Der Prophet Daniel und seine Botschaft
alter Titel: Notizen zum Buch Daniel

Kapitel 5 - Das Ende des babylonischen Reiches

Der Prophet Daniel und seine Botschaft

Einleitung

Geschichtliche Einordnung

Zwischen den Ereignissen von Kapitel 4 und 5 liegt eine Zeitspanne von etwa 20 Jahren oder mehr.1 Nebukadnezar regierte von 605 bis 562 v. Chr. Ihm folgte sein Sohn Ewil-Merodak (2. Kön 25,27; Jer 52,31). Er regierte nur zirka zwei Jahre, bis er – so berichtet es die Geschichtsschreibung – von seinem Schwager ermordet wurde. Im Jahr 560 bestieg Nergal-Sharezer (auch Neriglissar oder Nergal-Sar-Usur genannt) den Thron.2 Ihm folgte im Jahr 556 Labaschi-Marduk, der nur wenige Monate regierte und dann ebenfalls ermordet wurde. Er galt als willensschwache politische Marionette. Die Regierung übernahm im Jahr 556 Nabonidus, ein Thronräuber. Er regierte gemeinsam mit seinem Sohn Belsazar. Nabonidus hatte eine Tochter Nebukadnezars zur Frau. Die beiden regierten bis zum Jahr 539. In diesem Jahr endete das Babylonische Weltreich und wurde von dem Medopersischen Reich abgelöst.

Die wenigen Fakten machen klar, dass sich die Verhältnisse im Babylonischen Reich nach dem Tod Nebukadnezars änderten. Er war das Haupt von Gold, machte Babel zu einem Weltreich und herrschte mehr als 40 Jahre lang. Danach wechselten die Thronfolger relativ kurz hintereinander. Bemerkenswert ist, dass die Bibel nur zwei seiner Nachfolger erwähnt. Die Übrigen spielten in Gottes Geschichtsschreibung keine Rolle. Jeremia hatte gesagt: „Und alle Nationen werden ihm dienen und seinem Sohn und seines Sohnes Sohn, bis die Zeit auch seines Landes gekommen ist“ (Jer 27,7). Gemeint sind Nebukadnezar, sein Sohn Ewil-Merodak und sein Enkel Belsazar. Obwohl der Vater Belsazars (Nabonidus) kein leiblicher Sohn Nebukadnezars war, war Belsazar gleichwohl ein Enkel Nebukadnezars, weil seine Mutter die Tochter Nebukadnezars war. Der Ausdruck „Sohnes Sohn“ in Jeremia 27,7 bedeutet also Enkel, ebenso wie der Ausdruck „Vater“ in Daniel 5,11 und 18 Großvater oder Vorvater bedeutet.3

Lange Zeit nahmen Bibelkritiker an, dass Daniel sich geirrt haben musste, weil der Name Belsazar in allen historischen Funden nicht vorkam. Inzwischen ist durch Keilschriftfunde hinreichend bewiesen, dass Belsazar als historische Persönlichkeit tatsächlich existiert hat und dass er ein Enkel Nebukadnezars war. „Durch diese Funde wird deutlich, dass sich diese Person zur richtigen Zeit (zur Zeit des Falles der Stadt Babylon) am richtigen Ort (in Babylon) in der richtigen Position (das Königtum innehabend) befand und auch zur richtigen Zeit starb (in der Nacht der Eroberung Babylons). Die antiken Schriften zeigen, dass das Wissen um die Existenz Belsazars mit der Zeit immer mehr verschwand. Hätte Daniel erst im 2. Jahrhundert v. Chr. gelebt, dann hätten die zu dieser Zeit vorhandenen Informationen nicht mehr ausgereicht, um solch detaillierte Informationen über die Person Belsazars zu liefern, wie sie von Daniel im gleichnamigen biblischen Buch geliefert werden. In der Tat konnte nur jemand, der zu dieser Zeit lebte, sozusagen ein Augenzeuge wie Daniel, solch exakte Informationen geben. Die gefundenen Keilschrifttafeln und die antiken Schriften bestätigen also den biblischen Bericht.“4

Daniel hatte die komplette Regierungszeit der Könige von Babel miterlebt. In den Kapiteln 1–6 beschreibt er das, was für das Verständnis der prophetischen Aussagen wichtig ist. Die Kapitel 1–6 sind chronologisch geordnet, die Kapitel 7–12 nicht. Die Visionen in Kapitel 7 und 8 empfing Daniel in der Regierungszeit Belsazars. Er wusste sowohl aus der Deutung des Traumes als auch durch die Offenbarungen von Kapitel 7 und 8, dass das Babylonische Reich ein Ende nehmen würde. Er wusste, dass die Meder und Perser die Stadt erobern würden. Was er nicht wusste, war der Zeitpunkt, wann das geschehen sollte. Historisch betrachtet beschreibt Kapitel 5 den Übergang des ersten Weltreiches zum zweiten. Es ist das Ende des Hauptes aus Gold (Daniel 2,38).

Die prophetische Komponente

Wie die Kapitel 3 und 4 enthält auch Kapitel 5 einerseits Geschichte und ist dabei gleichzeitig prophetisch. Merkmale der Könige von Babel finden sich in der Endzeit wieder. Wir lernen erstens etwas über den Charakter dieser Könige, zweitens hören wir von ihren Taten und drittens von dem Gericht Gottes. Außerdem wird uns viertens die Stellung des Überrestes – in der Person Daniels und seiner Freude – gezeigt. Zum einen waren sie durch wahre Weisheit und Einsicht in die Gedanken Gottes gekennzeichnet (besonders Kapitel 1,2,4,5). Zum anderen sahen sie sich existenziellen Bedrohungen ausgesetzt (besonders Kapitel 2 und 3).

Das alles spricht prophetisch von dem Ende der „Zeiten der Nationen“, wenn der letzte Weltherrscher – das römische Tier – an der Macht sein wird. Er vereinigt in sich alle Merkmale, die wir in diesen historischen Kapiteln vorgestellt finden. In Kapitel 3 waren das Götzendienst und Ignoranz im Blick auf Gottes Rechte. In Kapitel 4 waren es Hochmut und Arroganz, indem die von Gott verliehene Macht übel missbraucht wurde.

In Kapitel 5 sind es offene Gotteslästerung und ein trotziges Herausfordern Gottes, indem die heiligen Geräte entweiht werden und der Gott des Himmels gelästert wird. Die Welt wird uns hier nicht so sehr in ihrem Charakter als Verfolger (Kapitel 2 und 3) oder ihrer Haltung des Hochmuts (Kapitel 4) beschrieben, sondern in Form von völliger Gottlosigkeit und Verachtung der heiligen Dinge Gottes. Dabei wollen wir bedenken, dass uns Kapitel 5 einerseits das Ende der Herrschaft des Hauptes aus Gold und andererseits auch das Ende der Stadt Babel zeigt. Das weist prophetisch in zwei Richtungen:

  1. Das Ende des römischen Weltherrschers: Offenbarung 13 zeigt uns den dämonischen Charakter seiner Herrschaft: „Und ich sah aus dem Meer ein Tier heraufsteigen, das zehn Hörner und sieben Köpfe hatte, und auf seinen Hörnern zehn Diademe, und auf seinen Köpfen Namen der Lästerung“ (Off 13,1). Gleichzeitig finden wir das Merkmal der Lästerung wieder, das uns in Daniel 5 deutlich begegnet.
  2. Das Ende der falschen – bekennenden – Kirche, die uns in der Offenbarung als das „System Babylon“ vorgestellt wird, dessen Gericht in den Kapiteln 17 und 18 beschrieben wird. Auch hier finden wir das Merkmal der Lästerung wieder: „Und er führte mich im Geist weg in eine Wüste; und ich sah eine Frau auf einem scharlachroten Tier sitzen, voller Namen der Lästerung, das sieben Köpfe und zehn Hörner hatte“ (Off 17,3). Die Tatsache, dass die Frau – das ist Babylon – auf dem scharlachroten Tier sitzt, zeigt klar die Verbindung zu dem Weltherrscher.

Die praktische (moralische) Bedeutung

Gleichzeitig erkennen wir in der Geschichte Belsazars Merkmale, durch die die uns umgebende Welt immer – mal mehr und mal weniger deutlich – gekennzeichnet ist:

  • Ausschweifung: Der König wollte glänzen und protzen. Die Welt ist erfüllt von der „Lust der Augen“, der „Lust des Fleisches“ und dem „Hochmut des Lebens“ (1. Joh 2,16). Essen, Trinken, Unterhaltung und Vergnügen stehen ganz oben an.
  • Gleichgültigkeit: Der König musste wissen, dass die Feinde bereits vor den Toren Babels standen, aber er kümmerte sich nicht darum. Er fühlte sich anscheinend sicher und vertraute den Befestigungswällen, den Türmen, seiner Armee und den Vorräten, die in der Stadt gehortet waren. Viele Anzeichen deuten heute darauf hin, dass das Gericht vor der Tür steht, und doch leben die meisten Menschen gleichgültig weiter und kümmern sich nicht um Gott.
  • Respektlosigkeit: Belsazar lag nichts an den heiligen Geräten aus dem Tempel. Er ließ sie holen, um nicht nur daraus zu trinken und seine Götter zu rühmen, sondern gleichzeitig den Gott des Himmels zu verhöhnen. Die Menschen scheuen sich immer weniger, das zu lästern, was von Gott kommt.
  • Ignoranz: Belsazar kannte die Geschichte seines Großvaters Nebukadnezar. Aber sie war ihm völlig egal. Er ignorierte sie wider besseres Wissen. Wir leben heute in einer nachchristlichen Zeit. Viele Menschen könnten wissen, was Gott über die Zukunft sagt, aber sie ignorieren das, was Gott sagt, sei es bewusst oder unbewusst.

