Vorträge von H.L.Heijkoop 1968-1973 (Zukunft/Versammlung)

Fragen und Antworten

Frage: Nach den Stellen in den Evangelien hat der Herr das Abendmahl abends eingesetzt. Nach Apg 20,7 wurde es auch später abends gefeiert, wenn man auch aus 1. Kor 11,20 diese Zeitangabe nicht scharf erkennen kann. Warum tun wir es morgens?

Antwort: Nach 2. Mose 12,3, Mose 23 und 5. Mose 16 musste das Passah am vierzehnten Tag des Monats Abib geschlachtet und am fünfzehnten gegessen werden – aber gleich am Anfang, also am Abend gleich nach dem Schlachten des Lammes. Wir wissen ja, dass bei den Juden der Tag etwa beim Sonnenuntergang anfing. Wo der Sonntag bei uns nachts anfängt, sind wir in Übereinstimmung damit, wenn wir den Tod des Herrn am Sonntagmorgen verkündigen. Es ist auch sehr gut zu verstehen, dass Sonntagmorgen die beste Zeit ist. Es ist der erste Tag der Woche, der Neuanfang nach der Arbeitswoche, in der am Ende das Lamm geschlachtet werden musste, da die Arbeit des Menschen nur Gottes Gericht heraufrief. Der erste Tag der Woche spricht also von dem vollbrachten Werk des Herrn und von der Auferstehung als vollständigem Beweis, dass Gott mit diesem Werke befriedigt war. Es ist also der Anfang einer neuen Woche in der Kraft der Auferstehung; jetzt steht nichts mehr zwischen Gott und denjenigen, die teilhaben an dieser neuen Woche. Wie selbstverständlich ist es, dass man diese Woche anfängt mit Dank und Anbetung für Gott, Der das alles gegeben hat und dafür selbst Seinen eingeborenen Sohn sandte und schlug, und für den Herrn, Der durch Sein Werk auf dem Kreuz es Gott ermöglichte, Seine Ratschlüsse des Segens auszuführen.

Frage: Warum schildert uns der Geist Gottes in Lk 22,14–23 die Dinge so, als ob Judas sowohl bei der Passah, als auch bei der Abendmahlsfeier zugegen war?

Antwort: Ich würde lieber nicht sagen „als ob“, sondern, dass man daraus die Schlussfolgerung ziehen könnte, dass Judas beim Abendmahl anwesend war, wie es auch Vers 21 darstellt. Der Heilige Geist hat uns in Lukas nicht eine historische Reihenfolge des Lebens des Herrn gegeben, sondern eine moralische. Er hat angenommen, dass wir nicht nur Lukas, sondern auch Matthäus, Markus und Johannes lesen würden. Und aus diesen dreien geht klar hervor, dass Judas nicht beim Abendmahl anwesend war. Im Allgemeinen finden wir in Markus und Johannes, soweit dieser Geschehnisse mitteilt, eine historische Reihenfolge, in Matthäus und Lukas nicht.

Frage: Was bedeutet der Tisch des Herrn und Abendmahl? In welchem Zusammenhang steht der Tisch des Herrn mit dem Brotbrechen und der Anbetung?

Antwort: Den Ausdruck „Tisch des Herrn“ finden wir nur in 1. Kor 10. „Abendmahl“ – jedenfalls das, was wir Abendmahl nennen – finden wir viermal, dreimal in den Evangelien und einmal in 1. Kor 11, wenn auch in 1. Kor 10 in Verbindung mit dem Tisch klargemacht wird, dass beides doch eng zusammenhängt. In 1. Kor 10 sehen wir, dass der „Tisch des Herrn“ nicht nur das umfasst, was im Abendmahl des Herrn dargestellt wird, sondern dass er auch mit dem Platz, dem Charakter, in dem das Mahl gefeiert wird, in Verbindung steht. So war ja im Alten Testament der Tisch des Herrn, der eherne Altar, der Ort, wo das Opfer gebracht wurde. Er stand auf einem bestimmten Platz. In etwa ist es das, was wir wiederholt im 5. Buch Mose finden: „ …den Ort, den ich erwählen werde, um meinen Namen daselbst wohnen zu lassen; dahin sollt ihr mit euren Opfern kommen. So sagt 1. Kor 10 auch, dass man nicht teilhaben kann an dem Tisch des Herrn und zugleich an dem Tisch der Dämonen. Diese Dämonen-Altäre waren natürlich die Altäre der Heiden, der Götzendiener, hinter denen die Dämonen verborgen waren, wie das Wort Gottes ausdrücklich sagt.

Der „Tisch des Herrn“ bedeutet also, dass hier der Herr der Gastgeber ist und man sich, wenn man Abendmahl feiert, Seinen Anordnungen und Seiner Leitung fügt. Wenn ich an irgendeinem Essen teilnehme, so ist das wie in Off 3: „ ...zu dem werde ich eingehen und das Abendbrot mit ihm essen und er mit mir“. Ich kann ein Mahl einnehmen bei einem Bruder: es ist sein Tisch, an dem ich in seinem Zimmer sitze, und sein Mahl ist es. Ich habe teil daran. Aber er ist der Gastgeber, und wenn ich ein wenig anständig bin, betrage ich mich als sein Gast und verhalte mich nach der Ordnung in seinem Hause. So ist es klar, dass, wenn ich das Abendmahl des Herrn feiern will, es nicht mein Abendmahl ist. Zehn, hundert, ja tausend Gläubige können zusammenkommen und sagen: Wir wollen zusammen Abendmahl feiern, und das können sie jederzeit tun. Aber das ist noch nicht das Abendmahl des Herrn.

Wenn wir das Abendmahl des Herrn feiern wollen, können wir das nur am Tisch des Herrn tun. Ich kann das Essen von Bruder B. nicht im Hause von Bruder M. essen. So muss ich beim Abendmahl des Herrn am Tisch des Herrn sein, d. h. da, wo nur der Herr Autorität hat, wo Er die Seinen einlädt, um zu Ihm zu kommen, wo ich das ganz klar fühle und mich als Sein Gast betrage. Der Herr allein hat da die Führung, es ist Sein Abendmahl an Seinem Tisch, und wir haben in allem nur zu fragen: Herr, was sollen wir tun? Wir fügen uns Seiner Ordnung und lassen uns gebrauchen, so wie Er es will. Menschliche Ordnungen haben keine Geltung. Wenn ich ein Abendmahl einsetze und alles regele, ist es mein Abendmahl, aber nicht mehr das des Herrn.

Frage: Wem verkündigen wir nach 1. Kor 11, 26 den Tod des Herrn?

Antwort: Ich denke, der ganzen Schöpfung, d. h. allen intelligenten Wesen. Also Menschen, Engel, Satan und seinen Dämonen. Wir tun das nicht durch Worte, sondern durch die Tat des Brotbrechens.

Frage: Wie hat sich ein Kind Gottes, das in Gemeinschaft ist am Tisch des Herrn, und bekennt, den Weg der Absonderung zu gehen, zu verhalten, wenn von Verwandten oder Arbeitskollegen oder Nachbarn zu einer kirchlichen Trauung und anschließender Hochzeitsfeier in einem öffentlichen Lokal eingeladen wird?

Antwort: Man muss die Frage also unterscheiden in Teilnahme an einer kirchlichen Trauung und Teilnahme an einer Hochzeitsfeier. Ich möchte niemandem ein Gesetz auflegen, aber mir persönlich ist es in den letzten Jahren immer mehr klar geworden, dass ich einer solchen Einladung nicht Folge leisten kann. Nach Gottes Wort müssen wir sagen, dass Kirchen in Widerspruch mit Gottes Gedanken sind. Und dazu noch, dass das Pfarramt in Gottes Wort nicht gegründet ist. Wir geben beidem Ausdruck durch unser Zusammenkommen auf der Grundlage der Einheit des Leibes und indem wir, so den Tod des Herrn verkünden. Wie kann ich dann aber, durch meine Anwesenheit, sowohl die Kirche als das Pfarramt anerkennen und sanktionieren? Ich kann nicht anders sehen als dass dies in vollkommenem Widerspruch zueinander steht.

Nun die Hochzeitsfeier. Wenn die Brautleute Ungläubige sind, ist die Sache m. E. einfach. „Welches Teil hat ein Gläubiger mit einem Ungläubigen“ (2. Kor 6,14 – 7,1)? Wie kann ich dann Tischgemeinschaft mit ihnen haben, bei einem Fest von Ungläubigen? Ich glaube, dass dies nach Gottes Wort nicht geht.

Sind es Gläubige, dann wird die Sache etwas schwieriger. Aber selbst dann wird es in der heutigen Zeit fast immer unmöglich sein, der Einladung zu folgen, da es nicht mehr soviel Gläubige gibt, die wirklich getrennt sind von der Welt. Wir müssen uns noch immer fragen, ob teilnehmen nicht verstoßen würde gegen den Weg der Absonderung, den wir bekennen zu gehen. Das wird in jedem Fall eine Übung des Gewissens vor dem Herrn sein.

Frage: Von welchem Alter an darf ein junger Bruder in der Gebetsversammlung ein Gebet sprechen, in der Wortbetrachtung einen Gedanken äußern oder eine Frage stellen?

Antwort: Sobald der Heilige Geist ihn gebrauchen will; denn der Heilige Geist muss vollkommene Freiheit haben, zu gebrauchen, wen Er will. Aber der Heilige Geist führt alles so, dass es zum Nutzen der Versammlung ist; und das hat natürlich nicht der betreffende junge Bruder zu beurteilen. Nach 1. Kor 14,29 sollen die anderem urteilen“. Jeder Dienst ist also auch dem Urteil der Versammlung unterworfen: ob er wirklich vom Heiligen Geist ist, und wenn ja, ob alles vom Heiligen Geist ist.

Frage: Gilt die Anbetung dem Vater, dein Sohn, oder beiden?

Antwort: Joh 4 sagt es ja klar: Der Vater sucht solche, die Ihn in Geist und Wahrheit anbeten. Da haben wir also, dass die Anbetung zuerst dem Vater gilt. Aber in Heb 1 sagt Gott zu den Engeln, dass sie den Sohn anbeten sollen, und das werden wir auch tun. Wir beten den Vater an, und wir beten den Sohn an. Der Sohn ist auch Gott, und Er ist mein Heiland: der Sohn Gottes, der mich geliebt hat, Den ich liebe und bewundere. Und wenn ich mit Ihm beschäftigt bin, dann bete ich Ihn an. Wenn wir den Vater anbeten, bringen wir, was wir von der Herrlichkeit des Vaters gesehen haben, als wir mit Ihm als Vater beschäftigt waren. Aber nach den Bildern von 3. Mose bieten wir dem Vater auch das an, was wir von dem Herrn Jesus gesehen haben und sagen zu Ihm: „O Vater, wie wunderbar ist der Herr Jesus, Dein Sohn! Wie wunderbar ist Sein Werk! Was für eine herrliche Person ist Er, wie groß war Seine Liebe, Seine Gnade!“ All die Herrlichkeiten, die wir in dem Herrn Jesus und Seinem Werk finden, bringen wir dem Vater dar. Und das ist es, was das Herz Gottes gern hat. Ich denke, das ist für alle Eltern leicht zu verstehen. Freuen die Herzen der Eltern sich nicht, wenn man etwas über die Kinder erzählt? Wenn es auch nicht so wäre – der Vater freut sich, wenn Er sieht, dass sich an Seinem Sohn, von Dem Er sagt: „In ihm habe ich Wahlgefallen gefunden“, auch die Herzen der Menschen erfreuen und davon vor Ihm Ausdruck geben. Das sind Opfer, die Gott wohlannehmlich sind.

Das ist also der allgemeine Charakter der Anbetung, wie wir sie auch in Joh 4 finden. Wir beten den Vater an. Das heißt aber nicht nur, dass wir das, was wir bei dem Vater gesehen haben, Ihm bringen, sondern auch, was wir von der Herrlichkeit des Herrn Jesus und Seinem Werk sehen. Es ist jedoch keineswegs falsch, auch den Herrn anzubeten. Dass wir dem Herrn danken und Ihn loben, ist selbstverständlich. Aber da, wie Heb 1 sagt, alle Engel Gottes den Herrn Jesus anbeten, sollten wir das auch tun. A11gemein gesprochen jedoch ist Anbetung, dem Vater das darzubringen, was wir bei dem Herrn Jesus und auch, was wir bei Ihm selbst gesehen haben.

Frage: Daraus folgt doch eigentlich, dass man eine Anbetungsstunde nicht ansetzen kann, dass man nicht sagen kann: So, jetzt haben wir eine Anbetungsstunde. Wir haben uns vor einiger Zeit darüber unterhalten und festgestellt, dass wir in unserer Jugend von den Brüdern sonntagmorgens nie gehört haben: „Wir gehen zur Anbetungsstunde“, sondern: „Wir gehen zum Brotbrechen.“ Nachdem der Geist Gottes die Versammlung zur Anbetung gebracht hatte, hieß es dann: „Wir haben angebetet.“

Antwort: Ja, man kann es so auffassen: Wir gehen zu der Stunde, wo wir nur anbeten sollten, verwirklichen dies aber leider nicht immer. Doch ist es bestimmt so, dass wir dahin gehen, um Brot zu brechen. Und dann empfangen wir das gebrochene Brot aus der Hand des Herrn, und Er sagt: „Dies ist mein Leib, der für euch gegeben wird.“ Wir nehmen auch den Kelch aus Seiner Hand, und Er sagt: „Dieses ist mein Blut, ... welches für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“ Und unsere Herzen antworten: „für meine Sünden.“ Wie traurig ist es, dass unsere Herzen dann nicht zur Anbetung gebracht werden! Aber wir müssen bekennen, dass es leider oft so ist. Müssen wir uns dessen nicht tief schämen? Wenn wir daran denken, dass Er uns doch nicht beiseite setzt und noch immer liebt, wird der Herr noch unendlich viel größer in unseren Augen.

Frage: Warum beten wir an? (5. Mo 10,8)

Antwort: Hier wird 5. Mo 10 angeführt. Da wird von dem Dienst gesprochen, den Levi ausüben konnte. Es ist ein dreifacher Dienst, erstens „die Lade des Bundes Jehovas zu tragen“ – d. i, also hier auf Erden ein Zeugnis für den Herrn, für die Herrlichkeit Seiner Person zu sein. Dann das Zweite: „. . . vor Jehova zu stehen, um ihm zu dienen“ – darauf wird sich die Frage beziehen. Das Dritte: „. . in seinem Namen zu segnen“ – d. h. durch das Evangelium, aber auch ganz allgemein für andere ein Segen zu sein.

„Vor Jehova zu stehen und ihm zu dienen“ – das ist also das, was die Priester im Alten Testament taten. Sie gingen ein ins Heiligtum, und da dienten sie Gott. Wie? Indem sie das Räucherwerk und den Weihrauch brachten und auch das andere Werk im Heiligtum taten. Alles das geschah in der Gegenwart Gottes, da, an diesem heiligen Platz, wo alles in vollkommener Übereinstimmung mit Ihm war.

Frage: Was ist Anbetung nach den Gedanken Gattes? Was ist sie nicht? Ist Danken und Loben Anbetung?

Antwort: Wenn wir anhand von Gottes Wort darüber nachsinnen, müssen wir die Frage: „Ist Danken und Loben Anbetung?“ verneinen. Wie wichtig Loben und Danken auch ist, ist es doch nicht Anbetung. Wir danken dem Herrn, dass Er für uns gestorben ist. Auf dem Lamm ruht meine Seele, betet voll Bewund'rung an. Alle, alle meine Sünden hat Sein Blut hinweggetan.“ Das ist Danken, wenn da auch das Wort „anbeten“ erscheint. Anbeten geht viel weiter als zu danken für das, was ich empfangen habe. Anbetung ist, die Herrlichkeit der Person des Herrn Jesus und die des Vaters sehen und sie zum Ausdruck bringen. Siehe z. B. die Opfer im 3.Buch Mose. Da kommt ein Anbeter mit einem Tier – einem Bild des Herrn Jesus – und bringt es Gott als Opfer dar. Übertragen auf uns: Da kommt ein Kind Gottes, das sich zu Hause mit der Herrlichkeit des Herrn Jesus beschäftigt und sein Herz damit gefüllt hat und sagt wie z. B. die Söhne Korahs in Ps 45: „Du bist schöner als die Menschensöhne.“ Woher wussten sie das? Natürlich, weil sie sich mit Ihm beschäftigt hatten. So können auch wir Gott nahen und sagen: „O Vater“ – oder: „O Gott! Welch eine wunderbare Person ist doch der Herr Jesus. Wie wunderbar ist Dein Sohn, wenn ich Ihn betrachte, und wie wunderbar ist Sein Werk, und welch eine Kraft hat Sein Blut, dass nicht nur ich, sondern Millionen Menschen dadurch gerettet sind und einst dadurch sogar Himmel und Erde gereinigt werden. Wie hat ER Dich am Kreuz verherrlicht!“ Das ist Anbetung. Wir haben uns selbst ausgeschaltet und bringen nur das, was wir von der Herrlichkeit des Herrn Jesus sehen. Anbetung des Vaters ist, die Herrlichkeit des Vaters gesehen zu haben – den großen allmächtigen Gott, Der Sich herabließ, solch nichtige Geschöpfe, wie wir es sind, zu lieben und Seinen eingeborenen Sohn für sie zu geben, damit sie gerettet würden, und Der sie dann zu Seinen eigenen Kindern machte, um sie in Sein eigenes Haus aufzunehmen – und dies wieder dem Vater darzubringen.

Wenn wir Ihn so betrachtet haben und dann zu Ihm kommen und sagen: O Vater, o Gott, wie wunderbar bist Du, so hoch über unsere Gedanken hinaus! Kein Mensch kann das verstehen und hätte das je erdenken können, was Du getan hast. Welche Liebe muss in Deinem Herzen wohnen und welche Weisheit!“ – das ist Anbetung. Wir finden es auch in Off 5, wo die 24 Ältesten im Himmel ein neues Lied von dem Herrn Jesus singen: „Du bist würdig..., denn du bist geschlachtet worden und hast für Gott erkauft durch dein Blut“. Sie sagen nicht: „hast uns erkauft-. So steht es nicht da im Griechischen, sondern: Du hast erkauft.

Sie sind so mit der Person des Herrn Jesus und Seinem wunderbaren Werk beschäftigt, dass sie überhaupt nicht mehr an sich selbst denken. Das ist Lob, ja, man kann sagen: Anbetung.

So ist die Antwort auf die Frage: Was ist Anbetung nach den Gedanken Gottes? dies: Wir sind mit der Person und dem Werk des Herrn Jesus beschäftigt gewesen und bieten Gott das, was wir dabei gefunden haben, ehrfürchtig als Opfer an, so wie Heb 13 sagt: Die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen. Das ist Anbetung.

Wenn ich aber sage: O Herr Jesus, ich danke Dir, dass Du für mich gestorben bist, dass ich jetzt errettet bin und nicht in die Hölle komme, sondern ein Kind Gottes bin – das ist nicht Anbetung. Das ist Danken für das, was ich empfangen habe. Von dem, was ich sage, bin ich dann der Mittelpunkt. Und wie gut es auch ist, dem Herrn zu danken – wir tun es nie genug, und wir werden die Ewigkeit brauchen, um dem Vater zu danken und Ihn zu loben für das, was Er für uns getan hat – wir fühlen doch: Anbetung ist mehr, höher, nämlich: Beschäftigung mit dem, was die Person Selbst ist und das Gott bringen.

Um ein Bild aus dem Alten Testament zu gebrauchen: Ein Israelit konnte zu Gott kommen, um ein Dankopfer – oder, wie im Deutschen steht, ein Friedensopfer – zu bringen. Aber in 3. Mose 7 lesen wir, dass ein Friedensopfer auch zum Dank, zum Lob gebracht werden konnte. Im Holländischen haben wir das Wort „Friedensopfer“ auch nicht, wohl aber Dankopfer, und ich glaube, dass das richtiger ist. – Wenn nun ein Israelit ein Brandopfer brachte, durfte er davon selber nicht essen; es war ganz für Gott. Aber ein Priester kannte ins Heiligtum hineingehen und dort opfern, allerdings kein Tier, sondern Weihrauch und Räucherwerk. Nun, Weihrauch und Räucherwerk sprechen nicht von dem Werk des Herrn Jesus, sondern von Seiner Person, von Seinen persönlichen Herrlichkeiten. Das ist wahre Anbetung, und damit kannte er ins Heiligtum gehen, in die Gegenwart Gottes, um das Gott anzubieten. Wir können sagen „Gott“, aber auch „dem Vater“. In Joh 4 heißt es ja: Der Vater sucht solche, die Ihn anbeten in Geist und Wahrheit.

