Der Prophet Daniel und seine Botschaft
alter Titel: Notizen zum Buch Daniel

Kapitel 7 - Die vier Tiere aus dem Meer

Der Prophet Daniel und seine Botschaft

Der zweite Teil des Buches Daniel

Mit Kapitel 7 beginnt der zweite Teil des Buches. Selbst dem flüchtigen Bibelleser wird unmittelbar klar, dass dieser Teil anders ist als der erste Teil. Das große Thema dieses Propheten sind die vier Weltreiche und ihre Geschichte, aber die Darstellung und die Schwerpunkte im zweiten Teil unterscheiden sich vom ersten Teil.

  • Die Kapitel 1–6 zeigen uns, dass Gott die Regierungsverantwortung in die Hand der Könige der Nationen gegeben hat, die aber in dieser Verantwortung völlig versagt und ihr nicht entsprochen haben. Sie haben für sich selbst gelebt und all die hässlichen Charakterzüge offenbart, die in dem letzten – noch kommenden – Reich sichtbar werden. Gott gibt uns anhand der Geschichte dieser Könige eine Vielzahl von praktischen Lektionen. Gleichzeitig erhalten wir prophetische Hinweise auf eine noch zukünftige Zeit. Nebukadnezar war von Götzendienst und Ignoranz im Blick auf die Rechte Gottes gekennzeichnet. Gleichzeitig erhob er sich selbst arrogant über Gott. Bei seinem Nachfolger Belsazar sahen wir offene Gottlosigkeit und Verhöhnung des Gottes Israels, während Darius noch einen Schritt weiterging und in einem gewissen Sinn die Stelle Gottes selbst einnehmen wollte. Genau das sind Kennzeichen, die wir in der „Zeit des Endes“ – kurz bevor der Herr Jesus auf diese Erde zurückkommt – wiederfinden werden.
  • In den Kapiteln 7–12 unterrichtet Gott uns auf eine andere Weise. Es geht nicht mehr um geschichtliche Ereignisse im Leben dieser Könige, sondern – von wenigen Ausnahmen abgesehen – um Gesichte und Visionen, die Gott Daniel gab und die dieser aufgeschrieben hat. Wieder sehen wir die vier Weltreiche (wobei zwei davon besonders behandelt werden),1 aber hier steht vor allem ihre Beziehung zu dem gläubigen Überrest aus Juda im Vordergrund.2 Diese gläubigen Juden werden sehr leiden und gezüchtigt werden, dennoch sind sie in Gottes Hand, der alles in seiner Vorsehung unter Kontrolle hält. Die Absicht Gottes ist es, diesen Überrest am Ende unter die Herrschaft des Herrn Jesus und den wunderbaren Segen des Tausendjährigen Reiches zu bringen.

Es sind diese drei Tatbestände, die uns Mut machen und die immer wieder erwähnt werden:

  • Gott hält alles in seiner Hand.
  • Gott hat immer einen Überrest.
  • Gottes Ziel ist es immer, seinen Sohn zu verherrlichen.

Beim Lesen der Kapitel fallen uns einige Besonderheiten auf:

  • Während die Kapitel 1–6 einer chronologischen Ordnung folgen, greifen die Kapitel 7–12 punktuell in die Zeit zurück, die im ersten Teil des Buches beschrieben wird. Zu Beginn von Kapitel 7 befinden wir uns im ersten Jahr des Königs Belsazar (551/550 v. Chr.). Kapitel 8 findet im dritten Jahr desselben Königs statt. In Daniel 9 befinden wir uns am Anfang der Regierung des Mederkönigs Darius (538/539 v. Chr.), während Kapitel 10 uns in das dritte Jahr des Perserkönigs Kores (537/536 v. Chr.) mitnimmt. Kapitel 11 und 12 blenden dann wieder in das erste Jahr von Darius zurück. Es ist offensichtlich, dass Gott hier nicht einer chronologischen Ordnung, sondern einer moralischen Ordnung folgt.
  • Gott offenbart sich Daniel und lässt ihn an seinen Plänen und Absichten teilhaben. Daniel war ein Prophet und so bekam er – wie viele andere Propheten – Mitteilungen von Gott. Allerdings wird ihm nicht gesagt, dass er diese Mitteilungen an andere weitergeben soll. Im Gegenteil: In Kapitel 12,4 wird ausdrücklich gesagt, dass er die Worte verschließen und das Buch bis zur Zeit des Endes versiegeln soll. Es sind Mitteilungen für Daniel, aber nicht für das Volk. Üblicherweise benutzt Gott seine Propheten, um eine Botschaft an sein Volk zu richten. Bei Daniel ist das anders. Man hat das Buch Daniel oft und zu Recht mit der Offenbarung verglichen.3 Aber hier sehen wir einen deutlichen Unterschied. Johannes sollte das, was er gesehen und aufgeschrieben hatte, ausdrücklich nicht versiegeln (Off 22,10), sondern in ein Buch schreiben und es den sieben Versammlungen in Kleinasien schicken (Off 1,11). Natürlich hatte das, was Daniel sah und hörte, eine Relevanz für sein Volk, aber Gott hält es hier für gut, seine Gedanken nur mit Daniel zu teilen und nicht mit anderen.
  • In der ersten Hälfte des Buches träumen die Könige oder werden – wie im Fall von Belsazar – ins Licht Gottes gestellt. Daniel ist es, der ihre Träume erklärt und ihre Fragen beantwortet. In der zweiten Hälfte ist das anders. Dort hat Daniel selbst Träume und Gesichte und benötigt Hilfe von anderen, die ihm die Bedeutung sagen.
  • In den ersten sechs Kapiteln bekommen wir an vielen Stellen praktischen Anschauungsunterricht für unser Leben. Die prophetischen Hinweise liegen manchmal unter der Oberfläche verborgen. In den Kapiteln 7–12 ist es gerade umgekehrt. Dort stehen die prophetischen Aussagen im Vordergrund. Allerdings werden wir auch in diesen Kapiteln praktische Hinweise für den Alltag bekommen.

Ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis

Wir werden die Kapitel 7–12 nur dann wirklich verstehen, wenn wir folgende Punkte sorgfältig bedenken:

  1. Alles, was Daniel hier offenbart wird, war für ihn zukünftig. Gott spricht nicht über die Vergangenheit, sondern über die Zukunft.
  2. Aus unserer heutigen Perspektive müssen wir allerdings sorgfältig zwischen dem unterscheiden, was sich bereits in der Geschichte erfüllt hat (z. B. der Aufstieg und Niedergang der ersten drei Weltreiche) und dem, was auch für uns noch in der Zukunft liegt und Bezug auf die Zeit des Endes hat. Wir werden in diesen Kapiteln staunen, wie exakt Gott die Zukunft voraussagt. Die erfüllten Prophezeiungen bestätigen uns, dass Gott alles Weitere erfüllen wird, was noch zukünftig ist.
  3. Die Voraussagen auf die Zeit des Endes bilden den Schwerpunkt in diesem Teil des Buches. Es geht um die großen Konflikte der Endzeit, um das wieder aufkommende Römische Reich (Westeuropa). Es geht um den Antichristen, um den letzten großen Angriff des Feindes aus dem Norden (Syrien), um den König des Südens (Ägypten) und vor allem darum, dass am Ende das Reich des Sohnes des Menschen auf der Erde etabliert werden wird.
  4. Wir müssen beachten, dass Daniel die Haushaltung der Gnade, in der wir leben, nicht berücksichtigt, sondern an manchen Stellen – besonders dann, wenn es um das Römische Reich geht – unmittelbar in die Zeit des Endes „springt“. Wir werden bei der Betrachtung der Details auf diese „Sprünge“ besonders hinweisen.

Es gibt im Alten Testament wiederholt Weissagungen, die sich bereits in der Geschichte erfüllt haben, deren endgültige Erfüllung aber dennoch auch in der Zukunft liegt. Solche Prophezeiungen werden auch „Doppelprophezeiungen“ genannt. Wir finden sie auch in diesem Teil des Buches Daniel.

Daniels Nachtgesichte und ihre Bedeutung

Vers 1 bringt uns in die Regierungszeit der Könige von Babylon zurück und zwar in das erste Jahr Belsazars.4 Wichtig ist, dass man Daniel in dieser Zeit am Königshof weitgehend vergessen hatte. Er verrichtete zwar die „Geschäfte des Königs“ (Dan 8,27), spielte aber – anders als unter Nebukadnezar – keine besondere Rolle. Es war die Zeit, die geschichtlich zwischen den Kapiteln 4 und 5 liegt. Kapitel 7 macht aber klar, dass Gott Daniel nicht vergessen hatte. Mögen Menschen die Gläubigen Gottes vergessen und nicht beachten, so gilt doch, dass das Geheimnis Gottes für die ist, die Ihn fürchten (Ps 25,14). Das erfährt Daniel hier und das erfahren wir ebenfalls.

Daniel 7 gleicht einer Einführung zu dem zweiten Teil des Buches. Man hat das Kapitel mit Kapitel 1 verglichen, aber deutlicher sind die Parallelen zu Kapitel 2. Daniel bekommt eine prophetische Offenbarung von Gott, die wichtige Ergänzungen zu dem beinhaltet, was ihm anlässlich des Traumes von Nebukadnezar in Kapitel 2 kundgetan worden war. Dort ging es um das große Standbild und im Schwerpunkt um eine geschichtliche Darstellung der vier Weltreiche und ihrer Beziehung zueinander (es ist ein Bild, das der König sieht). In Kapitel 7 geht es nicht so sehr um die geschichtliche Darstellung, sondern darum, wie Gott diese Reiche beurteilt, in welcher Beziehung sie zu dem Überrest der Juden stehen und wie ihr Ende sein wird. Das Ende wird zwar auch in Kapitel 2 bereits angedeutet (in dem Stein, der das Bild zerstört). Aber hier wird es deutlich ausführlicher beschrieben.

In Kapitel 2 ängstigte sich Nebukadnezar und hatte Fragen. In Kapitel 7 ist es Daniel, der zweimal von Angst erfüllt ist (Verse 15, 28) und um Erklärungen bittet. Die Fragen, die ihn beunruhigen, konzentrieren sich auf ihn selbst, auf sein geliebtes Volk und seine Zukunft in der Zeit der Nationen. Aus Kapitel 2 wusste er, welchen Gang die Weltreiche nehmen würden. Er war jedoch in Unkenntnis darüber, was sein Volk und die geliebte Stadt (Jerusalem) während dieser Zeit treffen würde.

Daniel kannte einige der früheren Propheten und Psalmen (z. B. das Buch Jeremia). Er hatte sie studiert. Daraus hatte er einiges über die Zukunft Israels und Jerusalems gelernt: Er wusste, dass die Gefangenschaft in Babel 70 Jahre lang dauern würde. Er wusste, dass die Feinde des Volkes Gottes einmal besiegt werden und es ein herrliches Reich auf dieser Erde geben würde. Doch es muss ihm unmöglich gewesen sein, diese verschiedenen „Bruchstücke“ zu einem Bild zusammenzufügen. Deshalb ängstigte er sich über seinen Traum und bat um Aufklärung.5

Gliederung

Das Kapitel kann auf verschiedene Art und Weise eingeteilt werden. Wir folgen nachstehender Gliederung:

  1. Verse 1–6: Das erste Nachtgesicht: Daniel sieht vier große Tiere aus dem Meer aufsteigen.
  2. Verse 7–8: Das zweite Nachtgesicht: Das vierte Tier und ein kleines Horn werden näher beschrieben.
  3. Verse 9–12: Das zweite Nachtgesicht wird fortgesetzt: Das Gericht über die vier Tiere wird festgelegt und ausgeführt.
  4. Verse 13–14: Das dritte Nachtgesicht: Das Reich des Sohnes des Menschen wird vorgestellt und beschrieben.
  5. Verse 15–18: Daniel bekommt eine erste, allgemeine Erklärung zu dem, was er gesehen hat.
  6. Verse 19–27: Daniel bekommt eine Erläuterung zu dem vierten Tier und seinem Ende. Dem letzten Weltreich folgt das ewige Reich des Sohnes des Menschen.
  7. Vers 28: Daniels Reaktion auf das, was ihm offenbart wurde.

Einige Ausleger sehen in diesem Kapitel vier „Gesichte“ (Visionen) Daniels, andere sprechen von drei „Gesichten“. In der Tat erwähnt der Bibeltext drei konkrete Gesichte (Verse 2.7.13). Die Verse 9–12 gehören unbedingt zu diesem dritten Gesicht. Wir werden das im Verlauf der Betrachtung deutlicher sehen.

Dabei ist ohnehin klar, dass die beschriebenen Visionen unbedingt zusammengehören. Das geht aus Vers 1 hervor, wo Daniel „einen Traum und Gesichte seines Hauptes“ sah. Es war ein Traum mit verschiedenen Offenbarungen, denen dann entsprechende Erklärungen folgen. Zuerst sieht Daniel vier Tiere, wobei die ersten drei nur ganz knapp angedeutet werden. Dann folgen Details über das vierte Tier, das in diesem Traum einen wichtigen Platz einnimmt. In den nachfolgenden Erklärungen werden die drei ersten Tiere wiederum nur gestreift, während das vierte Tier und sein Gericht ausführlich beschrieben werden. Wichtiger noch als die vier Tiere ist allerdings die Person dessen, der das Gericht ausübt und dann ein ewiges Reich auf dieser Erde gründet. Es geht um den Herrn Jesus, der in diesem Kapitel in seiner Herrlichkeit als „Sohn des Menschen“ vorgestellt wird.

Verse 1–6: Das erste Nachtgesicht (vier große Tiere)

Daniel träumt

Wie bereits bemerkt, befinden wir uns im ersten Jahr des Königs Belsazar, d. h. am Ende des Babylonischen Weltreiches, das mit dem Tod Nebukadnezars seinen Zenit überschritten hatte. Nun ist es nicht länger der König, der träumt, sondern der Prophet selbst. Obwohl er keinen ausdrücklichen Auftrag dazu hat, schreibt er seinen Traum auf und berichtet die Summe der Sache, d. h. das, was für uns wesentlich ist. Wir zweifeln keinen Augenblick daran, dass Gott dabei seine Hand im Spiel hatte. Das Neue Testament zeigt klar, dass Daniel zu den „heiligen Menschen Gottes“ gehörte, die „getrieben vom Heiligen Geist“ Worte Gottes aufschrieben (2. Pet 1,21). Das Buch Daniel ist ein Teil des Kanons der Heiligen Schrift und gibt uns wichtige Informationen, um die biblische Prophetie besser zu verstehen.

Bibeltreue Ausleger sind sich einig, dass die vier Tiere den vier Weltreichen entsprechen, von denen in Nebukadnezars Traum in Kapitel 2 die Rede war.6 Konkret geht es um das Babylonische, das Medopersische, das Griechische und das Römische Reich. Als der Seher Johannes auf dem Sand des Meeres steht, sieht er ebenfalls ein Tier aus dem Meer aufsteigen (Off 12,18; 13,1). Wir werden noch sehen, dass er von dem letzten – dem Römischen – Reich und seinem Herrscher spricht. Allerdings werden die Weltreiche hier unter einem ganz anderen Blickwinkel als in Kapitel 2 gezeigt. Die Unterschiede sind auffallend:

  • In Kapitel 2 träumt ein heidnischer König. Hier träumt der Prophet Gottes.
  • In Kapitel 2 war es ein eindrucksvolles und imposantes Standbild, das Bild eines Menschen. Hier sieht Daniel diese Weltreiche als wilde Tiere.
  • In Kapitel 2 stellt das Bild eine Einheit dar. Hier wird klar gesagt, dass jedes Tier verschieden von den anderen ist.
  • In Kapitel 2 geht es unter anderem um das erste Reich. Hier geht es vornehmlich um das letzte Reich, jene große westliche Macht, die einmal Gott lästern und die Heiligen verfolgen wird.
  • In Kapitel 2 wird das Ende nur kurz berührt. Hier wird das Gericht deutlicher vorgestellt und das kommende Reich des Sohnes des Menschen beschrieben.
  • In Kapitel 2 sehen wir die Sichtweise des Menschen auf das Bild. Hier ist es die Sichtweise Gottes.
  • In Kapitel 2 wird über die Juden bzw. den Überrest nichts gesagt. Das ist hier völlig anders.

