Vorträge von H.L.Heijkoop 1968-1973 (Zukunft/Versammlung)

Was sagt die Bibel über die Zukunft Westeuropas?

Da meine eigenen Gedanken zu dem obigen Thema natürlich völlig wertlos sind und nur das Wert hat, was Gottes Wort darüber sagt, werde ich eine ganze Anzahl Stellen aus Gottes Wort lesen, die beweisen, dass Gott so spricht und dass es nicht meine eigenen Phantasien sind, die ich vortrage.

Ich möchte mit Daniel 2 beginnen. Nebukadnezar, der König von Babel, hat einen Traum. Aber am nächsten Morgen hat er ihn vergessen, und er ruft seine Weisen, damit sie ihm sagen, was für einen Traum er gehabt hat und was dieser Traum bedeutet. Können sie das nicht, so sind sie des Todes. Da entgegnen die Weisen: „Die Sache, welche der König verlangt, ist schwer; und es gibt keinen anderen, der sie vor dem König anzeigen könnte, als nur die Götter, deren Wohnung nicht bei dem Fleische ist“ (Dan 2,11). Als Nebukadnezar dann seine Leute aussendet, um alle Weisen zu töten, kommen sie auch zu Daniel. Nun erfährt Daniel, worum es sich handelt und bittet um Zeit, und dann offenbart der Herr ihm den Traum des Nebukadnezar und seine Auslegung. Danach lesen wir: „Der König hob an und sprach zu Daniel, dessen Name Beltsazar war: Bist du imstande, den Traum, den ich gesehen habe, und seine Deutung mir kundzutun? Daniel antwortete vor dem König und sprach: Das Geheimnis, welches der König verlangt, können Weise, Beschwörer, Schriftgelehrte und Wahrsager dem König nicht anzeigen. Aber es ist ein Gott im Himmel, der Geheimnisse offenbart; und er hat dem König Nebukadnezar kundgetan, was am Ende der Tage geschehen wird“ (2,26–28a). Ich lege hierauf den Nachdruck; denn hier haben wir gleich eine göttliche Erklärung über den Zweck der Mitteilungen, die wir später lesen. Es heißt dann weiter: „Dein Traum und die Gesichte deines Hauptes auf deinem Lager waren diese: Dir, o König, stiegen auf deinem Lager Gedanken auf, was nach diesem geschehen werde; und der, welcher die Geheimnisse offenbart, hat dir kundgetan, was geschehen wird. Mir aber ist nicht durch Weisheit, die in mir mehr als in allen Lebenden wäre, dieses Geheimnis geoffenbart worden, sondern deshalb, dass man dem König die Deutung kundtue, und du deines Herzens Gedanken erfahrest.

Du, o König, sahst: und siehe, ein großes Bild; dieses Bild war gewaltig, sein Glanz außergewöhnlich; es stand vor dir, und sein Aussehen war schrecklich. Dieses Bild, sein Haupt war von feinem Golde; seine Brust und seine Arme von Silber; sein Bauch und seine Lenden von Erz; seine Schenkel von Eisen; seine Füße teils von Eisen und teils von Ton. Du schautest, bis ein Stein sich losriss ohne Hände, und das Bild an seine Füße von Eisen und Ton schlug und sie zermalmte. Da wurden zugleich das Eisen, der Ton, das Erz, das Silber und das Gold zermalmt, und sie wurden wie Spreu der Sommertennen; und der Wind führte sie hinweg, und es wurde keine Stätte für sie gefunden. Und der Stein, der das Bild geschlagen hatte, wurde zu einem großen Berge und füllte die ganze Erde. Das ist der Traum; und seine Deutung wollen wir vor dem König ansagen:

Du, o König, du König der Könige, dem der Gott des Himmels das Königtum, die Macht und die Gewalt und die Ehre gegeben hat; und überall, wo Menschenkinder, Tiere des Feldes und Vögel des Himmels wohnen, hat er sie in deine Hand gegeben und dich zum Herrscher über sie alle gesetzt – du bist das Haupt von Gold. Und nach dir wird ein anderes Königreich aufstehen, niedriger als du“ – es ist beachtenswert, dass nicht von einem König, sondern einem König reich gesprochen wird – „und ein anderes, drittes Königreich von Erz, welches über die ganze Erde herrschen wird. Und ein viertes Königreich wird stark sein wie Eisen; ebenso wie das Eisen alles zermalmt und zerschlägt, so wird es, dem Eisen gleich, welches zertrümmert, alle diese zermalmen und zertrümmern. Und dass du die Füße und die Zehen teils von Töpferton und teils von Eisen gesehen hast – es wird ein geteiltes Königreich sein; aber von der Festigkeit des Eisens wird in ihm sein, weil du das Eisen mit lehmigem Ton vermischt gesehen hast. Und die Zehen der Füße, teils von Eisen und teils von Ton: zum Teil wird das Königreich stark sein, und ein Teil wird zerbrechlich sein. Dass du das Eisen mit lehmigem Ton vermischt gesehen hast – sie werden sich mit dem Samen der Menschen vermischen, aber sie werden nicht aneinander haften; gleichwie sich Eisen mit Ton nicht vermischt. Und in den Tagen dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, welches ewiglich nicht zerstört, und dessen Herrschaft keinem anderen Volke überlassen werden wird; es wird alle jene Königreiche zermalmen und vernichten, selbst aber ewiglich bestehen: weil du gesehen hast, dass von dem Berge ein Stein sich losriss ohne Hände und das Eisen, das Erz, den Ton, das Silber und das Gold zermalmte. Der große Gott hat dem König kundgetan, was nach diesem geschehen wird; und der Traum ist gewiss und seine Deutung zuverlässig“ (2, 28b-45).

Wir haben hier also einen Traum und seine Deutung, und Gottes Wort sagt, dass Gott diesen Traum gegeben hat, um Nebukadnezar mitzuteilen, was am Ende der Tage geschehen wird. Das lässt uns erkennen, dass die Bedeutung dieses Traumes weit über jene Tage hinausgeht und bis ans Ende der Tage reicht. Wenn wir auch in der Zeit des Endes leben, so sind wir doch noch nicht am Ende. Dieser Traum reicht also bis zu einer Zeit, die für uns noch zukünftig ist.

Die Erklärung des Bildes macht uns das deutlich. Gott sagt zu Nebukadnezar, dass es nacheinander vier Königreiche geben würde, von denen das letzte bestehen würde, bis es durch ein fünftes Königreich vernichtet würde, das wiederum ewiglich bestehen würde, d. h. bis ans Ende, solange die Geschichte der Erde dauert, bis in die Ewigkeit. Wir haben hier also eine Folge von Reichen auf dieser Erde bis in die Zeit des Endes, die uns in einem Bilde dargestellt werden. Es ist ein großer Überblick über die ganze politische Geschichte dieser Erde von dem Augenblick an, da dieser Traum gegeben wurde. Zu Nebukadnezar wird gesagt, dass er das goldene Haupt sei: „Du, o König, du König der Könige, dem der Gott des Himmels das Königtum, die Macht und die Gewalt und Ehre gegeben hat; und überall, wo Menschenkinder, Tiere des Feldes und Vögel des Himmels wohnen, hat er sie in deine Hand gegeben und dich zum Herrscher über sie alle gesetzt – du bist das Haupt von Gold“ (2,37–38).

Diese beiden Verse machen uns schon vieles klar. Es handelt sich nicht einfach um Könige, sondern um Reiche, die Gewalt über die ganze Welt haben, die die Weltherrschaft ausüben. Es hat Hunderte von Königen und Königreichen gegeben; aber hier ist es so, dass zu der jeweiligen Zeit keine gleichwertige Macht auf Erden sein würde, wenn diese Reiche praktisch vielleicht auch nicht die ganze Erde beherrscht haben. Nebukadnezar bildete den Anfang. Aber, wie gesagt, es geht nicht um Könige, sondern um Königreiche, so dass das Reich, das durch Nebukadnezar gegründet wurde, das erste Reich war. Gottes Wort sagt ja klar, und auch die Geschichte bestätigt es, dass es das babylonische Reich war. Aber dieses Reich würde abgelöst werden durch ein zweites Reich, das nicht denselben Wert haben würde wie das erste. Das babylonische Reich war – Gott sagt es – von Gold; denn es empfing seine Macht unmittelbar von Gott Selbst. Der Gott des Himmels hatte Nebukadnezar diese Macht gegeben. Und es ist vielleicht wichtig, dass ich kurz bei diesem Punkt verweile.