Belsazars Zeit gleicht in der Tat unserer Zeit. Es geht – in vielen Ländern – nicht um direkte Verfolgung der Gläubigen. Die Welt zeigt sich nicht immer in ihrer offenen Feindschaft. Sie zeigt sich vielmehr in ihrer Vergnügungssucht und Unmoral. Es ist die „Spaßgesellschaft“, in der wir heute leben, kurz bevor das Gericht hereinbrechen wird. Gott wird so vollständig an die Seite gestellt, dass man diejenigen, die Ihm treu bleiben wollen, mehr oder weniger ignoriert und verachtet, sie aber ansonsten weitgehend in Ruhe lässt. Noch übt Gott Geduld. Aber das Gericht steht vor der Tür. Es zögert nicht und das Verderben „schlummert nicht“ (2. Pet 2,3). Wenn das Maß voll ist und das Böse seinen Höhepunkt erreicht hat, wird Gott dem bösen Treiben der Menschen ein jähes Ende machen.

Das Beispiel Daniels macht uns klar, wie wir uns als Christen in einer solchen Zeit zu verhalten haben. Daniel tritt zunächst überhaupt nicht in Erscheinung. Er hatte seine irdischen Aufgaben treu erfüllt (vgl. Kapitel 8,27), ansonsten hielt er sich jedoch von dem bösen Treiben im Königspalast völlig fern. Er überzeugte durch seine Trennung vom Bösen (vgl. Ps 1,1). Das Fest Belsazars fand ohne ihn statt. Aber als er gerufen wurde, war er als treuer Zeuge da. Wie Daniel können wir offene Türen nutzen, die Gott seinen Knechten immer gibt.

Verse 1–4: Das Fest Belsazars

Belsazar

Der Name Belsazar ist gleichzeitig Programm. Er bedeutet „Prinz Bels“ (des Hauptgötzen Babylons) und gibt uns einen Eindruck von den falschen Göttern der Babylonier. Die Tatsache, dass sein Vater ihm gerade diesen Namen gab, zeigt deutlich, dass er aus der Geschichte Nebukadnezars in Kapitel 4 ebenso wenig gelernt hatte wie sein Sohn. Belsazar fiel in ähnliche Fehler wie sein Großvater, nur trieb er es noch schlimmer. Wir lernen, dass Nachfahren oft nichts aus der Geschichte ihrer Vorfahren lernen. Jeder schreibt seine eigene Lebensgeschichte. Aus der Ansprache Daniels wird klar, dass Belsazar und sein Vater zumindest das Geschehen von Kapitel 4 kannten, aber nichts daraus gelernt hatten. Jetzt sollte sich bewahrheiten, was Jesaja lange vorher über den Götzen, dessen Name Belsazar trug, geweissagt hatte: „Bel krümmt sich, Nebo sinkt zusammen; ihre Bilder sind dem Tier und dem Vieh zuteil geworden; eure Tragbilder sind aufgeladen, eine Last für das ermüdete Vieh“ (Jes 46,1).

Gottes Gaben missbraucht

Das Fest Belsazars fand zu einer Zeit statt, zu der eigentlich die Alarmglocken bereits geläutet hatten. Die Geschichtsschreibung berichtet, dass die feindlichen Armeen bereits vor der Stadt standen und Babel kurz vor der Einnahme stand. Dennoch wiegte man sich anscheinend in sorgloser Sicherheit. Babel prahlte mit Uneinnehmbarkeit und damit, dass in der Stadt genügend Vorrat vorhanden war, um die Bevölkerung 20 Jahre lang autark zu versorgen. Aber auch hier gilt, dass der Herr den Plan der Nationen zunichtemacht; Er „vereitelt die Gedanken der Völker“ (Ps 33,10). Die Menschen auf dem Fest gleichen den Menschen heute, die sorglos ihrem Vergnügen nachgehen und nicht an das kommende Gericht denken. Sie gleichen den Menschen in den Tagen des römischen Weltherrschers, die einmal sagen werden: „Frieden und Sicherheit!“, und über die dann ein plötzliches Verderben kommen wird (1. Thes 5,3).

Das Fest des Königs zeigt moralische Charakterzüge, die über das hinausgehen, was wir in den vorherigen Kapiteln gesehen haben. Wie es in Babylon üblich war, lud der König zu einer großen Feier, bei der es hoch herging. Alles, was Rang und Namen hatte, war anwesend. Alles, was eine weltliche Feier ausmacht, wurde geboten. Der Wein floss in Strömen, Frauen waren dabei und sicherlich fehlte es nicht an guten Speisen und Musik. Es war ein „großes Festmahl“ und Belsazar war vorneweg. „Er trank Wein vor den Tausend“, und der Wein schmeckte ihm.

Essen und Trinken sind Gaben Gottes, die wir dankbar entgegennehmen können. Aber in jeder Gabe Gottes liegt die Gefahr des Missbrauchs. Wenn aus „Essen und Trinken“ ein „Fressen und Saufen“ wird, ist die Grenze deutlich überschritten. Das gleiche gilt, wenn aus der natürlichen Fröhlichkeit eine ausgelassene Feier wird, in der die Anwesenden nicht mehr Herr ihrer Sinne sind.

Die Bibel verbietet den Genuss von Wein nicht. Sie warnt allerdings vor Missbrauch. Als Belsazar der Wein schmeckte, gab er den frivolen Befehl, die goldenen und silbernen Gefäße zu holen, die sein Großvater Nebukadnezar aus dem Tempel in Jerusalem weggenommen hatte. In Daniel 1,2 lesen wir, dass Nebukadnezar die Geräte geraubt hatte und sie in das Schatzhaus seines Gottes brachte. Dort wurden sie wahrscheinlich verwahrt.

Das Fest Belsazars ist eine Warnung für uns alle. Paulus schreibt: „Lasst uns anständig wandeln wie am Tag; nicht in Schwelgereien und Trinkgelagen, nicht in Unzuchthandlungen und Ausschweifungen“ (Röm 13,13). Petrus erinnert uns an die „vergangene Zeit“, in der wir den Willen der Nationen taten, „indem ihr wandeltet in Ausschweifungen, Begierden, Trunkenheit, Schwelgereien, Trinkgelagen und frevelhaften Götzendienereien“ (1. Pet 4,3). Diese Dinge sollten für uns heute tabu sein. Dabei möchte ich – in Verbindung mit den Gefäßen – auf eine weitere Gefahr aufmerksam machen. Der Körper des Christen wird im Neuen Testament mit einem „Gefäß“ verglichen (z. B. 2. Kor 4,7). Unser Körper gehört nicht uns selbst, sondern Gott. Wir sollen Gott „in unserem Leib“ verherrlichen (1. Kor 6,20). Dazu gehört erstens, dass „jeder von euch sein eigenes Gefäß5 in Heiligkeit und Ehrbarkeit zu besitzen wisse“ (1. Thes 4,4). Es ist uns nicht erlaubt, sexuellen Missbrauch mit unserem Körper zu treiben. Dazu gehört zweitens, dass wir unsere eigenen Ehefrauen als „schwächere Gefäße“ respektieren und uns ihnen gegenüber entsprechend verhalten (1. Pet 3,7). In beiden Punkten ist uns das große Fest Belsazars eine Warnung.

Eine Provokation Gottes

Viele Menschen können ihre wahren Gefühle und Gedanken bis zu einem gewissen Punkt unterdrücken und vor anderen verbergen. Aber wenn sie unter bestimmten Bedingungen die Kontrolle über sich verlieren, kommt heraus, welche Bosheit wirklich im Herzen steckt. So war es hier, als Belsazar unter Alkoholeinfluss die heiligen Geräte holen ließ. Und mehr noch: Sie tranken nicht nur Wein daraus, sondern rühmten dabei gleichzeitig ihre eigenen Götter „aus Gold und Silber, aus Kupfer, Eisen, Holz und Stein“. In diesem Götzenkult lag gleichzeitig eine freche Provokation Gottes, die Er nicht hinnehmen konnte.

Es war ohne Frage die Schuld des Volkes Israel, dass der Tempel zerstört war und die heiligen Gefäße in Babel waren. Jeremia klagt darüber: „Der Herr hat seinen Altar verworfen, sein Heiligtum verschmäht; er hat die Mauern ihrer Prachtgebäude der Hand des Feindes preisgegeben“ (Klgl 2,7). Dennoch war es Gott nicht gleichgültig, was dort mit ihnen passierte. „Ich bin der Herr, das ist mein Name; und meine Ehre gebe ich keinem anderen, noch meinen Ruhm den geschnitzten Bildern“ (Jes 42,8). Das hatten auch die Philister erfahren, als sie die Bundeslade geraubt und in ihr Land gebracht und in das Haus ihres Gottes Dagon gestellt hatten (1. Sam 5). Wenn Menschen nicht über die heiligen Geräte Gottes wachen, tut Gott es selbst.

Der König Belsazar wagte es, Gott öffentlich zu beleidigen. F. B. Hole schreibt: „Mit Bedacht warf er Gott den Fehdehandschuh hin und Gott antworte unmittelbar auf diese Herausforderung.“6 Er forderte Ihn trotzig heraus, denn indem er seinen eigenen Götzenkult gerade mit den Geräten aus dem Tempel verband, demonstrierte er, dass seine Götter weitaus größer und mächtiger sein sollten als der Gott Israels. Dahinter steckte Satan, der die Menschen als Sklaven ihrer eigenen Lüste dazu verführt, den zu verhöhnen, von dem letztlich alles Leben abhängt.

