Einführende Vorträge zur Offenbarung

Kapitel 20

Danach wird eine andere und ungeheuer wichtige Handlung beschrieben: Das Binden Satans. Ihm wird nicht länger erlaubt, verführend und zerstörend in der Welt umherzustreifen. „Und ich sah einen Engel aus dem Himmel herniederkommen, welcher den Schlüssel des Abgrundes und eine große Kette in seiner Hand hatte. Und er griff den Drachen, die alte Schlange, welche der Teufel und der Satan ist; und er band ihn tausend Jahre“ (V. 1–2). Es handelt sich demnach nicht um sein endgültiges Gericht. Der Engel warf ihn in den Abgrund und schloß zu und versiegelte über ihm, auf daß er nicht mehr die Nationen verführe, bis die tausend Jahre vollendet wären. Nach diesem muß er eine kleine Zeit gelöst werden.“

Danach kommen wir zu einer höchst beglückenden Offenbarung: Und ich sah Throne, und sie saßen darauf, und es wurde ihnen gegeben, Gericht zu halten; und die Seelen derer, welche um des Zeugnisses Jesu und um des Wortes Gottes willen enthauptet waren, und die, welche das Tier nicht angebetet hatten, noch sein Bild, und das Malzeichen nicht angenommen hatten an ihre Stirn und an ihre Hand, und sie lebten und herrschten mit dem Christus tausend Jahre.“ (V. 4). Ich setze nicht voraus, daß vor meiner gegenwärtigen Zuhörerschaft viele Worte notwendig sind, um aufzuzeigen, daß wir diese Szene nicht als ein einfaches Bild von der Christenheit verstehen sollen. Es sind möglicherweise nur wenige hier anwesend, falls überhaupt, die nicht erkennen, daß es um die Vorschattung einer wirklichen Auferstehung geht. Kurz gesagt, handelt es sich nicht um eine bildliche Sprache wie bei dem „Verlorenen Sohn“, wo gesagt wird: „Dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden.“ (Lukas 15, 24). Auch geht es hier nicht um die Wiederherstellung Israels, welche für den Rest der Welt mit einer Auferstehung aus den Toten verglichen wird. Die Vision zeigt Throne mit Personen, die darauf sitzen, und andere Menschen, die ihnen zugesellt werden. Die inspirierte Erklärung lautet, daß dieses die erste Auferstehung ist, die Auferstehung der Gerechten aus den Toten.

Laßt uns die verschiedenen Menschengruppen anschauen, die an der ersten Auferstehung teilhaben! – Zunächst: „Ich sah Throne, und sie saßen darauf.“ Die Throne waren schon besetzt. Anstatt, daß an ihnen Gericht ausgeübt wurde, wurde diesen Personen das Gericht gegeben. Sie selbst sollten richten. Wer sind sie? Wer sind die Personen, die auf diese Weise mit richterlicher Autorität einer so herrlichen Natur betraut werden und welche, wie wir später sehen, mit Christus herrschen? – Sicherlich dieselben Erlösten, die uns zuerst als die Ältesten im Himmel gezeigt wurden, danach als die Ältesten und die lebendigen Wesen, dann als die Braut und die lebendigen Wesen beim Hochzeitsmahl und zuletzt als die Armeen, welche dem Herrn aus dem Himmel folgten!

Es geht nicht mehr darum, die Wege und Ratschlüsse Gottes zu feiern, noch um Krieg gegen das Tier und den König zu führen. Darum finden wir ein anderes Bild. Es handelt sich um Herrschaft. Wir sehen Throne, die von gewissen Personen besetzt sind, die zusammen mit Christus herrschen. So ist die Sprache des Sinnbilds genauso aussagekräftig wie jede andere. Nichts mangelt an der Genauigkeit – im Gegenteil. Der symbolischen Sprache eignet tatsächlich eine besondere Kraft. Doch wir müssen noch eine folgenreiche Beobachtung machen, nämlich daß Johannes Seelen sah – die Seelen jener, die um des Zeugnisses Jesu und um des Wortes Gottes willen enthauptet worden waren. Das sind die Märtyrer von Offenbarung 6, die schon seit langer Zeit unter dem Altar gesehen werden und wie Brandopfer für Gott ausgeschüttet worden sind. Wir werden uns erinnern, wie ihnen gesagt wurde, daß sie warten müßten. Sie hatten den unumschränkten Herrscher angerufen, ihr Blut an ihren Feinden zu rächen. Ihnen wurde indessen gesagt, daß sie noch ein wenig warten müßten, weil einige andere Menschen, ihre Mitknechte und Brüder, auch noch sterben sollten wie sie. Hier sehen wir sie alle; denn ihnen folgte eine weitere Gruppe von Märtyrern, die erst gelitten hatten, als das Tier seine schlimmste und letzte Anmaßung zeigte. Als das zweite Tier auftrat, machte es große Anstrengungen, jene zu töten, die das Tier nicht anbeten, seinem Bild keine Huldigung erweisen und sein Zeichen nicht annehmen wollten. Diese bilden die dritte Gruppe, von der hier gesprochen wird.

