Betrachtungen über das fünfte Buch Mose

Behandlung des Götzendienstes

Betrachtungen über das fünfte Buch Mose

Zeichen und Wunder der Lüge

Dieses Kapitel enthält eine Reihe wichtiger Grundsätze. Es besteht aus drei Abschnitten, die alle unsere ganze Aufmerksamkeit fordern.

In den ersten fünf Versen wird die göttliche Vorsorge für alle Fälle von falscher Lehre und falschen religiösen Einflüssen herausgestellt. Es ist uns allen bekannt, wie leicht wir durch etwas irregeführt werden können, das in Form eines Zeichens oder Wunders erscheint, ganz besonders, wenn es mit der Religion in Verbindung steht. Das war nicht nur zur Zeit Israels so, sondern es ist überall und zu allen Zeiten festzustellen. Alles Übernatürliche, alles, was den Naturgesetzen entgegensteht, macht immer einen tiefen Eindruck auf das menschliche Gemüt. Wenn heute ein Prophet aufträte und seine Lehre durch Zeichen und Wunder bestätigte, so würde er sicher bald großen Einfluss und Ruf erlangen.

Satan hat zu allen Zeiten so gewirkt und wird es noch viel mehr am Ende dieser Zeit tun, um alle zu verführen und die, die die wunderbare Wahrheit des Evangeliums nicht annehmen wollen, ins ewige Verderben zu stürzen. „Das Geheimnis der Gesetzlosigkeit“, das seit den Tagen des Apostels in der Christenheit wirksam gewesen ist, wird zur Reife gelangen in der Person des „Gesetzlosen, den der Herr Jesus verzehren wird durch den Hauch seines Mundes und vernichten wird durch die Erscheinung seiner Ankunft, ihn, dessen Ankunft nach der Wirksamkeit des Satans ist, in aller Macht und allen Zeichen und Wundern der Lüge und in allem Betrug der Ungerechtigkeit denen, die verloren gehen, darum, dass sie die Liebe zur Wahrheit nicht annahmen, damit sie errettet würden. Und deshalb sendet ihnen Gott eine wirksame Kraft des Irrwahns, dass sie der Lüge glauben, damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt, sondern Wohlgefallen gefunden haben an der Ungerechtigkeit“ (2. Thes 2,8–12).

So warnt auch der Herr Selbst seine Jünger in Matthäus 24 vor solchen Einflüssen: „Dann, wenn jemand zu euch sagt: ‚Siehe, hier ist der Christus', oder: ‚Hier!' so glaubt es nicht. Denn es werden falsche Christi und falsche Propheten aufstehen und werden große Zeichen und Wunder tun, um so, wenn möglich, auch die Auserwählten zu verführen. Siehe, ich habe es euch vorhergesagt“ (V. 23–25).

Ferner lesen wir in Offenbarung 13 von dem zweiten Tier, das aus der Erde aufsteigt (dem falschen Propheten, dem Antichristen), dass es große Zeichen tut, ja sogar „Feuer vom Himmel auf die Erde herabkommen lässt vor den Menschen; und es verführt die, die auf der Erde wohnen, wegen der Zeichen, die vor dem Tier zu tun ihm gegeben wurde, indem es die, die auf der Erde wohnen, auffordert, ein Bild dem Tier zu machen, das die Wunde des Schwertes hat und wieder lebendig wurde“ (V. 13.14).

Wir führen diese drei Stellen an, um zu zeigen, wie weit der Teufel auch Zeichen und Wunder einsetzen kann, um die Menschen von der Wahrheit abzulenken. Gottes Wort ist der einzige göttliche und deshalb vollkommene Schutz gegenüber der täuschenden Macht des Feindes.

Das menschliche Herz kann dem Einfluss „großer Zeichen und Wunder“ einfach nicht widerstehen. Das Einzige, was die Seele befestigen und sie zu diesem Widerstand gegen die Täuschungen Satans befähigen kann, ist das Wort Gottes. Wer die Wahrheit Gottes festhält, besitzt das göttliche Geheimnis, das gegen jeden Irrtum schützt, auch wenn dieser sich auf die erstaunlichsten Wunder stützt.

Wir sehen daher auch in der ersten der oben angeführten Stellen, dass der Betrug „des Gesetzlosen“ durch Zeichen und Wunder der Lüge deshalb gelingt, weil die Menschen „die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben, damit sie errettet würden“. Nur die Liebe zur Wahrheit schützt gegen den Irrtum, so überzeugend er sein mag und so sehr er durch „Zeichen und Wunder“ unterstützt wird. Die höchsten geistigen Fähigkeiten und die größte Gelehrsamkeit erweisen sich als ohnmächtig gegenüber den Listen Satans. Der scharfsinnigste menschliche Verstand fällt dem Betrug der Schlange zum Opfer.

