Botschafter des Heils in Christo 1854

Gedanken über 1. Mose 24

Nachdem das herrliche Geheimnis der Kirche und ihrer Einheit mit Christus, dem himmlischen Haupt, offenbart worden, sehen wir, wie schon das Alte Testament bewundernswürdige Vorbilder dieser verborgenen Gedanken Gottes enthielt. Doch wer vermochte diese Bilder zu enthüllen, solange die Kirche ein Geheimnis in den Tiefen der Ratschlüsse Gottes blieb? Sie wurden erst dann verstanden, als Gott den unausforschlichen Reichtum seiner Gnade in Güte über uns in Christus Jesus durch seine heiligen Apostel und Propheten ans Licht brachte. Wir lesen in Epheser 5,30–32: „Denn wir sind Glieder seines Leibes, von seinem Fleisch und von seinem Gebein. Um dessentwillen wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen und seinem Weib anhängen und werden die zwei ein Fleisch sein. Dies Geheimnis ist groß, ich sage es aber auf Christus und auf die Gemeinde.“ Diese Worte finden wir schon im 1. Buch Mose 2,23–24 angewandt auf Adam und Eva. Also in dem ersten Menschenpaar legte Gott in einem Vorbild sehr deutlich seine herrlichen Gedanken in Betreff der Kirche und ihrer Einheit mit Christus nieder, deren völlige Verwirklichung für die Fülle der Zeiten aufbewahrt wird. Adam war der Herr der Schöpfung, ein Bild dessen, der kommen sollte, und Eva seine Gefährtin und Genossin all seiner Rechte. Christus ist das Haupt der Schöpfung und das Erbe aller Dinge und die Kirche, seine Gefährtin und Miterben, hat, als sein Leib und seine Braut, völligen Anteil an seinem Herrlichen Erbe. Die Erfüllung dieser verborgenen Weisheit Gottes, niedergelegt in so einfachen Bildern, erregt unsere Bewunderung und erfüllt das Herz mit Liebe und Anbetung, ja mit unaussprechlicher Freude, da wir Mitgenossen dieses köstlichen Geheimnisses selbst sind.

In dem Kapitel, welches hier unserer Betrachtung vorliegt, tritt uns in Isaak und Rebekka ebenfalls ein herrliches Vorbild auf Christus und der Gemeinde entgegen.

In Hebräer 11,17–19 lesen wir: „Durch den Glauben opferte Abraham den Isaak, da er versucht ward, und gab dahin den Eingeborenen, da er schon die Verheißungen empfangen hatte, von welchem gesagt ward: „In Isaak wird dir der Same genannt werden;“ und dachte: „Gott kann auch Wohl von den Toten auferwecken;“ daher er ihn auch zum Vorbild wiedernahm.“ Nicht nur der Gehorsam, sondern auch der Glaube Abrahams wurde hier auf das Stärkste geprüft. Der eingeborene Sohn, der Sohn, auf welchem die Verheißungen Gottes ruhten, sollte durch den Vater zum Opfer dargebracht werden. Nach menschlicher Einsicht wurden durch diesen Tod alle Verheißungen zu nichts gemacht. Wer wird von einem Gestorbenen sagen: „Deine Nachkommen werden sein wie die Sterne am Himmel und wie der Sand am Meere?“ Aber für den Glauben Abrahams blieb der wahrhaftige und lebendige Gott, und seine Hoffnung gründete sich auf den Gott, der die Toten auferweckt. Dieser Glaube hatte schon sein Herz erfüllt, ehe der Knabe geboren war, also, dass er nicht angesehen seinen fast hundertjährigen Leib, noch den erstorbenen Mutterleib der Sara, die über die Zeit ihres Alters den Verheißenen gebar. Er wüsste aufs allergewisseste, dass das, was Gott verheißen hat, er auch tun kann (Rom 4,18–22). Auch jetzt dachte er: „Gott kann auch wohl von den Toten erwecken.“ Dieser Glaube lebte nicht in den Herzen jener Jünger, die auf dem Weg nach Emmaus, über den gekreuzigten und gestorbenen Messias trauerten, indem sie sagten: „Wir aber hofften, Er sollte Israel erlösen“ (Lk 24,21). Sie hielten ihre Verheißungen für vernichtet, weil sie ihre Hoffnungen nicht auf den Gott setzten, der die Toten auferweckt.