Was besonders auffällt, ist der Vergleich mit einem Menschen einerseits und einem großen Tier andererseits. Als Menschen haben diese Regenten eine Aufgabe von Gott bekommen. Sie sollten regieren und herrschen. Das war der Auftrag, den Gott dem ersten Menschen gegeben hatte. Er sollte die Herrschaft Gottes auf dieser Erde darstellen. Der Mensch war im Bild Gottes geschaffen und sollte etwas von Gottes Herrlichkeit zeigen. Darin haben diese Regenten genauso versagt, wie Adam es getan hatte. Stattdessen zeigten sie sich in ihrem wirklichen Charakter wie wilde Tiere, die ihre Kraft und Gewalt missbrauchten, um zu zerstören und zu verderben. Es geht hier nicht um wertvolle Metalle, sondern um Tiere, die weit weg von Gott waren und Ihn aus ihrem Handeln völlig ausschlossen. Sie handelten nach eigenem Gutdünken, so wie ein Tier seinem Instinkt folgt.7 Wie Tiere sind sie voll und ganz auf die Erde hin orientiert. Sie sehen nicht nach oben, von wo sie ihre Macht bekommen haben. Es geht ihnen um irdische Motive und irdische Ziele. Sie sind gekennzeichnet von Egoismus, Grausamkeit und Raubgier. Erkenntnis Gottes haben sie nicht. Es ist kein Kompliment für die Menschen, dass alle Regierungen in der Zeit der Nationen diesen „tierischen“ Charakter tragen.8

Es wird nicht gesagt, ob diese Tiere gleichzeitig oder nacheinander aus dem Meer heraufstiegen. Daniel beschreibt sie jedenfalls nacheinander. Es ist klar, dass ein Reich das andere ablöste, d. h. in der Zeit ist ein Reich nach dem anderen gekommen, und das nachfolgende Reich war jeweils anders als das vorherige. Es geht nicht so sehr um ihr zeitliches Erscheinen, sondern um ihre Merkmale. Es waren große, d. h. beeindruckende und mächtige Tiere, so wie die Weltreiche, die sie repräsentieren, große Reiche gewesen sind bzw. sein werden. Es sind darüber hinaus wilde Tiere, die davon leben, dass sie andere Tiere töten.

Das große Meer

Daniel beschreibt zunächst eine Sturmszene. Die vier Winde des Himmels brechen los auf das große Meer. Das große Meer ist – wenn wir es geographisch sehen – ein Hinweis auf das Mittelmeer.9 Hier ist es jedoch in erster Linie symbolisch und moralisch zu verstehen und dann denken wir an das Meer als ein Bild der Nationen in ihrer Unruhe. Das bestätigt Offenbarung 17,15, wo die Wasser mit Völkern, Völkerscharen, Nationen und Sprachen verglichen werden. Jesaja sagt: „Wehe dem Getümmel vieler Völker – wie das Brausen der Meere brausen sie – und dem Rauschen von Völkerschaften – wie das Rauschen gewaltiger Wasser rauschen sie!“ (Jes 17,12). David spricht in Psalm 65,8 von dem „Brausen der Meere“, dem „Brausen ihrer Wellen“ und dem „Getümmel der Völkerschaften“. Es wird deutlich, in welchen Zeitverhältnissen diese Reiche entstehen, nämlich in dem, was uns Menschen von Natur kennzeichnet: Gesetzlosigkeit und Konfusion. Die Herrscher dieser Weltreiche tun in religiöser, politischer, gesellschaftlicher und rechtlicher Hinsicht das, was ihnen gefällt und fragen nicht nach Gottes Willen.

Vier Winde des Himmels

Dass es vier Winde gibt, finden wir in der Bibel mehrfach, zum ersten Mal in 1. Chronika 9,24. Die Zahl Vier weist auf eine gewisse Universalität hin,10 die ebenfalls in den vier Himmelsrichtungen ausgedrückt wird. Es handelt sich tatsächlich um „Weltreiche“, d. h. Mächte mit einem weltweiten Einfluss (soweit die damalige Welt bekannt war). Aber mehr noch: Gott selbst hat den Wind geschaffen (Amos 4,13) und verfügt auch über den Wind. Er kann ihn loslassen und Er kann ihn festhalten. Die „vier Winde des Himmels“ finden wir noch einmal in Sacharja 6,5. Dort ist die Rede davon, dass sie „ausgehen, nachdem sie sich vor den Herrn der ganzen Erde gestellt haben“. Ein interessanter Ausdruck wird in Jeremia 49,36 gebraucht, wo Gott davon spricht, dass Er „die vier Winde von den vier Enden des Himmels her“ bringen wird. In Offenbarung 7,1 ist von den „vier Winden der Erde“ die Rede, die von vier Engeln festgehalten wurden, damit auf der Erde kein Wind wehen sollte.

Es ist klar, dass auf dieser Erde nichts passiert, was Gott nicht zulässt und kontrolliert. Diese Weltreiche handeln zwar im Eigenwillen und kommen aus den Wirren der Zeitverhältnisse hervor. Dennoch können sie nichts tun, ohne dass Gott es gestattet. Gott ist so souverän, dass Er sich selbst der Aktivitäten böser Menschen und sogar des Teufels bedient, damit sein Ratschluss ausgeführt wird (vgl. z. B. Apg 4,28; Off 17,17). H. Smith schreibt: „Die vier Winde des Himmels scheinen darauf hinzudeuten, dass es in jedem Teil der Erdkugel ein Handeln Gottes in Vorsehung gibt, das es der Welt erlaubt, in einen Zustand der Anarchie und Revolution zu fallen.“11 Die Winde des Himmels scheinen also auf Werkzeuge hinzuweisen, die Gott in seiner Souveränität und Vorsehung benutzt, um seinen Willen zu tun. Die Winde der Erde lenken die Aufmerksamkeit mehr darauf, dass diese Gerichte diese Erde mit den dort lebendigen und schuldigen Menschen treffen wird. Die Vorsehung Gottes spielt in diesem Kapitel ohnehin eine große Rolle.

Es wird weniger von dem gesprochen, was diese Tiere aktiv tun, sondern mehr darüber, wie sie aussehen und was mit ihnen geschieht bzw. wozu sie veranlasst werden. Obwohl es nicht direkt gesagt wird, erkennen wir doch, dass Gott hinter der Szene steht und die Dinge lenkt. Der Herr Jesus sagt einmal in einem anderen Zusammenhang, dass der Wind weht, wo er will, und dass man sein Sausen hört, ohne zu wissen, woher er kommt und wohin er geht (Joh 3,8). Das ist die menschliche Wahrnehmung des Windes. Er weht einmal so und einmal so. Deshalb erkennen wir in dem Wind12 verschiedenartige und durcheinanderbringende Einflüsse, die Gott in seiner Vorsehung gebraucht, um die Geschicke der Erde und Völker zu lenken.

Der Löwe mit Adlerflügeln

Das erste Tier ist das Babylonische Reich, das in dem Traum Nebukadnezars mit dem Haupt von Gold verglichen wurde. Gold gilt als Synonym für etwas, das einen sehr hohen Wert hat, während der Löwe als König der Tiere gilt. Insofern gibt es bei allen Unterschieden eine gewisse Parallelität. Mit dem Löwen verbinden wir Eigenschaften wie Kraft und Majestät, wollen aber nicht vergessen, dass der Löwe gleichzeitig ein Raubtier ist, das darauf ausgelegt ist, Beute zu machen, andere Tiere zu töten und sie zu verschlingen. Mit einem solchen Tier wird Babylon verglichen. Jeremia gibt folgende Beschreibung Babylons: „Ein Löwe steigt herauf aus seinem Dickicht, und ein Verderber der Nationen bricht auf; er zieht von seinem Ort aus, um dein Land zur Wüste zu machen, dass deine Städte zerstört werden, ohne Bewohner“ (Jer 4,7).

Der Löwe, den Daniel sah, hatte Adlerflügel. Wir erkennen, dass es um biblische Symbolik geht, denn einen Löwen mit Flügeln gibt es in der Natur nicht. Der Adler gibt uns ebenfalls einen Hinweis auf Majestät, gleichzeitig aber von Geschwindigkeit (vgl. 2. Sam 1,23; Jer 4,13), von Höhe, in die er sich schwingt (vgl. Hiob 39,27; Obad 1,4) und von Kraft (vgl. 2. Mo 19,4; Jes 40,31). So war Babel. Es war schnell in seinen Eroberungen, sein politischer Führer war hoch erhoben über seine Feinde und er handelte in großer Kraft und in Entschlossenheit. In Hesekiel 17,7 wird Babylon direkt mit einem Adler verglichen: „Und da war ein anderer großer Adler mit großen Flügeln und vielem Gefieder“ (Hes 17,7). Vers 12 erklärt, dass dieser Adler der König von Babel ist. Jeremia 49,19 und 22 verbindet die beiden Symbole Löwe und Adler, um die Macht und Majestät Babels auf der einen und die Schnelligkeit seiner Eroberungen auf der anderen Seite zu zeigen.

Daniel schaute, bis er vier Dinge wahrnahm:

  1. Die Flügel wurden ausgerissen.
  2. Das Tier wurde von der Erde aufgehoben.
  3. Das Tier wurde wie ein Mensch auf seine Füße gestellt.
  4. Dem Tier wurde ein Menschenherz gegeben.

So wird das Ende des Babylonischen Reiches beschrieben. Es wird hier nicht gesagt, wer das tat. Das ist erneut ein Hinweis auf die Vorsehung Gottes, die hier im Vordergrund steht, denn Er selbst nahm ihm die Herrschaft weg (wobei Er natürlich die Meder und Perser dazu benutzte, die Babylon im Jahr 539 v. Chr. einnahmen und die Macht übernahmen). Damit war dem Eroberungsdrang dieses Reiches ein Ende gemacht. Die Babylonier wurden gedemütigt und in das Reich der Meder und Perser integriert.

Der Löwe wurde von der Erde aufgehoben. Damit hatte er seinen Einflussbereich verloren. Babylon existierte weiter, hatte aber für die umliegenden Völker politisch keine Bedeutung mehr. Dass er wie ein Mensch auf die Hinterbeine gestellt wurde, zeigt, dass ihm seine Position weggenommen wurde. Er hatte aufgehört, ein echter Löwe zu sein und sowohl seine Kraft als auch seine Würde verloren. Die Herrschaft wurde ihm genommen. Interessant ist die Aussage, dass der Löwe ein Menschenherz bekam. Manche Ausleger bringen das mit Daniel 4 in Verbindung, wo Nebukadnezar von seinem Wahn geheilt und ihm das Menschenherz zurückgegeben wurde. Aber hier es eindeutig mit Gericht verbunden.13 Das Menschenherz symbolisiert an dieser Stelle Schwäche und Angst. Der Ausdruck kommt noch einmal in Jesaja 13,7 vor: „Darum werden alle Hände erschlaffen, und jedes Menschenherz wird zerschmelzen.“ Das macht klar, worum es geht. Der Beherrscher der Völker wird nun selbst beherrscht. Derjenige, der viele Jahrzehnte lang für Angst und Schrecken gesorgt hat, muss sich nun selbst vor anderen Nationen fürchten. Das Babylonische Reich hatte seine Kraft verloren. Sprachexperten weisen darauf hin, dass das aramäische Wort für „Mensch“ an dieser Stelle gemäß seiner Wortwurzel für die Schwäche und Hinfälligkeit des Menschen steht. Es ist jemand, der dem hinfälligen Menschengeschlecht angehört.

Der Bär, der sich auf einer Seite aufrichtet

Das zweite Tier symbolisiert das Medopersische Reich. In dem Standbild von Nebukadnezar wurde es durch die Brust und die Arme aus Silber dargestellt. Dieses Reich war nicht – wie Babel – eine Einheit, sondern es wird uns wiederholt als ein „Doppelreich“ vorgestellt, so z. B. in den beiden silbernen Armen. Hier ist es ähnlich: Der Bär richtete sich auf einer Seite auf (d. h. es gab eine zweite Seite). Wir sahen bereits in der Betrachtung von Kapitel 6, dass am Anfang zwar die medische Seite in diesem Reich dominant (und älter) war, die persische Seite aber bald die Vorherrschaft übernahm. In Kapitel 8 finden wir dieses Reich im Bild des Widders mit zwei Hörnern, und dort wird genau das bestätigt: „Und ich erhob meine Augen und sah: Und siehe, vor dem Fluss stand ein Widder, der zwei Hörner hatte; und die zwei Hörner waren hoch, und das eine war höher als das andere, und das höhere stieg zuletzt empor“ (Dan 8,3). Das ältere Horn (die Meder) war das schwächere von beiden. Gott hat das im prophetischen Wort vorausgesagt. Das beweist erneut, dass wir die Geschichte nicht brauchen, um die Prophetie zu erklären. Es ist umgekehrt: Die Prophetie erklärt die Geschichte. Die historische Bestätigung gegebener Weissagung darf nie mit der Erklärung der Prophetie verwechselt werden. Die Prophetie wird uns nicht durch die Geschichte erklärt, sondern wir verstehen sie allein durch den Heiligen Geist.

Ein Bär ist langsamer als ein Löwe, und er jagt und tötet seine Beute auf eine andere Weise, indem er sie erdrückt. Er wirkt eher behäbig, kann aber durchaus im entscheidenden Moment schnell sein. Die Schwerfälligkeit des Bären könnte darauf hinweisen, dass die Meder und Perser häufig aufgrund ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit siegten, d. h. ihre Feinde mit „Masse“ erdrückten. Ihre Heere waren immens groß. Dabei verhielten sie sich wie ein Bär, nämlich raubgierig, wild, grimmig und grausam.14 In Sprüche 28,15 ist von einem „gierigen Bären“ die Rede (vgl. 2. Kön 2,24). Ein Beispiel für die Grausamkeit finden wir in Jesaja 13,17.18. Dort sagt Gott: „Siehe, ich erwecke gegen sie die Meder, die Silber nicht achten und an Gold kein Gefallen haben. Und ihre Bogen werden Jünglinge niederstrecken, und über die Leibesfrucht werden sie sich nicht erbarmen, ihr Auge wird die Kinder nicht verschonen.“

Der Text sagt: „Man sprach zu ihm: Steht auf, friss viel Fleisch!“ Erneut finden wir nicht, wer das sagte, und wir erkennen die Vorsehung Gottes, der dafür sorgte, dass dieses Reich sich der Natur eines Bären entsprechend verhielt. In Jeremia 51,11 wird gesagt: „Schärft die Pfeile, fasst den Schild! Der Herr hat den Geist der Könige von Medien erweckt; denn gegen Babel ist sein Gedanke, es zu verderben; denn es ist die Rache des Herrn, die Rache seines Tempels.“ Die drei Rippen in seinem Maul zwischen seinen Zähnen können in einem allgemeinen Sinn als Hinweis auf die Gefräßigkeit und den raubgierigen Charakter dieses Reiches verstanden werden, das andere Völker ohne Barmherzigkeit erdrückte. Einige Ausleger verweisen darauf, dass das Medopersische Reich besonders drei andere mächtige Reiche erobert hat, nämlich Lydien15, Babylonien und später Ägypten. Über das Ende dieses Reiches wird hier nicht gesprochen, wohl aber später in Vers 12.