Aber andererseits sind alle List und Schlauheit, alle Zeichen und Lügenwunder Satans völlig machtlos vor einem Herzen, das von der Liebe zur Wahrheit beherrscht wird. Jeder, der die Wahrheit kennt und liebt, hat einen göttlichen Schutz vor der täuschenden Macht des Bösen. Mögen noch so viele Propheten aufstehen und nie gesehene Wunder tun, um irgendeine göttliche Wahrheit zu leugnen oder zu beweisen, dass die Bibel nicht das inspirierte Wort Gottes, dass unser Herr Jesus Christus nicht Gott über alles ist. An einem einfältigen Herzen, das durch das Wort Gottes geleitet wird, wird alles wirkungslos abprallen. Ja, wenn ein Engel vom Himmel käme und etwas verkündigte, das dem Wort Gottes widerspricht, so hätten wir das von Gott gegebene Recht, ihm ohne weiteres ein „Verflucht“ zuzurufen.

Das ist eine unschätzbare Barmherzigkeit Gottes. Sie gibt dem Gläubigen, so einfältig und ungelehrt er auch sein mag, vollkommene Sicherheit und Ruhe. Wir sind nicht dazu berufen, eine falsche Lehre zu untersuchen oder die Beweise zu ihrer Begründung zu prüfen, sondern sollen beides unterlassen, weil wir die Gewissheit der Wahrheit und der Liebe zu ihr in unserem Herzen haben. „Du sollst nicht hören auf die Worte dieses Propheten oder auf den, der die Träume hat; denn der HERR, euer Gott, prüft euch, um zu erkennen, ob ihr den HERRN, euren Gott, mit eurem ganzen Herzen und mit eurer ganzen Seele liebt“ (V. 4).

Das war wichtig für Israel, und es ist auch für uns von entscheidender Bedeutung. Ein treuer Israelit, der den HERRN von ganzem Herzen liebte, hatte für alle falschen Propheten und Träumer immer eine schlüssige Antwort bereit: „Du sollst nicht hören“. Wenn der Feind nicht angehört wird, dann kann er das Herz nicht erreichen. Die Schafe folgen dem Hirten; „denn sie kennen seine Stimme; einem Fremden aber“, selbst wenn dieser Zeichen und Wunder tun sollte, „werden sie nicht folgen, sondern werden vor ihm fliehen“. Warum? Etwa weil sie fähig sind, seine Lehre zu untersuchen und zu widerlegen? Nein, sondern „weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen“ (Joh 10,4.5). Diese Tatsache allein ist Grund genug, sich von dem Redenden abzuwenden.

Wie tröstlich und beruhigend ist das für die Lämmer und Schafe der Herde Christi! Sie können die Stimme ihres liebenden, treuen Hirten hören. Sie können sich um ihn versammeln und in seiner Gegenwart wirklich Ruhe und völlige Sicherheit finden. „Er lagert sie auf grünen Auen und führt sie zu stillen Wassern“ (siehe Ps 23,2). Das ist genug. Die Schafe mögen selbst schwach und kraftlos sein, aber das ist kein Hindernis für ihre Ruhe und Segnung, sondern wirft sie nur umso mehr auf die allmächtige Kraft ihres guten Hirten. Wir brauchen nie unsere Schwachheit zu fürchten, wohl aber die eingebildete Kraft, das Vertrauen auf unsere eigene Weisheit, Einsicht und Schriftkenntnis. Je mehr wir unsere Schwachheit fühlen, desto besser für uns. Denn die Kraft Christi wird in Schwachheit vollbracht, und seine Gnade genügt für alle Bedürfnisse seiner geliebten und teuer erkauften Herde.

Anstiftung zum Bösen durch einen nahestehenden Menschen

Im zweiten Abschnitt unseres Kapitels (V. 7–11) wird das Volk Gottes vor einer anderen List des Feindes gewarnt.

Hier ist nicht von falschen Propheten oder Träumern die Rede. Gegen deren Einfluss mögen Tausende standhaft bleiben, während sie der Macht der natürlichen Zuneigungen zum Opfer fallen. Es ist nicht leicht, diesen zu widerstehen und erfordert völlige Hingabe, ein einfältiges Auge und einen festen Herzensentschluss, um den Gegenständen unserer Liebe treu zu bleiben. Die Verwerfung eines falschen Propheten oder Träumers, mit dem man nicht durch persönliche Beziehungen verbunden ist, steht in keinem Vergleich zu der Schwere der Probe, die sich aus der Aufforderung ergibt, der eigenen Frau, dem Bruder, der Schwester oder dem vertrauten Freund gegenüber entschieden zu widerstehen. Trotzdem darf man keine Nachsicht walten lassen, sobald die Ansprüche Gottes, Christi und der Wahrheit auf dem Spiel stehen. Will jemand die natürlichen Zuneigungen benutzen, um uns von der Nachfolge Christi abzuhalten, so müssen wir mit aller Energie widerstehen. „Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater und seine Mutter und seine Frau und seine Kinder und seine Brüder und Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein“ (Lk 14,26).