Wir finden in Gottes Wort den großen Grundsatz, dass Gott Sich abwechselnd intensiv mit den Dingen hier auf Erden beschäftigt und Sich dann scheinbar wieder zurückzieht und die Welt ihrem Los überlässt. Wir sehen das in der ganzen Bibel. Im Garten Eden stand Gott unmittelbar mit Adam in Verbindung und sagte ihm, was er tun solle. Aber als Adam ungehorsam war, kam Er mit Seinem Gericht. Als Adam untreu war, zog Gott Sich, wenn ich so sagen darf, zurück, und seit Adams Fall sehen wir Gott praktisch nicht mehr in die Geschichte der Welt eingreifen. Er überlässt die Führung den Menschen selbst, bis das Verderben des Menschen so groß wird, dass Gott wieder eingreifen muss und in der Sündflut Sein Gericht ausübt. Nach der Sündflut gibt Gott Noah die Regierungsmacht und sagt ihm, wie er in Seinem Namen zu handeln, zu regieren habe, um das Böse zu strafen: „Wer Menschenblut vergießt, durch den Menschen soll sein Blut vergossen werden“ (1. Mo 9,6). Das Gericht, das Menschen ausüben, wurde eingeführt, und in Noah nahm Gott die Regierung wieder in Seine Hände.

Aber als Noah sich betrank und nicht mehr fähig war, wirklich als Vertreter Gottes aufzutreten, sieht man, dass Gott Sich wieder zurückzieht und die Welt, wenn man so sagen darf, ihrem Los überlässt. Er nimmt nur einen Mann aus ihrer Mitte, Abraham, um ihn zu Seinem Volk zu machen, getrennt von der ganzen Welt. Abraham musste seines Vaters Haus, seine Verwandtschaft, sein Land verlassen; und nun beschäftigt Sich Gott nur mit dieser Familie.

Aber dann sehen wir 400 Jahre später, als das Volk wirklich als Sein Volk zu Ihm gebracht worden war, dass Gott wieder unmittelbar auftritt, um die Regierung hier auf Erden in die Hand zu nehmen. Er kommt zu diesem Volk, und durch Gerichte führt Er es aus Ägypten heraus. Er macht es zu Seinem Volk, und Er kommt, um in seiner Mitte zu wohnen. Und das geht so weit, dass in 1. Chronika 29 gesagt wird, dass Salomo auf dem Thron Jehovas in Jerusalem saß. Der Thron Salomos wird dort also der Thron Jehovas genannt. Aber wir kennen das Resultat. Auch Israel verdarb sein Erbe, und nachdem Gott die zehn Stämme hatte richten müssen, kam auch das Ende für Jerusalem. In Hesekiel finden wir – in Kapitel 1–11, hauptsächlich aber in den Kapiteln 10 und 11 –, wie die Herrlichkeit Gottes den Tempel und die Stadt verlässt und schließlich ganz fortgeht. Der Thron Jehovas ist nicht mehr in Jerusalem.

Dann haben wir hier in Daniel 2 (und in Hesekiel) den Augenblick, wo Gott den Nationen die Macht in die Hände gibt und Sich zurückzieht. Das bedeutet natürlich nicht, dass Gott nicht wirklich an dieser Welt interessiert ist und dass Er Sich nicht doch mit ihr beschäftigt. Seine Regierung bleibt immer wahr. Aber Sein Handeln, Seine Regierung ist jetzt unsichtbar. Er regiert jetzt durch die Vorsehung und nicht unmittelbar, und daher nicht sofort erkennbar für alle Menschen; denn Er hat die offenbare Macht in die Hände Nebukadnezars, d. h. der Nationen gegeben.

So wird es bleiben, bis wir zum 5. Königreich kommen, wo Gott Selbst wieder eingreifen und in der Person Seines Sohnes, des Herrn Jesus als Sohn des Menschen, unmittelbar regieren und auch unmittelbar richten wird. Psalm 101 sagt uns ja, dass in diesem Reich, dem Tausendjährigen Reich, jeden Morgen das Gericht ausgeübt wird, um jeden Morgen die mit dem Tode zu bestrafen, die sich am vorhergehenden Tag offenbar dem Herrn Jesus widersetzt haben (Vers 8).

Daher wird hier Gott, der oft genug „der Herr der ganzen Erde“ heißt – denken wir nur an Josua 3,11 und 13 – hier „der Gott des Himmels“ genannt. Gott hat Sich in den Himmel zurückgezogen und offenbart Sich jetzt als der Gott des Himmels. Aber Er sagt Nebukadnezar, dass Er ihm die Macht gegeben hat. Nebukadnezar regiert also nur, weil Gott ihm diesen Platz und diese Macht gegeben hat. Und das bedeutet selbstverständlich, dass Nebukadnezar Gott gegenüber verantwortlich war in der Art und Weise, wie er die Regierung ausübte.

Aber Gott, der, wie Jesaja 46,10 sagt, von Anfang an das Ende sieht, gab Nebukadnezar und dadurch uns Einsicht in die zukünftige Geschichte der Menschen und in das Ende; denn für Gott kommt nichts unerwartet. Er weiß immer, was geschehen wird. Und die wunderbare Tatsache ist, dass Er es nicht nur weiß, sondern dass Er in Seiner Gnade uns Seine Gedanken mitteilt und uns offenbart, was in der Zukunft geschehen wird, so dass uns die Dinge nicht unerwartet treffen. Wir können alles hier auf Erden betrachten, wie Er es betrachtet und auch sehen, wie am Ende alle politischen Ereignisse nur ein Ziel haben: Die Ratschlüsse Gottes werden erfüllt.

Wenn wir die Welt und die politischen Ereignisse in ihr sehen, dann hat es den Anschein, dass jeder Fürst, jeder Führer tut, was er will. Und ich zweifle auch nicht daran, dass die großen Politiker denken, dass sie tun, was sie wollen. Aber Sacharja 6 wird es anders dargestellt. Da sieht der Prophet vier Wagen mit Pferden laufen, und Pferde sind in Gottes Wort immer ein Bild von Mächten. Es handelt sich da um ein Bild von den vier Weltmächten, über die auch hier gesprochen wird. Die Pferde laufen scheinbar frei dahin, wohin sie wollen. Sie haben keine Zügel. Aber in Wirklichkeit laufen sie zwischen zwei Bergen von Erz (Vers 1). Mag ein starkes Pferd auch ohne Zügel gelassen werden, wenn es genau zwischen zwei Bergen von Erz läuft, kann es nur geradeaus. Die Ratschlüsse Gottes bestimmen, wohin diese Pferde laufen können. Und das ist ein wichtiger Gedanke, den wir in Gottes Wort linden.

Darum ist es gut und von großem Interesse für uns zu sehen, dass nichts unerwartet geschieht, sondern dass Gott im Voraus weiß, wie die Weltgeschichte sich gestalten wird. Und es ist nicht nur so, dass Er alles führt und in allen politischen Ereignissen Seine Hand hat, sondern dass Er stets das Ziel im Auge behält, und das ist das fünfte Reich, wo der Herr Jesus als der Sohn des Menschen die Macht in die Hände nehmen und hier auf Erden die Regierung ausüben wird mit allen wunderbaren Folgen.

Wie wir gesehen haben, folgen also vier Reiche aufeinander. Nebukadnezar bzw. das babylonische Reich war das erste. Es hatte seine Macht unmittelbar von Gott empfangen. Und Nebukadnezar war wirklich König von Gottes Gnaden, wie auch die holländische Königin sich noch heute Königin von Gottes Gnaden nennt. Wenn er etwas tun wollte, dann tat er es. Er brauchte auf niemand Rücksicht zu nehmen. Er war wirklich souverän und konnte absolute Autorität ausüben. Gott hatte ihm „die Macht und die Gewalt und die Ehre“ gegeben.