Der Leopard mit vier Vogelflügeln

Das dritte Tier stellt das Griechische Reich dar. Es wird mit einem Leoparden verglichen und entspricht dem kupfernen Bauch und den Lenden in dem Bild Nebukadnezars. Ein Leopard ist kleiner als ein Bär, aber sehr schnell (vgl. Hab 1,816) und beweglich. Er gilt nach Tiger, Löwe und Jaguar als viertgrößte Raubkatze. Im Sprint erreicht er während der Jagd eine Geschwindigkeit von über 60 km/h. Auf den letzten Metern nach dem Anschleichen sprintet er in großen Sprüngen, bei denen er häufig mit beiden Hinterbeinen zugleich losspringt. Solch hohe Geschwindigkeit können Leoparden allerdings nur kurze Strecken durchhalten. Unterstrichen wird dieser Gedanke an Geschwindigkeit noch durch die Vogelflügel auf dem Rücken. Treffender könnte das Griechische Reich unter Alexander dem Großen kaum beschrieben werden. Es ist bekannt, dass sich dieses Reich in den Jahren seiner Regierungszeit von 331–323 v. Chr. extrem schnell ausbreitete und dass Alexander in seinen wenigen Lebensjahren gewaltige Eroberungen machte. Zunächst befreite er griechische Immigranten in Kleinasien, nahm dann das komplette Persische Reich ein. Dann ging es weiter bis Afrika und schließlich sogar bis Indien. Ein solches Reich hatte es bisher nie gegeben. Dass es vier Flügel waren, mag ein Hinweis darauf sein, dass sein Reich sich mehr oder weniger über die ganze damals bekannte zivilisierte Welt erstreckte. Im Jahr 323 v. Chr. starb Alexander als relativ junger Mann in Babylon.17

Die vier Köpfe zeigen noch etwas anderes. Wir haben das Babylonische Reich als eine Einheit gesehen, das medopersische Reich als Doppelreich oder „Zweiheit“. Das Griechische Reich ist – in den Nachfolgern von Alexander dem Großen – durch die Zahl Vier geprägt. Als er starb, entbrannte unter seinen Feldherren (Diadochen) ein heftiger Streit, der einige Jahrzehnte dauerte. Die Geschichte berichtet von insgesamt 6 Diadochenkriegen. Am Ende gab es – abgesehen von einigen unbedeutenden Nebengebieten – vier Nachfolgereiche:

  • Kassander bekam Mazedonien (im Westen).
  • Lysimachus bekam Kleinasien und Thrakien (im Norden).
  • Seleukus bekam Syrien (im Osten)18.
  • Ptolemäus bekam Ägypten (im Süden).

Für die biblische Prophetie sind vor allem Syrien („König des Nordens“) und Ägypten („König des Südens“) von großer Bedeutung. Beide werden ausführlich in Daniel 11 beschrieben. Daniel 8 spricht ebenfalls von dem Griechischen Reich, und zwar im Bild eines zottigen Ziegenbocks. Auch hier wird zunächst kein Wort über das Ende des Reiches gesagt. Wir müssen bis Vers 12 warten, um darüber etwas zu hören.

Verse 7–8: Das zweite Nachtgesicht (das vierte Tier)

Das vierte Tier

Daniel sieht ein neues Gesicht, das ein viertes Tier zeigt. Dieses vierte Tier symbolisiert – darin stimmen alle bibeltreuen Ausleger überein – zweifelsfrei das Römische Reich.19 In dem Bild von Nebukadnezar entsprach es den Schenkeln aus Eisen und Füßen aus einem Eisen-und-Ton-Gemisch. Daniel hatte damals schon gesagt, dass dieses vierte Königreich „stark wie Eisen“ sein und dass es zermalmen, zerschlagen und zertrümmern würde. Daniel hatte ebenfalls von den Füßen und den Zehen gesprochen, d. h. es gab bereits eine Anspielung auf die Zahl Zehn, die wir in unserem Abschnitt in den zehn Hörnern wiederfinden (Dan 2,40–44). Es fällt auf, dass schon in Kapitel 2 relativ ausführlich über dieses vierte Reich gesprochen wird und es gewisse Parallelitäten zu dem vierten Tier gibt.

Die Beschreibung dieses Tieres ist eindrucksvoll. Es wird im Bild eines Ungeheuers gezeigt, das es in der Realität nicht gibt und mit keinem der bekannten Tiere dieser Erde zu vergleichen wäre. Daniel beobachtete, dass es verschieden war von allen Tieren, die vor ihm gewesen waren. Das wird im weiteren Verlauf des Textes mehrfach betont (Verse 7, 19, 23, 24). Es ruft bei den Betrachtern Entsetzen hervor. Interessant ist ein Vergleich der Beschreibung Daniels mit der von Johannes in Offenbarung 13: „Und das Tier, das ich sah, war gleich einem Leoparden, und seine Füße waren wie die eines Bären, und sein Maul war wie das Maul eines Löwen. Und der Drache gab ihm seine Macht und seinen Thron und große Gewalt“ (Off 13,2). Es handelt sich offensichtlich um eine „Kreuzung“ aus den ersten drei Tieren. Daraus können wir schließen, dass dieses Reich alle Bosheiten der ersten Reiche in sich vereinigt. Hinzu kommt, dass es seine Macht direkt von dem Teufel bekommt. Das trifft auf die anderen Reiche in dieser Form nicht zu. Zu Nebukadnezar wurde ausdrücklich gesagt, dass er das Königtum von Gott bekommen hatte (vgl. Dan 2,37).

Das Römische Reich ist im Charakter und im Verhalten anders als die vorherigen Reiche. Es wird als schrecklich und furchtbar und sehr stark beschrieben. Es hat große eiserne Zähne. Es frisst und zermalmt und zertritt alles, was übrigbleibt. Eine zutreffendere Beschreibung des Römischen Reiches könnte man kaum geben. Rom hat grausam und brutal geherrscht. Wer wagte, sich diesem gewaltigen Reich zu widersetzen, wurde niedergemetzelt. Das Römische Reich hat in der Tat viele Völker in Angst und Schrecken versetzt. Über den historischen Aufstieg dieser Weltmacht haben wir bereits bei der Auslegung von Kapitel 2 ausführlich gesprochen, so dass wir uns an dieser Stelle weitere Einzelheiten sparen. Es sei lediglich darauf hingewiesen, dass die ersten drei Tiere zwar auch Beute machen und andere töten, dass sie sich aber durch ihre Beute selbst ernähren und dadurch stärker werden. Die Beschreibung des vierten Tieres hingegen lässt vielmehr an ein sinnloses Zerstören und Morden denken. Genau das ist es, was das Römische Reich damals kennzeichnete und was es in Zukunft kennzeichnen wird.

Bei dem Beginn der Beschreibung können wir durchaus an das – aus unserer Sicht – historische Römische Reich denken. Spätestens jedoch mit dem Hinweis auf die zehn Hörner geht es nicht mehr um Geschichte, sondern um die Zeit des Endes, wo das Römische Reich neu existieren wird. Es ist ein auffallendes Merkmal, dass das Tier zehn Hörner hat. In Kapitel 2 hatten wir schon gesehen, dass die Zahl Zehn in Verbindung mit dem Römischen Reich eine besondere Rolle spielt (die Zehen des Bildes). Die Einzelheiten werden wir in der Erklärung des Traumes sehen. Es sei hier aber bereits auf Folgendes hingewiesen:

  1. Die Zahl Zehn symbolisiert in der Bibel die Verantwortung des Menschen vor Gott. Die zehn Finger haben mit unseren Tätigkeiten zu tun, die zehn Zehen an den Füßen mit unserem Verhalten (Wandel). Die zehn Gebote zeigen das volle Maß menschlicher Verantwortung, die Gebote Gottes zu halten (2. Mo 20). Wir können weiter an die Vorschriften über den „Zehnten“ denken (3. Mo 27,30) oder an die zehn Knechte, denen zehn Pfunde zum Handeln gegeben wurden (Lk 19,13). Dieses letzte Tier ist seiner Verantwortung, „Dienerin Gottes zu sein zum Guten“ (vgl. Röm 13,4), in keiner Weise nachgekommen.
  2. Das Horn spricht von Macht und Kraft und Stärke. In Amos 6,13 heißt es: „Haben wir nicht durch unsere Stärke Hörner erworben?“ In Micha 4,13 wird gesagt: „Mach dich auf und drisch, Tochter Zion! Denn ich werde dein Horn zu Eisen und deine Hufe zu Erz machen, und du wirst viele Völker zermalmen“ (vgl auch 5. Mo 33,17; 1. Sam 2,1). Das Bild des Hornes wird sowohl in positiver als auch in negativer Weise gebraucht. In Offenbarung 5,6 lesen wir von den sieben Hörnern des Lammes. Hier ist von den zehn Hörnern des Tieres die Rede. Der Kontrast ist augenscheinlich. Die Hörner zeigen die Macht und Kraft, die dieses Reich hat. Andererseits zeigen verschiedene Referenzstellen auch, dass ein Horn mit Personen verbunden wird, die große Kraft und Macht haben. So wird z. B. mehrfach in positiver Hinsicht von dem Herrn als dem „Horn“ gesprochen (Ps 18,3). Speziell im Buch Daniel in den Kapiteln 7 und 8 ist dies mehrfach in negativer Hinsicht der Fall. Die zehn Hörner sprechen also von zehn Regenten, die dieses vierte Reich ausmachen. Das wird im Licht des Neuen Testaments völlig klar. In Offenbarung 17,12 wird von diesem vierten Reich gesagt: „Und die zehn Hörner, die du sahst, sind zehn Könige.“
  3. Zwischen den zehn Hörnern wuchs ein anderes, kleines Horn empor, und drei von den ersten Hörnern wurden ausgerissen. Dieses Horn hatte Augen wie Menschenaugen und einen Mund, der große Dinge redet. Das macht klar, dass es um Personen (Könige) geht. Es wird in dem letzten Weltreich einen mächtigen König geben, der andere unterdrückt und die Führung übernimmt. Die Augen haben in der Bibel eine unterschiedliche Bedeutung. Wenn wir an die lebendigen Wesen (Hes 1,18; Off 4,6–8) oder gar an die sieben Augen des Lammes (Off 5,6) denken, wird uns klar, dass die Augen von Erkenntnis, Einsicht und Wahrnehmung sprechen. Dieses „Horn“ wird über eine große Intelligenz und Einsicht verfügen. Es wird scharfsinnig und klug sein – allerdings nicht im positiven, sondern negativen Sinn. Der Mund tut kund, was im Innern ist. Hier werden große, d. h. prahlerische Worte geredet (vgl. Off 13,5.6). Dieser Mensch hat offensichtlich große rhetorische Fähigkeiten, mit denen er andere begeistert und beeinflusst. Es geht nicht nur um Mehrung von Macht, sondern dieser Mensch will beeinflussen und tritt mit hochmütigen und vermessenen Ansprüchen auf. J. N. Darby schreibt: „Er offenbart den Charakter innerer und im Bösen systematischer Einsicht, und nicht nur die Stärke eines Eroberers.“20

Eine Besonderheit des vierten Reiches

Die Andersartigkeit des Tieres liegt indes nicht nur darin, dass es nicht mit anderen Tieren vergleichbar war, dass es besonders grausam war oder dass es zehn Hörner und ein kleines Horn hatte. Der eigentliche Unterschied liegt vielmehr darin, dass es dieses Reich in zwei verschiedenen Phasen geben würde. Das erkennen wir allerdings erst im Licht des Neuen Testaments. In Offenbarung 17 ist genau von diesem Tier mit zehn Hörnern die Rede. Der Engel sagt zu Johannes: „Das Tier, das du sahst, war und ist nicht und wird aus dem Abgrund heraufsteigen und ins Verderben gehen“ (Off 17,8). Die erste Phase des Tieres war also aus Sicht von Johannes gegenwärtig, als er lebte. Das Römische Reich existierte, als Johannes die Offenbarung schrieb. Das Tier „war“. Die zweite Phase ist – auch aus Sicht von Johannes – noch zukünftig. Es wird „aus dem Abgrund emporsteigen“. Das Römische Reich – das heute nicht existiert – wird eine Zukunft haben. Das macht uns das prophetische Wort klar und genau darin liegt die Besonderheit und Einzigartigkeit. Was Daniel im ersten Teil von Vers 7 sah, trifft auf beide Phasen des Reiches zu. Was er in Vers 8 sah, ist eindeutig zukünftig. Bis zu diesem Augenblick hat es im Römischen Reich weder zehn Könige gegeben, die sich zusammengeschlossen haben, noch hat es einen König gegeben, der mit dem kleinen Horn zu vergleichen wäre. Das ist eindeutig zukünftig. Die Details werden wir bei der Erklärung sehen.

Es ist zum Verständnis der Weissagung über das vierte Reich äußerst wichtig, dass man diesen Unterschied zwischen dem – aus unserer Sicht – historischen Römischen Reich und dem zukünftigen Römischen Reich (Westeuropa) am Ende der Zeit klar sieht. Wenn wir nur den Propheten Daniel lesen, erschließt sich diese Unterteilung in zwei Phasen nicht und viele Fragen bleiben offen. Im Licht der Offenbarung wird der Unterschied jedoch völlig klar und die offenen Fragen werden beantwortet.

Exkurs 1

Weil es über dieses „kleine Horn“ häufig Missverständnisse gibt, hier noch einige Gedanken, die über den eigentlichen Inhalt von Daniel 7 hinausgehen.

Es ist wichtig, dass wir die Bedeutung dieses „kleinen Horns“ richtig erkennen und nicht verwechseln. Zwei Dinge sind wichtig zu unterscheiden:

  1. Es geht nicht um das kleine Horn von Kapitel 8 (Vers 9). Das kleine Horn in Daniel 8 ist der König des Nordens (Assyrien oder Syrien), zunächst in der Person von Antiochus IV. Epiphanes. Er wird manchmal das „kleine Horn aus dem Osten“ genannt, während Daniel 7 „das kleine Horn aus dem Westen“ beschreibt. Das kleine Horn in Daniel 8 wird von Norden (Syrien liegt von Palästina aus gesehen im Nordosten) her in das Land Palästina einfallen und zunächst große Erfolge haben. Später wird es dann umkommen. Es handelt sich um den „Assyrer“, den wir in der Weissagung anderer Propheten (z. B. Jesaja, Micha und Joel) wiederfinden.
  2. Es geht nicht um den Antichristen. Der Antichrist ist das „Tier aus der Erde“ (Off 13). Er ist der politische und religiöse Führer Israels und wird sehr eng mit dem römischen Weltherrscher zusammenarbeiten. Es wird eine Allianz dieser beiden Tiere geben, die ein „Vertrag mit dem Scheol“ genannt wird (Jes 28,15.18). Dennoch darf man diese beiden „Tiere“ (Herrscher) nicht verwechseln. Das Haupt des Römischen Reiches kommt aus dem Völkermeer, d. h. aus den Nationen. Der Führer Israels kommt aus der Erde, d. h. er wird ein Jude sein. Er hat einen politischen Charakter und wird „König“ (Jes 30,33) genannt. Er hat einen religiösen Charakter und wird der „nichtige Hirte“ (Sach 11,17) und „falsche Prophet“ (Off 19,20; 20,10) sein. Sein bekanntester Name ist „Antichrist“. So nennt Johannes ihn in seinen Briefen (1. Joh, 2,18.22; 4,3; 2. Joh 7). Eine ausführliche Beschreibung dieser Person gibt Paulus in 2. Thessalonicher 2,9–12. Dort ist er der „Mensch der Sünde“, der „Sohn des Verderbens“, „der Gesetzlose“. Im Buch Daniel wird er direkt nur einmal erwähnt (Kapitel 11,37–39). Dort wird er der „König“ und „kommender Fürst“ genannt, der mit dem Gott seiner Väter nichts zu tun haben will und in Götzendienst und Selbsterhebung verfällt. Er wird die Juden verführen und die Masse des Volkes wird auf ihn hereinfallen und ihm folgen.

Nur wenn wir diese Personen gut unterscheiden, können wir die Weissagungen Daniels und viele andere Prophezeiungen richtig verstehen und einordnen.

Verse 9–12: Das zweite Nachtgesicht wird fortgesetzt (das Gericht)

Das Gericht und die Throne

Die Szene wechselt. Es wird nicht von einem neuen Gesicht gesprochen, sondern gesagt, dass Daniel so lange schaute, bis Throne aufgestellt wurden. Die Erscheinung des vierten Tieres wird also in einem Gesicht unmittelbar mit dem Ende verbunden. Genau so ist die Darstellung in Offenbarung 17,8. Johannes schreibt dort mit knappen Worten über das Tier und sein Ende: „Das Tier, das du sahst, war und ist nicht und wird aus dem Abgrund heraufsteigen und ins Verderben gehen.“ In diesem Satz ist alles gesagt. Das Tier kommt aus dem Abgrund und geht ins Verderben. Die wesentlichen Fakten werden genannt, ohne die Zeitkomponente dabei zu berücksichtigen.21

Das Gericht bringt uns direkt an das Ende der Zeiten der Nationen. Es ist kein Gericht in göttlicher Vorsehung, sondern ein direktes Gericht, in dem die Herrlichkeit Gottes sichtbar wird. Es ist gut, daran zu denken, dass Gott sich nicht nur in Gnade verherrlicht, sondern auch im Gericht. Gott ist Liebe und Gott ist Licht. Hier sehen wir Ihn in richterlicher Größe und Herrlichkeit.

