Über den Gottesdienst
Botschafter des Heils in Christo 1853

Über den Gottesdienst - Teil 2/3

In dem vorigen Abschnitt zeigten wir, dass alle, die an Jesus glauben, zu beständigen Anbetern gemacht sind, sowohl durch den Willen Gottes, als auch durch das ein für alle Mal geschehene Opfer. Nun wollen wir den Bereich ihres Gottesdienstes untersuchen.

In Israel – unter dem Gesetz – war der Hohepriester Gott näher als die Leviten, und die Leviten näher als das Volk. Der Ort des Gottesdienstes auf der Erde war die Stiftshütte. Bei der Annäherung Gottes findet aber jetzt keine Einteilung in Klassen mehr statt, die Anbeter sind einmal gereinigt in das Heiligtum und in das wahre Zelt eingeführt. Dieses aber hat der Herr und kein Mensch errichtet und Jesus steht dort im Dienst. „Die Summe dessen aber, was wir sagen, ist: Wir haben einen solchen Hohenpriester, der sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones der Majestät in den Himmeln, ein Diener des Heiligtums und der wahrhaftigen Hütte, die der Herr errichtet hat, nicht der Mensch.“ (Heb 8,1.2).

Der Gottesdienst eines Volkes unter dem Gesetz ist nicht das Muster und der Bereich unseres Gottesdienstes, wohl aber der Dienst der Priester (vgl. Heb 8,4.5). Wir haben eigentlich keinen Gottesdienst für das Volk, alles ist priesterlich. Das Volk betete im Vorhof des Tempels an und der Prophet zeigt uns denselben in der heiligen Stadt als hinausgeworfen. Gott erkennt nur die an, die als Priester im Heiligtum oder in den himmlischen Behausungen anbeten (vgl. Off 11,2). Wir sind in der Tat ein eigenes Volk, wir sind der besondere Schatz Gottes. Als solche haben wir das Vorrecht zum Gottesdienst, nicht in der Ferne, sondern in Nähe, wie die Priester. Wir stehen nicht im äußeren Vorhof, sondern im Tempel selbst.

Wahr ist, dass es in der Gemeinde solche gibt, die lehren und solche, die belehrt werden. Solche die dienen und solche, die bedient werden. Solche, die regieren und solche, die gehorchen. Solche, die weiden, und solche, die der Gegenstand des Hirtendienstes sind. Dies alles ist wahr, aber es bleibt uns dennoch der gemeinschaftliche Segen, der sowohl den einen als den anderen angehört: Er hat uns gemacht „zu einem Königtum, zu Priestern seinem Gott und Vater“ (Off 1,6). „Ihr seid … eine königliche Priesterschaft“ (1. Pet 2,9). Der Apostel Paulus war ein Priester Gottes, aber er war es in keinem höheren Grad als irgendeiner von denen, die er in seinen Briefen grüßt, oder als der Geringste aller Gläubigen der ganzen Gemeinde. In Bezug auf die vielfaltigen Gaben des Geistes ist eine Verschiedenheit unter den Gliedern, als Priester aber sind sie gleich. Wir haben daher einen Gottesdienst von Priestern – und der Ort desselben sind die himmlischen Örter.

Die furchtbare Warnung des Apostels in Hebräer 10,28.29 mag wohl schon einmal eine jede erweckte Seele erschreckt haben: sie weist auf die traurigen Folgen einer Rückkehr zur alten Ordnung hin und soll uns davor bewahren. Es ist eine Ordnung, die zum schlagenden Gegenteil und nicht zum Muster dienen soll. Zwar werden durch die gottesdienstliche Ordnung unter dem Gesetz die Sinnbilder der himmlischen Dinge ausgesprochen, doch nur als Gegensatz, wie die Himmel der Erde und die nicht mit Händen gemachten Dinge den mit Händen gemachten entgegen gesetzt sind. Wenn man also auf die gesetzliche Ordnung des Gottesdienstes zurückkommt, so verwirft man die himmlische Ordnung. Man zieht ihr ein Abbild der irdischen vor. Das deutet den Abfall im Gottesdienst an. Und ist das nicht ein besonderes Kennzeichen der Weltkirche? Sie hat die alte Form des Gesetzes anstatt der himmlischen nachgeahmt. In ihrer Geistlichkeit und in ihren Laien hat sie vom Neuen einen Unterschied zwischen Priestern und Volk aufgestellt, eine im Neuen Testament unbekannte Unterscheidung. So setzt die Weltkirche ihre Priester oder Pastoren in eine vergleichsweise Gott nähere Stellung und hält das Volk entfernt – da sie tatsächlich aus der Geistlichkeit die Kirche bildet, während doch von allen Gläubigen gesagt ist: Ihr seid ein geistliches Haus (vgl. 1. Pet 2,5).

