Sei stark und mutig!

Kapitel 14-15

Das Erbteil Judas in Gilgal

Einführung (14,1-5)

Von nun an spielen sich die Dinge im Land selbst ab, also westlich des Jordan. Die Kapitel 14 bis 19 geben die Aufteilung des Landes unter die neuneinhalb Stämme Israels wieder.

In Gilgal empfingen nur zweieinhalb Stämme durch das Los ihr tatsächliches Erbe im Land. Es wurde ihnen durch Eleasar und Josua, zusammen mit den Häuptern der Väter, ausgeteilt (V. 1). Es handelt sich im Grunde nur um Juda und Joseph. Beide Stammväter sind ein wunderbares Vorbild von Christus: Christus wird in Joseph als der Erstgeborene und in Juda als der König vorgebildet. Beide ersetzten Ruben, den Ältesten der Familie Jakobs: «Sein Erstgeburtsrecht wurde den Söhnen Josephs, des Sohnes Israels, gegeben; aber er wird nicht nach der Erstgeburt verzeichnet. Denn Juda hatte die Oberhand unter seinen Brüdern, und der Fürst kommt aus ihm; aber das Erstgeburtsrecht wurde Joseph zuteil» (1. Chr 5,1.2). Aus diesem Grund empfing Joseph ein doppeltes Teil, so dass seine beiden Söhne Manasse und Ephraim zwei einzelne Stämme bildeten.

Das Erbteil Judas wird zunächst in den Kapiteln 14 und 15 vorgestellt, gefolgt von dem der beiden Söhne Josephs. Das Erbe Ephraims wird in Kapitel 16 und das des halben Stammes Manasse, der den Jordan überquert hatte, in Kapitel 17 genannt.

Die sieben letzten Stämme (Benjamin, Simeon, Sebulon, Issaschar, Aser, Naphtali und Dan) empfingen ihr Erbe in Silo, wo die ganze Versammlung Israels um das Zelt der Zusammenkunft vereint war (Kapitel 18.19). Das leuchtende Beispiel Kalebs geht zu unserer Unterweisung und Ermunterung dem detaillierten Bericht der Besitzergreifung des Landes durch die einzelnen Stämme voraus.

Kaleb, ein Mann des Glaubens (14,6-12)

Kaleb hob sich durch seinen Glauben und sein Festhalten am Herrn von der Lauheit und dem Mangel an Energie des Volkes im Allgemeinen ab. Er trat zum ersten Mal bei der Aussendung der Kundschafter Israels zur Erkundung des Landes auf (4. Mo 13.14). Kaleb repräsentierte damals den Stamm Juda, während Josua, der seitdem so oft mit ihm verbunden war, den Stamm Ephraim, des Sohnes Josephs, verkörperte.

Beim Gang durch Hebron begegneten die zwölf Kundschafter den drei Riesen. Diese Söhne Enaks sind gemeinsam ein Bild der Welt, die sich Gott entgegenstellt. Menschlich gesehen waren sie furchterregend genug, um die Kundschafter zu entmutigen. Aber diese vergassen nicht nur die hervorragenden Früchte des Landes (repräsentiert durch die Traube von Eskol), sondern vor allem die Verheissungen Gottes und seine Macht.

Kaleb und Josua versuchten vergeblich, die zehn anderen Kundschafter, die durch ihre Schilderung des Landes das Volk entmutigte, zum Schweigen zu bringen. Als die Versammlung Israels gegen Gott murrte, nahmen die beiden treuen Kundschafter den angemessenen Platz der Demütigung ein (4. Mo 14,6-10). Der Glaube Kalebs wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet (vgl. Rö 4,3). Er durfte nicht nur mit Josua zusammen am Leben bleiben, sondern Mose verhiess ihm einen Segensanteil im Land (Jos 14,9; 5. Mo 1,36) - und zwar genau den Ort, auf den sein Fuss damals schon getreten war: Hebron.

Der Name Kaleb bedeutet «junger Löwe» («der Kleine der Löwin» oder «der Kleine der Bärin»), ein Ausdruck, mit dem Jakob in seiner Prophetie Juda bezeichnete (1. Mo 49,9). Für Kaleb war der Löwe das Bild der Energie und der Kraft dessen, «der vor nichts zurückweicht» (Spr 30,30). In Christus werden sich diese Charakterzüge vollkommen offenbaren, wenn der Löwe aus dem Stamm Juda (Off 5,5) in Herrlichkeit und Macht auf die Erde zurückkommen wird.

