Botschafter des Heils in Christo 1853

Worauf hoffst du?

Die ganze Welt hofft, ihr Leben und Treiben geschieht nur auf Hoffnung. Der Anker ihrer Hoffnung ist die Welt, aber die Welt vergeht und ihre Lust. Alles ist hier auf der Erde einem ständigen Wechsel unterworfen, nichts ist dauernd und trotzdem setzen Menschen ihr Heil darauf. Der reiche Mann im Evangelium wollte größere Scheunen bauen und die Ruhe seiner Seele darauf gründen – aber er starb in der Nacht und bewies, dass er ein Narr war (Lk 12,15–21).

Solche Narren gibt es heutzutage sehr viele. Da hilft kein Beispiel, jeder hofft das zu erlangen, was ein anderer nicht erlangen konnte. Ehre und Ansehen, Hab und Gut, die Lust der Augen und des Fleisches, die Freuden und Annehmlichkeiten des Lebens sind die Preise, wonach so viele jagen. Natürlich will jeder nur so viel von allem haben, um sagen zu können: Nun iss und trink, liebe Seele, und sei fröhlich. Darum rennt und läuft und hofft man und sucht Zufriedenheit und Glück. Da vertraut man leicht und wird gar schnell betrogen. Am meisten aber vertraut man sich selbst und betrügt sich auch selbst am meisten. Manches Luftschloss wird gebaut, viel von Glück und Segen geträumt, aber sieht man sich um, so ist es nicht mehr da. „Alles ist Eitelkeit unter der Sonne“, sagte der weise König Salomo. Doch eine ganz seltsame Sache ist das menschliche Herz. Hat der verflossene Tag nichts Besonderes gebracht, so soll‘s der morgige bringen. Sieht man sich heute betrogen, so will man es morgen klüger beginnen. So geht es von Tag zu Tag, bis die Todessichel dazwischen fährt und einen Strich durch die ganze Rechnung macht – und dann?

Ja, es ist eine ganz seltsame Sache mit dem Menschen. Durch die Vergangenheit will er sich nicht belehren, aber viel lieber sich durch die Zukunft täuschen lassen. Woher das kommt, ist nicht schwer zu begreifen. Schaut er zurück, so wird ihm seine Nichtigkeit verkündigt. Die Erde zeigt sich ihm als das, was sie ist: ein Jammertal. Er findet das Wort bewahrheitet, was einst Gott zu dem gefallenen Adam sagte: „Der Erdboden [sei] verflucht um deinetwillen: Mit Mühsal sollst du davon essen alle Tage deines Lebens“ (1. Mo 3,17). Und so ist alle Hoffnung verklungen, in den Dingen dieser Welt je wahres Glück zu finden. Darum sieht er lieber vorwärts in die verhüllte Zukunft und sucht sich zu täuschen. Er entwirft Pläne um Pläne, er gibt sich immer wieder eitlen Hoffnungen hin. Ein Wunsch verdrängt den anderen, aber nirgends findet er Ruhe, nirgends wahren Frieden.

Worauf hoffst du, mein Freund? Hast du dein Herz und die Dinge dieser Welt schon durchschaut, dass du von der Zukunft nicht mehr als von der Vergangenheit erwartest? Wäre das der Fall, so hättest du eine große Wahrheit erkannt, die manche Weisen dieser Welt, und hätten auch viele Jahre ihr Haar gebleicht, nicht einmal verstehen wollen. Du würdest dann aus Erfahrung wissen, was durch den Apostel Paulus in Römer 3,22.23 gesagt wird, dass wir von Natur alle Sünder sind. Aber freilich gibt es viele, die es zu wissen meinen – und sie wissen es doch nicht. Sie bekennen es mit dem Mund, aber ihr Herz ist nicht davon ergriffen. Sie gehen daher, als wenn es eben nichts Besonderes wäre, vor Gott ein Sünder zu sein.

Erlaube mir jetzt eine Frage, mein Freund: Gesetzt, du ständest in diesem Augenblick an den Pforten der Ewigkeit, wo alle Hoffnungen dieses Lebens in ihr Nichts zurücksänken und es fragt dich jemand: „Worauf hoffst Du?“, könntest du da mit fröhlichem Herzen antworten: „Auf die ewige Herrlichkeit, auf meinen Heiland Jesus Christus, den ich schauen und dem ich gleich sein werde?“ Wenn nicht, so bedenke doch, dass es eine sehr ernste und wichtige Frage ist und dass schon mancher schnell aus der Zeit in die Ewigkeit entrückt wurde. Du bist noch in der Welt aber du eilst zur Ewigkeit. Jeder Schritt bringt dich dem großen Gerichtstag näher. Dein Richter ist der heilige und gerechte Gott und du bist ein Sünder. Vor Ihm kannst du nichts verbergen, du kannst Ihm nicht ausweichen noch dich entschuldigen. einmal musst du vor sein Angesicht treten und all deine Entschuldigungen werden zunichte. Bedenke es doch, so lange es noch „heute“ heißt!

Hast du Jesus, so hast du die Hoffnung des ewigen Lebens und der ewigen Herrlichkeit. Erkennst du Ihn, so bist du weise. Sein Licht offenbart dir deine Ohnmacht und die Eitelkeit der Welt und die List und die Gewalt der Sünde. Aber in Ihm findest du ewige Kraft und eine unaussprechliche Herrlichkeit und Gnade. In Ihm ist die Erlösung und Versöhnung durch sein Blut (vgl. Eph 1,7). Er hat uns alle Reichtümer und Schätze eines unverwelklichen und unvergänglichen Erbes im Himmel geöffnet (vgl. 1. Pet 1,4). In Jesus findest du wahre Ruhe und den göttlichen Frieden, ja die ganze Fülle der Gottheit (vgl. Kol 2,9). Alles, was Er hat, will Er dir aus Gnaden schenken, wenn du nur willst. Er hat sein Leben für dich gelassen, ehe du geboren wurdest, und hat Fluch und Schmach für dich erduldet. Bedenke doch, wie Er dich liebt und nimm Ihn an und glaub an seinen Namen. Dann wird deine Hoffnung eine lebendige und eine ewige sein (vgl. 1. Pet 1,3). Fliehe nicht länger vor seinem freundlichen und gnädigen Angesicht, was dir nur Liebe und Erbarmen anbietet. Willst du dich aber nicht überreden lassen, so wird seine Gerechtigkeit dich einmal vor sein Antlitz stellen und welch eine Ewigkeit wird dann dein Los sein! Darum komm schnell, mein Freund, und lass seine freundliche Stimme noch heute dich bewegen, zu Ihm in Wahrheit hinzueilen, so wird eine freudige und überaus herrliche Hoffnung dein Herz erfüllen.

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