Abraham nahm seinen Sohn zum Vorbild auf Christus, dem Auferstandenen, wieder, und setzte ihn nachher zum Erben all seiner Güter ein. Abraham besaß einen großen Reichtum, denn der Herr hatte ihn allenthalben reichlich gesegnet.

Als Christus von der Erde verworfen und gekreuzigt ward, nahm Ihn Gott durch die Auferstehung von den Toten wieder zu sich in den Himmel auf. Er erhöhte Ihn zur Rechten seiner Majestät, krönte Ihn mit Preis und Ehre und setzte Ihn zum Erben aller Dinge ein. Er ist das Haupt der ganzen Schöpfung. Nicht nur hat Er als Gott alles geschaffen, sondern auch als Mensch alles durch sein Blut erkauft. Alle Dinge sind „durch Ihn“ und „für Ihn“ geschaffen.

Der erste Adam hatte durch den Sündenfall seine Herrschaft über die Erde verloren, und dieselbe der Vergänglichkeit und dem Verderben Preis gegeben. Christus, als der zweite Adam, kam vom Himmel und gab sein Blut zum Lösegeld zur Befreiung der Schöpfung dar, die bei der Offenbarung der Kinder Gottes verwirklicht werden wird (Röm 8,19–21). Er nahm ganz und gar die Stellung des ersten Adams in der verlorenen Schöpfung ein und brachte durch seine freiwillige Unterwerfung und Gehorsam alle Dinge wieder, die durch Hochmut und Ungehorsam verloren waren. Sünde, Fluch und Tod lasteten auf dem ersten Adam; aber Jesus trat für ihn ein und brachte durch seinen Tod am Kreuz eine ewige Erlösung für alle, die da glauben.

Nun ist er als der verherrlichte Mensch das Haupt der ganzen Schöpfung. „Alle Dinge sind unter seine Füße getan“ (1. Kor 15,27). In der Fülle der Zeiten sollen in Ihm alle Dinge im Himmel und auf Erden vereinigt, und als unter ein Haupt zusammengefasst werden. „Denn es ist das Wohlgefallen der ganzen Fülle, in Ihm zu wohnen und Er alle Dinge durch Ihn versöhnte zu Ihm selbst, indem. Er Frieden machte durch das Blut seines Kreuzes durch Ihn, es sei auf Erden oder im Himmel“ (Kol 1,19–20). sein Blut ist also auch das Lösegeld für die ganze Schöpfung, und es werden alle Dinge im Himmel und auf Erden durch dasselbe gereinigt werden. So ist nun alles für Ihn geschaffen; der Vater hat Ihm alle Dinge zum Erbteil übergeben. Er ist der eingeborene Sohn und der alleinige Erbe. Untersuchen wir jetzt das angeführte Kapitel weiter.

Als nun Abraham alt und wohl betagt war, rief er Elieser, seinen ältesten Knecht und Verwalter aller seiner Güter, zu sich, und beauftragte Ihn, seinem Sohn Isaak ein Weib aus dem Land zu holen, wovon er ausgezogen war. Er fügte die ernsten Worte hinzu: „Hüte dich, dass du meinen Sohn nie wieder dahin bringst.“ Das Weib sollte aus dem Land geholt und dahin geführt werden, wo Isaak wohnte und das Erbteil vom Vater empfing. – Begleiten wir nun den Elieser auf seinem Wege, so sehen wir besonders die Treue und die Eile, womit er seinen Auftrag ausrichtete, und zugleich seinen steten Verkehr mit dem Gott Abrahams. Rebekka war die Berufene, welche Gott für Isaak auserkoren hatte.