Frage: Welcher Unterschied besteht zwischen Gottesdienst und Anbetung?

Antwort: Da müssten wir wohl erst einmal das Wort „Gottesdienst“ definieren. Ich habe oft gehört und auch gelesen, dass über Zusammenkünfte in der Kirche, wo einer zu vielen sprach, als „Gottesdienst“ gesprochen wurde. Das ist natürlich keine Anbetung. Anbetung ist, Gott etwas bringen. Und das ist etwas ganz anderes, als wenn Gott uns etwas gibt. Wenn Gläubige unter der Leitung des Heiligen Geistes zusammenkommen, dann benutzt der Herr einen Bruder oder mehrere Brüder, um zu der Versammlung zu sprechen und ihr aus Seinem Reichtum zu geben. Da ist Er der Gebende. Bei der Anbetung jedoch ist es genau umgekehrt: die Versammelten, die Kinder Gottes, kommen zu Gott, zu dem Vater, um Ihm etwas zu geben, „die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen“. Und der Vater sucht solche, die Ihn in Geist und Wahrheit anbeten.

Frage: Wo findet die Anbetung statt? Im Heiligtum oder am Tisch des Herrn?

Antwort: Das geht tief. Um das verständlich zu machen, müssen wir zu den Bildern des Alten Testaments greifen. Da ist die Stiftshütte. Die meisten von uns wissen, wie sie eingerichtet war. Zunächst betrat man einen großen Platz, den Vorhof, wo der eherne Altar stand. Da wurden alle blutigen Opfer gebracht, und der eherne Altar wurde „der Tisch des Herrn“ genannt. Hesekiel und besonders auch Maleachi im Alten Testament sowie 1. Korinther 10 im Neuen Testament sind die einzigen Stellen, wo der Ausdruck „des Herrn Tisch“ vorkommt. In 1. Kor 10 wird auch auf diesen ehernen Altar hingewiesen, wo die Israeliten ihre Opfer brachten. Auch zu einem Friedensopfer kamen sie dort zusammen und aßen davon.

(siehe auch „Die Opfer“ von HLH, Seiten 200–217, bes. 203–204)

Aber innerhalb des Vorhofs befand sich das Heiligtum, das in zwei Abteilungen, das Heilige und das Allerheiligste, unterteilt war. Und im Heiligtum, gerade vor dem Vorhang, der es vom Allerheiligsten trennte, stand der goldene Altar. Nach seiner Beschreibung und auch nach dem, was der Hebräerbrief uns sagt, gehörte dieser goldene Altar eigentlich ins Allerheiligste; denn da wohnte Gott. Da war die Bundeslade mit den Cherubim, d. i. der Thron Gottes. Und da musste Ihm Anbetung gebracht werden. Aber im Alten Testament war der Weg ins Heiligtum noch nicht geoffenbart; denn das Werk des Herrn Jesus war noch nicht vollbracht, so dass die Gewissen noch nicht vollkommen waren. Aber nach seiner Bedeutung hätte der goldene Altar eigentlich im Allerheiligsten stehen müssen.

Für uns ist die Sache natürlich anders. Der Vorhang ist zerrissen, und so sind das Heilige und das Allerheiligste für uns eins geworden. So haben wir Freimütigkeit, ins Heiligtum einzutreten (Heb 10, 19). Im Alten Testament durften das nur die Priester tun.

Nun, und wer ist ein Priester? Priester sind solche, die regelmäßig in der Gegenwart Gottes sind, die da täglich dienen. Im Alten Testament waren das ja nur die Söhne Aarons. Heute sind zwar alle Gläubigen, die Frieden mit Gott haben und so gesalbt und mit dem Heiligen Geist versiegelt sind, Priester. Aber nicht immer entsprechen sie dem auch praktisch. Priester, die den Dienst ausübten, waren gewöhnt, in der Gegenwart Gottes zu sein. Nicht jeder aus der priesterlichen Familie, z. B. ein ganz junges Kind von Aaron, übte den Priesterdienst aus. Er kam nicht ins Heiligtum, er kannte den Dienst nicht. Und wenn er ihn auch gekannt hätte, hätte er doch nicht gewusst, wie er sich betragen sollte. Aber ein Priester ist gewöhnt, im Heiligtum zu sein, und er weiß, wie man sich in der Gegenwart Gottes verhalten muss.

Die Priester gingen mit dem Räucherwerk und dem Weihrauch ins Heiligtum und verbrannten es auf dem goldenen Altar vor Gott. Da sehen wir also den Unterschied zwischen dem ehernen Altar, wo die blutigen Opfer gebracht wurden – das war in der Wüste, wenn auch ein abgetrennter Teil davon – und dem Heiligtum, wo Gott wohnte. Da brachte man den Weihrauch und besonders das Räucherwerk dar.

Nun, im Hebräerbrief werden wir als in der Wüste gesehen. Da wird z. B. über die Stiftshütte gesprochen. Und wir alle wissen: wir sind in der Wüste. Wenn ich hier durch eine Stadt gehe, bin ich nicht im Himmel, sondern auf Erden, in der Wüste, in der Welt.

Und wenn wir sonntagmorgens am Tisch des Herrn zusammenkommen – der Tisch des Herrn steht hier in der Welt, hier auf Erden. Aber der Hebräerbrief sagt auch: „Wir haben Freimütigkeit zum Eintritt in das Heiligtum.“ Wo ist das Heiligtum? Es ist da, wo Gott wohnt, wo Sein Thron ist. Natürlich können wir da jetzt nicht mit unseren Leibern eingehen, wohl aber im Glauben, ebenso wie wir nach dem Epheserbrief jetzt schon in den Himmel eingehen können, ja eigentlich schon da sind. In Christo Jesu hat Gott uns mitsitzen lassen in den himmlischen Örtern – wenn auch nicht mit unseren Leibern. Das wartet unser, wenn der Herr kommt; dann gehen wir auch mit unseren Leibern in den Himmel ein. Aber im Glauben können wir es schon jetzt tun. Ebenso können wir auch im Glauben zu Gott im Heiligtum nahen und Ihm dort Anbetung bringen.

Unsere Frage lautet: Wo findet die Anbetung statt, im Heiligtum oder am Tisch des Herrn? Ich weiß nicht, ob man diesen Unterschied machen kann. Ich würde so sagen: Wirkliche Anbetung findet nur im Heiligtum statt. Aber gewöhnlich sind wir dann mit unseren Leibern am Tisch des Herrn versammelt; dann gehen wir mit unseren Herzen im Glauben ins Heiligtum ein, da, wo Gott wohnt, und da bringen wir dann unsere Opfer. Das ist Anbetung. Wenn wir zur Versammlung gehen, zum Tisch des Herrn, und singen: „Alle, alle meine Sünden hat sein Blut hinweggetan“ – das ist Bewunderung, Dank, aber nicht Anbetung; das ist nicht Räucherwerk. Räucherwerk sind die persönlichen Herrlichkeiten des Herrn Jesus, und Blut wurde nicht ins Heiligtum hineingebracht. Da haben wir also den Dank und das Lob, die wirklich gebracht werden und die mit dem Tisch des Herrn in Verbindung stehen; sie steigen von dieser Erde auf. Das ist kostbar für Gott. In 4. Mose 28 legt Gott den Nachdruck darauf, dass Er Früchte aus der Wüste haben möchte. Gott verlangt danach, dass von dieser verfluchten Erde ein Wohlgeruch zu Ihm aufsteige: die Frucht der Lippen, die Seinen Namen bekennen. Unser Lob und Dank – Dank für das, was der Herr für uns ist und dass wir unser Heil in Ihm gefunden haben und dass all unsere Hoffnung auf Ihn ist, das sind für Ihn auch sehr wohlannehmliche Opfer. Aber es ist nicht Anbetung, es ist kein Räucherwerk. Räucherwerk und Anbetung werden im Heiligtum dargebracht. Wir haben Freimütigkeit einzugehen, aber wir müssen es auch wirklich tun. Leider sind unsere Herzen oft so egoistisch und nur mit dem beschäftigt, was das Werk des Herrn Jesus für uns bedeutet. Wir können uns selber nicht ausschalten, um uns nur dem zuzuwenden, was das Werk und die Person des Herrn Jesus für den Vater bedeuten. Bei wahrer Anbetung vergessen wir uns selbst und sind nur mit der Person des Herrn Jesus und mit der Person des Vaters beschäftigt; und das, was wir dann sehen, bieten wir Ihm an.

Wir dürfen hierbei eines nicht außer Acht lassen, nämlich, dass das Wissen um diese Dinge mich noch nicht zum Anbeter macht. Wohl kann ich ohne Kenntnis nicht mit Einsicht anbeten. Aber Kenntnis allein befähigt mich nicht anzubeten; denn anbeten ist eine Sache des Herzens und der Gefühle. Angenommen, ein Bruder hat über die Herrlichkeiten des Herrn Jesus ein Buch geschrieben, in dem er alle Seine Herrlichkeiten darlegt, und beim Lesen habe ich mir alles gut eingeprägt. Dann kann ich wunderbare Anbetungsworte aussprechen. Aber nicht das, was meine Lippen sagen, ist Anbetung, sondern das, was aus meinem Herzen zu Gott aufsteigt. Das ist eine allgemeine Tatsache. Wer betet denn in der Versammlung an? Ist es der Bruder, der dankt? Ja, Gott gebe es. Und wenn wirklich der Heilige Geist die Leitung hat, wird der Bruder, den er gebrauchen will, dem Ausdruck geben, was in den Herzen aller Anwesenden, jedenfalls im Herzen der Versammlung, lebt, so dass er der Mund der Versammlung ist. Wenn wir z B. dieses wunderbare Lied singen: „O Vater, einer ist's vor allen…“, sind auch nicht die Worte, die wir aussprechen, unsere Anbetung, sondern die Gefühle, die während des Singens aus unseren Herzen aufsteigen. Es ist möglich, dass ein Bruder anbetet, dass er Worte ausspricht, während in Wirklichkeit keines seiner Worte zu Gott aufsteigt, weil sein Herz kalt ist und die Worte ohne Leben sind, dass aber in derselben Zeit aus den Herzen der anderen Anwesenden die Anbetung zu Gott aufsteigt.

Das ist Anbetung in Geist und in Wahrheit. Und das ist sehr wichtig. Man kann nicht nach Gottes Gedanken handeln, wenn man Seine Gedanken nicht kennt. Aber es besteht ein sehr großer Unterschied zwischen dem bloßen Wissen und der Praxis, besonders bei der Anbetung. Anbeten können wir nur, wenn wir wirklich zu Hause mit dem Herrn beschäftigt gewesen sind, so dass wir unsere Herzen mit Ihm gefüllt haben. Gott achtet nicht auf die Worte, sondern auf die Empfindungen unseres Herzens. Das dürfen wir nicht vergessen.

(siehe auch „Die Opfer“ von HLH, Seiten 192–193)

Frage: Befinden wir uns sonntagmorgens während der Anbetungsstunde immer im Heiligtum?

Antwort: Es könnte so sein, aber es ist natürlich nicht immer so. Im Heiligtum sind wir, wenn wir wirklich mit unserer Anbetung zu dem Herrn nahen.

Frage: Können wir auch zu Hause in einer gleich wohlgefälligen Weise anbeten?

Antwort: Ich möchte nicht gern sagen, dass wir nur sonntagmorgens, wenn wir um den Tisch des Herrn versammelt sind, um den Tod des Herrn zu verkündigen, anbeten können. In Heb 13 wird uns gesagt, dass wir allezeit (stets) ein Opfer des Lobes darbringen sollen. Es wäre auch wohl recht armselig, wenn wir nur sonntagmorgens während der eineinhalb Stunde, die wir zusammen sind – an einigen Orten nur eine Stunde – wenn wir nur eine Stunde von sieben Tagen von je 24 Stunden, d. i. also insgesamt von 168 Stunden dem Herrn widmeten, um Anbetung darzubringen. Gott gebe, dass wir viel anbeten, und ich möchte insbesondere für die jüngeren Geschwister etwas aus meiner eigenen Erfahrung erzählen. Mit 17 Jahren (ich war schon lange bekehrt) bekam ich die Gewissheit, dass meine Sünden vergeben waren. Aber noch zwei Jahre danach hatte ich keine Minute Freude; ich war zu sehr mit mir selber beschäftigt, zu sehr in Rö 7. Ich konnte nicht bekennen, bekehrt zu sein. Meine Mutter hat mich in dieser Zeit oft ermahnt: „Du musst dich bekehren, sonst gehst du verloren“; und ich hatte nicht den Mut zu sagen: „Mutter, ich bin bekehrt“. Ich dachte: Das kann sie ja doch nicht glauben, wenn sie den ganzen Tag lang sieht, wie du bist. Mit 19 Jahren fand ich dann endlich Frieden mit Gott. Ich sah, dass das Werk des Herrn Jesus genug war: nicht nur für meine Sünden, sondern auch für meinen Zustand. Ich sah: Gott kann mich nicht verbessern und hat mich darum in dem Herrn Jesus zum Tode gebracht. Gott hat mich angenommen, so wie ich bin. Der Herr ist für meine böse Natur gestorben. So fand ich Frieden mit Gott: Ich sah, dass Gott nichts mehr gegen mich hatte, und dann wurde ich glücklich. Dann habe ich auch gleich angefangen, mich jeden Tag eine Stunde mit dem Wort Gottes zu beschäftigen. Ich war allein in meinem Zimmer, ich war nicht mehr zu Hause. Einige Jahre später führte der Herr es so, dass ich mich mehrere Stunden am Tage mit Seinem Wort beschäftigen kannte. Und ich weiß noch: alles war so neu für mich. Ich lernte die Wahrheit erst kennen. Ich las Gottes Wort und hatte eine Betrachtung dabei. Die deutschen Betrachtungen über das Neue Testament von Darby waren der einzige Leitfaden, den ich in diesen Jahren hatte. Wie wunderbar, wenn man sich die Mühe nimmt, Gottes Wort so zu studieren! Oft konnte ich nicht weiterlesen, weil ich erst danken, erst meine Hände falten musste, um vor Gott auszusprechen, wie glücklich mein Herz und wie voll es beim Sehen all dieser wunderbaren Gedanken Gottes war, die ich in Seinem Worte fand.

Das war Dank, das war auch Anbetung, von mir allein. Ja, die Gefühle von uns schwachen Menschen können so hochsteigen, dass es wirklich Anbetung ist. Aber wenn wir am Tisch des Herrn zusammen sind, vereinigen sich die Gefühle von anderen Brüdern mit meinen Gefühlen Der eine Bruder sieht dies von dem Herrn Jesus, der andere das, ich sehe wieder anderes, und doch – wir alle zusammen sehen unseren treuen Herrn, so dass das mehr den vollen Charakter der Anbetung bekommt, als wenn ich allein bin. Ich sage das gewiss nicht, um der persönlichen Anbetung Abbruch zu tun; denn das würde den größten Schaden anrichten, wenn jemand das so auffasste. Denn der Herr liebt es, wenn wir uns persönlich mit Ihm beschäftigen und unseren Empfindungen auch persönlich Ihm und dem Vater gegenüber Ausdruck geben. Und der Vater liebt es ebenso. Aber wenn wir da zusammen sind, wo der Herr Jesus in der Mitte ist und wenn der Heilige Geist dann unsere Gedanken auf den Herrn Jesus und auf Sein Werk lenkt, werden dann nicht höhere Empfindungen in unseren Herzen wach? Wenn ich allein bin, ist der Heilige Geist auch in mir; denn Er wohnt in jedem Christen, in jedem, der Frieden mit Gott hat. Aber wenn wir zum Gedächtnis unseres Herrn versammelt sind, ist der Heilige Geist in besonderer Weise in der Mitte der Gläubigen – jedenfalls, wenn wir Ihm die Freiheit geben, wenn wir uns wirklich unter Seine Leitung und Zucht stellen, so dass Er wirken kann, wie Er will. So kann Er z. B, einen Bruder bewegen, einen Abschnitt vorzulesen, um unsere Gefühle zu wecken, um uns etwas Besonderes bei dem Herrn sehen zu lassen. Einen anderen Bruder gebraucht Er, um ein Lied vorzuschlagen, durch das unsere Gedanken wieder etwas mehr von der Herrlichkeit des Herrn und Seinem Werk sehen. Und wenn dann ein dritter Bruder wieder Gedanken ausspricht, die in unseren Herzen Widerhall finden und durch die wir wieder etwas weiter kommen in dem Anschauen des Herrn – wenn das so ist, dann steigen aus aller Herzen geistliche Gefühle auf zur Anbetung. Der Heilige Geist wirkt sie in uns – das, was wir, Gott gebe es, in der Woche schon gesammelt haben. Und Anbetung, so vereinigt, wird natürlich einen höheren Charakter haben, als Anbetung von mir allein, wenn ich zu Hause bin. Möge nun aber niemand denken, es sei nicht so wichtig, sich zu Hause mit dem Herrn zu beschäftigen, oder es sei nicht würdig, allein Ihm zu danken, Ihn zu bewundern und vor Ihm Selbst Ausdruck davon zu geben, wie herrlich Er für uns geworden ist. Denn das wäre für den Herrn ein großer Verlust und auch für uns selbst.

Frage: Ist es schriftgemäß, wenn Brüder fordern, dass man „Ja“ sagt zu einem Ausschluss, bei welchem man glaubt berechtigte Gründe zu haben, die Richtigkeit zu bezweifeln?

Antwort: Das hängt davon ab, was man unter „Ja sagen“ versteht. Wenn es bedeutet: sich in Übereinstimmung mit dem Ausschluss zu betragen, d. h. also ihn anzuerkennen, dann glaube ich, dass das schriftgemäß ist. Wenn die Versammlung einen Beschluss gefasst hat, als sie zu dem Namen des Herrn Jesus versammelt war, dann ist dieser Beschluss mit der Autorität des Herrn Jesus bekleidet.

Aber das sagt natürlich nicht, dass der Beschluss richtig ist. Die Versammlung kann einen Fehlbeschluss fassen, wenn sie nicht nahe genug beim Herrn ist, um klar Seinen Willen zu erkennen, oder vielleicht unter dem Einfluss eines kräftigen Bruders steht, der in diesem Falle kein Licht hat. Daraus folgt, dass es falsch ist, einen zwingen zu wollen, anzuerkennen, dass dieser Beschluss richtig ist. Dann stellen die Brüder, die das tun, sich zwischen den Herrn und die Seele und versuchen in Wirklichkeit, den Betreffenden zu zwingen, den Ausschluss für recht zu erklären, wogegen sein Gewissen sagt, dass der Beschluss nicht recht ist, – und das wäre ein Weg der Sünde. Vergl. Rö 14,4.10–15.23; 15,1; 1. Kor 4,3–5; 8,11–12 und andere Stellen.

Frage: Ist es verkehrt und im Widerspruch mit der „Einheit des Leibes Christi“, nicht eins zu sein mit einem bestimmten Beschluss einer Versammlung? Ist es falsch, einen derartigen Fall zu untersuchen, um genauere Gewissheit zu bekommen, wenn man Gründe zu haben meint, dass besagter Beschluss falsch ist?

Antwort: Auf diese Fragen kann ich ganz unumwunden „Nein“ antworten, Und das nicht allein, es ist geradezu eine Pflicht, die Verantwortlichkeit für jeden Versammlungsbeschluss, auch in anderen Versammlungen zu fühlen und darum vor dem Herrn überzeugt zu sein, dass sie gut sind. Darum ist es notwendig, dass, wenn eine Versammlung einen Beschluss an andere Versammlungen mitteilt, dieser Beschluss nicht nur deutlich ist, sondern die Mitteilung auch deutlich anzeigt, dass die Gründe für den Beschluss der Schrift gemäß sind, so dass alle Gewissen befriedigt werden. Werden sie dies nicht, dann beweist dies, dass der Beschluss unrichtig ist oder in jedem Fall nicht zur rechten Zeit gefasst, oder dass die Mitteilung zu mangelhaft ist – vorausgesetzt, dass diejenigen, die nicht befriedigt sind, Gottes Gedanken kennen, ein geistliches Urteil haben durch ihre Gemeinschaft mit dem Herrn und nicht durch natürliche Gefühle voreingenommen sind.