Die erste Gruppe kam aus dem Himmel hinter Christus her, indem sie schon aus den Toten auferstanden und verherrlicht war. Darum saßen diese Menschen sofort auf Throne, während die beiden späteren Abteilungen, die im Rest des Verses beschrieben werden, sich noch in ihrem [vom Leib; Übs.] getrennten Zustand befanden – „und die Seelen.“ Nimm dieses ganz einfach so und buchstäblich! Es geht nicht bloß um Personen, sondern um die Seelen von enthaupteten Personen. Johannes sah ihren Zustand; dieser ist ein Teil der Vision.

Hier sind Throne; und darauf sitzen Menschen, die schon vorher in das Bild der Herrlichkeit Christi verwandelt worden sind. Darauf folgen andere im Zustand der abgeschiedenen Geister oder Seelen, welche der Prophet sah, und zwar zwei unterschiedliche Klassen von ihnen. Die einen waren um des Zeugnisses Jesu und des Wortes Gottes willen enthauptet worden, die anderen hatten das Tier in jeder Form abgelehnt. Der Beweis für diese dritte Gruppe könnte etwas deutlicher gegeben werden, indem wir nicht wie in unserer [englischen] Bibelversion lesen „und welche das Tier nicht angebetet hatten“, sondern „und die, welche das Tier nicht angebetet hatten, noch sein Bild, und das Malzeichen nicht angenommen hatten an ihre Stirn und an ihre Hand, und sie lebten und herrschten mit dem Christus tausend Jahre.“ Somit werden jene Erlösten, welche sich in dem getrennten Zustand befinden, mit ihren Leibern wieder vereinigt und zusammen mit denen, die sich schon auf den Thronen befinden, leben und herrschen. „Sie lebten und herrschten mit dem Christus tausend Jahre.“

Nichts könnte also einfacher und schöner sein wie die Art, in welcher dieser Vers die „Offenbarung“ insgesamt zusammenfaßt. Die Visionen dieses prophetischen Buches beginnen nicht mit der Entrückung der Erlösten in den Himmel, sondern mit dem Anblick derselben als schon entrückt. Wenn sie häufig vor dem Seher in seinen Gesichten erscheinen, befinden sie sich immer in einem vollständigen Zustand, ohne daß zu ihrer Zahl hinzugefügt wird. Folglich muß die Entrükkung der Kirche zusammen mit den Erretteten des Alten Testaments schon statt gefunden haben. Sie alle werden (da habe ich keinen Zweifel) zu derselben Zeit hinaufgenommen, um bei dem Herrn in der Höhe zu sein.

Wir haben gesehen, daß diese dem Herrn aus dem Himmel folgen; danach werden sie auf Thronen sitzend erblickt. Wenn der Herr Seinen Thron einnimmt, nehmen sie durch die Gnade ihre eigenen Throne ein. Aber weiterhin finden wir, daß die Erlösten, die für Christus gelitten haben während der Zeit, als die anderen sich schon im Himmel befanden, jetzt mit ihren Leibern wieder vereinigt werden und leben. Der Herr wartet auf die letzten Märtyrer, damit Er nicht einen einzigen auslasse, der um Seines Namens willen gestorben ist. Alle Dulder, sowohl aus den ersten Verfolgungen von Offenbarung 6, als auch aus den letzten (siehe Offenbarung 15!) bis zur Auslöschung Babylons, werden nun von den Toten auferweckt. Sie leben und werden daher an einen Platz und in eine Stellung versetzt, daß sie für die Herrschaft mit Christus nicht weniger passend sind als die alt-testamentlichen Heiligen und die Kirche. Das ist der Sinn dieses Verses: „Die übrigen der Toten wurden nicht lebendig, bis die tausend Jahre vollendet waren. Dies ist die erste Auferstehung.“ (V. 5).