In Kapitel 5,28 wird uns bei der Erklärung des Traumes von Beltsazar ausdrücklich gesagt, wer das zweite Reich bilden wird: „Dein Königreich wird zerteilt und den Medern und Persern gegeben“, und es wird angedeutet, dass es von Silber ist, nicht mehr von Gold. Es hat nicht mehr denselben Charakter wie das erste. Es hat seine Macht nicht unmittelbar von Gott empfangen, sondern von den Babyloniern geerbt. Und nicht nur das. In Daniel 6 sehen wir, dass selbst Darius, der mächtige Fürst, nicht mehr tun kann, was er will. Als Daniel in die Löwengrube geworfen werden musste, weil er ein Gesetz übertreten hatte, wollte Darius ihn retten. Aber er, der mächtigste Fürst, der die Weltherrschaft innehatte, konnte es nicht; denn er durfte nicht gegen sein eigenes Gesetz handeln, durfte es auch nicht widerrufen.

Gottes Wort sagt uns auch, was das dritte Reich ist. In Kapitel 8 finden wir das ausdrücklich: Es ist das griechische Reich. In den ersten Versen haben wir ein Bild des medo-persischen Reiches, und dann kommt in Vers 8 ein Ziegenbock, der das zweite Reich vernichtet. Und dann wird in Vers 20 gesagt: „Der Widder mit den zwei Hörnern, den du gesehen hast, sind die Könige von Medien und Persien. Und der zottige Ziegenbock ist der König von Griechenland“. Da wird also das dritte Reich mit Namen genannt, es ist das griechisch-mazedonische Weltreich. Alexander der Große wird als der erste Fürst dieses Reiches angedeutet. Es ist nicht mehr von Silber, sondern von Erz. Und wenn wir die Geschichte kennen, verstehen wir das. Wie groß und wie mächtig Alexander als Fürst auch war, in Wirklichkeit musste er Acht geben auf das, was seine Generäle ihm sagten. Er war eigentlich nicht der alleinige Herrscher, sondern nur der Führer einer militärischen Diktatur. Seine Macht war noch geringer als die der Meder und Perser.

Dann sehen wir das vierte Reich, das von noch geringerem Wert ist; es ist von Eisen: Das Römische Reich – wenn wir diese Bezeichnung auch nicht ausdrücklich im Alten Testament finden, so doch sehr klar im Neuen Testament. In Lukas 2 wird uns gesagt, dass es einen Fürsten gab, der Macht hatte, über die ganze Welt zu regieren und zu befehlen, denn er hatte einen Befehl gegeben, dass die ganze Welt geschätzt würde. Das Römische Reich ist also das vierte Weltreich. Es wird gesagt, dass es von Eisen war. Wir wissen wohl, wie despotisch einige Kaiser waren. Aber nach den Gesetzen regierte das Volk und nicht der Kaiser, wenn es auch in der Praxis oft anders war. Die Regierungsform war demokratisch, wie man es heute nennen würde.

Ich will jetzt nicht über die ersten drei Reiche sprechen. In Kapitel 7, besonders aber in Kapitel 8 und 10 finden wir viele Einzelheiten über die Regierung der ersten drei Reiche. Uns interessiert jetzt jedoch vor allen Dingen das letzte Reich. Auch von dem vierten, dem Römischen Reich, werden viele Besonderheiten genannt. Wir lesen, dass er durch das fünfte Reich abgelöst werden wird, das als ein nicht mit Händen abgehauener Stein kommt, der das ganze Bild vernichtet und danach zu einem großen Reich wird, das herrschen wird bis in Ewigkeit. Nach diesem Reich wird also kein anderes Weltreich mehr erstehen. Das wird hier klar durch Gottes Wort gesagt.

Dann finden wir dabei sehr beachtenswerte Dinge. Es wird erst gesagt, dass die zwei Beine dieses letzte Reich darstellen. Es ist also nichts Einheitliches, sondern eine zweifache, geteilte Erscheinung: zwei Beine. Die Schenkel sind von Eisen und die Füße teils von Eisen und teils von Ton. Das bedeutet, dass das Reich am Ende einen anderen Charakter haben wird als am Anfang. Am Anfang ist es nur Eisen, d. i. ein zusammenhängendes Ganzes, das hart ist wie Eisen. Aber das Ende bilden die Füße, „Eisen vermischt mit Ton“, und, wie wir gelesen haben, haftet das nicht aneinander, wenn es sich auch mit dem Samen der Menschen vermengt.

Aber bei der Erklärung finden wir noch etwas Besonderes. Da wird plötzlich über Zehen gesprochen (was bei der Beschreibung des Bildes selbst nicht der Fall ist). „Und dass du die Füße und die Zehen teils von Töpferton und teils von Eisen gesehen hast – es wird ein geteiltes Königreich sein“ (Vers 41). Und dann wieder in Vers 42: „Und die Zehen der Füße, teils von Eisen und teils von Ton“. Bei der Erklärung wird also gesagt, dass die letzte Erscheinungsform dieses Reiches zehn Zehen gleichen wird. So wie die Zehen mit den Füßen verbunden sind, wird das Reich doch eine Einheit bilden. Es wird zehn besondere Reiche geben, die zu einem Reich verbunden sind, aber nach außen hin doch den Eindruck von zehn getrennten Bestandteilen machen.

Dann wird in Vers 44 gesagt: „In den Tagen dieser Könige“ – und das ist wichtig: „dieser Könige“. Die zehn Zehen werden also als Könige gesehen; während das Reich selbst nur als ein Königreich bezeichnet wird. „Und in den Tagen dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, welches ewiglich nicht zerstört, und dessen Herrschaft keinem anderen Volk überlassen werden wird. Es wird alle jene Königreiche zermalmen und vernichten, selbst aber ewiglich bestehen“.

Das weckt in uns eine Frage. Es wird hier gesagt, dass das letzte Königreich alle früheren Königreiche zermalmen werde. Und das fanden wir auch schon kurz zuvor. Wir lasen, dass der Stein, der sich losriss ohne Hände, das Bild an seine Füße von Eisen und Ton schlug und sie zermalmte, aber dann: „Da wurden zugleich das Eisen, der Ton, das Erz, das Silber und das Gold zermalmt“ (2,35b). Mit anderen Worten: Das fünfte Reich wird das Bild an seine Füße schlagen, an seine Füße mit den Zehen, also das Römische Reich in seiner letzten Erscheinungsform. Zu der Zeit werden jedoch auch die anderen Reiche noch bestehen und dann vernichtet werden.

In Kapitel 7 werden uns dieselben vier Reiche dargestellt, aber nicht in ihren äußeren politischen Formen, sondern mehr in ihrem Charakter. In Vers 3 finden wir: „Und vier große Tiere stiegen aus dem Meere herauf, eines verschieden von dem anderen“. Das ist also ein zweiter Charakterzug, der für uns sehr einleuchtend ist. Wenn Gott über die Weltherrschaft und über die Weltregierungen spricht, die es geben wird, dann nennt Er sie Tiere, das heißt, Geschöpfe ohne Geist, ohne Verstand. Wie wir wissen, besteht der Mensch aus Geist, Seele und Leib, und darin unterscheidet er sich vom Tier, das keinen Geist hat. Tiere haben wohl eine Seele; sie sind lebendige Seelen. Der Schöpfungsbericht sagt uns das ausdrücklich. Aber sie haben keinen Geist. Der Geist ist im Menschen dasjenige, wodurch er mit Gott in Verbindung kommen und auch Einsicht haben kann in Seine Gedanken. Der Geist steht mit dem Intellekt, dem Verstand, in Verbindung, die Seele dagegen mit den Trieben und Gefühlen.

Aber Gottes Wort macht uns hier klar, dass die Weltregierungen in Gottes Augen nur Tiere sind, d. h. keine Einsicht in Seine Gedanken haben, Ihn nicht kennen und nicht mit Ihm in Verbindung stehen. Und wenn ein Kind Gottes offene Augen hat, dann kann es das in der Weltgeschichte wohl bestätigt finden, tragen die Mächte Gott doch in keiner Weise Rechnung und tun dann oft die törichtsten Dinge, weil sie nicht nach Gottes Gedanken fragen.