Heißt das nicht, den Sohn Gottes mit Füßen treten? Sein Opfer und sein hohenpriesterliches Amt haben uns in die Nähe Gottes gebracht. Eine weitere Vermittlung bedürfen wir nicht. Gott hat den äußeren Vorhof hinausgeworfen, auf den Gottesdienst in diesem nimmt er keine Rücksicht mehr. Aber die Menschen suchten ihn auf eine unheilige Weise zu heiligen und damit haben sie den Sohn Gottes mit Füßen getreten. Wir haben schon daran erinnert, dass der HERR Mose befahl, das Volk zu heiligen, um Gott entgegen zu gehen. Wir haben auch daran erinnert, dass wir durch das eine Opfer Jesu Christi nach dem Willen Gottes geheiligt sind. Aber zur alten Form zurückkehren, heißt nach Hebräer 10,29 das Blut des Bundes für unrein zu achten, durch welches wir geheiligt sind. Wir sehen dann darin nicht das Recht, ins Allerheiligste einzugehen, sondern wir sehen es als das, was uns noch außerhalb hält. Welch eine Schmach für den Geist der Gnade! Er überzeugt die Seelen von der wundervollen Gnade Gottes und Christi. Er überzeugt den einmal gereinigten Anbeter, dass er sich Gott zum wahren Dienst nahen kann (denn Gott ist ein Geist, und die Ihn anbeten, müssen Ihn in Geist und Wahrheit anbeten) – welche Schmach, sage ich, für diesen Heiligen Geist, uns wieder zurück in die Entfernung zu stellen, dahin, wo das Fleisch sich vor Gott halten soll. Daher rührt auch diese feierliche Ermahnung. Habt ihr eure Stellung als Priester und das Nahen zu Gott der Wahrheit gemäß erkannt, so hütet euch, dass ihr nicht freiwillig sündigt. Unser eigener Wille sucht Gott zu dienen, wie es ihm gut dünkt. In seinem Dienst überlässt Gott nichts unserem Belieben und unserer willkürlichen Wahl. Wir haben nicht das Recht zu entscheiden, ob wir zur alten Form zurückkehren sollen. Gott hat sie abgeschafft, und wer dennoch zurückkehrt, setzt sich dem Gericht aus.

Dem äußerlichen Anbeter bleibt nur das furchtbare Erwarten des Gerichts und der Eifer eines Feuers, das die Widersacher verzehren wird (vgl. Heb 10,27). Sie haben kein Opfer mehr für die Sünde, was sie Gott näher bringen oder angenehm machen könnte. Jesus ist nicht bereit dieses zu geben, denn Er hat es ein für alle Mal getan. Er wartet fortan, bis seine Feinde zum Schemel seiner Füße gelegt werden.

Zwar war der Gottesdienst der Priester im Heiligtum sehr angenähert, aber dennoch ist er nur zum Teil das Vorbild des gegenwärtigen Gottesdienstes der Heiligen. Jede Stufenordnung der Nähe ist abgeschafft. Die Stellung des Hohenpriesters beim Gottesdienst müssen wir einnehmen. Nur dann begreifen wir unsere Stellung unter dem Evangelium.