Selbstverständlich wollen diese Worte nicht sagen, dass wir „ohne natürliche Liebe“ sein sollen. Im Gegenteil, Gott hat Selbst natürliche Beziehungen zwischen den Menschen eingesetzt, und jede von ihnen hat ihre charakteristischen Zuneigungen, deren Ausübung in wunderbarer Übereinstimmung mit den Gedanken Gottes steht. In den verschiedenen Briefen hat der Heilige Geist Belehrungen an Männer und Frauen, Eltern und Kinder, Knechte und Herren gerichtet, durch die Er diesen Beziehungen und den damit verbundenen Rechten und Pflichten den Stempel der göttlichen Bestätigung aufdrückt. Lukas 14 und 5. Mose 13 finden also nur dann Anwendung, wenn diese Beziehungen und Zuneigungen den Ansprüchen Gottes und Christi hindernd im Weg stehen. Dann müssen sie verleugnet und in den Tod gegeben werden.

Wir sehen im Leben des einzig vollkommenen Menschen, der je auf dieser Erde lebte, wie angemessen Er den verschiedenen Ansprüchen entsprach, die an ihn als Mensch und Diener herantraten. Er sagte zu seiner Mutter: „Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau?“ (Joh 2,4) und trotzdem konnte Er zur geeigneten Zeit die zärtlichste Fürsorge für sie an den Tag legen, als Er sie der Obhut des Jüngers, den Er liebte, anvertraute. Er sagte zu seinen Eltern: „Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist?“ (Lk 2,49b) und doch ging Er mit ihnen und unterwarf sich ihrer elterlichen Gewalt in allem. So zeigen uns die Lehren der Heiligen Schrift und die Wege Christi in den Tagen seines Fleisches, wie wir den Ansprüchen der Natur und denen Gottes gerecht werden können.

Aber vielleicht findet jemand es schwierig, die Handlungsweise, die den Israeliten in unserem Kapitel eingeschärft wird, mit einem Gott der Liebe und mit der im Neuen Testament gebotenen Gnade und Güte zu vereinbaren.

Unterschied zwischen dem Zeitalter des Gesetzes und der Zeit der Gnade

Nun, bei der Betrachtung der ersten Kapitel dieses Buches haben wir bereits auf die Wege Gottes in seiner Regierung mit Israel und den Nationen hingewiesen. Vor allem dürfen wir den wichtigen Unterschied zwischen Gesetz und Gnade nicht aus dem Auge verlieren. Sonst werden wir in Stellen wie 5. Mose 13,9.10 immer Schwierigkeiten finden. Der charakteristische Grundsatz des Judentums war Gerechtigkeit, der des Christentums ist Gnade, reine, bedingungslose Gnade. Wenn man diese Tatsache verstanden hat, verschwindet jede Schwierigkeit. Es war für Israel richtig und stand im Einklang mit den Gedanken Gottes, wenn sie ihre Feinde töteten. Gott hatte es ihnen geboten. Ebenso richtig und ihrer Stellung gemäß war es für sie, jedes Glied der Gemeinde, das sie zum Götzendienst verleiten wollte, zu töten. Dies stand in völligem Einklang mit den Grundsätzen des Gesetzes und der Regierung, unter die sie gemäß der Weisheit Gottes gestellt waren.

Das ganze Alte Testament zeigt, dass Gott über Israel und über die Welt in Verbindung mit Israel auf dem Boden der Gerechtigkeit regierte. Und wie es in der Vergangenheit war, so wird es in der Zukunft wieder sein: „Siehe, ein König wird regieren in Gerechtigkeit, und die Fürsten, sie werden nach Recht herrschen“ (Jes 32,1).

Im Christentum dagegen sehen wir etwas ganz anderes. Wenn wir im Neuen Testament die Belehrungen des Sohnes Gottes sehen und sein Handeln betrachten, fühlen wir, dass wir uns auf einem ganz anderen Boden befinden. Wir atmen die Luft einer reinen, bedingungslosen Gnade.

Lesen wir z. B. die Bergpredigt, diese wunderbare Zusammenstellung der Grundsätze des Reiches der Himmel, so sehen wir schon den großen Unterschied zwischen den jüdischen und christlichen Grundsätzen. Was richtig und passend für einen Juden war, kann ganz falsch und unpassend für einen Christen sein. Unser Herr und Meister hat selbst gelehrt, dass die Seinen heute nicht handeln sollen wie sein Volk vor alters. Gerechtigkeit war der Grundsatz des alten Haushalts. Gnade ist der Grundsatz des neuen.