Was Belsazar tat, war in der Tat eine große Unverschämtheit. Ausleger weisen darauf hin, dass es selbst unter den heidnischen Völkern unüblich war, sich gegenseitig über ihre jeweiligen Götter zu belustigen. Im Allgemeinen hatte man zumindest einen gewissen Respekt vor ihnen. Anders Belsazar – Er schreckte vor nichts zurück.

Damit ist er ein Bild des kommenden römischen Herrschers, der ebenfalls vor nichts zurückschrecken wird und der auf seinen Köpfen Namen der Lästerung tragen wird (Off 13,1). Dieser Mann wird nicht nur über die heiligsten Dinge lästern und spotten, sondern wird Gott selbst verhöhnen und verlästern. „Und ihm wurde ein Mund gegeben, der große Dinge und Lästerungen redete ... Und es öffnete seinen Mund zu Lästerungen gegen Gott, seinen Namen zu lästern und seine Hütte“ (Off 13,5.6).

Verse 6–12: Gottes Antwort und Belsazars Reaktion darauf

Der Finger Gottes

Gott ist langmütig, weil Er nicht will, „dass irgendwelche verloren gehen“ (2. Pet 3,9). Dennoch gibt es einen Punkt, an dem Gottes Geduld erschöpft ist und Er im Gericht handelt. Im Allgemeinen greift Gott dann ein, wenn das Maß voll und die Schuld auf dem Höhepunkt ist. So war es z. B. bei den Amoritern (1. Mo 15,16). So war es bei dem Volk Israel (2. Chr 36,16), und so war es hier. Der Frevel Belsazars fand eine unmittelbare Antwort. Es konnte nicht anders sein. Am Ende der Zeiten der Nationen wird es ebenso sein. Gott wird das Gericht bringen, wenn das Maß voll ist. Wenn der Abfall sich in Vollendung zeigt, greift Gott vom Himmel her ein und macht den Zeiten der Nationen ein Ende. Die Gotteslästerung auf dieser Erde wird dann ein Ende finden. Der Hauch des Mundes des Sohnes Gottes wird reichen, um den letzten König zu richten.

Dabei fällt uns auf, dass Gott zwar auf eine besondere und spektakuläre Weise eingreift, aber nicht durch Erweisung besonderer Macht. Während der Zeit der Gnade handelt Gott in der Regel anders. Die christliche Haushaltung ist – abgesehen von der Anfangszeit – nicht durch Zeichen und Wunder geprägt. Es ist das Wort Gottes, das gepredigt wird und wodurch ein Sünder überzeugt und überführt wird. Durch dieses Wort werden Menschen, die es nicht im Glauben und Gehorsam annehmen, einmal gerichtet (vgl. Lk 16,29; Joh 12,48). Wenn die Gnadenzeit vorbei ist und keine gläubigen Christen mehr auf der Erde sind, wird Gott sich wieder sichtbar in Zeichen und Wundern an den Menschen bezeugen. Das wird jedoch eine Zeit sein, in der die Menschen nicht mehr glauben können.7 „Deshalb sendet ihnen Gott eine wirksame Kraft des Irrwahns, dass sie der Lüge glauben, damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt, sondern Wohlgefallen gefunden haben an der Ungerechtigkeit“ (2. Thes 2,11.12). Deshalb beinhaltete die Botschaft Gottes – vermittelt durch die Schrift an der Wand – keinen Appell und keine Möglichkeit zur Buße. Die gelegene Zeit war abgelaufen. Was blieb, war nur eine Botschaft des Gerichts. Das Gericht war unausweichlich, weil alle Angebote Gottes mit Füßen getreten worden waren.

Für Belsazar würden sehr bald die Worte Zophars wahr werden, die dieser fälschlicherweise über Hiob ausgesprochen hatte: „Weißt du dies, dass von jeher, seitdem der Mensch auf die Erde gesetzt wurde, der Jubel der Gottlosen kurz und die Freude des Ruchlosen für einen Augenblick war? Stiege auch seine Höhe bis zum Himmel hinauf, und rührte sein Haupt an die Wolken – gleich seinem Kot vergeht er für immer; die ihn gesehen haben, sagen: Wo ist er?“ (Hiob 20,4–7).

Dabei bewundern wir Gott in seinem Handeln: „In demselben Augenblick kamen Finger einer Menschenhand hervor und schrieben.“ Man hätte erwarten können, dass Gott diesen Frevel ähnlich beantwortet hätte wie einst den Frevel Korahs und seiner Rotte (4. Mo 16,32; 26,10). Doch Gott handelte anders. Er bewies seine Macht ganz anders. Die Erde öffnete sich nicht, und Belsazar wurde nicht einfach vom Thron gestoßen. Gott schickte keine Legionen Engel, und Er donnerte auch nicht vom Himmel. Gott machte deutlich, dass sein Finger genügte, um die ganze Gesellschaft in einem Augenblick in Angst und Schrecken zu versetzen und zum Schweigen zu bringen. Der König sah nur eine Hand und Finger, die etwas schrieben.

Schweigend erschien die Hand, schweigend schrieben die Finger, und schweigend verschwand die Hand wieder. Aber der Text war deutlich sichtbar eingraviert. Direkt dem Leuchter gegenüber, so dass alle lesen konnten, was geschrieben worden war. Gottes Botschaft ist immer klar ersichtlich und für jeden zur Kenntnis zu nehmen. Der Finger Gottes genügte, so wie einmal der Hauch des Mundes des Herrn Jesus ausreichen wird, um seine Feinde zu vernichten.

Gott ist so mächtig und groß, dass sein Finger ausreicht, um große Dinge zu tun. Der Finger Gottes steht im Gegensatz zu der Machtlosigkeit menschlicher Götzen. In Psalm 115,7 lesen wir von den Götzen: „Sie haben Hände und tasten (oder greifen) nicht.“ Der Gott des Himmels ist anders. Er benutzt seine Hand und seine Finger und deutet damit seine Macht an. Einige Beispiele:

  • In der Schöpfung: „Wenn ich anschaue deine Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast ...“ (Ps 8,4) – Finger der Macht.
  • In der Warnung an Pharao: „Da sprachen die Wahrsagepriester zum Pharao: Das ist Gottes Finger!“ (2. Mo 8,15). Hier geht es um eine eindeutige Warnung Gottes, die missachtet wurde und ebenfalls das Gericht nach sich zog.
  • In dem Handeln des Herrn Jesus auf der Erde: „Wenn ich aber durch den Finger Gottes die Dämonen austreibe, so ist also das Reich Gottes zu euch gekommen“ (Lk 11,20).

Dabei bewegt es uns besonders, dass der Herr Jesus – ganz im Kontrast dazu – einmal mit seinem Finger in die Erde schrieb. Als die Schriftgelehrten und Pharisäer eine Frau zu Ihm schleppten, die sie in flagranti beim Ehebruch erwischt hatten, um Ihn zu versuchen und anzuklagen, lesen wir: „Jesus aber bückte sich nieder und schrieb mit dem Finger auf die Erde. ... Und wieder bückte er sich nieder und schrieb auf die Erde“ (Joh 8,6.8). Hier steht der Finger nicht mit Macht und Gericht in Verbindung, sondern mit Gnade. Jesus sagte nicht: „Wer von uns ohne Sünde ist, werfe zuerst einen Stein auf sie“, sondern Er sagte: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe zuerst einen Stein auf sie.“ Hätte Er „uns“ gesagt, hätte Er selbst den ersten Stein werfen müssen. Das ist pure Gnade. Und dann schrieb Er mit dem Finger in die Erde. Das lässt uns daran denken, dass Er in den Staub des Todes gehen musste, um uns die Gnade Gottes zu bringen. So tief hat Er sich herabgelassen. F. B. Hole stellt an dieser Stelle den „Finger des göttlichen Gerichts“ dem „Finger des Staubes“ gegenüber.8

Angst und Schrecken

So böse und frivol der König auch war – er scheint dennoch den Rest eines Gewissens gehabt zu haben. Jedenfalls haute ihn die Schrift an der Wand förmlich um. Er verstand kein Wort, aber dennoch geriet er in Panik. Er hatte sich nicht mehr unter Kontrolle – selbst nicht in Gegenwart seiner Obersten. Gott selbst gab ihn, der sich so über Ihn belustigt hatte, der Lächerlichkeit preis. Vor seinen Obersten hatte Belsazar sich amüsiert. Vor ihnen allen wird nun deutlich, wie sehr angeschlagen er war. Seine Gesichtsfarbe veränderte sich, seine Gedanken ängstigten sich, und selbst die Bänder seiner Hüften lösten sich und seine Knie schlugen aneinander. So wird es einmal den Menschen auf der Erde gehen, wenn sie dem Gericht entgegensehen, das vor der Tür steht: „Und die Könige der Erde und die Großen und die Obersten und die Reichen und die Starken und jeder Knecht und Freie verbargen sich in die Höhlen und in die Felsen der Berge; und sie sagen zu den Bergen und zu den Felsen: Fallt auf uns und verbergt uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes“ (Off 6,15.16).

Wenn Gott schweigend zuschaut, erheben wir Menschen uns gerne in unserer eigenen Macht und Stärke und reden große Dinge gegen Gott. Manchmal wundern wir uns, wie lange Gott schweigend zuschaut. Aber wenn Er dann wirklich eingreifen wird, werden Schweigen und Angst herrschen. Der Schreiber des Hebräerbriefs spricht in einem anderen Zusammenhang von einem gewissen „furchtvollen Erwarten des Gerichts“ (Heb 10,27). Wie groß wird das Erschrecken einmal sein, wenn die Menschen am großen weißen Thron vor dem Richter stehen und nach ihren Werken gerichtet werden. In der Tat: „Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen!“ (Heb 10,31). „Du bist furchtbar, und wer kann vor dir bestehen, sobald du erzürnst!“ (Ps 76,8). Einen Vorgeschmack davon sehen wir hier.