Das geforderte Zeichen, woran er die Auserwählte erkennen wollte, war die unaufgeforderte Bereitwilligkeit Rebekkas, seine Kamele zu tränken. Er beschenkte sie mit einer goldenen Spange und zwei goldenen Armbändern. Tarnach wurde er durch ihre Bemühung in das Haus ihres Vaters Bethuel aufgenommen, und durch ihren Bruder Laban mit den Worten eingeführt: „Komm herein, du Gesegneter des Herrn; warum stehst du draußen?“ Bevor er sich aber zum Essen niedersetzen wollte, entledigte er sich seines Auftrags. Er sprach: „Ich bin Abrahams Knecht. Und der Herr hat meinen Herrn reichlich gesegnet, und ist groß worden, und hat ihm Schaf und Ochsen, Silber und Gold, Knechte und Mägde, Kamele und Esel gegeben. Dazu hat Sara, meines Herrn Weib, einen Sohn geboren meinem Herrn in seinem Alter, dem hat er alles gegeben, was er hat“ (V 34–36). Dann erzählte er den Auftrag Abrahams, und dass der Herr Gnade zu seiner Reise gegeben habe. Als Rebekkas Vater und Bruder erkannten, dass dieser Ruf vom Herrn kam, willigten sie ein, Rebekka mit ihm ziehen zu lassen. „Und Elieser zog hervor silberne und goldene Kleinodien und Kleider, und gab sie der Rebekka“ (V 53). Er beschenkte sie schon zum Voraus mit den Gütern ihres Bräutigams.

In Elieser sehen wir ein Vorbild der Sendung des Heiligen Geistes. Derselbe ist vom Himmel auf die Erde hernieder gesandt, um die Braut, wofür Christus sich selbst dargegeben hat, zu sammeln, von der Welt abzusondern und dem Bräutigam entgegen zu führen. Nicht soll Jesus der von der Welt verworfen ist, dassin zurückkehren, um daselbst zu wohnen, – seine Erscheinung wird für die Welt das Gericht sein – sondern die Braut soll von derselben abgesondert und zu Ihm in die himmlische Herrlichkeit geführt werden. Der Heilige Geist überzeugt die Welt von der Sünde, von der Gerechtigkeit und von dem Gericht; aber die Berufenen hören durch die Wirksamkeit des Heiligen Geistes die gute Botschaft von Christus, dem Auferstandenen, und von dem herrlichen Reichtum seines Erbes. Diese Botschaft redet nur von Gnade und Liebe und erfreut und erquickt die gehorsamen und bereitwilligen Herzen. Der Heilige Geist überzeugt uns, dass wir in Jesu angenehm und geliebt sind, vor Grundlegung der Welt zur Kindschaft verordnet, und auserwählt zur Braut Christi, um mit Ihm alle himmlischen Segnungen zu genießen.

