „denn was irgend ein Mensch sät, das wird er auch ernten“ (Gal 6, 7).

Alles mündet einmal in die Ewigkeit, das Gute wie das Böse. Nie endende Glückseligkeit hier, nie endende Qual dort. Das ist in der Tat ein „Donnerwort“ – EWIGKEIT! Wo wird der Leser sie zubringen?

So sind wir am Ende dieses außerordentlich bedeutsamen Abschnittes in der Offenbarung angelangt – eines Abschnittes, der uns bis in die Ewigkeit führte. Damit schließt der eigentliche, geschichtliche Teil dieses Buches. Was nachfolgend mitgeteilt wird, ist Beschreibung, nicht Geschichte – die Beschreibung der himmlischen Stadt.

Fußnoten

  • 1 Das hier benutzte griechische Wort für «Gestalt» (gr. Schema) bezeichnet die äußere, spezifische Erscheinungsform einer Sache oder Person, eben das Aussehen. – Was den neuen Himmel und die neue Erde angeht: So wie unser Auferstehungsleib aus dem alten gebildet werden wird (1. Kor 15, 51) und wie ein mißratenes Tongefäß benutzt wird, um daraus ein neues zu machen (Jer 18, 4), so wird auch der neue Himmel und die neue Erde aus den Elementen der alten Schöpfung geformt werden. Dabei müssen wir bei «Himmel» m. E. nicht an das «Firmament», an das ganze Universum denken. Vieles spricht dafür, daß nur der atmosphärische Himmel gemeint ist, der Himmel also, der als Ergebnis des zweiten Schöpfungstages (1. Mo 1, 6–8) in besonderer Beziehung zur Erde steht. Er bildet nach den Gedanken Gottes ein mit der Erde verbundenes System. Zu diesem System hat Satan, der »Fürst der Gewalt der Luft» (Eph 2, 2), seit jeher (Hiob 1, 7; 2, 2) und bis heute (Eph 6, 12) Zutritt. Es ist sein Machtbereich.
  • 2 Daß der Herr Jesus in Ewigkeit «Mensch» bleiben wird, ist auch in anderer Beziehung für uns von höchster Bedeutung: Wir werden Ihn immer sehen können. Er ist und bleibt das „Bild des unsichtbaren Gottes“ (Kol 1,15). In Ihm werden wir in Ewigkeit Gott schauen. Das wird unser höchstes Glück ausmachen.
  • 3 Es ist bemerkenswert, daß die «Versammlung» Gottes im Neuen Testament nie direkt als das «Volk» Gottes bezeichnet wird. Das unterstreicht das Gesagte.
  • 4 Es ist wahr, daß auch der Herr Jesus das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende ist (vgl. Off 22, 13). Denn Er ist Gott, und zwar in genauso absoluter Weise wie der Vater Gott ist und wie der Heilige Geist Gott ist. Aber hier wird es von Gott als solchem gesagt. Deswegen unterstreicht die zweimalige Anwendung dieser Namen aufs deutlichste die Gottheit unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus.
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