Die Weisen von Babel

Statt sofort vor diesem Gott niederzufallen und sich zu demütigen, versuchte Belsazar es auf andere Art und ließ seine Sterndeuter, Chaldäer und Wahrsager herbeibringen. Auch in diesem Punkt hatte er nichts von seinem Großvater gelernt. Vermutlich erhoffte er von ihnen Beruhigung seiner Angst. Das Gegenteil trat jedoch ein.

Noch einmal zeigte sich klar, dass Gott die Weisheit der Weisen zunichtemacht. Dieser Gedanke durchzieht jedes der ersten fünf Kapitel. In der Gegenwart Gottes waren diese Männer ahnungslos und konnten nicht helfen. Der König versprach ihnen allen Reichtum Babels, aber auch das half nicht. Das macht klar, wie groß seine Angst gewesen sein muss. So wird es einmal auf der Erde sein. „Und es werden Zeichen sein an Sonne und Mond und Sternen, und auf der Erde Bedrängnis der Nationen in Ratlosigkeit bei dem Tosen und Wogen des Meeres; indem die Menschen vergehen vor Furcht und Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis kommen, denn die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden“ (Lk 21,25.26).

Der König stellte den Weisen eine doppelte Aufgabe. Sie sollten die Schrift lesen und ihre Deutung anzeigen. Dazu waren sie nicht in der Lage. Es bleibt wieder offen, ob sie beides nicht konnten, oder ob sie an der Deutung scheiterten, aber das macht letztlich keinen großen Unterschied. In Vers 8 lesen wir, dass sie die Schrift nicht zu lesen vermochten und die Deutung nicht kundtun konnten. In Vers 15 ist lediglich die Rede davon, dass sie die „Deutung der Sache“ nicht anzeigen konnten.

Die Schrift war in aramäischen Schriftzeichen geschrieben, so dass das Lesen eigentlich nicht das Problem darstellen konnte. Aramäisch wurde wie Hebräisch von rechts nach links geschrieben und enthielt nur Konsonanten. Die Vokale musste sich der Leser hinzudenken. Das machte das Lesen wohl schwierig, aber sicher nicht unmöglich. Wir werden aber noch sehen, dass es verschiedene Lesarten der Buchstaben gab. Jedenfalls scheiterten die Weisen Babels an dem wesentlichen Punkt, dem König zu sagen, was die Schrift bedeutete. Als Folge entsetzte sich der König noch mehr, und nicht nur er, sondern auch seine Gewaltigen wurden bestürzt.

W. Kelly macht an dieser Stelle eine interessante Anwendung. Er schreibt, dass es für den natürlichen Menschen an und für sich nicht schwierig ist, das geschriebene Wort Gottes zu lesen und seine Worte zur Kenntnis zu nehmen. Er nennt als Beispiel die Schriften von Johannes, in denen wir einerseits die vielleicht tiefsten Gedanken geäußert sehen, was aber andererseits in sehr einfachen Worten geschieht. Er zieht daraus folgende Konsequenz: „Die Schwierigkeit der Schrift liegt darin, dass es die Offenbarung Christi für solche Seelen ist, die ihre Herzen durch Gnade geöffnet haben, um sie zu empfangen und wertzuschätzen ... Die wirkliche Schwierigkeit der Schrift besteht darin, dass ihre Gedanken so unendlich über den menschlichen Geist erhaben sind. Wie müssen unser „Ich“ aufgeben, um die Bibel zu verstehen. Wir müssen ein Herz und ein Auge für Christus haben, oder aber die Schrift wird für unsere Seele eine unverständliche Sache bleiben. Nur wenn das Auge einfältig ist, wird der ganze Leib Licht sein.“ 9

Die Königin

Die Königin bekam offensichtlich Kenntnis von dem Problem. Denn „infolge der Worte des Königs und seiner Gewaltigen“ trat sie in das Haus des Gelages. Die Ausleger sind sich darin einig, dass es sich nicht um die Frau Belsazars gehandelt haben kann. Zum einen war diese mit großer Wahrscheinlichkeit auf dem Fest anwesend (Vers 2). Zum anderen hätte keine Königsfrau gewagt so aufzutreten, wie die Königin es tat und zum König sprach. Deshalb kann man mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass es sich um die Mutter Belsazars handelte, also die Tochter Nebukadnezars.10 Mütter spielten in den Königspalästen oft eine nicht zu unterschätzende Rolle. Das lernen wir auch in der Geschichte der Könige von Juda und Israel. Zum einen fällt uns auf, dass diese Frau bei dem Gelage nicht dabei war, sondern erst jetzt das Feierhaus betrat. Darin liegt die Andeutung verborgen, dass sie möglicherweise mit dem bösen Tun ihres Sohnes nicht einverstanden war. Zum anderen hatte sie eine lebendige Erinnerung an Daniel, dessen Weisheit und Auftreten bei ihr bleibende Spuren hinterlassen hatte. Sie nannte spontan seinen Namen und war sich sicher, dass Daniel die Schrift lesen und erklären konnte.

In diesem Punkt ist sie unbedingt ein positives Beispiel. Sie spricht von „dem Mann in deinem Königreich“, in dem „ein außergewöhnlicher Geist und Kenntnis und Verstand, ein Geist der Traumdeutung und der Rätselerklärung und der Knotenlösung“ gefunden wurde. Sie rät ihrem Sohn, diesen Daniel zu rufen. Die heidnische Königin nennt ihn „Daniel, dem der König den Namen Beltsazar gegeben hat“, und schlägt vor, diesen Daniel rufen zu lassen. Damit erkennt sie indirekt an, dass die wahre Weisheit nicht bei den Babyloniern lag, sondern bei dem Mann, der ein Gefangener aus Juda war. Wieder wird deutlich, dass wahre Weisheit und Einsicht nur bei dem gläubigen Überrest gefunden wird – sei es in der letzten Phase der Weltreiche oder sei es heute am Ende der christlichen Zeit.

Allerdings machen die Worte der Königsmutter auch klar, dass sie den Ernst der Situation unterschätzte. Zum einen waren ihre beruhigenden Worte fehl am Platz. Sie forderte den König auf, sich keine Sorgen zu machen, weil Daniel schon Rat wissen würde. Sie ging davon aus, die Situation sei unter Kontrolle, wenn Daniel die Schrift erst einmal gedeutet haben würde. In diesem Punkt irrte die Frau. Zum anderen schrieb sie die Qualitäten Daniels nicht dem „höchsten Gott“ zu, sondern sie spricht von „dem Geist der heiligen Götter“ und der „Weisheit der Götter“, die in ihm sein sollten. Belsazar, der Daniel nicht einmal kannte, wiederholte dann diese Worte in ähnlicher Form (Vers 14). Außerdem erwähnen beide das „Lösen von Knoten“, von dem wir nicht wissen, dass Daniel sich darin bewiesen hätte und das eher auf heidnische Praktiken hinwies.

Verse 12–28: Daniel deutet die Schrift

Daniel erscheint vor dem König

Der Rat der Königin wurde befolgt. Daniel wurde gerufen und vor den König geführt. Das lässt uns zunächst die Frage stellen, wo Daniel vorher gewesen war. Ohne Frage gehörte er eigentlich zu den „tausend Gewaltigen“ im Reich. Sowohl in der Regierungszeit Nebukadnezars als auch in der Regierungszeit Belsazars hatte er am Königshof seinen Dienst getan. Dennoch war er auf dem Fest nicht anwesend. Wir lernen, welchen Platz der Diener Gottes in dieser Welt einnimmt. Sein Charakter als Mann Gottes scheint hier sehr hell. Daniel war völlig getrennt von dem bösen Treiben des Königs. Er folgte nicht dem Zeitgeist der Gottlosigkeit und Ausschweifung in Babel. Er hatte den Königen von Babel treu gedient, sich aber von Anfang an nicht „von der Tafelkost des Königs“ beeindrucken und verunreinigen lassen. Der Herzensentschluss, den er als junger Mann gefasst hatte, begleitete ihn sein ganzes Leben lang. Das wird hier im hohen Alter deutlich erkennbar. Daniel war ein Mann von Entscheidungen und Prinzipien, zu denen er stand.

Gerade dadurch, dass er von dem bösen Treiben am Königshof getrennt lebte, konnte er nun ein Zeugnis für seinen Gott sein. Licht scheint nur dann hell, wenn es klar und eindeutig von der Finsternis getrennt ist. Der Herr Jesus sagt, dass seine Jünger das „Licht der Welt“ sind (Mt 5,14). Dieses Licht scheint in der Finsternis. Paulus schreibt: „... damit ihr untadelig und lauter seid, unbescholtene Kinder Gottes inmitten eines verdrehten und verkehrten Geschlechts, unter dem ihr scheint wie Lichter in der Welt, darstellend das Wort des Lebens“ (Phil 2,15.16). Unser Licht kann nur dann scheinen, wenn wir uns von der Finsternis fernhalten. Vermischung mit der Welt schwächt unser Zeugnis und unsere Glaubwürdigkeit. Diese Trennung mag bisweilen Leiden und Widerstand zur Folge haben, weil die Welt dadurch verurteilt wird. Sie ist aber unerlässlich, wenn wir wirkliche Zeugen für unseren Herrn sein wollen.