Doch bevor Er so beschreiben wird, ist die Rede von Thronen. Es wird nicht gesagt, wer auf den Thronen sitzt. Die Erklärung gibt uns Johannes in der Offenbarung. Es sind himmlische Heilige. In Offenbarung 4 sieht er zunächst einen Thron, auf dem einer saß (Vers 2). Doch dann sieht er „vierundzwanzig Throne, und auf den Thronen saßen vierundzwanzig Älteste“. Das sind die Gläubigen des Alten Testamentes und die der Gnadenzeit, die alle an der ersten Auferstehung teilgenommen haben. In Kapitel 4 sind es allerdings keine Throne des Gerichts, sondern der Regierung. Anders ist es in Offenbarung 20,4: „Und ich sah Throne, und sie saßen darauf, und es wurde ihnen gegeben, Gericht zu halten; und ich sah die Seelen derer, die um des Zeugnisses Jesu und um des Wortes Gottes willen enthauptet worden waren, und die, die das Tier nicht angebetet hatten noch sein Bild, und das Malzeichen nicht angenommen hatten an ihre Stirn und an ihre Hand.“ Hier erfüllt sich, was Paulus den Korinthern schreibt: „Oder wisst ihr nicht, dass die Heiligen die Welt richten werden?“ (1. Kor 6,2).

Einige Ausleger bringen dieses Gericht mit dem großen weißen Thron in Verbindung (Off 20,11). Dort werden am Ende des Tausendjährigen Reiches alle Toten vor dem Richter erscheinen. In Daniel 7 geht es aber nicht um das Ende des Tausendjährigen Reiches, sondern um den Anfang. Es wird nicht gesagt, wo das Gericht stattfindet, wohl aber, welchen Charakter es hat und wann es stattfindet. Es hat mit der Erde und mit dem Ende der Weltreiche der Menschen zu tun. H. Smith schreibt: „Daniel spricht von dem Gericht über die lebenden Völker, das der Herrschaft Christi vorausgehen wird, aber vornehmlich in Verbindung mit dem Römischen Reich und seinem Oberhaupt betrachtet.“22 Es gibt eine Verbindung zu Offenbarung 19,19–21: „Und ich sah das Tier und die Könige der Erde und ihre Heere versammelt, um den Krieg zu führen mit dem, der auf dem Pferd saß [das ist der Herr Jesus], und mit seinem Heer [das sind die himmlischen Heiligen, die mit ihm kommen]. Und das Tier [das ist der römische Herrscher] wurde ergriffen und der falsche Prophet [das ist der Antichrist], der mit ihm war, der die Zeichen vor ihm tat, womit er die verführte, die das Malzeichen des Tieres annahmen und die sein Bild anbeteten – lebendig wurden die zwei in den Feuersee geworfen, der mit Schwefel brennt.“

Der Alte an Tagen

Die Throne werden jedoch eher beiläufig erwähnt. Den zentralen Platz nimmt jemand ein, der als „ein Alter an Tagen“ bezeichnet wird. Dieser „Alte an Tagen“ kann nur der ewige Gott sein. Dabei geht es nicht nur um das „Alter“ (Gott ist ewig; Jes 40,28), sondern mehr um seine Würde, seine Erhabenheit und seine Souveränität. Gott ist „der Hohe und Erhabene, der in Ewigkeit wohnt und dessen Name der Heilige ist“ (Jes 57,15). Er wohnt in der Höhe und im Heiligtum und sitzt auf „hohem und erhabenem Thron“ (Jes 6,1). Dieser „Alte an Tagen“ setzt sich, d. h. Er ist in völliger Ruhe über das, was auf dieser Erde geschieht. Gott wird durch die Gewaltherrschaft des römischen Tieres und seine Gräueltaten in keiner Weise beunruhigt. Den Thron Gottes erschüttert nichts – weder in der Zukunft noch heute.

Einige Einzelheiten werden genannt. Sie zeigen einerseits die Hoheit und Erhabenheit dessen, der auf dem Thron sitzt, und sprechen andererseits von seiner Heiligkeit im Gericht:

  • Sein Gewand weiß wie Schnee: Das weist auf die Reinheit und Majestät Gottes hin. Es geht um das hell strahlende Licht seiner Heiligkeit und Gerechtigkeit, die hier im Gericht zu sehen ist.
  • Das Haar seines Hauptes wie reine Wolle: In Offenbarung 1,14 ist von weißer Wolle die Rede. In Verbindung mit dem Haar seines Hauptes spricht das von Respekt und Würde.
  • Sein Thron Feuerflammen: Das Feuer wird mehrfach erwähnt. Es ist in der Bibel häufig ein Bild der Heiligkeit Gottes im Gericht.23 Hier steht das Feuer mit dem Gerichtsthron in Verbindung.
  • Seine Räder loderndes Feuer: In Hesekiel 1 ist siebenmal von Rädern des Wagens die Rede, auf dem der Thron Gottes steht. Sie zeigen uns die Absichten, die Gott in seinen Regierungswegen hat, und seine Vorsehung, mit der Er alles kontrolliert und dirigiert.24
  • Ein Strom von Feuer geht von ihm aus: Noch einmal wird die Heiligkeit dessen betont, der auf dem Thron sitzt. Es ist nicht nur Feuer, sondern ein Feuerstrom. In 4. Mose 16,35 lesen wir – ebenfalls in Verbindung mit einer Gerichtsszene – von einem fressenden Feuer Gottes. Feurige Räder zeigen, dass Gott in seiner Regierung hier im Gericht handelt.
  • Tausendmal Tausende dienten ihm: Das unterstreicht seinen Anspruch auf die Herrschaft. Er ist derjenige, dem andere dienen. Die Zahlen sind hier nicht buchstäblich, sondern – wie alle anderen Ausdrücke – symbolisch zu verstehen.
  • Zehntausendmal Zehntausende standen vor ihm: Während der „Alte an Tagen“ bereits sitzt, stehen sie vor Ihm. Das zeigt erneut seine besondere Würde. Die genannten Zahlen weisen auf eine große Menge hin (vgl. Off 5,11). Es wird nicht gesagt, um welche Personen es sich handelt, aber wir gehen wohl zu Recht davon aus, dass es um die Engelwelten geht, die Ihm dienen und vor Ihm stehen (oder aufstehen).

Wenn wir diese Beschreibung lesen, werden wir unwillkürlich an die Vision von Johannes in Offenbarung 1 erinnert, wo er den Sohn des Menschen in seiner richterlichen Herrlichkeit sieht und wie tot zu seinen Füßen niederfällt: „Und als ich mich umgewandt hatte, sah ich sieben goldene Leuchter, und inmitten der Leuchter einen gleich dem Sohn des Menschen, angetan mit einem bis zu den Füßen reichenden Gewand und an der Brust umgürtet mit einem goldenen Gürtel; sein Haupt aber und seine Haare waren weiß wie weiße Wolle, wie Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme“ (Off 1,12–14). Während es bei Daniel eindeutig um den ewigen Gott geht, zeigt uns Offenbarung 1 den Herrn Jesus als Mensch. Das macht klar, dass der „Alte an Tagen“ niemand anderes ist als „der Sohn des Menschen“. Der Herr Jesus ist Gott! Der „Jahwe“ des Alten Testamentes ist Gott gerade in dem Charakter, dass Er sich nicht verändert. Im Licht des Neuen Testamentes ist dieser Jahwe niemand anderes als der Herr Jesus selbst. Der „Alte an Tagen“ und der „Sohn des Menschen“ verschmelzen sozusagen in eins. Diese Tatsache, die uns erst im Neuen Testament wirklich offenbart wird, deutet sich bereits im Alten Testament an. Daniel konnte das nicht klar sehen. Er spricht von dem „Alten an Tagen“ und später von einem „wie eines Menschen Sohn“. Ein Vergleich mit zwei Stellen im Matthäus-Evangelium weist ebenfalls in diese Richtung. Der Herr Jesus sagt dort: „Wenn aber der Sohn des Menschen kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er auf seinem Thron der Herrlichkeit sitzen“ (Mt 25,31). „Denn der Sohn des Menschen wird kommen in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln, und dann wird er jedem vergelten nach seinem Tun“ (Mt 16,27). Der Bezug zu Daniel 7 und dem „Alten an Tagen“ auf dem Thron liegt auf der Hand.

Bücher werden geöffnet

Dann setzt sich auch das Gericht und Bücher werden geöffnet. Das Gericht ist gerecht, es beruht auf Fakten und ist nicht willkürlich, sondern nachvollziehbar. Auch am großen weißen Thron werden einmal Bücher geöffnet (Off 20,12). Gott hat alles registriert und dokumentiert, was die Menschen auf dieser Erde getan haben. Dafür werden sie einmal Rechenschaft ablegen müssen. Auch die Gräueltaten des Tieres sind nicht vergessen.

In Sacharja 5,1–2 ist von einer fliegenden Buchrolle die Rede. Damit werden die Gerichtswege Gottes beschrieben. In diesem Sinn spricht auch die Offenbarung mehrfach von einem „Buch“. Hier scheint es jedoch weniger um die Gerichtswege Gottes zu gehen, sondern vielmehr darum, dass Gott alles registriert hat, was hier auf der Erde geschehen ist, und dass das Gericht nicht nur gerecht, sondern gleichzeitig nachvollziehbar ist.

Das Gericht über das kleine Horn

Das Gesicht geht weiter und es wird klar, wem das Gericht gilt. Zunächst wird über das kleine Horn gesprochen und dann über die anderen Tiere. Dabei geht es einmal um die vier Weltreiche, aber es geht auch konkret um den, der das letzte Reich repräsentiert, der in Offenbarung 13,1 das „Tier aus dem Meer“ genannt wird. Es ist der letzte europäische Weltherrscher, der hier sein Ende findet.

Als Grund für das Gericht werden hier zunächst nicht die Gräueltaten dieses Mannes erwähnt, sondern es werden speziell seine gotteslästerlichen Worte betont. Die Sünde dieses Menschen findet ihren Höhepunkt darin, dass er Gott lästert und sich selbst zu Gott macht. In Offenbarung 13 wird dieser Mensch dreimal mit Lästerungen in Verbindung gebracht. In Vers 1 befinden sich auf den Köpfen „Namen der Lästerung“. In Vers 5 wurde ihm ein Mund gegeben, „der große Dinge und Lästerungen redete“. In Vers 6 heißt es: „Und es öffnete seinen Mund zu Lästerungen gegen Gott, seinen Namen zu lästern und seine Hütte und die, die ihre Hütte in dem Himmel haben.“

Das Gericht wird schnell und erdrückend sein. Es wird sein ganzes Herrschaftsgebiet betreffen, aber doch auch ganz persönlich sein. Hier wird „das Tier getötet und sein Leib zerstört“. Das macht zum einen klar, dass das „Horn“ das „Tier“ so sehr dominiert hat, dass es mit ihm gleichgesetzt wird. Zum anderen ist die Parallelität zu Offenbarung 19 offenkundig. In Vers 7 lesen wir, dass das Tier ergriffen und lebendig in den Feuersee geworfen wurde. Der „Feuersee“ in Offenbarung 19,20 entspricht in etwa dem „Brand des Feuers“ in Daniel 7. Aus diesem Feuer wird es kein Entrinnen mehr geben. Es ist ein ewiges, unabänderliches und gerechtes Gericht. Dieses Gericht wird der Herr Jesus selbst ausführen.

Judas erinnert an die Weissagung Henochs: „Siehe, der Herr ist gekommen inmitten seiner heiligen Tausende, um Gericht auszuführen gegen alle und zu überführen alle Gottlosen von allen ihren Werken der Gottlosigkeit, die sie gottlos verübt haben, und von all den harten Worten, die gottlose Sünder gegen ihn geredet haben“ (Judas 14.15). Diese Weissagung hat natürlich eine größere Reichweite, weil sie alle Gottlosen betrifft, aber hier sehen wir, wie sich das an dem vierten Tier deutlich erfüllt. Wenn der Herr Jesus sichtbar erscheint, wird es eine Serie von Gerichten über diese Erde geben, die mit dem Gericht über dieses vierte Tier beginnt. Seine erste Erscheinung auf dieser Erde war in Gnade, um „Leben und Unverweslichkeit“ ans Licht zu bringen (2. Tim 1,10). Seine zweite Erscheinung trägt den Charakter von Gericht.

Das Gericht über die übrigen Tiere

Vers 12 unterbricht die Chronologie der Ereignisse, die in Vers 13 wieder aufgenommen wird. Er ist eine Art Rückblick auf die übrigen Reiche, die ebenfalls gerichtet wurden, aber auf eine andere Art und Weise, zu einem anderen Zeitpunkt und von anderen Personen.

Zunächst wird gesagt, dass diese Weltreiche mit Herrschaft verbunden waren, denn diese wurde ihnen weggenommen. In Kapitel 4,19 hatte Daniel zu Nebukadnezar gesagt: „Das bist du, o König, der du groß und stark geworden bist; und deine Größe wuchs und reichte bis an den Himmel und deine Herrschaft bis ans Ende der Erde.“ Gott hatte diesen Königen die Herrschaft gegeben, aber weil sie untreue Verwalter waren, nahm Er sie wieder weg. Die ersten drei Reiche kamen auf, wurden groß und verschwanden wieder in der Versenkung. Das jeweils folgende Reich besiegte und unterjochte sie. Die Meder und Perser machten dem Babylonischen Reich ein Ende. Alexander der Große besiegte die Perser, und auch dessen Reich kam wiederum durch die Römer zu einem Ende.

Der Text sagt, dass ihre Herrschaft weggenommen wurde, nicht aber ihr Leben. Diese Reiche und ihre Regenten sind wohl gerichtet worden, aber sie haben – übrigens bis heute25 – nicht aufgehört zu existieren. Sie haben aber nicht mehr die Macht, über die sie einst verfügten. Das Gericht über diese Weltreiche ist ein Gericht in Vorsehung. Sie haben ihre Vormachtstellung verloren, aber nicht ihre Existenz als Volk und Nation. Wir lernen einmal mehr, dass Gott alles in seiner Hand hält. „Und er ändert Zeiten und Zeitpunkte, setzt Könige ab und setzt Könige ein“ (Dan 2,21).

Für das Römische Reich gilt die Aussage von Vers 12 so nicht. Das alte Römische Reich ist zwar zu einem Ende gekommen. Als sich im Reich Niedergang und Verfall breitmachten, marschierten barbarische Horden in das Reich ein und besiegten es. Auf diese Weise hat zunächst das Weströmische und später das Oströmische Reich ein Ende gefunden. Aber wenn es um das kommende Römische Reich geht, wird das Ende ein ganz anderes sein, nämlich so wie in Vers 11 beschreiben.

Verse 13–14: Das dritte Nachtgesicht (der Sohn des Menschen)

Der Sohn des Menschen

Der Kontrast zwischen dem Ende des zweiten Gesichts und dem dritten Gesicht könnte einerseits nicht größer sein. Andererseits erkennen wir sofort die Verbindung, denn der Sohn des Menschen, von dem wir hier lesen, ist – im Licht des Neuen Testamentes – niemand anderes als Gott selbst (der „Alte an Tagen“).

Daniel hatte große und mächtige Tiere gesehen, die über diese Erde geherrscht haben. Nun sieht er jemanden, der größere Macht hat. Es geht jetzt um den großen Mittelpunkt der ganzen biblischen Prophetie, von dem Paulus sagt, dass Gott sich für die Verwaltung der Fülle der Zeiten (das Tausendjährige Reich) vorgesetzt hat, „alles unter ein Haupt zusammenzubringen in dem Christus, das, was in den Himmeln, und das, was auf der Erde ist, in ihm, in dem wir auch ein Erbteil erlangt haben“ (Eph 1,10.11). Das ist der Sohn des Menschen, der einmal über Himmel und Erde regieren wird.

Wir denken noch einmal an das Ende des großen Standbildes in Daniel 2. Dort war nicht nur die Rede von dem Stein, der das Bild zerstörte (ein Hinweis auf das Gericht), sondern Daniel hatte erklärt: „Und in den Tagen dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das in Ewigkeit nicht zerstört und dessen Herrschaft keinem anderen Volk überlassen werden wird; es wird alle jene Königreiche zermalmen und vernichten, selbst aber in Ewigkeit bestehen“ (Dan 2,44). Jetzt lernen wir, wer dieser Stein ist und wie sein Reich beschaffen sein wird.

