Die letzten Dinge

Das 1000-jährige Reich und das Gericht der Toten

Die letzten Dinge

Satan gebunden und im Abgrund verwahrt

„Und ich sah einen Engel aus dem Himmel herabkommen, der den Schlüssel des Abgrunds und eine große Kette in seiner Hand hatte. Und er griff den Drachen, die alte Schlange, die der Teufel und der Satan ist; und er band ihn tausend Jahre und warf ihn in den Abgrund und schloss zu und versiegelte über ihm, damit er nicht mehr die Nationen verführe, bis die tausend Jahre vollendet sind. Nach diesem muss er eine kleine Zeit gelöst werden“ (20,1–3).

Nach den Gerichten über das kaiserliche Tier, den Antichristen, die gottfeindlichen Völker und nach dem Ausfegen alles Bösen ist nun die Erde bereit zur Aufrichtung des lange verheißenen und ersehnten Friedensreiches des Messias. Aber noch ist der Urheber alles Bösen, Satan, nicht gebunden. Gott will aber, dass die Menschen den reichen Segen und den Frieden des messianischen Reiches uneingeschränkt genießen. Deshalb muss der Teufel gebunden werden, damit er die Menschen nicht weiter durch seine Versuchungen zur Sünde verleiten und dadurch den Segen und den Frieden stören und verdunkeln kann.

Nach Epheser 2,2 und 6,12 ist er heute noch der Beherrscher der Luft und hat Zugang zu Gott, um die Brüder zu verklagen (Sach 3), natürlich vergeblich, denn der Sachwalter, unser großer Fürsprecher, ist bei Gott für uns tätig. Nach Offenbarung 12 wird Satan nach der Entrückung der Brautgemeinde auf die Erde hinabgeworfen, wo er, weil er weiß, dass er nur wenig Zeit hat, nunmehr die größte Wut gegen die Menschen entfaltet. Darum muss er zuerst gefesselt und seinem eigentlichen Bereich, dem gottfernen Abgrund, übergeben werden, bevor das Segensreich aufgerichtet werden kann. Ebenso wird die „Hure“, die falsche Kirche, gestürzt und beseitigt, bevor die wahre Brautgemeinde mit dem Herrn und König in Erscheinung treten kann.

Der „Abgrund“ ist aber noch nicht der Feuersee, die Hölle, wohin Satan geworfen wird, sondern seine eigentliche Behausung, wo er noch für eine letzte Erprobung der Menschen aufgehoben werden muss. Darum wird diese Bindung Satans auch nicht durch den Herrn selbst, sondern durch einen Engel vollzogen. O, welcher große, gesegnete Unterschied wird es gegenüber dem heutigen Zustand sein, wenn der Teufel die Menschen nicht mehr versuchen, betören und betrügen kann!

Die erste Auferstehung und das Reich des Messias

„Und ich sah Throne, und sie saßen darauf, und es wurde ihnen gegeben, Gericht zu halten; und ich sah die Seelen derer, die um des Zeugnisses Jesu und um des Wortes Gottes willen enthauptet worden waren, und die, die das Tier nicht angebetet hatten noch sein Bild, und das Malzeichen nicht angenommen hatten an ihre Stirn und an ihre Hand. Und sie wurden lebendig und herrschten mit dem Christus tausend Jahre“ (20,4).

Nun ist endlich der längst ersehnte Weltfriede Tatsache geworden. Jesus Christus, der König und Messias, wird jetzt das verheißene Reich des Friedens und des Segens und der vollkommenen Gerechtigkeit aufrichten und seine Herrschaft über die Erde antreten. Allerdings wird in unserem Abschnitt das messianische Reich mit seiner Fülle von Segnungen und Glück, der Aufhebung des Fluches und dessen traurigen Folgen, nicht direkt berührt, weil dies alles den irdischen Lebenskreis betrifft und besonders das Bundesvolk Israel angeht und daher nicht Gegenstand des Buches der Offenbarung ist. Die Belange Israels sind im Alten Testament ausführlich beschrieben; wir wollen aber einige Stellen angeben: Psalm 72; Jesaja 2; 4; 11; 35; 65; Amos 9,11–15; Micha 4; Sacharja 14,20.21. Gegenstand des Neuen Testamentes ist das himmlische Volk Gottes, für den Himmel bestimmt und mit himmlischen Segnungen gesegnet; deshalb erwähnt auch die Offenbarung nur die himmlische Seite der Zeit dieses Reiches des Friedens und der Gerechtigkeit.