Natürlich wäre es sehr ungeistlich, direkt einen Beschluss, der uns „nicht liegt“, zu verwerfen. Jeder geistlich Gesinnte wird sich erst vor den Herrn stellen, um in Seinem Licht sich selbst zu prüfen, ob bei ihm vielleicht Mangel an Licht ist oder ein anderes Hindernis für das Verständnis der Gedanken des Herrn in diesem Falle. Er wird den Beschluss auch anhand dessen was er weiß, am Worte Gottes prüfen. Aber ist er danach noch unbefriedigt, dann ist es seine absolute Verantwortlichkeit, sich vor den Herrn zu stellen und Ihn zu fragen, was er tun muss – warten auf den Herrn, dass Er eingreift, oder dass der Herr ihm den Auftrag gibt, sich näher mit der Sache zu beschäftigen. Und das wird gewöhnlich bedeuten, mit anderen darüber zu sprechen, um zu einer Besprechung zu kommen mit der Versammlung, die den Beschluss gefasst hat, wobei ich jedoch ausdrücklich vorausstellen will, dass der normale Weg ist, dass Brüder persönlich oder einige zusammen dies tun, was nicht ausschließt, dass eine ganze Versammlung oder mehrere Versammlungen das tun. Und wenn die Versammlung, die den Beschluss gefasst hat, die Einheit des Leibes Christi versteht und demütig ist, dann wird sie vollkommen bereit sein, alle gewünschten Auskünfte (Aufklärung) zu geben und alle Beschwerden zu beachten und dieselben vor dem Herrn zu überdenken. Sie kann dadurch die Gewissen der Beunruhigten vielleicht befriedigen. Vielleicht will der Herr die anderen gebrauchen, um sie selbst sehen zu lassen, dass sie Fehler gemacht haben; und außerdem anerkennt sie, dass der Beschluss jedes Glied des Leibes Christi angeht und dass jedes Glied also auch dafür verantwortlich ist und dass sie jedem Gelegenheit geben muss, die Verantwortlichkeit zu tragen.

Frage: Bezieht 1. Kor 11,5 sich nur auf das private Gebet einer Frau oder auch auf die Zusammenkünfte?

Antwort: In 1. Kor 11,1–16 geht es nicht nur um Zusammenkünfte, sondern in erster Linie um öffentliches Beten und Weissagen einer Frau. Aber ich zweifle keinen Augenblick daran, dass der Grundsatz weiter geht und für jede Gelegenheit gilt, wo es den Anschein haben könnte, dass die Frau sich auf dieselbe Stufe stellt wie der Mann; und das ist auch in den Zusammenkünften so.

Frage: Worauf bezieht sich die Aussage in 1. Kor 11,5 – „beten und weissagen der Frau“?

Antwort: Aus dem Zusammenhang geht klar hervor, dass es um laut beten und weissagen geht, wo andere anwesend sind. Dass es hier nicht speziell um die Zusammenkünfte der Versammlung geht, ist klar aus Kapitel 14,34–38 zu ersehen, wo geboten wird, dass Schwestern schweigen müssen in den Zusammenkünften der Versammlung. Da dürfen sie also niemals laut beten oder weissagen oder selbst Fragen stellen. 1. Korinther 11,1–18 spricht über die Stellung des Mannes und der Frau in der Schöpfungsordnung Gottes. Die Gefahr ist da, dass, wo in Christus nicht Mann oder Frau ist (Gal 3,28), man daraus schließen möchte, dass die Schöpfungsordnung im Christentum nicht mehr gelte. Darum drängt der Heilige Geist hier sehr stark darauf, dass diese Ordnung ihre volle Kraft behält für Gläubige in allem, was zu diesem irdischen Leben gehört. Und in der Schöpfung hat Gott dem Mann den Platz der Führung und des öffentlichen Auftretens gegeben, und der Frau (1. Tim 2,11–15; 1. Pet 3,4) den Platz der Stille und der Unterwürfigkeit. Aus diesem geht hervor, dass eine Schwester nie da laut beten darf, wo Männer sind, denn dann würde sie als Mund der Anwesenden Führung über diese Männer haben; und noch weniger weissagen, denn der Prophet spricht mit Autorität im Namen Gottes.

Es gibt aber Gelegenheiten, wo kein Mann anwesend ist und so die Schwester Führung ergreifen muss – z. B. wenn nur Schwestern zusammen sind oder Kinder, oder wenn zu Hause beim Essen kein Mann anwesend ist. Dann nimmt diese Schwester einen Platz ein, der eigentlich der Platz des Mannes ist. Darum muss sie sich dann bedecken, um öffentlich anzugeben, dass sie nur durch die Not gedrungen dieses tut, aber sich bewusst ist, dass der Mann das Haupt ist und nicht sie. Dasselbe ist wahr in den Zusammenkünften der Versammlung. Mit Ausnahme der Brüder, die durch den Heiligen Geist gebraucht werden als Mund der Versammlung, wenn die Versammlung zu Gott spricht oder, um im Namen Gottes zu der Versammlung zu sprechen, wenn sie weissagen oder die Versammlung lehren, tun alle Brüder und Schwestern dasselbe – laut singen und laut Amen sagen nach einem Gebet (ich hoffe jedenfalls, dass sie das alle tun). Darum soll eine Schwester in der Zusammenkunft das Haupt bedeckt haben, um damit anzudeuten, dass sie nicht den Platz eines Bruders einnehmen will, sondern nur den Platz, der ihr von Gott gegeben ist.

Frage: Kann man aus 1. Tim 2,8 u. 9 schließen, dass auch die Frauen überall beten sollen?

Antwort: Nein, ganz gewiss nicht. In Vers 9 steht das Wort „beten“ überhaupt nicht, sondern nur, dass ihr Verhalten so sein soll, wie es sich für gläubige Frauen geziemt, ebenso wie die Männer heilige Hände aufheben sollen, ohne Zorn und zweifelnde Überlegung. Wenn es die Meinung des Apostels gewesen wäre, dass auch Frauen an jedem Orte beten sollen, dann hätte er das viel einfacher sagen können, indem er statt „Männer' das Wort „alle“ schrieb.

Dies würde aber vollkommen in Widerspruch mit 1. Kor 14,34 sein, sowie mit den Gedanken Gattes in Seinem Wort überhaupt. Gott hat in Seiner Schöpfungsordnung dem Mann einen Platz öffentlichen Auftretens gegeben, nicht der Frau.

In Vers 8 heißt es auch die Männer; sie werden im Ganzen, als eine Klasse gesehen. Im Griechischen steht bei „Weiber“ jedoch kein Artikel, sodass es klar ist, dass hier die Frauen als einzeln, nicht im Ganzen angesprochen werden.

Frage: Was verstehen wir unter „Brotbrechen“? Das Brechen des Brotes durch den Bruder, der die Danksagung spricht, oder indem alle an dem gebrochenen Brote teilnehmen, oder beides, d. i. die ganze Handlung?

Antwort: Nun, das Brotbrechen, von dem Gottes Wort spricht, ist dies, dass jeder von uns für sich etwas von dem Brot bricht. Dass ein Bruder das Brot bricht, hat eigentlich mit der Zusammenkunft gar nichts zu tun. Die Jünger empfingen das Brot gebrachen aus der Hand des Herrn. Wie wir wissen, stellt das gebrochene Brot den gestorbenen Herrn dar, und wir nehmen so teil an dem gestorbenen Herrn

Aber 1. Kor 10 sagt uns auch, dass das Brot ein Bild von dem geistlichen Leib Christi, der Versammlung, ist, und dass wir, indem wir von diesem Brot essen, teilnehmen an demselben Brote, der Tatsache Ausdruck geben, dass wir alle mit Ihm verbunden und also Glieder des Leibes Christi sind. Um das ganz klar zum Ausdruck zu bringen, darf das Brot nicht vor der Zusammenkunft gebrochen sein. Darum haben wir es ganz auf dem Tisch stehen. Wenn 1. Kor 10 uns nicht klarmachte, dass das Brot auch ein Bild von dem geistlichen Leibe des Herrn, der Versammlung, ist, könnte es vor Beginn der Versammlung gebrochen werden. Das Brechen des Brotes in zwei oder mehr Teile ist wirklich ein Bild von dem Sterben des Herrn, davon, dass Er am Kreuz in den Tod gegeben wurde. Ja, Er gab Sich selbst. Wir können das nicht tun. Wir nehmen nur ein Stückchen von dem Brote, um damit anzuzeigen, dass wir teilhaben an dem gestorbenen Christus.

Normalerweise bricht der Bruder das Brot, der für Brot und Kelch dankt. Prinzipiell könnte das ein anderer ebenso gut tun, und eigentlich ist es ganz von dem Dienst getrennt. Aber es muss m. E. gebrochen sein, bevor wir dafür danken und davon essen können. Wir danken für das gebrochene Brot und empfangen es aus der Hand des Herrn.

Wir danken für das gebrochene Brot, und ich halte das auch für richtig. Viele Brüder aber sagen: Der Herr hat zuerst gedankt und dann das Brot gebrochen; darum machen wir es auch so. Wenn ich auch glaube, dass das nicht richtig ist, so dürfen wir doch nicht vergessen, dass das eine Äußerlichkeit ist, die wir dem Gewissen jedes einzelnen überlassen müssen. Wenn also ein Bruder denkt, er müsse zuerst danken und dann brechen, können wir das nicht verurteilen; er ist darin dem Herrn verantwortlich. Wir müssen uns in allem, auch was die Form betrifft, nach Gottes Wort richten. Aber wir müssen uns darüber ganz klar sein dass die Farm nicht das Wichtigste ist, sondern die Gesinnung unserer Herzen, dass, wenn wir Brot brechen, es nicht das Entscheidende ist, ob ich nun das Brot vor dem Danken breche oder danke vor dem Brotbrechen – wenn es nicht aus Gleichgültigkeit geschieht. Wichtig ist: Wie steht mein Herz in diesem Augenblick? Ist es mit dem Herrn und mit Seinem Leiden und Sterben beschäftigt, mit dem gestorbenen Herrn?

Anbetung, wir können auch sagen unser Dienst, sollte geistlich sein, aber er bedarf doch der stofflichen Formen. Wir brechen das das Brot und essen davon. Die Hauptsache dabei aber ist: Was geht in meinem Herzen vor, wenn ich das Brot breche? Esse ich es mit demselben Empfinden, wie wenn ich zu Hause eine Schnitte Brot esse oder in dem Bewusstsein: Dies spricht von dem Leib des Herrn, der auch für mich gegeben ist, von Ihm, Der sich selbst hingab? Bin ich dessen eingedenk, dass ich teilhabe an dem gestorbenen Herrn und Seinen Tod verkünde? Ich bekenne hier in der Welt, dass dieser gestorbene, verachtete, verworfene Herr meine einzige Hoffnung ist, die Freude meines Herzens, und dass Er für mich verworfen und gekreuzigt wurde. Das sollten wir nie vergessen.

Wichtig ist der Geist, in dem wir alles tun, die Gesinnung des Herzens. Ich bin überzeugt, dass es für Gott viel kostbarer ist, ein Herz zu sehen, das aus Unwissenheit etwas auf eine unrichtige Weise tut, aber mit Liebe zu Ihm erfüllt ist, als wenn jemand mit kaltem Herzen den Dienst auf eine vollkommene Weise verrichtet. Gott sieht an, was in dem Herzen ist. Formen sind wichtig, aber sie sind bei weitem nicht das Wichtigste. Wir müssen auch dein Heiligen Geist Freiheit lassen, zu führen und zu wirken, wie Er will. Wir können nicht alles bestimmen; der Heilige Geist muss es tun.

Frage: Findet der gelegentlich zum Ausdruck gebrachte Gedanke, mit dem „Engel der Versammlung“ (Off 1,16 und 20) sei jeweils eine Person eines örtlichen Zeugnisses gemeint, seine Berechtigung? Falls ja – mit welcher Begründung?

Antwort: Um die Frage beantworten zu können, müssen wir dem nachgehen, wie das Wort „Engel“ in Gottes Wort, und besonders in den prophetischen Teilen, gebraucht wird. Danach müssen wir, wo es in der Offenbarung gebraucht wird, Rechnung tragen mit dem Charakter der Offenbarung.

Das griechische Wort bedeutet Bote oder Abgesandter. Es wird gebraucht für die himmlischen Geister, die Gottes Diener sind (Heb 1,14), aber auch für die Männer, die von dem Herrn, von Johannes dem Täufer, von Josua oder von Versammlungen ausgesandt wurden (Lk 9,52; 7,24; Jak 2,25; 2. Kor 8,23). So wird es auch gebraucht für den Repräsentanten, den symbolischen Stellvertreter einer Person oder einer Sache, z. B. der Engel Jehovas; der kleinen Kinder (Mt 18,10); des Petrus (Apg 12,15); des Abgrundes (Off 9,11); der Wasser (Off 16,5). Der Herr sagt dann auch in Joh 13,20 „Wer aufnimmt, wen irgend ich senden werde, nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat“. Aber der Engel wird auch dargestellt in dem Symbol eines: Sternes. Aus 1. Mo 1,14–19 u. Ps 136,7–9 sehen wir, dass die Sonne das Bild der höchsten Autorität ist, der Mond das Bild von abgeleiteter Autorität, und die Sterne ein Bild von untergeordneter, aber mehr selbständiger Autorität sind. Die Autorität wird dadurch ausgeübt, dass das himmlische Licht in die Finsternis gebracht wird – durch die Sterne in der Nacht und speziell, wenn der Mond verfinstert ist. Vergleiche z. B. Dan 12,3. Weiter wird dieses Symbol nicht allein für eine Person gebraucht, sondern auch für eine Gesamtheit, wie z. B. in Offenbarung 12, 1 in Vergleich mit 1. Mose 37,10 gesehen wird.

Nach Römer 13,1–6 ist alle Autorität von Gott eingesetzt – sowohl in der Welt als auch in der Versammlung. Darum wird in Offenbarung 1,16.20 und Offenbarung 2,1 gesagt, dass der Herr die Sterne in und auf Seiner rechten Hand hat.

„In“ bezieht sich auf ihre Sicherheit und Segnung, während „auf“ auf ihre öffentliche Verbindung mit Christus und auf Seine Unterstützung hinweist.

So sind die Engel also die Repräsentanten der Versammlungen, aber als durch Gott (Christus) eingesetzt, um durch Verbreiten von Licht in der Finsternis Autorität auszuüben – nicht in der Welt, sondern in der Versammlung. Denn die Versammlung ist wohl eine Lampe, um ein Licht in dieser Welt zu sein, aber sie ist nicht selbst ein Licht. Und so sind die Engel dem Herrn als Richter verantwortlich.

Wiederholt sehen wir in den Kapiteln 2 und 3, dass die Engel als eins mit der Versammlung gesehen werden. Aber wir sehen sie auch als getrennt von einem Teil der Versammlung, z.B. in 2,20–23. Wer wird denn dargestellt in dem Bild eines Engels? Machen die letzten Verse in jedem Brief es nicht klar? Es gibt in jeder Versammlung einige, die offene Ohren haben, wenn auch die Ohren der anderen geschlossen sind. Zu diesen kann der Herr sprechen und das Licht geben, das sie ausstrahlen sollen. Und sie sind verantwortlich, dies zu tun.

Aber wenn sie nur ein Teil der Versammlung sind, wie kann der Herr sie dann verantwortlich machen für den gesamten Zustand? Weil sie die einzigen sind, die durch Ausstrahlen von himmlischem Licht herrschen und so die Versammlung formen können nach den Gedanken des Herrn. Der Herr sieht sie als die eigentliche Versammlung. Und wenn es dann nicht mehr möglich ist, das Böse hinauszutun, da sie nur ein kleiner Überrest sind (wie z. B. Philadelphia), dann bleibt der Weg nach 2. Tim 2,20–22 offen – sich zu reinigen von allen Gefäßen zur Unehre.

Das macht auch klar, warum der Engel angeredet wird und nicht die Versammlung, indem es doch um den praktischen Zustand der Versammlung geht, aber die Gerichte für die Versammlung angedroht sind und nicht für den Engel. Der Herr ist bereit, zu jedem zu reden, selbst in Laodicäa, aber welchen Nutzen hat es, zu denen zu reden, die keine Ohren haben?

So haben wir gefunden, dass der Engel ein Bild von der Autorität ist – und so von der Verantwortlichkeit – in der Versammlung. Natürlich nicht ein Bild von der öffentlichen Autorität, sondern von der moralischen. Und so von denen, die vom Herrn anerkannt sind als von Ihm eingesetzt. In der Theorie ist es vielleicht denkbar, dass der Engel in einer bestimmten örtlichen Versammlung die Darstellung von einer Person ist. Aber wie traurig muss der Zustand da dann sein!

Aber die sieben Versammlungen in Off 2 und 3 sind prophetische Darstellungen von sieben Zeitabschnitten in der Geschichte der Versammlung. Und einige dieser Zeitabschnitte haben mehrere Jahrhunderte gedauert. Wie könnte der Engel da die Darstellung einer Person sein? Und überhaupt, wie könnte es in einem von diesen Zeitabschnitten eine Person gegeben haben, die verantwortlich war für die ganze Versammlung auf der ganzen Welt? So ist es für mich nicht möglich zu denken, dass der Engel eine Darstellung einer Person ist! Und wenn es eine Darstellung ist von allen verantwortlichen Personen, je nach der moralischen Stellung, die sie in der Versammlung einnehmen, kommt man zu der Schlussfolgerung: Der Engel ist die personifizierte Verantwortlichkeit in der Versammlung.

Siehe auch die sehr klare Beantwortung in „Biblische Fragen beantwortet von Franz Kaupp“, und die „Betrachtungen über Gottes Wort“ bei Off 2 und die „Vorträge über die Sendschreiben“ von J. N. Darby.

Frage: In Mt 16, 18 heißt es: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Versammlung bauen“, Hiervon leitet die katholische Kirche das Amt des Papstes ab und auch die These, dass Jesus auf Petrus die Kirche bauen wollte.

In Vers 19 heißt es: „Was irgend du auf der Erde binden wirst, wird im Himmel gebunden sein usw“.

Wie ist dieser Vers zu verstehen?

Antwort: Petrus ist im Griechischen „Petros“, Felsen dagegen „Petra“. Petros bedeutet: ein Stein, ein Stück eines Felsens. Petra ist der Felsen selbst. Diese Stelle gibt also nicht den geringsten Grund für die Lehre, dass die Kirche auf Petrus gebaut und Petrus das Haupt der Kirche sei.

Was in Vers 19 steht, hat nichts mit der Versammlung zu tun, sondern mit dem Reich der Himmel. Mit Schlüsseln baut man nicht, mit ihnen schließt man auf,

Der Vers bedeutet, dass Petrus das Reich der Himmel öffnen und Personen zulassen konnte, wie wir das in der Apostelgeschichte in den Kapiteln 2, 8 und 10 sehen. Gott wollte auch das anerkennen, was Petrus hier binden würde, d. h. wenn er es z. B. ablehnte, jemand zuzulassen.

Diese Macht, zu binden und zu lösen in Verbindung mit der Versammlung wird in Mt 18 den zweien oder dreien gegeben, die zu dem Namen des Herrn versammelt sind; und in Verbindung mit Sündenvergebung für diese Erde wird sie in Joh 20, 23 jedem Jünger verliehen, der z. B. von ihr Gebrauch macht, wenn er einen anderen tauft. Er lässt ihn dann zum Reiche der Himmel zu oder zu der Versammlung, als Haus Gottes gesehen, und erklärt durch diese Tatsache, dass er ihn anerkennt als einen, dessen Sünden vergeben sind.

Frage: In Heb 9, 14, wo es in der Elberfelder Übersetzung heißt „um dem lebendigen Gott zu dienen“, sagt die Anmerkung: „Gottesdienst darzubringen“. In diesem Fall sind „Gottesdienst“ und „Anbetung“ wohl dasselbe?

Antwort: Ja, das mag sein. Andererseits lesen wir in 1. Thes 1, dass die Thessalonicher bekehrt waren, „um dem lebendigen Gott zu dienen und seinen Sohn aus den Himmeln zu erwarten“. Da ist das „Dienen“ ganz allgemein zu verstehen: Bisher hatten sie den Göttern gehuldigt; jetzt war ihr Leben in den Dienst Gottes gestellt worden.

(Aus „Botschafter des Heils in Christo“ 1934)

Frage: Was ist unter dem großen Hause (2. Tim 2, 20) zu verstehen?

a) z. Zt. der Apostel

b) in der jetzigen Zeit?

Antwort: Das große Haus ist heute nichts anderes als das, was es z. Zt. der Apostel in seinen Anfängen bereits war. Der Unterschied besteht nur in den Maßen der Ausdehnung, ähnlich wie bei dem aus dem Senfkorn entstandenen Baum, der immer derselbe blieb, nur im Verlauf der Zeit größer wurde.