Beachten wir hier sorgfältig, wie die erste Auferstehung nicht bedeutet, daß alle genau in demselben Moment auferweckt werden. Das wäre ein Irrtum. Wir wissen, daß die Verwandlung aller Entrückten in einem Augenblick statt findet. Doch daraus folgt nicht, daß die verschiedenen Leiber nicht zu verschiedenen Zeiten auferweckt werden; denn mit Sicherheit gibt es zwei große Akte der Auferstehung – der eine, wenn die Erlösten des Alten Testaments und die Kirche in den Himmel getragen werden, der andere, nachdem Satan gebunden, das Tier und der falsche Prophet in den Feuersee geworfen sowie Babylon gerichtet worden sind. Auf diese Weise (ohne von der Auferstehung der Gottlosen am Ende zu sprechen) gibt es bei ihr sicherlich mehrere Akte und nicht nur einen. Dabei rede ich nicht einmal von den beiden Zeugen, die getötet und nach dreieinhalb Tagen auferweckt werden, wenn der Geist des Lebens wieder in sie eingeht und sie nicht nur auferstehen, sondern, wie wir wissen, in den Himmel hinaufsteigen. Ich spreche also nicht von dem, das wir für Ausnahmen oder Besonderheiten halten könnten, sondern von zwei Akten der Auferstehung von Erlösten. Wenn wir betrachten, wie von der Auferstehung in der Heiligen Schrift gesprochen wird – läßt Gott nicht Raum für diese Wahrheit? „Ich werde ihn auferwecken am letzten Tage.“ (Johannes 6, 40). „Am letzten Tage“ meint nicht unbedingt einen bestimmten Zeitpunkt. Handle es sich um die alt-testamentlichen Erlösten und die Kirche oder die apokalyptischen Erlösten, wenn ich sie so kennzeichnen darf – jede der beiden Gruppen wird in einem Augenblick auferweckt, doch zwischen den beiden Ereignissen gibt es einen zeitlichen Abstand. Was spricht dagegen? Es gibt keine Angabe im Wort Gottes, die dazu verpflichtet, beide in demselben Moment auferstehen zu lassen. Bei jenen, die zu derselben Zeit auferstehen, geschieht das zweifellos in einem Augenblick. Daß es indessen verschiedene Akte der Auferstehung gibt, widerspricht keineswegs der Heiligen Schrift. Es wird sogar durch ihre eigene Beschreibung gefordert. Dieser Vers erklärt das; und es gibt keine andere Auslegungsmöglichkeit, welche einen Moment lang einer angemessenen Diskussion stand hält.

Da es so ist, erhalten wir große Klarheit zum Verständnis dieses Buches. Und was sollen wir zu der wunderbaren Weisheit des Herrn sagen? Sie wird „die erste Auferstehung“ genannt. Das besagt indessen keinesfalls, wie wir gesehen haben, daß es nur einen Akt der Auferweckung gibt, sondern daß alle, die an dieser Auferstehung teilhaben, wann immer sie auferweckt werden, auferstehen, bevor das Tausendjährige Reich beginnt. So sind alle, die an der ersten Auferstehung teilnehmen, auferstanden, wenn die Herrschaft Christi statt findet. Dazu gehört Christus, der wenigstens 1900 Jahre vor der Kirche auferweckt wurde, dann die Kirche zusammen mit den alt-testamentlichen Erlösten und danach, auf jeden Fall einige Jahre später, diese apokalyptischen Erlösten. Das alles liefert uns einen wahren und richtigen Blick auf die verschiedenen Beteiligten, die an dieser Auferstehung teilhaben. „Dies ist die erste Auferstehung. Glückselig und heilig, wer teilhat an der ersten Auferstehung! Über diese hat der zweite Tod keine Gewalt, sondern sie werden Priester Gottes und des Christus sein und mit ihm herrschen tausend Jahre.“

Von jemand anderem wurde, und zwar zu Recht, angemerkt, daß der Ausdruck „sie werden Priester Gottes und des Christus sein“, kurzerhand jede Auslegung beiseite stellt, die eine bildliche Auferstehung voraussetzt; denn es ist klar, daß, obwohl Grundsätze vorherrschen mögen, die Stellung als Priester nicht einfach mit einem Bild zusammenpaßt. Es handelt sich offensichtlich um eine persönlichen Belohnung an jene, die gelitten haben.