Was wird das für ein herrliches Segensreich sein, wenn alle bösen Mächte beseitigt sein werden und keinerlei Krieg mehr zu befürchten ist, keine Notzeit und keine Katastrophen mehr erschrecken werden! Jesus Christus wird als Friedenskönig und wahrer Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks in Herrlichkeit herrschen. Der Prophet Sacharja beschreibt die Person des Messias in eben diesem Charakter; in Kapitel 3 als Grund – und Eckstein, als Hoherpriester – was Er für uns heute schon ist – und als König; in Kapitel 4 wird der Schlussstein gelegt, der nur eine Bezeichnung hat: Gnade! In Kapitel 6 wird König- und Priestertum in einer Person vereinigt, und zwar in der Person des Josua. Er ist Priester und König zugleich, doch ist ersteres hervorgehoben, denn die Herrschaft des Messias ist eine solche des Segens und nicht der Kriegsmacht. Die ganze Prophezeiung klingt im letzten Kapitel mit dem Priesterkönigtum nach dem Vorbild Salomos, aus.

Und ich sah Throne und sie saßen darauf, und es wurde ihnen gegeben, Gericht zu halten.“ Daniel hat schon Gerichtsthrone geschaut, aber nur auf einem saß „der Alte an Tagen“, der Herr selbst, die übrigen waren leer, deren Inhaber werden noch nicht gesehen. In Offenbarung 4 und 5 sehen wir 24 Throne und auf ihnen sitzen 24 Älteste, Repräsentanten der himmlischen Heiligen. In ihrer offiziellen Stellung sind sie Mitwisser der Ratschlüsse Gottes und als Fürbitter der Heiligen auf der Erde gedacht. Das letztere zeigt, wie innig sie mit diesen Heiligen verbunden sind, so, als ob sie noch unter ihnen weilen würden; so können wir ihr Rufen und ihr Flehen für ihre Mitgläubigen verstehen.

Die Zahl der Throne, die Johannes sieht, ist uns nicht angegeben, aber alle Throne sind besetzt, und zwar außer allem Zweifel von Heiligen, die den Herrn bei seinem Erscheinen auf der Erde in Herrlichkeit begleiten werden. Denn der Herr hat bis dahin als siegreicher Kriegsherr allein die strafende Geißel geschwungen, wobei die Heiligen nur Zuschauer waren, aber jetzt will der Herr die Herrschaft nicht ohne die Gemeinschaft der dazu Erkauften ausüben. So hat es der Herr schon den Jüngern verheißen: „Wahrlich, ich sage euch: Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, auch ihr werdet in der Wiedergeburt, wenn der Sohn des Menschen auf seinem Thron der Herrlichkeit sitzen wird, auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten“ (Mt 19,28) Und Paulus lässt die gläubigen Korinther wissen, dass sie die Welt und die Engel richten werden (1. Kor 6,2. 3). Denn wie Er auf der Erde in Niedrigkeit denselben Platz mit uns eingenommen hat, dürfen wir im Himmel seinen herrlichen Platz mit Ihm teilen; und ebenso wie wir unseren Weg auf der Erde Ihm nach als Fremde und Pilger gehen, werden wir im Himmel Herrschaft und Segnung als unser endgültiges Ziel mit Ihm teilen.

