Sei stark und mutig!

Kapitel 23

Die letzten Worte Josuas an das Volk

Das Ende des Lebens und des Dienstes Josuas, dieses treuen Dieners Gottes, war jetzt gekommen. Die Schrift hat uns seine letzten Worte zu unserer Belehrung aufbewahrt.

Schon bei der Aufteilung des Landes auf die Stämme Israels hatte der Herr Josua darauf hingewiesen, dass er alt und hochbetagt sei (Jos 13,1). Diese Bemerkung wird jetzt wiederholt: «Josua war alt, hochbetagt» (V. 1.2), und er selbst fügt hinzu: «Siehe, ich gehe heute den Weg der ganzen Erde» (V. 14).

So ruft Josua die Ältesten, die Häupter, die Richter, die Vorsteher und das ganze Volk zu sich, um ihnen eine letzte Botschaft zu vermitteln: sich in Gott zu stärken, Ihm anzuhangen, die Eroberungen fortzuführen, und sich vor der Gefahr der Verbindung mit den Nationen zu hüten.

Die letzte Botschaft Josuas

Die Geschichte der Eroberung des Landes war im Grunde die Geschichte der Macht und Treue Gottes:

«Der Herr, euer Gott, er ist es, der für euch gekämpft hat» (V. 3): So hatte sich seine Macht entfaltet.

Es ist «nicht ein Wort hingefallen von all den guten Worten, die der Herr, euer Gott, über euch geredet hat» (V. 14): So war seine Treue gewesen, an die sie am Ende der Eroberung des Landes schon erinnert worden waren (Jos 21,45).

Das Volk verfügte noch über dieselben Hilfsquellen (V. 5), jedoch unter dem Vorbehalt, dass sie einige Bedingungen erfüllten:

Zuerst ein wachsames und aufrichtiges Herz Gott gegenüber: «So achtet sehr auf eure Seelen, dass ihr den Herrn, euren Gott, liebt!» (V. 11). Im Leben von uns Christen hängt alles vom Zustand unserer Herzen und unseren Zuneigungen ab.

Dann die Glaubensenergie und die Verbundenheit zum Wort: «So haltet denn sehr fest daran, alles zu beachten und zu tun, was im Buch des Gesetzes Moses geschrieben ist» (V. 6). Das hatte der Herr vor der Eroberung des Landes zu Josua gesagt (Jos 1,7.8); nun ruft es Josua dem Volk in Erinnerung.

Schliesslich die ständige Wachsamkeit gegenüber den Feinden, die noch im Land waren. Auf den offenen Krieg und die Verbündung von feindlichen Armeen würden die hinterhältigen Verführungen der Nationen folgen. Indem sie in die Familien Israels eindrangen, würden sie dort den Götzendienst einführen. Die Christen der westlichen Welt kennen kaum den Hass und die Gewalt von Seiten der politischen oder religiösen Mächte. Dagegen ist die Versuchung, mit der Welt Verbindungen einzugehen und die Dinge dieser Erde zu lieben, viel raffinierter und gefährlicher.

Unterweisungen an die Versammlung

Die Parallele zwischen den Unterweisungen Josuas an Israel und denen von Paulus an die Ältesten von Ephesus ist besonders auffallend (Apg 20,28-32):

«Habt Acht auf euch selbst»: Das ist die Aufforderung, auf unsere Herzen zu achten.

«Nach meinem Abschied werden reissende Wölfe zu euch hereinkommen ..., die die Herde nicht verschonen»: Das sind die Gefahren von aussen.

«Aus euch selbst werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden»: Das deutet die Gefahren an, die innerhalb der Versammlung aufkommen.

Die Hilfsmittel sind in «Gott und dem Wort seiner Gnade ..., das vermag, aufzuerbauen und das Erbe zu geben unter allen Geheiligten».

Die Regierungswege Gottes hinsichtlich seines Volkes Israel

Das Volk Israel befand sich unter Gesetz, und Josua stellt ihnen die Folgen ihres Weges vor:

Wenn das Volk treu sein würde, würde der Herr die Nationen vor ihnen vertreiben (V. 5) und ihnen die verheissenen Segnungen geben (5. Mo 28,1-14).

Wenn das Volk aber nicht hörte (was leider der Fall war, wie die Geschichte bewiesen hat), würden sie die Flüche auf sich ziehen, die im Buch des Gesetzes aufgeschrieben sind (5. Mo 28,15-68). Der Zorn des Herrn würde gegen sein Volk entbrennen (V. 13.16).

Gott handelt auch während der Gnadenzeit in regierender Weise mit den Seinen. Das verlieren wir zu oft aus dem Auge. «Was irgend ein Mensch sät, das wird er auch ernten» (Gal 6,7), sei es Segen oder Zucht (1. Kor 11,32).

Diese Regierung übt Gott sowohl im Blick auf den einzelnen Christen als auch im Blick auf die Gläubigen gemeinsam aus. Das erste ist ein Geheimnis zwischen der einzelnen Seele und Gott. Das zweite geschieht in der Versammlung. Gott möchte damit vor der Welt das Zeugnis der Versammlung, «des Pfeilers und der Grundfeste der Wahrheit», erhalten (1. Tim 3,15).

Vergessen wir niemals, dass das Gericht Gottes ein Ausdruck seiner Liebe zu uns ist: «Ich überführe und züchtige, so viele ich liebe» (Off 3,19). Es ist nicht von der Gnade zu trennen. Alles, was auf der Erde geschieht, wird einmal vor dem Richterstuhl Christi im vollen Licht offenbart, «damit jeder empfange, was er in dem Leib getan hat, nach dem er gehandelt hat, es sei Gutes oder Böses» (2. Kor 5,10). Das wird der herrliche Moment sein, wo die Braut sich zur Hochzeit bereitet, um dem Lamm vorgestellt zu werden (Off 19,7); «heilig und untadelig» (Eph 5,27), zur ewigen Freude Dessen, der sich selbst für sie hingegeben hat.

Die Gefahr, abtrünnig zu werden (V. 12)

Das Volk lief Gefahr, das aufzugeben, was Gott ihnen anvertraut hatte. Aber Gott hasst die Abtrünnigen und die, die «auf ihre krummen Wege abbiegen» (Ps 101,3; 125,5).

Die Gefahr war besonders für jene Hebräer gross, die mit dem Christentum in Verbindung standen. Sie drohten sich abzuwenden. In diesem Fall würden sie zu denen gehören, «die sich zurückziehen zum Verderben» (Heb 10,39). Dieselbe Gefahr und ihre schrecklichen Folgen werden vom Apostel Petrus aufgezeigt: «Denn es wäre besser für sie, den Weg der Gerechtigkeit nicht erkannt zu haben, als, nachdem sie ihn erkannt haben, sich abzuwenden von dem ihnen überlieferten heiligen Gebot» (2. Pet 2,21). Es handelt sich in beiden Fällen um bekennende Christen, die kein Leben aus Gott haben und das christliche Bekenntnis nach einer gewissen Zeit wieder aufgeben.

Ein Erlöster besitzt das Leben aus Gott und kann das Heil seiner Seele nicht verlieren; aber wenn er sich vom Weg des Gehorsams abwendet, weicht er vom christlichen Weg ab und verliert seine Krone (1. Kor 9,25), auch wenn er selbst wie durchs Feuer gerettet wird (1. Kor 3,15).

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