Für uns Christen muss diese natürliche Energie ständig unter der Kontrolle der Macht des Heiligen Geistes sein, sonst laufen wir Gefahr, in den traurigen Zustand Nabals, einem Nachkommen Kalebs in der Zeit Davids, zu fallen: «Der Mann aber war hart und boshaft in seinen Handlungen, und er war ein Kalebiter» (1. Sam 25,3).

Kaleb offenbarte im Gegensatz dazu die Sanftmut des Geistes und viel Demut, weil er allein auf Gott rechnete und nicht auf seine eigene Kraft: «Vielleicht ist der Herr mit mir, dass ich sie vertreibe» (V. 12). In Kalebs Glauben kamen noch andere belehrende Züge zum Vorschein:

Die Energie und die Gewissheit des Glaubens (Heb 10,22)

Josua, der Führer des Volkes, stellt im Bild Jesus als den Anfänger des Glaubens (Heb 12,2) vor, als den, der den ersten Schritt tut und an der Spitze geht. Wenn auch die menschlichen Kräfte Josuas schwächer wurden, bleiben die des Christus doch ewig gleich wie die der Sonne (Off 1,16; Ps 19,5.6; 45,4.5). Kaleb konnte mit Freude bezeugen, dass seine Kräfte nicht nachgelassen hatten (V. 11). Er ist ein Bild von Christus als dem Vollender des Glaubens (Heb 12,2). Er ist der, der das Leben und den Weg des Glaubens zu ihrer Vollkommenheit und Fülle gebracht hat.

Die Wertschätzung des verheissenen Erbteils

Kaleb mass seinem Erbteil einen hohen Wert bei: «Nun gib mir dieses Gebirge» (V. 12). Darin lag nichts Weltliches wie bei Esau. Nein, Kaleb schätzte die göttliche Segnung. Sein Wunsch entsprach dem des Apostels Paulus im Blick auf den Kampfpreis des christlichen Wettlaufs (Phil 3,12-14).

Die volle Gewissheit der Hoffnung (Heb 6,11)

Kaleb fügte die Gewissheit der Hoffnung zu der seines Glaubens in einer solch lebendigen Weise hinzu, dass sie sich auf andere übertrug: Seine Tochter Aksa legte die gleiche Energie wie ihr Vater an den Tag, um die Segnung zu empfangen.

Die Glaubenstaten

Der Glaube ist das wert, was er gekostet hat: Bevor der Gläubige die kommende Ruhe geniessen kann, steht der Kampf als sein normales Teil in dieser Welt an. Wenn uns der Glaube Kalebs als Beispiel vorgestellt wird, sollten wir berücksichtigen, was das für ihn bedeutete. Wahrscheinlich waren fünf Jahre des Kampfes notwendig, um das Erbteil den Händen des Feindes zu entreissen (V. 10).

Die Erprobung des Glaubens

Zum Schluss noch den wertvollsten Punkt: Gott wollte den Glauben Kalebs auf die Probe stellen. Kaleb hatte vor der gesamten Versammlung Israels erklärt - und ausser Josua und ihm selbst wurden alle in der Wüste hingestreckt - dass sie gut im Stande sein würden, das Land in Besitz zu nehmen (4. Mo 13,30). Jetzt, nach vielen Jahren, war die Zeit gekommen, es zu beweisen. Kaleb musste sich persönlich im Kampf einsetzen, um Hebron aus den Händen Enaks und seiner drei Söhne (Bilder von Satan und der Macht der Welt) zu entreissen. Das Vertrauen in die Verheissungen und die Allmacht Gottes schenkten Kaleb einen vollständigen Sieg.

Kaleb und die Stadt Hebron (14,13-15)

Hebron, eine Stadt in Juda, wurde der Wohnsitz des Glaubensmannes Kaleb. Die Stadt wurde später einer der Zufluchtsorte in Israel (Jos 21,13). Als Zufluchtsstadt (im Vorbild: Jesus Christus selbst) wurde sie so der priesterlichen Familie gegeben. Es scheint, dass Kaleb durch den Glauben sein Besitztum Gott zurückgab, um für sich nur das Feld und die Dörfer der Stadt zu behalten (Jos 21,11.12). Gibt es etwas Besseres für uns, als diesen treuen Diener Gottes nachzuahmen?