Es werden noch zwei weitere Klassen Heiliger erwähnt, aber durch das Wort „und“ doch mit den ersten verbunden. Während „sie“, die zuerst genannten, die beim Kommen des Herrn für die Seinen in die Luft Entrückten umfassen, sind die hier erwähnten solche Heilige, die erst nach dieser Entrückung in Erscheinung treten werden. Es sind einerseits diejenigen, die beim Öffnen des fünften Siegels (Kapitel 6) noch als Seelen ohne Körper gesehen wurden, andererseits diejenigen, die in der letzten großen Drangsal um des Glaubens willen getötet wurden, denen das „Glückselig“ in Offenbarung 14,13 gilt: „Glückselig die Toten, die im Herrn sterben, von nun an!“ Sie werden gewissermaßen als ein Nachtrag zur Entrückung ebenfalls wieder auferweckt werden, so wie die beiden Zeugen in Kapitel 11, ohne lange Wartezeit, um dasselbe herrliche Los mit den Ersten zu teilen. Der Heilige Geist unterlässt es nicht, dies ausdrücklich mitzuteilen, weil diese für den Herrn ja ebenso wertvoll sind, wie die anderen.

Mit den Worten „und sie wurden lebendig“ wird die Auferstehung aller Heiligen, überkleidet mit Kleidern himmlischer Herrlichkeit, zusammengefasst, sowohl die Seelen unter dem Altar, als auch die Heiligen der letzten Drangsalszeit; alle werden in den Himmel erhoben, um den Thron des Herrn Jesus Christus zur Erhöhung seines Namens zu umgeben. Sie alle werden die Herrschaft während des Reiches auf der Erde mit Ihm teilen, was aber nicht bedeutet, dass es ein ständiges Verweilen auf dieser sein wird, weil ja seine Regierung als Herr und König der ganzen Schöpfung zugleich eine himmlische sein wird. Darum werden die Seinen auch diese mit Ihm teilen, denn sie können nie mehr von Ihm getrennt werden.

Hier nun hören wir zum ersten Mal, dass diese glückselige Herrschaft tausend Jahre dauern wird, und zwar wird dies in Vers 2–7 sechsmal erwähnt. In sechs Tagen hat Gott Himmel und Erde erschaffen, worauf Er am siebten Tag ruhte, um sich seines Werkes zu erfreuen. Ebenso sind es rund 6000 Jahre, die dem Menschen überlassen sind, sich zu mühen und zu schaffen, die aber -der Sünde wegen – niemals zu einem wahren Sabbat der Ruhe nach vollendetem Werk führen können. 1 Hier aber beginnt mit dem Antritt der Herrschaft des Herrn Jesus Christus der große Sabbat der wahren Ruhe und Vollendung, an dem auch die Schöpfung ihren Anteil haben wird, da ja aller Fluch aufgehoben und beseitigt sein wird. Dieser Sabbat wird nie mehr abgebrochen werden durch die Sünde, sondern nach Vollendung seiner Dauer übergehen in den ewigen Tag Gottes, ohne Schatten, Veränderung und Wechsel (2. Pet 3,13).

„Die Übrigen der Toten wurden nicht lebendig, bis die tausend Jahre vollendet waren.

Dies ist die erste Auferstehung“ (20,5).

Durch diesen Vers wird angedeutet, dass es noch eine zweite Auferstehung geben wird. Dieselbe wird anders geartet sein als die erste, wie wir dies, von Vers 11 an, feststellen können. Schon der Herr Jesus hat, als Er auf der Erde lebte, von zwei Arten der Auferstehung geredet, von einer Auferstehung zum Leben und einer solchen zum Gericht, aber ohne nähere Andeutung über die Zeitpunkte derselben. Nun lesen wir hier aber ganz unmissverständlich, dass die beiden Auferstehungen durch eine Zeitspanne von nicht weniger als tausend Jahren voneinander getrennt erfolgen werden. Dies beweist, dass die Erretteten keineswegs gleichzeitig mit den Übrigen vor dem Richterthron des Christus erscheinen müssen, sondern schon tausend Jahre früher aus den Toten auferstehen werden, so dass sie beim Gericht vor dem großen, weißen Thron, vor dem alle Ungläubigen erscheinen müssen, bereits Verherrlichte sind. Es wird den Verlorenen nicht erspart bleiben, dass sie, wenn auch zähneknirschend, dem von ihnen verworfenen Herrn noch Ehre geben müssen (Phil 2,10–11).