Der Ausdruck „Sohn des Menschen“ (oder „einer wie eines Menschen Sohn“) kommt im Neuen Testament häufig vor, und zwar fast ausschließlich in den Evangelien.26 Der Herr Jesus selbst bezeichnet sich so. Damit wird zum einen gesagt, dass Er wirklicher und wahrer Mensch ist. Er wurde von einer Frau geboren und war deshalb „Sohn des Menschen“. Aber der Ausdruck besagt mehr. Es ist ein Titel, der mit der Herrschaft des Herrn Jesus im Tausendjährigen Reich in Verbindung steht. Das machen die wenigen Referenzen im Alten Testament klar:

  1. Psalm 8,5–7: „Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Sohn, dass du auf ihn Acht hast? Denn ein wenig hast du ihn unter die Engel erniedrigt; und mit Herrlichkeit und Pracht hast du ihn gekrönt. Du hast ihn zum Herrscher gemacht über die Werke deiner Hände; alles hast du unter seine Füße gestellt.“ Hier sehen wir den Sohn des Menschen, der über alle Werke der Hände Gottes gestellt ist. Alles in dieser Schöpfung – im Himmel und auf der Erde – wird Ihm unterworfen sein. Dieser Vers wird in Hebräer 2,7 zitiert.
  2. Psalm 80,18: „Deine Hand sei auf dem Mann deiner Rechten, auf dem Menschensohn, den du dir gestärkt hast!“ Der Zusammenhang macht klar, dass es dort um seinen Herrschaftsanspruch im Blick auf das wiederhergestellte Volk Israel geht, dessen König der Herr Jesus sein wird.
  3. Daniel 7: Hier wird deutlich, dass Er auch einen besonderen Herrschaftsanspruch über die Nationen hat. Die Regenten dieser Völker haben völlig versagt und haben den Anforderungen Gottes an sie in keiner Weise entsprochen. Der Herr Jesus als Sohn des Menschen wird das vollkommen tun.

Auch wenn hier nicht direkt gesagt wird, dass Er mit den Wolken des Himmels auf die Erde kommt, hat der Vers doch Bezug auf seine Erscheinung in Herrlichkeit, wenn Er zum Gericht kommt, das seiner Regierung vorausgeht. Die beschriebene Szene scheint im Himmel stattzufinden, aber sie hat Auswirkungen auf die Erde. Offenbarung 1,7 bestätigt das: „Siehe, er kommt mit den Wolken.“ Als der Herr Jesus in Matthäus 24,30 und 26,64 davon sprach, dass der Sohn des Menschen auf den Wolken des Himmels mit Macht und großer Herrlichkeit kommen würde, war seinen Zuhörern sofort klar, dass Er sich auf diese Weissagung Daniels bezog. Gerade das erfüllte sie mit Hass und Wut.

Eine gewisse Parallele erkennen wir in Offenbarung 14,14. Dort sah Johannes „eine weiße Wolke, und auf der Wolke saß einer gleich dem Sohn des Menschen, der auf seinem Haupt eine goldene Krone und in seiner Hand eine scharfe Sichel hatte“. Die Krone auf seinem Haupt spricht von Herrschermacht und Regierung, während die scharfe Sichel von dem Gericht spricht, das der Regierung vorausgeht.

Dieser Sohn des Menschen kommt nun zu dem Alten an Tagen. Es fällt auf, dass Er einerseits kommt und andererseits vor Ihn gebracht wird. Was auf den ersten Blick wie ein Widerspruch klingt, ist keiner. Es macht vielmehr klar, dass wir es mit einer Person zu tun haben, die einerseits selbst handelt (wie Er Gott ist). Andererseits ist Er Mensch und lässt sich bringen. Wir haben schon gesehen, dass dieser Sohn des Menschen niemand anders als Gott selbst – der „Alte an Tagen“ ist. Das wird – typisch für das Alte Testament – hier ein wenig verschleiert ausgedrückt. Die klare Unterscheidung göttlicher Personen ist typisch für das Neue Testament. Im Alten Testament wird das nicht so klar unterschieden. So lesen wir z. B. in Psalm 110,1: „Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde hinlege als Schemel für deine Füße!“ Es ist das Geheimnis der Gottheit, das im Alten Testament nur angedeutet wird.27 Dass Er selbst kommt, zeigt, dass Er selbst Gott ist. Dass Er gebracht wird, zeigt, dass Er ein Mensch ist. Erneut wird nicht gesagt, wer Ihn dorthin bringt, aber es kann nur Gott selbst sein. Wir erkennen dadurch, dass es Gottes Wille ist, dass der Sohn des Menschen einmal in seinem Reich richten und herrschen wird.

Das Reich des Sohnes des Menschen

Vers 14 beschreibt dieses Reich mit wenigen, aber eindrucksvollen Worten. Es ist ein großes Reich, das ewig bestehen wird und seinen Anfang nimmt, wenn Er als Sohn des Menschen auf dieser Erde erscheinen wird:

  • Herrschaft, Herrlichkeit und Königtum wurde ihm gegeben: Gott sorgt dafür, dass Er diese Herrschaft antritt. Es gehört zu seinem Plan für diese Erde. Gott hatte die Herrschaft, die Herrlichkeit und das Königtum anderen gegeben, aber sie haben sich gegen Ihn erhoben. Nun wird Er selbst diese Herrschaft übernehmen.
  • Alle Völker, Völkerschaften und Sprachen dienen ihm: Dieser Ausdruck ist typisch für das Buch Daniel. Er kommt insgesamt sechsmal vor (Kap 3,4.7.31; 5,19; 6,26; 7,14). Gemeint sind konkret die Nationen, über die die Könige der Nationen geherrscht haben. In den Zeiten der Nationen haben sie ihren eigenen Göttern und sich selbst gedient. Nun werden sie dem Sohn des Menschen dienen.28
  • Seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft: Zu dieser Erkenntnis war Nebukadnezar bereits in Kapitel 4,31 gekommen, aber seine Nachfolger haben daran nicht mehr gedacht. Jede menschliche Herrschaft ist zeitlich. Die Herrschaft des Sohnes des Menschen hingegen ist ewig. Nach seinem Reich wird es kein weiteres Reich auf dieser Erde geben.29
  • Sein Königtum wird nicht zerstört werden: Auch das war bereits eine Erkenntnis von Nebukadnezar (Dan 2,44). Es gibt keinen Feind mehr, der zerstören könnte. Der große Feind Gottes ist während dieser Zeit gebunden und kann die Menschen nicht mehr gegen den Herrn aufbringen. Es wird das einzige Reich auf dieser Erde sein, das wirklich Bestand hat.

Es gibt eine Reihe von Psalmen, die über diese herrliche Herrschaft des Herrn Jesus über die Völker und Nationen sprechen. Stellvertretend für andere wird hier Psalm 96 im kompletten Wortlaut wiedergegeben:

„Singt dem Herrn ein neues Lied, singt dem Herrn, ganze Erde! Singt dem Herrn, preist seinen Namen, verkündet Tag für Tag seine Rettung! Erzählt unter den Nationen seine Herrlichkeit, unter allen Völkern seine Wundertaten! Denn groß ist der Herr und sehr zu loben, furchtbar ist er über alle Götter. Denn alle Götter der Völker sind Nichtigkeiten, aber der Herr hat die Himmel gemacht. Majestät und Pracht sind vor seinem Angesicht, Stärke und Herrlichkeit in seinem Heiligtum. Gebt dem Herrn, ihr Völkerstämme, gebt dem Herrn Herrlichkeit und Stärke! Gebt dem Herrn die Herrlichkeit seines Namens; bringt eine Opfergabe und kommt in seine Vorhöfe! Betet den Herrn an in heiliger Pracht! Erzittert vor ihm, ganze Erde! Sagt unter den Nationen: Der Herr regiert! Auch steht der Erdkreis fest, er wird nicht wanken. Er wird die Völker richten in Geradheit. Es freue sich der Himmel, und es frohlocke die Erde! Es brause das Meer und seine Fülle! Es frohlocke das Feld und alles, was darauf ist! Dann werden jubeln alle Bäume des Waldes vor dem Herrn, denn er kommt, denn er kommt, die Erde zu richten: Er wird den Erdkreis richten in Gerechtigkeit und die Völker in seiner Treue.“

Der Herr Jesus ist jetzt als Sohn des Menschen im Himmel. Dort ist Ihm alle Macht gegeben. Das hat Er selbst gesagt, bevor Er zurückging. Er sagte: „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf der Erde“ (Mt 28,18). Noch ist das nicht sichtbar: „Denn indem er ihm alles unterworfen hat, hat er nichts gelassen, was ihm nicht unterworfen wäre; jetzt aber sehen wir ihm noch nicht alles unterworfen“ (Heb 2,8).

Im Zentrum dieses Kapitels aus dem Alten Testament steht die Herrlichkeit des Herrn. Die Weltreiche der Menschen sind gewaltig an Macht, aber Er überragt sie alle. Er muss in allem den Vorrang haben. Er ist einzigartig und unvergleichlich.

Verse 15–18: Eine generelle Erklärung

Eine erste Reaktion Daniels

Daniels Reaktion ist verständlich. Das, was er sah, ergriff ihn sehr. Es erging ihm ähnlich wie Johannes, als er den Herrn Jesus in seiner richterlichen Herrlichkeit sah (Off 1,17). Bis zu diesem Augenblick war kein Wort gesprochen worden. Wenn wir den Text lesen, tun wir das vor dem Hintergrund der folgenden Erklärungen und des gesamten prophetischen Wortes, das wir kennen. Obwohl Daniel tiefe Einsicht in Gottes Gedanken hatte, wusste er viel weniger. Er befand sich am Ende des ersten Weltreiches und muss nun erfahren, was alles noch kommen sollte. Sein eigenes Volk war bisher überhaupt noch nicht erwähnt worden, aber ohne Frage ahnte Daniel hier schon, was das alles für sein Volk bedeuten würde. Deshalb war er nicht nur tief ergriffen, sondern er fürchtete sich. Diese Furcht muss sich nicht auf ihn selbst bezogen haben, sondern es ist gut möglich, dass er sich für sein Volk ängstigte. Als echter Jude wartete er auf den Messias und seine Regierung und Segen, aber nun lernte er, was vorher noch passieren sollte, bevor dieses Reich kommen konnte.

Daniel war – natürlich mit der Hilfe Gottes – in der Lage gewesen, die Träume Nebukadnezars genau zu deuten. Aber nun muss er selbst jemanden fragen, der dabei stand, um Gewissheit zu bekommen, was das Gesicht zu bedeuten hat. Diese Aussage könnte ein Hinweis darauf sein, dass Daniel etwas ahnte. Aber das genügte ihm nicht. Er wollte Gewissheit haben. Der Prophet wollte sich sicher sein.

Es ist für Propheten des Alten Testamentes nicht unüblich, dass sie nachfragen (vgl. z. B. Sach 1,8.9). Paulus schreibt: „Denn wer von den Menschen weiß, was im Menschen ist, als nur der Geist des Menschen, der in ihm ist? So weiß auch niemand, was in Gott ist, als nur der Geist Gottes“ (1. Kor 2,11). Das galt im gewissen Sinn selbst für Johannes, als er die Offenbarung schrieb. Er fragte zwar nicht nach, aber er bekam doch Erklärungen für Dinge, die er nicht verstehen konnte. Gott musste es ihm zeigen (vgl. Off 4,1). In Kapitel 7,13 gibt ihm ein Ältester Erklärungen, bei einer anderen Gelegenheit ein Engel (Kap. 17,6.7). Bei Daniel war es ein „Dastehender“. Wer das genau war, wissen wir nicht. Es mag einer der Engel gewesen sein, der vor dem „Alten an Tagen“ stand. Offensichtlich war dieser Dastehende mit den Gedanken Gottes vertraut und konnte antworten.

Eine erste Antwort

Daniel bekommt Antwort auf seine Fragen, und zwar in zwei Teilen. Zunächst gibt der Erklärende eine sehr knappe und präzise Auskunft in den Versen 17 und 18. Auf eine weitere Rückfrage Daniels erfolgt dann in den Versen 23 bis 27 eine ausführlichere Erklärung, die sich speziell auf das vierte Tier bezieht.

Es fällt beim Lesen auf, dass die Deutung über das eigentliche Gesicht hinausgeht. Das ist in der Bibel häufig so und darf uns nicht überraschen. Wenn der Herr Jesus seinen Jüngern die Gleichnisse erläuterte, die Er vorher erzählt hatte, ist das in aller Regel ebenso. Das Gesicht hatte von dem Charakter der Weltreiche gesprochen. In der Erklärung lernen wir darüber hinaus vor allem, in welcher Beziehung diese Weltreiche zu dem Volk Daniels stehen würden. Der Text spricht mehrfach von den „Heiligen“ (Verse 18.21.22.25.27). Wir werden sehen, wer das ist.

Vier Könige, die von der Erde aufstehen

Das ist die erste Aussage. Sie zeigt zweierlei:

  1. Die Tiere, die Daniel sah, haben eine doppelte Bedeutung. Sie stehen einerseits für die vier Weltreiche und andererseits für die Könige, die sie repräsentieren. Die Königreiche werden – in einem gewissen Sinn – personifiziert gesehen.
  2. Die Könige werden von der Erde aufstehen. Das ist kein Widerspruch zu der Aussage in Vers 3. Dort hatten wir gesehen, dass die Tiere aus dem Meer heraufsteigen. Zum einen stehen in Vers 3 die Königreiche im Vordergrund, während es hier die Personen sind, die diese Reiche beherrschen. Zum andern ist klar, dass Vers 3 von den äußeren Begleitumständen spricht, in denen diese Weltreiche entstanden, während es jetzt um den moralischen Ursprung ihrer Regenten geht. Diese Reiche sind in einer Zeit des politischen Umbruchs und der Unruhe entstanden. Die Tatsache, dass die Könige von der Erde aufstehen, bildet erstens einen Gegensatz zu dem Kommen des Sohnes des Menschen. Er wird vom Himmel kommen, während diese Regenten von der Erde kommen. Zweitens gibt es einen Gegensatz zu dem Reich des Sohnes des Menschen, denn es ist ein Reich, in dem „die Himmel herrschen“ (vgl. Dan 4,23). Drittens stehen die Könige dieser Erde in einem Gegensatz zu den „Heiligen der höchsten Örter“. Erde und Himmel bilden einen unüberbrückbaren Gegensatz. Die Könige sind ausschließlich irdisch orientiert. Sie kennen keine himmlischen Interessen.

Die Heiligen der höchsten Örter empfangen das Reich

Diese Aussage muss für den fragenden Daniel ein großer Trost gewesen sein. Nicht die vier Könige von der Erde empfangen das Reich, sondern die „Heiligen der höchsten Örter“. Das Wort „Heilige“ wird im weiteren Verlauf mehrfach gebraucht. In den Versen 18, 22 und 25 ist die Rede von den „Heiligen der höchsten Örter“, in den Versen 21 und 22 von den „Heiligen“ und in Vers 27 von dem „Volk der Heiligen der höchsten Örter“. Für Daniel muss unmittelbar klar gewesen sein, dass damit nicht die Nationen und Völker gemeint sein konnten, sondern dass es um sein geliebtes Volk ging. Sein Volk würde einmal das Reich empfangen. In Vers 14 hatte Daniel gesehen, wie dem Sohn des Menschen das Reich gegeben wurde. Nun lernt er, dass es Heilige geben wird, die das Reich mit Ihm bekommen sollen. Dieser Gedanke muss ihm neu gewesen sein, denn den Träumen von Nebukadnezar war das nicht zu entnehmen.

Für uns verbindet sich dieser Gedanke mit der bereits zitierten Stelle aus Epheser 1,10–12, wo wir lernen, dass wir in dem Christus ein Erbteil erlangt haben. Christus ist der Erbe und wir sind seine Miterben (Röm 8,17). In 2. Timotheus 2,12 schreibt Paulus: „Wenn wir ausharren, so werden wir auch mitherrschen.“ Christus ist derjenige, der das Reich empfängt, aber Er wird es mit anderen teilen.