Der Heilige Geist ist persönlich in unserer Mitte; obgleich wir Ihn nicht sehen, so vernehmen doch unsere Herzen seine wirksame Kraft. Die Welt kann Ihn nicht empfangen; aber bei der Braut Christi, bei der Auserkorenen Gottes hat Er Wohnung gemacht. Sie war in den Ratschlüssen Gottes schon vor Gründung der Welt bekannt und auserwählt; aber sie wurde erst offenbar durch die Absonderung von der Welt und durch die Innewohnung des Heiligen Geistes. Die Braut Christi ist sich selbst bewusst, dass sie Christi ist, und dass sie Ihm ganz angehört, da sie schon zum Voraus durch den Heiligen Geist mit seinen köstlichen Kleinodien und dem heiligen Kleid seiner Gerechtigkeit geschmückt ist. Der Geist Gottes ist das Siegel ihrer Berufung an dem Tage, wo sie Ihn sehen wird; Er ist ihr bis zur Erlösung des Erbes als Unterpfand gegeben. Nach dem Reichtum seiner Gnade werden ihr jetzt schon die verborgenen Ratschlüsse offenbart, nach welchen sie auserwählt und herrlich gemacht ist. Es werden ihr die unaussprechlichen Reichtümer seiner Gnade und seiner Herrlichkeit verkündigt, und dass Christus, ihr himmlischer Bräutigam, zum Erben aller Dinge eingesetzt ist. Was kann das Herz der Braut mehr erfreuen, als wenn sie von der Verherrlichung und dem unermesslichen Erbteil ihres Bräutigams hört, da sie weiß, dass sie seine auserwählte Gefährtin ist und in vollem Maß alles mit Ihm genießen wird, was sein ist. „Christus in euch die Hoffnung der Herrlichkeit“ (Kol 1,27). Sein Reichtum und seine Herrlichkeit ist der Reichtum und die Herrlichkeit seiner Braut. Die Liebe des Vaters kann die so teuer erkaufte Braut des geliebten Sohnes nicht weniger segnen, als ihren Bräutigam; weil sie alle von einem kommen, beide, der da heiligt und die da geheiligt werden (Heb 2,11). Jesus selbst bekennt: „Die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben.“ Wir sind mit Christus gesegnet im Himmel, in geistlichen Gütern (Eph 1,3). Je mehr die Kirche durch die Gnade in die Erkenntnis des Geheimnisses Gottes eingeweiht ist, desto mehr wird sie den Wert ihrer Berufung zu schätzen wissen. Diese Erkenntnis bildet ihren Charakter und heiligt ihren Wandel. Paulus achtete, um der überschwänglichen Erkenntnis Christi willen, alles für Schaden und Koch. Sie allein kann unser Herz wahrhaft befriedigen und erfreuen, da sie uns in der Gegenwart eine Gnade und in der Zukunft eine Herrlichkeit zusichert, die alle menschlichen Gedanken übersteigt.

Am anderen Morgen sagte Elieser: „Lasst mich zu meinem Herrn ziehen“ (V 64); und als sie ihn baten, die Rebekka noch etwa 10 Tage dort zu lassen, erwiderte er: „Haltet mich nicht auf, denn der Herr hat Gnade zu meiner Reise gegeben. Lasst mich, dass ich zu meinem Herrn ziehe“ (V 56). Es wurde auch Rebekka gefragt: „Willst du mit diesem Mann ziehen?“ Und sie rief: „Ja, ich will mit ihm. Da ließen sie Rebekka unter vielen Segenswünschen von sich. Und also machte sich Rebekka auf mit ihren Dirnen, und setzten sich auf die Kamele und zogen dem Mann nach. Und der Knecht nahm Rebekka an und zog hin.“ Hier tritt uns besonders die Eile entgegen, womit Elieser sich auf den Weg macht. Der Herr hat Gnade zu seiner Reise gegeben, und nun will er auch nicht länger säumen, die Auserkorene dem harrenden Bräutigam entgegen zu führen. Ebenso finden wir Rebekka bereitwillig, ihr bisheriges Vaterhaus, so wie ihre Heimat und ihre Freundschaft zu verlassen, um in einem anderen Vaterland, in dem Zelt Saras, die Gefährtin dessen zu sein, welcher der Erbe aller Reichtümer Abrahams war. Diese Erwartung hat für ihr Herz einen kräftigeren Zug, als die Wünsche der Ihrigen, die sie noch gern etwa 10 Tage in ihrer Mitte zu haben wünschten. Sie verlässt Vater und Mutter, um ihrem Mann anzuhängen. Sie zieht hin, nicht achtend die Beschwerden der Reise durch die Wüste, die noch zwischen ihr und dem entfernten Bräutigam lagen. Ihre Freude in Hoffnung erweckt ausharrende Geduld. Sie traut sich dem Elieser an, der den Weg kennt und der sie auch immer mehr über die Gesinnung Abrahams und Isaaks, wie über das große Erbteil des Letzteren unterhalten konnte.

