Sei stark und mutig!

Kapitel 2

Rahab und die Kundschafter

Einführung (V. 1–7)

Bevor Josua mit der Eroberung des Landes begann, sandte er im Geheimen zwei Kundschafter aus, das Land und Jericho, die erste befestigte Stadt, auszukundschaften. Es war die im Jordantal gelegene Palmenstadt (5. Mo 34,3), ein Lustgarten der Welt.

In Jericho und im ganzen Land Kanaan wohnten Menschen, die als Feinde Gottes unter dem Fluch standen. Aber die grenzenlose Gnade Gottes sollte Rahab aus Jericho herausholen, um sie vor dem Tod zu retten und dem erwählten Volk hinzuzufügen. Sie erhält sogar einen Platz im Geschlechtsregister des Messias (Mt 1). Rahab war wie eine zarte Blume, gefangen im Schlamm der Sünde, die unter den Strahlen der Gnade zum Blühen gebracht werden sollte.

Die Ankündigung der Gerichte über die Nationen (V. 8–11)

Die Neuigkeiten über die Siege der Israeliten waren den Kanaanitern schon zu Ohren gekommen. Sihon, der König der Amoriter, und Og, der König von Basan, waren mit ihren Heeren bei der Begegnung mit dem Volk Israel vollständig vernichtet worden (5. Mo 2,32–34; 3,1–10). Diese Nachrichten versetzten die Kanaaniter in Angst und Schrecken: «Wir hörten es, und unser Herz zerschmolz» (Jos 2,11). Der Durchzug durch den Jordan würde ihre nachvollziehbare Angst noch verstärken: «Da zerschmolz ihr Herz, und es war kein Mut mehr in ihnen» (Jos 5,1).

Bei der Welt bewirkt die Ankündigung von Gerichten Angst. Doch statt sich zu bekehren, verwerfen die Menschen oft die, die ihnen das Gericht ankündigen. Die Menschen werden in künftigen Gerichtstagen vor Furcht vergehen (Lk 21,26), zugleich aber die zwei Zeugen töten. Sie werden sich freuen, dass diese Propheten sie nicht mehr stören (Off 11,7.10). Der König von Jericho versuchte ebenso, sich der zwei Kundschafter zu entledigen! Danach verhärtete er sich in seinen Sünden und liess die Tore der Stadt schliessen, um dem Gericht bis zum Äussersten zu widerstehen (Jos 6,1). Was für ein deutlicher Unterschied zu Ninive und seinem König, die auf die Predigt Jonas Busse taten!

Der Glaube Rahabs (V. 9–13)

Im Gegensatz dazu hatten die Siege Israels eine ganz andere Auswirkung auf den Glauben Rahabs:

  • Sie anerkannte zum einen die Absicht Gottes: «Ich weiss, dass der Herr euch das Land gegeben hat» (V. 9).
  • Weiter brachte sie diesen Gott in Verbindung mit dem Volk Israel: «Denn der Herr, euer Gott, ist Gott im Himmel oben und auf der Erde unten» (V. 11).
  • Deswegen begegnete sie den Kundschaftern gnädig, ungeachtet der Gefahr, in die sie sich durch den Landesverrat brachte. Sie hielt die Spione versteckt und ermöglichte ihnen dann die Flucht über die Stadtmauer. Ihr Glaube offenbarte sich darin, dass sie «die Kundschafter in Frieden» aufgenommen hatte (Heb 11,31).
  • Schliesslich wurde die Furcht des Herrn in ihrem Herzen bewirkt. Diese Furcht ist der Anfang der Weisheit (Ps 111,10). Diese Furcht erweckte in ihr das Verlangen, für sich und ihre Familie nach Rettung zu suchen: «Nun schwört mir doch bei dem Herrn ... und errettet unsere Seelen vom Tod» (V. 12.13).