Davon wusste Daniel natürlich nichts und dieser Gedanke geht über das hinaus, was Daniel sah und hörte. Er wusste aber, dass diese „Heiligen“ mit Gott in Verbindung stehen. Es sind Menschen, die Gott für sich an die Seite nimmt, die Ihm gehören. Wer aber sind diese „Heiligen der höchsten Örter“? (Andere übersetzen: „Heilige des Allerhöchsten“.) Wer der Höchste ist, lernen wir aus Vers 25. Aber darum geht es hier nicht, denn das Wort „höchsten“ steht nicht in der Einzahl, sondern in der Mehrzahl. Deshalb ist die Übersetzung „der höchsten (Örter)“ besser. Das Wort „Örter“ steht im Grundtext nicht, ist aber gemeint. Das sprachliche Gegenstück im Neuen Testament sind die „himmlischen Örter“, die im Epheserbrief mehrfach erwähnt werden.30 Einige Ausleger verbinden das auch direkt mit dem Epheserbrief und denken bei den „Heiligen der höchsten Örter“ nur an die Gläubigen der Gnadenzeit. Es ist sicher gut möglich und vielleicht sogar wahrscheinlich, dass Paulus – unter der Leitung des Heiligen Geistes – bei diesem Ausdruck an Daniel 7 gedacht hat. Dennoch kann sich dieser Ausdruck unmöglich auf die Gläubigen der Gnadenzeit beschränken. Er muss solche Heiligen einschließen, an die Daniel unmittelbar gedacht haben wird, als er diesen Ausdruck hörte. Es geht hier nicht um die speziellen christlichen Segnungen, sondern es geht um das, was himmlische Heilige miteinander teilen werden. Dazu gehören neben den Gläubigen der Gnadenzeit noch andere. Daniel wird jedenfalls an die Heiligen aus seinem Volk gedacht haben, die vor der Aufrichtung des Reiches durch den Tod gegangen sein würden.31

Wir müssen bedenken, dass die Erwartungshaltung der Juden auf das Reich gerichtet war. Dieses Reich war ihnen von Gott versprochen worden. Der Messias sollte über sein Volk regieren. Nun waren viele der gläubigen Juden gestorben und in der großen Drangsal werden weitere ihr Leben lassen. Sie alle werden auferstehen und nehmen vom Himmel aus an diesem Reich teil (vgl. Off 20,4.5). Das sind die „Heiligen der höchsten Örter“. Sie haben einmal auf dieser Erde gelebt, sind gestorben und gehören somit dem Himmel an. In der Offenbarung sehen wir sie im Bild der 24 Ältesten gemeinsam mit den Gläubigen der Zeit der Gnade, die dieses Reich ebenfalls vom Himmel aus erleben werden. Das sind die Menschen, von denen Judas spricht, wenn er an die Weissagung Henochs erinnert: „Siehe, der Herr ist gekommen inmitten seiner heiligen Tausende“ (Judas 14).

Zusammenfassend halten wir fest, dass es sich bei den „Heiligen der höchsten Örter“ in der unmittelbaren Bedeutung zuerst um Gläubige aus dem Volk Israel handelt, die vor der Aufrichtung des Reiches gestorben sind. Das sind erstens die Gläubigen aus der Zeit des Alten Testamentes.32 Zweitens sind es die Märtyrer aus der großen Drangsal. Beide Gruppen haben Teil an der ersten Auferstehung. Drittens denken wir – im Licht des Neuen Testaments – an uns, die wir ebenfalls das Reich von seiner himmlischen Seite miterleben werden. Die Briefe des Neuen Testaments sprechen mehrfach von einem „Eingang“ in dieses Reich (z. B. Apg 14,22; 1. Kor 6,9.10; 15,50; Gal 5,21). Wir erleben das Reich ebenfalls von seiner himmlischen Seite. Die Heiligen empfangen dieses Reich nicht nur. Sie werden es auch tatsächlich besitzen. Es wird ihnen nicht mehr genommen werden.

Es wird hinzugefügt, dass die Heiligen der höchsten Örter das Reich besitzen werden „bis in Ewigkeit“. Dieser Ausdruck kommt nur im Alten Testament vor und wird häufig gebraucht. Er bezieht sich an vielen Stellen auf das Tausendjährige Reich. Zum ersten Mal wird er in 1. Mose 13,15 gebraucht. Dort sagt Gott zu Abraham: „Denn das ganze Land, das du siehst, dir will ich es geben und deiner Nachkommenschaft bis in Ewigkeit.“ Zuletzt wird es in Micha 4,7 erwähnt. Dort sagt Gott: „Und der Herr wird König über sie sein auf dem Berg Zion, von nun an bis in Ewigkeit.“ Beide Stellen beziehen sich eindeutig auf das kommende Reich auf der Erde (vgl. weiter z. B. Ps 133,3; Jes 9,6; Hes 37,25). Dann wird hinzugefügt: „… ja, bis in die Ewigkeit der Ewigkeiten“. Dieser Ausdruck kommt nur hier vor und er mag ein Hinweis darauf sein, dass die Regierung des Sohnes des Menschen auch nach dem Tausendjährigen Reich nicht aufhören wird. Auch in der Ewigkeit nach der Zeit gibt es eine Regierung. Auch dann werden wir mit dem Christus herrschen (Off 22,5). Petrus spricht von diesem Reich als einem „ewigen Reich“ (2. Pet 1,11). Dieser Gedanke ist im Alten Testament im Allgemeinen unbekannt, aber hier scheint Gott den Vorhang etwas an die Seite zu ziehen.

Verse 19–27: Erklärungen zu dem vierten Reich

Weitere Erklärungen

Wir können gut verstehen, dass Daniel nach diesen allgemeinen Erklärungen weitere Einzelheiten wissen wollte. Was ihn besonders interessierte, war das vierte Tier, das anders war als die drei ersten Tiere. Daniel hatte sich das Bild dieses Tieres sehr gut eingeprägt und wiederholt die erschreckende Erscheinung der Verse 7 und 8, indem er noch hinzufügt, dass das vierte Tier Klauen aus Erz hatte und sein Aussehen größer war als das seiner Genossen. Das zeigt, dass die Beschreibung, die vorher gegeben worden war, noch nicht ausreichte, um die Grausamkeit und Brutalität dieses Tieres zu beschreiben. Außerdem lernen wir, dass das Tier „Genossen“ hat, d. h. solche, die von der gleichen Art sind, aber doch nicht an die Größe dieses einen Herrschers heranreichen.

Was Daniel besonders erschüttert haben muss, ist die Tatsache, dass das kleine Horn (also der König dieses Reiches, der kommende römisch-europäische Weltherrscher) Krieg gegen die Heiligen führte und sie besiegte. Diese Heiligen waren in erster Linie Volksgenossen von Daniel – und solche aus den Nationen, die durch ihre Predigt das Evangelium des Reiches annehmen würden. Das muss den treuen Propheten tief bewegt haben.

Krieg gegen die Heiligen

Satans Angriffe richten sich immer gegen Gott und diejenigen, die mit Gott in Beziehung stehen.33 Wir finden sie in Offenbarung 13. Dort wird dieses „Tier“ (das „kleine Horn“) beschrieben: „Und ihm wurde gegeben, mit den Heiligen Krieg zu führen und sie zu überwinden“ (Off 13,7). Alle Menschen, die nicht bereit sind, das Tier anzubeten, werden verfolgt werden. Das sind die „Heiligen“, die sich zu diesem Zeitpunkt auf der Erde befinden und von denen viele ihr Leben lassen werden. Gegen die „Heiligen der höchsten Örter“, die sich zu diesem Zeitpunkt im Himmel befinden, kann keine Macht auf dieser Erde etwas ausrichten.34 Die Heiligen auf der Erde, die tatsächlich getötet werden, werden später zu den himmlischen Heiligen gehören. Die Überlebenden dieses neuen „Holocausts“ gehen in die irdischen Segnungen des Reiches ein. Sie werden etwas später „das Volk der Heiligen der höchsten Örter“ genannt (Vers 27). In Vers 25 lesen wir, dass einige der Heiligen „vernichtet“ werden. Damit ist offensichtlich der Märtyrertod gemeint. Hier steht, dass der kommende römisch-europäische Weltherrscher gegen sie Krieg führt und sie besiegt. Er wird sie unterdrücken, schikanieren, verfolgen, vertreiben und drangsalieren. Aber nicht alle werden getötet werden. Bis zum Ende – wo der Herr zurückkommt – wird es einen Überrest der Juden auf der Erde geben. Vers 21 liefert eine ganz knappe Zusammenfassung der großen Drangsal, die über Jakob kommen wird.

Eine erneute Gerichtsszene

Das Tier hat mit der Verfolgung der Heiligen nur so lange Erfolg, wie Gott es zulässt. Sobald der „Alte an Tagen“ kommt und das Gericht sich setzt, ist die Zeit gekommen, dass die Rollen getauscht werden. Man gewinnt den Eindruck, dass die in Daniel 7 erwähnten Gerichtssitzungen im Himmel stattfinden und auf der Erde ausgeübt werden. Wann diese Zeit gekommen ist, bestimmt allein Gott. Es ist der Augenblick, von dem Offenbarung 11,15 sagt: „Und es geschahen laute Stimmen in dem Himmel, die sprachen: Das Reich der Welt unseres Herrn und seines Christus ist gekommen, und er wird herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ Dann werden die Heiligen das Reich besitzen. Die „Heiligen“ scheint hier eine Bezeichnung für alle Heiligen zu sein, sowohl die im Himmel als auch die auf der Erde. Beide Gruppen von Heiligen werden das Reich besitzen. Die einen werden vom Himmel aus mit Christus richten und regieren, die anderen werden das Reich auf der Erde erleben. Für beide Gruppen von Heiligen wird das eine große Freude und ein Segen sein. Dann gehen für viele die Worte des Herrn in Erfüllung: „Glückselig die um der Gerechtigkeit willen Verfolgten, denn ihrer ist das Reich der Himmel“ (Mt 5,10).

Zwischen diesen beiden Gruppen von Heiligen gibt es allerdings einen weiteren Unterschied. Von den „Heiligen der höchsten Örter“ wird nicht nur gesagt, dass sie an dem Reich teilhaben, sondern dass ihnen von dem „Alten an Tagen“ das Gericht gegeben wird35. Das ist in Übereistimmung mit dem, woran Paulus die Korinther erinnert, dass die Heiligen die Welt richten werden (1. Kor 6,2). J. N. Darby gibt dazu folgenden Kommentar: „Das Gericht beschränkt sich auf die himmlischen Heiligen. Bei dem Reich ist es allgemeiner formuliert; die Heiligen auf der Erde nehmen ihrer Stellung gemäß daran teil, ohne dass die Heiligen im Himmel von einer ihrer Stellung entsprechenden Teilnahme ausgeschlossen sind.“36

Das vierte Tier

Vers 23 erklärt das vierte Tier. Wir erkennen aus der Formulierung, dass das Tier sowohl das Römische Weltreich als auch den Herrscher des Reiches symbolisiert.

Einige Ausleger sehen in Vers 23 einen Rückblick auf das Römische Reich, so wie es in der Vergangenheit gewesen ist, und in Vers 24 das noch zukünftige Römische Reich. Ohne Frage nimmt die Beschreibung in Vers 23 Bezug auf das, was für uns Geschichte ist. Gleichzeitig aber scheint dieser Vers ebenfalls eine Beschreibung dessen zu sein, was dieses Reich auch in der Zukunft ausmachen wird.

Folgendes wird gesagt:

  1. Das Reich ist auf der Erde, d. h. es hat mit dem Himmel nichts zu tun. Herkunft und Charakter sind durch und durch irdisch.
  2. Es wird von allen Königreichen verschieden sein. Es gibt eine Reihe von Unterschieden, die wir zum Teil bereits gesehen haben:
    a) Zwei Phasen: Das Römische Reich erscheint in zwei verschiedenen Phasen. Es hat eine Vergangenheit, existiert in der Gegenwart nicht, wird aber eine Zukunft haben (Off 17,8).
    b) Das Gericht: Das Römische Reich trifft ein direktes und endgültiges Gericht Gottes, während die anderen Reiche zwar besiegt, aber doch weiter existieren werden.
    c) Der Ursprung der Macht: Das Römische Reich bekommt seine Macht direkt vom Teufel (Off 13,2). Die übrigen Weltreiche haben ihre Macht von Gott bekommen. Das galt ganz besonders für Nebukadnezar (Dan 5,18).
  3. Es verzehrt die ganze Erde und zertritt und zermalmt sie. Das römische Weltreich hat einen globalen Einfluss. Das war in der ersten Erscheinungsphase so, und das wird in Zukunft verstärkt der Fall sein. Die Verflechtungen sind so international, dass der verderbliche Einfluss die ganze Erde betrifft. Niemand wird sich diesem Reich widersetzen können. Wer es doch tut, wird vernichtet werden.
  4. In den ersten drei Reichen war die Regierungsform der Diktatur vorherrschend. Im Römischen Reich hat es hingegen eine Mischform von demokratischen und diktatorischen Elementen gegeben. Diese „Mischung“ wurde bereits in dem Standbild von Nebukadnezar angedeutet, wo sich Eisen und Ton miteinander verbinden wollten. In der Zukunft wird das ähnlich sein. Das Reich scheint ein – mehr oder weniger freiwilliger – Zusammenschluss verschiedener demokratischer Staaten in Westeuropa zu sein, und dennoch wird es völlig ausgereifte, diktatorische Züge tragen, indem sich ein Gewaltherrscher an die Spitze setzt.

Zehn Hörner

In Vers 24 werden die zehn Hörner näher erläutert. Es stellt sich die Frage, ob es hier ausschließlich um das zukünftige Reich geht oder die Beschreibung in der hinter uns liegenden Geschichte des Römischen Reiches ein Äquivalent findet. Es gibt Ausleger, die der Meinung sind, alles habe sich bereits erfüllt. Sie erkennen an, dass es aus Daniels Sicht zukünftig war, meinen aber, aus unserer Sicht habe sich alles in dem alten Römischen Reich erfüllt. Um die zehn Hörner zu erklären, benennen sie z. B. zehn Nationen, in die das Römische Reich um ca. 500 n. Chr. zerbrochen ist, nämlich die Alemannen, Franken, Angelsachsen, Lombarden, Sueven, Burgunder, Heruler, Vandalen, Ost- und Westgoten. In den drei Hörnern, die gestürzt wurden, sehen sie die Heruler, die Vandalen und die Ostgoten. Das kleine Horn identifizieren sie mit dem Papsttum in Rom, das durch den Fall dieser drei Nationen an die Macht gekommen sein soll und ein nicht von Gott gewolltes religiöses System ist, das schließlich von Gott gerichtet wird.

Gegen diese Argumentation gibt es verschiedene Einwände:

  1. Man verlegt die zehn Hörner in die Zeit nach dem Römischen Reich. William Kelly schreibt: „Es ist klar, was wir hier sehen, dass ein Tier etwas ganz anderes ist als ein Horn. Ein Tier stellt die Einheit eines Reiches dar. … Als die zersplitterten Reiche zu existieren begannen, gab es kein Römisches Reich mehr.“ Diese Erklärung versucht also die „Hörner“ von dem „Tier“ zu trennen, was aber nicht geht.
  2. Die zehn Hörner sind offensichtlich zehn Könige, die zur gleichen Zeit regieren (vgl. Off 17,12). Auch das berücksichtigt diese fehlerhafte Interpretation nicht.
  3. Das Reich in Daniel 7 wird unmittelbar durch das Reich des Sohnes des Menschen (das Tausendjährige Reich) abgelöst werden (vgl. den Stein in Daniel 2,44.45, der das Bild zerstörte). Es gibt in der Geschichte kein Ereignis, das man damit in Verbindung bringen könnte.
  4. Für die in Vers 25 genannte Zeitperiode von insgesamt dreieinhalb Jahren findet man in der Geschichte keine vernünftige und nachvollziehbare Erklärung. Gleiches gilt für die Aussage, dass „Zeiten und Gesetz“ geändert werden.
  5. In dem kleinen Horn ein Bild des Papsttums zu sehen, ist recht abenteuerlich. Der Papst hat zwar in der Vergangenheit einen großen Einfluss auf die Politik gehabt, aber er hat nie drei Königreiche zerstört oder besessen. W. Kelly geht in seiner ausgezeichneten Auslegung über den Propheten Daniel auf diesen Punkt sehr ausführlich ein.

