Sei stark und mutig!

Kapitel 16-17

Das Erbteil Josephs in Gilgal

Einleitung (16,1-4)

Nach Juda bekam Joseph sein Erbteil im Land zugewiesen. Es befand sich nördlich von Jerusalem zwischen dem Jordan und dem Mittelmeer.

Dieses Gebiet wurde zwischen dem Stamm Ephraim und dem halben Stamm Manasse, der sich nicht in den Ebenen Gileads niedergelassen hatte, aufgeteilt.

Das Erbteil Ephraims (16,5-10)

Das Erbteil Ephraims beginnt in Jericho (dem Ort des Todes und des Fluches) und umfasst Bethel (das Haus Gottes) und Silo, die erste Bleibe der Stiftshütte Gottes.

Dieses Erbteil hatte nicht die Ausmasse wie das von Juda, und seine Grenzen waren weniger scharf gesetzt. Einige Städte Ephraims befanden sich auf dem Gebiet von Manasse.

Ephraim fehlte - wie Juda - der Mut angesichts der Macht der Feinde, und es fand sich damit ab, mit diesen zusammen zu leben: Der Kompromiss mit den Feinden ist die Ursache des Götzendienstes, der später im Königreich Israel wie ein Krebs um sich frass (vgl. 2. Tim 2,17).

Makir und die Töchter Zelophchads (17,1-6)

Die Energie Makirs, des Erstgeborenen Manasses, strahlt hier inmitten der allgemeinen Gleichgültigkeit hervor. Obwohl er der Sohn einer Syrerin war (1. Chr 7,14), hatte er sich als treuer Kriegsmann erwiesen (V. 1), der seinen Stamm in die Schlachten und zu Siegen führte. Es scheint jedoch, dass sich sein Erbteil östlich des Jordan befand.

Die fünf Töchter Zelophchads hatten vom Fürsten ihres Stammes die Energie des Glaubens geerbt und legten Wert auf das Erbteil des Herrn. Ihr Vater war in der Wüste gestorben und hatte keinen Sohn gehabt (4. Mo 27,3; Heb 3,17). Sollten sie nun kein Erbe empfangen?

Sie legten ihren Fall Mose vor, der ihn vor den Herrn brachte (4. Mo 27,5). Ihr Glaube wurde belohnt und sie bekamen ein Erbteil wie ihre Brüder. Seitdem war ihr Fall zu einer Rechtssatzung unter dem Volk geworden (4. Mo 27,11). Möge der Herr unsere Herzen dazu formen, die geistlichen Segnungen, die wir in Ihm besitzen, mit demselben Eifer zu suchen!

Die Häupter der Väter des Stammes Manasse unterbreiteten anschliessend Mose die Frage bezüglich der Heirat der Töchter Zelophchads (4. Mose 36,1-12). Eine Heirat ausserhalb ihres eigenen Stammes zog rechtmässig die Übertragung ihres Erbteils auf einen anderen Stamm nach sich. Das hätte das Erbe von Manasse verkleinert. Daher sollten sie sich mit jemand aus ihrem eigenen Stamm verheiraten. Wie viele Familien sind wohl durch traurige Erbstreitigkeiten zerrissen worden?

Aber im geistlichen Bereich lädt der Herr durch das Beispiel der Töchter Zelophchads auch jeden Christen dazu ein, sorgsam seine Gedanken hinsichtlich einer Heirat zu erforschen.

Nebst der Bekehrung ist das die wichtigste Frage im christlichen Leben. Eine ungläubige Person zu heiraten bedeutet für einen Christen, sich in ein ungleiches Joch zu begeben. Das ist Untreue gegenüber Gott (vgl. 2. Kor 6,14). Aber wie soll selbst in einem christlichen Haushalt eine glückliche Gemeinschaft genossen werden, wenn nicht beide Eheleute in derselben Weise die Rechte des Herrn über ihr Herz und ihr Leben anerkennen? So können sie bestimmt nicht in vollem Mass das Erbe «der Gnade des Lebens» (1. Pet 3,7) gemeinsam teilen! Der Herr kann jedoch in Barmherzigkeit die Harmonie in solchen christlichen Ehen bewirken.