Zu verstehen ist unter dem „großen Haus“ dasselbe, was unter dem Baum zu verstehen ist: die Gesamtheit der sich zu Christo

bekennenden Menschen. Als Hausherr ist, was besonders ins Gewicht fällt, der Herr gedacht, wenn auch freilich in Vers 21 nur von einem Hausherrn im Allgemeinen die Rede ist. Nach Hebräer 3,3–6 ist die die Lehre des Christus bekennende Körperschaft – vom Schreiber mit „wir“ betont – das Haus Gottes unter der Verwaltung Christi als des Sohnes. Denn nicht um „wohnen“, sondern um „Verwaltung“ handelt es sich sowohl im Hebräerbrief (vergl. „Mose als Diener“) als auch hier im 2. Timotheusbrief. Unter den Bekennern mögen Heuchler oder Gleichgültige sein. Sie sind auch tatsächlich da; ja, sie sind im Verhältnis zu den wahrhaftigen und entschiedenen Bekennern die große Mehrheit geworden. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Gesamtheit in dem angegebenen Sinne das Haus Gottes ist. Deswegen heißt in Vers 19 der feste Grund der Grund Gottes. Das Siegel aber zeigt als verwaltenden Hausherrn Den an, welcher der „Herr“ ist. Er, der verwaltende Herr des Hauses Gottes, kennt, d. i. unterscheidet von den unechten Bekennern die, welche Sein sind.

Und von ihnen erwartet Er, dass sie von der Ungerechtigkeit abstehen, die sich innerhalb des Hauses eingestellt hat.

Es gibt Ungerechtigkeit mancherlei Art. Die Kapitel 3 und 4 geben eine Aufstellung davon. Zu beachten ist, dass, sowohl hier wie in allen spät geschriebenen Briefen, die Ungerechtigkeit mit falschen Lehren und Lehrern in Verbindung steht. Diese öffnen nach und nach jeder Ungerechtigkeit Tür und Tor.

Was für ein Verhalten, dem Willen des verwaltenden Hausherrn entsprechend, wird nun von den treuen Bekennern erwartet? Kein anderes als das in Vers 21 vorgestellte. Alle Bekenner werden (nach Vers 20) mit den Gefäßen eines großen, sagen wir, eines einem vornehmen, reichen Manne gehörenden Hauses verglichen. Weil es sich hier nicht um leblose Gefäße, sondern um mit Unfierscheidungsvermögen und Willen begabte Menschen handelt, so können und müssen die unter ihnen, welche Gefäße zur Ehre sein wollen, sich von den Gefäßen, die zur Unehre sind, trennen, obwohl sie im Hause verbleiben.

Das ist der kennzeichnende Unterschied zwischen dem „Lager“ und dem „großen Hause“. Dort ist das Stichwort: hinausgehen zu dem verworfenen Christus; hier: drinnen bleiben, dem Hausherrn zugetan, aber sich trennen von solchen, die den Hausherrn nicht zugetan, ihm nicht Gefäße zur Ehre, mit anderen Worten, Menschen sind, die das Böse tun, sei es in Wandel oder Lehre. In diesem Lichte erscheinen z. B. ein Timotheus und ein Onesiphorus (Kap. 1) als Gefäße zur Ehre; ein Hymenäus und ein Philetus als Gefäße zur Unehre (Kap. 2). Welcher Art Gefäße wollen wir sein?  (F. Kaupp)

Frage: Spricht Epheser 2 in den Versen 20 und 21 über dasselbe wie in Vers 22?

Antwort: In den Versen 20 und 21 handelt es sich um die Versammlung als Haus Gottes, so wie sie durch den Herrn Selber gebaut wird, nach Mt 16,18, um den Tempel nach den Ratschlüssen Gottes. Der Herr gebraucht nur lebendige Steine, so dass das Haus nur aus wahren Gläubigen besteht. Es wächst und ist erst fertig, wenn der letzte Stein hinzugefügt ist und es wird dann gleich aufgenommen in den Himmel. Es ist also das Haus Gottes nach den Ratschlüssen Gottes, so wie es in alle Ewigkeit im Himmel sein wird; hier auf der Erde ist es nur einen Augenblick lang vollständig, nämlich in dem „Nu“ von 1. Kor 15,52. In Vers 22 finden wir die Versammlung als Haus Gottes, wie sie jetzt auf Erden ist. Alle Gläubigen, die jetzt auf der Erde leben, gehören zu ihr. Von dieser Seite her betrachtet, ist das Haus vollständig vom Pfingsttage an, als der Heilige Geist es bildete und anfing, darin zu wohnen. Seit diesem Tage sind Steine ausgefallen (wenn Gläubige sterben), andere werden hineingebracht. Das Haus ist der Verantwortlichkeit von Menschen anvertraut, wie 1. Kor 3,9–17 uns mitteilt. Dadurch sind auch äußerliche Bekenner hineingekommen, und das Resultat ist, dass es in 2. Tim 2,20 mit einem großen Hause verglichen wird. Aber es ist doch noch das Haus Gottes, denn Gott der Heilige Geist wohnt in ihr und wird darin wohnen, bis die lebendigen Steine durch den Herrn aufgenommen werden. Aber die verantwortliche Seite von 1. Kor 3 wird in Eph 2 nicht genannt, weil es sich da nur um die Segnungen der Gnade handelt.

Frage: Sollte man nur einen Kelch haben? Wenn mehrere Becher genommen werden, kann dann der Wein schon vor dem Gottesdienst eingefüllt werden, oder sollte er aus einer Karaffe vor oder nach der Danksagung eingefüllt werden?

Antwort: Das ist wieder so eine Ordnungsfrage. Ich sage nicht, dass mir Gottes Gedanken hierüber unbekannt wären. Aber die Hauptsache ist doch: Wie ist es mit unseren Herzen, was kommt aus unseren Herzen hervor? Das Wort spricht über einen Kelch, den der Herr nahm, der gefüllt dastand. Das ist die Anweisung, die Gottes Wort gibt. Ein Gebot haben wir nicht. Im Neuen Testament gibt es ja fast keine Gebote; denn Gebote bestimmen das Verhältnis zu einem Knecht, das sollten wir nie vergessen. Wir stehen ja zu Gott wie Kinder zu ihrem Vater, und solch eine Beziehung ist auf Liebe gegründet und wird von Liebe beherrscht. Bei einem menschlichen Vater mag das schwach sein, bei Gott aber ist es vollkommen. Das ganze Verhalten Gottes zu uns ist auf Seine Liebe zu uns als Seinen Kindern gegründet. Und Er wünscht, dass auch unser Verhalten zu Ihm vollkommen gegründet ist und geprägt wird durch unsere Liebe als Kinder zu dem Vater und unsere Liebe zu dem Herrn Jesus. Lasst uns das nie vergessen. Der Herr Jesus ist mein Herr, aber Er wird nie „der Herr der Versammlung“ genannt. Er ist vielmehr ihr Haupt. Mein Haupt regelt alles in meinem Leib, aber es herrscht nicht über ihn; es ist mit ihm eins.

In Empfehlungsbriefen habe ich oft „an die Versammlung des Herrn in X“ geschrieben. Jetzt frage ich mich jedoch: Ist das richtig? Der Herr Jesus steht ja nicht als Herr mit Seiner Versammlung in Verbindung. Man sollte also vielleicht besser schreiben: „an die Versammlung Gottes“ oder einfach „an die Versammlung“ oder „an die Geschwister, die da und da zusammenkommen“. Aber das ist nur eine persönliche Übung; ich möchte nicht gern anderen etwas vorschreiben. Jeder muss durch den Heiligen Geist geleitet werden, selber Gottes Wort untersuchen und sich vor dem Herrn darüber klar werden, wie er es handhaben soll.

Ich wollte damit nur zeigen, dass in der Versammlung nicht alles auf Gesetze gegründet ist. Im Alten Testament war das so. Da wurde alles genau geregelt, es war genau vorgeschrieben, wie alles geschehen musste. Im Neuen Testament jedoch finden wir fast keine Gebote, sondern nur Vorbilder, oder wir können fühlen: So hat der Herr es getan, und so denkt Er darüber. Wenn wir wünschen, Ihm gleichförmig zu sein und nach Seinen Gedanken zu handeln, können wir das nachahmen; aber nie finden wir ein Gesetz.

Darum sollten wir auch keine Gesetze machen, sondern es der Leitung des Heiligen Geistes überlassen und den geistlichen Gefühlen der Herzen der Brüder. Und dann müssen wir bedenken: Er ist nicht der Herr der Versammlung. Wenn wir um den Herrn versammelt sind, ist Er nicht als der Herr in unserer Mitte, sondern als das Haupt, von dem alle Leitung ausgehen muss. Solange ich gesund bin, regelt mein Haupt alles in meinem Leibe. Und so muss Er, wenn man zu Seinem Namen hin versammelt ist (Mt 18, 20), der Einzige sein, Der die Leitung hat. Wir alle haben uns Seiner Leitung zu unterwerfen und nur zu fragen: Herr, was und wie willst Du, dass wir tun? Wann und durch wen soll es geschehen? Der Herr übt Seine Autorität durch den Heiligen Geist aus, so dass wir auf Ihn warten müssen. Der Heilige Geist muss frei sein, zu gebrauchen, wen und zu welchem Zweck Er will. Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. Aber Freiheit in Gottes Wort bedeutet nicht, frei zu sein, unseren eigenen Willen zu tun, sondern, um Gott zu dienen, d. h. nicht gehindert sein, nach Seinen Gedanken zu handeln.

Frage: Kann irgendeine Konferenz von Brüdern im Werk des Herrn und den Brüdern, die durch ihr Alter, ihre Erfahrung und ihre Frömmigkeit empfohlen sind für irgendeine Versammlung Entscheidungen in Betreff der Zucht oder der Lehre treffen?

Antwort: „Ich verneine frei heraus und unbedingt die Zuständigkeit irgendeiner Konferenz, um über den kleinsten Punkt der Zucht und der Lehre für die kleinste Versammlung ... zu entscheiden. Eine solche Zusammenkunft kann darauf hinzielen, das Gewissen einer kleinen, treuen Versammlung durch das Gewicht ihrer Meinung zu erdrücken; sie kann Fragen und Schwierigkeiten für alle Versammlungen hervorrufen. Sie hat keinerlei Recht, die kleinste Frage zu entscheiden, keinerlei Zuständigkeit, das zu tun. Der Herr Selbst hat die Verantwortlichkeit und die Autorität anderswohin gestellt. Er hat Seine Gegenwart einer Versammlung, die in Seinem Namen versammelt ist, zugesagt, aber nicht einer Konferenz, um zu diskutieren. Die Verantwortung ruht auf den Herden, dort befindet sich die Autorität, nicht, dass die Einzelpersonen diese Autorität hätten, sondern weil der Herr Seine Gegenwart verheißen hat und, es sei denn, eine Versammlung verleugnet sich als Versammlung. Ich erkenne das züchtende Urteil der kleinsten Versammlung, die in der Einheit der Kirche wandelt, in den Angelegenheiten, die sie betreffen, an (ich spreche nicht von brüderlichen Einwänden, die, so denke ich, immer erlaubt sind, wenn sie in Liebe getan werden).

Wenn also eine Konferenz, die sich aus Brüdern mit Erfahrung zusammensetzt, sich mit dieser Frage befasst und zu irgendeinem Entschluss kommt, handelt es sich um eine bischöfliche Synode. Dass eine Konferenz dort abgehalten wird, wo Vertrauen herrscht, sei es zur Erbauung, wie wir sie oft gehabt haben, oder um irgendeine Frage zu besprechen, wenn das Vertrauen besteht, verstehe ich. Aber eine Konferenz mit dem Ziele, eine Sache zu beurteilen, ist eine ganz andere Sache“.

(20. 12. 7863 J. N. D.) „Mess. Evg.“ 1891

Frage: Wie müssen wir Römer 8 Vers 9b (Wenn aber jemand Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein) verstehen?

Antwort: Ich glaube, dass Rudolf Brockhaus in seiner Betrachtung des Römerbriefes diese Frage klar beantwortet: „der ist kein Christ, wenigstens nicht in des Wortes wahrer Bedeutung.“ Die Gläubigen vor Apg 2 und die Gläubigen nach der Entrückung waren (und werden sein) wiedergeboren und haben Buße getan, aber sie sind keine Christen. Ebenso gibt es heute Personen, die wiedergeboren sind und Buße getan haben, aber das „Evangelium eures Heils“ (vergl. 1. Kor 15,1–4) nicht geglaubt haben, vielleicht weil sie es nie gehört oder nicht im Glauben für sich selbst angenommen haben. Wie R. B. schreibt: „Das persönliche Bewusstsein der völligen Vergebung und der Annahme bei dem Vater ist in der Seele noch nicht vorhanden“, und so haben sie keinen Frieden mit Gott. Nun, dieses Evangelium eures Heils oder eurer Errettung zu glauben, ist die Bedingung für das Empfangen des Heiligen Geistes (Eph 1, 13) als innewohnend. Und bis zu diesem Augenblick ist einer, der wohl Buße getan hat und wiedergeboren ist, kein Christ im Sinn von Gottes Wort, so wie die Samariter (Apg 8); Cornelius (Kap. 10); Saulus (Kap. 9, 5–18); die etlichen Jünger (Kap. 19).

Frage: Ein Bruder hat sich durch ungeistliche (böse) Aussprüche an einem Mitbruder versündigt. Auf die zahlreichen Vorstellungen der übrigen Brüder hin bedauert er es vor diesen, weigert sich jedoch hartnäckig, die Angelegenheit auch mit dem betreffenden Bruder, der abwesend war, zu ordnen. a.) Kann der Bruder dies als seine persönliche Angelegenheit bezeichnen? b.) Wenn nein, wie haben die Brüder diese ungerichtete Sache zu behandeln? H. B. in W.

Antwort: Dieser Bruder hat schwer gesündigt (Mt 5, 21–26) und seine Gemeinschaft mit dem Herrn ist dadurch unterbrochen und wird nicht wiederhergestellt, bis er die Sache geistlich ordnet. Nach 1. Joh 1, 9 ist das nur durch Bekennen möglich, sowohl vor dem Herrn als dem betreffenden Bruder gegenüber. Mt 5, 23–26 sagte uns klar, dass er das gleich hätte tun sollen, nachdem man ihn auf seine Sünden aufmerksam machte. Wenn er das nicht getan hat, hat er sich jeden Sonntagmorgen Gericht gegessen und getrunken nach 1. Kor 11, 27–32.

Aber 3. Mose 5,20–26 lehrt uns, das der Schuldige nicht nur bekennen muss, sondern dass er erstatten muss, was er geraubt hat, (die Ehre des Bruders) und 20% darüber hinaus, und dann ein Sündopfer bringen muss. Und erst dann wird es ihm vergeben werden. Es ist so ernst, dass es für Gott dasselbe ist, wenn man einen Bruder beraubt, als wenn man Gott Selbst beraubt. Daraus geht hervor, wie ernst es ist, wenn ich mich gegen meinen Bruder versündige.

Nun die Sache offenbar ist, kann dieser Bruder es nicht als seine persönliche Angelegenheit betrachten. Die Brüder haben sich damit zu beschäftigen und zu versuchen, ihm auf eine geistliche Weise zu helfen, so dass er die Sache mit dem betreffenden Bruder auf eine geistliche Weise in Ordnung bringt. Würden alle Bemühungen fruchtlos sein, dann würde die Frage entstehen, ob er etwa ein Böser ist. Wie dann zu handeln wäre, sagt uns Matthäus 18 für den Beleidigten und 1. Kor 5,13 für die Versammlung. Aber das käme natürlich nur in Frage, wenn alle Bemühungen der Liebe gescheitert sind.

Frage: Was ist ein System, und was nicht, in den Versammlungen der Kinder Gottes? Diese Frage ist angeregt durch lesen der „Mitteilungen aus dem Werk des Herrn in der Ferne“, von Okt. 1966, Seite 8, In unserer Mitte, die wir bekennen, uns allein im Namen unseres Herrn Jesus zu versammeln, sieht man oft, wie eine Anzahl von Brüdern eine gewisse Führung haben, wo man deutlich fühlt, dass ihr Handeln nicht immer vom Heiligen Geist ist – vielmehr nach dem Worte der Schrift „die Jünger hinter sich herzuziehen“. Und die Geschwister folgen um der Liebe und des Friedens willen. Ist das nicht eine Gefahr, in ein System zu geraten, das dem Herrn Jesus nicht wohlgefällig sein kann?

Antwort: Nach dem „Sprachbrockhaus“ ist ein System: „Plan, Ordnung“. Nach Duden: „Ordnungsprinzip, einheitlich geordnetes Ganzes“. Und bei „Organisation“ sagt er praktisch dasselbe. Nun, das macht schon klar, was der Schreiber in „Mitteilungen“ unter einem „System“ versteht: eine durch Menschen errichtete Organisation auf dem Gebiet des Christentums. Die Versammlung Gottes ist keine Organisation, sondern ein Organismus, der durch den Heiligen Geist zustande gebracht ist, bewahrt wird und lebt. Wenn Kinder Gottes zusammenkommen als Glieder des Leibes Christi (also auf dem Boden der Einheit des Leibes Christi) in der Verwirklichung der Tatsache, dass Christus das Haupt des Leibes ist und Er also allein alles regeln muss (was Er durch Sein Wort und die Leitung des Heiligen Geistes tut), ist das kein System, sondern der örtliche Ausdruck des Leibes Christi. Alles andere ist ein System! Gottes Wort lehrt, dass der Herr Führer gibt. Diese von Ihm gegebenen Führer müssen führen, wenn sie dem Herrn treu sein wollen. Und keiner von ihnen wird behaupten, dass er sich nie geirrt hat oder nie Fehler gemacht hat. Man muss also sehr vorsichtig sein, im Allgemeinen zu sprechen, da man dann sehr wahrscheinlich nicht nur sehr ungerecht gegen bestimmte Brüder ist, sondern auch das Recht des Herrn, jedem seinen Platz zu geben, leugnet. In dieser Beziehung ist Heb 13, 7 ernst!

Andererseits ist es natürlich möglich, dass fleischliche Brüder sich eine Stellung in der Versammlung Gottes suchen. Es ist wahr, dass nirgends das Fleisch mehr Gelegenheit finden kann und nimmt, als wo es überhaupt keinen Platz hat, sondern wo nur der Herr und der Heilige Geist Autorität haben. Wer geistlich ist, wird das fühlen und sich widersetzen – aber auf geistliche Weise! Fleisch gegen Fleisch kämpfend bringt nur Fleisch hervor. Fleisch, das für die Rechte des Herrn oder das Wohl der Versammlung kämpft, (ist das möglich?) ist ebenso verderbt und verwerflich vor dem Herrn als Fleisch, das sich Ihm offenbar widersetzt. Aber sicher ist es wahr, dass man, wenn man „um der Liebe und des Friedens willen“ (Liebe zu wem?) fleischlichen Männern zulässt, die Führung zu nehmen, und wenn man sich solcher Führung unterwirft, man praktisch den Herrn ausschaltet und sich auf dem Wege nach Laodicäa befindet.

Die Gefahren bestehen aber nach zwei Seiten, 1. dass fleischliche Männer sich Autorität anmaßen und wir das zulassen, 2. dass wir die von Gott gegebenen Führer, die ihren Dienst geistlich ausüben, nicht anerkennen.

Auf beiden Wegen würden wir aufhören, ein Ausdruck der Versammlung Gottes zu sein.

Frage: Welche Rolle spielt die Taufe für die Zulassung?

Antwort: Ich würde sagen: gar keine. Die Taufe ist eine persönliche Sache, die nichts mit der Versammlung als solcher zu tun hat. Die Versammlung tauft nicht, das tut eine Person. Aber wenn jemand nicht getauft ist, ist er kein Christ; er hat, was diese Erde betrifft, nach nicht die christliche Stellung eingenommen. So gibt es denn wohl eine Verbindung zwischen Taufe und Zulassung zum Brotbrechen: Die Taufe wird bei der Zulassung vorausgesetzt.

Frage: Im 1. Satz der Fragenbeantwortung in H. u. N. März 1970 Blatt 105 wird gesagt, dass die Taufe für die Zulassung keine Rolle spielt. Der letzte Satz redet jedoch vom Gegenteil, nämlich davon, dass die Taufe Voraussetzung für die Zulassung zum Tisch des Herrn ist. Was ist richtig?

Antwort: Unser Bruder hat recht, diese Aussprüche sind scheinbar miteinander in Widerspruch. Der Tisch des Herrn ist ein Vorrecht für den Leib Christi und die Taufe hat nichts zu tun mit Zulassung am Tisch des Herrn. Aber doch muss derjenige, der zugelassen wird, getauft sein, denn solange er nicht getauft ist, steht er überhaupt nicht auf christlichem Boden, und der Tisch des Herrn ist nur im Hause Gottes.