Aus diesen Begründungen sehen wir deutlich, dass diese Interpretation fehlleitet. Was wir hier im Bibeltext lesen, gehört der Zukunft an. Es wird in der Zeit des Endes Wirklichkeit werden.37

Das vierte Reich wird aus zehn Königen bestehen, die nebeneinander (d. h. zur gleichen Zeit) regieren. Sie entsprechen den Zehen der Füße im dem Bild in Daniel 2. Das römische Weltreich – also Westeuropa – wird eine Weltmacht sein, die aus einem Staatenbund von zehn Staaten besteht. Sie werden hier als „Hörner“ bezeichnet, und wir haben gesehen, dass das Horn Kraft und Macht symbolisiert.37

„Ein anderer“ – das kleine Horn

Dann steht ein anderer auf, der wiederum verschieden von ihnen ist. Es ist einer der drei Protagonisten der Endzeit. Offenbarung 13 spricht von zwei Tieren. Das erste Tier ist aus dem Meer (Vers 1). Das zweite Tier ist aus der Erde (Vers 11). Das erste Tier ist der römische Weltherrscher. Das zweite Tier ist der Antichrist. Zum besseren Verständnis dieser zentralen Aussage, die für das gesamte prophetische Wort wichtig ist, nachstehend der komplette Text aus Offenbarung 13:

„Und ich sah aus dem Meer ein Tier heraufsteigen, das zehn Hörner und sieben Köpfe hatte, und auf seinen Hörnern zehn Diademe, und auf seinen Köpfen Namen der Lästerung. Und das Tier, das ich sah, war gleich einem Leoparden, und seine Füße waren wie die eines Bären, und sein Maul war wie das Maul eines Löwen. Und der Drache gab ihm seine Macht und seinen Thron und große Gewalt. Und ich sah einen von seinen Köpfen wie zum Tod geschlachtet. Und seine Todeswunde wurde geheilt, und die ganze Erde verwunderte sich über das Tier. Und sie beteten den Drachen an, weil er dem Tier die Gewalt gab, und sie beteten das Tier an und sagten: Wer ist dem Tier gleich? Und wer vermag mit ihm zu kämpfen? Und ihm wurde ein Mund gegeben, der große Dinge und Lästerungen redete; und ihm wurde Gewalt gegeben, 42 Monate zu wirken. Und es öffnete seinen Mund zu Lästerungen gegen Gott, seinen Namen zu lästern und seine Hütte [und] die, die ihre Hütte in dem Himmel haben. Und ihm wurde gegeben, mit den Heiligen Krieg zu führen und sie zu überwinden; und ihm wurde Gewalt gegeben über jeden Stamm und jedes Volk und jede Sprache und jede Nation. Und alle, die auf der Erde wohnen, werden es anbeten, jeder, dessen Name nicht geschrieben ist in dem Buch des Lebens des geschlachteten Lammes von Grundlegung der Welt an“ (Off 13,1–8).

Auch in Offenbarung 17 ist von diesem Tier die Rede:

„Und das Tier, das war und nicht ist, er ist auch ein achter und ist von den sieben und geht ins Verderben. Und die zehn Hörner, die du sahst, sind zehn Könige, die noch kein Königreich empfangen haben, aber sie empfangen Gewalt wie Könige für eine Stunde mit dem Tier. Diese haben einen Sinn und geben ihre Macht und Gewalt dem Tier“ (Off 17,10–13)

Der Vergleich mit Daniel 7 ist frappierend. Es werden die gleichen Tiere genannt, nun in umgekehrter Reihenfolge. Der Grund liegt auf der Hand: Daniel sieht sie als in der Zukunft kommend, während Johannes einen Rückblick auf ihre Existenz wirft.

Die satanischen Aktivitäten dieses Gewaltherrschers werden nun beschrieben:

  1. Er wird drei Könige erniedrigen: Innerhalb des europäischen Staatenbundes wird es zu nicht näher beschriebenen Verwerfungen kommen, die dieser Mann für sich ausnutzt, um an die Spitze zu kommen. Wie das genau geschieht, wird nicht gesagt. Es mag auf politischem oder militärischem Weg sein, aus Zwang oder freiwillig. In Daniel 7 Vers 8 hatten wir gelesen, dass diese drei Hörner „ausgerissen“ wurden. Das mag ein Hinweis darauf sein, dass es eher gewaltsam geschieht und dass die drei Könige möglicherweise Widerstand leisten.
  2. Er wird große Worte gegen den Höchsten reden: Der Höchste ist Gott selbst. Dieser Titel kommt im Buch Daniel mehrfach vor (hier zum letzten Mal).38 Große Worte sind lästerliche Worte. Wir haben das in Vers 8 gesehen. Dieser Mann ist nicht nur irdisch orientiert. Er passt perfekt zum abgefallenen Christentum, das mit Gott nichts mehr zu tun haben will. Es geht nicht nur um Feindschaft gegen alles, was mit Gott zu tun hat, sondern um eine freche Herausforderung Gottes selbst. „Und es öffnete seinen Mund zu Lästerungen gegen Gott, seinen Namen zu lästern und seine Hütte“ (Off 13,6).39
  3. Er wird die Heiligen der höchsten Örter vernichten: Sein Widerstand gilt denen, die mit dem Himmel verbunden sind. Wir haben das in Vers 21 erklärt. Wer gegen Gott ist, ist gegen diejenigen, die Ihm folgen und Ihm dienen wollen. Unter seiner Regierung werden alle, die das Wort Gottes ernst nehmen, große Leiden zu ertragen haben und verfolgt werden. Das sind solche, die die „Gebote Gottes und den Glauben Jesu bewahren“ (Off 14,12). Der jüdische Überrest wird dabei ein besonderer Gegenstand seines Hasses und der Verfolgung sein.
  4. Er denkt daran, Zeiten und Gesetz zu ändern: Gemeint sind die jüdischen Festzeiten und das jüdische Gesetz. Alle (An)Ordnungen Gottes sollen eliminiert werden. Wir müssen bedenken, dass die Juden zu diesem Zeitpunkt den Tempel in Jerusalem neu gebaut haben und dort Gottesdienst ausüben werden. Diesem Gottesdienst wird dieser Regent – in Kooperation mit dem Antichristen – ein Ende bereiten (vgl. Dan 9,27). J. N. Darby kommentiert: „Wenn die Juden ihre regelmäßigen Feste und Satzungen wieder eingerichtet haben, so zerstört die Tyrannei des kleinen Horns jede Spur dieser Satzungen.“40

„Zeiten und Gesetz“ werden – unter der Zulassung Gottes – in der Hand dieses Gewaltherrschers sein. Wir müssen das allerdings richtig verstehen. Es geht nicht darum, dass die Heiligen in seiner Hand sind. Das wird Gott niemals zulassen. Gott wird den Überrest durch Gerichte und Verfolgung läutern, aber das ist die Seite Gottes. W. Kelly schreibt: „Gott wird seine Heiligen nie in die Hand seiner Feinde geben, auch nicht für einen einzigen Augenblick. Er hält sie immer in seiner eigenen Hand. Hiob war nie mehr in den Händen Gottes als in dem Augenblick, als Satan ihn sichten wollte wie den Weizen. Die Schafe sind in den Händen von Vater und Sohn und niemand wird sie aus diesen Händen rauben können.“41 Das ist auch für uns ein großer Trost. Wir sind sicher geborgen in der Hand des Vaters und des Sohnes.

Es folgt eine Zeitangabe, die ebenfalls von Interesse ist. Das Ganze dauert „eine Zeit und Zeiten und eine halbe Zeit“. Eine Zeit (d. h. ein Jahr) und Zeiten (zwei Jahre) und eine halbe Zeit (ein halbes Jahr) ist eine bekannte Umschreibung für dreieinhalb Jahre. Die Zeitspanne betrifft immer – auch in der Offenbarung – die zweiten dreieinhalb Jahre der letzten Jahrwoche Daniels (Dan 9,27), die Zeit der „großen Drangsal“ (vgl. Jer 30,7). In der Offenbarung finden wir drei Ausdrücke dafür: 42 Monate (Off 11,2; 13,5), 1260 Tage (Off 11,3; 12,6) oder Zeit, Zeiten und eine halbe Zeit (Off 12,14). Diese Zeit beginnt, wenn der Satan aus dem Himmel geworfen wird und auf dieser Erde wütet (Off 12,7–12). Es ist die Zeit, in der Satan in Macht und Wut ungehindert durch diesen Menschen wirken kann.

Exkurs 2

Es könnte die Frage aufkommen, welchen Anteil wir – die Gläubigen der Gnadenzeit und der Versammlung – an diesem Geschehen haben. J. N. Darby bemerkt: „Abgesehen von den allgemeinen Grundsätzen, die sich auf den ganzen Verlauf der verschiedenen Zeitalter anwenden lassen, bezieht sich diese Weissagung, was Inhalt und Zweck ihrer Offenbarung betrifft, gleich dem ganzen übrigen Buch, auf die Erde, der die Versammlung nicht angehört, sowie auf die Juden, zu welchen die Regierung Gottes auf der Erde in besonderer Beziehung steht.“42

Es ist unmöglich, die Ereignisse der Zeit des Endes direkt in unsere Zeit hinein zu übertragen. Dennoch werfen große Ereignisse ihre Schatten voraus und das ist hier nicht anders. Paulus schreibt – allerdings in Verbindung mit dem Antichristen: „Denn schon ist das Geheimnis der Gesetzlosigkeit wirksam; nur ist jetzt der da, der zurückhält, bis er aus dem Weg ist“ (2. Thes 2,7). Das können wir auf die Bosheit dieses letzten Weltherrschers übertragen. Das, was am Ende voll zum Vorschein kommt, ist heute in Ansätzen bereits erkennbar:

  1. Er wird drei Könige erniedrigen: Wir erkennen bereits heute politische Veränderungen und – bei aller Bemühung um Diplomatie – einen rauen Umgangston in der Politik. Das Machtstreben und die Profilierungssucht einzelner Politiker sind unübersehbar.
  2. Er wird große Worte gegen den Höchsten reden: Es ist keine Seltenheit, dass öffentlich gegen unseren Herrn Stellung bezogen und der Name Gottes verlästert wird. Das Lästern gegen Gott und gegen unseren Herrn wird weiter zunehmen.
  3. Er wird die Heiligen der höchsten Örter vernichten: Wir erkennen, dass der Widerstand gegen solche, die mit dem Himmel in Verbindung stehen, zunimmt. In vielen Ländern der Erde werden Christen verfolgt, und selbst in den sogenannten „christlichen Ländern“ (besser: nachchristlichen Ländern) wird es zunehmend schwieriger, Position für Gott und sein Wort zu beziehen. Wer die Bibel ernst nimmt, wird leicht als „Fundamentalist“ bezeichnet und entsprechend angefeindet.
  4. Er denkt daran, Zeiten und Gesetz zu ändern: Es darf uns nicht überraschen, wenn christliche Institutionen und Einrichtungen (z. B. christliche Feiertage) zunehmend unter Beschuss geraten und abgeschafft werden. Gleiches gilt für göttliche Ordnungen, z. B. über Ehe und Familie oder über die Sexualität. Der Teufel wird alles daran setzen, göttliche Ordnungen zu torpedieren.

Wenn wir diese Entwicklung heute sehen, erkennen wir, dass das Ende nicht mehr weit weg sein kann. Gott erwartet von uns, dass wir treu zu seinem Wort stehen und uns durch diese Entwicklung nicht beunruhigen lassen. Es „muss“ so kommen.

Das Ende der Herrschaft

Die satanische Herrschaft dieses letzten Regenten in der Zeit der Nationen wird eine bestimmte und von Gott genau festgelegte Zeit dauern. Danach kommt sie zu einem plötzlichen Ende. Gott bestimmt den Anfang und Er legt das Ende im Voraus fest. Als Nebukadnezar träumte, riss sich von dem Berg ein Stein los und zermalmte das ganze Bild. Dieser Augenblick wird dann gekommen sein. Das Gericht wird sich setzen und dann wird man seine Herrschaft wegnehmen, um sie zu vernichten. Das wird das endgültige Ende der Herrschaft eines sündigen Menschen über diese Erde sein.

Satan hatte seinen Thron für kurze Zeit auf dieser Erde und gab ihn dem Tier, dem kleinen Horn. Es war tatsächlich seine „Herrschaft“, aber eben eine „Schreckens- und Gewaltherrschaft“. Das Horn wird vom Thron gestoßen und der wahre König auf dem Berg Zion inthronisiert werden. Das Ende dieses Gewaltherrschers haben wir bereits gesehen. Er wird in der legendären Schlacht von Harmagedon (Off 16,16) endgültig besiegt. Man wird ihn greifen und lebendig in den Feuersee werfen (Off 19,19–21).

Für den leidgeprüften Überrest wird das große Freude sein. „Die Frommen sollen jubeln in Herrlichkeit, jauchzen auf ihren Lagern! Lobeserhebungen Gottes seien in ihrer Kehle und ein zweischneidiges Schwert in ihrer Hand, um Rache zu üben an den Nationen, Bestrafungen an den Völkerschaften; ihre Könige zu binden mit Ketten und ihre Edlen mit eisernen Fesseln, um an ihnen auszuüben das geschriebene Gericht! Das ist die Ehre aller seiner Frommen. Lobt den Herrn!“ (Ps 149,5–9).

Ein gewaltiger Schlussakkord

Die Weissagung endet mit einem gewaltigen Schlussakkord, der das kommende Reich des Sohnes des Menschen beschreibt:

  • Es ist sein Reich und nicht mehr das Reich von Menschen.
  • Es ist ein Reich, in dem Christus die Herrschaft ausübt und diese mit seinen Heiligen auf der Erde teilt.
  • Es ist ein ewiges Reich, das nicht durch ein anderes Reich abgelöst wird.
  • Es ist ein universelles Reich, das sich auf alle Herrschaften bezieht.
  • Es ist ein Reich, in dem Er der Herr ist und bedient werden wird.

Es ist sein Reich, das Reich Gottes. Aber hier wird es dem „Volk der Heiligen der höchsten Örter“ gegeben. Diejenigen, die hier auf dieser Erde so sehr gelitten haben und bereit waren, ihr Leben zu geben, werden in das Reich eingehen. Dieses „Volk“ ist der gläubige Überrest aus den Juden, der in der Drangsal nicht umkommen wird. Dieses „Volk“ wird lebend in das Reich eingehen und es in Besitz nehmen.

Dieser Vers spricht nicht von dem Teil der himmlischen Heiligen. Auch wir werden einen Anteil an diesem Reich haben, aber anders als die Gläubigen auf dieser Erde. Wir nehmen vom Himmel aus an diesem Reich teil.

Vers 28: Daniels abschließende Reaktion

Wir erinnern uns noch einmal, dass Daniel dieses Gesicht schaute, bevor das erste Weltreich unterging. Viele Informationen, die uns heute selbstverständlich sind, waren ihm unbekannt. Was er hier sah und hörte, musste er erst einmal verarbeiten. Deshalb verstehen wir seine Angst und Sorge. Dreimal lesen wir von Daniel, dass er sich ängstigte (Dan 4,16; 7,15.28). Wenig später würde sich – völlig zu Recht – der König Belsazar ängstigen (Dan 5,6). Von der veränderten Gesichtsfarbe Daniels lesen wir zweimal (Dan 7,28; 10,8). Auch das galt wenig später dem König Belsazar kurz vor seinem Ende (Dan 5,6.9).

Daniel hatte gottgemäße Empfindungen für das, was sein Volk treffen würde. Er zeigte keine Spur von Überheblichkeit, weil Gott ihm all das offenbarte. Er blieb standfest und demütig und hatte gleichzeitig volles Mitempfinden mit seinem Volk. Eine solche innere Haltung ist richtungsweisend für einen Diener Gottes.

Für uns liegt darin eine zweifache praktische Belehrung:

  1. Es ist gut, wenn wir solche inneren Herzensübungen kennen. Die Nachrichten Gottes über die Zukunft sollten uns nicht gleichgültig lassen – selbst wenn wir wissen, dass alles gut enden wird. Wir stehen kurz vor der Zeit, wo sich das alles erfüllt und diese schrecklichen Dinge über die Erde kommen werden. Wir kennen den Schrecken des Herrn und wissen, was das für jeden bedeutet, der Ihn nicht als seinen Retter angenommen hat. Das muss uns motivieren, die Menschen auf die Notwendigkeit der Bekehrung aufmerksam zu machen.
  2. Wir müssen uns nicht so wie Daniel beunruhigen. Wir wissen, dass der Herr vorher kommt, um uns zu sich zu nehmen. Wir werden das, was in diesem Kapitel steht, nicht von der Erde aus miterleben. Allerdings – und das müssen wir sehr realistisch sehen – erleben wir die Vorboten dieser Entwicklung. Die Ereignisse der Endzeit kündigen sich an. Schon heute treten Menschen auf, die gotteslästerliche Dinge von sich geben. Wir müssen damit rechnen, dass der Druck auf bibeltreue Christen zunimmt. Dennoch sehen wir mit Zuversicht nach vorne und nach oben. H. Smith schreibt: „Es ist gut für Gottes Volk aller Zeiten, über die lange, dunkle Nacht hinauszuschauen und in ihren Herzen dem kommenden Tag zuzujubeln.“43 Was Daniel damals ängstigte, kann uns heute Mut machen, denn wir wissen, dass einmal alle Herrschaft dem Sohn des Menschen übertragen wird und wir – seine Heiligen – in der von Ihm gegebenen Autorität mit Ihm herrschen werden.