„Glückselig und heilig, wer teilhat an der ersten Auferstehung! Über diese hat der zweite Tod keine Gewalt, sondern sie werden Priester Gottes und des Christus sein und mit ihm herrschen tausend Jahre“ (20,6).

Die Teilhaber der ersten Auferstehung werden „glückselig“ genannt, und zwar mit vollem Recht; denn sie haben ihr herrliches Ziel erreicht, ihr Teil ist ihnen voll und ganz geworden. Sie sind allen Gerichten enthoben und brauchen den zweiten Tod nicht zu fürchten, denn ihre Sünden sind ja längst „hinter den Rücken“ geworfen. Wer an Christus glaubt, kommt nicht ins Gericht (Joh 5,24). Sie sind nicht nur jeglicher Verdammnis enthoben; sie werden auch Priester Gottes und des Christus sein. Ihr priesterliches Königtum und ihr königliches Priestertum ist nach der Ordnung Melchisedeks und demnach unaufhörlich und ewig (1. Pet 2,9; Off 1,6).

„Und wenn die tausend Jahre vollendet sind, wird der Satan aus seinem Gefängnis losgelassen werden“ (20,7).

Nachdem auf die tausend Segens- und Friedensjahre nicht weiter eingegangen wird, geht die Offenbarung Gottes direkt auf die Schlussereignisse ein. Wir hören, dass Satan noch einmal aus dem Abgrund losgelassen und ihm gestattet wird, nochmals die Menschen zu versuchen. Warum dies? Warum ist er nicht gleich dem ihm längst bereiteten Gericht überliefert worden? Darum, weil die Menschen notwendigerweise noch eine letzte Probe bestehen müssen. Es geht darum, dass Gottes Gerechtigkeit vollkommen ans Licht kommen soll. Es ist ja bekannt, dass die Menschen – und heute mehr denn je – darauf pochen, dass sie gut und gerecht seien, aber die Umstände um sie her lassen es nicht zu, dies zu verwirklichen. Sie geben also den Umständen die Schuld und nicht ihrer Sünde und ihrem Verderben. Darum stellt die Weisheit Gottes sie auf eine letzte Probe, in der es sich erweisen wird, ob sie nach einer langen Zeit des Friedens, des Segens und der Prosperität aus eigenem Herzensentschluss ihre Knie vor dem Herrn Jesus Christus beugen und Ihm anhängen werden. Es wird nicht der Fall sein! Das menschliche Herz wird sich aufs Neue als unveränderlich verderbt und gottfeindlich erweisen. Wir dürfen nicht vergessen, dass, obwohl alle Völker sich der Herrschaft des Herrn unterwerfen, unterwerfen müssen, sich ihre Herzen dennoch nicht zu Ihm bekehren werden (vgl. Phil 2,10). Der „Same der Schlange“ hat in großem Maße Raum unter den Menschen gefunden, so dass diese letzte Probe für die Menschen unerlässlich ist.

„Und wird ausgehen, um die Nationen zu verführen, die an den vier Ecken der Erde sind, den Gog und den Magog, um sie zum Krieg zu versammeln, deren Zahl wie der Sand des Meeres ist“ (20,8).

Kaum losgelassen, mobilisiert Satan mit seinen Dämonen die Erde, um die Nationen in weitem Ausmaß durch Lügen und Verleumdungen zu verführen und sie im größten Stil gegen den König der Könige aufzuhetzen. Mit Erfolg! Es wird im Grund dieselbe Verführung sein, wie einst bei Adam und Eva, indem er ihnen einflüstern wird, Gott sei ungerecht und meine es nicht gut mit ihnen. So wird er die Völker zum größten Kriegszug gegen die Herrschaft des Herrn und gegen seinen Thron veranlassen können.