Frage: Weiterhin wird in oben genannter Antwort gesagt: „Aber wer nicht getauft ist, ist kein Christ.“ Jeder, der wahrhaftig errettet ist, ist mit Christo in Verbindung gebracht und ist ein Christ, auch wenn er nicht getauft ist.

Antwort: Was in der Frage gesagt wird, würde vollkommen recht sein, wenn die letzte Zeile (auch wenn er nicht getauft ist) nicht zugefügt wäre. In 1. Pet 3,21 steht, dass die Taufe errettet. In Apg 2,38 sagt Petrus, dass man getauft wird „zur Vergebung der Sünden“. In Rö 6,3.4 wird gesagt, dass wir durch die Taufe auf (eis – in Richtung auf) den Tod Christi Jesu gekommen sind. Sagen Sie von einem, der nicht getauft ist, und so nach genannten Schriftstellen nicht errettet ist, und dessen Sünden nicht abgewaschen sind, und der noch nicht vereinigt ist mit Christus Jesus in Seinem Tode, dass er errettet ist und ein Christ ist? Nun, dann gebrauchen Sie das Wort „Christ“ und „errettet“ in einer ganz anderen Bedeutung, als es in Gottes Wort gebraucht wird, und das ist sehr gefährlich. Jedenfalls müssen Sie dann, wenn Sie das Wort so gebrauchen, dabei sagen, welche Bedeutung Sie ihm geben, um jedes Missverständnis zu vermeiden.

Durch die Taufe wird man für diese Erde ein Christ – kommt man in die christliche Stellung, d. h. das Reich der Himmel und das Haus Gottes. Und so habe ich es in genannter Fragenbeantwortung gesagt; das haben Sie nur halb wiedergegeben.

Solange Sie nicht sehr genau die Stellen in Gottes Wort, die über die Taufe sprechen, in ihrem Zusammenhang untersuchen und dadurch klar sehen, dass die Taufe nichts mit dem Himmel und auch nichts mit Leben zu tun hat, werden Sie nie die wirkliche Bedeutung, die Gottes Wort der Taufe gibt, verstehen.

Frage: Weshalb steht die Taufe nicht in Verbindung mit der Versammlung? Der Bruder, der tauft, gehört doch zu ihr. Kann denn ein Bruder Personen taufen, von denen er bzw. die Versammlung nicht überzeugt ist, dass sie errettet sind und den Sinn der Taufe verstanden haben?

Antwort: Einer, der tauft, tut das nicht als ein Glied am Leibe Christi, sondern als einer, der im Reiche der Himmel ist. Die Versammlung lässt nicht zu zum Reiche der Himmel, sondern zu ihr selbst. Die Versammlung als Leib Christi ist im Reiche der Himmel, aber daneben sind noch viele im Reiche, die nicht zum Leibe Christi gehören. Wurden die Taufen in Apg 2,41; 8,12.38; 9,18; 10,47 und auf den Missionsreisen der Apostel in Verbindung mit der Versammlung vorgenommen? Wenn einer bittet, getauft zu werden, ist es klar, dass der, der ihn tauft, überzeugt sein sollte, dass er bekehrt ist. Aber selbst ein Gläubiger kann sich irren, wie, auch Philippus in Apostelgeschichte 8,13. Jedenfalls steht die Taufe außerhalb der Versammlung. Wenn einer zugelassen wird zum Tische des Herrn, muss die Versammlung untersuchen, ob diese Person wirklich ein Christ ist usw.

Frage: Welche Worte sollte nach den Belehrungen der Heiligen Schrift ein Bruder aussprechen, der eine Taufe vornimmt?

Antwort: Das ist mir selbst nicht klar. In Matthäus 28,19 sagt der Herr: „taufet sie auf den Namen des Vaters, und des Sohnes, und des Heiligen Geistes“. Aber, wenn der Herr hier auch den vollen Namen des Dreieinigen Gottes nennt, also wie Gott sich im Christentum geoffenbart hat, sagt Er es doch zu den Jüngern als dem gläubigen Überrest von Israel, und darum in Galiläa. Diesen Auftrag haben die Jünger auch nie ausgeführt, und ich zweifle nicht, dass der gläubige Überrest aus Juda es nach der Entrückung der Versammlung tun wird.

In der Apostelgeschichte finden wir die Ausführung des Auftrages, den der Herr den Jüngern in Lukas 24, 45–49 gab. Und da sehen wir immer, dass sie tauften „auf den Namen Jesu Christi“ (Kap. 2,38; 8,12; 10,48 usw.).

Wie gesagt, es ist mir nicht klar, ob diese Worte die ganze Tauf„formel“ bildeten oder ob mit dem Ausdruck nur gemeint ist, anzugeben, wohin sie getauft wurden (1. Kor 10,2; Rö 6,3) – auf den gestorbenen, verworfenen Christus.

Ich bin für mich selbst zu der Schlussfolgerung gekommen, dass es am sichersten ist, beide Ausdrücke zu gebrauchen. So habe ich dann gesagt: „Ich taufe dich auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, zu dem Namen des Herrn Jesu Christi.“ Später fand ich in einem Brief von J. N. Darby, dass er zu demselben Gedanken gekommen ist.

Frage: Ist einer, der mit uns am Tisch des Herrn in Gemeinschaft ist, damit auch zugleich ein Anbeter?

Antwort: Der Ausdruck „mit uns in Gemeinschaft“ – ich gebrauche ihn selbst auch oft – ist nicht ganz korrekt. Es ist oft schwer, sich schriftgemäß auszudrücken und doch verstanden zu werden. Ist also jemand, der seinen Platz am Tisch des Herrn einnimmt, zugleich ein Anbeter? Es ist wohl klar, dass es sich da um zwei verschiedene Dinge handelt, wenn sie auch eigentlich zusammenfallen sollten. Durch Gnade nehme ich meinen Platz am Tisch des Herrn ein. Damit ist jedoch nicht gesagt, dass ich an jedem Sonntagmorgen mit einem vollen Herzen, gefüllt mit Seiner Herrlichkeit und der Herrlichkeit Seines Werkes, zum Tisch des Herrn komme, so dass ich Opfer darbringen kann und dann so geistlich bin, dass ich wirklich anbete. Ich wollte, es wäre so. Aber ich denke, jeder von uns – am ehesten wohl die älteren Brüder und Schwestern – werden sagen: – Leider sind das zwei verschiedene Dinge. Wenn wir wirklich ganz vor dem Herrn wären, vollkommen geistlich, dann wären wir jeden Sonntagmorgen Anbeter. Aber wir wissen aus Erfahrung, dass das nicht der Fall ist, sondern dass unsere Herzen manchmal mit ganz anderen Dingen beschäftigt sind – traurig zu sagen, dass oft wenig Anbetung, ja wohl auch überhaupt keine, in unseren Herzen ist. Wir kommen häufig nicht über das hinaus, was wir empfangen haben, was in den Worten liegt: „Alle, alle meine Sünden hat Sein Blut hinweggetan“. Wie kostbar das auch ist, ist es doch keine Anbetung. Es ist gut, vor dem Herrn auszudrücken, dass wir aufgrund Seines Werkes gerettet sind; aber es ist nicht Anbetung. So ist es ganz klar, dass, wenn jemand seinen Platz am Tisch des Herrn einnimmt, er damit nicht unbedingt ein Anbeter ist. Das hängt von unserer persönlichen Verbindung mit dem Herrn und unserem geistlichen Zustand ab, von der Weise, wie wir uns mit dem Herrn Selbst beschäftigen und wie unsere Herzen von Ihm erfüllt sind.

Frage: Wie steht es mit dem ungleichen Joch zwischen Gläubigen und Ungläubigen im Blick auf den Tisch des Herrn?

Antwort: In meiner Heimatversammlung hatten wir den Fall, dass eine Schwester, eine Witwe, einen ungläubigen Mann heiratete. Wir hatten sie sehr gewarnt und sie darauf hingewiesen, dass sie etwas täte, was in Gottes Wort ausdrücklich verboten ist. Sie tat es doch, und da mussten wir sie ausschließen. „Tut den Bösen von euch selbst hinaus.“ Sie wusste das im Voraus. Nachdem wir viele Male mit ihr gesprochen hatten, gingen noch einmal zwei Brüder zu ihr und sagten: „Wenn du diesen Weg gehst, werden wir dich wahrscheinlich ausschließen müssen.“ Da meinte sie: „Das ist mir klar“. Ich meine, dass wir, wenn jemand in solch einer ernsten Sache offenbar in Widerspruch zum Wort Gottes handelt, nicht sagen können, dass sein Wandel gut ist. Das ist vielmehr eine böse Gesinnung, offenbarer Aufruhr, Ungehorsam gegenüber dem Herrn. Natürlich liegt die Sache ganz anders, wenn in einer Ehe von Ungläubigen ein Teil zur Bekehrung kommt. Und natürlich muss man in jedem Fall die Umstände kennen und ihnen Rechnung tragen. Es mag Fälle geben, wo ich nicht sagen würde: Wir müssen ausschließen. Auch hier müssen wir immer den Herrn fragen: Was ist Dein Wille? Und wir haben nur das zu tun, was der Herr uns sagt. Der Herr kennt die Umstände, und in jedem Fall sollen wir Ihn nach Seinem Willen fragen und die eigenen Gefühle, solche von Freundschaft oder von Antipathie, ausschalten. Das einzig Wichtige ist: Was sagt der Herr?

Frage: Ein Bruder hat der Versammlung mitgeteilt, dass er künftig den Weg gemeinsam mit den Geschwistern nicht mehr geht. a.) Haben wir als örtliche Versammlung seinen weiteren Weg zu besehen und bei eventuellen Verfehlungen nach seinem Fortgang noch Zucht auszuüben? b.) Wieweit können unsere persönlichen/ familiären Bemühungen der Liebe gehen, einen solchen zurückzubringen?

Antwort: Zucht auszuüben, nachdem einer sich zurückgezogen hat, ist „die Luft schlagen“ (1. Kor 9,26). Wie kann man einen „von euch selbst hinaustun“ (1. Kor 5,13) wenn er schon herausgegangen ist? Die draußen sind, richtet Gott. Aber man kann öffentlich erklären: „Er ist nicht mehr in Gemeinschaft“. Es würde etwas anderes sein, wenn offenbar würde, dass er in der Zeit in welcher er in Gemeinschaft war, in der Sünde gelebt hat und also ein Böser war. Selbst dann würde Ausschluss „die Luft schlagen“ sein. Er ist ja schon draußen! Aber dann kann man in der Versammlung mitteilen, dass er sich zurückgezogen hat unter dem Verdacht, dass er in der Sünde lebt, oder gelebt hat, und dass er also nicht wieder zurückkehren kann bevor er von diesem Verdacht befreit ist. Und dann müssen unsere persönlichen Beziehungen natürlich dem Rechnung tragen.

Wenn aber kein Leben in der Sünde bekannt ist, dann kann, und sollte man, jede persönliche und familiäre Beziehung gebrauchen, um zu versuchen, ihn wieder zurückzubringen.

Frage: Was ist der Charakter und der Zusammenhang zwischen der Zucht, wie sie erwähnt wird in 1. Kor 5; 2. Thes 3,14; Tit 3,10 und Rö 16,17?

Antwort: 1. Kor 5 spricht über Ausschluss, d. h. einen aus der Versammlung hinauszutun. Das darf die Versammlung nur tun, wenn einer ein Böser ist, also wenn er nicht nur in Sünde gefallen ist, sondern dass sein Zustand böse ist. Wenn es offenbar wird, dass einer jahrelang in groben Sünden gelebt hat, ist die Sache klar. Aber einet kann auch ein Böser sein, also in einem Zustand von Bosheit sein, was seine Gesinnung betrifft. Das wird natürlich nur klar, wenn die Versammlung alles versucht hat, was sie kann um den Betreffenden zu gewinnen. Denn Ausschluss ist das Letzte, was die Versammlung tun kann. Damit sagt sie: wir können nichts mehr tun und müssen es jetzt dem Herrn überlassen. Nach dem Ausschluss erkennen sie den Betreffenden nicht mehr als einen Bruder an. Nicht allein, dass er nicht mehr einen Platz am Tische des Herrn hat, sondern sie werden ihn nicht mehr Bruder nennen, nicht die Hand geben, nicht mit ihm essen, ihn nicht besuchen usw. Aller Verkehr ist also abgebrochen.

2. Thes 3,14 geht nicht so weit. Da geht es um den Fall, dass einer unordentlich wandelt. Das heißt, dass er ausdrücklichen Aussprüchen im Worte Gottes gegenüber nicht gehorsam ist. Dann muss er öffentlich als solcher bekannt gegeben werden in der Versammlung. Wir dürfen keinen Umgang mit ihm haben, aber nennen ihn Bruder und ermahnen ihn. Und selbstverständlich kann er teilhaben am Brotbrechen.

Tit 3,10 spricht über einen sektiererischen Menschen. Eine Sekte ist eine Gruppe, die sich getrennt hat von den Gläubigen, die versammelt sind zu dem Namen des Herrn Jesus Christus hin. Ein sektiererischer Mensch ist also ein Mensch, der eine Gruppe gebildet hat und damit die Versammlung verlassen hat. Solange er die Versammlung noch nicht verlassen hat, ist es eine Spaltung (vergleiche 1. Kor 11,15–19. Das Wort „Parteiungen“ dort ist dasselbe Wort wie Sekte in Tit 3,10). Nun, einen solchen musste Titus nach einer ein- oder zweimaligen Zurechtweisung „abweisen“, so wie Timotheus jüngere Witwen abweisen musste, wenn sie um Unterstützung kamen, wie er auch ungöttliche und altweibische Fabeln und törichte und ungereimte Streitfragen abweisen sollte (1. Tim 4,7.11 und 2. Tim 2,23).

Diese Stelle hat also nichts zu tun mit Ausschluss: Der sektiererische Mensch ist schon außerhalb und kann darum nicht mehr ausgeschlossen werden. Wenn es klar ist, dass diese Person aus Böswilligkeit gehandelt hat, kann man es der Versammlung bekanntgeben, so dass die Tür der Versammlung förmlich für ihn geschlossen wird, und er nur zurückkommen kann, wenn er wirklich wiederhergestellt ist. In seiner Auswirkung nähert sich das zwar dem Ausschluss; aber einen der draußen ist, kann man nicht hinaustun.

Rö 16,17 spricht über einen Fall, der dem Fall in Tit 3 vorausgeht. Hier ist die Person noch innerhalb, „einer der Zwiespalt und Ärgernis anrichtet entgegen der Lehre, die ihr gelernt habt“. Diese Lehre ist, dass wir nicht nur äußerlich zusammengehen sollten, sondern auch innerlich, mit wirklicher Liebe.

Nun, man muss sich diesen Personen entziehen, von ihnen abstehen. Dies ist kein Ausschluss! Aber man soll sich nicht mehr mit ihrem Werk einsmachen, sie nicht mehr einladen. Und wenn sie sich selbst einladen, ihren Dienst nicht mehr annehmen. Natürlich werden sie sich hierdurch getroffen fühlen, und das ist gerade das Ziel. So werden sie vielleicht zur Einkehr kommen. Und wenn nicht, werden sie wahrscheinlich auf ihrem Wege fortgehen und eine Sekte bilden. Dann sind sie die sektiererischen Menschen geworden, worüber Tit 3, 10 spricht.

Siehe weiter meine Betrachtung über den Brief des Judas, S.149–153.

Frage: Wird eine Zuchthandlung, auch wenn sie falsch ist, im Himmel anerkannt? Wenn nein, ist dann die Versammlung gehalten, den Beschluss zurückzunehmen?

Antwort: Wenn die Versammlung den Beschluss in betendem Aufblicken zu dem Herrn gefasst hat, der dann in ihrer Mitte war, wird dieser Beschluss durch den Himmel anerkannt, auch wenn die Versammlung sich irren sollte. Aber dann wird der Herr immer im Lauf der Zeit versuchen, Licht zu geben, so dass die Versammlung ihren Fehler einsieht. Dazu kann der Herr andere Versammlungen gebrauchen oder einzelne Brüder oder auch, wenn das nicht hilft, Zucht. Und natürlich wird die Versammlung dann den Beschluss zurücknehmen und sich demütigen über ihren Zustand, der Ursache war, dass sie den Willen des Herrn nicht erkannte.

Wenn es ganz klar ist, dass ein Beschluss schriftwidrig ist und die Versammlung sich nach allen Bemühungen weigert, diesen Beschluss zurückzunehmen, dann wird der Augenblick kommen, dass man sagen muss: Dieser Beschluss wird durch den Himmel nicht mehr anerkannt. Aber das bedeutet, dass man diese Versammlung nicht mehr anerkennt als eine Versammlung Gottes. Aber dafür muss man doch wohl ganz sicher sein, dass der Herr diese Versammlung verlassen hat.

Frage: Wird zum Tisch des Herrn oder zum Brotbrechen zugelassen?

Antwort: Diese Unterscheidung sollte man nicht machen. Wenn das Brotbrechen am Tisch des Herrn stattfindet, wird ein Bruder oder eine Schwester zu gleicher Zeit zu beidem zugelassen. Fände das Brotbrechen nicht am Tisch des Herrn statt, wäre es nicht das Abendmahl des Herrn, und ich möchte da nicht sein. Ich möchte beim Abendmahl des Herrn sein, am Tisch des Herrn, und da kann man diesen Unterschied nicht machen. Wer zum Brotbrechen zugelassen wird, ist damit automatisch zum Tisch des Herrn zugelassen; denn das Brotbrechen findet am Tisch des Herrn statt – wenn es das Abendmahl des Herrn ist, wo der Herr anwesend ist und ich aus Seiner Hand das gebrochene Brot und den ausgegossenen Wein empfange. Ich zweifle nicht, dass jeder von uns denselben Wunsch, denselben Gedanken hat.

Frage: a) Welches sind die Bedingungen für die Zulassung? b) Wer lässt zu, die Brüder oder die Versammlung?

Antwort: a) Das ist wirklich eine wichtige Frage. Ich habe einige Male erlebt, wie jemand regelmäßig in die Zusammenkünfte kam und niemals bat, seinen Platz am Tisch des Herrn einnehmen zu dürfen. Er sagte sich: Danach braucht man nicht zu fragen; das muss selbstverständlich sein. Er meinte, weil er ein Gläubiger sei, müsse er so seinen Platz da einnehmen dürfen.

Ist das wirklich so? Muss man, wenn man am Tisch des Herrn zusammenkommt, um das Abendmahl des Herrn zu feiern, einen Fremden, der sagt: „Ich bin ein Gläubiger“, gleich die Gelegenheit geben, Brot zu brechen? Jedem, der etwas nachdenkt, wird klar sein, dass das nicht möglich ist. Der Herr gibt das gebrochene Brot und sagt zu Seinen Jüngern: „Dies ist mein Leib, der für euch gegeben wird.“ Jeder, der teilnimmt, muss also ein Kind Gottes sein. Und wie kann ich das von einem Fremden, der hereinkommt, wissen? Muss ich das glauben, weil er es sagt? Dann übernehme ich keine Verantwortung. Aber das ist gerade der Grundsatz in Gottes Wort, dass keiner es selber in der Hand hat, hier auf Erden die christliche Stellung einzunehmen oder Gemeinschaft mit anderen zu haben. Jeder, der kommt, muss vielmehr durch die anderen, die vor ihm sind, zugelassen werden.

Das sehen wir in Apg 2. Der Heilige Geist kam auf die Gläubigen hernieder und errichtete so das Reich der Himmel und das Haus Gottes. Dann kamen andere zum Glauben, aber die mussten durch die ersten Gläubigen zu dem Reich der Himmel zugelassen werden. Das geschah durch die Taufe. Der Ausdruck „Reich der Himmel“ gibt den Platz des Segens auf Erden an.

Aber keiner kann sich selbst taufen. Sie mussten durch die anderen getauft werden, die vor ihnen waren, auf welche der Heilige Geist im Anfang gefallen war. Der Herr gab Petrus die Schlüssel des Reiches. Jetzt müssen Gläubige die anderen zulassen, d. h, also, dass keiner sich selbst hinzufügen kann. Er muss durch einen anderen getauft und zum Reich der Himmel zugelassen werden.