Mose hatte den Fall der Töchter Zelophchads grundsätzlich von Seiten des Herrn geregelt. Josua verschaffte ihm jetzt seinen glücklichen Abschluss (Jos 17,4).

Das Erbteil des halben Stammes Manasse (17,7-13)

Erneut hören wir, was nun zum traurigen Refrain in der Geschichte des Volkes werden sollte: Manasse war nicht imstande, die Bewohner vollständig auszutreiben, und die Kanaaniter wollten im Land bleiben. Obwohl fronpflichtig, waren sie doch nicht enteignet.

Warum konnte Manasse den Feind nicht besiegen? Im Grunde genommen deshalb, weil er nicht wollte. So ist es auch oft mit uns, denn im christlichen Leben geht dem «Wirken» das «Wollen» voraus. Beides kommt von Gott (vgl. Phil 2,13). Bitten wir Ihn darum, in seiner Gnade diese beiden Tugenden in uns hervorzubringen.

Eine Verbindung zwischen der Wahrheit und dem Irrtum kann keinen Bestand haben. Der Irrtum wird nicht zur Wahrheit, und die Wahrheit verliert ihre Kraft. Nur in der klaren und vollständigen Trennung von allem Irrtum werden die Treue zu Gott und das Geheimnis unserer praktischen Kraft verwirklicht.

Die Angelegenheit der Söhne Josephs, Ephraim und Manasse (17,14-18)

Die Geschichte der Söhne Josephs schliesst mit einer ernsten Warnung für uns ab. Beide Stämme kamen gemeinsam zu Josua, um ein weiteres Erbteil zu erbitten, «soweit der Herr mich bis jetzt gesegnet hat» (V. 14).

Ihr Verhalten erscheint lobenswert. Tatsächlich unterscheidet sich ihr Fall aber völlig von dem der Töchter Zelophchads, die sich durch Glauben ein Erbteil wünschten und es dann auch zugesprochen bekamen. Im Gegensatz dazu war es Mangel an Glauben, der die Söhne Josephs davon abhielt, die Eroberung ihres Erbteils zu vollenden. Sie wollten es vergrössern, ohne dafür zu kämpfen (V. 16). Josua stellte ihnen die tatsächliche Situation vor und erinnerte sie daran, dass sie durchaus imstande waren, einen Sieg über die Kanaaniter zu erringen.

Das ist für uns eine Lektion von grösster Bedeutung: Wir leben in einer Zeit, in der die Glaubensfrische von Philadelphia und die kleine Kraft inmitten der Schwachheit zu oft von der Lauheit und Selbstgefälligkeit Laodizeas verdrängt worden ist.

Wir können unser geistliches Erbteil nicht besitzen, ohne zu kämpfen. Weder der Glaube unserer Eltern - oder derer, die uns auf dem Glaubensweg vorangegangen sind - noch die Erinnerung an vergangene Siege können uns heute die Kraft und den Sieg schenken. Das Bewusstsein der vergangenen Segnungen droht, zum Verfall zu führen, wenn wir diese von der Gnade des Gebers trennen. Wir müssen zu Gott aufschauen, «der uns den Sieg gibt» (1. Kor 15,57).

In der letzten Zeit der Versammlung auf dieser Erde sind wir noch immer dazu aufgefordert, den Wald zu roden (V. 18), um ihn zu besitzen; zu roden von der Gleichgültigkeit, der Weltlichkeit und den Traditionen. In unserem Leben haben sie zu oft die wahre Gottesfurcht und die Gemeinschaft mit Christus ersetzt. So schliesst dieser Teil des Buches. Angefangen mit dem leuchtenden Vorbild Kalebs, was uns zur Nachahmung empfohlen wird, endet es mit einer Warnung vor der Einstellung der Söhne Josephs.

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