Gog und Magog“ bedeutet hier nicht dasselbe wie in Hesekiel 38–39, wo ebenfalls gewaltige Kriegsmassen gegen Jerusalem hinaufziehen. Denn dort ist ganz deutlich Russland mit all seinen Vasallen beschrieben, das im Anfang des 1000-jährigen Reiches heraufziehen wird, um das Land der Juden als politisches Schlüsselland in seine Hand zu bringen, dort aber sein Ende finden wird. Hier, in Offenbarung 20 dagegen sind es Völker der ganzen Erde, die am Ende des 1000-jährigen Friedensreiches das Volk des Herrn umzingeln werden. Auch deren Ende wird ein ganz anderes und totaleres sein, als das der russischen Kriegsmacht in Hesekiel. „Gog und Magog“ ist hier ein mehr symbolischer Ausdruck, womit natürlich der der russischen Macht analoger Charakter dieses letzten Feindes zum Ausdruck gebracht wird.

„Und sie zogen herauf auf die Breite der Erde und umzingelten das Heerlager der Heiligen und die geliebte Stadt; und Feuer kam von Gott aus dem Himmel herab und verzehrte sie“ (20,9).

Satan bringt es wiederum, genauso wie früher, fertig, die Menschen zum Kampf gegen den Herrn und die Seinen aufzustacheln. Bedeutungsvoll sind die Ausdrücke: „Heerlager der Heiligen und „die geliebte Stadt“, womit nur Jerusalem gemeint sein kann. Sie beweisen, wie kostbar beide für den Herrn sind und dass Er dies den Feinden gegenüber feststellt (Ps 87; Jes 60,21; Hes 48,35).

Von Gog und Magog in Hesekiel wird berichtet, wie dessen Heer auf den Bergen Israels durch Schläge Gottes und allerlei Naturereignisse niedergestreckt werden wird und wie Israel monatelang mit der Beerdigung der Toten beschäftigt sein wird. Hier aber wird die gesamte feindliche Heeresmasse mit einem Schlag durch Feuer vom Himmel kurzerhand und restlos verzehrt; denn jetzt ist endgültiger Schluss mit der Feindschaft gegen Gott; die Widersacher werden sich nie mehr erheben.

„Und der Teufel, der sie verführte, wurde in den Feuer- und Schwefelsee geworfen, wo sowohl das Tier ist als auch der falsche Prophet; und sie werden Tag und Nacht gepeinigt werden von Ewigkeit zu Ewigkeit“ (20,10).

Nun ist auch für den Teufel die Stunde seines Gerichts gekommen. Ewige Qual und ewige Pein, ohne Ende und ohne Unterbrechung – mit ihm übrigens auch sein ganzes Heer der Dämonen- wird sein furchtbares Los sein (vgl. 2. Pet 2,4; Jud 6; Mt 8,28–34). Der Teufel und sein Gefolge wussten schon zur Zeit des Herrn Jesus um ihr Los; sie wissen es auch heute und zittern (Jak 2,19). Die törichten Menschen aber wollen diese Tatsache leugnen, um sich vor ihr verbergen zu können. Es gibt Irrlehren, die eine ewige Dauer der Höllenqualen oder eine Hölle überhaupt leugnen wollen. Hierfür haben sie weder eine Grundlage im Wort Gottes, noch sonst eine Begründung; es ist also eine leere Behauptung, eine Hypothese. Warum behaupten sie es? Weil sie um ihres schlechten Gewissens willen wünschen, dass es keine Hölle geben möchte und damit keine Vergeltung. Schon die moralische Logik der Gerechtigkeit sagt uns im Gegenteil, dass, wenn es eine unverdiente ewige Glückseligkeit für die Erlösten gibt – und das leugnet übrigens niemand – so muss es für die, die Gottes Gnadenhand in Christus Jesus abgelehnt haben, auch eine ewige Strafe geben. Was bedeutet ewige Verdammnis in erster Linie? Es bedeutet, dass Gott der Herr, der die ungläubigen Menschen durch ihr ganzes Erdenleben hindurch getragen und sich um sie bemüht hat (1. Mo 8,22; 9,8–17; Mt 5,45), sich nunmehr endgültig von ihnen zurückzieht und sie ihren Quälern überlässt. Würde die Sonne ihren Schein verlieren, so müsste auf der Erde alles im Tod erstarren. So bedeutet auch die Abkehr Gottes von den Ungläubigen und Widerspenstigen das völlige Abgeschnittensein von aller Quelle des Lebens und des Glückes und des Lichtes. Welches schwere, endgültige Gericht!