Wenn die tausend Jahre auslaufen, erscheint Satan wieder auf dem Schauplatz zum Unglück und Verderben der Nationen, die nicht aus Gott geboren sind. Doch es handelt sich um das letzte Mal, und zwar nicht allein für jenes Zeitalter, sondern für alle Haushaltungen (Dispensationen) Gottes. Und wenn die tausend Jahre vollendet sind, wird der Satan aus seinem Gefängnis losgelassen werden, und wird ausgehen, die Nationen zu verführen, die an den vier Ecken der Erde sind, den Gog und den Magog, sie zum Kriege zu versammeln.“ (V. 7–8). Das ist bestimmt von sittlicher Bedeutung. Die Herrlichkeit des Reiches bietet keine Bewahrung, wenn die Menschen in ihrem natürlichen Zustand dem Feind ausgesetzt werden. Die Nationen des Tausendjährigen Reiches, deren Zahl wie der Sand des Meeres ist“, fallen Satan zur Beute.

Und sie zogen herauf auf die Breite der Erde und umzingelten das Heerlager der Heiligen und die geliebte Stadt.“ (V. 9). Die geliebte Stadt ist Jerusalem. Bei dem Lager der Heiligen handelt es sich, wie ich vermute, um einen größeren Kreis, der das ganze Israel und jene Nichtjuden umfaßt, welche, da sie bekehrt sind, der Verführung Satans widerstehen. Dabei handelt es sich um einen offensichtlichen Gegensatz zu jenem Zustand, wie er für das Unkraut-Weizen-Feld des Christentums vorausgesagt ist, welches am Ende des Zeitalters vorgefunden wird. Weizen und Unkraut wachsen zusammen, bis der Ablauf des Gerichts sie voneinander trennt. Am Ende des Tausendjährigen Reiches (Millenium) bilden die Gerechten und die Bösen zwei unterschiedliche Aufstellungen. Dennoch wird anscheinend sogar zu dieser Zeit eine Linie gezogen zwischen dem Lager [der Heiligen; Übs.] um sie her und der geliebten Stadt Jerusalem auf der Erde, wo die Juden wohnen. Die Nicht-Wiedergeborenen der Nationen umzingeln sie nun mit ihren zahllosen Heeren, als wollten sie diese wie Heuschrecken fressen. „Und Feuer kam von Gott hernieder aus dem Himmel und verschlang sie. Und der Teufel, der sie verführte, wurde in den Feuer- und Schwefelsee geworfen, wo sowohl das Tier ist als auch der falsche Prophet; und sie werden Tag und Nacht gepeinigt werden von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ (V. 9–10).

Danach folgt eine andere Szene, die noch ernster ist – das furchteinflößendste Geschehen, das wir uns vorstellen können. Gleichzeitig ist es voll Segen für den Christen, auf das vorauszublicken, welches für immer jede Spur des Bösen beseitigt. Dort wird das Gute gerechtfertigt, wo der Mensch ganz und gar unfähig ist. Folglich sehen wir hier nur einen einzigen Thron. Es handelt sich um Gottes Gericht über den Menschen – das ewige Gericht. Sogar als Gott am Anfang der apokalyptischen Visionen (Offenbarung 4) durch die Vorsehung richtete, sahen wir beigeordnete Throne. Wenn Christus persönlich kommt, um zu richten und die Lebenden zu beherrschen (Offenbarung 20, 4), gibt es Throne; denn die auferstandenen Heiligen regieren mit Ihm. Aber jetzt ist es nur ein einziger Thron. Christus richtet die Toten.