Wie Christus lehrte, so handelte Er auch. Er ging nicht vor Gericht, um sein Recht zu suchen. Er übte nicht weltliche Macht aus oder verteidigte sich selbst. Er vergalt nicht Gleiches mit Gleichem. Als seine Jünger in völliger Unwissenheit über die himmlischen Grundsätze, die Er lehrte und verwirklichte, Feuer vom Himmel auf ein Dorf der Samariter fallen lassen wollten, das sich weigerte, ihn aufzunehmen, da wandte Er sich um und tadelte sie. Gleich nachher lesen wir: „Und sie gingen in ein anderes Dorf“ (Lk 9,55.56). Die Handlungsweise des Propheten Elia, der Feuer vom Himmel auf die Abgesandten eines gottlosen Königs fallen ließ, stand in völliger Übereinstimmung mit dem Geist und den Grundsätzen des Haushalts, den er vertrat. Aber der Herr war der vollkommene Zeuge und göttliche Vertreter eines ganz anderen Haushaltes. Sein Leben war von Anfang bis Ende ein Leben völliger Hingabe für andere. Nie behauptete Er seine Rechte. Er kam, um zu dienen und zu geben, um in jeder Weise das Bild Gottes und der vollkommene Ausdruck des Vaters zu sein. Der Charakter des Vaters strahlte aus allen seinen Worten und Handlungen hervor. Und Er ist unser großes Vorbild in allem. Nach seiner Lehre und seinem Leben müssen sich das Verhalten und der Charakter des Christen bilden. Wie könnten wir sonst wissen, wie wir leben sollen, wenn nicht dadurch, dass wir seinen Worten lauschen und seine Wege betrachten? Wenn die Grundsätze und Vorschriften des mosaischen Haushalts für uns maßgebend wären, dann freilich wäre es am Platz, unsere Ansprüche vor Gericht geltend zu machen oder Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Aber was würde dann aus der Lehre und dem Beispiel unseres Herrn und Heilandes? Was aus den Lehren des Neuen Testaments?

Man könnte uns nun die alte, so oft gehörte Frage entgegenhalten: Was würde aus der Welt und ihren Einrichtungen, was aus der menschlichen Gesellschaft werden, wenn solche Grundsätze allgemein vorherrschend würden? Nun, die Welt, wie sie jetzt ist, würde dann allerdings ein Ende haben. Der „gegenwärtige böse Zeitlauf“ und himmlische Grundsätze können unmöglich zusammengehen. Aber offenbar waren diese Grundsätze nie für die Welt als solche bestimmt, weil diese sie weder hätte annehmen noch verwirklichen können, ohne dass dadurch zugleich ein Umsturz ihres gegenwärtigen Systems und eine Auflösung der menschlichen Gesellschaft in ihrer gegenwärtigen Form hervorgerufen worden wäre. Himmlische Grundsätze sind eben nicht für diese Welt, sondern für die Versammlung bestimmt, die nicht von der Welt ist, wie auch Christus nicht von dieser Welt war. „Wenn mein Reich von dieser Welt wäre“, sagt der Herr zu Pilatus, „hätten meine Diener gekämpft, damit ich den Juden nicht überliefert würde; jetzt aber ist mein Reich nicht von hier“ (Joh 18,36). Bald werden alle Staaten der Welt dem Herrn unterworfen sein; aber jetzt ist Er verworfen, und seine Versammlung soll seine Verwerfung mit ihm teilen, zu ihm hinausgehen, außerhalb des Lagers und als Fremdlinge hier auf den Augenblick warten, wo Er wiederkommen wird, um sie dahin zu bringen, wo Er bereits ist.

Die Vermischung des Christentums mit der Welt hat eine solche Verwirrung erzeugt. Durch diese Vermischung wird alles auf den Kopf gestellt. Dinge werden miteinander vermengt, die ihrem Wesen nach völlig entgegengesetzt sind, und der wahre Charakter der Versammlung, ihre Stellung, ihr Wandel und ihre Hoffnung werden verleugnet. Man hört zuweilen den Ausdruck „christliche Welt“. Was bedeutet er? Nichts anderes, als dass man zwei Dinge miteinander verbunden hat, die ihrer Natur und ihrem Charakter nach so völlig voneinander verschieden sind wie Licht und Finsternis. Es ist ein Versuch, ein altes Kleid mit einem neuen Lappen zu flicken. Aber der Herr sagt, dass dadurch der Riss nur umso ärger wird.

Es liegt nicht in der Absicht Gottes, die Welt zu christianisieren, sondern seine Kinder aus der Welt herauszurufen, damit sie ein himmlisches Volk seien, das von himmlischen Grundsätzen geleitet, durch einen himmlischen Gegenstand gebildet und durch eine himmlische Hoffnung belebt wird. Wird das nicht verstanden und die Berufung und Hoffnung der Versammlung nicht als eine lebendige Kraft in der Seele freigesetzt, so werden traurige Fehler in unserem Leben und Dienst nicht ausbleiben. Wir wenden dann die Schriften des Alten Testaments ganz falsch an und erleiden einen großen Verlust. Der Herr gebe uns in seiner Gnade ein wirkliches Verständnis über die Verbindung und lebendige Einheit der Versammlung mit dem verworfenen, auferstandenen und verherrlichten Christus!