Der Heilige Geist wirbt um die Seelen und sondert sie von der Welt ab. Wir haben gehört, dass die überschwängliche Erkenntnis Christi uns die Bereitwilligkeit und die Kraft gibt, alles für Schaden und Kot zu achten. Sobald wir durch den Geist der Weisheit, am Verstand erleuchtet, die Hoffnung unseres Berufs und den herrlichen Reichtum des Erbes an den Heiligen erkennen, sind wir bereit, alles zu verlassen. Die Welt und ihre vergänglichen Reize verlieren ganz ihren Wert, sobald uns die Herrlichkeit offenbar wird, die kein Auge gesehen und kein Ohr gehört und in keines Menschen Herz gekommen ist. Die Gewissheit, dass wir Mitgenossen der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus sind, macht, dass wir alles Sichtbare gering schätzen. „Durch den Glauben wollte Moses, da er groß ward, nicht mehr ein Sohn der Tochter Pharao heißen und erwählte viel lieber, mit dem Volk Gottes Ungemach zu leiden, denn die zeitliche Ergötzung der Sünde zu haben; und achtete die Schmach Christi für größeren Reichtum, denn die Schätze Ägyptens, denn er sähe an die Belohnung“ (Heb 11,24–26). Die himmlische Herrlichkeit ist das Erbteil der Braut; doch was noch viel köstlicher ist, sie besitzt den Bräutigam selbst; sie ist ganz sein und darf in seiner persönlichen Gegenwart und sichtbaren Gemeinschaft alles das genießen, was Er besitzt. „Wir werden Ihm gleich sein, denn wir werden Ihn sehen, wie Er ist“ (1. Joh 3,3). Die Hoffnung, Ihm gleich zu sein, macht, dass wir bereit sind, uns „zu reinigen, wie er rein ist.“ „In den zukünftigen Zeiten wird Gott den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade in Güte über uns in Christus Jesus offenbaren“ (Eph 2,7).

Schon jetzt weiß sich die Braut eins mit ihrem himmlischen Bräutigam, obgleich sie noch in der Wüste, umgeben von mannigfacher Versuchung, pilgert. Sie ist sein; sie ist durch den Geist mit Ihm auf ewig vereinigt und vom Vater auserwählt, vor Gründung der Welt. Sie gehört ebenso wenig dieser Welt an, wie Er; sie ist Mitgenossin einer himmlischen Herrlichkeit. Dies Bewusstsein wird ihr Kraft und Bereitwilligkeit geben, auszugehen aus einer Welt, die nicht ihre Heimat ist. Sie wird durch Wort und Wandel bekennen, dass sie auf dieser Erde nur ein Gast und Fremdling ist, und dem himmlischen Vaterland, wo Jesus, ihr Bräutigam, die Stätte für sie bereitet hat, mit großem Verlangen entgegen eilen. Sein Gott ist ihr Gott, und sein Vater ihr Vater. Sie erkennt anders kein Vaterhaus und keine Heimat mehr, als da, wo Jesus ist. Sie weiß, dass sie erlöst und aus erwählt ist, und dass nur noch der glückselige Augenblick der sichtbaren Vereinigung mit ihrem himmlischen Haupt übrig ist. Auf diesen Augenblick wartet sie mit Sehnsucht, und verlässt in Eile alles, was sie in ihrem fröhlichen Laufe hemmen will. Ihr Herz ist erfüllt von Hoffnung der himmlischen Herrlichkeit, und diese macht, dass sie die vielen Drangsale dieser Zeit mit ausharrender Geduld trägt und den Kampf des Glaubens bis zum Ende kämpft.

