Einführende Vorträge zur Offenbarung

Kapitel 7

So weit ist der große Tag seines Zorns davon entfernt hereinzubrechen, dass wir nach diesem in einer Einschaltung Gott große Werke errettender Barmherzigkeit ausführen sehen. Zuerst werden von einem Engel, der aus dem Sonnenaufgang heraufsteigt, 144 000 aus den Stämmen Israels versiegelt. Als nächstes wird dem Propheten der Blick auf eine Menschenmenge aus den Völkern gewährt, die niemand zählen kann – „aus jeder Nation und aus Stämmen und Völkern und Sprachen, und sie standen vor dem Throne und vor dem Lamme, bekleidet mit weißen Gewändern, und Palmen waren in ihren Händen. Und sie rufen mit lauter Stimme und sagen: Das Heil unserem Gott, der auf dem Throne sitzt, und dem Lamme!“ (V. 9–10).

Hier geht es nicht einfach um „Heil“, sondern um „Heil unserem Gott“ in der Eigenschaft, dass Er auf dem Thron sitzt. (Wir haben in diesem Buch gesehen, dass es sich um seinen richterlichen Thron handelt). Mit anderen Worten: Diese Zuschreibung konnte nicht vor Kapitel 4 gemacht werden. Ihr Wesen setzt voraus, dass ein gewaltiger Wechsel stattgefunden hat. Dieses Gesicht ist nicht das Ergebnis eines Zeugnisses, das in allen oder vielen Zeitaltern abgelegt worden ist. Ein solcher Gedanke würde einzig und allein auf menschlicher Einbildung beruhen ohne die geringste Grundlage in der Heiligen Schrift. Weit davon entfernt, ein Bild von den Erlösten aller Zeiten zu sein, wird ausdrücklich gesagt, dass es sich um eine zahllose Menschenmenge aus den Völkern handelt im Gegensatz zu Israel; und das steht in Beziehung zu Gott, der im Gericht regiert. Folglich ist dieses Bild nicht allumfassend. Jene Heiden werden offensichtlich den Versiegelten aus Israel gegenüber gestellt.

Einer der Ältesten redet über sie und erklärt dem Propheten, was er ohne Erläuterung offensichtlich falsch verstanden hätte. Falls die Ältesten die verherrlichten Gläubigen darstellen, können diese Heiden es nicht sein. Ganz gewiss können sie nicht alle Erlösten sein, weil die 144.000 aus Israel ausdrücklich von ihnen getrennt gesehen werden. Wer oder was sind sie? – Es handelt sich um eine Menge heidnischer Menschen, welche durch gnädige Macht in diesen letzten Tagen bewahrt werden sollen. Es wird nicht gesagt, dass sie verherrlicht sind, noch gibt es irgendeinen Grund zu bezweifeln, dass sie sich noch in ihren natürlichen Leibern befinden. Wenn gesagt wird, dass sie vor dem Thron standen, wird damit nichts Gegenteiliges bewiesen; denn auch die Frau in Offenbarung 12 wird zum Beispiel als im Himmel gesehen vorgestellt. Wir müssen uns indessen daran erinnern, dass es sich nur darum handelt, wo der Prophet die Menschenmenge in seiner Vision sah. Wir dürfen nicht mit Notwendigkeit schließen, dass sie sich wirklich im Himmel aufhielt. Johannes sah sie dort. Doch ob damit gesagt werden soll, dass sie im Himmel ist oder nicht, ist eine andere Frage. Die Antwort beruht auf weiteren Überlegungen, die berücksichtigt werden müssen; und es beruht auf Mangel an Warten auf Gott und angemessener Erwägung der umgebenden Umstände, dass im Zusammenhang mit solchen Themen schwerwiegende Fehler gemacht werden.

In diesem Fall ist für mich vollkommen klar, dass sie sich nicht im Himmel als solchen aufhalten. Es gibt gewichtige Einwände. Zuerst finden wir sie in einem ausdrücklichen Gegensatz zu Israel, welches sich eindeutig auf der Erde befindet. Folglich muss sich diese Menschengruppe auch auf der Erde aufhalten – auf der einen Seite Juden, auf der anderen Nichtjuden. Als nächstes: Sie kommen aus der großen Drangsal. Weit davon entfernt, eine allgemeine Körperschaft aller Zeiten zu sein, beweist diese Tatsache, dass es sich um eine besondere, wenn auch zahllose Gruppe handelt. Es können demnach nur Personen sein, die von Gott während der Epoche der großen Drangsal bewahrt und gesegnet worden sind.