Das Beispiel Daniels macht uns Mut, wenn es darum geht, zu der Welt und ihren Verlockungen klar und entschieden Position zu beziehen und Nein zu sagen. Weltliche Feste und Veranstaltungen sind kein geeigneter Ort für uns, und sie sind – jedenfalls in den allermeisten Fällen – nicht das geeignete Umfeld, um über christliche Dinge zu reden. Das Gegenteil ist viel wahrscheinlicher. Wir schwächen durch unsere Teilnahme und unser Verhalten unser Zeugnis, weil wir nicht mehr glaubwürdig sind. Wenn wir es wie Daniel machen und vom ersten Tag an klipp und klar sagen, dass wir als wirkliche Christen dem Herrn Jesus nachfolgen wollen, dann wird man sich vielleicht sogar wundern, wenn wir plötzlich an den Feiern dieser Welt teilnehmen. Die Bibel sagt uns ganz deutlich – und da kann es kein Missverständnis geben –, dass Freundschaft mit der Welt Feindschaft gegen Gott ist und dass es keine Gemeinschaft zwischen Licht und Finsternis geben kann (vgl. 2. Kor 6,14–16). Wir sind zwar noch in der Welt, aber wir sind nicht mehr von der Welt. Das war Daniel klar, und deshalb war er nicht auf der Feier seines Königs.

Noch etwas lernen wir aus dem Verhalten Daniels. Als er gerufen wurde, kam er und gab Auskunft. Seine Botschaft war nicht einmal eine angenehme – ganz im Gegenteil. Trotzdem lesen wir nichts davon, dass er Angst gehabt hätte. Für uns bleibt die Frage, wo wir sind, wenn die Menschen dieser Welt Antworten auf ihre Fragen suchen. Sind wir bereit, über unseren Glauben Auskunft zu geben? Oft es ist es leider so, dass wir anwesend sind, wo wir besser abwesend wären, uns aber schnell „verdrücken“, wenn unser Zeugnis gefragt ist.

Daniel war inzwischen über 80 Jahre alt und dennoch ein entschiedener Zeuge für seinen Gott. Das Alter ist kein Argument, kein Zeugnis mehr abzulegen. Auch ältere und alte Geschwister können von dem zeugen, was Gott wichtig ist. Ein Diener Gottes kennt keinen Ruhestand und keine Pension. Uns allen gilt die Aufforderung, dass wir die gelegene und ungelegene Zeit nutzen sollen (2. Tim 4,2).

Belsazar spricht mit Daniel

Belsazar kannte Daniel offensichtlich sehr schlecht, obwohl er ja um die Geschehnisse von Kapitel 4 wusste. Er wiederholte mehr oder weniger das, was seine Mutter über ihn gesagt hatte. Er redete ihn auch nicht mit seinem babylonischen Namen an, sondern mit seinem jüdischen Namen und erinnerte gleichzeitig daran, dass er einer der „Weggeführten von Juda“ war, den sein Großvater deportiert hatte. Darin scheint eine gewisse Arroganz erkennbar zu sein.

Aus Kapitel 8,27 wird deutlich, dass Daniel in Belsazars Dienst gestanden hatte. Das war über 10 Jahre her. Ob Daniel diesen Dienst inzwischen aufgrund seines Alters quittiert hatte, wissen wir nicht. Jedenfalls hätte der König ihn eigentlich kennen müssen. Es erging ihm ähnlich wie Saul, der David nicht kannte und seinen Heerobersten Abner fragen musste: „Wessen Sohn ist doch der Jüngling?“ (1. Sam 17,55). David hatte Saul gedient und vor ihm die Harfe gespielt. Dennoch hatte Saul ihn nie wirklich zur Kenntnis genommen. Es ist für ein Kind Gottes keine Schande, in dieser Welt unbekannt zu sein und nicht zur Kenntnis genommen zu werden.

Belsazar verspricht Daniel die gleichen Geschenke, die er vorher seinen Weisen versprochen hatte. Daniel sollte mit Purpur bekleidet werden, er sollte eine goldene Kette um den Hals bekommen und als Dritter im Königreich herrschen.11

Daniel antwortet dem König

Zunächst fällt auf, dass Daniel furchtlos vor dem König stand. Das, was ihn in der Jugendzeit charakterisiert hatte, war nicht verloren gegangen. Er nahm kein Blatt vor den Mund. Dieser Mut wird den gläubigen Überrest kommender Tage kennzeichnen, und auch wir dürfen lernen, uns nicht zu schämen. Dabei blieb Daniel zwar respektvoll, aber doch deutlich distanzierter, als er es Nebukadnezar gegenüber gewesen war. Er sagte einmal: „Du, o König“, aber ansonsten konzentrierte er sich auf seine Botschaft. Gott möchte, dass wir der Obrigkeit gegenüber höflich und respektvoll sind (Röm 13,1), aber doch die nötige Distanz bewahren. Vor allem in dieser Situation, als es nur noch um eine Gerichtsbotschaft ging, wäre jedes weitere Wort fehl am Platz gewesen. Daniel hatte Nebukadnezar als das „Haupt aus Gold“ stets respektiert und war von ihm vielleicht sogar beeindruckt. Gott hatte ihm ja diese Macht gegeben. Aber Belsazar gegenüber trat Daniel sowohl im Inhalt als auch in der Form seiner Ansprache deutlich anders auf.

Bevor Daniel in relativ wenigen Worten die Schrift an der Wand erklärte, nahm er sich deutlich mehr Zeit, dem König einige einleitende Worte zu sagen. Zunächst wies er die Geschenke zurück: Daniel ließ sich von dem in Aussicht gestellten Lohn in keiner Weise beeindrucken. Er war zwar der irdische Knecht dieses Königs, aber er verstand sich vielmehr als Knecht Gottes und wollte Ihm dienen. Die Geschenke des heidnischen Königs brauchte er nicht und wollte er nicht. Daniel war nicht „käuflich“, so wie jeder Diener des Herrn niemals käuflich sein und sich von Geld oder anderen weltlichen Dingen beeinflussen lassen sollte (1. Pet 5,2). Daniel lehnte jede Form der Gemeinschaft und Verbindung mit der götzendienerischen Welt, die unter dem Urteil des Gerichts Gottes stand, völlig ab.

Daniel erwies sich als wahrer Sohn Abrahams und folgte seinem Beispiel. Abraham hatte zu dem König von Sodom gesagt: „Wenn vom Faden bis zum Schuhriemen, ja, wenn ich irgendetwas nehme von dem, was dein ist! – damit du nicht sagst: Ich habe Abram reich gemacht“ (1. Mo 14,23). Daniel kannte wie Abraham Gott als den „Höchsten, der Himmel und Erde besitzt“. Von Ihm erwartete er alles. Auch Mose achtete die „Schmach des Christus für größeren Reichtum ... als die Schätze Ägyptens; denn er schaute auf die Belohnung“ (Heb 11,26). Das war die Belohnung, die Gott geben würde. Der von der Welt abgesonderte Gläubige braucht weder den Beifall noch die Ehrbezeugungen dieser Welt. Im Gegenteil, er geht – wie sein Herr – seinen Weg unbeeindruckt von dem Beifall oder dem Widerstand der Menschen. Der Dienst für Gott kann nicht durch weltliche Werte belohnt werden.

Dann spricht Daniel über die Vergangenheit:

  1. Er erinnert den König an die Vorrechte und die Macht, die der höchste Gott seinem Großvater Nebukadnezar gegeben hatte. Er tut das relativ ausführlich (Verse 18–19). Daniel erkennt an, dass die Macht den Herrschern der Nationen übertragen worden war, aber er macht auch klar, woher sie ihre Gewalt bekommen hatten. Es war der „höchste Gott“, der ihm „die Größe und die Ehre und die Herrlichkeit verliehen“ hatte. Es waren geliehene Dinge. Nebukadnezar hatte sie nicht verdient. Seine Machtbefugnisse gingen sehr weit, so dass sich alle Menschen vor ihm fürchteten. Er entschied über Leben und Tod, über Beförderung und Degradierung.
  2. Weil es geliehene Macht war, stand Nebukadnezar unter Verantwortung. Dieser Verantwortung hatte er nicht entsprochen. Auch daran erinnert Daniel den König (Verse 20). Er spricht von dem Hochmut Nebukadnezars und seiner Vermessenheit, die schließlich dazu führte, dass er von seinem Thron gestürzt wurde und alle Würde verlor.
  3. Im Leben Nebukadnezars gab es einen entscheidenden Wendepunkt, den Daniel nicht verschweigt (Vers 21). Es kam der Tag, an dem er erkannte, „dass der höchste Gott über das Königtum der Menschen herrscht und darüber bestellt, wen er will“. Nebukadnezar war bereit, sich zu demütigen und anzuerkennen, dass „die Himmel herrschen“.

Genau diesen Punkt wirft Daniel nun Belsazar vor. „Und du, Belsazar, sein Sohn, hast dein Herz nicht gedemütigt, obwohl du dies alles gewusst hast.“ Das war die ernste Botschaft an den König. Es war schuldhafte Ignoranz, weil er die Dinge wusste und doch nichts daraus gelernt hatte. Jeremia 22,13–19 zeigt einen parallelen Vorgang. Dort wirft Jeremia dem König Jojakim vor, nichts von dem Vorbild seines Vaters gelernt zu haben. Das gute Beispiel eines Vaters ist von großer Bedeutung. Aber es ist nicht selbstverständlich, dass Söhne diesem Vorbild folgen. Die Bibel zeigt uns positive und negative Beispiele.12 Wir wollen daraus für uns lernen. Es ist eine menschliche Beobachtung und Weisheit, dass die Geschichte die Menschen lehrt, dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt. In der Tat ist es häufig so, dass jede Generation ihre eigenen Fehler macht. Belsazar wusste alles und hatte sich doch nicht gedemütigt. Er gleicht darin vielen Menschen, die alles gewusst haben und doch ewig verloren gehen. Mit dem Wissen steigt die Verantwortung.