Wir sehen hier also dieselben Reiche als vier Tiere und weitere Charakterzüge dazu. Außerdem steht da, dass das vierte Tier, wenn es gekommen ist, gerichtet wird. Aber dann heißt es in Vers 12: „Und was die übrigen Tiere betrifft: ihre Herrschaft wurde weggenommen, aber Verlängerung des Lebens ward ihnen gegeben bis auf Zeit und Stunde“. Hier wird uns also gesagt, dass das babylonische Reich zerfallen würde. Die Herrschaft würde von ihm genommen, aber als Reich würde es bis ans Ende weiter bestehen. Ebenso würde es dem medo-persischen und dem griechisch-mazedonischen Reich ergehen. Sie alle würden die Weltherrschaft abgeben müssen, aber das Stammland würde als selbständiges Reich bis in die Zeit des Endes, wenn auch nicht unbedingt in den alten Grenzen, bestehen.

Ich lege darauf besonderen Nachdruck, weil wir dann besser verstehen, welchen Umfang das Römische Reich später haben wird. Als ich vor Jahren mein Buch „Die Zukunft“ schrieb, habe ich hierauf nicht geachtet und bin dadurch, glaube ich, zu einer falschen Schlussfolgerung gekommen. Ich schrieb damals, dass der Rhein, die Donau und der Euphrat die alten Grenzen des Römischen Reiches bildeten, und das war so. Aber aufgrund dieser und anderer Verse habe ich den Eindruck, dass ich mich irrte, als ich folgerte, dass es wahrscheinlich mit diesen alten Grenzen wiederhergestellt würde. Aber wir müssen annehmen, dass nur das weströmische Reich wiederhergestellt wird, so dass Griechenland vielleicht, aber nicht bestimmt dabei sein wird. Ägypten und Syrien werden z. B. nicht dazu gehören, obwohl sie beide einen Teil des Römischen Reiches ausmachten. Auch aus Daniel 11 geht das klar hervor; da finden wir, dass sowohl Ägypten als auch Syrien am Ende Palästina angreifen werden, das dann mit dem Römischen Reich verbunden sein wird.

Es ist gut, wenn man das weiß; denn sonst müsste man sagen: Der größte Teil des Balkan wird von dem Einfluss Russlands frei werden und sich Westeuropa anschließen. Aber wenn man sich diese Verse genau ansieht, dann kann man das nicht mehr sagen. Dann weiß man nur, dass die letzte Form, in der das Römische Reich erschienen war, das weströmische Reich, wiederhergestellt wird. Und das umfasste den westlichen Teil von Europa, und Gottes Wort sagt ausdrücklich, das Palästina damit verbunden sein wird. Aber von anderen Ländern wird nicht namentlich gesprochen.

In Kapitel 7 wird ab Vers 7 der Charakter des vierten Reiches beschrieben, „ ... ein viertes Tier, schrecklich und furchtbar und sehr stark, und es hatte große eiserne Zähne; es fraß und zermalmte, und was übrig blieb, zertrat es mit seinen Füßen; und es war verschieden von allen Tieren, die vor ihm gewesen, und es hatte zehn Hörner“.

In dem ersten Bild in Kapitel 2 lasen wir, dass das letzte Reich am Ende die Gestalt von zehn Zehen haben wird. Hier wird es als ein Tier mit zehn Hörnern dargestellt. Wir wissen, dass in Gottes Wort Hörner immer ein Bild von königlicher Macht sind. Wir werden es später ausdrücklich finden. In Kapitel 7, Vers 24 steht: Und die zehn Hörner: aus jenem Königreich werden zehn Könige aufstehen“.

Da haben wir also die Bestätigung dessen, was ich schon in Verbindung mit Kapitel 2 sagte, dass man den Eindruck hat, dass die zehn Zehen ein Bild von zehn Königen sind, weil nämlich unmittelbar nach den Zehen über zehn Könige gesprochen wird. Hier wird nun ausdrücklich gesagt, dass das Tier zehn Hörner hat und dass die Hörner ein Bild von Königen sind. Aus jenem Königreich werden also zehn Könige aufstehen. Es wird entstehen aus einem Reich mit einer Regierung. Aber am Ende werden aus diesem Reich zehn Reiche entstehen, die jedoch zusammengeballt und zu einem mächtigen Reich zusammengefügt sein werden. Es wird also einen Bund von zehn Reichen geben, und wir werden noch sehen, wie stark diese Bindung sein wird.

Es heißt dann in Kapitel 7, 8: „Während ich auf die Hörner Acht gab, siehe, da stieg ein anderes, kleines Horn zwischen ihnen empor, und drei von den ersten Hörnern wurden vor ihm ausgerissen; und siehe, an diesem Horn waren Augen wie Menschenaugen, und ein Mund, der große Dinge redete“.

Da haben wir einen neuen Gedanken. Auch Offenbarung 17 sagt, dass die zehn Könige ihre Macht dieser einen Person, dem kleinen Horn, übertragen werden (Vers 13b). Aber hier wird noch mehr gesagt: Wenn das Römische Reich die Form von zehn miteinander verbundenen Regierungen haben wird, wird einer der Könige aufstehen und drei von diesen Reichen erniedrigen. Er wird ihre Macht an sich reißen und dann die wichtigste Macht sein, die das ganze Römische Reich beherrscht. Das ist wichtig, weil ich später zeigen möchte, dass noch alles in der Zukunft liegt; denn dies ist ja die letzte Erscheinungsform des Römischen Reiches.

In Vers 9 wird weiter gesagt: „Ich schaute, bis Throne aufgestellt wurden, und ein Alter an Tagen sich setzte: sein Gewand war weiß wie Schnee, und das Haar seines Hauptes wie reine Wolle; sein Thron Feuerflammen, dessen Räder ein loderndes Feuer. Ein Strom von Feuer floss und ging von ihm aus; tausend mal Tausende dienten ihm, und zehntausend mal Zehntausende standen vor ihm. Das Gericht setzte sich, und Bücher wurden aufgetan. Dann schaute ich wegen der Stimme der großen Worte, welche das Horn redete: ich schaute, bis das Tier getötet, und sein Leib zerstört und dem Brande des Feuers übergeben wurde“. Und was ich soeben schon gelesen habe: „Und was die übrigen Tiere betrifft: ihre Herrschaft wurde weggenommen, aber Verlängerung des Lebens ward ihnen gegeben bis auf Zeit und Stunde“ (Dan 7, 9–14).

Und weiter: „Ich schaute in Gesichten der Nacht: und siehe, mit den Wolken des Himmels kam einer wie eines Menschen Sohn; und er kam zu dem Alten an Tagen und wurde vor denselben gebracht. Und ihm wurde Herrschaft und Herrlichkeit und Königtum gegeben, und alle Völker, Völkerschaften und Sprachen dienten ihm; seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergehen, und sein Königtum ein solches, das nie zerstört werden wird“ (7,13–14).

Hier haben wir also die Bestätigung der Schlussfolgerung, die ich schon aus Kapitel 2 gezogen habe. Das fünfte Reich, das die vier Reiche vernichten wird, wird ein ewiges Reich sein, d. h. es wird bestehen, bis die Zeit aufhört und die Ewigkeit anfängt. In 1. Korinther 15 wird uns ausdrücklich gesagt, welches Reich das ist. Da heißt es von dem Herrn Jesus, dass Er herrschen wird, bis der letzte Feind unter Seine Füße gelegt ist, das ist der Tod. Dann wird Er das Reich Gott, dem Vater, übergeben, so dass von diesem Augenblick an Gott alles in allem ist (1. Kor 15, 24–28). So lesen wir auch in Offenbarung 21,3 von dem ewigen Zustand, dass Gott bei den Menschen wohnt. Dann gibt es keine vermittelnde Regierung mehr, sodass wir daraus in Kapitel 2 schon schließen konnten, dass das fünfte Reich das Reich des Herrn Jesus sein würde. Und hier sehen wir es ausdrücklich bestätigt: „Mit den Wolken des Himmels kam einer wie eines Menschen Sohn. Und ihm wurde Herrschaft und Herrlichkeit und Königtum gegeben, und alle Völker, Völkerschaften und Sprachen dienten ihm; seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergehen, und sein Königtum ein solches, das nie zerstört werden wird“ (7,13–14).

Ungeachtet dessen, was ich soeben sagte, ist schon klar, dass dieses noch nicht stattgefunden hat. Niemand wird in der Weltgeschichte einen König oder ein Königreich angeben können, das ewig war und also jetzt noch besteht, und worin alle Völker und Völkerschaften und Sprachen dem König dienen. Das hat es noch nie gegeben. Das ist also Zukunft. In Matthäus 24 wird ja auch gesagt, dass der Herr Jesus kommen wird auf den Wolken des Himmels (Vers 30), und ebenso lesen wir in Offenbarung 1,7, dass Er kommen wird, und jedes Auge wird ihn sehen, auch die ihn durchstoßen haben“. Hier sehen wir, dass Er kommt.