Hebron war inmitten der Untreue des Volkes für Kaleb der Ausgangspunkt seiner Glaubensprüfung gewesen. Am Ende seines Lebens war es der Ort der Ruhe, der seine Arbeit und sein Leid krönte. Erinnern wir uns daran, dass Kaleb mit Josua ohne Murren die 40 Jahre Erprobung in der Wüste geteilt hat. Dieses Gericht Gottes war ja die Konsequenz einer Untreue des Volkes, gegen die Josua und Kaleb sich zu Recht erhoben und an der sie keinen Anteil hatten.

Die Versammlung auf der Erde kennt auch Nöte, die Folgen ihrer früheren Untreue sein können. Betrachten wir sie demütig als Ausdruck der Treue Gottes gegenüber denen, die Er liebt? Lasst uns den Glaubensblick wie Kaleb auf den Tag der Ruhe und des ewigen Erbteils richten.

Das Kapitel 14 endet mit diesem Gedanken der Ruhe (V. 15). Nachdem die Ruhe schon als Ergebnis der Treue Josuas erwähnt wurde (Jos 11,23), wird sie hier mit den Glaubenstaten Kalebs verbunden.

Othniel und Aksa (15,13-19)

Die Geschichte Kalebs wird mit dem so aufschlussreichen Bericht über Othniel und Aksa fortgeführt. Kaleb hatte Hebron in Besitz genommen, indem er die drei Söhne Enaks vertrieb. Das ist der einzige vollständige Sieg, der in Israel über seine Feinde errungen wurde.

Die Energie des Glaubens blieb jedoch nicht dabei stehen. Kaleb wollte auch Kirjat-Sepher erobern. Der Name Kirjat-Sepher bedeutet «Stadt der Löwen». Sie ist ein Bild der Macht der Menschen, denen die Gedanken Gottes fremd sind. Es handelte sich um Debir (V. 15), eine Stadt, die bei den ersten Feldzügen Josuas (Jos 10,38) schon erobert wurde und deren wirklicher Besitz jetzt sichergestellt werden musste.

Othniel, der Neffe von Kaleb, antwortete auf den Appell des Glaubens. Er würde der erste der zwölf Richter sein, durch die Gott sein Volk befreite (Ri 3,9). Die Einnahme von Debir ist für uns so bedeutend, dass der Bericht zweimal in der Schrift zu finden ist (Jos 15,13-19; Ri 1,11-15).

Aksa, die Tochter Kalebs, wurde die Frau des Eroberers von Kirjat-Sepher. Sie hatte schon ein Mittagsland von ihrem Vater bekommen. Jetzt wünschte sie sich eine Wasserquelle, um es zu bewässern und von der Sonneneinstrahlung abzukühlen. Kaleb übertraf ihre Bitte und gab ihr

die oberen Quellen, die auf Christus in der Herrlichkeit und die himmlischen Segnungen in Ihm hinweisen;

die unteren Quellen, die einem Land entspringen, auf das Gott beständig seine Augen richtete (5. Mo 8,7; 11,12). Das ist ein Bild des Heiligen Geistes auf der Erde.

Die Bitte Aksas, die ihren Vater dazu veranlasst hatte, sie so reich zu beschenken, spornt uns an, unser himmlisches Erbteil mit Gebet praktisch in Besitz zu nehmen. Die drei Ausdrücke: «Du hast mir gegeben», «gib mir», «da gab er ihr» (Jos 15,19) fassen den Wunsch und die Antwort des Glaubens von Aksa zusammen. Möge doch jeder einzelne von uns auf geistlichem Gebiet diese Erfahrung machen!

Othniel führte als Haupt dieser Familie das Werk Kalebs fort, genauso wie Timotheus das Werk von Paulus in der Versammlung weiterführte. Aksa kümmerte sich an ihrem Platz um den verborgenen Bereich der Familie.

Die Versammlung auf der Erde benötigt motivierte Streiter gegen die Feinde. Es ist ein Kampf gegen Satan und seine Engel. Dazu müssen die Heiligen von Christus genährt und erfrischt werden. Er ist die lebendige Quelle, die mittels des Heiligen Geistes in uns wirkt. Das Wasser wird in ihnen ein lebendiger Brunnen (Joh 4,14) und «Ströme lebendigen Wassers» werden (Joh 7,38).

Die Hindernisse bei der Inbesitznahme des Landes

Ermuntert durch das strahlende Beispiel von Kaleb, Aksa und Othniel, werden wir aber auch über die Hindernisse bei der Besitzergreifung des verheissenen Landes in Kenntnis gesetzt.