Das Fehlverhalten Belsazars bestand nicht nur in schuldhafter Ignoranz. Der Ignoranz folgte die Arroganz. Das Gegenteil von Demut ist Hochmut. Demut hatte er keine gezeigt, und durch Hochmut hatte er sich versündigt. Er hatte sich über den „Herrn des Himmels“ erhoben. Für Nebukadnezar war es ein Lernprozess gewesen, diesen „Herrn des Himmels“ anzuerkennen. Belsazar machte keinen einzigen Schritt in diese Richtung. Und nicht nur das: Er hatte die Gefäße des Tempels holen lassen, um sie zu entweihen und zum Götzendienst zu missbrauchen. Das war – wie wir gesehen haben – eine ganz bewusste Provokation. Belsazar hatte seine eigenen Götter gerühmt und den Gott nicht geehrt, in dessen Hand sein Odem und seine Wege waren.

Gott ist in der Tat ein Gott, in dessen Hand das Leben jedes Menschen steht, sei er gläubig oder ungläubig. Gott hält als Schöpfer das Leben jedes Menschen aufrecht (vgl. z. B. Apg 17,28; 1. Tim 4,10). Deshalb schuldet Ihm jeder Mensch Anerkennung. Paulus schreibt: „... weil sie, Gott kennend, ihn weder als Gott verherrlichten noch ihm Dank darbrachten, sondern in ihren Überlegungen in Torheit verfielen und ihr unverständiges Herz verfinstert wurde“ (Röm 1,21). Das hatte Belsazar nicht bedacht, und das bedenken viele Menschen nicht.

In der prophetischen Bedeutung erkennen wir in diesem Fehlverhalten wesentliche Charakterzüge des letzten „Tieres“, des römischen Weltherrschers wieder. Auch er kennt die Geschichte, aber er wird sie ignorieren. Das Wort Demut wird es in seinem Vokabular nicht geben. Er kennt nur das Wort Hochmut, und das in einer Form, wie sie vorher nie gekannt worden ist. In Daniel 11 lesen wir von einem anderen König, der ebenfalls ein Bild des letzten Weltherrschers ist: „Und der König wird nach seinem Gutdünken handeln, und er wird sich erheben und sich groß machen über jeden Gott, und gegen den Gott der Götter wird er Erstaunliches reden; und er wird Gelingen haben, bis der Zorn vollendet ist, denn das Festbeschlossene wird vollzogen. Und auf den Gott seiner Väter wird er nicht achten, und weder auf die Sehnsucht der Frauen noch auf irgendeinen Gott wird er achten, sondern er wird sich über alles erheben“ (Dan 11,36.37). Hier finden wir Merkmale Belsazars wieder:

  1. Er handelt nach Gutdünken;
  2. er erhebt sich und macht sich groß;
  3. er redet gegen den Gott der Götter;
  4. er achtet nicht auf den Gott seiner Vorfahren;
  5. er wird sich über alles erheben.

Dieser letzte König steht im Übrigen in enger Kollaboration mit dem Antichrist, von dem wir in 2. Thessalonicher 2,4 Ähnliches lesen: „... der widersteht und sich erhöht über alles, was Gott heißt oder verehrungswürdig ist, so dass er sich in den Tempel Gottes setzt und sich selbst darstellt, dass er Gott sei.“

Die Schrift und ihre Deutung

Nachdem Daniel dem König seine Schuld deutlich vor Augen gehalten hatte, erklärte er dann mit wenigen Worten die Bedeutung der Schrift an der Wand des Hauses des Gelages. Was die Weisen Babels nicht konnten, tat Daniel. Er tat es nicht in eigener Kraft und Fähigkeit, sondern unter der Leitung des Heiligen Geistes. Eigentlich hätten die Experten Babels mit den chaldäischen Schriftzeichen besser vertraut sein müssen als Daniel. Aber sie konnten sie dennoch nicht entziffern bzw. wussten nicht, was sie bedeuteten. Das ist ein erneuter Beweis dafür, dass der natürliche Mensch die Offenbarung Gottes nicht annimmt. „Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird“ (1. Kor 2,14). Zu Daniel hingegen wird später gesagt: „... vom ersten Tag an, als du dein Herz darauf gerichtet hast, Verständnis zu erlangen und dich vor deinem Gott zu demütigen“ (Dan 10,12). Daniel hatte „infolge der Gewöhnung geübte Sinne“ (Heb 5,14). In der Jugendzeit hatte Daniel Gott geehrt; jetzt gab Gott ihm die Einsicht, die Schrift zu dechiffrieren und dem König das Gericht anzukündigen.

Das Problem der Schrift waren nicht so sehr die Worte. Sie waren lesbar. Unklar waren der Zusammenhang und vor allem die Bedeutung und Auslegung auf die Situation Belsazars und seines Reiches.

Ausleger weisen darauf hin, dass die aramäischen Worte aufgrund der fehlenden Vokale unterschiedlich verstanden werden konnten. Eine Möglichkeit war, sie als Währungs- oder Gewichtseinheiten mit abfallendem Wert zu verstehen. „Mene“ konnte „Mina“ oder „Mine“ bedeuten. Das war eine babylonische Währungseinheit. „Tekel“ konnte „Schekel“ bedeuteten, eine weitere babylonische Währungseinheit. „Peres“ (der Singular von „Parsin“) wäre dann ein „halber Schekel“ gewesen.

Doch das war hier offensichtlich nicht gemeint. Für Daniel gab es keinen Zweifel, dass die Worte eine andere Bedeutung hatten. „Mene“ konnte nämlich auch „gezählt“ bedeuten. „Tekel“ konnte „gewogen“ bedeuten, und Peres kann man ebenfalls mit „geteilt“ übersetzen. Das allein genügte jedoch nicht. Die Sache musste gedeutet und erklärt werden. Zunächst machte Daniel klar, dass es Gottes Hand war, die diese Schrift gezeichnet hatte. Der Gott, den Belsazar verhöhnt hatte und mit dem er nicht rechnete, hatte eine persönliche Botschaft an ihn:

  1. Mene: Das bedeutet „gezählt“: „Gott hat dein Königtum gezählt und macht ihm eine Ende.“ Insgesamt hatte das Babylonische Reich 68 Jahre lang existiert. Belsazar hatte davon höchstens 17 Jahre regiert. Diese Zeit war von Gott gezählt und sollte nun ein Ende nehmen. Er hatte Nebukadnezar das Reich gegeben, und Er nahm es seinem Enkel nun wieder weg. Der Gott, der die Haare des Hauptes und die Zahl der Sterne zählt (Mt 10,30; Ps 147,4), zählt auch die Regierungsjahre der Könige der Nationen. Er gibt sie, und Er nimmt sie wieder weg. Was für das Babylonische Reich galt, gilt für alle Weltreiche, auch für das des letzten Herrschers. Gott zählt. Durch den Propheten Jesaja hatte Gott das Ende Babels schon ankündigen lassen: „Und seine Zeit steht nahe bevor, und seine Tage werden nicht verlängert werden“ (Jes 13,22). Gott bestimmt über die Zeit. Jeder Mensch sollte das bedenken. Gott zählt die Tage seiner Lebenszeit. Die Wiederholung des Wortes „mene“ legt auf diese Tatsache ein besonderes Gewicht. Pharao träumte seinen Traum zweimal, und Joseph erklärte das so: „Die zweimalige Wiederholung des Traumes an den Pharao bedeutet, dass die Sache von Seiten Gottes fest beschlossen ist und dass Gott eilt, sie zu tun“ (1. Mo 41,32). Das würde sich bei Belsazar in aller Kürze beweisen.13
    Das göttliche „Mene“ steht in der praktischen Anwendung auch über dem Leben der Gläubigen. David schreibt: „Tu mir kund, Herr, mein Ende und das Maß meiner Tage, welches es ist, damit ich weiß, wie vergänglich ich bin! Siehe, wie Handbreiten hast du meine Tage gemacht, und meine Lebensdauer ist wie nichts vor dir; ja, nur ein Hauch ist jeder Mensch, der dasteht. – Ja, als ein Schattenbild geht der Mensch umher; ja, vergebens ist er voll Unruhe; er häuft auf und weiß nicht, wer es einsammeln wird“ (Ps 39,5–7). Die praktische Konsequenz daraus lehrt uns die Aufforderung Moses: „So lehre uns denn zählen unsere Tage, damit wir ein weises Herz erlangen!“ (Ps 90,12).
  2. Tekel: Das bedeutet „gewogen“: „Du bist auf der Waage gewogen und zu leicht befunden worden.“ Dieses Wort stand nur einmal an der Wand und galt dem König persönlich. Jetzt ging es nicht mehr um sein Reich, sondern um ihn selbst. Er war es, der sich gegen Gott versündigt hatte, und er musste sich nun gefallen lassen, dass Gott ihn wog und für zu leicht befand. Wenn für Gott schon ganze Nationen wie ein „Sandkorn auf der Waagschale“ erachtet werden (Jes 40,15), wieviel weniger Gewicht bringt dann ein einzelner Mensch auf. Belsazar hatte versucht, sich über den Gott des Himmels zu erheben und Ihn zu beleidigen und dabei nicht bedacht, dass er „nichts“ war. Dem letzten Weltherrscher wird es nicht anders ergehen.
    Die „Waage des Heiligtums“ wiegt anders als menschliche Waagen. „Gerechte Waage und Waagschalen sind des Herrn“ (Spr 16,11; vgl. Hiob 31,6). Die göttliche Waage kann – im Gegensatz zu menschlichen Waagen – nicht manipuliert werden. Mit dieser Gerechtigkeit bekam es Belsazar nun zu tun. Gott ist zu rein von Augen, um Böses zu sehen (Hab 1,13), und deshalb kann jeder Mensch nur zu leicht erfunden werden. Das Wiegen nimmt dabei nicht nur Bezug auf eine moralische Gewichtung der Aktivitäten des Menschen. Es ist wahr, dass Gott die Handlungen eines Menschen wiegt. „Von ihm werden die Handlungen gewogen“ (1. Sam 2,3). Gott wiegt auch die Wege und Bahnen: „Denn vor den Augen des Herrn sind eines jeden Wege, und alle seine Bahnen wägt er ab“ (Spr 5,21). Gott wiegt die Geister (Spr 16,2) und die Herzen (Spr 21,2; 24,12). Aber mehr noch: Gott wiegt den Menschen selbst. Daniel sagt: „Du bist gewogen.“ Auf dieser Waage hatte Belsazar kein Gewicht. „Nur ein Hauch sind die Menschensöhne, Lüge die Männersöhne. Auf der Waagschale steigen sie empor, sie sind allesamt leichter als ein Hauch“ (Ps 62,10).
    In der Anwendung gilt das nur für ungläubige Menschen. Zwar werden am Ende vor dem großen weißen Thron die Menschen „nach ihren Werken“ gerichtet (Off 20,12), aber es ist dennoch ein Irrtum zu glauben, dass Gott die „guten Taten“ gegen die „bösen Taten“ aufwiegt. Wer das glaubt, ist auf dem Holzweg. Es ist nicht ganz unwichtig, was ein Mensch getan hat, denn danach wird das Strafmaß bemessen. Aber wichtiger ist das Gegengewicht auf der Waage. Nur dann, wenn jemand Jesus Christus als sein Leben hat, ist auf der anderen Waagschale genügend Gewicht vorhanden. Andernfalls wird die Waage immer zu unseren Ungunsten ausschlagen.
  3. Peres (oder U-Pharsin)14: Das Wort „Peres“ (Pharsin) hat eine doppelte Bedeutung. Es bedeutet eigentlich „teilen, brechen, zerbrechen“, lässt aber auch die Bedeutung von „Perser“ zu. U-Pharsin ist die Mehrzahl von „Peres“, wobei das „U“ ein Verbindungsglied ist. Das macht die Deutung klar: „Dein Königreich wird zerteilt und den Medern und Persern gegeben.“ Sie standen bereits vor den Toren Babels, als Daniel diese Worte sprach. Das „Tekel“ galt dem König ganz persönlich. Das „Peres“ galt seinem Königtum. Belsazar war ein untreuer Verwalter dessen gewesen, was der höchste Gott ihm anvertraut hatte. Deshalb würde ihm diese Verwaltung nun abgenommen werden. Das „Haupt von Gold“ war zu Ende gekommen, und die Zeit der Regierung der Meder und Perser würde nun anbrechen.
    Gott hat jedem Menschen eine „Verwaltung“ gegeben. Als Schöpfer legt Gott seinen Geschöpfen etwas in die Hand, und wir sind verantwortlich für das, was wir damit tun. Jeder Mensch wird einmal sterben. Danach kommt das Gericht (Heb 9,27), und dieses Gericht schließt die göttliche Beurteilung und sein Urteil ein. Für Belsazar gab es keine Möglichkeit mehr zur Umkehr. Die Würfel waren gefallen. Deshalb fehlte jeder Appell zur Buße.