Wir haben also bisher gehört, dass es nacheinander vier Weltreiche geben wird. Das letzte ist das Römische Weltreich, das vernichtet werden wird, wenn der Herr Jesus auf den Wolken des Himmels kommt. Dann wird der Herr Jesus Sein Reich errichten, das ewig dauern, also nie zerstört werden wird. Es wird bis ans Ende, bis in Ewigkeit bestehen. Und wie wir schon aus 1. Korinther 15 gesehen haben, wird es sich bis nach dem Gericht über die Toten erstrecken, wenn die Toten vor dem großen weißen Thron gestanden haben, um nach ihren Werken gerichtet zu werden (Off 20). Das ist der letzte Akt in diesem Königreich, den der Herr Jesus als Sohn des Menschen ausführen wird. Danach wird Er das Reich Gott dem Vater übergeben. Das ist schon die Ewigkeit; denn wenn der große weiße Thron errichtet wird, lesen wir, dass Himmel und Erde vor Seinem Angesicht fliehen, und kein Platz für sie gefunden wird. Wenn es auch den Abschluss des Tausendjährigen Reiches bildet, ist es doch schon der Anfang der Ewigkeit; denn auch das Gericht von 2. Petrus 3, wo die Elemente im Brande vergehen werden, hat dann bereits stattgefunden.

Aber dann entsteht die Frage – und viele Menschen haben diese Frage gestellt: Wie ist das möglich? Es ist allgemein bekannt, dass das Römische Reich vor 1500 Jahren aufgehört hat zu bestehen. Als die Germanen damals in das Reich einfielen, vernichteten sie es schließlich, und das Römische Reich war nicht mehr. Aber Gottes Wort sagt uns hier, was am Ende sein wird, und durch die Bilder, die wir gesehen haben, verstehen wir es auch. Ich erinnere wieder an die zehn Zehen. Wenn ich einen Fuß oder zwei Füße sehe und die Zehen von vorn betrachte, dann sehe ich sie ganz voneinander getrennt. Dass sie doch miteinander in Verbindung stehen, ist eine andere Sache. Das Tier selbst also ist das Reich, aber die letzte Erscheinungsform, das Ende, sind die zehn Hörner, so dass, wenn ich die Hörner sehe, ich zehn getrennte Dinge vor mir habe.

Es wird also eine Zeit geben, in der das Römische Reich in seiner äußeren Erscheinungsform durch zehn Teile gekennzeichnet ist. Man wird zwar wissen, dass sie in Verbindung stehen, aber äußerlich werden sie doch getrennt sein. Und nach Gottes Wort werden diese zehn Könige am Ende – wir werden das später in Offenbarung 17 sehen – vereinigt sein und dann ihre Macht wieder dieser einen Person übergeben (Vers 13), dem elften Horn, von dem wir in Daniel gelesen haben und worüber wir auch in Offenbarung 13 und 17 hören. So ist uns nun klar, dass das Römische Reich, nachdem es als Weltmacht äußerlich vernichtet war, doch weiter bestehen blieb, aber in dieser Aufgliederung in mehrere Reiche.

Wenn man die Weltgeschichte im Licht des Wortes Gottes betrachtet – und das ist die einzig richtige Art, sich überhaupt mit ihr zu beschäftigen, nicht, die Bibel anhand der Weltgeschichte zu beurteilen, sondern umgekehrt die Weltgeschichte im Licht des Wortes Gottes zu lesen –, dann allein kann man wirklich unterscheiden und die Wahrheit erkennen. Dann sieht man die Wirklichkeit. Wissen wir nicht, wie Karl der Große versuchte, das Reich wieder zu errichten und wie er alle Länder fast wieder um sich vereinigt hatte? Wissen wir nicht, dass auch Karl V. sich darum bemühte, und es ihm fast gelungen wäre? Denken wir an Napoleon, der auch fast alle Länder in seiner Hand vereinigte. Aber die Zeit war noch nicht reif. In den letzten 2000 Jahren ist jedoch Westeuropa – die Länder, die zusammen das weströmische Reich bildeten – immer der Mittelpunkt der Weltgeschichte gewesen – auch nachdem das Römische Reich äußerlich vernichtet war. Immer waren Italien, Frankreich, Spanien, Deutschland und England die Länder, um die sich die Weltgeschichte drehte.

Wenn also das Tier auch in diesen Jahrhunderten nicht gesehen wurde, konnte man die zehn Hörner wohl sehen. Man könnte fast sagen, die zehn Hörner standen selbständig da, aber doch als Einheit gegenüber der übrigen Welt.

Wir kommen dann zur Offenbarung. Sie gliedert sich in drei Teile – eine Einteilung, die uns in Offenbarung 1,19 gegeben wird. Die Offenbarung beschreibt uns das, was der Apostel gesehen hatte, was war und was nach diesem geschehen würde. Das, „was nach diesem geschehen wird“, beginnt in Kapitel 4, wo Johannes in den Himmel gerufen wird und da die 24 Ältesten sieht. Von Kapitel 4 an haben wir also die Geschichte von dem Augenblick an, da die Gläubigen im Himmel sind, nachdem der Herr Jesus gekommen ist, um all die Seinigen zu Sich zu nehmen. Sie werden dort in dem Bild von 24 Ältesten gesehen. Dann dauert es nur einige Jahre, bis der Herr Jesus auf die Erde kommt, um Sein Reich zu errichten.

Die Kapitel 20–22 geben uns einen kurzen Überblick über dieses Reich und den ewigen Zustand.

Aber dann finden wir auch den dritten Teil wieder in zwei Abschnitte unterteilt. Der erste, der die äußerliche Geschichte in ihren großen Linien zeigt, geht bis Kapitel 11,18. Er führt uns zu dem Augenblick, da der Herr kommt, um Sein Reich zu errichten; denn dann wird gesagt, dass das Reich des Herrn gekommen ist. Wir sind dann beim Tausendjährigen Reich angelangt.

Die Kapitel 12–19 bilden einen neuen Abschnitt, der dieselbe Zeit behandelt wie die vorigen Kapitel, worin uns aber die größten Mächte, die herrschenden Personen dargestellt werden, die zu jener Zeit besonders hervortreten. Und es ist wichtig, das in Kapitel 13 zu sehen. In Kapitel 12 wird Israel in dem Bild einer Frau dargestellt, die auf ihrem Haupt eine Krone von 12 Sternen trägt: „Ein Weib, bekleidet mit der Sonne, und der Mond war unter ihren Füßen“ (Off 12,1). Wenn wir an die Träume Josephs denken, dann wird uns unmittelbar klar, dass das ein Bild von Israel ist. Es wird gesagt, dass sie in Geburtswehen war und einen männlichen Sohn gebar und dass der Teufel, der Drache, suchte, sie zu verschlingen. Aber „sie gebar einen männlichen Sohn, der alle Nationen weiden soll mit eiserner Rute; und ihr Kind wurde entrückt zu Gott und zu seinem Throne“ (Off 12,5).

Damit ist die Himmelfahrt des Herrn Jesus gemeint. Aber nicht nur das. Seine Versammlung, Sein Leib, ist mit Ihm verbunden. Sie wird mit Ihm entrückt, wenn auch nicht in derselben Zeit, wie wir in 1. Korinther 15 gesehen haben. Er ist vor ungefähr 1900 Jahren zum Himmel aufgefahren. Aber wir – „die des Christus sind“ – werden doch mit Ihm vereinigt werden. Und hier sehen wir, dass der Himmel Christus und die Seinigen aufnimmt, bevor das stattfindet, was wir im letzten Teil von Offenbarung 12 und in den nächsten Kapiteln lesen. In Kapitel 12 finden wir ja in Kürze die Geschichte Israels nach der Entrückung der Versammlung, und dann in Kapitel 13 die Geschichte des christlichen Westeuropa.