Während der ersten Stiftshütte war der Weg zum Heiligtum noch nicht offenbart oder noch nicht vor aller Augen dargestellt: „wodurch der Heilige Geist dieses anzeigt, dass der Weg zum Heiligtum noch nicht offenbart ist, solange die vordere Hütte noch Bestand hat, was ein Gleichnis auf die gegenwärtige Zeit ist“ (Heb 9,8.9). Die Priester konnten wohl immer in das Heiligtum eintreten, aber sie hatten nicht das Recht weiter zu gehen. Der prachtvolle Vorhang verbarg ihren Blicken das Allerheiligste. Dieser Vorhang war von blauem und rotem Purpur und Karmesin und gezwirntem Byssus, in Kunstweberarbeit und mit Cherubim. Dieser, vor ihren Augen entfaltet, konnte wohl von den dahinter verborgenen Herrlichkeiten sprechen, aber die Dinge selbst, z.B. das goldene Räucherfass und die überall mit Gold überzogene Bundeslade, in welcher der goldene Krug mit dem Manna war, Aarons grünender Stab und die steinernen Tafeln waren dem Auge der Priester entzogen. Sie hatten keinen Zutritt zu der unmittelbaren Gegenwart desjenigen, der zwischen den Cherubim über dem Gnadenstuhl wohnte. Nur der Hohepriester durfte jährlich einmal in das Allerheiligste gehen – aber selbst dann nicht ohne Blut. Dasselbe opferte er für sich und die Übertretungen des Volkes. Beachte wohl, dass der Hohepriester nicht zu jeder Zeit ins Allerheiligste eintreten durfte und dass er nicht als einmal gereinigter Anbeter eingehen konnte. Was er vor seinem Eintritt vornehmen musste, bewies deutlich, dass die Sünde nicht für immer von ihm weggenommen war. Aber jetzt ist alles offenbart. Durch das Blut Jesu steht der Eingang ins Allerheiligste offen. Mit welcher Gewalt wurde dies durch das Zerreisen des Tempelvorhangs kundgetan, welcher mitten entzwei riss, als Jesus am Kreuz hing. Ja, Jesus ist selbst der Weg, der lebendige Weg. Wenn es einen Vorhang gibt, so ist dieser Vorhang nicht, um uns etwas von Gott zu verbergen, sondern um uns alles das darzustellen, was wir von Gott zu erkennen vermögen. Da haben diejenigen, welche einmal gereinigt im Gottesdienst stehen, immer die Freiheit einzutreten.

„Da wir nun, Brüder, Freimütigkeit haben zum Eintritt in das Heiligtum durch das Blut Jesu [...] so lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen, in voller Gewissheit des Glaubens, die Herzen besprengt und so gereinigt vom bösen Gewissen und den Leib gewaschen mit reinem Wasser.“ (Heb 10,19.22). Indem der Apostel auffordert, zu nahen, nimmt er nicht die Stellung eines solchen ein, der sich in einer größeren Nähe zu Gott befände. Er tut nicht, als ob er der Priester und sie das Volk, er im Inneren und sie außerhalb wären. Er nimmt den gleichen Rang ein und nennt sie Brüder, indem er sich so ausdrückt: „Lasst uns hinzutreten“ – „lasst uns festhalten“ – „lasst uns auf einander Acht haben.“ Welch einen Unterschied zwischen dieser und der alten Ordnung des Gottesdienstes! Mose allein sollte herzunahen, die anderen mussten in der Entfernung anbeten. Nun aber sind wir alle gleich nah, wir alle haben die gleiche Freiheit des Zugangs in das Allerheiligste. Was gibt es, was das Blut Jesu unvollkommen gelassen hätte? In diesem vergossenen Blut haben wir die Vergebung unserer Sünden. Durch die Besprengung dieses Blutes sind wir für rein erklärt, wie die gereinigten Aussätzigen, und sind nun geheiligt als Anbeter. Da wir durch Jesus selbst in das Allerheiligste gebracht worden sind, verschafft uns dieses Blut einen freien Zugang in den Himmel. Dort ist Er immer auf und vor dem Gnadenstuhl, denn mittels dieses Blutes ist Christus in das Heiligtum eingegangen und hat eine ewige Erlösung erfunden. Sein Eingang besteht nicht in einer jährlichen Feierlichkeit und soll nicht immer wiederholt werden. Aaron trug am großen Versöhnungstag das Blut des Sündopfers in das Innere des Vorhangs, um Sühnung für das Heiligtum zu tun „wegen der Unreinheiten der Kinder Israel und wegen ihrer Übertretungen, nach allen ihren Sünden“ (3. Mo 16,16) Dies ist jetzt ein für alle Mal geschehen. Die Versöhnung für das Heiligtum dauert in die Ewigkeit und es ist ein für alle Mal gereinigt, wie auch der Anbeter selbst. Nun hat der Anbeter, welcher sich demselben naht, nicht mehr zu fürchten, seine Unreinigkeit dorthin zu tragen, weil das Blut Christi, das von allen Sünden reinigt, dort für immer vor Gott ist. Woher aber kommt es, dass wir in unserem Herzen oft so entfernt von Gott sind? Daher, weil wir zu wenig die wahrhaftige Wirkung des Blutes im Inneren des Vorhangs erkennen und weil wir nicht genug festhalten, dass der barmherzige Gott selbst so treu für unsere heilige, beständige und freie Gemeinschaft mit Ihm sorgt. „Da wir nun, Brüder, Freimütigkeit haben zum Eintritt in das Heiligtum durch das Blut Jesu [...]“.