Verse 29–30: Das Ende der Weltmacht Babylon

Belsazars Reaktion

Wie Belsazar die Worte Daniels aufgefasst hat, wird uns nicht berichtet. Wir lesen lediglich, dass das geschah, was er vorher angekündigt hatte. Daniel wurde mit Purpur bekleidet, man hängte eine goldene Kette um seinen Hals und rief über ihm aus, dass er der dritte Herrscher im Königreich sein sollte. Offensichtlich ließ Daniel es geschehen, obwohl ihm klar war, dass es nur für kurze Zeit sein würde.

Jedes Bemühen Belsazars war vergeblich. Es mag sein, dass er die leise Hoffnung hegte, seinem Schicksal vielleicht doch entgehen zu können. In seinem Tun wird jedenfalls deutlich, dass er aus dem Botschafter mehr machte als aus der eigentlichen Botschaft. Es ist aber auch denkbar, dass er gar nicht richtig begriffen hatte, was Daniel ihm angekündigt hatte oder dass er davon ausging, dass das Gericht noch eine Zeit auf sich warten lassen würde. Man gewinnt jedenfalls den Eindruck, dass sein Gewissen nicht sonderlich berührt war. Es erging ihm ähnlich wie dem reichen Gutsbesitzer, dem ebenfalls das Gericht angekündigt wurde, ohne dass die Möglichkeit der Buße angedeutet wird (Lk 12,20).

Die Ausführung des Gerichts

Die Stunde der Vergeltung für das historische Babel war nicht nur eingeläutet, sondern sie war gekommen. Die Hand des Allmächtigen lag auf dem König und seinem Reich. Was Daniel als junger Mann vorausgesagt hatte, würde nun eintreten. Die Herrschaft sollte übergeben werden (vgl. Kap 2,32.39). Gott erfüllt sein Wort zu seiner Zeit. So wird es auch in der Zukunft sein. Der Tag kommt, wo Gott das Gericht über diese Welt unter der Herrschaft des letzten Herrschers in der Zeit der Nationen bringen wird. „Siehe, der Herr ist gekommen inmitten seiner heiligen Tausende, um Gericht auszuführen gegen alle und zu überführen alle Gottlosen von allen ihren Werken der Gottlosigkeit, die sie gottlos verübt haben, und von all den harten Worten, die gottlose Sünder gegen ihn geredet haben“ (Jud 14.15). In seinem Ausspruch über Babel sagt Jesaja: „Siehe, der Tag des Herrn kommt grausam mit Grimm und Zornglut, um die Erde zur Wüste zu machen; und ihre Sünder wird er von ihr vertilgen. Denn die Sterne des Himmels und seine Gestirne werden ihr Licht nicht leuchten lassen; die Sonne wird finster sein bei ihrem Aufgang, und der Mond wird sein Licht nicht scheinen lassen. Und ich werde an dem Erdkreis heimsuchen die Bosheit und an den Gottlosen ihre Ungerechtigkeit, und ich werde dem Hochmut der Übermütigen ein Ende machen und den Stolz der Gewalttätigen erniedrigen“ (Jes 13,9–11). Auch diese Worte treffen nicht nur auf das historische Babel zu, sondern haben eine darüber hinausgehende prophetische Bedeutung. Gleiches trifft auf die Weissagung Jeremias zu: „Kommt über es von allen Seiten her, öffnet seine Scheunen, schüttet es auf wie Garbenhaufen und vertilgt es; nicht bleibe ihm ein Überrest! Erwürgt alle seine Stiere, zur Schlachtung sollen sie hinstürzen! Wehe über sie, denn ihr Tag ist gekommen, die Zeit ihrer Heimsuchung! Horch! Flüchtlinge und Entronnene aus dem Land Babel, um in Zion zu verkünden die Rache des Herrn, unseres Gottes, die Rache seines Tempels“ (Jer 50,26–28). Interessant ist der Hinweis auf die „Rache seines Tempels“. Belsazar hatte sich an den Geräten dieses Tempels vergriffen und damit Gott gelästert. Der letzte Weltherrscher wird es ähnlich machen. Auch er wird gemeinsam mit dem Antichrist ein Tempelschänder sein und dafür sein verdientes Gericht tragen.

Der letzte Satz des Wortes Gottes über das Babylonische Reich lautet: „In derselben Nacht wurde Belsazar, der König der Chaldäer, getötet.“ Es wird nicht gesagt, wer ihn tötete. Waren es seine eigenen Knechte? Waren es die Chaldäer? Es spielt letztlich keine Rolle. Der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus lässt den Zeitpunkt der Eroberung Babels offen. Er schreibt: „Baltasar nämlich ist es, unter dessen Regierung Babylon fiel, nachdem er siebzehn Jahre geherrscht hatte ... Darius, der in Gemeinschaft mit seinem Verwandten Cyros das Babylonische Reich vernichtete, war zweiundsechzig Jahre alt, als Babylon fiel.“15 Andere Geschichtsschreiber berichten darüber, dass die Meder und Perser in derselben Nacht die Stadt eroberten. Einer von ihnen ist George Rawlison, ein britischer Historiker, der im 19. Jahrhundert lebte. Er schreibt: „Nachdem alles vorbereitet war, wartete Cyrus auf ein bestimmtes Fest, bei dem die ganze Bevölkerung mit Trinken und Schwelgen beschäftigt sein würde. Dann hatte er vor, in tiefer Nacht das Wasser aus dem Fluss umzuleiten und anzugreifen. Alles lief so, wie er es sich vorgestellt hatte. Das Fest wurde sogar mit noch größerem Pomp und größerer Pracht als üblich gefeiert. Belsazar gab sich mit der natürlichen Unverschämtheit der Jugend ganz den Vergnügungen der Saison hin und zeigte der belagernden Armee seine Verachtung, indem er mit tausend Fürsten in seinem Palast feierte.“16

Soviel scheint sicher zu sein: Im Frühjahr 538 v. Chr. rückte Cyrus gegen Babylon vor. Weil der Euphrat direkt durch die Stadt unter den Mauern hindurch floss, leitete er das Wasser um, um so im Schutz der Dunkelheit durch das Flussbett in die Stadt einzudringen. Bemerkenswerterweise erfüllen sich damit zwei weitere Weissagungen Jeremias: „Das Schwert über die Chaldäer, spricht der Herr, und über die Bewohner von Babel und über seine Fürsten und über seine Weisen! ... Dürre über seine Gewässer, dass sie austrocknen!“ (Jer 50,35.38) „Darum, so spricht der Herr: Siehe, ich will deine Rechtssache führen und deine Rache vollziehen, und ich werde sein Meer austrocknen und seine Quelle versiegen lassen“ (Jer 51,36). Jesaja hatte vorausgesagt, dass Babylon während einer Zeit des Feierns fallen würde: „Man rüstet den Tisch, es wacht die Wache, man isst, man trinkt: Steht auf, ihr Fürsten! Salbt den Schild! ... Und siehe da, es kam ein Zug Männer, Paare von Reitern. Und er hob an und sprach: Gefallen, gefallen ist Babel, und alle geschnitzten Bilder seiner Götter hat er zu Boden geschmettert!“ (Jes 21,5.9). Gottes Weissagungen erfüllen sich immer präzise.