Die von Rahab hier gebrauchten Mittel – Lüge und Betrug (V. 4–7) – stimmten mit ihrem früheren Leben überein. Ein Christ, der durch den Heiligen Geist erleuchtet ist, wird unter keinen Umständen davon Gebrauch machen, da der Zweck in Gottes Augen niemals die Mittel heiligt!

Das Mittel zur Rettung (V. 14–20)

Das Mittel zum Heil, das Rahab von den Kundschaftern gegeben wurde, ist so einfach, dass die Welt verächtlich darauf blickt. Sie musste eine Karmesinschnur ins Fenster binden, sich im Schutzbereich des Hauses aufhalten und die Angelegenheit geheim halten. Die Karmesinschnur spricht vom Blut Christi. Auch das Blut des Passahlamms, das die Israeliten vor dem Gericht über den Erstgeborenen schützte, weist darauf hin (2. Mo 12,13).

Es blieb für Rahab nichts zu tun übrig, als dem Versprechen der Kundschafter zu glauben. Sie wartete nicht die Belagerung Jerichos ab, bis sie die Karmesinschnur am Fenster befestigte: Sobald die Kundschafter sie verlassen hatten, kam sie der Aufforderung nach (V. 21).

Die Werke, in denen sich der Glaube zeigt (V. 21)

Der Glaube Rahabs offenbarte sich durch ihr Verhalten gegenüber den Kundschaftern. Er verschaffte ihr einen Platz in der «grossen Wolke von Zeugen», die uns im Hebräer-Brief vorgestellt wird (Heb 11,31). Sie wird dort von der Masse der Ungläubigen unterschieden.

In Jakobus 2 wird Rahab zusammen mit Abraham erwähnt, um den Menschen den Wert der Glaubenswerke zu zeigen. In den Augen der Welt ist Abraham ein Mörder, weil er seinen Sohn Isaak opferte. Und Rahab ist eine Verräterin an ihrem Volk, indem sie die Kundschafter aufnahm und auf einem anderen Weg wieder entliess. Aber es offenbarte sich bei beiden die Echtheit des Glaubens durch Werke.

Das Leben Rahabs

Die Geschichte Rahabs endet nicht hier. Durch ihren Gehorsam gegenüber den Anweisungen, die ihr das Heil versicherten, wurden sie und ihre Familie gerade durch die beiden Kundschafter, die sie versteckt hatte, vom Gericht verschont (Jos 6,22–25). Rahab wurde zunächst ausserhalb des Lagers Israels gelassen. Aber es war ihr Wunsch, da zu wohnen, wo es ihr Herz hinzog: inmitten des Volkes Gottes. Den gleichen Wunsch finden wir später bei Ruth (Rt 1,16).

Rahab wurde die Frau Salmons und gebar Boas. Ihr Name findet sich im Geschlechtsregister des Messias wieder, eine Ehre, die, abgesehen von Maria, der Mutter des Herrn, vier Frauen erhielten: Tamar, Rahab, Ruth und Bathseba. Von Verachtung und Schmach durch ihre Herkunft und Lebensweise gekennzeichnet, wurden sie von der Gnade Gottes zu Gefässen der Begnadigung geformt, bereitet zu seiner Herrlichkeit.

Der Glaube Rahabs ist deshalb bemerkenswert, weil sie sich mit dem Volk Israel identifizierte, bevor dieses Volk überhaupt einen Sieg in Kanaan davongetragen hatte. Auch der Schächer am Kreuz hatte dieses geistliche Verständnis, als er im verachteten Erretter die Herrlichkeit seines Reiches entdeckte (Lk 23,42).

Die Rückkehr der beiden Kundschafter (V. 22–24)

Die Begebenheit endet mit der Aussage der beiden Kundschafter, die Josua versicherten, dass der Herr das Land in die Hand Israels gegeben hätte. Was für ein Unterschied im Vergleich zur Rückkehr der zwölf Kundschafter, die 40 Jahre früher das Land ausgekundschaftet hatten und zu denen Josua damals gehörte (4. Mo 14,6). Das Volk hatte eine wichtige Lektion gelernt.

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