Der Heilige Geist, der Wohnung bei der Braut gemacht hat, bleibt auch stets ihr Begleiter. Sein Werk ist es, dieselbe durch die gefahrvolle Wüste hindurch zu leiten und sie dem verherrlichten Bräutigam im Himmel entgegen zu führen. Er allein weiß, was in Gott ist, und Er ist es auch, der die Gesinnungen des Vaters und seines Sohnes und die Fülle des herrlichen Erbes der teuren Miterbin offenbart. Durch Ihn wird sie immer tiefer in die Erkenntnis Gottes und ihrer köstlichen Erwartung eingeführt. Er unterhält in ihr die Gefühle des Himmels und beschäftigt sie mit den Dingen, die droben sind, wo Christus zur Rechten des Vaters mit Preis und Herrlichkeit gekrönt ist. Er kräftigt den Glauben, macht völlig die Liebe und befestigt die Hoffnung. Stets ist Er bereit, das Bewusstsein wacker zu erhalten, dass wir dem Himmel angehören, und eine himmlische Herrlichkeit mit Christus zu erwarten haben, damit unsere Blicke nicht durch die sichtbaren Dinge dieser Welt gefesselt werden. Jeder Blick auf diese Dinge, mag der Eindruck auch noch so verschieden sein, schwächt unseren Glauben und unseren freudigen Lauf. Nur die stete Erwartung Christi und unserer Vereinigung mit Ihm gibt Mut und Kraft im Kampf, Trost in Trübsal und Ausharren in der Geduld.

Die Braut, oder die Kirche muss sich stets der Führung des Heiligen Geistes überlassen. Sobald sie selbstgefällig ihre eigenen Wege geht, wird sie irren und ermatten. Blicken wir auf den bisherigen Weg, den die Braut in der Wüste seit ihrem Ausgang gemacht hat, so erkennen wir bald, dass sie in dieser Beziehung sehr gefehlt hat. Sie hat den Heiligen Geist, ihren treuen Führer, betrübt und sich mancher und großer Untreue gegen die Treue und zärtliche Liebe ihres Bräutigams schuldig gemacht. Sie vergaß zum Teil ihre himmlische Berufung und beschäftigte sich mit irdischen Hoffnungen; sie verkannte ihre innige Verbindung mit Christus und wurde verweltlicht; sie hörte auf, die Wiederkunft Christi und ihre Vereinigung mit dem himmlischen Bräutigam zu erwarten und suchte Genüsse auf dieser Erde. Ihre Wartezeit ans dieser feindlichen Erde hat große Ähnlichkeit mit dem Durchzug der Kinder Israels durch die Wüste, und obgleich sie von dem Apostel in 1. Korinther 10, so ernstlich ermahnt und gewarnt war, diesem halsstarrigen und untreuen Volk nicht zu folgen, so hat sie doch nicht hierauf geachtet. Ihr weltlicher Sinn fand sogar oft eine Beruhigung in dem Gedanken: „Mein Herr kommt noch lange nicht!“ Möchte doch die Braut mit Beschämung ihre Untreue erkennen und in Einfalt durch den Heiligen Geist zu der überschwänglichen Erkenntnis Christi und zu der freudigen Erwartung der nahen und herrlichen Zukunft ihres geliebten Bräutigams zurückkehren.

Im obigen Kapitel lesen wir von Vers 62 weiter: „Isaak aber kam vom Brunnen des Lebendigen und Sehenden, (denn er wohnte im Land gegen Mittag), und war ausgegangen zu beten auf dein Felde um den Abend, und hob seine Augen auf und sähe, dass Kamele daher kamen. Und Rebekka hob ihre Augen auf und sähe Isaak, da fiel sie vom Kamel und sprach zu dem Knecht: Wer ist der Mann, der uns entgegen kommt, auf dem Felde? Der Knecht sprach: Das ist mein Herr. Da nahm sie den Mantel und verhüllte sich. Und der Knecht erzählte Isaak alle Sachen, die er ausgerichtet halte. Da führte sie Isaak in die Hütte seiner Mutter Sara, und nahm die Rebekka, und sie ward sein Weib, und er hatte sie lieb.“

