Vorträge von H.L.Heijkoop 1968-1973 (Zukunft/Versammlung)

Was sagt die Bibel über die Versammlung? (8)

1. Korinther 12,13 und 26–31

Römer 12,1–5

„Denn auch in einem Geiste sind wir alle zu einem Leibe getauft worden, es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geiste getränkt worden.“

„Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit; oder wenn ein Glied verherrlicht wird, so freuen sich alle Glieder mit. Ihr aber seid der Leib Christi, und Glieder insonderheit. Und Gott hat etliche in der Versammlung gesetzt: erstens Apostel, zweitens Propheten, drittens Lehrer, sodann Wunderkräfte, sodann Gaben der Heilungen, Hilfsleistungen, Regierungen, Arien von Sprachen. Sind etwa alle Apostel? alle Propheten? alle Lehrer? haben alle Wunderkräfte? haben alle Gnadengaben der Heilungen? reden alle in Sprachen? legen alle aus? Eifert aber um die größeren Gnadengaben; und einen noch vortrefflicheren Weg zeige ich euch.“

„Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Schlachtopfer, welches euer vernünftiger Dienst ist. Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung [eures] Sinnes, dass ihr prüfen möget, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist. Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben worden, jedem, der unter euch ist, nicht höher von sich zu denken, als zu denken sich gebührt, sondern so zu denken, dass er besonnen sei, wie Gott einem jeden das Maß des Glaubens zugeteilt hat. Denn gleichwie wir in einem Leibe viele Glieder haben, aber die Glieder nicht alle dieselbe Verrichtung haben, also sind wir, die Vielen, ein Leib in Christo, einzeln aber Glieder voneinander. Da wir aber verschiedene Gnadengaben haben, nach der uns verliehenen Gnade: es sei Weissagung, so lasst uns weissagen nach dem Maße des Glaubens; es sei Dienst, so lasst uns bleiben im Dienst; es sei der da lehrt, in der Lehre; es sei der da ermahnt, in der Ermahnung; der da mittelt, in Einfalt; der da vorsteht, mit Fleiß; der da Barmherzigkeit übt, mit Freudigkeit.“

Nach Epheser 1 kommen alle Segnungen von dem verherrlichten Haupt des Leibes. Gott hat gerade deshalb Christus der Versammlung als Haupt gegeben, um uns alle Segnungen schenken zu können. Aber diese Segnungen können nur genossen werden, wenn jeder am Leibe den Platz einnimmt, den der Herr ihm gegeben hat. Der Heilige Geist gibt dann jedem Glied die Kraft, seinen Dienst auszuüben.

Wir sehen hier in Vers 13, was der Leib Christi ist. Er wird uns nicht wie in Epheser 1 vorgestellt. Dort wird der Leib Christi gesehen, wie er sich aus allen Gläubigen von Pfingsten bis zur Entrückung der Kirche zusammensetzt. Es ist die Versammlung nach den Ratschlüssen Gottes. Hier aber finden wir sie in ihrem praktischen Zustand auf der Erde, und da besteht sie aus all den Gläubigen, die heute auf der Erde wohnen. Wir haben im 1. Teil dieses Kapitels gesehen, dass der Heilige Geist die Kraft ist, durch die jedes Glied seinen Dienst ausüben kann. Das ist eine sehr wichtige Wahrheit.

Der Leib Christi wird hier mit unserem Leib verglichen. In den Versen 14–26 ist nicht die Rede vom Leib Christi, sondern von unserem Leib, aber er wird benutzt als Bild vom Leibe Christi.