So ist es auch mit dem Tisch des Herrn. Die Jünger hatten es von dem Herrn empfangen, und sie mussten andere beurteilen und sie zulassen. So sagt der Herr in Joh 20: „Welchen irgend ihr die Sünden vergebet, denen sind sie vergeben.“ Die Jünger erhielten die Befugnis, die Autorität, Sünden zu vergeben, was die Stellung hier auf Erden betrifft, natürlich nicht für die Ewigkeit – das kann nur Gott, nur der Herr Jesus tun. Es ist klar, dass man bei der Zulassung zum Tisch des Herrn die Bedingungen stellen muss, die Gottes Wort nennt. Wenn es der Tisch des Herrn und das Abendmahl des Herrn ist, dann kann selbstverständlich jeder, den der Herr einlädt, dort seinen Platz einnehmen. So müssen wir also fragen: Wen lädt der Herr ein? Natürlich keine Ungläubigen. An Seinen Tisch, wo Er ihnen das Brot gibt und sagt: „Dies ist mein Leib, der für euch gegeben wird“, lädt Er nur die ein, für die Er wirklich gestorben ist. Und wir wissen, der Herr hat nur die Sünden derer getragen, von denen er wusste, dass sie an Ihn glauben würden, so dass die erste Bedingung ist: Sie müssen Gläubige sein, d. h. die Gewissheit haben, dass ihre Sünden vergeben sind und sie Frieden mit Gott haben.

Aber das zweite haben wir in 1. Kor 5,13: „Tut den Bösen von euch selbst hinaus“. Da wird gesagt, dass einer, der Bruder genannt wird, der also seinen Platz in der Mitte der Gläubigen eingenommen hat, aber ein Hurer, ein Habsüchtiger oder ein Götzendiener ist, ausgeschlossen werden muss. Nun, wenn man bestimmte Menschen ausschließen, hinaustun muss, dann ist es klar, dass man nicht jeden, der in der Versammlung erscheint, so ohne weiteres aufnehmen kann. So ist die zweite Bedingung, die Gottes Wort stellt, dass sein Wandel so sein muss, wie es sich für ein Kind Gottes geziemt.

Das dritte finden wir in 2. Joh 10: „Wenn jemand zu euch kommt, der diese Lehre (die Lehre des Christus) nicht bringt, so nehmt ihn nicht ins Haus auf und grüßet ihn nicht.“ Er darf also keine Irrlehre haben. Es geht nicht darum, ob er über irgend einen Punkt anders denkt, sondern dass er in grundlegenden Dingen von Gottes Wort falsch ist, wenn er z. B. leugnet, dass der Herr Jesus der Sohn Gottes ist, oder behauptet, die Bibel sei nicht vollkommen durch Gott inspiriert – Dinge, die fundamental sind. Das ist eine Irrlehre; die lässt der Herr nicht zu. In Gal 1,8 sagt Paulus ja: Wenn einer ein anderes Evangelium bringt, als das, was wir euch als Evangelium gebracht haben, der sei verflucht, und in 1. Kor 16, 22: „Wenn jemand den Herrn Jesus Christus nicht lieb hat, der sei Anathema; (das ist: verflucht)“. Da sehen wir also, dass er, was die Lehre betrifft, rein sein muss.

In 1. Kor 10 lesen wir in Verbindung mit dem Tisch des Herrn, dass jemand auch in seinen Verbindungen rein sein muss, dass auch unreine Verbindungen einen Gläubigen unfähig machen, seinen Platz einzunehmen: „Ihr könnt nicht des Herrn Kelch trinken und der Dämonen Kelch. Ihr könnt nicht des Herrn Tisches teilhaftig sein und des Dämonen- Tisches. Oder reizen wir den Herrn zur Eifersucht?“ (Verse 21–22).

Es geht jetzt nicht darum, was der Dämonen-Tisch oder der Dämonen-Kelch waren (Altäre der Heiden und der Kelch, der da gebraucht wurde). Ich will nur den Grundsatz andeuten, dass einer auch in seinen Verbindungen rein sein muss, also keine Verbindung mit unreiner Lehre oder einem unreinen Wandel haben darf. Das sind die einzigen Bedingungen, die gestellt werden dürfen. Aber diese müssen gestellt werden, denn Gottes Wort gibt sie uns an.

Die Hauptsache ist dies: Wir dürfen keine Kenntnisse erwarten, wohl aber die Bereitschaft zu lernen. Und sobald ein Kind Gottes Frieden mit Gott hat, ist es fähig zu lernen. Vorher kann er die Wahrheit Gottes nicht erkennen und nicht lernen. Aber dann ist noch die Frage, ob er dazu willig ist. Und wenn er willig ist zu lernen, dann lernt er auch. Aber wir dürfen keine Kenntnisse voraussetzen, außer dieser natürlich, dass seine Sünden vergeben sind.

Nun also die Frage: Lassen die Brüder zu oder lässt die Versammlung zu?

b) Nun, das ist ganz klar. Die Brüder können nicht zulassen; das muss die Versammlung tun. Der Herr sagt in Mt 18,20: „Wo zwei oder drei versammelt sind zu meinem Namen hin“. Damit sind nicht zwei Brüder gemeint, sondern die Versammlung, und sie ist es, die zulässt, nicht die Brüder. Die Brüder als solche haben dazu nicht die Autorität. Die Autorität hat nur die Versammlung, und dazu gehören auch die Schwestern. In Gottes Wort steht: „In Christus ist weder Mann noch Weib“ – wohl hinsichtlich des öffentlichen Auftretens, das der Herr hier auf Erden dem Mann, nicht der Frau gegeben hat. Aber die Verantwortung trägt die Schwester ebenso gut wie der Bruder. Also die Versammlung, das sind die Brüder und die Schwestern, lässt zu. Die Brüder bereiten die Sache vor, aber der Beschluss wird von der Versammlung gefasst. Ein paar Brüder sprechen mit demjenigen, der zugelassen werden möchte und teilen dann der Brüder-Versammlung ihren Eindruck mit. Wenn die Brüder Freimütigkeit haben, wird derjenige allen Brüdern und Schwestern vorgeschlagen. Da Schwestern in der Versammlung schweigen müssen, wird ihnen Gelegenheit gegeben, während einer Zeit außerhalb der Zusammenkünfte bei bestimmten Brüdern Beschwerde einzulegen. Wenn kein Einspruch erfolgt, wird angenommen, dass sie einverstanden sind, so dass der Bruder oder die Schwester am nächsten Sonntag teilnehmen kann.

Frage: Ist aus dem ersten Abschnitt von 1. Korinther 11 zu ersehen, dass die Frauen in den Zusammenkünften das Haupt bedecken sollen, obwohl es sich hier noch nicht um die Ordnung in der Versammlung handelt, wenn die Versammlung als solche zusammenkommt?

Antwort: Nicht auf eine direkte Weise, aber wohl indirekt. Der ganze Abschnitt zeigt nachdrücklich, dass eine gläubige Frau in jedem Umstand, worin der Schein erweckt werden könnte, dass sie die Stellung eines Mannes, also eine führende Stellung einnehmen will, sich bedeckt als Zeichen, dass das nicht ihre Absicht ist, sondern dass sie sich bewusst ist, dass sie in Gottes Schöpfungsordnung unter dem Mann steht. Nun, das ist sicher wahr in den Zusammenkünften, wo sie gleich den meisten Brüdern singt und Amen sagt auf die Gebete.

Frage: Dürfen wir uns als zu dem Namen des Herrn Jesu hin versammelt wissen

1) bei Zusammenkünften der Versammlung an einem Ort mit fortlaufender gemeinsamer Betrachtung, z.B. bei fortlaufender Betrachtung der Evangelien?

2) bei besonders angesetzten Zusammenkünften, für die ein Bruder, der eine Gabe hat, zum Dienst eingeladen worden ist,

a) wenn das Thema oder der Gegenstand der Betrachtung im Voraus feststehen (weil beispielsweise die Geschwister an dem betreffenden Ort über einen besonderen Gegenstand belehrt zu werden wünschen)

b) wenn die Wahl des Gegenstandes offensteht

3) bei Brüderkonferenzen

4) bei Evangelisationsversammlungen?

Antwort: Die Antwort kann kurz sein: Überall, wo Gläubige als Versammlung zu dem Namen des Herrn Jesu hin zusammenkommen, d. h., wo sie Ihm die alleinige Autorität geben wollen und geben, ist Matthäus 18,20 verwirklicht.

So ist gleich klar, dass die unter 2 und 4 aufgeführten Zusammenkünfte nicht darunter fallen, weil da ein bestimmter Bruder seine Gabe ausübt.

Die unter Punkt 3 genannten „Brüderkonferenzen“ sind an sich auch kein Zusammenkommen der Versammlung. Es besteht m. E. aber ein Unterschied, ob wegen Platzmangel nicht alle zu einer Konferenz eingeladen werden, oder weil die betreffende Zusammenkunft vertraulicher Art ist. In dem letztgenannten Fall ist es ganz klar kein Zusammenkommen der Versammlung zu dem Namen des Herrn Jesus.

Ich kann nicht sehen, warum eine gemeinsame Wortbetrachtung der Versammlung kein Zusammenkommen im Namen des Herrn ist, auch wenn ein bestimmter Gegenstand vorgesehen ist. Das Wort selbst macht uns klar, dass wir Freiheit haben, einem Zusammenkommen einen bestimmten Charakter zu geben, wie wir z. B. sonntagmorgens zum Brotbrechen zusammenkommen (Apg 20,7) und in der Woche zum Gebet. Warum sollte das nicht auch auf eine fortlaufende Wortbetrachtung zutreffen?

Frage: Wissen wir, wie alt die Menschen im Tausendjährigen Reich werden? Sagt Jesaja 65 davon etwas?

Antwort: Nach Jesaja 25, 8 wird Jehova für das Volk Gottes im Tausendjährigen Reich den Tod verschlingen. Dazu sagt das Wort, dass der, der die Macht des Todes hat, in den Abgrund geworfen und gebunden sein wird (Off 20), und dass der, der die Macht des Lebens hat, regiert. Das bedeutet, dass kein Gerechter mehr sterben wird. Die Ausnahme finden wir in Jesaja 65,20, und aus Jesaja 66,24 und Psalm 101,8 sehen wir, auf welche Menschen sich dies bezieht; Sünder, die offenbar Frevel tun und somit offenbar rebellieren gegen den Herrn, werden sterben. Alle anderen Menschen werden ihre Tage erfüllen (Jes 65,20). Wer bei Beginn des Tausendjährigen Reichs ein Säugling oder ein Greis war, wird am Leben bleiben und so mehr als 1000 Jahre alt werden. So werden die Lebensalter von 1. Mose 5 überschritten werden.

Frage: Wenn der Herr Jesus nach Joh 14, 2 im Vaterhaus ist und Paulus in Phil 1,23 sagt: „um bei Christo zu sein-, sind dann die Entschlafenen auch im Vaterhaus? Und wo ist das Paradies?

Antwort: Wir dürfen nicht vergessen, dass der Herr Jesus nicht nur wahrhaftiger Mensch war, sondern auch der ewige Gott ist. Als Gott kann Er überall zu gleicher Zeit sein. Wir sehen das auch in Mt 18,20, wo Er Selbst verheißt, überall in der Mitte zu sein, wo zwei oder drei zu Seinem Namen hin versammelt sind; also kann Er gleichzeitig an beliebig vielen verschiedenen Stellen auf der Erde sein. So ist der Herr Jesus jetzt im Vaterhaus, dem nicht erschaffenen Himmel, aber Er ist auch im Paradies, welches nach 2. Kor 12 im dritten Himmel ist. Die Entschlafenen sind noch nicht im Vaterhaus, sondern im Paradies, wie der Herr in Lk 23 sagt. Erst wenn der Herr kommt, um die Seinen zu Sich zu nehmen – 1. Kor 15, 51–54 und 1. Thes 4, 15–18 – werden die Gläubigen in das Haus des Vaters eingehen.

Frage: Ist es richtig, dass an Gräbern von entschlafenen Geschwistern gesagt wird: „Er schaut nun Den, an Den er geglaubt hat“, oder: „Er ist nun bei unserem Herrn Jesus“? Unser Herr war doch nur drei Tage bis zu Seiner Auferstehung im Paradiese und ist dann in die Herrlichkeit zu Seinem Vater aufgefahren.

Antwort: Diese Ausdrücke sind unbedingt richtig, denn sie sind schriftgemäß. Siehe Lk 23,43; 2. Kor 12,2–5 und Phil 1,23. Die Schwierigkeiten, die der Fragesteller hat, sind nur da, weil er nicht daran denkt, dass der Herr Jesus Gott ist, Der zu gleicher Zeit überall sein kann. So ist Er nach Mt 18,20 überall in der ganzen Welt, wo man zu Seinem Namen hin versammelt ist.

Frage: Halten sich Amerika und Westeuropa die Waage mit den Ostblockstaaten, oder wird eine Seite durch Kriege und innere Zerwürfnisse schwächer?

Antwort: Amerika wird in Zukunft unbedeutend sein, Westeuropa dagegen die mächtigste Macht und nicht durch Zerwürfnisse schwächer werden. Wir haben auch keinen Anlass anzunehmen, das Rußland durch Zerwürfnisse geschwächt werden wird, denn der Iran, der Irak und die Türkei werden, wie Gottes Wort sagt, unter seinem Einfluss stehen. Aber Westeuropa wird mächtiger sein.

Frage: Bleibt das Verhältnis zwischen Westeuropa und Amerika bestehen?

Antwort: Bisher habe ich Amerika in den Weissagungen nicht finden können, und welches Verhältnis zwischen Westeuropa und Amerika bestehen wird, weiß ich nicht. Jedenfalls wird es nicht so bleiben, wie es jetzt ist. Man kann sagen, dass Europa sich jetzt durch Amerikas Atomwaffen beschirmt fühlt. Das wird in der Endzeit bestimmt nicht so sein, denn dann wird Westeuropa die größte Macht sein; es wird die Weltherrschaft ausüben. Das heißt natürlich nicht, dass Westeuropa überall regieren wird. Aber es wird mindestens den Platz einnehmen, den Amerika jetzt hat, wahrscheinlich höher, mächtiger sein, während es jetzt noch fraglich ist, wer mehr Macht hat, Amerika oder Russland. Dann wird Westeuropa unbestritten der mächtigste Staat sein, weil Satan ihm seine Macht und seinen Thron und große Gewalt gibt. Aber Gott hat ihm ursprünglich die Weltherrschaft gegeben (Dan 2). Nach Westeuropa folgt als größte Macht Russland, also nicht Amerika.

Frage: Sollten sich West und Ost die Waage halten, wird ein Atomkrieg sicher nicht stattfinden. Kann man diese Folgerung ziehen?

Antwort: West und Ost werden sich die Waage nicht halten. Ich weiß nur, dass nach der Entrückung der Gläubigen Westeuropa mächtig sein wird, so dass die Menschen sagen: Wer kann dagegen Krieg führen? Das wird die Meinung der ganzen Welt sein. Im Anfang wird keiner es wagen, Krieg zu führen, bis endlich der König des Nordens, durch seinen Hass verblendet, es doch wagt. Und das wird das Ende einleiten.

Frage: Die Bibel nennt bezgl. der Toten die Aufbewahrungsorte: Paradies, Scheol, Hades und Totenreich. Sind das auch schon Unterschiede oder wird damit das gleiche genannt?

Antwort: Das Paradies ist der Ort, wo nur die Gläubigen, die entschlafen, hingehen. Der Hades ist der Ort, wo die Ungläubigen, die sterben, hingehen, bis zu dem Gericht vor dem großen weißen Thron (Off 20). „Hades“ ist das griechische Wort, das in der Elberfelder Bibelübersetzung nicht übersetzt ist. Andere Übersetzungen haben es durch Totenreich übersetzt. Damit ist also dasselbe gemeint. Scheol ist das alttestamentliche (hebräische) Wort für das neutestamentliche Wort Hades. Nur wird es oft im A. T. in weiterem Sinne gebraucht für Grab usw. Gehenna ist das hebräische Wort, das gleich ist mit „Hölle“ im N. T. Paradies, Scheol, Hades und Totenreich sind also nur die vorläufigen Aufbewahrungsorte, während der endgültige Aufbewahrungsort für Ungläubige die Hölle (Feuersee) ist, der auch Gehenna genannt wird. Für die Gläubigen ist ihre definitive Bestimmung natürlich das Haus des Vaters – d. h. für die Glieder Christi. Für die alttestamentlichen Gläubigen und die Gläubigen der Zeit nach der Entrückung der Versammlung ist die neue Erde ihr endgültiger Wohnsitz.

Frage: Wissen wir, wo die gläubig Entschlafenen im Tausendjährigen Reich bleiben? (Die ungläubig Gestorbenen werden ja erst zum Gericht am großen, weißen Thron auferweckt?).

Antwort: Alle Gläubigen, die bis zur Entrückung der Versammlung entschlafen sind, werden dann auferweckt werden. Im Anfang des Tausendjährigen Reiches werden die nach der Zeit umgekommenen Gläubigen auferweckt werden. Nach diesem Augenblick wird kein Gläubiger mehr sterben (1. Kor 15,23 und Off 20,4–6).

Frage: Sie haben in einem Vortrag erwähnt, dass nach 2. Thes 3,5 der Herr Jesus jetzt ausharrt, um die Braut zu holen. Dass Er wartet und Sich nach uns sehnt, ist mir klar. Ich dachte aber, dass ein Ausharren nur nötig sei bei widrigen Umständen, in denen der Herr Jesus war und die Braut noch ist.

Antwort: Den Herrn verlangt nach dem Augenblick, wo Er mit Seiner Braut vereinigt wird. Nach Eph 1,23 ist Er ohne Seine Versammlung nicht vollkommen; der Herr wartet also mit Ausharren auf den Augenblick, wo Er mit Seiner Braut vereinigt wird.

Das ist die Bedeutung von 2. Thes 3,5 und Off 3,10.

Frage: Welche Rolle wird China in der Zukunft spielen?

Antwort: Ich weiß es nicht, aber jedenfalls nicht die, die man befürchtet: dass es die Weltherrschaft haben wird. Diese Rolle kann China nach der Entrückung der Versammlung nicht spielen, weil Westeuropa dann das mächtigste Reich sein wird.

Frage: Warum steht in Daniel 5,25 upharsin und in der Auslegung in Vers 28 Peres?

Antwort: Wie die Fußnote in der Elberfelder-Bibelübersetzung sagt, ist „upharsin“ die Mehrzahl von „peres“. Vielleicht gebraucht der Heilige Geist das zweite Mal die Einzahl, um die Übereinstimmung des Wortes mit „Perser“ zu zeigen.

Frage: Ist es möglich, dass sich die Stelle in Jesaja 18,3–6 auf die heutige Zeit bezieht? Könnte es vielleicht der Anfang der Drangsale in Matthäus 24,21.22 sein? Oder geschieht dies erst dann, wenn wir, die aus den Nationen, im Himmel sind?

Antwort: Die Drangsale in Mt 24,21.22 werden erst anfangen nach der Entrückung, wenn der Antichrist sich in den Tempel setzen wird, sich selbst darstellend, dass er Gott sei (Mt 24,15; Dan 12,11; 2. Thes 2,3.4), Das kann also jetzt noch nicht sein. Ich zweifle nicht, dass Jes 18,3.4 jetzt schon ist. Aber die Verse 5 und 6 werden erst erfüllt werden am Ende der letzten halben Jahrwoche – also wahrscheinlich in den letzten Monaten, bevor der Herr kommt, um das tausendjährige Reich zu errichten.

Die ersten Verse von Jes 18 und ebenso Hes 37,1–8 sagen klar, dass das Volk (die zwei Stämme) durch die Macht Gottes in Unglauben nach dem Land zurückgehen würden. Ich zweifle nicht, dass dies jedenfalls teilweise in den letzten 20 Jahren erfüllt ist. Aber wenn es auch durch die Macht Gottes ist und alles durch Gott geordnet wird, öffentlich erkennt Gott sie nicht als Sein Volk an, denn sie sind nicht bekehrt und haben kein Leben Dies Leben werden sie erst später durch ein Werk Gottes empfangen (Hes 37,9), und es ist klar, dass dies nach der Entrückung der Versammlung sein wird; denn jeder Jude, der sich jetzt bekehrt, ist kein Jude mehr. So können wir wohl sagen, dass der Sieg der Juden im vorigen Jahr in Jes 18, 3.4 eingeschlossen ist, aber Vers 5 ist noch Zukunft.

Frage: Nach Lk 16,23–31 ist es klar, dass die entschlafenen Gläubigen und die Menschen, die sich in ihrem Leben nicht bekehrt haben, nicht an dem gleichen Ort sind. Leidet die Seele des Ungläubigen, wie wir es jetzt in unserem Leibe verstehen (physisch), oder ist dieses Leiden in der Flamme als Anklage darüber zu verstehen, dass es die Liebe des Herrn Jesus in seinem Leben auf dieser Erde ausgeschlagen hat und jetzt keine Möglichkeit mehr besteht, in die Herrlichkeit bei Gott zu kommen?