Zur Zeit des 1000-jähigen Reiches (Millennium) wird eine große „Ernte“ von Menschen aus den Heiden stattfinden. Hier sind es aber nicht die Erretteten dieses Reiches, sondern Erlöste aus den Nichtjuden, welche durch die Predigt des „ewigen Evangeliums“ oder des „Evangeliums des Reiches“ zur Erkenntnis Gottes geführt werden, wovon wir sowohl in den Evangelien als auch in der „Offenbarung“ lesen. Wir alle wissen, dass der Herr selbst seinen Jüngern sagte: „Dieses Evangelium des Reiches wird gepredigt werden auf dem ganzen Erdkreis, allen Nationen [oder Heiden] zu einem Zeugnis, und dann wird das Ende kommen“ (Matthäus 24, 14). Gerade von dieser Periode wird jetzt gesprochen. Es handelt sich keinesfalls um eine allgemeine Zusammenfassung dessen, was heute geschieht, sondern um eine Beschreibung von dem, was in der Zukunft sein wird, insbesondere kurz vor dem Ende, wenn die große Drangsal ausbricht. Wir finden sogar in jener Zeit eine Frucht der göttlichen Gnade in dieser gewaltigen Volksmenge aus den Heiden. Die Einzelheiten ihrer Beschreibung stimmen mit dem überein, was wir bisher beachtet haben, und bestätigt es.

Ich habe schon die Aufmerksamkeit darauf gerichtet, dass diese Volksmenge von den Ältesten unterschieden wird. Falls letztere die Kirche bedeuten, kann erstere es nicht; und da alle zugeben, dass die Ältesten die verherrlichen Erlösten darstellen, scheint mir die Folgerung klar und gewiss. Zweifellos kann dieselbe Körperschaft zu verschiedenen Zeiten durch unterschiedliche Sinnbilder gezeigt werden – aber kaum durch zwei Symbole zu derselben Zeit. Zum Beispiel mögen wir zu der einen Zeit die Christen durch ein Gefolge von Jungfrauen vorgestellt bekommen, zu einer anderen als die Braut. Aber in demselben Gleichnis wird sorgfältig jedes Durcheinander vermieden. Solche unvereinbaren Mischungen gibt es in der Heiligen Schrift nicht. Sogar unter vernünftigen Menschen werden sie nicht gefunden – wieviel weniger im Wort Gottes! So sagt uns der Prophet hier, dass als Antwort auf seine eigene Frage einer von den Ältesten antwortet: „Diese, die mit weißen Gewändern bekleidet sind, wer sind sie, und woher sind sie gekommen … Dies sind die, welche aus der großen Drangsal kommen, und sie haben ihre Gewänder gewaschen und haben sie weiß gemacht in dem Blute des Lammes“ (V. 13–14). Ganz offensichtlich sind sie Gläubige und Erlöste. „Darum sind sie vor dem Throne Gottes“ (V. 15). Das nehme ich nicht als eine Beschreibung ihres aktuellen Platzes, sondern ihres Charakters. Sie werden im Blick auf den Thron und in Verbindung damit gesehen. Das beschränkt die geschilderten Umstände, wie wir sahen, auf eine bestimmte Zeit und macht sie nicht unbestimmt oder allgemeingültig. Denn der Thron hier ist verschieden von dem heutigen und der Thron des 1000-jähigen Reiches von den beiden anderen. Gerade dieser Aspekt des Thrones, den wir sein apokalyptisches Wesen nennen können, unterscheidet ihn von dem, was vorher gewesen ist oder später sein wird.

Es geht nicht allein darum, dass sie sich dort befinden, sondern es wird auch gesagt: „Der auf dem Throne sitzt wird sein Zelt über ihnen errichten.“ Damit wird die gnädige Beschirmung durch die Fürsorge und Güte des Herrn ausgedrückt. Das ist wichtig, weil Gott heutzutage durch den Heiligen Geist in der Kirche als seiner Behausung im Geist wohnt. Das wird nicht mehr sein, wenn diese Nichtjuden zur Erkenntnis seiner Person berufen werden. Dann geht es um seinen Schutz, der viel mehr dem Charakter dieser Gläubigen entspricht. Im Altertum hatte Gott seine Wolkensäule, welche als ein Verteidigungsmittel wie ein Baldachin über dem Lager Israels stand (obwohl Er natürlich auch in seiner Mitte wohnte). Hier zeigt Er in seiner Gnade, dass nicht allein die Versiegelten aus Israel seine Fürsorge genießen, sondern auch diese armen Heiden. Dann wird hinzugefügt: „Sie werden nicht mehr hungern, auch werden sie nicht mehr dürsten, noch wird je die Sonne auf sie fallen, noch irgend eine Glut“ (V. 16). Ich bekenne dir, dass eine solche Verheißung mir eher einem Volk der Erde angepasst ist als Menschen, die sich in einem verherrlichten Zustand im Himmel befinden. Was für einen Sinn hätte es, ein solches Versprechen, nicht mehr zu hungern oder zu dürsten, einem verherrlichen Volk zu geben? Hinsichtlich eines Volkes auf der Erde können wir alle den Trost dieser Versicherung verstehen. „Denn das Lamm, das in der Mitte des Thrones ist, wird sie weiden und sie leiten zu Quellen der Wasser des Lebens, und Gott wird jede Träne von ihren Augen abwischen“ (V. 17).

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