Bevor ich auf Einzelheiten zu sprechen komme, möchte ich gerne zunächst den großen grundlegenden Gedanken angeben. Der Mensch hat eine Seele, einen Geist und einen Leib, aber seine Seele und sein Geist können sich nur durch seinen Leib kundtun; sobald Seele und Geist außerhalb des Leibes sind, ist der Leib tot. Das geschieht, wenn jemand stirbt. Aber das zeigt uns klar, wie wichtig es ist, dass der Heilige Geist in der Versammlung wohnt und in ihr wirkt. Der Heilige Geist – wir haben das gelesen – ist die Kraft, die die Glieder zu einem Leibe vereinigt. Er verbindet jeden Gläubigen persönlich mit dem verherrlichten Herrn im Himmel, aber auch jeden Gläubigen persönlich mit den anderen Gliedern des Leibes. Der Heilige Geist macht diese Glieder fähig, ihren Dienst an ihrem Platze auszuüben. Da sehen wir, dass es tatsächlich jetzt hier auf der Erde schon möglich ist, dass die Versammlung alle Segnungen, die ihr Teil sind, genießt, denn der Heilige Geist ist vollkommen in der Lage, uns die Fähigkeiten und die Kraft zu schenken, dies alles jetzt schon zu verwirklichen. Wenn es so wäre, dann würde der Leib tadellos funktionieren und der Herr, der das Haupt ist, könnte Seinem Leib all die Segnungen schenken, die Er uns schenken möchte. Von Seiner Seite her ist alles in Ordnung. Er kann uns alle Segnungen schenken, und Er würde es gerne tun, aber die Frage ist, ob wir dazu bereit sind, ob wir uns dazu verwenden lassen. Um uns diesen Gedanken klarzumachen, haben wir hier das Bild von einem menschlichen Leib.

Viele junge Gläubige meinen, dass nur einige wenige Gläubige Gaben haben, und ich fürchte, dass viele ältere Brüder und Schwestern auch diesen Gedanken haben, dass der Segen in der Versammlung von einigen wenigen Brüdern abhangt, von den Brüdern, die über das Wort Gottes sprechen, beten oder ein Lied vorschlagen. Diese Stelle hier aber sagt, dass jedes Glied des Leibes einen Platz hat und einen Dienst, der zu diesem Platz gehört, und dass der Segen nur dann voll sein kann, wenn jeder seinen Platz einnimmt und den dazugehörigen Dienst ausführt. Das Wort zeigt uns durch dieses Bild klar, dass da in geistlicher Hinsicht manches anders ist als Menschen es sich denken. Wir sprechen leicht von Brüdern, die eine große Gabe haben. Ich habe schon oft Brüder sagen hören: „Ich habe keine Gabe“. Hat ein Bruder eine große Gabe als Lehrer, Hirte oder Evangelist, dann denkt man, dass er die wichtigste Quelle für den Segen ist, aber diese Stelle sagt etwas anderes. Dieses Bild von dem menschlichen Leib soll uns die Sache klarmachen. Es ist nur ein Bild, aber doch ein Bild von der Wirklichkeit, so dass wir das, was wir bei dem menschlichen Leib finden, wirklich auf den Leib Christi anwenden dürfen. Zunächst wird uns gezeigt, dass alle Glieder des Leibes notwendig sind für das Funktionieren des Ganzen und dass jedes Glied wieder einen anderen Platz auszufüllen hat. Wenn eine Versammlung nur aus Lehrern bestünde, dann wäre sie kein wahrer Ausdruck des Leibes und könnte nicht die Quelle des größten Segens sein. Wenn ein menschlicher Leib nur einen Mund hätte, dann wäre er kein Mensch. Es bedarf verschiedener Elemente, aber sie bilden zusammen den einen Leib. Dieser Gedanke sollte uns tief eingeprägt sein.

Das Wort Gottes redet hier von den Augen. Es ist traurig für einen Menschen, wenn er nicht sehen kann, aber wie traurig ist es, wenn ich geistlich blind bin oder wenn meine Augen z. B. sagen würden; wir möchten lieber sprechen. Und so ist es mit allen Gliedern des Leibes. Der Heilige Geist zeigt uns da, welchen Wert jedes einzelne Glied hat. Wenn hier in der Welt jemand gut reden kann, dann wird er vielleicht berühmt. Ich spreche jetzt nicht speziell von der Versammlung. Man sagt dann, er ist ein großer Redner. Aber dieser Mensch kann seine Zunge verlieren und doch weiterleben, aber ein Mensch, der kein Herz mehr hat, kann nicht weiterleben. Doch habe ich nie sagen hören, dass ein Mensch deshalb berühmt geworden sei, weil er ein gutes Herz hatte.