Antwort: Ich denke nicht, dass es in Lk 16 physisch zu verstehen ist, da der Ungläubige da noch nicht wieder auferweckt ist und also keinen Leib hat. In der Hölle hat er seinen Leib wieder. Aber es ist nicht wichtig, ob er es physisch ist oder nicht. Wir verstehen, dass er Schmerzen hat. Und die Schmerzen sind bestimmt nicht deswegen allein, weil er sich sagen muss: „Ich hätte errettet werden können, aber ich habe nicht gewollt“. Das Schlimmste wird ohne Zweifel das positive Gericht Gottes sein. Der Herr spricht in Lk 12,47.48 darüber, mit vielen oder wenigen Schlägen geschlagen zu werden. Gott wird jedem eine gerechte Strafe auferlegen über die Sünde, die er getan hat. Und Er wird einen Unterschied machen nach dem Maße der Verantwortlichkeit jedes einzelnen. Ein Heide wird nicht die gleiche Strafe empfangen wie einer, der das Wort Gottes kennt und sich doch nicht bekehrt hat.

Frage: Wissen wir etwas davon, in welcher Gestalt wir bei und nach der Entrückung sein werden? Sind Männer, Frauen und Kinder zu unterscheiden?

Antwort: Ich kenne keine Stellen in Gottes Wort, die ausdrücklich über diese Frage sprechen. Wenn aber die Zukunft das Vollkommene genannt wird (1. Kor 13,10), so glaube ich nicht, dass Kinder unvollkommen bleiben. Weiter sagt Gottes Wort, dass wir geistliche Leiber haben werden und das Bild des Himmlischen tragen (1. Kor 15,42–50). Daraus geht hervor, dass die geschlechtlichen Unterschiede nicht mehr da sind, oder jedenfalls keinen Einfluss mehr ausüben. Das ist auch in Übereinstimmung mit z. B. Lk 20,34–35.

Aus „dann werde ich erkennen, wie auch ich erkannt worden bin“

1. Kor 13, 12 folgt m. E., dass wir im Himmel jeden erkennen werden (siehe auch Luk 9,30–33 und 16,23). Wir werden also genau wissen, wer unsere Frau oder unser Mann und wer unsere Kinder, Eltern usw. gewesen sind. Aber da wir geistliche Leiber haben werden, werden wir nicht mehr die besonderen Bande fühlen.

Frage: Von welchem Ort und wohin wurde der Fürst dieser Welt hinausgeworfen? (Joh 12,31)

Antwort: In diesem Text spricht der Herr über das Kreuz. Satan leitete die Welt dahin, den Herrn zu kreuzigen. Darin bewies er, dass er der Fürst dieser Welt war. Aber gerade durch die Kreuzigung, in der er seine Macht bewies, wurde seine Macht völlig gebrochen. Der Herr Jesus hat durch den Tod den zunichte gemacht, der die Macht des Todes hat, das ist den Teufel, und hat alle die befreit, welche durch Todesfurcht das ganze Leben hindurch der Knechtschaft unterworfen waren (Heb 2,14.15). Die Welt hat durch das Kreuz ihren wahren Charakter geoffenbart, so dass Gott Sein Urteil über sie aussprach: die Welt ist gerichtet! Nur ist das Urteil noch nicht ausgeführt; das wird erst in der Zukunft geschehen. Ebenso hat Satan seine völlige Bosheit geoffenbart, wodurch auch sein Urteil feststeht. Und tatsächlich ist seine Macht gerade auf dem Kreuz gebrochen. Für den Glauben ist Satan gerichtet und hinausgeworfen. Er hat auch keine Macht mehr über den Gläubigen. Das Urteil ist ausgesprochen und moralisch vollführt. Aber äußerlich wird das erst stattfinden, wenn der Herr vom Himmel kommt (Off 12,8 und 20,1–3) und erst endgültig in Off 20,10.

Unser Text bedeutet also; dass Satan aus den himmlischen (Örtern und von der Erde hinausgetan wird in den Abgrund, und danach in den Feuersee.

Frage: Wie ist Jesaja 53,12 zu verstehen „Darum werde ich ihm die Großen zuteil geben, und mit Gewaltigen wird er die Beute teilen“. Wer sind die Großen und die Gewaltigen und die Beute?

Antwort: Die Übersetzung dieses Verses ist nicht einfach. Darum sind mehrere Übersetzungen verschieden. Wenn wir die Elberfelder nehmen, die mir die beste zu sein scheint, dann ist die Bedeutung nicht unklar. Die Großen sind die Mächte auf Erden, die sich alle dem Herrn unterwerfen werden. Die Gewaltigen sind der gläubige Überrest der Juden (Sach 9,13; Ps 16,3; Dan 11,32). Die Beute ist die ganze Erde mit allem, was darauf ist. Der Herr als der König Israels wird die ganze Erde in Besitz nehmen und alles mit Seinem geliebten Volk teilen. Wir, die Versammlung, sind Seine himmlischen Miterben des Weltalls. Der gläubige Überrest wird mit Ihm als König verbunden sein. In 1. Sam 30,26–31 haben wir ein von Gott gegebenes Beispiel von Jes 53,12.

Frage: Werden wir Gott in der Herrlichkeit persönlich sehen – nicht nur in dem Herrn Jesus, sondern von Angesicht zu Angesicht? Ich denke z. B. an 1. Tim 6,16 wo steht, dass kein Mensch Gott gesehen hat noch sehen kann, und an Off 21,3, wo wir lesen, dass Gott Selbst bei uns sein wird.

Antwort: Kol 1, 19 sagt, dass es das Wohlgefallen der ganzen Fülle war, in Ihm zu wohnen, und in Kap. 2,9 heißt es: „Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig“; in 1. Tim 3,16 steht: „ ...Gott ist geoffenbart worden im Fleische“. Diese Stellen geben uns schon die Antwort. Wer den Herrn Jesus gesehen hat oder sehen wird, sieht Gott; und nicht nur Gott den Sohn, sondern den Dreieinigen Gott, so wie der Herr Jesus in Joh 14,9 sagt: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“.

Unsere Gedanken sind in dieser Beziehung oft viel zu menschlich. Drei Menschen zum Beispiel sind vollkommen voneinander getrennt; aber in der Gottheit gibt es drei Personen und doch nur einen Gott. Diese drei Personen – der Vater, der Sohn und der Heilige Geist – sind vollkommen eins, so dass keiner etwas tut, woran der andere kein Teil hat (Joh 5, 19–21). Darum wiederhole ich: Wenn wir den Herrn Jesus sehen, sehen wir den Dreieinigen Gott.

1. Tim 6,16 sagt, dass wir Gott in Seiner absoluten Gottheit nicht sehen können. Darum ist Gott im Fleische geoffenbart, so dass wir Ihn jetzt sehen können.

Ich will einen Vergleich mit uns selbst anstellen: Der Mensch besteht aus Seele, Geist und Leib. Die Seele ist der Sitz der Persönlichkeit, der Geist der höhere Teil des Menschen, durch den er mit Gott in Verbindung treten kann. Der Leib ist das Werkzeug, durch das sich Seele und Geist offenbaren. Wie kennen wir einander nun? Kennen wir den Leib? Natürlich kennen wir auch die Seele und den Geist, weil sie sich durch den Leib offenbaren, und doch sind sie für unser natürliches Auge unsichtbar. So kennen wir Gott auch durch Seine Offenbarung im Fleische in dem Menschen Christus Jesus.

Frage: In diesem Zusammenhang eine weitere Frage: Werden wir im Himmel noch eine Erinnerung bzw. das Bewusstsein der Vergebung der Sünden haben? Johannes, noch auf dieser Erde, sagt: „ ... und uns von unseren Sünden gewaschen hat“. Im Himmel bringen die Gläubigen diese Gedanken wohl nicht mehr zum Ausdruck?

Antwort: Gottes Wort sagt klar, dass „wir alle vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden müssen“ (2. Kor 5,10), und „offenbar“ kann doch nur bedeuten, dass alles sichtbar wird. Ich glaube auch nicht, dass das im Widerspruch steht zu dem Wort, dass Er unserer Sünden nicht mehr gedenken werde. Es ist der Richterstuhl Gottes, aber der Herr Jesus, unser Erretter, übt das Gericht aus (Joh 5,22.27). Und für uns Gläubige bedeutet das Erscheinen vor dem Richterstuhl nicht ein Gericht, sondern ein Offenbarwerden.

Zweitens: Wir haben es als Gläubige nicht mehr mit Gott (als Gott), sondern mit dem Vater zu tun. Im Hebräerbrief, wo das Verhältnis zwischen Menschen und Gott gesehen wird, heißt es: „Durch ein Opfer hat er auf immerdar – das Wort bedeutet „ununterbrochen“ – vollkommen gemacht...- (Heb 10,14). Sobald also jemand an dem Werk des Herrn Jesus teilhat, sieht Gott keine Sünde mehr bei ihm. Aber wir tun doch noch Sünden? Dazu möchte ich eine Begebenheit erzählen. Vor Jahren diente ich einmal in Norddeutschland, und da ich eilig fort musste, lief ich schnell zu meinem Auto. Ein junges Mädchen von 13 Jahren, das im Jahr zuvor Frieden gefunden hatte, rannte mir nach. Die Tränen liefen ihr über die Wangen, als sie sagte: „Wie kommt das, ich bin nicht mehr so glücklich wie im vorigen Jahr“. Nun ja, ich habe ja meine Erfahrungen mit mir selbst, und dann versteht man auch andere. Ich fragte: „Du bist wohl enttäuscht über dich, nicht?“ „Ja“, sagte sie und weinte nach mehr. Ich bat: „Denke einen Augenblick nach. Als du im vorigen Jahr zum Herrn kamst, wusste Er da, was du in diesem Jahr sein würdest? Du bist wohl enttäuscht über dich, nicht aber der Herr. Er wusste, was du sein würdest, und doch hat Er dich angenommen“. Da lachte sie schon wieder, denn daran hatte sie nicht gedacht.

Die wir den Herrn kennen, welche von unseren Sünden hat der Herr getragen? Waren es die, die ich bis zu meiner Bekehrung getan habe? Ja, natürlich, aber nur diese? Dann würde ich auf ewig verloren sein. Wann hat der Herr meine Sünden auf Sich genommen? Bevor ich noch eine getan hatte. Aber Er war Gott und wusste, welche Sünden ich tun würde. Kannte Er nur die Sünden vor meiner Bekehrung? Nein, alle, und ER hat sie alle an Seinem Leibe auf dem Holze getragen. In dem Augenblick also, als ich Ihn im Glauben annahm und so an Seinem Werk teilhatte, stand es fest, dass es für mich kein Gericht mehr geben würde. Das ist es, was Heb 10,14 sagt, dass Er „mit einem Opfer auf immerdar vollkommen gemacht hat“ – und das Wort „vollkommen“ bedeutet wirklich: ununterbrochen – „die geheiligt werden'.

Dazu kommt noch etwas. Wenn der Herr Jesus in Joh 3 zu Nikodemus sagt, dass der Mensch von neuem geboren werden müsse, dann nennt Er zwei Mittel: Wasser und Geist. Gottes Wort sagt ausdrücklich, dass Wasser ein Bild von dem Wort Gottes in seiner reinigenden Kraft ist. Eph 5,26: „ ... sie reinigend durch die Waschung mit Wasser durch das Wort“. Ich kann zwar nicht sagen: „Die Bibel ist Wasser“; aber das Wort in seiner reinigenden Kraft, durch den Heiligen Geist auf Herz und Gewissen angewandt, wird durch Wasser dargestellt. Das ist eine Seite des Wortes Gottes, dass es reinigt, eine zweite, dass es uns unterrichtet, weiter, dass es richtet.

Und so sagt der Herr: „Es sei denn, dass jemand aus Wasser und Geist geboren werde... „, d.h. der Heilige Geist wirkt durch das Wort Gottes auf Herz und Gewissen, so dass wir überzeugt werden, verlorene Sünder zu sein und mit diesem Bekenntnis zu Gott gehen und gleichsam sagen: „Wenn Du nach Gerechtigkeit mit mir handelst, musst Du mich verdammen“. Nun, das ist der Weg zur Reinigung. Man sollte denken: Durch Erkennen und Bekennen dessen, was wir sind, erfolgt doch keine Reinigung! Nach Gottes Gedanken wohl. In 1. Joh 1,9 steht: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit“. Das Selbstgericht ist es also, was uns reinigt. Das gilt nicht nur für den Zeitpunkt unserer Bekehrung, sondern auch für unser Leben als Gläubige. Und selbst im Verkehr der Gläubigen untereinander, ja bei allen menschlichen Verbindungen ist es nicht anders: Nur durch Bekenntnis wird etwas, was nicht richtig ist, hinweggetan – nicht durch Bitten um Vergebung, sondern durch Bekenntnis, und das ist viel schwerer. In dem Augenblick, wo es einem Menschen zum Bewusstsein kommt, dass er ein verlorener Sünder ist und er es Gott bekennt, ist er bekehrt. So war es bei dem verlorenen Sohn, der, als er seinen Zustand erkannte, sagte: „Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und will zu ihm sagen: Ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir“ und dann hinging. Das war die Reinigung. Der Heilige Geist, der das Wort auf unser Gewissen anwandte, so dass wir zur Bekehrung kamen, hat in derselben Zeit ein neues Leben in uns gewirkt. Bei dem verlorenen Sohn geschah das in dem Augenblick, als er sagte: „Ich will mich aufmachen“ und sich dann auch wirklich aufmachte. Der gute Wille allein genügte nicht; er musste es auch tun.

Und so ist es nicht genug, wenn ein Mensch sagt: „Ich bin ein Sünder“. Er muss auch zu Gott gehen, um das vor Ihm zu bekennen. Und in dem Augenblick, wo er das tut, wirkt der Heilige Geist in ihm ein neues Leben. Und dieses neue Leben kann nicht sündigen. Es ist ja das Leben des Herrn Jesus Selbst, das ewige Leben. Und weil der Herr Jesus der Sohn Gottes ist, bin ich nun ein Kind Gottes. Das kann nicht anders sein. In Joh 20, nachdem der Herr das Werk vollbracht hatte, sagt Er ja auch: „Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott“, und in Joh 14: „Ich gehe hin, (in das Haus des Vaters), euch eine Stätte zu bereiten“. In dem Augenblick also, wo jemand sich bekehrt und, was seine Sünden betrifft, teilhat an dem Werk des Herrn Jesus, kommt er zu Gott in eine ganz andere Beziehung. Bisher war er ein Geschöpf Gottes; nun ist er ein Kind des Vaters. Und wenn er jetzt sündigt, ist das nicht mehr eine Sache zwischen ihm als Mensch und Gott als dem Schöpfer, denn diese Sünden sind vor Gott hinweggetan.

Um ein Beispiel zu nennen: Sollte der Herr noch nicht kommen und ich noch auf Erden bleiben, werde ich zweifellos noch viele Sünden tun. Wenn wir den Maßstab des Wortes Gottes anlegen, z. B. 1. Joh 3,4–5, dann ist jeder Gedanke, der nicht auf dem Gehorsam gegen den Herrn beruht, Sünde. Jedes Wort, das ich spreche, wobei ich nicht beachte, dass der Herr mein Herr ist, und jede Tat, die ich tue, ohne zu berücksichtigen, dass Er mein Herr ist, ist Sünde. Wie viele Sünden werde ich dann tun! Wie viele Worte sprechen wir, ohne nachzudenken! Aber alle diese Sünden, die ich noch tun werde, sieht Gott nicht. Warum? Weil der Herr Jesus das Gericht darüber getragen hat und Gott in Bezug auf diese Sünden befriedigt ist.

Aber mit der Bekehrung bin ich ein Kind Gottes geworden, d. h. dass Gott mein Vater geworden ist und ich Sein Kind. Und so haben meine Sünden wie bei jedem Kind Folgen. Wenn ein Kind sich nicht geziemend verhält, können der Vater und die Mutter nicht einfach darüber hinwegsehen, sondern dann sind sie böse. Sie bestrafen das Kind, und das ist richtig. Genau so handelt Gott der Vater. Er muss die Sünde strafen; aber wir verstehen, dass das nie eine Strafe zum Tode sein wird; und es hat nichts mit dem ewigen Gericht zu tun. Gott wird Sein eigenes Kind doch nicht in die Hölle bringen! Ein Kind, das geboren ist, kann sterben, aber die Geburt kann reicht mehr ungeschehen gemacht werden. So ist es auch mit der Wiedergeburt.

Nun zum Richterstuhl Christi. Wer ist Christus, der Richter? Der, Der Selbst meine Sünden an Seinem Leibe getragen hat. Ich kenne nicht alle meine Sünden, Er aber wohl. Er hat sie alle, lange bevor ich lebte, also bevor ich sie getan habe, getragen. Und nicht nur das. Nach 3. Mo 16 musste der Hohepriester alle Sünden des Volkes auf den Kopf des zweiten Bockes bekennen. Das bedeutet, dass der Herr Jesus, als Er für mich starb, alle meine Sünden vor Gott bekannt hat. Das ist ein wunderbarer Gedanke; denn nach dem Grundsatz, dass es ohne Bekenntnis keine Vergebung gibt, kann ein Sünder ja nur Vergebung erlangen, wenn er seine Sünden vor Gott bekennt, und zwar alle. Aber wie kann man das verwirklichen? Keiner, der zur Bekehrung kommt, weiß noch alle seine Sünden. Viele hat er nie erkannt, und andere hat er vergessen. Dann wird es also nie Vergebung geben können? Doch, denn hier sehen wir das Wunderbare, dass der Herr alle unsere Sünden nicht nur getragen und das Gericht darüber erduldet, sondern sie auch alle vor Gott bekannt hat. Wenn nun ein Mensch zu Gott kommt und Gott in seinem Gewissen sieht, dass er bereit ist, alles zu bekennen, nimmt Er das Bekenntnis des Herrn Jesus an und vergibt ihm alle Sünden.

Wer ist es nun, der auf diesem Richterstuhl sitzt, vor dem ich geoffenbart werde? Mein Heiland, der Sohn Gottes, Der mich geliebt und Sich Selbst für mich hingegeben hat. Er kennt alle meine Sünden. Er hat sie Selbst an meiner Statt vor Gott bekannt und das Gericht darüber getragen. Und ich bin, das kann ich in aller Ehrfurcht sagen, Sein Bruder. In Rö 8,29 lesen wir ja, dass es der Ratschluss Gottes war, uns dem Bilde Seines Sohnes gleichförmig zu machen, damit Er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Könnte ich dann vor diesem Richterstuhl Angst haben?

Dazu kommt noch etwas anderes. Ich habe z. B. etwas Böses gegen meinen Bruder getan; das ist Sünde. Ich habe es gesehen und bekannt. Aber habe ich wirklich eingesehen, wie böse es war, habe ich den tiefsten Grund erfasst, aus dem diese Sünde hervorkam? Warum war ich so unfreundlich gegen diesen Bruder? Was war die eigentliche Ursache? Der Herr weiß es. In Heb 4 lesen wir ja, dass das Wort Gottes durchdringt bis zur Scheidung von Seele und Geist, dass es ein Beurteiler der Gedanken und Überlegungen des Herzens ist. Gottes Wort wägt also nicht nur meine Taten, sondern auch die Gedanken, die ihnen vorangingen, ja noch mehr: sogar die Quellen, aus denen meine Gedanken entsprungen sind. Und die kenne ich oft selber nicht. Keiner von uns weiß immer, was der tiefste Beweggrund von dem ist, was er tut. Ich muss ehrlich sagen, dass ich oft, wenn ich etwas getan hatte, was doch sehr schwach und vielleicht falsch war, zum Herrn gesagt habe: Herr, Du weißt ja, dass es mein Wunsch war, Dir zu dienen. Aber war das wirklich der einzige Ausgangspunkt? Wenn das so wäre, wie könnte dann das Resultat so ausfallen? Der Herr weiß es genau. Aber ich möchte es auch gern wissen. Denn solange etwas in meinem Leben ist, worüber ich anders denke als der Herr, habe ich keine vollkommene Gemeinschaft mit Ihm. Dann steht etwas zwischen Ihm und mir. Und darum muss das Offenbarwerdem stattfinden. Vor der Hochzeit des Lammes muss bei der Braut alles geklärt sein, so dass ihre Gefühle und ihre Beurteilung aller Dinge mit ihrem Mann, ihrem Bräutigam in Übereinstimmung sind. Und das geschieht vor dem Richterstuhl Christi. Da werde ich mein ganzes Leben sehen, alle meine Sünden und alles, was nicht Sünde war, alle meine Taten, meine Worte, meine Gedanken, mein ganzes Verhalten im Licht der Herrlichkeit des Lammes, mit den Augen des Herrn Jesus; Ich werde die Wirklichkeit von allem erkennen. So hat der Herr es immer gesehen. Von diesem Augenblick an betrachte ich alles wie Er, denke genau so wie der Herr Jesus, habe überhaupt nichts mehr, worin ich anders urteile als Er. Erst dann habe ich vollkommene Gemeinschaft mit Ihm, und das ist doch der Wunsch von jedem, der den Herrn kennt.