Da sehen wir, dass ein Tier aufsteigt, „welches zehn Hörner und sieben Köpfe hatte und auf seinen Hörnern zehn Diademe und auf seinen Köpfen Namen der Lästerung. Und das Tier, das ich sah, war gleich einem Pardel, und seine Füße wie die eines Bären, und sein Maul wie eines Löwen Maul“ (Off 13,1–2). Das sind dieselben Tiere wie in Daniel 7 – eine Andeutung der vier Weltreiche, die nacheinander bestehen werden. Nur werden sie hier in umgekehrter Reihenfolge gesehen. Weil für Daniel alles zukünftig war, sah er zuerst Nebukadnezar, bzw. das babylonische Reich als den Löwen und danach das medo-persische Reich als den Bären. Dann kam für ihn das dritte, das griechisch-mazedonische Reich, dargestellt als Pardel, und danach das vierte Reich. – Als Johannes jedoch die Offenbarung empfing, befand er sich in der Zeit des Römischen Reiches. Er blickte also zurück, während Daniel voraussah. Bei Johannes folgte dem Römischen Reich das griechisch-mazedonische, dann das medo-persische und als letztes das babylonische. Aber er sah dieselben Tiere, die die Charakterzüge dieser vier Weltreiche wiedergeben, genau so, wie sie in Daniel 2 in dem einen großen Bilde vereinigt gefunden werden.

Hier in Offenbarung 13 werden uns einige Besonderheiten mitgeteilt. Da wird in Vers 3 gesagt: „Und ich sah einen seiner Köpfe wie zum Tode geschlachtet. Und seine Todeswunde wurde geheilt, und die ganze Erde verwunderte sich über das Tier“. In Kapitel 17 wird über dasselbe Tier gesprochen, und wir erfahren, was die sieben Häupter bedeuten. In Vers 3 ist die Rede von einem scharlachroten Tier, „voll Namen der Lästerung, das sieben Köpfe und zehn Hörner hatte“. Vers 12: „Und die zehn Hörner, die du sahst, sind 10 Könige“. Es ist also dasselbe, was wir in Daniel 2 und 7 gelesen haben. Und weiter: „ ... welche noch kein Königreich empfangen haben, aber Gewalt wie Könige empfangen eine Stunde mit dem Tiere. Diese haben einen Sinn und geben ihre Macht und Gewalt dem Tiere“ (Vers 13). Da haben wir also die Zukunft, das Ende: zehn Reiche, die damals noch nicht bestanden, als die Offenbarung gegeben wurde, die aber später Macht empfangen werden in dem Reich, so wie wir in Daniel 7 gesehen haben. Sie werden aus dem Reich hervorkommen, aber dann dieser einen Person, die hier genannt wird, ihre Macht geben.

Kehren wir kurz zurück zu Vers 9: „Hier ist der Verstand, der Weisheit hat: Die sieben Köpfe sind sieben Berge, auf welchen das Weib sitzt. Und es sind sieben Könige: fünf von Ihnen sind gefallen, der eine ist, der andere ist noch nicht gekommen; und wenn er kommt, muss er eine kleine Weile bleiben“ (Verse 9–10). Hier wird uns also gesagt, was die In Kapitel 13 erwähnten sieben Häupter bedeuten; sie sind eine Anspielung auf den Sitz dieses Reiches. Nun, das ist natürlich Rom, die „Siebenhügelstadt“. Hier wird deutlich auf Rom als Hauptstadt angespielt. „Die sieben Köpfe sind sieben Berge“ (17,9b), das bekannte Bild der Stadt Rom.

Es heißt weiter: „Und es sind sieben Könige: fünf von ihnen find gefallen, der eine ist, der andere ist noch nicht gekommen“ (17,10a). Nun, „fünf Könige“ bedeutet hier nicht fünf Personen, sondern weist auf fünf verschiedene Regierungsformen hin, die das Römische Reich gehabt hat und haben wird. Wer die Geschichte kennt, weiß, dass es vor der Niederschrift der Offenbarung fünf Regierungsformen hatte und dass die sechste das Kaiserreich war. Während des Kaiserreiches wurde die Offenbarung gegeben.

In Kapitel 13 haben wir gelesen: „... einen seiner Köpfe wie zum Tode geschlachtet. Und seine Todeswunde wurde geheilt, und die ganze Erde verwunderte sich über das Tier“ (13,3). Das Römische Reich wurde scheinbar zerstört, als es als Kaiserreich dastand. Aber hier sehen wir: „Seine Todeswunde wurde geheilt und die ganze Erde verwunderte sich über das Tier“. Mit anderen Worten: Das Römische Reich wird wiederhergestellt werden in der Form, in der es scheinbar vernichtet wurde. Es wird wiederhergestellt werden als ein Kaiserreich; denn das sechste Haupt, die sechste Regierungsform, wurde tödlich verwundet und wird wiederhergestellt.

Das wird uns deutlich bestätigt in dem, was wir in Kap. 17 finden. Dort heißt es: „Es sind sieben Könige: fünf von ihnen sind gefallen, der eine ist, der andere ist noch nicht gekommen; und wenn er kommt, muss er eine kleine Weile bleiben“ (17,10). Und dann: „Und das Tier, welches war und nicht ist, er ist auch ein achter und ist von den sieben und geht ins Verderben“ (17,11). Und in Vers 8 lesen wir: „Das Tier, welches du sähest, war und ist nicht und wird aus dem Abgrund heraufsteigen und ins Verderben gehen; und die auf der Erde wohnen, deren Namen nicht in dem Buche des Lebens geschrieben sind von Grundlegung der Welt an, werden sich verwundern, wenn sie das Tier sehen, dass es war und nicht ist und da sein wird“ (17,8).

Mit den angeführten Bibelstellen dürfte die Frage, wie das Römische Reich am Ende, wenn der Herr Jesus vom Himmel kommt, bestehen und vernichtet werden kann, da es doch schon vor 1500 Jahren vernichtet wurde, hinreichend beantwortet sein. Gottes Wort sagt uns, dass es nur so scheint, als sei es vollkommen vernichtet. In seiner sechsten Regierungsform als Kaiserreich, der Regierungsform, die es schon hatte, als die Offenbarung gegeben wurde, wurde es scheinbar tödlich verwundet. Aber die tödliche Wunde wird geheilt werden. Es war das Römische Reich, es ist nicht, und es wird wieder kommen. Nur – und das ist sehr ernst – wird es dann aus dem Abgrund kommen, und das ist dasselbe, was wir schon in Kapitel 13,2b gefunden haben: „Und der Drache gab ihm seine Macht und seinen Thron und große Gewalt“. Gottes Wort sagt uns hier also, dass das weströmische Reich wiederhergestellt werden wird, und zwar als Kaiserreich, aber seine Macht direkt von Satan empfangen wird. Satan wird ihm seinen Thron und seine große Macht geben. Es wird also nicht so sein, wie wir in Römer 13 lesen, dass die Obrigkeiten ihre Macht von Gott empfangen. In der Form, in der das Römische Reich wiederhergestellt wird – als Kaiserreich –, wird es eine kurze Zeit bleiben. „Wenn er kommt, muss er eine kleine Weile bleiben“ (17,10b). Und dann: „Das Tier, welches war und nicht ist, er ist auch ein achter und ist von den sieben und geht ins Verderben“ (17,11).

Ich denke, wir haben dort die Erklärung dessen, was wir schon in Daniel 7 sahen. Da war von zehn Königen die Rede. Aber dann kam ein neuer auf, der drei von diesen Königen erniedrigte und dann selbst der mächtigste war. Er hatte einen Mund, der große Worte sprach und Augen. Und dann wurde er gerichtet und mit ihm das ganze Tier; denn es heißt, dass er zu dem Alten an Tagen gebracht wurde, und dass dann das Tier vernichtet wurde, so dass es klar ist, dass Gott ihn dort als den Vertreter, die Verkörperung, wenn ich so sagen darf, des Römischen Reiches ansieht.

Und das finden wir auch hier. Das Römische Reich wird als ein Kaiserreich wiederhergestellt werden. Aber kurz darauf wird ein Mann die Macht ergreifen, der mehr als Kaiser ist, der wirklich das ganze Reich beherrschen wird, so dass Gott ihn als Verkörperung des Reiches selbst betrachtet. Wir haben es schon in Vers 12 gelesen: „Und die zehn Hörner, die du sahst, sind zehn Könige, welche noch kein Königreich empfangen haben, aber Gewalt wie Könige empfangen eine Stunde mit dem Tiere. Diese haben einen Sinn und geben ihre Macht und Gewalt dem Tiere. Diese werden mit dem Lamme Krieg führen, und das Lamm wird sie überwinden; denn er ist Herr der Herren und König der Könige...“ (17, 12–14).

