Botschafter des Heils in Christo 1854

Gedanken zu Hebräer 11,11-19

Nach den großen Zügen des Glaubens, vorgestellt in dem Opfer Abels, dem Leben Enochs und der Erkenntnis der Zukunft in Noah, sehen wir Abraham die Stadt erwarten, welche einen festen Grund hat, weil nur die gänzliche Erfüllung der Gedanken Gottes der Erwartung des Glaubens genügen kann.

Wir sehen hier und anderswo in diesem Kapitel, dass es eins der Charaktere des Glaubens ist, auf Gott zu rechnen, nicht ungeachtet der Hindernisse, sondern ungeachtet der Unmöglichkeit.

Der Glaube erkundigt sich nicht nach Mitteln, er denkt selbst nicht daran; aber er rechnet auf die Zusage Gottes. Es scheint dem natürlichen Menschen, als mangele dem Gläubigen die Klugheit. Und von dem Augenblick an, wo er sich der Mittel bedient, um dem Menschen die Sache leicht zu machen, ist es nicht mehr Gott, der da handelt; es ist nicht mehr sein Werk, wenn man es von diesen Mitteln erwartet. Wenn für den Menschen keine Möglichkeit mehr da ist, muss Gott dazwischen kommen und es ist dann noch augenscheinlicher der gute Weg, wenn Gott nicht eher dazwischen kommt, als bis es sein Wille ist. Der Glaube beachtet nur diesen Willen; er nimmt nicht Rat weder mit den Mitteln noch mit den Umständen, – mit anderen Worten, er nimmt keinen Rat mit Fleisch und Blut. – Wenn der Glaube schwach ist, rechnet er im Voraus auf äußerliche Mittel, um das Werk Gottes zu tun. Die Kirche z. B. ist jetzt schwach im Glauben, wir sehen sie im Voraus auf die äußere Mittel rechnen, um das Werk Gottes zu tun.

Denkt daran, dass von dem Augenblick an, wo dem Menschen die Sachen möglich sind, er keinen Glauben nötig hat, weil er die Kraft des Heiligen Geistes nicht bedarf.

Es ist offenbar, dass, um große Resultate zu erzielen, die Macht Gottes handeln muss. Wenn der Glaube handelt, so sind die Resultate nach der Macht Gottes. Auch sieht man Christen viel wirken und mit wenig Erfolg. Gott will sich verherrlichen, nicht aber soll der Mensch verherrlicht werden.

Man sät mit Tränen da, wo ein sehr gesegnetes Werk ist; es gibt zuerst Geburtsschmerzen. Die Seele wird die Schwierigkeiten fühlen und Gott will, dass wir es fühlen, auf dass wir ohne Kraft sind gegen alle Dinge. Man muss mit Tränen säen, um mit Jubel zu ernten.

Alle diejenigen, von welchen im 13. Verse dieses 11. Kapitels geredet ist, sind im Glauben gestorben. Die Juden erwarteten den Messias nach der Verheißung Gottes. Wir haben die Verheißung der Wiederkunft Jesu. Die Apostel sind auch im Glauben gestorben, ohne die Erfüllung dieser Verheißung zu sehen. Das macht das Leben des Christen glücklich, wiewohl schwer, weil er hier unten die Dinge, welche Gott verheißen hat, nur in Hoffnung genießt. Wenn ein Mensch großen Fleiß anwendet, um eine Sache zu erlangen, so tut er es, weil er glaubt und dies ist das Leben des Glaubens. Derjenige, welcher besitzt, braucht keine Kraft mehr anzuwenden, um es zu erlangen. – Wir haben hienieden das Vorrecht treu sein zu können, inmitten der Schwierigkeiten; wir werden es im Himmel nicht bedürfen, da wir alsdann ohne Schwierigkeiten die Gegenwart des Herrn genießen.

Wir haben das Vorrecht, inmitten der Feinde und Untreuen, treu zu sein; es ist ein großes Vorrecht und alle Zuneigungen sind alsdann in voller Übung. Und je mehr unsere Zuneigungen ganz für den Herrn sind, desto mehr Schwierigkeiten kommen dazu.

Nicht allein waren sie Fremdlinge und Pilger, sie bekannten es auch durch ihr ganzes Leben. Man will bisweilen fromm im Herzen sein, aber nicht davon reden. Das ist nicht die Kraft des Glaubens.