Abschließend sei noch auf ein Beispiel verwiesen, das zeigt, wie der Heilige Geist die Schriften des Alten Testaments anführt und anwendet. Wir lesen in Psalm 34,17: „Das Angesicht des HERRN ist gegen die, die Böses tun, um ihr Gedächtnis von der Erde auszurotten“. Diese Stelle wird in 1. Petrus 3,12 erwähnt. Dort aber lesen wir: „Das Angesicht des Herrn aber ist gegen die, die Böses tun“. Kein Wort wird von dem Ausrotten der Bösen gesagt. Und warum nicht? Weil der Herr jetzt nicht richtend handelt. Er tat dies unter dem Gesetz und wird es tun in seinem Reich. Jetzt aber handelt Er in Gnade, Langmut und Barmherzigkeit. Sein Angesicht ist noch ebenso entschieden gegen die, die Böses tun, aber jetzt nicht, um ihr Gedächtnis von der Erde auszurotten. Den besten Beweis dieser wunderbaren Gnade und Nachsicht sowie von dem Unterschied zwischen den anstehenden beiden Grundsätzen sehen wir in der Tatsache, dass denen, die im wahrsten Sinn des Wortes „Böses taten“, indem sie den eingeborenen Sohn Gottes ans Kreuz schlugen, zu allererst die Botschaft der vollkommenen und freien Vergebung durch das Blut des Kreuzes verkündigt wurde.

Die angeführte Stelle ist eine von vielen, die alle in derselben Weise den Gegensatz zwischen den jüdischen und christlichen Grundsätzen sowie zwischen dem Christentum und dem kommenden Reich zeigen. Gott handelt jetzt mit der Welt in Gnade, und das sollten auch die Kinder Gottes tun, wenn sie wünschen, ihm gleich zu sein. „Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist“. – „Seid nur Nachahmer Gottes, als geliebte Kinder, und wandelt in Liebe, wie auch der Christus uns geliebt und sich selbst für uns hingegeben hat als Darbringung und Schlachtopfer, Gott zu einem duftenden Wohlgeruch“ – (Mt 5,48; Eph 5,1.2).

Das ist unser Vorbild. Wir sind dazu berufen, das Beispiel unseres Vaters nachzuahmen. Er sucht jetzt nicht mit der starken Hand seiner Macht seinen Rechten Geltung zu verschaffen. Später wird Er das tun; aber in der jetzigen Zeit der Gnade schüttet Er den Reichtum seiner Segnungen und Wohltaten über die aus, deren ganzes Leben nur Feindschaft und Widerstand gegen ihn ist.

Man könnte nun einwenden: „Wie kann ich mit solchen Grundsätzen in der Welt vorankommen und meine Geschäfte führen? Es ist doch unmöglich, sich in dieser Welt zu behaupten, ohne seine Rechte und seine Ansprüche geltend zu machen. Wozu haben wir denn auch die Obrigkeit? Sind nicht die Regierungen gerade zu diesem Zweck von Gott verordnet, um Frieden und Ordnung unter uns aufrechtzuerhalten? Was sollte werden, wenn wir keine Polizeibeamten und Richter hätten?“

Freilich sind die Gewalten von Gott verordnet. Die Könige, Statthalter, Richter und Regierungen sind an ihrem Platz der Ausdruck der Macht Gottes. Er hat sie mit dieser Macht bekleidet und ihnen das Schwert in die Hand gegeben zur Bestrafung der Übeltäter und zum Wohl derer, die Gutes tun. Wir sollen für die Obrigkeit beten und ihr in allen Dingen unterworfen und gehorsam sein, vorausgesetzt, dass wir nicht aufgefordert werden, gegen Gott und unser Gewissen zu handeln. Aber das alles berührt keineswegs die Frage, welchen Weg der Christ durch diese Welt zu gehen hat. Das Christentum erkennt die Regierung eines Landes mit ihren Einrichtungen an, aber es ist nicht des Christen Aufgabe, sich irgendwie in sie einzumischen. Er ist verpflichtet, sich den Anordnungen der Regierung seines Landes zu fügen, welchen Charakter diese auch haben mag. Er hat für sie zu beten, Steuern zu entrichten, die Hochgestellten in ihrer amtlichen Eigenschaft zu ehren, den Frieden des Landes zu erflehen und, so viel an ihm liegt, mit allen Menschen in Frieden zu leben.