So ist es mit dem Leib Christi. Das Wort Gottes sagt, dass die wichtigsten Glieder nicht die sind, die hier auf der Erde am meisten geehrt werden. Es sagt, dass die Gaben, die nicht die wichtigsten sind, die Ehre empfangen. Ich kann daraus nur den Schluss ziehen, dass die Gaben des Lehrers und des Hirten nicht die größten Gaben sind. Gewiss, sie haben ihre Aufgaben, und wenn sie ihren Dienst am Leib nicht erfüllen, kommt es zu Schäden. Aber es gibt wichtigere Glieder am Leibe. Das Herz oder andere innere Organe, die niemand von außen sieht, sind unerlässlich für das Leben. Wenn mein Herz einen Augenblick aufhört zu schlagen, bin ich tot. Wenn meine Nieren nicht funktionieren, muss ich sterben. Der Heilige Geist will uns den Gedanken ganz klar und deutlich machen, dass jedes Glied am Leibe seinen Platz und seinen Dienst hat, und dass die einfachsten Geschwister einen ganz bestimmten Dienst zu erfüllen haben, sogar die allerjüngsten Brüder und Schwestern. Vernachlässigen sie diesen Dienst, so leidet der Leib. Was den Wert dieses Dienstes betrifft, so müssen wir das Urteil dem Herrn überlassen.

Der Apostel sagt in Vers 27 ausdrücklich; „Ihr aber seid der Leib Christi und Glieder in Sonderheit“. Wir wissen, dass er an die Korinther schrieb. Will er sagen, dass die Versammlung in Korinth der Leib Christi ist? Dass es also vielleicht 500 Leiber Christi gäbe? Ganz gewiss nicht. Das Wort Gottes spricht von einem einzigen Leib Christi, aber wie kann der Versammlung in Korinth gesagt werden: „Ihr seid der Leib Christi“? Das Griechische macht es deutlich. Da steht nämlich vor dem Ausdruck „Leib Christi“ kein Artikel. Wir können das in unserer Sprache nicht so gut ausdrücken, aber im Griechischen ist die Bedeutung die, dass das Charakteristische des Leibes Christi hervorgehoben wird. Wenn hier stünde: „Ihr seid der Leib Christi“, dann hätte das bedeutet, dass die Versammlung in Korinth der gesamte Leib Christi gewesen wäre. Dass der Artikel fehlt, bedeutet, dass die Versammlung in Korinth den Charakter des Leibes Christi hat und wir verstehen das. Der Leib Christi besteht aus allen wahren Gläubigen auf der ganzen Erde. Wie kann man den Leib Christi sehen? Wie kann man ihn hier in Vevey sehen? In allen wahren Gläubigen, die hier in Vevey leben. Die wahren Gläubigen hier in Vevey bilden den sichtbaren Ausdruck des Leibes hier in Vevey. So ist jede örtliche Versammlung nicht unabhängig. Sie ist nur der Teil des Leibes Christi, der hier an diesem Platz gegenwärtig ist. Aber sie ist gleichzeitig unauflöslich verbunden mit allen Gläubigen auf der ganzen Erde. Die Unabhängigkeit der örtlichen Versammlungen steht in absolutem Widerspruch, zum Worte Gottes.

