Betrachtung über das Buch Josua (Synopsis)

Kapitel 8

Betrachtung über das Buch Josua (Synopsis)

Kapitel 8 schildert die Rückkehr Israels zu seiner Kraft in Gott.

Wenn das Volk durch die Sünde Achans bloßgestellt worden war, so war es erforderlich, daß sie spürbar zu Vertrauen wiederhergestellt, daß sie befestigt würden, und daß sie demzufolge durch alles hindurchgehen mussten, was zu ihrer Wiederherstellung notwendig war. Sie mussten vieles erleben. Viele solche Erfahrungen wären durch einen Wandel in der Einfalt und der Lauterkeit des Glaubens vermeidbar. Jakob hatte mehr von diesen Erfahrungen als Abraham, und da, als Abraham untreu war, musste er das meiste durchmachen (d. h. solche Erfahrungen, die wirklich spürbare Herzensübungen hervorrufen). Gott gebraucht dieses aber, um uns zu lehren, was wir sind und was Er ist: zwei Dinge, die, wenn wir sie nicht kennen, solche Erfahrungen notwendig machen.

Der Erfolg ist jetzt gewiss, aber das ganze Volk muß wider diese kleine Stadt heraufziehen, die nach menschlichem Ermessen von zwei- oder dreitausend Mann hätte eingenommen werden können. Das ist ein scharfer Verweis für den Hochmut und die falsche Zuversicht. Wie sehr muß sich Josua nun abmühen! Er legt einen Hinterhalt, gibt vor zu fliehen, und alles dieses, um eine kleine Stadt einzunehmen, und schließlich liegt nicht viel Ruhm darin. Es kostet mehr Mühe, auf den Pfad des Segens zurückzukehren, als es gekostet hätte, das Böse zu vermeiden. Man kann aber auf keinem anderen Wege die Einfalt des Glaubens und ihre natürliche Kraft wiedererlangen.

Unterdessen ist die Macht Gottes mit ihnen, und alles gelingt, obwohl die Bekundung dieser Macht nicht so ist wie bei Jericho. Nach dem Befehl Gottes streckte Josua den Spieß, den er in der Hand hatte, schließlich gegen die Stadt aus. Es scheint nicht so, daß der Hinterhalt dies sah, oder daß es ein vereinbartes Signal war 1. Sobald aber die Hand ausgestreckt wurde, machte sich der Hinterhalt auf, kam in die Stadt und zündete sie mit Feuer an. Es ist so, daß der Herr, indem Er durch Seinen Geist im günstigen Augenblick wirkt, Tätigkeit in denen erzeugt, die vielleicht nicht einmal wissen warum. Zu einer gegebenen Zeit werden sie vorwärts getrieben und sie denken, daß sie aus eigenen Beweggründen handeln, während es der Herr ist, der alle ihre Schritte in Einklang mit dem lenkt, was Er anderswo tut, und so bringt Er den Erfolg der ganzen Angelegenheit zustande.

Es ist höchst interessant, den Herrn also als die verborgene Triebfeder allen Handelns zu sehen, indem Er der Tätigkeit Seiner Kinder den Antrieb gibt, die im einzelnen nicht wissen, was sie in Bewegung setzt, obwohl ihnen im ganzen der Sinn Gottes geoffenbart ist, wie Israel auch die allgemeinen Befehle Josuas hatte. Wenn Christus den Speer ausstreckt, so gerät alles in Bewegung, um die Ratschlüsse Seiner Weisheit zustande zu bringen und zu den zuvorbestimmten Ergebnissen Seiner mächtigen Gnade zu führen. Mögen wir bloß den Glauben haben, daran zu glauben!

Wir haben in diesem Kapitel noch zwei wichtige Tatsachen zu bedenken. Bei der Einnahme von Jericho hatte Jehova schon gezeigt, daß es Seine Macht allein war, die den Sieg gab, oder besser, die alles vor Israel fallen ließ, da der Fürst dieser Welt keine Macht vor Ihm hatte, und da das Gold und das Silber Jehova gehörten, sollte das Volk nicht nach den Schätzen dieser eroberten Welt trachten, noch sich mit deren Beute bereichern. Im allgemeinen aber nahm Israel, wenn es seine Feinde ausgerottet hatte, alles in Besitz, was zum verheißenen Lande gehörte.