Und ich sah einen großen weißen Thron und den, der darauf saß, vor dessen Angesicht die Erde entfloh und der Himmel.“ (V. 11). Das ist lehrmäßig von außerordentlicher Bedeutung, weil es eindeutig beweist, daß die Annahme durch nichts zu begründen ist, wie es weitverbreitet geschieht, Christus komme ausschließlich in diesem Augenblick auf die Erde zurück. Beim Kommen des Herrn spricht alles von einem Kommen auf die bewohnte Erde. Nun ist offensichtlich: Wenn der Herr nicht vor diesem Ereignis kommt, gibt es keine Erde, zu der Er kommen könnte; denn Erde und Himmel sind entflohen. Die gewöhnliche Ansicht, daß das Kommen des Herrn zu diesem Zeitpunkt geschieht, ist daher angesichts dieser Schriftstelle ein offenkundiger Trugschluß, nicht zu sprechen von weiteren Hinweisen anderswo. Hier werden keine logischen Schlußfolgerungen gesucht, noch könnten solche genügen. Du benötigst nur das Wort Gottes; und glaube ihm! Ein einzelner Bibelvers vertreibt Wolken von Einwänden. „Und ich sah einen großen weißen Thron und den, der darauf saß, vor dessen Angesicht die Erde entfloh und der Himmel, und keine Stätte wurde für sie gefunden.“ Ich gebe zu, daß später zweifellos der neue Himmel und die neue Erde gesehen werden. Doch wer behauptet, daß das der Bereich ist, zu welchem der Herr kommt? Der Herr kommt zu unserer Erde und nicht einfach zur neuen Erde im ewigen Zustand. In dieselbe Welt, in der Er gelitten hat, wird Er, nach den Schriften, zurückkommen. Doch für das ewige Gericht werden Himmel und Erde entfliehen. Danach sehen wir das neue und ewige Universum. Demnach muß Er vorher in beide zurückgekommen sein. Damit stimmt Sein Kommen aus dem Himmel im Gericht über die Erde überein, wie es Offenbarung 19 beschreibt. Er kommt zur Welt und rächt Sein Volk an dem Tier und dem falschen Propheten zusammen mit den Königen und ihren Armeen. Danach herrschen die auferstandenen Erlösten mit Ihm tausend Jahre über diese Erde. Ich sage nicht: „auf“, sondern: „über“ die Erde. Er und die verherrlichten Heiligen werden ihre Heimat im Himmel haben, aber nichtsdestoweniger werden sie für die zugeteilte Zeit über genau diese Welt herrschen.

Danach folgt, wie wir gesehen haben, die endgültige Prüfung für die Nationen auf der Erde, nachdem dieses Königreich seinen Verlauf genommen hat. Der Teufel wird noch einmal losgelassen und verführt sofort Fleisch und Blut in derselben Weise wie in allen anderen Haushaltungen. Dieses Zeitalter einer sichtbaren Herrlichkeit ist wirkungslos, die Herzen der Menschen zu ändern, obwohl sie bei der Abwesenheit des Feindes und in der kontrollierenden Gegenwart des Großen Königs eine lange Zeit erheuchelten Gehorsam leisten. Die Herrlichkeit kann herrschen und segnen, indessen niemals den Menschen bekehren. Sogar die Verkündigung der Gnade Gottes ist machtlos, es sei denn sie werde durch die lebenspendende Macht Seines Geistes zu den Seelen gebracht. Kurz gesagt: Kein Zeugnis kann etwas ausrichten, kein Werk, keine Macht oder Herrlichkeit, ohne das Wort Gottes, welches vom Geist Gottes angewandt wird. Darin wird auch – und es ist wichtig zu sehen – das wahre Wesen des Königreichs bzw. der tausendjährigen Herrschaft gezeigt. „Jener Tag“ bedeutet nicht eine Zeit, in der jeder bekehrt wird, sondern die Periode, in welcher der Herr Jesus in Gerechtigkeit herrscht. Dann wird jedes öffentliche Böse gerichtet und das Gute für tausend Jahre vollkommen unterstützt. Wenn etwas Unrechtes getan wird, findet es sofort seine Ahndung. Soweit die Entfaltung der Regierung geht, geschieht sie sittlich gesehen Gott entsprechend und zu Seiner Herrlichkeit. Trotzdem leugne ich nicht einen Moment, daß es Elemente des Bösen gibt. Sie werden indessen niemals erlaubt, sondern unter Kontrolle gehalten, wenn nicht sogar ausgetrieben. Doch daß das Herz des Menschen auch unter diesen Bedingungen nicht erneuert wird, zeigt sich ganz offen, wenn Satan am Ende alle verführt, die nicht bekehrt sind; und das ist, wie uns gesagt wird, eine unzählige Schar – „wie der Sand des Meeres.“