Durch das Einhauchen des Odems Gottes hat der Mensch Leben empfangen, darum ist die menschliche Seele, wie Er, unsterblich. Aus dem gleichen Grund ist das Gericht der Verlorenen ein ewiges, wie auch die Glückseligkeit der Erretteten ewig ist.

Wer ist es, der die Verdammten ewig peinigen wird? Es ist nicht der Teufel, wie die landläufige Ansicht ist, denn wir lesen ja hier, dass er selbst unaufhörlich gepeinigt wird. Es ist auch nicht Gott, wie gewisse Irrlehren das behaupten; denn Er hat ja durch seine Abkehr die Verdammten sich selbst überlassen. Sie stehen in keinerlei Beziehung mehr zu Gott; sie existieren sozusagen für Ihn nicht mehr. Nein, die Quäler werden uns in Markus 9,43–48 klar und deutlich gezeigt. Dreimal finden wir dort den „Wurm, der nicht stirbt und „das Feuer, das nicht erlischt“ – der Wurm und das Feuer, das sind also die Quäler, die im Innern eines jeden Verdammten sitzen.

Der „Wurm“ ist das böse, unaufhörlich anklagende Gewissen, die Schuld der Sünde, der Fluch in seiner ganzen Tragweite und in allen seinen Folgen, der auf uns lastet, samt den Flüchen der Opfer unserer Sünden.

Das „Feuer“ ist die verzehrende Leidenschaft der Sünde, der man nicht entfliehen, noch sie befriedigen kann. Vor dem Flammenauge des göttlichen Richters ist alles bloß und aufgedeckt; ein Feuer, das bis ins Innerste der Seele dringt.

Welche furchtbaren Quäler und Ankläger! Wir mögen uns das Höllenfeuer materiell vorstellen, aber die geistliche Qual wird unendlich größer sein.

Die zweite Auferstehung und das Gericht der Toten

„Und ich sah einen großen weißen Thron und den, der darauf saß, vor dessen Angesicht die Erde entfloh und der Himmel, und keine Stätte wurde für sie gefunden“ (20,11).

Noch ein großes, gewaltiges Ereignis! Die zweite Auferstehung, die schon in Vers 6 angedeutet wurde: die Auferstehung der übrigen Toten, die kein Teil an der Seligkeit haben, aber jetzt auferweckt werden, damit sie ihr endgültiges, ewiges Teil empfangen (vgl. Joh 5,29). Hierauf wird nun hier näher eingegangen.

Zunächst sieht der Seher die Stätte dieses großen Gerichts, die nicht mehr auf der Erde ist, denn Himmel und Erde sind entflohen. Auf dem großen, weißen Thron hat der Richter Platz genommen. Dieser Thron ist weiß, absolut weiß, und besonders groß geschildert. Er soll die überragende Majestät des Richters und dessen absolute, unbestechliche Gerechtigkeit, Reinheit und Heiligkeit, sowie den Maßstab vollkommener Wahrheit, dokumentieren. Der Richter auf dem Thron ist der Herr Jesus selbst, dem ja alles Gericht übergeben ist, und zwar in dem Charakter, wie Ihn Johannes am Anfang der Offenbarung sieht (Kapitel 1), aber hier nicht mehr bloß als ein Beurteiler, sondern jetzt als vollstreckender Richter derer, die vor Ihm erscheinen müssen. Dass Himmel und Erde entfliehen, bekundet, dass vor dem tiefen, feierlichen Ernst jener Stunde alles, aber auch alles, zurücktreten muss und vor dem durchdringenden Flammenauge Gottes nichts bestehen kann. Wir haben hier auch den Beweis, dass die erste Auferstehung und die sichtbare Erscheinung des Herrn vor dem 1000-jährigen Reich erfolgen muss, einfach deshalb, weil Er kommt, um die Erde zu segnen, wogegen hier die Erde im Gericht entschwindet.