Die örtliche Versammlung ist also der Ausdruck des einen Leibes. Das hat sehr wichtige Konsequenzen. Sie hat den Charakter dieses einen Leibes zu offenbaren. In dieser Versammlung muss der Leib Christi zu sehen sein, und das nicht nur während der Zusammenkünfte, sondern in dem ganzen Leben der Versammlung. Das bedeutet, dass jeder seinen Platz als Glied auszufüllen hat und dass jeder Gläubige daran denkt, dass er kein unabhängiges Glied ist, sondern dass er einen kleinen Teil des ganzen Leibes ausmacht. Aus sich selbst heraus kann er deshalb nicht wissen, was er zu tun hat, sondern er muss seinen Platz am Leib Christi einnehmen und den diesem Platz entsprechenden Dienst ausüben. Er sollte nie vergessen, dass er Glied am Leib Christi ist. Sein ganzes Leben sollte in Übereinstimmung mit dieser Tatsache stehen.

Wir lesen in Vers 28: „Und Gott hat etliche in der Versammlung gesetzt: erstens Apostel, zweitens Propheten, drittens Lehrer, sodann Wunderkräfte, sodann Gaben der Heilungen, Hilfeleistungen, Regierungen, Arten von Sprachen“. Gott ist es, der etliche in der Versammlung gesetzt hat. Da werden an erster Stelle die Apostel genannt. In Korinth gab es keine Apostel. Sie werden genannt, weil sie zum ganzen Leib dazugehören. In den folgenden Versen werden verschiedene Dienste genannt. Wir finden auch Propheten, Lehrer und andere, auch Hilfeleistungen, Regierungen; auch diejenigen, die diese Dienste ausüben, sind Glieder am Leibe Christi.

Was sind diese Hilfeleistungen? Ich sprach einmal mit einem Bruder, der nach den Versammlungen immer wieder die Stühle in Ordnung hinstellte, aber er dachte, dass das kein Dienst am Leibe Christi sei. Und doch war das sein Dienst. Und wenn er dachte, dass seine Arbeit nichts mit dem geistlichen Segen der Versammlung zu tun hatte, so täuschte er sich sehr, denn auch das war dazu nötig, dass alles in Ordnung in der Versammlung vor sich ging. Und so ist es mit vielen anderen Dingen, die wir als völlig unbedeutend für das Versammlungsleben halten.

In Römer 12 finden wir einen anderen Gedanken; es heißt da in Vers 5: „Wir, die Vielen, sind ein Leib in Christo, einzeln aber Glieder voneinander“. Ich denke, dass das Ende dieses Verses einen anderen Gedanken als 1. Korinther 12 ausdrückt. In 1. Korinther 12 werden unsere Gedanken auf den ganzen Leib gelenkt, auf die Tatsache, dass das Wohlbefinden der ganzen Versammlung von jedem einzelnen abhängt. Unser ganzer Dienst soll das Wohl der Versammlung zum Ziel haben. Wenn wir jedoch nur diese Seite im Auge haben, kann das auch seine Gefahren haben. Wir könnten dann wie der Hohepriester in Johannes 11 sprechen, wo es darum ging, den Herrn Jesus zu töten: „Es ist euch nützlich, dass ein Mensch für das Volk sterbe und nicht die ganze Nation umkomme“ (V. 50). In der Kirchengeschichte ist das oft geschehen. Gläubige wurden getötet und man dachte, das sei zum Wohl der Kirche. Römer 12 aber lehrt uns etwas anderes: Wir sind nicht nur Glieder des Leibes Christi, sondern jedes Glied ist mit den anderen verbunden und hat das Wohl jedes Gliedes zu suchen. Und auch das hat zu geschehen in Übereinstimmung mit dem Platz und dem Dienst, den jeder einzelne empfangen hat.

Wie wunderbar ist die Voraussetzung dafür, die in den ersten Versen genannt wird. Wir lesen in Vers 1: „Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Schlachtopfer, welches euer vernünftiger Dienst ist“! Da werden unsere Herzen zu dem zurückgeführt, was in den ersten acht Kapiteln gesagt wurde, wo die Erbarmungen Gottes beschrieben worden sind. Wir kennen den Inhalt dieser Kapitel.