Das vollkommene Beispiel hiervon sehen wir wieder in unserem hochgelobten Herrn. In seiner Unterredung mit den schlauen Herodianern erkennt Er den Grundsatz der Unterwerfung unter die bestehenden Gewalten völlig an, indem Er sagt: „Gebt denn dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist“ (Mt 22,21). Und nicht nur das. Er bezahlte Steuern, die Er persönlich nicht schuldig und die niemand berechtigt war, von ihm zu fordern. Trotzdem berief Er sich nicht auf sein Recht, sondern sagte zu Petrus: „Damit wir ihnen aber keinen Anstoß geben, geh an den See, wirf eine Angel aus und nimm den ersten Fisch, der heraufkommt, tu sein Maul auf, und du wirst einen Stater finden; den nimm und gib ihnen für mich und dich“ (Mt 17,27).

Das zeigt uns ganz eindeutig den Weg des Christen in der Welt. Er hat seinem Herrn zu folgen und in jeder Beziehung ihn nachzuahmen, der nie sein Recht behauptete und sich nicht in weltliche Angelegenheiten mischte, dessen ganzes Leben bis zum Kreuz voll Selbstverleugnung war, bis Er es hingab zum Lösegeld für viele.

Wir hoffen, dass diese Aufforderungen dazu beitragen werden, Stellen, wie die vorliegende, richtig zu erklären. Obgleich wir ebenso entschieden dem Götzendienst entgegenzutreten und uns von aller Art des Bösen fern zu halten haben, wie das Volk Israel, können wir das doch nicht in derselben Weise tun. So klar die Pflicht der Versammlung auch sein mag, den Bösen aus ihrer Mitte hinauszutun, war und ist es dennoch nicht ihre Aufgabe, einen Götzendiener oder Lästerer zu steinigen oder einen Zauberer zu verbrennen. Die katholische Kirche hat nach diesem Grundsatz gehandelt und sogar die Protestanten sind ihr darin gefolgt, wie die Kirchengeschichte zeigt. Wir erinnern nur an Michel Servet, der im Jahr 1553 wegen seiner Irrlehren in Genf lebendig verbrannt wurde. Die Versammlung hat nicht die Berufung, das weltliche Schwert zu gebrauchen. Das ist eine offenbare Verleugnung ihrer Berufung, ihres Charakters und ihrer Sendung. Als Petrus im Eifer seiner Unwissenheit und fleischlichen Überstürzung das Schwert zog, um seinen geliebten Herrn zu verteidigen, wurde er sofort von Jesus mit den Worten zurechtgewiesen: „Stecke dein Schwert wieder an seinen Ort; denn alle, die das Schwert nehmen, werden durchs Schwert umkommen“. Nachdem der Herr dies gesagt hatte, machte Er den durch seinen wohlmeinenden Diener angerichteten Schaden wieder gut. „Die Waffen unseres Kampfes“, sagt der Apostel, „sind nicht fleischlich, sondern göttlich mächtig zur Zerstörung von Festungen; indem wir Vernunftschlüsse zerstören und jede Höhe, die sich erhebt gegen die Erkenntnis Gottes, und jeden Gedanken gefangen nehmen unter den Gehorsam des Christus“ (2. Kor 10,4.5).

Die Christenheit hat sich von diesem wichtigen Grundsatz ganz entfernt. Sie hat sich mit der Welt verbunden und die Sache Christi durch fleischliche und weltliche Mittel zu fördern gesucht. Sie hat den christlichen Glauben durch die Verleugnung des wahren Charakters des Christentums aufrechterhalten wollen. Die Verbrennung von Ketzern hat ihre Geschichte furchtbar befleckt. Wir können uns kaum eine Vorstellung von den schrecklichen Folgen der Tatsache machen, dass die Versammlung sich berufen glaubte, den Platz Israels einzunehmen und nach jüdischen Grundsätzen zu handeln 1. Nicht nur wurde ihr Zeugnis dadurch vollständig verfälscht, sondern sie beraubte sich auch ihres geistlichen und himmlischen Charakters und betrat den Weg, dessen Ende uns in Offenbarung 17 und 18 geschildert wird.

Lasst uns dies im Licht des Neuen Testaments betrachten und durch die Güte Gottes den Weg der Absonderung verstehen lernen, den wir als solche, die in der Welt, aber nicht von der Welt sind, gehen sollen.

Eine ganze Stadt verfällt dem Götzendienst

Der letzte Abschnitt unseres Kapitels (V. 12–19) gibt uns eine Belehrung von ernstem Charakter. Sie gründet sich zugleich auf eine Wahrheit von großem Wert, nämlich auf die nationale Einheit Israels. Es wird hier von einem schweren Vergehen in einer Stadt Israels gesprochen, und sehr leicht könnte die Frage gestellt werden: Sind denn alle Städte Israels an der Sünde einer einzigen beteiligt? 2 Ja, alle waren daran beteiligt, da das Volk eine unauflösliche Einheit bildete. Die Städte und Stämme waren nicht unabhängig voneinander, sondern verbunden durch ein heiliges Band nationaler Einheit, deren Mittelpunkt die Stätte der Gegenwart Gottes war. Die zwölf Brote auf dem goldenen Tisch im Heiligtum waren das ausdrucksvolle Bild dieser unauflöslichen Einheit, und jeder treue Israelit erkannte sie an und erfreute sich darüber. Die zwölf Steine im Flussbett des Jordan, die zwölf Steine an seinem Ufer und die später durch Elia auf dem Berg Karmel aufgerichteten zwölf Steine bezeugten dieselbe Wahrheit, dass die zwölf Stämme Israels unauflöslich miteinander verbunden waren.