„Und ich sah die Toten, die Großen und die Kleinen, vor dem Thron stehen, und Bücher wurden geöffnet; und ein anderes Buch wurde geöffnet, welches das des Lebens ist. Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben war, nach ihren Werken“ (20,12).

Der Seher sieht nun vor dem Thron die unüberschaubare Menge der Toten stehen, alle, die nicht im Glauben gestorben sind, von Kain an bis zu denen, die bei der letzten Auflehnung gegen Gott (V. 7–10) vom Feuer verzehrt wurden. Alle diese müssen jetzt auf das gebietende Wort des Herrn hin auferstehen, alle Seelen, die bis dahin im Hades (Totenreich) der Verlorenen (also nicht im Paradies der Glückseligen) waren. Angesichts ihrer Pein müssen sie auf den Auferstehungsleib warten, der nicht mehr sterben kann. Dieser Leib aber ist nicht mit Herrlichkeit überkleidet, sondern nach 2. Korinther 5,3 erscheint er nackt vor dem Richter. Die vielen Sünden sind nicht durch das Blut des Christus abgewaschen. Von Furcht und Schrecken gelähmt, müssen sie vor dem unerbittlichen, heiligen Richter erscheinen. Die Zeit der Gnade ist vorbei, sie haben ihre Errettung versäumt. Wie furchtbar!

Nun müssen die Toten der lebendig machenden Stimme des Herrn gehorchen! Niemand kann sie überhören, niemand ihr widerstehen! Die Großen wie die Geringen müssen mit ihrem wahren Ich ohne Verkleidung noch Verstellung antreten. Wo sie auch begraben wurden, oder im Meer ertrunken, verbrannt oder gefressen worden sind; ob längst verwest oder als Asche in alle Winde zerstreut, alle müssen wieder in ihrem Körper, jetzt allerdings in einem unsterblichen, vor dem Thron Gottes erscheinen und ihr Urteil empfangen.

„Und das Meer gab die Toten, die in ihm waren, und der Tod und der Hades gaben die Toten, die in ihnen waren, und sie wurden gerichtet, jeder nach seinen Werken“ (20,13).

Jetzt sieht Johannes, wie jeder Einzelne – denn hier gibt es kein summarisches Verfahren – genau beurteilt wird, und zwar nach seinen eigenen Werken. Von seinen teuer Erkauften trägt der Herr alle Namen auf seiner Brust, denn sie haben die Rechtfertigung aus Gnade im Glauben angenommen. Alle, die dies versäumt haben, werden nun nach ihren Werken gewogen und beurteilt, aber alle als zu leicht erfunden. Sie müssen zu ihrem Schrecken erkennen, dass bei Gott alle ihre Sünden, selbst die kleinsten, aufbewahrt und unvergessen sind.

Die Bücher vor dem Gerichtsthron zeigen uns, dass nichts im Gedächtnis Gottes vergessen ist. Es sind Buchrollen, die nun, einem Film gleich, das ganze Leben der Beurteilten vor deren eigenen Augen abrollen. Keine Entschuldigung wird Raum haben, und jeder wird sein Verdammungsurteil als gerecht anerkennen müssen. Kann man Gott noch der Ungerechtigkeit bezichtigen? Nein, gewiss nicht! Denn wenn Adam und Eva durch eine einzige Sünde alles verloren haben, wie viel mehr die vor diesem Richterthron Erscheinenden mit ihrer Unzahl von Sünden. Auch sagt der Herr in Lukas 12,47. 48 deutlich, dass in der Bestrafung Unterschiede gemacht werden, je nach dem Maß der Schuld und der Erkenntnis eines jeden. Dies stimmt auch mit dem, was wir weiter oben über die Quäler gesagt haben, überein, denn ihre Last wird durchaus dem Sündenmaß eines jeden Einzelnen entsprechen.