Dazu kommt das, was wir in Lk 7,42–48 lesen: Wem viel vergeben ist, wird viel lieben. Wir danken dem Herrn jetzt, wenn wir sehen, dass Er uns viele Sünden vergeben hat. Aber wenn wir erkennen, dass es tausendmal mehr waren, als wir gedacht hatten, werden wir Ihn dann nicht viel mehr lieben? Ich bezweifle es nicht. Und das wird das Resultat des Offenbarwerdens vor dem Richterstuhl Christi sein: dass wir Ihn noch viel mehr lieben, weil wir sehen, dass Seine Gnade noch unendlich viel größer war, als wir jemals geahnt hatten.

Wenn wir vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, tragen wir schon unsere Kronen (Off 5) und sitzen schon in langen priesterlichen Gewändern auf Thronen. Und wir sehen Ihn, Der auf dem Thron sitzt, Der alles offenbart: den Sohn Gottes, Der mich geliebt hat. Könnte es auch nur einen Augenblick lang Angst in meinem Herzen geben, wenn ich da offenbar werde? Oder kann im Gedanken daran schon jetzt Angst in meinem Herzen aufkommen? In 1. Joh 4 lesen wir ja, dass wir, die Glaubenden, jetzt schon dieselbe Gerechtigkeit besitzen, die Er, der Herr Jesus, jetzt im Himmel hat. Ich stehe daher so vor Gott, als ob ich nie eine einzige Sünde getan hätte. Durch das Werk des Herrn Jesus bin ich vor Gott ununterbrochen vollkommen. Das bedeutet, dass ich die gleiche Gerechtigkeit besitze, die der Herr Jesus hat; und Er hat in Seinem Leben nie gesündigt.

Frage: Haben wir unter der „Hütte Gottes“ in Offenbarung 21, 3 nur die Versammlung zu verstehen?

Antwort: Ich zweifle nicht daran. Erstens wird nur die Versammlung in Gottes Wort das Haus oder der Tempel Gottes genannt, in dem Gott wohnt (Eph 2; 21; 22; 1. Kor 3,16; 1. Pet 2,4.5). Und zweitens wird das Haus Gottes hier beschrieben als die heilige Stadt, das neue Jerusalem. . . bereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut“. Nun, in Vers 9.10 wird auch gesagt, dass das neue Jerusalem die Braut, das Weib des Lammes ist, und in Kap. 19 haben wir die Hochzeit des Lammes im Himmel, vor dem tausendjährigen Reich, so dass die Braut unmöglich Israel sein kann. Und Eph 5,25 ff. sagen uns ausdrücklich, dass die Versammlung die Braut Christi ist und Sein Weib sein wird. Die Hütte Gottes kann also nur die Versammlung sein. Israel, oder besser gesagt, das irdische Jerusalem wird im tausendjährigen Reich die Braut Jehovas sein. Also nicht von Christus oder dem Lamm und nur auf Erden. Es ist klar, dass die irdische Stadt Jerusalem nicht im Himmel sein wird. Die Versammlung Gottes, bestehend aus denen, die Christus annehmen in der Zeit, wo Er verworfen ist, werden immer die bevorzugte Stellung, nämlich als einsgemacht mit Ihm, einnehmen.

Frage: Erheben sich nach dem Tausendjährigen Reich die Nationen wider das Volk Israel?

Antwort: Nicht nach, sondern in den letzten Tagen des Tausendjährigen Reichs werden die Ungläubigen aus den Nationen sich erheben gegen alle Gläubigen, deren Mittelpunkt aber Israel und Jerusalem sein wird (Off 20,7–10). Nach 1. Kor 15,24–26 dauert das Tausendjährige Reich bis nach dem Gericht der Toten vor dem großen weißen Thron.

Frage: a) Sind die Seelen der alttestamentlichen Gläubigen und die Seelen der uns vorangegangenen Heiligen der jetzigen Haushaltung zusammen im Paradies?

b) Wenn der Herr Jesus Seine Braut heimholt ins Vaterhaus, bleiben dann die Erstgenannten im Paradies, um später mit dem gläubigen Überrest des tausendjährigen Friedensreiches vereinigt zu werden?

c) Werden zu dieser Gruppe auch jene gehören, die aus den Nationen nach der Entrückung noch zur Heilung gelangen (Off 22,2)?

d) Wir müssen aber doch sicher daran festhalten, dass alle Menschen, welche zurückbleiben, wenn das große Ereignis von 1. Thes 4,16–18 in Erfüllung geht, dem Zorn Gottes nicht mehr entfliehen können. Sie werden das Gericht der Lebendigen von Mt 25 nicht erleben.

Antwort: a) Ja

b) Nein, die Gläubigen des Alten Testamentes werden ebenfalls auferweckt, wir finden sie dann auch in Off 4 usw. im Himmel. (Der Himmel in Off 4 u. 5 trägt nicht den Charakter des Vaterhauses).

c) Off 22,2 spricht über das Tausendjährige Reich und den Segen, den die dann lebenden Menschen empfangen können. Diese Personen leben dann also auf der Erde.

d) Nicht alle Menschen, die bei der Entrückung zurückbleiben, werden gerichtet. Nach 2. Thes 2,10–12 werden nur die, die vor der Entrückung das Evangelium gehört aber nicht angenommen haben, verhärtet werden, so dass sie dem Zorn Gottes nicht mehr entfliehen können. Die Menschen, die das Evangelium nie gehört haben, können danach noch dem Evangelium des Reiches glauben. Das sind z. B. diejenigen, die wir in Off 7 finden.

Frage: Haben die Kapitel Daniel 3 bis 6 eine prophetische Reihenfolge?

Antwort: Ich zweifle nicht daran. In Kap. 2 haben wir in großen Linien eine Übersicht der Zeiten der Nationen. Kapitel 7–12 geben uns dann Einzelheiten über die politische Geschichte und Gestaltung der vier in Kap. 2 genannten Weltreiche. Aber erst die Kapitel 3–6 geben uns die moralische Geschichte dieser Reiche.

In Kapitel 3 haben wir die erste große Abweichung: Den Götzendienst. Anstatt Gott zu dienen, wenden sie sich zu den Götzen. Der nächste Schritt ist, da sie die Ohnmacht der Götzen kennen, (sie haben sie selbst gemacht, wahrscheinlich aus politischen Gründen, um durch ein gemeinsames Band die verschiedenen Völker zu vereinen) sich selber alle Errungenschaften zuzuschreiben: der Obermensch von Nietzsche (vergl. Daniel 11,36). Dadurch sind sie Tieren gleich geworden (ein Tier sieht nach unten, ein Mensch nach oben. Ein Tier hat keinen Geist, mit dem es mit Gott in Verbindung kommen kann). Der dritte Schritt ist offene Verachtung und Lästerung Gottes (Belsazar) und der letzte Schritt ist, dass man sich selbst zu Gott macht (Kap. 6).

Ich zweifle nicht, dass diese Charakterzüge auch das wiederhergestellte römische Reich kennzeichnen werden. Sehen wir sie nicht in Off 13? Vergleiche Vers 4a mit Daniel 3; Vers 4b mit Daniel 4; Vers 5 und 6 mit Daniel 5; und Verse 8–17 mit Daniel 6.

Frage: Wann geschah die Salbung des Herrn über seine Genossen (Heb 1, 9)? Können wir an Mt 3,13–17 und an Apg 4,27 denken oder an 1. Sam 16,13?

Antwort: Hebräer 1,9 ist eine Anführung von Psalm 45,7. Nun, der Psalm 45 spricht über das Tausendjährige Reich. Natürlich hat der Herr auch in Seinem Leben auf Erden Gerechtigkeit geliebt und Gesetzlosigkeit gehasst. Es wird aber nicht auf eine Zeit hingewiesen, sondern auf die Tatsache. Und dann wird das Wunderbare gesagt, dass Derjenige, der in Vers 6 durch Gott als Gott angeredet wurde, auch Mensch war (Sein Gott). Und dass Der, der von Gott Sein Genosse genannt wird (Vers 7 und Sach 13,7), Menschen als Genossen hat. Aber welche Gnade und Herablassung darin auch gezeigt wird, Er ist immer der Erstgeborene unter vielen Brüdern. Er muss den ersten Platz haben, nicht nur, weil Er der Sohn Gottes ist, sondern auch, weil Er in jeder Hinsicht der Vortrefflichste ist. Er hat Gerechtigkeit geliebt und Gesetzlosigkeit gehasst. Darum hat Gott Ihn gesalbt mit Freudenöl, mehr als seine Genossen (ich denke, dies ist der gläubige Überrest Israels in der Zukunft, da Psalm 45 über das Tausendjährige Reich spricht). Ich denke, dass „gesalbt mit Freudenöl“ ein allgemeiner Ausdruck ist und er sich nicht bezieht auf die Salbung des Herrn mit dem Heiligen Geist. Diese haben wir auch empfangen und auch der gläubige Überrest im Tausendjährigen Reich wird sie empfangen, allerdings nicht auf eine so besondere Weise und nicht so vollkommen und herrlich wie der Herr. Aber hier ist es Freudenöl im Tausendjährigen Reich.

Frage: Gal 4,5 u. 6 und Rö 8,15 sagen, dass wir die Sohnschaft empfingen; nach Rö 8,23 jedoch erwarten wir die Sohnschaft, die Erlösung unseres Leibes.

Antwort: Was unsere Seele und unseren Geist betrifft, haben wir die Sohnschaft schon empfangen. Aber unser Leib ist noch der Knechtschaft unterworfen. So werden wir die Sohnschaft in ihrer ganzen Bedeutung erst haben, wenn wir auch die Erlösung unseres Leibes empfangen, also wenn der Herr kommt (Phil 3, 21).

Frage: Wissen wir, wo die gläubig Entschlafenen im Tausendjährigen Reich bleiben? (Die ungläubig Gestorbenen werden ja erst zum Gericht am großen, weißen Thron auferweckt?).

Antwort: Alle Gläubigen, die bis zur Entrückung der Versammlung entschlafen sind, werden dann auferweckt werden. Im Anfang des Tausendjährigen Reiches werden die nach der Zeit umgekommenen Gläubigen auferweckt werden. Nach diesem Augenblick wird kein Gläubiger mehr sterben (1. Kor 15,23 und Off 20,4–6).

Frage: Gehen die 144000 „aus jedem Stamm der Söhne Israels“ und die große Volksmenge aus jeder Nation (Off 7) und die 144000 aus Juda (Off 14) lebend in das Tausendjährige Reich?

Antwort: Was Israel betrifft, ist es klar, dass nur der Überrest aus den zwei und den zehn Stämmen lebendig in das Reich gehen. Wir finden diese wieder in den 144000 von Off 7. Die 144000 von Off 14 sind vielleicht darin eingeschlossen (Juda).

Es ist klar, dass die Zahl 144000 eine symbolische Zahl ist (12 X 12 X 1000). Wie gesagt, sind die ersten 144000 aus dem ganzen Volk Israel und die zweiten 144000 nur aus Juda. Von den ersten 144000 wird nur gesagt, dass sie versiegelt werden, um bewahrt zu bleiben. Von der zweiten Gruppe wird gesagt, dass sie persönlich treu waren. So kann es sein, dass sie außerhalb der ersten Gruppe stehen, aber es ist auch möglich, dass sie darin eingeschlossen sind.

Von den Nationen geht auch nur der Überrest in das Reich, die Schafe von Mt 25. Und ich denke auch, dass diese die große Menge von Off 7 sind.

Frage: Vor dem großen weißen Thron nach dem tausendjährigen Reich werden nur die Toten gerichtet. Unter diesen Toten ist kein Erretteter mehr, da alle gläubigen Entschlafenen schon lange auferweckt sind. Was ist aber mit den lebenden Gläubigen aus dem tausendjährigen Reich geschehen, die nicht Satans List zum Opfer fielen, als er wieder freigelassen wurde?

Antwort: Hierauf wind in Gottes Wort keine ausdrückliche Antwort gegeben. Wenn wir aber an die Entrückung der Gläubigen beim Kommen des Herrn denken, können wir nicht daran zweifeln, dass die Gläubigen aus dem tausendjährigen Reich verwandelt und auf die neue Erde versetzt werden, ohne zu sterben. Die Gläubigen vom Alten Testament und die nach der Entrückung der Versammlung werden ihren Platz auf der neuen Erde haben. Die Versammlung jedoch hat ihre Wohnung im Vaterhaus, im Himmel, und zwar auf ewig – auch wenn sie im tausendjährigen Reich sowie im ewigen Zustand, wie Off 21 uns klar sagt, auf die neue Erde kommen wird. Selbst dann wird sie eine besondere Stellung einnehmen: Sie wird die Braut, das Weib des Lammes, und auch die Hütte Gottes sein.

Auch aus folgendem Grunde glaube ich, dass die Gläubigen aus dem tausendjährigen Reich direkt auf die neue Erde versetzt werden: Im tausendjährigen Reich stirbt man nicht an Krankheiten etc., sondern nur, wenn man sich offenbar in Aufruhr gegen den Herrn Jesus erhebt. Nun, das wird bei Gläubigen bestimmt nicht der Fall sein, wohl bei den Ungläubigen. So bleibt nur eine Schlussfolgerung übrig: Die Gläubigen sterben nicht, sondern werden ebenso wie wir, wenn der Herr kommt, lebendig verwandelt werden, um auf die neue Erde versetzt zu werden. Denn so, wie sie sind, können sie nicht dahin kommen, denken wir nur an die veränderten Lebensbedingungen: das Meer z. B. wird nicht mehr sein (Off 21). Wenn das Meer heute verschwände, würden wir nicht mehr lebensfähig sein. Ohne das Meer ist Leben undenkbar. So bewahrheitet sich auch hier das Wort aus 1. Kor 15,50: Fleisch und Blut können das Reich Gottes, die zukünftige Herrlichkeit, nicht ererben.

Frage: Gibt es Personen, außer den Gläubigen des Alten und Neuen Testaments, die Zugang zum Vaterhaus (Joh 14,1 ff) haben? Ich denke an Satan und die Engel (Söhne Gottes) – vgl. Hiob 1,6 ff –?

Antwort: Soviel ich sehe, werden nur die Gläubigen unserer Zeit, also alle, die zu der Versammlung gehören, ins Vaterhaus eingehen, nicht die Gläubigen des Alten Testaments und auch nicht die nach der Entrückung.

Es ist klar, dass Satan und seine Dämonen niemals Zugang zu dem Vaterhaus gehabt haben oder haben werden. Aber ich glaube auch keineswegs, dass Engel jemals dagewesen sind. Das Vaterhaus sind die nicht erschaffenen Himmel; und die Engel als Geschöpfe haben ihren Platz in den erschaffenen Himmeln.

Frage: Warum kommen die westeuropäischen Truppen nach Palästina, um dann dort gerichtet zu werden? Welcher äußere Umstand macht dies erforderlich?

Antwort: In Dan 11 lesen wir, dass der König des Nordens, der Vasall von Russland, wahrscheinlich also Syrien und die Türkei, in Palästina einfallen werden, ebenso auch Ägypten. Der König des Nordens wird siegen, Jerusalem einnehmen und es vernichten. Der König der Juden, der Antichrist, kann nach Europa flüchten. Daraufhin wird die westeuropäische Armee nach Palästina gehen, um es wieder zu erobern. Aber dann kommt der Herr.

Frage: Wie ist in Daniel 4,15.23 und 26 prophetisch zu verstehen, dass der Wurzelstock des Baumes in der Erde gelassen werden musste und was bedeuten die Fesseln von Eisen und Erz?

Antwort: Die Erklärung im Hinblick auf Nebukadnezar selber wird in Vers 26 gegeben. Prophetisch bedeutet es, denke ich, dass die Regierung bestehen bleibt, wenn diejenigen, die diese Regierung ausüben (der römische Kaiser und der Antichrist) gerichtet werden. Aber dann wird der Sohn des Menschen herrschen, Der Gott anerkennt als „der Höchste“ (der Name Gottes im tausendjährigen Reich).

Die Fesseln von Eisen und Erz geben an, dass Gott sorgen wird, dass keine Anarchie kommt, wenn die Menschen sich selber zu Göttern machen, und auch nicht, wenn die Führer gerichtet werden. Vielleicht kann man das Eisen und Erz in Verbindung bringen mit Kapitel 2,32–33. Dann würde es bedeuten, dass Gott gerade die Wiedererrichtung des römischen Reiches und der Teile des Griechisch-Mazedanischen Reiches, die wir in Daniel 11,40 finden (König des Südens und König des Nordens) von Gott gebraucht werden, um Autorität auf Erden zu handhaben.

Frage: Die zehn Zehen in Dan 2 befinden sich an beiden Füßen bzw. Schenkeln des Bildes; ein Fuß bzw. Schenkel hat nur fünf Zehen. Ist dies also nicht ein Bild von dem west- und oströmischen Reich? Weisen nicht auch die beiden Schenkel darauf hin?

Antwort: Wenn über die Zehen gesprochen wird, wird nicht ausdrücklich gesagt, dass sie an zwei Füßen miteinander verbunden sind. Das Bild hat zwei Beine, und dann heißt es: „und die Zehen“. Natürlich ist es normal, dass ein Fuß fünf Zehen hat. In Daniel aber wird nur auf zehn Zehen aufmerksam gemacht und gesagt, dass das das Ende sei. In Dan 7 haben wir zehn Hörner; dasselbe finden wir in Off 13 und 17. In Off 17 wird hinzugefügt, dass es zehn Könige sind.

Das oströmische Reich bestand aus der Türkei, Syrien und dem größten Teil Kleinasiens. Daran erkennen wir, dass ein wichtiger Teil des oströmischen Reiches unter der Macht von Russland sein, also nicht zu dem römischen Reich gehören wird.

Frage: Ein entschlafener Gläubiger genießt, in auf Erden noch nie gekannter Glückseligkeit, die Gegenwart und die Liebe des Herrn (Phil 1,23). Seine Seele erinnert sich dessen, was auf Erden geschah, und insonderheit der Gnade und Barmherzigkeit Gottes, die zeitlebens ihr Teil war. Kann man aber aus Lukas 16,23–31 und Off 6,9–10 entnehmen, dass die Seele, schon vor der Auferstehung des Leibes in Herrlichkeit, sieht, hört und spricht? Denn auf Erden tut sie dies durch Vermittlung des irdischen, und nach der Auferstehung durch Vermittlung des himmlischen Leibes.

Antwort: Aus 2. Kor 12,3–4 lernen wir, dass die entschlafenen Gläubigen im Paradies sprechen. Und wenn Paulus schreibt, dass er nicht wüsste, ob es im Leibe oder außer dem Leibe war, dann ist es klar, dass ein Mensch, der außer dem Leibe ist (normal also gestorben) hören kann. Dasselbe lehrt der Herr Jesus in Lukas 16,23–27, und zugleich, dass er sehen und sprechen kann.

Der Mensch besteht aus Seele, Geist und Leib. Die Seele ist der Sitz der Persönlichkeit, der Geist das Höhere Teil des Menschen, wodurch er mit Gott (der ein Geist ist) in Verbindung kommen kann. Durch den Leib steht er mit der Erde in Verbindung. Die Seele und der Geist gebrauchen den Leib, um sich, was diese Erde betrifft, zu offenbaren.

Aber das sagt nicht, dass der Geist nur durch die Augen des Leibes sehen kann. Gottes Wort spricht in Eph 1,18 über die Augen des Herzens. Und in Heb 2,9 steht: „Wir sehen aber Jesum“. Der Geist kann die geistlichen Dinge, die der Leib nicht sehen kann, sehen. Er kann die Stimme des Herrn Jesus und des Heiligen Geistes hören (Rö 8,16; Apg 16,6.7) usw.

Wenn der Leib notwendig sei zum Sprechen, Hören, Sehen usw., könnten die Engel nicht sprechen, hören oder sehen u. a. und auch Gott der Vater und Gott der Heilige Geist nicht (Ps 94,9).

Selbst in den irdischen Dingen gibt es Sehen, ohne die Augen zu gebrauchen. Denken Sie nur an Träume.

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