Fußnoten

  • 1 Die Kapitel 7 und 9 behandeln besonders das vierte Weltreich, d. h. das Römische Reich (Westeuropa). In Kapitel 8 sowie in den Kapiteln 10–12 haben wir es mehr mit dem Osten bzw. Norden zu tun und speziell mit den Mächten, die aus dem Griechischen Reich hervorgehen und die in der Zeit des Endes eine wichtige Rolle spielen werden.
  • 2 Das sehen wir indirekt bereits in den ersten sechs Kapiteln, und zwar am Beispiel von Daniel und seinen drei Freunden, aber in diesem zweiten Teil des Buches steht dieses Thema deutlich akzentuierter im Blickfeld.
  • 3 Es ist in der Tat so, dass beide Bücher eine wichtige Gesamtschau prophetischer Ereignisse enthalten und sich gegenseitig Licht zuwerfen. Ohne die Offenbarung verstehen wir Daniel nicht und umgekehrt.
  • 4 Es ist nicht ganz einfach, die Jahreszahl exakt anzugeben. Seine Regierung endete im Jahr 539 v.Chr., und die meisten Fachleute datieren den Beginn auf das Jahr 551/550 v.Chr.. Das genaue Jahr spielt letztlich keine entscheidende Rolle.
  • 5 In Kapitel 2,18 hatte er seine Freunde aufgefordert zu beten, „damit sie von dem Gott des Himmels Barmherzigkeit erbitten möchten wegen dieses Geheimnisses, damit Daniel und seine Genossen nicht mit den übrigen Weisen von Babel umkämen“. Von seinen Freunden lesen wir hier nichts mehr, aber Daniel mag es hier ähnlich gegangen sein wie am Anfang. Er wollte Gewissheit haben, und Gott hat ihm diese Bitte gewährt. Wer Gott aufrichtig fragt, wird nie ohne eine Antwort gelassen.
  • 6 Es braucht wohl kaum erwähnt zu werden, dass diese vier Tiere nichts mit den vier lebendigen Wesen zu tun haben, die wir mehrfach in der Offenbarung finden.
  • 7 Beispiele dazu finden wir in Daniel 8,4 und 11,3.7.16.36, wo es ausdrücklich heißt, dass einige dieser Herrscher nach Gutdünken handeln.
  • 8 Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass es nicht im Laufe der Geschichte einzelne Regenten gegeben hat, die mit Gott rechneten und Ihn fürchteten. Hier geht es um den generellen Charakter dieser Weltreiche.
  • 9 Achtmal spricht die Bibel über „das große Meer“, und immer ist – geographisch betrachtet – das Mittelmeer gemeint (außer in unserem Abschnitt noch in 4. Mo 34,6; Jos 15,12.47; 23,4; Hes 47,19.20; 48,28). Alle vier Weltreiche grenzten an dieses Meer an.
  • 10 Vgl. den Ausdruck „die vier Ecken der Erde“ in Offenbarung 7,1 und 20,8 und den Ausdruck „vier Enden der Erde“ in Jesaja 11,12 und Jeremia 49,36.
  • 11 Smith, H.: The Book of Daniel (www.stempublishing.com)
  • 12 Sowohl im Griechischen als auch im Hebräischen und Aramäischen wird für das Wort „Wind“ ein Wort gebraucht, das ebenso mit „Geist“ übersetzt werden kann.
  • 13 Es besteht hier vielmehr ein Kontrast zu Daniel 4. Nebukadnezar wurde gedemütigt, indem ihm das Herz eines Tieres gegeben wurde. Der stolze König rechnete nicht mit Gott und tat nicht, was er hätte tun sollen. Er war stolz und hochmütig. Hier demütigt Gott das Tier, indem Er es zu einem Menschen macht.
  • 14 Wenn man die biblischen Texte liest, könnte man leicht zu einer anderen Schlussfolgerung kommen, denn die Perser waren dem Überrest der Juden durchaus freundlich gesinnt, wie aus dem Buch Nehemia hervorgeht. Dennoch ist es eine geschichtliche Tatsache, dass die Könige der Meder und Perser sich im Allgemeinen so verhielten, wie man es von einem Bär erwartet. Es macht das Handeln Gottes im Blick auf den Überrest eigentlich nur noch wunderbarer, dass Er gerade eine solche Nation für sein Volk im Positiven benutzte.
  • 15 Lydien (auch Mäonien genannt) war eine Küstenregion Kleinasiens in der heutigen Türkei und lag gegenüber den Inseln Lesbos, Chios und Samos. Das Gebiet erstreckte sich um das heutige Izmir bis etwa nach Alaşehir ins Landesinnere.
  • 16 In Habakuk 1 geht es allerdings um das Babylonische Reich und nicht um das Griechische Reich. Der Vers macht aber klar, welche Eigenschaften der Leopard hat.
  • 17 Über die Todesursache gibt es verschiedene Erklärungen. Eine Reihe von Historikern vermutet, dass er an einer Krankheit (z. B. Malaria) starb, andere gehen davon aus, dass er vergiftet wurde oder an den Folgen seines exzessiven Lebensstils umkam.
  • 18 Aus diesem Reich ging Antiochus IV. Epiphanes hervor, von dem wir später in Kapitel 8 mehr hören werden.
  • 19 In Kapitel 2 haben wir gesehen, dass es Bibelkritiker gibt, die den Nachweis erbringen möchten, dass diese Sichtweise verkehrt ist. Auf die – nicht zutreffenden – Argumente wird an dieser Stelle nicht erneut eingegangen.
  • 20 Darby, J. N.: Studies on the Book of Daniel (www.stempublishing.com)
  • 21 Das Ende des Zeitalters ist also völlig anders, als viele Christen es sich vorstellen. Man trifft immer wieder Menschen, die sich Christen nennen und von einem solchen Ende im Gericht nichts wissen wollen. Sie denken, dass es eine Entwicklung zum Positiven gibt und dass auf allen Gebieten Fortschritt zu erwarten ist. Viele denken sogar, dass das Christentum am Ende alle Völker erreichen wird und sich auf der Erde ausbreitet. Aber das ist ein großer Irrtum. Am Ende steht das Gericht.
  • 22 Smith, H.: Das Buch Daniel (www.bibelkommentare.de). Dabei ist allerdings zu beachten, dass es in Daniel 7 im Schwerpunkt um ein „Sitzungsgericht“ geht, während es in Offenbarung 19 im Schwerpunkt um ein „Kriegsgericht“ geht. Allerdings kann man beides zwar unterscheiden, jedoch nicht voneinander trennen. In Kapitel 8 werden wir deutlicher sehen, dass die Gerichte im Himmel beschlossen und auf der Erde ausgeführt werden.
  • 23 Feuer wird in der Bibel zum ersten Mal in 1. Mose 15,17 erwähnt: „Und es geschah, als die Sonne untergegangen und dichte Finsternis eingetreten war, siehe da, ein rauchender Ofen und eine Feuerflamme, die zwischen jenen Stücken hindurchfuhr.“ Zum zweiten Mal wird Feuer in dem Bericht über Sodom und Gomorra genannt. Beide Stellen – wie viele andere – machen klar, dass es um Gottes Heiligkeit im Gericht geht. In Offenbarung 21,8 wird zu letzten Mal von Feuer geredet. Dort ist es der See, der mit Feuer und Schwefel brennt, ein letzter Hinweis auf das ewige Gericht Gottes über alle Gottlosen.
  • 24 Man könnte in dem Thron einen Hinweis auf die „Sitzungsgerichte“ sehen, von denen die Offenbarung mehrmals spricht, und in den Rädern ein Hinweis auf die „Kriegsgerichte“, die ebenfalls stattfinden werden.
  • 25 Bei dem Babylonischen Reich denken wir an den Irak, bei dem Medopersischen Reich an den Iran und bei dem Griechischen Reich natürlich an Griechenland.
  • 26 Eine bemerkenswerte Ausnahme ist Apostelgeschichte 7,56. Dort bezeugt Stephanus, dass er den Sohn des Menschen im Himmel zur Rechten Gottes stehen sieht. Darüber hinaus gibt es noch ein Zitat aus Psalm 8 in Hebräer 2,6 und zwei Referenzen in der Offenbarung (Kap 1,13; 14,14).
  • 27 Ein weiteres Beispiel dafür finden wir in Hesekiel 1,26, wo der Thron Gottes beschrieben wird: „Und oberhalb der Ausdehnung, die über ihren Häuptern war, war die Gestalt eines Thrones wie das Aussehen eines Saphirsteins, und auf der Gestalt des Thrones eine Gestalt wie das Aussehen eines Menschen oben darauf.“ Wir hätten erwartet, dass der Prophet nun über Gott spricht, und das tut er auch. Dennoch beschreibt er Ihn als jemand mit einer „Gestalt wie das Aussehen eines Menschen“.
  • 28 Der Ausdruck macht völlig klar, dass es hier um das Tausendjährige Reich geht und nicht um den ewigen Zustand. Im Tausendjährigen Reich gibt es Völker und Nationen und es gibt Sprachen. Im ewigen Zustand wird das nicht mehr der Fall sein. Dort gibt es nur noch „Menschen“ (Off 21,3). Die Unterscheidung nach Nationalitäten und Sprachen hat dann aufgehört.
  • 29 W. Kelly schreibt, dass das Wort „ewig“ hier in dem Sinn gebraucht wird, „dass es so lange dauern wird, wie die Welt existiert“ (Kelly, W.: Notes on the Book of Daniel (www.stempublishing.com). Der jüdische Horizont geht im Allgemeinen nicht über das Tausendjährige Reich hinaus. Aus dem Neuen Testament wissen wir, dass in der Ewigkeit nach der Zeit Gott „alles und in allem“ sein wird. Von dieser Zeit – manchmal der „ewige Zustand“ genannt – spricht Offenbarung 21,1–8. Die Herrschaft im Tausendjährigen Reich wird tatsächlich in eine ewige Herrschaft übergehen. In diesem Sinn wird seine Herrschaft „von Ewigkeit zu Ewigkeit“ sein.
  • 30 Vgl. Eph 1,3.20; 2,6; 3,10; 6,12. Auch hier steht im griechischen Grundtext das Wort „Örter“ nicht, sondern ist des besseren Verständnisses wegen von den Übersetzern hinzugefügt worden. Es geht um einen Bereich des Himmels und nicht um einen Bereich der Erde.
  • 31 Allein die Formulierung „Heilige der höchsten Örter“ ist noch kein Beweis, dass es hier um die Versammlung geht. Gerade der Epheserbrief zeigt uns ja, dass die Verbindung von Christus mit seiner Versammlung im Alten Testament ein Geheimnis war, d. h. sie war nicht bekannt (vgl. Eph 3, 4.5). J. N. Darby weist darauf hin, dass es bei Daniel um Regierung (auf der Erde) geht, während es im Epheserbrief um Dinge geht, die den himmlischen Örtern angehören und dort anzutreffen sind. Christen genießen im Geist Segnungen, die mit dem Himmel verbunden sind. In unserem Abschnitt hingegen geht es um Heilige, die die Regierung im Himmel anerkennen und daran teilhaben. Sie regieren vom Himmel aus mit dem, der allein ein Recht dazu hat (Darby, J. N.: Studies on the Book of Daniel (www.stempublishing.com).
  • 32 Wobei wir die Glaubenden im Alten Testament, die nicht zum Volk Israel gehörten, unbedingt einschließen müssen.
  • 33 Das war von Anfang an so und das wird bis zu dem Augenblick so bleiben, wo er endgültig in den Feuersee geworfen wird. Wir sehen das selbst am Ende des Tausendjährigen Reiches, wo der Teufel noch einmal losgelassen wird. Das erste, was er tut, ist, dass er Menschen zum Krieg gegen das „Heerlager der Heiligen“ und gegen „die geliebte Stadt“ (Jerusalem) versammeln wird (Off 20,8.9). Diese Heiligen sind natürlich nicht mit den Heiligen in Daniel 7 zu verwechseln. Es ist eine andere Personengruppe.
  • 34 Vers 25 scheint auf den ersten Blick etwas anderes zu sagen. Die Aussage dort können wir so verstehen, dass das Tier sie verfolgt hat, als sie noch auf der Erde lebten und dass sie durch ihren Tod zu „Heiligen der höchsten Örter“ (also zu himmlischen Heiligen) geworden sind. Anders ausgedrückt: Diese Heiligen werden – obwohl sie noch auf dieser Erde sind – bereits als zukünftige verherrlichte Heilige im Himmel gesehen
  • 35 Zur Klarstellung sei gesagt, dass der Ausdruck „Gericht“ hier nicht meint, dass die himmlischen Heiligen gerichtet werden und in diesem Sinn das Gericht empfangen, sondern dass sie an der Ausübung des Gerichts beteiligt sind.
  • 36 Darby, J.N.: Studies on the Book of Daniel (www.stempublishing.com).
  • 37 Es gibt keinen Zweifel, dass es sich um das vereinte Europa handelt. Wir müssen aber vorsichtig sein, in der aktuellen politischen Entwicklung bereits die Erfüllung biblischer Prophetie zu sehen, die sich auf die Endzeit bezieht. Natürlich erkennen wir Vorboten, die die zukünftige Entwicklung ankündigen. Wir sehen, wie sich Europa mehr und mehr zusammenschließt. Aber wir müssen offen lassen, um welche Länder Europas es sich genau handeln wird. Während der Zeit des Kalten Krieges (1945–1990) hat man die osteuropäischen Länder eindeutig aufseiten Russlands gesehen. Heute sind sie zum Teil bereits Mitglieder der EU. Das mahnt uns zur Vorsicht. Jedenfalls wird in Europa eine Macht und Einheit entstehen, die im Kern aus den alten Nationen besteht, die früher das Römische Reich bildeten. Am 25. März 1957 wurden die römischen Verträge von Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und den Niederlanden in Rom unterzeichnet. Damit begann Europa endgültig zusammenzuwachsen. Diese Verträge waren die Grundlage für die spätere Bildung der Europäischen Gemeinschaft (1965) und der Europäischen Union (1992). Dass es heute mehr als 10 Staaten sind, spielt keine Rolle. Es kann noch viel passieren, aber am Ende wird es ein Bund von 10 Königen sein.
  • 38 Vgl. dazu die Erläuterungen in Kapitel 4,31. Es ist ein Titel Gottes, der mit dem Reich in Verbindung steht. Wir kennen vier Namen Gottes, die sein Verhältnis zu den Menschen beschreiben: 1. „Gott, der Allmächtige“ den Patriarchen gegenüber 2. „Der Herr“ (Jahwe) Israel gegenüber 3. „Gott, der Vater“ den Christen gegenüber 4. „Der Höchste“ im Blick auf das kommende Reich auf der Erde.
  • 39 Wir finden diesen Charakterzug nicht nur bei dem politischen Führer Europas, sondern auch bei dem Antichristen (Kap 11) und bei dem König des Nordens (bzw. bei Antiochus IV. Epiphanes; Kap 8).
  • 40 Es hat in der Geschichte bereits jemanden gegeben, der den Tempel entweiht hat, nämlich Antiochus Epiphanes (Details dazu in Daniel 11). Aber was hier geschehen wird in der Zukunft, wird weitaus schlimmer sein.
  • 41 Kelly, W.: Notes on the Book of Daniel (www.stempublishing.com). Es ist etwas anderes, wenn Gott in seiner Regierung das Volk Israel im Alten Testament immer wieder in die „Hand seiner Feinde“ gegebenen hat, um sie zu züchtigen und zu korrigieren. Das eine darf mit dem anderen nicht verwechselt werden.
  • 42 Darby, J. N.: Studies on the Book of Daniel (www.stempublishing.com)
  • 43 Smith, H.: The Book of Daniel (www.stempublishing.com)
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