Das ist also die Zukunft des weströmischen Reiches. Und jeder, der die Geschichte kennt, weiß, wie etwa die Grenzen des weströmischen Reiches verlaufen. Die Länder Westeuropas (das sog. christliche Abendland) bildeten das weströmische Reich, das politische Zentrum der letzten Jahrhunderte, ja der letzten 2000 Jahre. Und nach Gottes Wort werden diese Länder wieder zusammengebracht werden, nicht als ein einheitliches Reich, wie es vor 2000 Jahren war, sondern als zehn verschiedene Reiche, die sich jedoch eng zusammenschließen werden. Sie werden ihre ganze Macht zusammenballen. Wenn es auch selbständige Reiche sind, werden sie doch ihre Macht in die Hände dieser einen Person geben – des Mannes, der drei der zehn Reiche erniedrigt und dann wirklich die gesamte Macht in diesem Reich ausübt.

Und welchen Charakter hat dieses Reich? Wir haben es schon gelesen. „Diese  haben  einen  Sinn  und  geben  ihre Macht und Gewalt dem Tiere. Diese werden mit dem Lamme Krieg führen, und das Lamm wird sie überwinden“   (17,13–14a). Das ist also der Charakter, den das Reich haben wird. In Daniel 7 sahen wir, dass es einen Mund voll Lästerungen gegen Gott, den Allerhöchsten hatte. Und hier in Offenbarung 13 haben wir gefunden, dass das Römische Reich, wenn es wiederhergestellt wird, seine Macht und seinen Thron direkt von Satan empfängt, nicht von Gott, sondern von Satan selbst. Es ist sogar so, dass, wenn in Kapitel 12 über Satan gesprochen und er als Drache dargestellt wird, er da in der Form des Römischen Reiches erscheint, weil er sich darin ganz offenbaren wird. So wie – wenn ich so sagen darf – Gott Sich auf Erden in der Person des Sohnes offenbart hat, wird Satan sich, wenn er aus dem Himmel geworfen wird, in einer Person offenbaren, der er seine ganze Macht und seinen Thron gibt. Und das ist das Haupt des Römischen Reiches, so dass Satan im Bilde des Römischen Reiches mit sieben Köpfen und zehn Hörnern gesehen wird. Das Römische Reich wird wirklich die Verkörperung und der ganze Ausdruck der satanischen Macht sein.

Wir hören weiter: „...die ganze Erde verwunderte sich über das Tier. Und sie beteten den Drachen an“ – d. h. den Satan, denn Kapitel 12 sagt ausdrücklich, dass der Drache Satan ist – „weil er dem Tiere die Gewalt gab. Und sie beteten das Tier an und sagten: Wer ist dem Tiere gleich! Und wer vermag mit ihm zu kämpfen? Und es wurde ihm ein Mund gegeben, der große Dinge und Lästerungen redete. Und es wurde ihm Gewalt gegeben, zweiundvierzig Monate zu wirken. Und es öffnete seinen Mund zu Lästerungen wider Gott, seinen Namen zu lästern und seine Hütte, und die, welche ihre Hütte in dem Himmel haben“ (13, 3–6).

Da sehen wir den Charakter Westeuropas in der Zeit des vierten Weltreiches. In dieser Form, wobei der führende Mann in Rom Westeuropa beherrschen wird, wird es dreieinhalb Jahre bestehen, zweiundvierzig Monate. Und wer Daniel 9 kennt, weiß, dass das die letzte Jahrwoche ist. Diese dreieinhalb Jahre finden wir wiederholt in Daniel und in der Offenbarung. Westeuropa wird dadurch charakterisiert sein, dass es seine Macht von Satan empfangen hat und Lästerungen redet, „Es öffnete seinen Mund zu Lästerungen wider Gott, seinen Namen zu lästern und seine Hütte und die, welche ihre Hütte in dem Himmel haben“ (13, 6). Das wird das Ende der sog. christlichen Länder Westeuropas sein, die das wunderbare Licht von Gott, das Christentum empfangen haben, die seit fast 2000 Jahren durch dieses Licht gesegnet wurden, wo Gott die Reformation und alle daraus folgenden auch politischen und wirtschaftlichen Segnungen schenkte. Das Ende dieser Länder wird sein, dass sie Gott lästern und öffentlich Satan und dieses Tier anbeten, das Gott lästert und, wie wir später sehen, ein Bild von sich machen lässt, vor dem jeder niederknien und das jeder anbeten muss. Dann darf kein Mensch Handel treiben, kaufen oder verkaufen, ohne das Zeichen des Tieres auf seiner Stirn zu tragen (13,17), d. h. er muss dem Bilde dieses Tieres entsprechen. Das ist die Zukunft Westeuropas.

Aber dann kommen wir zu dem, was wir in Daniel 2 und 7 sahen. Dieses Reich wird vernichtet werden: ein kleiner Stein, der nicht mit Menschenhand abgehauen ist, wird das Bild an seine Füße schlagen und dann selbst groß, d. i. zu einem großen Reich werden, das die ganze Erde beherrschen und niemals mehr vernichtet werden wird.

Nun, in Offenbarung 19 finden wir dieses Endgericht über Westeuropa. Da heißt es: „Und ich sah den Himmel geöffnet, und siehe, ein weißes Pferd, und der darauf saß, genannt Treu und Wahrhaftig, und er richtet und führt Krieg in Gerechtigkeit. Seine Augen aber sind eine Feuerflamme, und auf seinem Haupte sind viele Diademe, und er trägt einen Namen geschrieben, den niemand kennt, als nur er selbst; und er ist bekleidet mit einem in Blut getauchten Gewande, und sein Name heißt: Das Wort Gottes. Und die Kriegsheere, die in dem Himmel sind, folgten ihm auf weißen Pferden, angetan mit weißer, reiner Leinwand. Und aus seinem Munde geht hervor ein scharfes, zweischneidiges Schwert, auf dass er damit die Nationen schlage; und er wird sie weiden mit eiserner Rute, und er tritt die Kelter des Weines des Grimmes des Zornes Gottes, des Allmächtigen. Und er trägt auf seinem Gewande und auf seiner Hüfte einen Namen geschrieben: König der Könige und Herr der Herren“ (19, 11–16). Und dann Vers 19: „Ich sah das Tier und die Könige der Erde und ihre Heere versammelt, Krieg zu führen mit dem, der auf dem Pferde saß, und mit seinem Heere“.

Da haben wir dasselbe wie in Kapitel 17. Dort gaben die Könige ihre Macht dem Tier, um gegen das Lamm Krieg zu führen. Und wir wissen, das „Lamm“ ist in der Offenbarung immer der Herr Jesus. Es ist nicht dasselbe Wort, das wir z.B. in Johannes 1,29 haben: „das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt“. Da ist es amnos, während hier in der Offenbarung immer arnion steht. Es ist ein verächtlicher Ausdruck für ein kleines Lamm. Diesen Namen gibt die Offenbarung dem Herrn Jesus: das verächtliche, kleine Lamm, das nichts vermag. Es ist der Name Seiner Verwerfung.

Dieser Name Seiner Verwerfung erscheint hier, wo Er kommt, um das Gericht auszuüben (Off 17) und wo das Römische Reich seine Macht zusammenballt, um gegen Ihn zu kämpfen. Und das Resultat wird sein: „Ich sah das Tier und die Könige der Erde und ihre Heere versammelt, Krieg zu führen mit dem, der auf dem Pferde saß, und mit seinem Heere. Und es wurde ergriffen das Tier und der falsche Prophet, der mit ihm war, der die Zeichen vor ihm tat, durch welche er die verführte, welche das Malzeichen des Tieres annahmen und die sein Bild anbeteten – lebendig wurden die zwei in den Feuersee geworfen, der mit Schwefel brennt. Und die übrigen wurden getötet mit dem Schwerte dessen, der auf dem Pferde saß, welches Schwert aus seinem Munde hervorging; und alle Vögel wurden von ihrem Fleische gesättigt“ (19,19–21).