Da nun diese zwei großen Grundsätze festgelegt sind (nämlich daß die Macht Gottes mit Seinem Volke ist, und daß Er im Lager Heiligkeit und Weihe Ihm gegenüber bewahrt haben will), ergreift Josua formell vom ganzen Lande, als Jehova gehörend, Besitz.

Dies ist nicht das Feiern des Gedächtnisses ihrer Errettung durch das Blut des Lammes, noch ist es, sich von dem Erzeugnis des himmlischen Landes am Orte der Ruhe zu nähren, da wo in Frieden der Gnade und Vollkommenheit Christi und der von Ihm vollbrachten Erlösung gedacht wird. Das Volk verfährt mit dem Lande selbst so, daß es von Rechts wegen Jehova gehört, und zwar nach der Kraft der geistlichen Macht, die handelt, um Seine Rechte zu behaupten, und welche sie anerkennt, obwohl die Eroberung des Landes eben erst begonnen wurde. Vor Jericho (im Vorbilde) hatten sie Gemeinschaft mit dem Kreuze und mit den Dingen droben, ohne einen Schlag zu führen.

Da hier die Bedingungen des Krieges festgelegt wurden, erklären sie im voraus öffentlich, daß es Jehovas Land ist. Obwohl Satan immer noch im Besitz des bestrittenen Landes ist, gehört es von Rechts wegen Jehova. Es waren zwei Handlungen, durch die Josua die Richtigkeit hiervon bestätigte. Er befahl, daß der Leichnam des Königs von Ai vom Baum heruntergenommen werde, sobald die Sonne unterging. Das ist die Satzung von 5. Mo 21, 22. 23: „... so soll sein Leichnam nicht über Nacht an dem Holze bleiben, sondern du sollst ihn jedenfalls an demselben Tage begraben; denn ein Fluch Gottes ist ein Gehängter; und du sollst dein Land nicht verunreinigen, das Jehova, dein Gott, dir als Erbteil gibt.“ Der Sieg Israels war vollständig. Der Fluch war über ihre Feinde verhängt, die auch Gottes Feinde wären. Sie wurden zum Flüche (zum Banne) gemacht und als solche erklärt. Nach dem Glauben Josuas gehörte nun das Land als die Gabe Gottes so ganz und gar Israel, daß es nicht verunreinigt werden sollte, er ließ deshalb den Leichnam herunternehmen, damit das Land tatsächlich nicht verunreinigt wird.

Die andere Handlung war, daß Josua einen Altar auf dem Berge Ebal errichtete. Indem sie von Kanaan als von einem geweihten Lande Besitz ergriffen hatten, erkennen sie Jehova als den Gott Israels dadurch an, daß sie Ihn im Lande anbeten. Der Altar war als Zeuge und als ein Bund zwischen dem Volke und Jehova da, der ihnen das Land gegeben hatte. Die Errichtung dieses Altars wurde schon bei der Betrachtung des fünften Buches Mose besprochen, und ich werde nicht darauf zurückkommen. Ich überlasse es dem Leser zu urteilen, ob Josua besser getan hätte, diesen Altar sofort nach dem Durchgang durch den Jordan zu errichten. Sei das, wie es sein mag, wir wenden uns Gott nicht immer sofort zu, wenn wir das, was Seine Macht gewirkt hat, genießen. Daß wir es nicht tun, beweist nur unsere Torheit, sei es in bezug auf die Dinge, die mit unserer Freude oder unserer Sicherheit verbunden sind. Hier hatte der Herr im Sinn, uns das Zeugnis der göttlichen Kraft und der menschlichen Schwachheit zu geben, bevor das Land in Seinem Namen öffentlich in Besitz genommen wurde: durch den Gegensatz sollte ihnen die praktische Verwirklichung dessen, daß sie in Kraft jenseits des Jordans und in Gilgal waren, eingeprägt werden. Das Land wird in Verbindung mit der Verantwortlichkeit Israels unter dem Gesetz in Besitz genommen.

Jetzt verliest Josua vor dem ganzen Volke nicht nur die Flüche, die mit dem Übertreten des Gesetzes verbunden sind, sondern alles, was die Wege Gottes in der Regierung des Volkes kundmachte.

Fußnoten

  • 1 Es scheint vielmehr kein vereinbartes Signal zu sein, sondern daß diese Handlung die Bedeutung hatte, die ich ihr hier beigemessen habe, denn Josua zog seine Hand nicht zurück, bis sie alle Bewohner von Ai vollständig vertilgt hatten, und das stimmt nicht mit der Bedeutung eines bloßen Signals überein.
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