Babylon, die Große

Das Ende des historischen Babylons erinnert prophetisch an das Ende der bekennenden Christenheit, die in der Offenbarung „Babylon, die Große“ genannt wird. Während wir in den Regenten Babylons eher ein prophetisches Bild des letzten großen Weltherrschers sehen, weist uns die Stadt Babylon auf das hin, was nach der Entrückung der Gläubigen von der Christenheit auf dieser Erde übrig bleibt. Es ist eine äußere Hülle, ohne Inhalt. Das Gericht über diese abgefallene Christenheit wird in der Offenbarung angekündigt und vollzogen. Die Ankündigung lesen wir in Offenbarung 14,8: „Und ein anderer, zweiter Engel folgte und sprach: Gefallen, gefallen ist Babylon, die große, die von dem Wein der Wut ihrer Hurerei alle Nationen hat trinken lassen“ (Off 14,8). Das „Mene, mene, tekel upharsin“ steht heute schon an der Wand des Christentums. Das erkennen wir sehr deutlich. Aber der Vollzug des Gerichts steht noch aus. Eine ausführliche Beschreibung liefert uns Offenbarung 17 und 18. So wie das Ende des historischen Babels sich zwar ankündigte, dann aber doch sehr plötzlich kam, wird es auch in Zukunft sein. Die Schatten sind heute schon zu sehen, und wenn das Gericht kommt, wird es sehr schnell gehen. In Offenbarung 18 wird dreimal gesagt, dass das Gericht „in einer Stunde“ gekommen ist, also extrem schnell (Off 18,10.17.19). Jesaja hatte genau das vorausgesagt: „Und nun höre dies, du Üppige, die in Sicherheit wohnt, die in ihrem Herzen spricht: Ich bin es und gar keine sonst! Ich werde nicht als Witwe sitzen und keine Kinderlosigkeit kennen. Dies beides wird über dich kommen in einem Augenblick, an einem Tag: Kinderlosigkeit und Witwenschaft; in ihrem Vollmaß werden sie über dich kommen, trotz der Menge deiner Zaubereien, trotz der gewaltigen Zahl deiner Bannsprüche“ (Jes 47,8.9).

Babylon wird uns in der Offenbarung im Bild einer Stadt und einer Frau (der Hure) gezeigt. In Kapitel 17,18 finden wir beide Symbole in einem Vers genannt: „Und die Frau, die du sahst, ist die große Stadt, die das Königtum hat über die Könige der Erde.“ Die Stadt spricht von der Einmischung in die aktuelle Weltpolitik, während uns die Frau an die Korruption, den Prunk, den Götzendienst (Hurerei), die Verführung und die massive Verfolgung der Gläubigen erinnert, die von dieser falschen Kirche ausgehen werden. Dazu folgendes Zitat: „Und die Frau war bekleidet mit Purpur und Scharlach und übergoldet mit Gold und wertvollem Stein und Perlen, und sie hatte einen goldenen Becher in ihrer Hand, voll von Gräueln und den Unreinheiten ihrer Hurerei; und an ihrer Stirn hatte sie einen Namen geschrieben: Geheimnis, Babylon, die große, die Mutter der Huren und der Gräuel der Erde. Und ich sah die Frau trunken von dem Blut der Heiligen und von dem Blut der Zeugen Jesu. Und ich verwunderte mich, als ich sie sah, mit großer Verwunderung“ (Off 17,4–6). Diese prophetische Beschreibung passt ziemlich genau auf das, was wir geschichtlich in den ersten fünf Kapiteln des Buches Daniel über die Stadt Babel gelesen haben. Es geht um Hochmut, Götzendienst, Prunk, Verführung, Lästerung und Gewalt.

Ein Ausleger schreibt Folgendes dazu: „Prophetisch ist diese Szene ein Bild des Gerichtes über das zweite Babylon, so wie es im Detail durch den Apostel Johannes beschrieben wird. Diese beiden Gerichte über die schuldige Stadt (das Gericht über das historische Babel und das prophetische Gericht in der Zukunft) werden jeweils begleitet durch den eindringlichen Appell Gottes an die Seinen, aus ihrer Mitte hinauszugehen (vgl. Jer 51,45; Off 18,4).“17 Das ist ein Appell, der nicht nur in der Vergangenheit und in der Zukunft seine Bedeutung hat, sondern der auch uns heute gilt. Paulus nimmt gerade auf diese Aufforderung Bezug, wenn er uns auffordert:

„Darum geht aus ihrer Mitte hinaus und sondert euch ab, spricht der Herr, und rührt Unreines nicht an, und ich werde euch aufnehmen“ (2. Kor 6,17; vgl. auch 2. Tim 2,20.21).

Fußnoten

  • 1 Die Zeitspanne ergibt sich wie folgt: Nebukadnezar starb im Jahr 562. Seine Krankheit dauerte sieben Jahre. Danach regierte er noch eine uns nicht bekannte Zeitspanne, die aber sicher einige Jahre betrug. Die Ereignisse von Daniel 5 fanden im Jahr 539 statt, als Babel von den Medern und Persern erobert wurde. Ohne Berücksichtigung der Regierungszeit Nebukadnezars nach seiner Demütigung ergibt das eine Zeitspanne von 16 Jahren. Das macht gleichzeitig klar, dass Daniel zu diesem Zeitpunkt bereits ein alter Mann gewesen sein muss. Er wurde im Jahr 605 als junger Mann nach Babel deportiert, d. h., er muss hier über 80 Jahre alt gewesen sein.
  • 2 Es ist denkbar, dass wir in Jeremia 39,3.13 einen Hinweis auf diesen König finden, der dort noch ein „Fürst“ und „Obermagier“ genannt wird.
  • 3 Beides war zur Zeit des Alten Testaments durchaus nicht unüblich.
  • 4 Kaiser, D.: Belsazar: eine Studie über die Historizität dieser biblischen Person, Nov. 2003, www.bibelschule.info (29.08.2014)
  • 5 Es bleibt eine offene Frage, was genau mit dem „eigenen Gefäß“ gemeint ist. Ausleger beziehen es sowohl auf den eigenen Körper als auch auf die eigene Ehefrau. Beide Erklärungen ergeben einen guten Sinn.
  • 6 Hole, F. B.: Der Prophet Daniel (www.bibelkommentare.de)
  • 7 Es geht dabei um Menschen, die das „Evangelium der Gnade“ gehört und abgelehnt haben. Es geht nicht um Menschen, die davon nie etwas gehört haben. Sie werden die Möglichkeit haben, das „Evangelium des Reiches“ anzunehmen.
  • 8 Hole, F. B.: Der Prophet Daniel (www.bibelkommentare.de)
  • 9 Kelly, W.: Notes on the Book of Daniel (www.stempublishing.com)
  • 10 Einige vermuten sogar, dass es die Witwe von Nebukadnezar war, was man nicht ganz von der Hand weisen kann. Es macht aber letztlich keinen Unterschied.
  • 11 Die Tatsache, dass Belsazar nicht von dem „Zweiten im Reich“ spricht, deutet darauf hin, dass er selbst dieser „Zweite“ war, während sein Vater Nabonidus der „Erste“ war. Nabonidus wird in diesem Kapitel nicht erwähnt. Es ist nicht klar, wo er sich zu diesem Zeitpunkt aufhielt. Einige Ausleger äußern die Vermutung, dass er sich auf Reisen befand, andere folgen der Geschichtsschreibung, die davon ausgeht, dass er zu diesem Zeitpunkt bereits in der Gewalt der Meder und Perser war. Es ist letzten Endes nicht von Bedeutung.
  • 12 Ein besonder(e)s? positives Beispiel sind die Söhne der Rekabiter, die dem Beispiel und Befehl ihres Vaters folgten (Jer 35). Von König Asa lesen wir: „Und Asa tat, was recht war in den Augen des Herrn, wie sein Vater David“ (1. Kö 15,11).
  • 13 Eine weitere Erklärung für die Wiederholung des Wortes „mene“ könnte auch sein, dass damit angedeutet wird, dass nicht nur die Tage Belsazars gezählt waren, sondern auch die seines Vaters Nabonidus.
  • 14 U-pharsin oder Peres sind zwei verschiedene Formen des gleichen chaldäischen Verbs, das „teilen“ bedeutet. U-pharsin ist das aktive Partizip und Peres das passive Partizip.
  • 15 Flavius, J.: Jüdische Altertümer, 11. Kapitel
  • 16 Rawlinson, G.: The Seven Great Monarchies Of The Ancient Asian World
  • 17 Muller, J.: Le prophète Daniel, in: Sondez les Écritures, Bibles et Publications Chrétiennes, Valence
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