Betrachtet aber, auf welchem Wege wir uns nahen. Auf dem Berg Sinai war alles entfernt. „Und mache eine Grenze um das Volk ringsum und sprich: Hütet euch, auf den Berg zu steigen und sein Äußerstes zu berühren; alles, was den Berg berührt, soll gewiss getötet werden“ (2. Mo 19,12). Diese Entfernung war immer das Kennzeichen des Gottesdienstes unter dem Gesetz. Überall waren Schranken und wer sie übertrat, wurde getötet. Selbst Aaron konnte nicht die Schranken des Vorhangs überschreiten, aus Furcht, dass er stürbe. Ebenso konnte aus Furcht vor dem Tod ein Israelit nicht über die Schranken des Vorhangs gehen. Unter dem Gesetz war es etwas Unmögliches, Gott zu sehen und zu leben. Aber jetzt ist Jesus der lebendige Weg, der in die Gegenwart Gottes führt. Jesus sehen, heißt Gott sehen und leben. Er ist keine Schranke zwischen uns und Gott, sondern der Weg, der zu Gott führt. Dank Jesus Christus gibt es keine Entfernung, keine Schranken mehr.

Ein Israelit betrachtete das schöne Tuch von außen und wünschte vielleicht, es lüften zu können. Aber wenn er es gewagt hätte, wäre der Tod sogleich sein Teil gewesen. Wohlan! er sehe auf Jesus, welcher sagt: „Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich eingeht, so wird er errettet werden“ (Joh 10,9). Ja, der Tod von Jesus Christus ist für uns der lebendige Weg zum Allerheiligsten geworden. Wenn aber der Israelit bis hinter das Tuch der Stiftshütte vorgedrungen war, fand er den Vorhang, der ihn hinderte weiter zu gehen. Wohlan! er sehe wieder auf Jesus. Der Vorhang ist sein Fleisch, sagt der Apostel. Derselbe Gott, mit welchem wir es zu tun haben, ist uns als voller Gnade und Wahrheit dargestellt. Und wenn der Israelit den zerrissenen Vorhang wahrnimmt, so sehe er von neuem auf Jesus, den Gekreuzigten, und die Heiligkeit Gottes – anstatt ihm den Eintritt zu verwehren – fordert ihn auf, sich dem Ort zu nahen. Welch selige Worte für den einmal gereinigten Anbeter: der „neue und lebendige Weg, den er uns eingeweiht hat durch den Vorhang hin, das ist sein Fleisch“ (Heb 10,20).

Nicht allein das Werk und der Charakter Jesu flößen uns Vertrauen ein, sondern Er ist selbst der Hohepriester über das Haus Gottes. Seine Amtsverrichtung ist nie einen Augenblick unterbrochen. Er befindet sich grade im Allerheiligsten wegen der geschehenen Versöhnung für das Volk und das Heiligtum. Deswegen ist die gegenwärtige Zeit für uns eine Zeit des Gottesdienstes. Wie sehr ist in uns die Gewissheit von diesen Wahrheiten nötig, um uns zu ermutigen in das Heiligtum einzugehen. Er weilt beständig in demselben. Er hat einen Platz eingenommen, den Aaron in der Stiftshütte niemals einnehmen konnte. Er ist das Haus, das sein ist, Er ist Herr über dasselbe, Er öffnet und niemand wird schließen.