Wundere dich nicht über die ungeheure Anzahl oder ihren Treuebruch! Die tausend Jahre des Friedens und des Überflusses werden Gelegenheit für eine stetig wachsende Bevölkerungszahl geben, obwohl diese durch die göttlichen Gerichte zu Beginn jenes Zeitalters tüchtig ausgedünnt sein wird. Wir können vermuten, daß sie bei weitem alles übertreffen wird, was jemals auf der Oberfläche der Erde gesehen wurde. Am Anfang gibt es, wie wir wissen, ein Gemetzel zwischen den westlichen und den östlichen Mächten. Tatsächlich müssen wir sagen, daß alle Nationen durch Gerichte der einen oder anderen Art verwüstet sein werden. Aber trotz diesem allen wird die Welt tausend Jahre lang mit jeder äußerlichen Segnung und unter der bewunderungswürdigen Herrschaft, welche durch den gesegneten Herrn Selbst verwaltet wird, voranschreiten. Das Ergebnis ist ein Gewimmel blühender Völker auf der Erde. Es handelt sich dann um einen beispiellosen Zustand der Natur in Bezug auf die Früchte der Erde und den Genuß alles dessen, was Gott hienieden erschaffen hat. Als Folge wächst die Weltbevölkerung, wie es niemals vorher geschehen ist, seitdem die Welt gebildet wurde. Dennoch stellt sich hinterher heraus, daß Satan, wie wir gesehen haben, keine Mühe hat, die Völkermassen in eine ungeheure Rebellion gegen die Gegenstände der besonderen Gunst Gottes auf der Erde – die Erlösten, wo immer sie sein mögen – und die geliebte Stadt zu verführen.

Daraufhin folgt nicht nur die Vernichtung dieser Rebellen durch das göttliche Gericht, sondern auch die Auflösung von Himmel und Erde; und Jesus sitzt auf dem großen weißen Thron. Es handelt sich um das Gericht der Toten als solche, welche nun auferstehen und Rechenschaft über ihre Taten geben. Alle Toten sind da, welche kein Teil an der ersten Auferstehung hatten. Die Natur der Sache nimmt natürlich die Erlösten des Tausendjährigen Reiches aus.1 Das ist ganz einfach, denn schließlich wird nirgendwo von ihnen gesagt, daß sie überhaupt sterben. Es gibt aus der Heiligen Schrift keinen Grund für die Folgerung, daß irgendein Erlöster während der tausend Jahre stirbt, sondern eher das Gegenteil. Die Schrift ist in Jesaja 65 eindeutig, daß der Tod während des Millenniums nur als ein besonderes Gericht wegen offener Rebellion eintritt. Wenn ein Mensch stirbt, handelt es sich um einen ausdrücklichen Fluch von seiten Gottes. Falls er als Hundertjähriger stirbt, gleicht es dem Tod eines Säuglings heutzutage. Der bekehrte Mensch wird dann nicht nur – wenn ich so sagen darf – das natürliche Lebensalter von tausend Jahren erreichen, sondern diese Grenze sogar überschreiten. Falls er schon vor den tausend Jahren lebte, wird er auch nach den tausend Jahren weiterleben.