Der fromme König Hiskia erkannte dies ebenfalls an, als er gebot, das Brandopfer und das Sündopfer für ganz Israel zu bringen (2. Chr 29,24). Der gottesfürchtige König Josia dehnte auf Grund dieser Wahrheit seine reformatorische Tätigkeit auf alle Länder aus, die zu Israel gehörten (2. Chr 34,33). Paulus bekundet diese Wahrheit auch in seiner Rede vor dem König Agrippa, wenn er sagt: „Zu der (Hoffnung) unser zwölfstämmiges Volk, unablässig Nacht und Tag Gott dienend, hinzugelangen hofft“ (Apg 26,7). Wir finden sie auch in Offenbarung 7, wo wir die zwölf Stämme versiegelt und für die ewige Segnung und Herrlichkeit abgesondert sehen, und zwar in Verbindung mit einer zahllosen Menge aus den Nationen. Und schließlich ersehen wir aus Offenbarung 21, dass die Namen der zwölf Stämme auf die Tore des neuen Jerusalem geschrieben sind, des himmlischen Sitzes und Mittelpunktes der Herrlichkeit Gottes und des Lammes.

Von dem goldenen Tisch im Heiligtum bis zu der goldenen Stadt, die aus dem Himmel herabkommt von Gott, besteht eine ununterbrochene Kette von Beweisen für die Wahrheit der unauflöslichen Einheit der zwölf Stämme Israels.

Die Einheit des Leibes Christi

Fragt man nun: „Wo ist diese Einheit zu sehen? Wie konnten Elia, Hiskia, Josia und Paulus sie erkennen?“, so gibt es darauf nur eine Antwort: „Sie sahen sie durch den Glauben“. Sie schauten in das Heiligtum Gottes und sahen dort die zwölf Brote, die die zwölf Stämme in ihrer Verschiedenheit und zugleich in ihrer vollkommenen Einheit darstellten. Die Wahrheit Gottes muss ewig bestehen. Israels Einheit ist in der Vergangenheit gesehen worden und wird in der Zukunft gesehen werden. Wenn sie auch jetzt, gleich der höheren Einheit der Versammlung, dem menschlichen Auge unsichtbar ist, hält dennoch der Glaube an ihr fest und bekennt sich dazu.

Beschäftigen wir uns jetzt noch einen Augenblick mit der praktischen Anwendung der in unserem Abschnitt dargestellten Wahrheit. Nehmen wir an, zu einer Stadt im Norden des Landes Israel wäre die Nachricht gebracht worden, dass in einer anderen, südlich gelegenen Stadt ein Irrtum gelehrt würde, der die Einwohner dieser Stadt von dem wahren Gott zu entfernen drohte. Was musste in einem solchen Fall die Stadt im Norden tun? Das Gebot lautete klar und deutlich: „Du sollst genau untersuchen und nachforschen und fragen“ (V. 15).

„Aber“, so hätten einige Bürger sagen können, „was haben wir hier im Norden mit den Irrtümern zu tun, die im Süden gelehrt werden? Ist nicht jede Stadt für die Aufrechterhaltung der Wahrheit innerhalb ihrer eigenen Mauern verantwortlich? Wir verurteilen ganz entschieden die Irrlehre und werden jedem, der sie uns bringen will, unsere Tore verschließen, aber wir fühlen uns nicht verpflichtet, alle Irrtümer zu untersuchen, die irgendwo im Land auftauchen.“

Was hätte ein treuer Israelit auf diese Einwände, die dem menschlichen Verstand so richtig und annehmbar erscheinen, geantwortet? Zweifellos, dass dadurch die Einheit Israels geleugnet würde. Wenn jede Stadt und jeder Stamm einen so unabhängigen Standpunkt eingenommen hätte, dann hätte der Hohepriester die zwölf Brote vor dem Angesicht des Herrn wegnehmen können, denn dann hätten sie ihre Bedeutung als Sinnbild der Einheit Israels verloren. Doch Israel war ein Ganzes! Eine Sünde, die in Dan geschehen war, musste deshalb auch die Bewohner Beersebas berühren. Wer also seine Hände gleichgültig in den Schoß legte, machte sich auf diese Weise eins mit jenem Bösen.

Wenn dies damals für Israel galt, so gilt es erst recht für die Versammlung Gottes in der heutigen Zeit. Jede Gleichgültigkeit in einer Sache, die Christus betrifft, ist hassenswürdig vor Gott. Es ist sein ewiger Vorsatz und Ratschluss, seinen Sohn zu verherrlichen. Jedes Knie soll sich vor ihm beugen und jede Zunge bekennen, dass Er Herr ist, zur Verherrlichung Gottes, des Vaters. Er will, „damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren“ (Joh 5,23).