Über Kapitel 1–3,21 könnten wir schreiben: „Denn alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes“ (Rö 3,23), aber dann kommt Vers 24, wo uns gesagt wird, dass wir umsonst gerechtfertigt werden durch Gottes Gnade. Kap. 4 zeigt uns, dass das nur aufgrund des Glaubens möglich ist und dass der Herr Jesus unserer Übertretungen wegen dahingegeben und unserer Rechtfertigung wegen auferweckt worden ist (Kap. 4, 25). Auf diese Weise werden wir gerechtfertigt und erlangen Frieden mit Gott (Kap. 5, 1). Dann Vers 5: „Gott aber erweist seine Liebe gegen uns darin, dass Christus, da wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist“. In Kap. 8 schließlich hören wir, was Gott aus solchen sündigen Menschen macht. Er hat sie zuvor bestimmt, dem Bilde Seines Sohnes gleichförmig zu sein (8, 29). Gott ist für uns, Er hat uns gerechtfertigt und der Heilige Geist verwendet Sich für uns und macht Sich eins mit allen unseren Bedürfnissen, und der Herr Jesus selbst verwendet Sich für uns. In Vers 35 heißt es dann: „Wer wird uns scheiden von der Liebe Christi?“ Wie wunderbar sind diese Erbarmungen – und das für Menschen, die in Kap. 7,18 anerkannt haben: „Ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleische, nichts Gutes wohnt“! Wenn wir darüber nachdenken, haben wir dann nicht Ursache, unsere Leiber Gott zu weihen? Wie können wir das tun? Hier wird uns ein Teil dieser Hingabe gezeigt. Wir dürfen für diejenigen leben, die die Gegenstände der Gnade Gottes sind. Wir dürfen etwas zum Nutzen derer sein, denen Gott Seine Liebe erweist. Darauf wird hier besonderes Gewicht gelegt.

Da ist es wichtig, dass jeder seinen besonderen Platz einnimmt, ausfüllt und damit zufrieden ist, dass er nicht den Platz eines anderen will oder einen größeren Platz als den, den der Herr ihm angewiesen hat. Wir lesen in Vers 3: „Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben worden, jedem, der unter euch ist, nicht höher von sich zu denken als zu denken sich gebührt, sondern so zu denken, dass er besonnen sei, wie Gott einem jeden das Maß des Glaubens zugeteilt hat“ und in Vers 6: „Da wir aber verschiedene Gnadengaben haben nach der uns verliehenen Gnade“. Wir sehen, dass der Herr jedem Gläubigen seinen Dienst gegeben hat und einen Dienst, den nur er allein gut verrichten kann. Der Herr gibt alles, was nötig ist für diesen Dienst. Er will mit uns in diesem Dienst Gemeinschaft haben, aber Er will nicht, dass wir das Maß dessen, was Er uns verliehen hat, überschreiten. Wenn Er einem Bruder die Gabe eines Evangelisten nicht gegeben hat, dann kann der Herr diesen Bruder wohl benutzen, um unter Seinem Segen von Ihm und für Ihn zu zeugen, aber dieser Bruder darf sich nicht einbilden, er habe die Gabe eines Evangelisten. Er muss wissen, welche Gabe Gott ihm gegeben hat und welchen Platz er im Leib erhallen hat, und diesen Dienst hat er auszuüben und nicht zu suchen, den Dienst eines anderen zu tun. Wir sollten stets den Herrn vor Augen haben und suchen, anderen Gläubigen nützlich zu sein.