Er ist buchstäblich ein großer Priester über das Haus Gottes oder „ein großer Hohepriester“, wie Er in Hebräer 4,14 genannt wird. Die Anbeter selbst treten in den Ort ein, wo der Hohepriester allein das Vorrecht hatte, einzutreten. Sie nehmen in dieser Hinsicht selbst die Stellung von Hohepriestern ein und nicht nur die der Priester, welche in das Heiligtum eintreten. Aber auch sie bedürfen eines großen Hohepriesters, welcher über das Haus Gottes, d.h. über sie ist (Heb 3,6). Aber nicht durch unser eigenes Recht sind wir Priester oder Hausgenossen, sondern alles hängt von dem großen Hohenpriester ab. Unser Eingang in das Allerheiligste, hier durch den Glauben und bald in der Wirklichkeit, zeigt uns, wie sehr wir Schuldner seiner Gnade sind. Möchten wir durch diese Betrachtungen die Wirkung des Blutes Jesu vor Gott kennen lernen, welcher uns die Freiheit verschafft, ins Allerheiligste einzugehen!

Und nun lasst uns innehalten, um zu erwägen, was für uns geschehen ist. Es ist für jeden Menschen geschehen, dessen Augen von den sichtbaren Dingen abgewendet worden sind, um Jesus zu betrachten. Er sitzt zur Rechten des Thrones der Herrlichkeit im Himmel, den Blicken der Welt verborgen, aber dem Glauben offenbart.

Diejenigen, welche jetzt im Gottesdienst stehen, sind ein für alle Mal durch sein einmal geschehenes Opfer gereinigt. Sie sind durch den Willen Gottes geheiligt, durch das einmal geschehene Opfer des Leibes Christi. Durch das Blut ist ihnen ein lebendiger Weg gebahnt worden, um sie ins Allerheiligste einzuführen. Die Stätte des Gottesdienstes ist ihnen durch das Blut bereitet, damit sie dort anbeten, und durch das gleiche Blut sind sie zubereitet, um dort anzubeten. Der Hohepriester weilt beständig an dieser Stätte des Gottesdienstes. Kein Dienst fehlt dort, Er ist der Diener des Heiligtums und des wahrhaftigen Zeltes, welches Gott und kein Mensch errichtet hat.

Zugleich ist Er über das Haus, dessen Tore allzeit offen sind und der Eintritt immer frei ist. Alles finden wir ganz ohne unser Zutun bereitet. Was bleibt uns daher, als nur unsere großen Vorrechte zu gebrauchen und auf dieses Wort zu horchen: „Lasst uns hinzutreten!“ Dieses soll, so der Herr will, den Gegenstand der dritten Abhandlung bilden.

Es muss uns tief demütigen, wenn wir sehen, dass unter Christen wohl der Wert des Blutes Jesu zur Vergebung der Sünden erkannt wird, es aber nicht bedacht wird, dass dieses Blut die Stätte des Gottesdienstes für diejenigen gereinigt hat, welchen die Sünden vergeben sind. Das Blut des Opfers lehrte die Israeliten zwei Dinge: „Fast alle Dinge werden mit Blut gereinigt nach dem Gesetz, und ohne Blutvergießung gibt es keine Vergebung.“ Es gibt viele Seelen, die den Wert des Blutes im letzteren Falle kennen, aber im ersteren noch nicht erwogen haben. Es gibt viele, die durch den Gedanken, dass das Opfer Christi nicht hinreichend für ihre Sünden sei, mit Recht beunruhigt werden würden, und doch unterziehen sie sich einer Kirchenordnung, wodurch einer der wesentlichsten Teile des Werkes Jesu vernichtet wird, nämlich der, welcher die Gottesverehrung betrifft. Die gepredigte Wahrheit erfreut sie und bewirkt vielleicht eine glückliche Befreiung und sie unterwerfen sich der Form, weil es einmal so Brauch ist oder auch der Predigt halber. Aber welche schreckliche Herabwürdigung des Gottesdienstes! Welche Verschmähung des von Jesus Christus ins Allerheiligste getragenen Blutes! Welches Vergessen unserer priesterlichen Stellung als einmal gereinigte Anbeter für die himmlischen Räume selbst.

Der Herr verzeihe seinen Heiligen, seine Gnade durch die Art und Weise ihres Gottesdienstes so missachtet zu haben und führe sie durch seinen Geist in die alleinige Stätte der Gott angenehmen Verehrung, in das Allerheiligste!

(Fortsetzung folgt.)

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