Ein feierlicher Augenblick, ein Augenblick der tiefsten und seligsten Freude, wird die Vereinigung der Braut mit Christus sein. Ihre Pilgerschaft auf einer feindseligen Erde ist alsdann beendet, die mannigfachen Drangsale sind überstanden, und das herrliche Kleinod der himmlischen Berufung ist erreicht. Die Braut, welche aus Liebe zu dem, den sie nicht gesehen, die Welt verließ und eine beschwerliche Wüste durchwanderte, genießt jetzt das süßeste Glück in seiner persönlichen Gegenwart. Sie erfreut sich der innigsten Gemeinschaft dessen, dem sie all ihr Glück und ihre Seligkeit zu verdanken hat. Dann erst wird sie die Gesinnungen des Vaters und des Sohnes recht verstehen; sie wird erkennen, dass sie der Gegenstand der zärtlichsten Zuneigung und der innigsten Liebe Gottes und des Lammes ist. Was sie hienieden nur stückweise durch Offenbarung begreifen konnte, weil sie mit Schwachheit umgeben war, wird sie in der Herrlichkeit vollkommen verwirklicht sehen. Nicht nur wird sie diese Herrlichkeit, die Ihm vom Vater gegeben ist, rühmen und preisen, sondern sie wird als sein Weib alles mit Ihm genießen, was Er besitzt. Zu dieser unaussprechlichen Seligkeit konnte sie nichts erheben, als die freie Wahl einer unbegrenzten Liebe und einer unbeschränkten Gnade. „Ihr habt nicht mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt.“ Die Kirche vereinigt mit Christus in der Herrlichkeit ist die Verwirklichung der verborgenen Ratschlüsse und Gedanken Gottes. Sie wird als der Abglanz des göttlichen Wesens und der himmlischen Herrlichkeit ein Gegenstand der Bewunderung aller sein, die im Himmel und auf Erden sind, zum Lob und Preis der Gnade und Herrlichkeit Gottes.

Wie sehr sind solche Gedanken geeignet, unsere Herzen über alles Sichtbare zu erheben, und sie in Hoffnung fröhlich zu machen. Es gibt kein wirksameres Mittel für die Heiligung unseres Wandels, für die Ausdauer im Kampf des Glaubens, als die Erwartung Christi und seiner Herrlichkeit. Wenn die Apostel auf das Wohl der Kirche einwirken wollten, so redeten sie von der herrlichen Zukunft Christi und von dem unausforschlichen Reichtum seines Erbes an den Heiligen. „Seid geduldig und stärkt eure Herzen, denn die Zukunft des Herrn ist nahe“ (Jak 5,8). „Freut euch in dem Herrn alle Zeit, und wiederum sage ich euch: Freut euch! Eure Lindigkeit lasst kund sein allen Menschen. Der Herr ist nahe“ (Phil 4,4–5). Das Gefühl, dass der Herr nahe ist, gibt Geduld in allen Anfechtungen, und macht, dass sie selbst für eitel Freude geachtet werden.

So wie Isaak der Rebekka entgegen kam, so wird auch Christus bei seiner Zukunft dar Kirche, seiner Braut entgegen kommen. „Denn Er selbst, der Herr, wird mit einem Feldgeschrei und Stimme des Erzengels und mit der Posaune Gottes hernieder kommen vom Himmel, und die Toten in Christus werden auferstehen zuerst. Danach wir, die wir leben und übrig bleiben, werden zugleich mit denselben hingerückt werden in den Wolken, dem Herrn entgegen in der Luft, und werden also bei dem Herrn sein allezeit. So tröstet euch mit diesen Worten unter einander“ (1. Thes 4,16–18). Diese Vereinigung wird der Erste Gegenstand der Zukunft Christi sein. Die Kirche muss mit Ihm vereinigt sein, ehe Er in der Herrlichkeit erscheint, weil sie Ihn bei dieser Erscheinung begleiten wird. Sie hat Ihn jeden Augenblick zu erwarten; Er kann heute noch aus dem Heiligtum zurückkehren und die harrende Braut abholen. Darum gebe der Herr, das wir uns stets bereit halten, Ihn würdig zu empfangen, umso mehr, da die süße Hoffnung uns belebt, dass Er nahe ist.

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