Wenn daher Christus verunehrt wird, wenn Lehren aufgestellt und verbreitet werden, die die Herrlichkeit seiner Person, die Auswirkung seines Werkes oder die Kraft seines Dienstes schmälern, dann haben wir die ernste Pflicht, mit aller Entschiedenheit dagegen Stellung zu beziehen. Gleichgültigkeit in Dingen, die den Sohn Gottes betreffen, ist Verrat an der Sache Gottes. Wenn wir schon über unseren Ruf, unseren Charakter oder unser Eigentum nicht gleichgültig hinwegsehen, wie viel weniger sollten wir es tun, wenn die Herrlichkeit und Ehre, der Name und die Sache dessen angetastet werden, dem wir für Zeit und Ewigkeit alles verdanken.

Mit der Herrlichkeit des Hauptes ist aber die große Wahrheit von der Einheit des Leibes, der Versammlung, unmittelbar verbunden. Wenn Israel eins war, wie viel mehr ist es dann der Leib Christi! Wenn in Israel jede Unabhängigkeit falsch war, wie viel mehr gilt das von der Versammlung Gottes. So wenig man sagen kann, dass die Hand vom Fuß oder das Auge vom Ohr unabhängig ist, ebenso wenig kann man behaupten, dass die Glieder des Leibes Christi unabhängig voneinander seien (vgl. 1. Kor 12,12–27).

In diesem Kapitel wird uns also klar und eindringlich gezeigt, dass der Gläubige ein Glied des Leibes Christi ist. Das bedeutet nicht nur Vorrechte für den Christen, sondern weist uns auch auf die höchste Verantwortlichkeit hin. Der Christ kann sich nicht als unabhängige Person verstehen, die keine Verbindung mit anderen hat, sondern er ist in lebendiger Weise verbunden mit allen Kindern Gottes, allen wahren Gläubigen, allen Gliedern des Leibes Christi auf der Erde.

„In einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft worden“. Die Versammlung Gottes ist nicht einfach eine Gesellschaft oder eine Vereinigung. Sie ist ein Leib, der durch den Heiligen Geist mit seinem Haupt im Himmel vereinigt ist, und dessen Glieder auf der Erde unauflöslich miteinander verbunden sind. Daraus folgt notwendigerweise, dass alle Glieder des Leibes von dem Zustand und Wandel jedes einzelnen Gliedes betroffen werden. „Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit“. Ist der Fuß nicht in Ordnung, dann fühlt das die Hand, und zwar wie? Durch das Haupt. So verhält es sich auch bei der Versammlung Gottes. Wenn es mit einem einzelnen Glied nicht gut steht, dann fühlen das alle Glieder mit, und zwar durch das Haupt, mit dem alle durch den Heiligen Geist lebendig verbunden sind.

Viele finden es schwer, diese Wahrheit anzunehmen. Aber sie ist im Wort klar offenbart. Sie ist eine göttliche Offenbarung. Kein menschlicher Verstand hätte je einen solchen Gedanken ausdenken können; aber Gott offenbart es, und der Glaube ergreift es und lebt in der daraus entspringenden gesegneten Kraft. Aber wie kann denn der schlechte Zustand eines Gläubigen solche beeinflussen, die gar nichts davon wissen? Die Antwort lautet: „Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit“, nicht nur die Glieder der Versammlung am gleichen Ort, die die betreffende Person näher kennt und unmittelbar mit ihr in Verbindung steht, sondern alle Glieder des ganzen Leibes, wo sie auch sein mögen. So haben wir bei Israel gesehen (und dort handelte es sich nur um eine nationale Einheit), dass es alle betraf, wenn in irgendeiner ihrer Städte etwas Böses geschehen war. Obgleich Tausende des Volkes nichts von der Tatsache wissen mochten, dass Achan gesündigt hatte, sagte dennoch der Herr: „Israel hat gesündigt“, und das ganze Volk erlitt eine schmähliche Niederlage.

Fußnoten

  • 1 Es ist sicher das Vorrecht und die Pflicht der Versammlung, aus der Geschichte Israels zu lernen; aber es ist ein verhängnisvoller Irrtum, wenn sie den Platz des irdischen Volkes Gottes einnimmt, nach dessen Grundsätzen handelt und sich dessen Verheißungen aneignet.
  • 2 Man muss hier bemerken, dass das beschriebene Verhalten deshalb so ernst war, weil es der Versuch war, das Volk von dem lebendigen und wahren Gott abzuziehen. Das tastete die Grundlage des nationalen Bestehens Israels an. Es war nicht nur eine örtliche, sondern eine nationale Frage.
Nächstes Kapitel »« Vorheriges Kapitel

Ihre Nachricht