„Und der Tod und der Hades wurden in den Feuersee geworfen. Dies ist der zweite Tod, der Feuersee“ (20,14).

Nachdem nun alle Toten wieder auferstanden sind und ihre endgültige Verdammung empfangen haben und andererseits der Urheber aller Sünde und des Todes samt allen seinen Trabanten ebenfalls sein endgültiges Teil im Feuersee empfangen hat, haben nun auch der Tod und der Hades ihre Daseinsberechtigung verloren. Darum werden auch sie in den Feuersee geworfen. Ihre Geschichte ist zu Ende, und sie werden nie mehr auferstehen.

„Und wenn jemand nicht geschrieben gefunden wurde in dem Buch des Lebens, so wurde er in den Feuersee geworfen“ (20,15).

Im Alten Bund trug der Hohepriester Israels die Namen der zwölf Stämme, auf Edelsteinen eingraviert, auf seiner Brust. So sind auch alle Namen der Seinen in dem Herzen Jesu eingraviert, eingegraben mit dem Blut des Lammes, das da reinigt von aller Sünde. Diese Blut-Inschrift ist die einzige Möglichkeit, dem Gericht zu entrinnen.

Es ist aber keineswegs so, dass es bei dieser letzten Gerichtssitzung noch solche geben könnte, die im Buch des Lebens eingetragen wären. Nein, denn in solchem Fall würde der Heilige Geist dies auch ausdrücklich vermerkt haben. Im Gegenteil hat der Herr in Johannes 5,24 deutlich gesagt, dass, wer an Ihn glaubt, nicht ins Gericht kommt. Dies ist auch gar nicht möglich, denn wir haben bereits gesehen, dass der Herr schon vor dem 1000-jährigen Reich die Seinen herausgerufen und zu sich ins Vaterhaus genommen hat, ja, dass sie als Mitspitzer seinen Thron umgeben werden beim Gericht. Solche, die im 1000-jährigen Reich errettet werden, kommen auch nicht in Frage, denn sie empfangen, wie wir, das ewige Leben und werden nicht sterben (vgl. Jer 31,31–34; Heb 8). Auch ersehen wir aus Jesaja 65, dass dann unter der Herrschaft absoluter Gerechtigkeit der Tod nur noch die Folge direkter Sünde mit erhobener Hand sein wird. Auch wird dann aller Fluch aufgehoben sein. Somit kann vor dem großen, weißen Thron keiner mehr gefunden werden, der gerechtfertigt werden könnte, nein, es wird ausschließlich ein Gericht der Toten „ohne Christus“ sein. O, wie ernst ist es also, nur eine Form der Gottseligkeit zu haben, d. h. nur eine äußere, wertlose Religiosität. Man täusche sich nicht, auf der Schwelle zu stehen, heißt noch nicht, drinnen zu sein!

Fußnoten

  • 1 Interessant ist eine Überlieferung unter den Juden (Tradition des Hauses Eli), dass diese Erde sieben Jahrtausende bestehen werde: die ersten zwei derselben werden „Tohu“, d. h. Gesetzlosigkeit, sein, die zweiten zwei „Thora“, d. h. Gesetz, die dritten „jeme hammaschjach“, d. h. Tage des Messias, und der siebte endlich wird „Schabbath“ heißen, d. h. Ruhe. Diese Einteilung stimmt ziemlich genau mit den Tatsachen überein, dass Abrahams Berufung ungefähr um 2000 von der Schöpfung an geschah, und das Auftreten Jesu auf rund 4000 nach der Schöpfung fällt. Seitdem sind auch wieder nahezu 2000 Jahre verflossen. Wir führen dies nicht als Beweismittel an, aber es zeigt, wie viel Erkenntnis, bezüglich des Kommens ihres Messias, die Juden schon damals hatten. Auch dass Er eine neue „Thora“, d. h. Gesetz, bringen würde, haben ihre großen Lehrer ebenfalls verkündigt, genug, um in Jesus den Messias erkennen zu können. Aber sie haben Ihn nicht gewollt.
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