Die größte Gabe wird hier an erster Stelle erwähnt: „Es sei Weissagung, so lasst uns weissagen nach dem Maße des Glaubens“ (V.6). Die Weissagung ist die höchste Gabe. Ich spreche jetzt von den Gaben, die auch in Epheser 4 genannt werden und die mit der Verkündigung des Wortes zu tun haben. Epheser 2 zeigt uns die Bedeutung dieser Gabe. Zusammen mit den Aposteln bilden die Propheten die Grundlage der Versammlung. Aus 1. Korinther 14 können wir ersehen, dass das Weissagen heute in der Ausübung des Dienstes die größte Gabe ist, denn wenn ein Bruder weissagt, empfängt jeder Segen. Wer weissagt, spricht aus der Gegenwart Gottes. Deshalb heißt es in 1. Petrus 4,11: „Wenn jemand redet, so rede er als Aussprüche Gottes“. Dazu muss ein Bruder so unter der Leitung des Geistes Gottes stehen, dass er nur sagt, was der Heilige Geist in diesem Augenblick gesagt haben möchte. Der Heilige Geist kennt alle, die anwesend sind. Er kennt ihre Bedürfnisse und Er will einem, jeden geben, was er in diesem Augenblick nötig hat. Das ist der Zweck der Weissagungen.

In Vers 7 finden wir den Dienst und die Belehrung. „Es sei Dienst, so lasst uns bleiben im Dienst, es sei, der da lehrt in der Lehre“, Das sind zwei normale Dinge. Mit dem Dienst hier ist nicht etwas gemeint, was öffentlich in Erscheinung tritt; er bezieht sich meistens auf die Verteilung des Geldes und ähnliche Fragen. Auch in dieser Hinsicht hat der Herr spezielle Gaben gegeben. Denn dazu ist viel Weisheit nötig. Schon allein in der Art, wie wir geben. Ähnlich ist es mit dem, der lehrt. Es darf nicht vorkommen, dass er redet, um zu zeigen, wie viel er weiß und welch eine Gabe als Lehrer er hat. Nein, er denkt an die Bedürfnisse der Gläubigen, er weiß, dass er eine Gabe empfangen hat, um den Gläubigen zu dienen. Wir wissen, dass nach den Worten des Herrn der, dem der Dienst gilt, größer ist als derjenige, der dient. Ein Diener muss ganz klar wissen, dass er ein Diener Christi ist und nicht der Versammlung. Aber der Dienst Christi bedeutet eben, dass wir den Heiligen dienen, wie der Herr es in Johannes 13 zeigt: Er umgürtet sich und wäscht die Füße Seiner Jünger. Das ist natürlich ein ganz besonderer Dienst, aber im Prinzip gilt das für jeden Dienst. Jeder Dienst in der Versammlung sollte in Abhängigkeit und im Gehorsam dem Herrn gegenüber geschehen, wie wir es in 1. Korinther 12 gesehen haben, und in der Kraft des Heiligen Geistes mit dem Ziel, den Gläubigen zu dienen, und nicht nur dem Leib als Ganzem, sondern jedem einzelnen persönlich. Da sehen wir, wie wichtig es ist, ganz von der Leitung durch den Heiligen Geist abhängig zu sein, aber auch zu erkennen, welchen Dienst der Herr uns anvertraut hat. In jedem Falle müssen wir die Gewissheit haben, dass der Herr uns jetzt benutzen will. Der Dienst ist etwas Wunderbares, und, wie ich schon zu Anfang sagte, das Haupt vermag uns alles darzureichen, was wir nötig haben. Nach Epheser 4 kann jedes Glied von Ihm alles empfangen. So wächst der Leib. Seine Selbstauferbauung geschieht in Harmonie und Liebe. Aber dazu muss jedes Glied seinen Platz einnehmen und nie vergessen, dass es ein Glied ist, d. h. nur ein Teil des ganzen Leibes und dass es untrennbar mit diesem einen Leib und mit allen Gliedern dieses Leibes verbunden ist und dass die Segnung jedes Gliedes des Leibes von der Art und Weise abhängt, wie dieses Glied wirklich seinen Dienst verrichtet und seiner Verantwortung entspricht.

Wenn wir das alle tun würden, wie groß wären dann unsere Segnungen und wie wären wir auch nach außen hin der Ausdruck des Leibes Christi!

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