Betrachtung über das Buch Josua (Synopsis)

Kapitel 2

Betrachtung über das Buch Josua (Synopsis)

Das zweite Kapitel enthält die interessante Geschichte der Rahab.

Wie schön ist es zu sehen, wie die Gnade Gottes ihre Marksteine von Anbeginn aufstellt, damit das Auge des Glaubens erkennen kann, wo zu ruhen ist, wenn Gott gezwungen ist, Sein Handeln betreffs der Menschen, wie auch seine Beziehungen mit dem Menschen einzuschränken, bis das kostbare Blut Christi dieser Gnade volle Reichweite und volle Freiheit bahnte! Same des Weibes, Same Abrahams, Same Davids – es engt sich immer mehr ein. Selbst die Verheißungen, was die Regierung Gottes betrifft, machen dem Gesetz Raum, bis ein Kleiner Überrest Israels – ebenso hochmütig wie arm – zu dem Gefäß wird, das einen noch kleineren Überrest der Treuen enthält, die auf die Erlösung Israels warteten.

Welch oberflächliche und doch wahre Gedanken wurden in den Herzen dieser teuren Heiligen gefunden, verglichen mit den Hoffnungen eines Abraham und den feierlichen Aussprüchen eines Henoch! Der Herr – immer vollkommen, immer kostbar – konnte wohl sagen (man versteht es, obwohl die Tiefen Seines Herzens unendlich über unsere Reichweite hinausgehen): „Ich habe aber eine Taufe, womit ich getauft werden muß, und wie bin ich beengt, bis sie vollbracht ist!“ Doch für den Glauben hat es diese Signale stets gegeben. Wenn Gott handelt, so geht Er über die Grenzen der bestehenden Zeitverwaltung hinaus und überschreitet Seine festgesetzten Beziehungen mit dem Menschen.

Auf diese Weise haben sich die göttliche Natur Jesu und die göttlichen Rechte Seiner Person kundgetan. Er war nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt. Dies war die Grenze Seiner formellen Beziehung zu den Menschen. Wenn aber der Glaube die Güte Gottes erfasst, kann sich dann diese Güte selbst verleugnen oder sich auf diejenigen beschränken, die zu der Zeit die alleinigen Gegenstände Seiner Zeitverwaltung waren? Nein, Christus konnte nicht sagen, Ich bin nicht und Gott ist nicht in dem Grade gütig, wie ihr es euch vorgestellt habt. Wie konnte Gott Sich Selbst verleugnen? Die Syro-Phönizierin bekommt, worum sie bittet. Kostbares Vorrecht des Glaubens, der Gott durch alles hindurch kennt und anerkennt, der Ihn ehrt, wie Er ist, und Ihn immer als das findet, was Er ist!

Worin erwies sich jener Glaube in Rahab, den der Apostel als Muster anführt? – ein bewundernswerter Beweis, daß die Art und Weise, wie Gott in Gnade handelt, vor und über dem Gesetz steht, daß die Gnade die dem Menschen vom Gesetz vorgeschriebene Grenze überspringt, selbst während sie seine Autorität aufrechterhält – eine Autorität jedoch, die sich nur im Verdammen äußern kann! Was war denn der Glaube Rahabs? Es war der Glaube, der erkennt, daß Gott mit Seinem Volke ist, wie schwach und wenige sie auch sein und sie ihr Erbteil noch nicht besitzen mögen, die, ohne ein Land zu besitzen, auf Erden wandern, aber von Gott geliebt werden.

Wenn Abraham Gott glaubte, als noch kein Volk da war, so machte sich Rahab mit diesem Volke eins, als sie nichts außer Gott hatten. Sie wusste wohl, daß das Erbteil ihnen gehörte, wie stark ihre Feinde auch sein mochten; trotz ihrer ummauerten Städte und ihrer eisernen Wagen waren ihre Herzen verzagt. Dies ist stets bei den Werkzeugen des Bösen der Fall, wie der Schein auch sein mag, und zwar wenn sich das Volk Gottes unter der Führung des Geistes Gottes auf dem Pfade des Gehorsams befindet, den Gott für sie vorgezeichnet hat.

Auf diese Weise wird inmitten von Götzendienern dieses arme einfältige Weib, ein schlechtes und verachtetes Glied einer verfluchten, zur Vernichtung verurteilten Rasse, errettet, und ihr Name wird ein Zeugnis für die Herrlichkeit Gottes. Ihr Haus, durch das sichere Zeichen der Schnur des Karmesinfadens erkennbar, wird zur Zuflucht und zur Sicherheit für alle, die dort Schutz suchen, indem sie sich auf das gegebene Versprechen verlassen.

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