Tatsächlich wird er buchstäblich niemals sterben, obwohl ich aufgrund allgemeiner Grundsätze nicht bezweifle, daß die Erlösten der Erde des Tausendjährigen Reiches zu der Zeit, wenn Himmel und Erde verschwinden, verwandelt werden. Natürlich werden sie durch diese Krise hindurch in der einen oder anderen Weise bewahrt, wie sie der Weisheit Gottes angemessen sind. Gott hat uns nicht mitgeteilt, wie das geschieht; es geht uns nichts an. Er hat sich diese Angelegenheit vorbehalten – allerdings nicht ohne genug mitgeteilt zu haben, um, wie wir gesehen haben, unsere Gedanken zu lenken. Es handelt sich um einen der Fälle, die hin und wieder in der Bibel erscheinen, wo Gott unsere törichte Neugier bremst und tadelt; denn nur Er weiß, wie alles vollkommen ausgeführt werden kann. Fleisch und Blut“, wissen wir, können „das Reich Gottes nicht ererben.“ (1. Korinther 15, 50). Entsprechend dem allgemeinen Gesichtskreis der Heiligen Schrift dürfen wir demnach sicher sein, daß diese Erlösten während jener allumfassenden Auflösung des atmosphärischen Himmels und der Erde auf den neuen Himmel und die neue Erde, in welchen Gerechtigkeit wohnt (2. Petrus 3, 13), versetzt werden – in eine neue Beschaffenheit, wie sie zum ewigen Zustand, in den sie eingeführt werden, paßt. Mögen andere spekulieren, falls sie wollen! Ich bin überzeugt, daß derjenige, der versucht die Einzelheiten zu erfassen, einfach bestrebt ist, einen Bogen zu ziehen in einen Bereich, der die Kraft des Menschen übersteigt. Ich bin mir nicht bewußt, daß irgendeine Schriftstelle diesen Gegenstand behandelt, außer daß Grundsätze niedergelegt werden, wie wir sie versucht haben, auf diesen Fall anzuwenden.

Und die Toten wurden gerichtet.“ (V. 12). Das geschieht nicht aus dem Buch des Lebens, welches nichts mit Gericht zu tun hat. „Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben war, nach ihren Werken.“ Warum wird dann das Buch des Lebens erwähnt? – Nicht weil irgendwelche Namen von diesen Menschen darin genannt werden, sondern als Beweis dafür, daß es nicht so ist. Das Buch des Lebens wird bestätigen, was aus den anderen Büchern entnommen wird. Wenn die Bücher die bösen Taten der Toten verkünden, die vor dem Thron stehen, so bietet das Buch des Lebens keine Verteidigung auf der Grundlage der Gnade Gottes. Die Schrift berichtet, daß im Buch des Lebens kein Name geschrieben steht von jenen, die gerichtet werden. Auf der einen Seite gibt es die traurige Liste unleugbarer Sünde; auf der anderen Seite wird kein Name aufgeschrieben gefunden. So wirken bei der Untersuchung sowohl die Bücher als auch das eine Buch zusammen, um der Justiz zu dienen, nämlich um Gottes ernste, außerordentlich treffende Gerechtigkeit zu verkündigen, Gottes endgültiges, unwiderrufliches Urteil. Jeder Mensch wird nach seinen Werken gerichtet. „Und wenn jemand nicht geschrieben gefunden wurde in dem Buche des Lebens, so wurde er in den Feuersee geworfen.“ (V. 15). So ist also die einzige Wirkung, die anscheinend von diesem Buch entfaltet wird, negativ und ausschließend. Damit ist nicht gesagt, daß irgend jemand von denen, die gerichtet werden (und die beschriebene Szene zeigt einzig und allein eine Auferstehung der Gerichts) dort aufgezeichnet ist. Uns wird vielmehr gezeigt, daß sie nicht in jenem Buch gefunden werden.

Außerdem wird gesagt, daß der Tod und der Hades, die hier als Feinde personifiziert werden, zu Ende gehen. „Und der Tod und der Hades wurden in den Feuersee geworfen. Dies ist der zweite Tod.“ (V. 14). So werden alle Handlungsweisen von seiten des Herrn mit sowohl Seele als auch Leib und allem, was zu ihnen gehört, abgeschlossen. Jetzt befindet sich die ganze menschliche Rasse im Auferstehungszustand – sei es zum Guten, sei es zum Schlechten; und so muß es für immer bleiben. Tod und Hades, welche so lange Gerichtsausführer in einer Welt, in der die Sünde regiert, waren und auch in der Zeit, in welcher die Gerechtigkeit herrschen wird, gelegentlich ihr Amt ausüben müssen, verschwinden an jenen Ort, dem alle Spuren der Sünde für immer übergeben sein werden.

Fußnoten

  • 1 Jedoch wird niemand von der Offenbarung vor dem Richterstuhl des Christus ausgenommen oder davor, Rechenschaft abzulegen von dem, was er in dem Leib getan hat. Aber kein Gläubiger kommt ins Gericht. (Vergl. Johannes 5, 24 mit Römer 14 und 2. Korinther 5!). (W. K.).
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