Die Schrift stellt uns mindestens drei solcher Hindernisse vor:

a) Die menschliche Unfähigkeit: Die Kinder Juda vermochten die Jebusiter nicht aus Jerusalem zu vertreiben (Jos 15,63). Genauso waren die Kinder Manasse nicht imstande, die Kanaaniter zu enteignen, die in ihren Städten blieben, wenn auch tributpflichtig (Jos 17,12.13).

b) Die Kompromisse und die Vereinbarungen mit den Feinden: Ephraim liess die Kanaaniter inmitten des Volkes wohnen (Jos 16,10). Obwohl der Feind durch einen Tribut unterjocht war, blieb er doch ein Fallstrick und eine Geissel für das Volk Gottes (Jos 23,13).

c) Die Nachlässigkeit des Volkes, das Land in Besitz zu nehmen: Josua prangerte sie an (Jos 18,3). Sie steht im Gegensatz zum tatkräftigen Glauben Kalebs. Dieser Zustand der Passivität ist das Ergebnis geistlicher Trägheit (Spr 10,4). Er führt dazu, sich dem Aufruf Gottes zu entziehen (Jos 1,5.6).

Das Erbteil Judas (15,1-12.20-63)

Das Los, ein Ausdruck für die souveräne Wahl Gottes, fiel zunächst auf Juda, den königlichen Stamm (V. 1). Er bekam den vornehmsten und grössten Teil des Erbes, mit Jerusalem, der königlichen Stadt, als Zentrum. Juda, der von seinen Brüdern gepriesen wurde, sollte das königliche Zepter und den Stab des Gesetzgebers besitzen (1. Mo 49,8-10).

Die königliche Stadt trug hier noch den Namen Jebus (Wohnsitz der Jebusiter, V. 8). Sie liegt nahe beim Tal Hinnom, das ein Bild der moralischen Finsternis ist. Der Ort Gehenna (= Qualen) befand sich im Süden von Jerusalem und hat seinen Namen dieser Schlucht entnommen (ge-hinom). Später war der ganze Einsatz Davids - der das Bild eines noch grösseren als er selbst ist - nötig, um aus dieser Stadt einen Ort der königlichen Gnade zu machen, frei von Feinden und rein von Befleckungen. Dort wollte Gott wohnen, «dass mein Name dort sei in Ewigkeit» (2. Chr 7,16).

Das Erbteil Judas umfasste 112 Städte, die in vier Regionen aufgeteilt waren: den Süden, das flache Land, das Gebirge und die Wüste.

Vom Gebirge kann sich der Blick auf das Land erstrecken und man kann die Schönheit der Stadt Gottes bewundern (Ps 122,3-8). So hatte früher Mose das Land vom Gipfel des Pisga aus betrachtet (5. Mo 34,1-3). Später wurde der Apostel Johannes im Geist «auf einen grossen und hohen Berg» geführt, um das neue Jerusalem zu sehen (Off 21,10).

Die Wüste Juda war der Zufluchtsort des Königs David während seiner Verbannung. Dort komponierte er die bewegenden Lieder, die die Erfahrungen seiner Seele während dieser Glaubensprüfung ausdrücken (Ps 63,1). Während des Tausendjährigen Reiches wird die Wüste aufblühen (Jes 35,1). Sie wird bewässert durch die Wasser, die aus dem Heiligtum hervorfliessen, um der Erde Leben und Fruchtbarkeit zurückzugeben (vgl. Hes 47,12).

Zwei Einzelheiten berühren hier besonders unser Gewissen:

Die Städte der Philister, Ekron, Asdod und Gaza (V. 45-47), werden nicht mit den anderen Städten des Erbteils aufgezählt. Es scheint, als ob Juda nicht wirklich Besitz von ihnen ergriffen hätte und ihre Einwohner nicht vertrieben hat. Die Philister sind ein Bild der Christen, die nur ein äusseres Bekenntnis haben, aber kein Leben aus Gott besitzen. Die Philister würden noch eine traurige Rolle in der Geschichte Israels spielen, vor allem in der Zeit Simsons, der allein gegen sie übrig blieb (Ri 15,11), oder als sie später die Bundeslade wegnahmen (1. Sam 5,1).

Die Kinder Juda konnten die Jebusiter in Jerusalem nicht vertreiben (V. 63). Hier stellt die Schrift zum ersten Mal die Untreue des Volkes fest, ihr Erbe im Land nicht vollständig zu ergreifen. Wenn uns die Kraft fehlt, unsere geistlichen Feinde zu bekämpfen, verlieren wir unweigerlich die Freude an der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes.

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