Die Welt zu sehen, welche verloren geht und gerichtet ist und seine Hoffnungen im Himmel haben, das sind solch erhabene Tatsachen, dass sie notwendig eine gleichmäßige Wirkung hervorbringen müssen; nämlich diese Wirkung, uns hienieden als Fremdlinge zu betrachten und zu bekennen. Man muss es im ganzen Leben wahrnehmen können; das Herz ist schon fern, und nichts bleibt mehr übrig, um es zurückzuhalten. Es bedarf augenscheinlich eines freien und öffentlichen Bekenntnisses und dies ist ein Zeugnis Christus bewiesen. Wir würden mit einem Freunde, der uns unter schwierigen Umständen nicht bekannte, nicht zufrieden sein. Also ist auch ein Christ, welcher sich verborgen hält, ein sehr schlechter Christ.

Wenn der Glaube auf Jesus gerichtet ist, begrüßen wir die Dinge, welche wir von ferne gesehen haben und denken nicht an das, was wir verlassen haben; wir haben nur die Dinge, welche vor uns sind, in Gedanken, wie Rebekka, wenn sie zu Isaak geht. Wenn aber Schwierigkeiten für den Christen da sind, und seine Zuneigungen nicht auf Jesus gerichtet sind, kommt das Andenken an die Welt in sein Herz (Phil 3,7–14).

Der Christ würde lieber sterben, als in die Welt zurückkehren; er will Teil haben an der Auferstehung von den Toten. Es ist in ihm diese Beharrlichkeit des Herzens, welche zeigt, dass die Zuneigungen immer in der Zukunft sind. Seine Zuneigungen sind in den Dingen Gottes, – seine Begierden nach himmlischen Dingen. Darum schämt sich Gott nicht, ihr Gott zu heißen. Er würde sich schämen der Gott eines Weltlichen genannt zu werden und dass gesagt würde, dass Er in herzlicher Beziehung mit irgendjemand stehe, welcher den elenden Freuden dieser Welt, oder der Eitelkeit oder dem Geld nachjage. Gott würde sich einer solchen Beziehung schämen. Aber Er schämt sich nicht, der Gott derjenigen zu sein, welche den himmlischen Dingen zugetan sind. „Jesus sagt: Ich gehe zu meinem Gott und zu eurem Gott, zu meinem Vater und eurem Vater. Ein jeder, welcher nicht von allem absieht, kann nicht mein Jünger sein.“ Der Christ ist in derselben Stellung der Selbstverleugnung, worin Jesus war; aber auch in derselben Beziehung zu Gott, wie Er.

Gott hatte ihnen eine Stadt bereitet. Ja, Gott beschäftigt sich mit uns; während wir, als Fremdlinge und Pilger hier mit seinem Werk oft mit Tränen beschäftigt sind, wirkt Gott nach seiner unendlichen Herrlichkeit, um auch für uns die Herrlichkeit zu bereiten. Er will seine Ruhe finden, um uns in diese Ruhe einzuführen. Unsere Arbeiten hienieden sind gering; das Werk Gottes ist herrlich und Er wirkt für uns.

Entweder gilt das Fleisch oder der Glaube; einen Mittelweg gibt es nicht. Der Zweck des Christen können nur die himmlischen Dinge sein. Die Begierden, die Bedürfnisse des neuen Menschen sind ganz himmlisch. Man kann das Christentum gebrauchen, um die Welt zu verbessern; aber Gott will nichts davon. Jesus Christus bittet nicht für die Welt. Uns mit dieser Welt zu verbinden suchen und das Christentum zu gebrauchen, um die Welt zu verbessern, sind lauter irdische Dinge. Gott will uns allein mit dem Himmel verbinden. Man muss den Himmel haben ohne die Welt, oder die Welt ohne den Himmel. Gott, welcher die Stadt zubereitet, kann nichts dazwischen dulden. Die Sehnsucht nach dieser bessern Stadt ist die Sehnsucht einer Natur, welche ganz himmlisch ist. Wie bin ich Pilger, wenn ich die irdischen Dinge und die Verbesserung der Welt suche? Gott schickt uns eine himmlische Berufung zu; dann schämt Er sich nicht unser Gott und unser Vater zu heißen.

Gott sichtet die Seele, auf dass die Spreu geschieden und das gute Korn für seine Scheune zubereitet wird. Und wenn wir die Herrlichkeit des wahren Salomos sehen werden, werden wir, wie die Könige von Scheba sagen: „Man hat uns die Hälfte davon nicht erzählt.“

Gott welcher uns eine Stadt seiner und seiner Zuneigungen würdig, zubereitet, gebe uns, bekannt zu machen, dass wir Fremdlinge und Pilger auf dieser Erde sind.

Nächstes Kapitel »« Vorheriges Kapitel

Ihre Nachricht