Da sehen wir das Ende Westeuropas und seiner Regierung sowie die Einführung des Reiches des Herrn Jesus. Welch schreckliches Ende für die Länder, in denen wir wohnen! Sie werden also alle ihre Armeen vereinigen und gegen den Herrn kämpfen. In Sacharja 14,4 wird uns gesagt, wo das stattfinden wird: Die Füße des Herrn werden auf dem Ölberg stehen, auf demselben Berg, von dem Er zum Himmel aufgefahren ist, und wo die Engel zu den Jüngern sagten, dass Er also wiederkommen würde, wie sie Ihn hatten auffahren sehen. Und in Matthäus 24,30 lesen wir, dass Er kommen wird auf den Wolken des Himmels.

In Daniel 11 und anderen Stellen erfahren wir, warum die Armeen von Westeuropa dann in Palästina bei Jerusalem lein werden. Ein Vasall Russlands ist in Palästina eingerückt und hat Jerusalem erobert. Dann wird der König der Juden, der Antichrist, seinen Bundesgenossen, den römischen Kaiser, zu Hilfe rufen, und Westeuropa wird seine Armeen nach Palästina schicken, um diesen Feind zu vernichten. Aber wenn sie in Palästina, in Israel, ankommen, wird der Herr vom Himmel her erscheinen. Seine Füße werden auf dem Ölberg stehen. Und die Armeen von Westeuropa werden ihren Krieg gegen Syrien vergessen und ihre Waffen gegen den Herrn Jesus kehren. Wie einst das Römische Reich den Herrn Jesus ans Kreuz schlug und tötete, werden sie Ihn auch dann zu vernichten suchen.

Aber wenn der Herr auch das Lamm ist, verachtet von den Menschen und nach ihren Gedanken ohnmächtig – ein kleines, nichtiges Lamm, das keine Macht hat – Er wird Sich dann nicht kreuzigen lassen. Dann wird der Odem Seines Mundes, das Schwert, das aus Seinem Munde hervorgeht, genügen, um Seine Feinde zu vernichten. Die ganze Armee Westeuropas wird durch ein Wort aus Seinem Munde getötet, während die beiden Anführer lebendig in die Hölle geworfen werden. Sie sind die ersten, die lebendig in die Hölle kommen. Und so wie einst, als man Ihn gefangen nehmen wollte, ein Wort aus Seinem Munde, das Wort: „Ich bin's“ (Joh 18,5), 600 römische Soldaten mit vielen Knechten und Sklaven zurückweichen und zur Erde fallen ließ, so wird dann Sein Mund die Heere vernichten. Schon Jesaja 30,33b weist darauf hin, dass Sein Odem, der Odem Seines Mundes, den Holzstoß anzünden und seine Feinde vernichten wird. Das ist das Ende Westeuropas. -

Und wenn ich jetzt an alle die denke, die den Herrn Jesus noch nicht kennen, dann möchte ich fragen: Werden Sie dabei sein, und auf welcher Seite werden Sie stehen? Ja, durch die Gnade Gottes werde ich dieses miterleben; denn wenn der Herr Jesus auf diese Erde kommt, werden wir, die Gläubigen, mit Ihm kommen. 1. Korinther 6, 2–3 sagt: „Oder wisset ihr nicht, dass die Heiligen die Welt richten werden? Wisset ihr nicht, dass wir Engel richten werden?“ Und ich werde einer von denen sein, die mit dem Herrn Jesus aus dem Himmel kommen, um hier Seine Feinde zu vernichten und danach mit Ihm auf dieser Erde zu herrschen.

Alle, die den Herrn Jesus als ihren Heiland kennen, werden dann in den Kriegsheeren des Herrn vom Himmel kommen und mit Ihm den Sieg erringen.

Aber Sie, die Sie den Herrn Jesus nicht kennen, wo werden Sie dann sein? Sicher ist, dass alle, die den Herrn kennen, dabei sein werden. Auch Sie werden wahrscheinlich nicht fehlen, aber dann auf der anderen Seite stehen. Wenn man alles sieht, was Gottes Wort uns sagt, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass die Jüngeren in unserer Mitte, die nicht bekehrt sind und sich nicht bekehren werden, dann noch in diese Armee eingezogen werden. Aber dann wird das Gericht sie ereilen: Sie werden vernichtet werden, getötet werden durch das Wort aus dem Mund des Herrn Jesus. Und dann, tausend Jahre später, werden sie vor dem großen weißen Thron stehen, um nach ihren Werken gerichtet zu werden.

Denken Sie einen Augenblick darüber nach, was das sein wird, wenn Sie in diese Armee einberufen werden, diese Armee, die gegen den Herrn Jesus kämpfen wird, um durch Ihn vernichtet zu werden. Wenn Sie in diesem Augenblick noch Ihre Zuflucht zu dem Herrn Jesus nehmen, Ihre Sünde und Schuld vor Ihm, vor Gott, bekennen und Ihn im Glauben als Ihren Heiland annehmen, dann werden Sie dabei sein, und zwar an Seiner Seite, wo auch wir durch unendliche Gnade sein werden, wenn wir mit Ihm aus dem Himmel kommen, wie wir gesehen haben, um mit Ihm hier auf Erden zu herrschen; wohnen aber werden wir im Vaterhaus.

Wenn Sie sich nicht bekehren, werden Sie mit größter Wahrscheinlichkeit auf der anderen Seite stehen. In jedem Fall werden die Gerichte Sie treffen, wie wir es in Matthäus 25 finden, wo wir das Gericht der Schafe und der Böcke haben, und wo die Böcke, d. i. alle, die das Wort nicht angenommen haben, In das ewige Feuer verwiesen werden, wo das Weinen und Zähneknirschen sein wird.

Ich weiß nicht, wann der Herr kommt. Aber alles weist darauf hin, dass es nicht mehr lange dauert. Selbst Männer wie Luther und Melanchthon haben gesagt, und das wurde auch schon vor 1800 Jahren in dem Brief des Barnabas geschrieben, dass die Geschichte der Menschheit wahrscheinlich 7000 Jahre dauere, wovon das letzte Tausend das Millennium sein wird und die 6000 Jahre vorher die Geschichte, bis der Herr kommt. Wenn das wahr ist – und es spricht sehr viel dafür – bedeutet das, dass bis zur Entrückung höchstens noch 25 Jahre vergehen werden. Sie kann heute Abend, sie kann in drei Minuten stattfinden.

Dann ist das, was uns jetzt sehr unwahrscheinlich erscheinen mag, Wirklichkeit: dass wir dabei sein werden. Es ist höchst wahrscheinlich, dass junge Männer, die hier sind und nicht bekehrt sind, es erleben werden, dass die Entrückung stattfindet; aber dann ist es für sie selbst zu spät.

Bedenken Sie darum, was auf dem Spiel steht. Heute ist noch der Tag der Gnade. Diese Minute gehört noch Ihnen. In dieser Minute steht Gott noch da. Er ruft: Komm zu Mir, wie der Herr Jesus sagt: „Kommet her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben“ (Mt 11,28). 2. Korinther 5, 20 sagt: „So sind wir nun Gesandte für Christum, als ob Gott durch uns ermahnte“ – im Holländischen steht: als ob Gott durch uns bäte oder flehte; Gott fleht jetzt noch und bittet alle, die Ihn nicht kennen, die noch nicht mit ihrer Sünde und Schuld zu Ihm gekommen sind: „Lasst euch versöhnen mit Gott!“ Gott sagt: Du bist mein Feind, ob du es wissen willst oder nicht. Aber ich möchte dich retten. Ich liebe dich. „Den, der Sünde nicht kannte“, den Herrn Jesus, meinen eingeborenen Sohn, habe ich zur Sünde gemacht für euch, auf dass ihr Gottes Gerechtigkeit würdet in Ihm (2. Kor 5,21). Wollt ihr dieses „Flehen“ Gottes abweisen? Was meint ihr, welches Gerichtes ihr schuldig seid, wenn ihr diese ausgestreckte Hand der Gnade Gottes abweisen und sagen würdet: Wir wollen Deine Gnade nicht!?

Dieselbe Stimme, die jetzt einlädt: Kommt zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch Ruhe geben!, wird dann sagen: „Gehet von mir. Verfluchte, in das ewige Feuer!“ Was wollt ihr von Ihm hören? Heute das Wort der Gnade oder später das Wort der Verdammnis?

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